Samstag, 29. April 2017

2012 für gut befunden - heute aussortiert, weil ich es besser kann



Das Schöne am Bloggen ist: ich kann jederzeit nachschauen, was ich früher so gemacht habe und mich daran erfreuen, was ich alles gelernt habe. Letztens fiel mir beim Aufräumen eine Bluse in die Hände, die ich jahrelang ungetragen in meinem Kleiderschrank habe. Ich vermute, ich habe sie Anfang des Jahrtausends gekauft, aber gut gesessen hat sie nie. 

Ein Upcycling-Versuch, der irgendwie doch nicht glücklich machte


2012 habe ich es mit Upcycling probiert. Die Bluse war überall zu eng und eigentlich war es schon ganz schlau von mir gedacht, einen Mustermix-Stoff einzusetzen, wenn es schon unmöglich ist, den exakt gleichen Stoff zu bekommen. Nach meiner Erfahrung ist ein ähnlicher Stoff immer die schlechtere Wahl, weil das schnell "gewollt und nicht gekonnt aussieht". 2012 war ich mit meinem Ergebnis recht zufrieden und zeigte die geupcycelte Bluse beim MMM.




Aus heutiger Sicht habe ich sie in die Altkleidersammlung gegeben. Immerhin, dachte ich, als ich sie in die Hand nahm, um zu entscheiden, ob sie gehen muss oder bleiben darf, immerhin habe ich vorne mehr Stoff eingesetzt, als an den Seiten. Das tat ich damals aber nicht aus dem Bewusstsein, dass vorne noch mehr Platz gebraucht wird, als hinten, sondern deshalb, weil die Erweiterung an den Seiten immer noch nicht ausreichte und die Bluse vorne noch unschön klaffte.

Heute weiß ich, dass es nicht ausreicht, einfach an den Seitennähten Mehrweite einzufügen. Das mag eine Möglichkeit sein, wenn es um 2 cm Mehrweite geht. Doch sobald wir von mehr Mehrweite sprechen, würde eine Zugabe an den Seiten bedeuten, dass nicht nur das Vorderteil, sondern auch das Rückenteil größer wird. Gerade bei so einer auf Figur geschnittenen Bluse ist das nicht erwünscht. Deswegen hatte ich, nachdem ich die Bilder gesehen hatte, die ich für den MMM gemacht hatte, noch einen "Mittelstreifen" eingefügt und einen Nachtrag geschrieben. Und trotzdem war die Bluse nur vordergründig chic, aber gefühlt nicht richtig, weswegen sie eigentlich nie getragen wurde.


Wenn es vorne klafft, hilft nur eine FBA


Heute kann ich eine FBA machen und dort Mehrweite einfügen, wo Mehrweite gebraucht wird - das ist nunmal meist an der Brust. Diese kombinierte Weiten-und Längenänderung sorgt zudem dafür, dass der Stoff, der einen längeren Weg über die große Brust geht, untenrum nicht "bauchfrei" erzeugt. Das ist natürlich bei einem neugenähten Kleidungsstück einfach im Vorfeld mit einzuplanen. Bei einem Upcycling, also nachträglichen Änderungen an einem fertigen Kleidungsstück, nicht so einfach.

Genau das ist der Grund, wieso die an sich hübsche Idee, Streifen aus gestreifter Bündchenware einzusetzen, nicht funktionierte. Ihr seht, was ich meine, oder?





Die Bluse hat mit Paspeln abgesetzte Teilungsnähte. An sich eine wunderschöne Idee. Aber genau das macht offensichtlich, was an dieser Bluse falsch ist: die Brustrundung sitzt oberhalb der Brust!

Große Brüste und die Brüste von Frauen, älter als Anfang zwanzig, sitzen nicht unbedingt an der Stelle, die die DesignerIn für eine Größe 36 vorgesehen hat. Einfach die Kurve um ein paar Zentimenter zu verschieben, reicht meist nicht. Je größer die Kleidergröße, desto tiefer muß der Brustpunkt. Das ist zwar eine Faustregel und ist signifikant auch eher für die großen Größen zu sagen, aber als Faustregel schon ziemlich offensichtlich. Ihr wisst schon: die Schwerkraft und so.

Wenn wir selbst nähen, dann können wir dort Weite einfügen, wo Weite wirklich gebraucht wird und gerade bei Teilungsnähten, die Brustrundung genau dort schön ausformen, wo sie wirklich sitzen soll. Seit dem ich das kapiert habe und auch noch lehre, kann ich so eine "falsche Bluse" einfach nicht mehr anziehen.


Es ist großartig, dass wir keine komische Kleidung tragen müssen!


Das ist doch großartig, dass wir nähen können und nicht mit komischer Kleidung herumlaufen müssen! Irgendwie tat es mir leid, als ich die hübsche Bluse aussortierte, aber gleichzeitig freute ich mich wie Bolle darüber, dass ich sie aussortieren kann und dass ich dazu in der Lage bin, etwas besseres zu nähen. Und sollte ich die Bluse wirklich vermissen - ja, dann nähe ich mir einfach so eine ähnliche (mit oder ohne Mustermix), aber dann wenigstens passend!

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