Freitag, 3. Februar 2017

Nähwerkzeuge: Schere



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich jeden Freitag ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen zum Maßband! Wenn ihr selbst schon einen Blogbeitrag zum Thema geschrieben habt bzw. schreiben wollt, dann könnt ihr gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag verlinken. 


Zunftwappen Schneider

Scheren braucht das Schneiderlein


Die Schere ist möglicherweise das wichtigste Werkzeug einer Schneiderin. Jedenfalls ist sie das Werkzeug, das oftmals symbolisch für Schneiderei benutzt wird.

Vielleicht wird deswegen die Schere (statt Stoff, Nadel oder Faden) als Symbol genommen, weil die Schere so viel mit dem Menschen, die sie benutzt zu tun hat und gehütet wird, wie ein Augapfel. Ich kann mir gut vorstellen, dass in einem professionellen Schneideratelier, jedeR eine eigene Schere hat und es bei Höchststrafe verboten ist, die Schere einer anderen zu nutzen. Denn auf eine Stoffschere muß frau sehr gut aufpassen. Die Stoffschere ist nur so lange gut, so lange sie richtig scharf ist. Falsche Benutzung macht die Schere stumpf. Deswegen ist es wichtig, gut auf die Schere aufzupassen und sicherlich besser, anderen die Benutzung zu untersagen.


selbstausgesuchte Stoffschere


Was macht die Schere stumpf?


Eine Stoffschere ist eine Stoffschere. Da ist die sicherste Faustregel: mit einer Stoffschere wird nur Stoff zugeschnitten. Andere Materialien machen die Schere möglicherweise stumpf.

Ganz böse ist zum Beispiel Papier. Wenn du aus Faulheit die Stoffschere dazu benutzt, um mal schnell etwas am Schnitt zu ändern, dann wird sie stumpf. Leider wird sie auch stumpf, wenn frau aus Bequemlichkeit, nur um die Schnittteile herumschneidet, statt mit Kreide die Schneidelinien auf dem Stoff zu markieren. Wenn eine dann so dusselig ist wie ich, und immer mal in das Schnittmuster (aus Papier, Folie oder Fleece) einschneidet, dann wird die Schere stumpf.

Apopos Fleece: Auch Fleece, als Fleecestoff (für Decken oder kuschelige Kleidungsstücke) oder als Einlage (auch bekannt als Vlieseline) macht Scheren stumpf. Nutzt dafür lieber eine Haushaltsschere. Kunstleder, Regenmantelstoff, Softshell oder Wachstuch sind auch Materialien, die nicht toll für eine Schere sind. Ihr könnt euch auch denken, dass Pailletten oder Stoffe mit eingewebten Metallfäden eine Schere stumpf machen können. Zur Zeit in Mode sind auch viele Stoffe mit glitzernden Aufdrucken - auch diese machen die Schere (oder auch das Messer der Overlockmaschine) stumpf, wenn sie zu oft geschnitten werden.

Am schnellsten wird eine Stoffschere aber dadurch stumpf, dass Familienmitglieder sie zweckentfremden. Also macht euren MitbewohnerInnen klar, dass es ein absolutes No-Go ist, die Stoffschere zu benutzen!


Was für Scheren braucht eine (Hobby-)Schneiderin?


Ihr braucht eine Stoffschere, um den Stoff zuzuschneiden. Selbst, wenn ihr gerne mit einem Rollschneider zuschneidet, braucht ihr die Schere für die kleinen, figenlinschen Stellen. Auch Rundungen lassen sich oftmals mit einer Schere besser schneiden, als mit einem Rollschneider.

Stickschere



Außerdem braucht ihr eine kleine Schere. Ich benutze am liebsten Stickscheren, weil diese vorne spitz sind. Ich habe sie neben der Nähmaschine liegen, um sofort jeden Faden abzuschneiden, nachdem ich in meinem Praktikum und auch später bei "Geschickt eingefädelt" sehr gerügt wurde, wenn irgendwo ein Fädchen sichtbar war. Der Fadenabschneider der Nähmaschine schneidet mir zu wenig dicht am Stoff. Ich benutze sie auch zum Trennen, wenn ich keinen Nahttrenner zur Hand habe, oder um eine Knopfloch noch präziser aufzuschneiden, als mir das vorher mit dem Nahttrenner gelungen ist. "Präzises Schneiden" ist das Stichwort für die kleine Schere. Immer dann, wenn es sich um kleine Einschnitte handelt, z. B. beim Einschneiden der Nahtzugabe, damit sich eine Rundung schön legt, ist die kleine Schere gefragt.

Ich besitze auch noch eine Overlockschere. Das ist eine Schere, eine Art Zange, die schnell benutzen kann, um Fäden abzuschneiden. Der Trick ist, dass bei dieser Schere die Finger nicht in die Löcher "eingefädelt" werden müssen, um zu schneiden. Bei schnellem Arbeiten im Sweatshop ist das sicherlich sehr praktisch, wenn jeder Handgriff sitzt und alles schnell gehen muss. Für meine Zwecke finde ich sie nicht so geeignet. Ich brauche sie nicht zusätzlich zur Stickschere. Außerdem finde ich sie auch ziemlich gefährlich, in einem Haushalt, in dem auch Kinder leben, die auf die beklopptesten Ideen kommen.



Overlockschere


Wie komme ich einer guten Stoffschere?


Als mir meine Mutter eine Stoffschere schenken wollte, bekam ich nur einen Gutschein. Die Verkäuferin des Fachgeschäftest war der festen Überzeugung, dass 1. frau eine Stoffschere selbst aussuchen muss, damit sie zur Hand passt und 2. dass es unmöglich ist, eine Schere zu versenden, ohne, dass sie leidet. Also musste ich in das Geschäft, um mir eine Schere auszusuchen. Ich entschied mich damals - zu beginn meiner Nähkarriere - für eine eher kleine und zarte Stoffschere, weil ich Respekt vor den langen, schweren Monstern hatte. Für den Allround-Gebrauch war das eine gute Wahl - um große Mengen zuzuschneiden, wäre vielleicht ein "Monster" besser gewesen.

Ich besitze noch eine zweite Stoffschere, die ich geschenkt bekam und die auch per Post bei uns eintrudelte. Das geht auch und sie schneidet gut. Trotzdem bevorzuge ich die Schere, die ich selbst ausgesucht habe, weil sie tatsächlich besser zu mir passt. Sie ist filigraner, leichter und ist vorne spitzer. Ich habe das Gefühl, damit präziser arbeiten zu können.

Anfängerinnen würde ich tatsächlich raten, nicht gleich das Beste vom Besten zu kaufen. Eine gute Stoffschere hat zwar ihren Preis - ich würde ca. 30 - 60 € dafür ansetzen - aber am Anfang werden eben noch mehr Fehler gemacht und erst mit der Zeit lernt eine Näherin einzuschätzen, was sie am liebsten näht und welches Werkzeug sie dafür braucht. Bei einer Schere lohnt es sich auch, sie in einem Fachhandel zu kaufen, in dem es gute Beratung gibt und die Schere in die Hand genommen werden kann.


Andere, schwerere,und weniger spitze Stoffschere


Schere pflegen


Gutes Werkzeug will nicht nur beschützt, sondern auch gehätschelt und gepflegt werden. Auch eine Schere will gereinigt und geölt werden. Am besten reinigt ihr die Schere mit einem weichen Tuch nach dem Gebrauch von Flusen.

Damit sie leichtgängig bleibt, ist es ratsam, die Schere auch hin und wieder zu ölen. Dazu schraubt ihr sie auseinander und spendiert ihr entweder einen kleinen Tropfen Nähmaschinenöl oder aber ihr gönnt euch ein Sprühöl (von einer erfahrenen Stoffverkäuferinnenkollegin empfohlen Ballistol Universalöl). Das Öl ist besonders am Gelenk, dort wo die Schraube ist, wichtig, ihr könnt aber auch die "Schneidefinger" leicht einölen, in dem ihr mit dem weichen Reinigungstuch das Öl in einem zarten Film verteilt und dann noch mal nachwischt, damit der nächste Stoff, den ihr benutzt, nicht verschmutzt wird.


Was mache ich, wenn meine Stoffschere stumpf geworden ist?


Scheren können geschliffen werden. Bei gutem Werkzeug und regen Gebraucht lohnt sich die Investition. Ich halte nichts davon, Scheren selbst zu schleifen, ein Fachmensch kann das auf jeden Fall besser. Bei sachgemäßem Gebrauch (siehe oben) werden Stoffscheren selten stumpf, aber es ist eine Wohltat, nach wochenlangem Schimpfen über eine stumpfgewordene Schere plötzlich wieder ein Werkzeug in den Händen zu halten, das wie ein Messer durch weiche Butter geht.

Seid ihr zufrieden mit eurer Stoffschere, habt ihr auch mehrere Scheren? Auf was würdet ihr beim Scherenkauf achten? Gibt es etwas zum Thema Schere, dass ich vergessen habe?

Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

Kommentare:

  1. Nachdem ich ewig mit billigen Scheren hantiert habe, hat mir mein Super Ehemann eine Schneidematte und Rollschneider in 2 Größen gekauft. Er meinte, seiner Ansicht nach bräuchte man auch einen.kleinen Rollschneider für enge/kleine Ecken und Kurven....Recht hatte er, ich liebe den kleinen Rollschneider sehr.

    Zusätzlich habe ich mir noch eine tolle Stoffschere von Fiskars gekauft...die ist echt großartig.

    Von diesen Overlockscheren besitze ich zwei geschenkte Teile und finde beide untauglich.

    Liebe Grüße
    Coco

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    1. Kleiner Rollschneider? Das kenne ich noch gar nicht!

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  2. Ich habe eine Stoffschere, die sehr schwergängig ist, eine kleinere, die nicht vernünftig schneidet, eine Kinderbastelschere, die erstaunlich scharf ist, obwohl ich ALLES mit ihr schneide, und im Handarbeitsbeutel eine Woll- und Stoffschere aus dem Discounter, mit der ich alle Zuschnitte erledige (weil die Stoffschere so schwergängig ist). Ich brauche unbedingt so eine kleine Stickschere, und irgendwann auch einmal so eine richtig tolle Stoffschere, denn ich glaube es dir unbesehen: Vernünftiges Werkzeug zahlt sich aus :)
    LG
    Sandra

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    1. Vielleicht kannst du die Schraube der Stoffschere lockern oder/und sie ölen?

      Alles mit einer Schere schneiden ist auf Dauer nicht die beste Idee. Aber wahrscheinlich ist das für dich gerade die beste Lösung, bis du dir andere Scheren gönnst. Dann würde ich auf jeden Fall im Fachgeschäft kaufen, wo du sie in die Hand nehmen und wenigstens "trocken" probieren kannst.

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  3. Statt einer Stickschere habe ich neben der Nähmaschine eine Nagelschere. Wobei ich auch viele Kindersachen nähe und dort Nähte einfasse. Durch die Biegung der Nagelschere schneidet man da beim kürzen der Nahtzugabe nicht ins genähte Stück. Auch beim Maschinensticken schneide ich die Fäden nur mit dieser Schere ab.
    LG
    Martina

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    1. Stimmt! Eine Nagelschere benutze ich manchmal aus genau diesem Grund auch!

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  4. Obwohl noch ganz am Anfang einer "Nähkarriere" (und dabei schon Ü60 - absoluter Spätstarter) ist mein Kasten für Schneidwerkzeuge schon vielseitig gefüllt, vom Rollschneider über Diskounter-Scheren (für Papier, Vlies, Kunstleder + Wachstuch), Faden- und Stickscheren bis zu meinen Lieblings-Stoffscheren von Fiskars und von Paul. Alle fein säuberlich mit einem entsprechenden Bändchen für ihren Verwendungszweck markiert - die Bedeutung von Ordnung im Werkzeugkasten ist mir seit meiner Lehre als Buchbinderin absolut geläufig...
    Wenn ich eine schön leichtgängige und "handliche" Schere entdecke, darf sie auch einen Euro mehr kosten, denn gutes Werkzeug hat seinen Preis - das gilt für Nähmaschinen wie auch für Scheren. Um so mehr habe ich mich über Deinen ausführlichen Scheren-Beitrag sowie Deine Wertschätzung von gutem Werkzeug gefreut!
    Vernähte Grüße
    Cornelia

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    1. Off topic. Du bist buchbinderin? Nicht zufällig im Raum Berlin?

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    2. In Hamburg groß geworden und gelernt, seit 25 Jahren in Schleswig-Holstein heimisch - mit Berlin verbindet mich sehr wenig.

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  5. Toller Beitrag. Aber ich vermisse die Erwähnung einer Knopflochschere. Ok , ich benutze sie nicht sehr oft, aber schon als Kind fand ich diese Schere von der Funktionsweise her cool.

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    1. Knopflochschere? Muß ich gleich mal googlen. Ist ja immer schön, wenn etwas auf die Wunschliste kann.

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  6. Vielen Dank für die tollen Infos! Dass man mit einer Stoffschere außer Stoff nichts schneiden soll, wusste ich. Aber dass Vlieseline zum Beispiel nicht dazu gehört, wusste ich nicht, und die werde ich ab sofort nicht mehr mit meiner "guten" Schere schneiden!
    Ich habe eine schwere, alte Stoffschere von meiner Oma geerbt, aber die ist recht stumpf. Beim Aldi habe ich mir vor Jahren mal ein Nähset gekauft, was lange unbenutzt in der Ecke lag, und das ich erst vor Kurzem aufgemacht und nach brauchbaren Sachen durchforstet habe. Was soll ich sagen? Die billige Schere aus diesem Set mit Plastikgriff, die schneidet super!
    Und eine kleine Bastelschere liegt bei mir auch direkt neben der Nähmaschine zum Faden abschneiden.
    LG, Steffi

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  7. Ich habe eine Stoffschere zu Beginn meiner Freude am Nähen geschenkt bekommen, die liegt vermutlich so in der Mittelklasse. Allerdings hat sie schon sehr, sehr viel geschnitten, darunter zu Anfang auch Vlieseline, Fleece, Leder und all das schöne Zeug, was eher ungünstig ist. Jetzt habe ich vor, sie mal zum Markt zu bringen, dort steht bei uns im Dorf nämlich ein kleiner Wagen der alles mögliche schärft. Hoffentlich funktioniert das!
    Eine kleine Stickschere habe ich auch, die benutze ich für Knipse und Knopflöcher oder kleine Korrekturen. Und dann benutze ich für Folie/Papier und anderes Zeug beim Nähen eine ganz normale Kinderbastelschere, die ich schon seit der Grundschule besitze :D

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  8. Ich schneide auch fast alles mit dem kleinen Rollschneider zu. Meiner hat einen Durchmesser von ca. 2,5 cm. Ich hab aber schon mal noch kleinere gesehen. (Aber übertreiben muss man es ja nicht ;-)

    Ich nerve mich immer im Laden, wo man selber Stoff zuschneiden muss, wenn dort die Scheren nicht gut schneiden. Selber hab ich eine normale Schere, die eigentlich ganz gut schneidet. Und ja, separate Scheren für Papier und co. Aber sag einmal... was ist eigentlich mit der Zickzack-Schere? Ich habe eine, brauche sie aber nie. Ich hätte Lust, damit Papier zu schneiden, mache es aber nicht. Verwendet man in Schneiderkreisen überhaupt diese Scheren noch?

    Mein Traum wäre eine alte, metallige Schere, wirklich ganz aus Metall. Eine, die so einen schönen Klang hat beim Schneiden und die wunderbar in der Hand liegt.
    Liebe Grüsse
    Milena

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    1. Achja, die Zickzackschere. So eine habe ich auch, benutze sie aber nur noch für Bastelarbeiten - > also für Papier.

      Früher hat man mit der Zickzackschere die Stoffkanten geschnitten, damit sie nicht ausfransen. Da ich eine Overlockmaschine habe, mache ich das nicht. Ich vermute, das ist bei anderen auch so.

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  9. Ich bin ja Team kleiner Rollschneider (mit Abstandshalter), habe aber auch eine ordentliche Stoffschere, aus Metall. Die mit Platikgriffen haben für mein Gefühl immer so eine billige Bastelscherenhaptik :-)
    Meine Lieblingsschere ist eine antike Vogelschere (so ein Kranich?-Dings) aus dem Bestand meiner verstorbenen Großtante, die ist mittlerweile ins Nähkörbchen gewandert, weil die nicht mehr so gut schneidet. Neben der Nähmaschine liegt nun noch eine kleine spitze Metallschere, zum Fäden kappen oder Nahtzugaben zurückschneiden.
    Eine Zickzackschere habe ich auch, die nehme ich bei Nahtzugaben, die ich nicht versäubere, z.B. bei Tascheneingriffen, ich bilde mir ein, dass dann die Kanten weniger sichtbar durchdrücken.
    Vielen Dank für Deine neue Serie im übrigen, man lernt ja auch als jahrelange Hobbyschneiderin nie aus!
    LG Lexi

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