Freitag, 10. Februar 2017

Nähwerkzeuge: Nahttrenner



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich immer mal Freitags, ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen! Wundert euch nicht, falls es mal einen Freitag keinen Beitrag zu dieser Serie gibt. Ich behalte mir vor, nach Lust und Laune Beiträge zu schreiben, aber wenn zu den Werkzeugen, dann immer freitags!





Der Nahttrenner, Pfeiltrenner oder Nahtauftrenner


Der "gemeine" Nahttrenner hat viele Namen, heißt aber manchmal auch nur: "wo versteckt sich nur das verfluchte Ding", denn einen Nahtauftrenner brauchen wir meist dann, wenn es beim Nähen nicht optimal läuft und sie neigen dazu, gerade in diesen ohnehin schon ärgerlichen Situationen unauffindbar zu sein.

Es handelt sich um ein Schneid- und Trennwerkezug aus Metall mit einem Kunststoffgriff oder andersrum gesagt, ein Kunststoffgriff, in den ein spitzes, seitlich scharfes Messer eingelassen ist. Die eine Seite der "Gabel" ist spitz und die andere, die wie abgebrochen aussieht, meist mit einer Kugelspitze geschützt. Die Klinge sitzt an der die Aussparung zwischen den beiden Spitzen. Wenn frau sie nicht verloren hat, hat der Nahttrenner eine Schutzkappe, um sich nicht an dem Werkzeug zu verletzen, die aber meist auch hinten aufgesetzt werden kann, um den Griff zu verlängern.

Ich habe mich lange gefragt, ob die hübsche farbige Kugel eine Funktion hat, hinter die ich noch nicht gekommen bin, aber ich fürchte, die Antwort ist ganz banal: das ist die Stelle, an der der Nahttrenner eben nicht spitz und scharf ist, um den Stoff zu schützen.


Sicherheitshinweise


Das Ding ist verdammt scharf und spitz, es ist schärfer, als frau vermuten würde. Deswegen gibt es wie beim Schnitzen den Ratschlag, immer schön "vom Körper weg" schneiden. Darüber habe ich bei der Benutzung allerdings noch nie nachgedacht, denn meist achte ich darauf, den schönen Stoff nicht zu verletzen. Geschnitten habe ich mich am Nahttrenner noch nie, gepiekst schon, aber das war nicht so schlimm. Aber Stoff habe ich damit sehr wohl schon zerstört.

Aus diesem Grund benutzt meine Nählehrerin keinen Nahttrenner. Sie findet das Ding unberechenbar und trennt falsch gesetzte Nähte lieber auf, in dem sie den Faden an einer Stelle mit der Schere aufschneidet, einen Faden mit der Scherenspitze etwas heraus zieht und dann an eben jenem Faden zieht so weit es geht, um ihn dann gegen die Nahtrichtung abzureißen. Dann nimmt sie den zweiten Faden, zieht wieder so lange es geht und reißt ihn ab. Immer abwechselnd, bis die Naht aufgetrennt ist. Diese Methode benutze ich zwar auch hin und wieder, aber oftmals geht es mit dem Nahttrenner doch einfacher und schneller.


Wie funktioniert der Nahtrenner?


Viele Wege führen nach Rom. Ich kenne zwei Varianten, um mit dem Nahttrenner eine Naht aufzutrennen und meist benutze ich eine Mischung aus beiden Methoden. Wie immer ist es "es kommt darauf an": je nachdem, wie sich der Stoff verhält, versuche ich behutsam und vorsichtig die Naht zu lösen, so dass es möglichst schnell geht und der Stoff möglichst gar nicht verletzt wird.

Die erste Möglichkeit ist, dass ihr von der linken Stoffseite aus mit der Spitze unter einen sichtbaren Teil einer Naht stecht und diesen Teil der Naht aufschneidet. Wenn ihr dies bei jeder dritten oder fünften Stelle macht, könnt ihr euer Werkstück umdrehen und die Fäden auf der anderen Seite herausziehen.





Die zweite Möglichkeit ist, dass ihr - wenn ihr bereits ein Stück getrennt habt - die zusammengenähten Stoffbahnen auseinander zieht und jeweils den Faden in der Mitte, zwischen den Stoffbahnen, auseinander schneidet. Der Nachteil dieser sehr schnellen Methode des Aufschneidens ist, dass ihr hinterher eine ganze Menge kleiner Fädchen aus den Stoffstücken herauszuppeln müsst.



Mit einem Nahttrenner genähte Knopflöcher aufschneiden

Neben dem ärgerlichen Trennen, bei dem der Nahttrenner euch behilflich sein kann, wird der Nahttrenner auch gerne zum Aufschneiden von Knopflöchern eingesetzt. Ich finde das geht ganz prima, wenn frau eine Sache beherzigt. Damit die schönen genähten Knopflöcher beim Aufschneiden nicht zerstört werden, ist es eine gute Idee, an das Ende eines Knopfloches, eine Stecknadel zu stecken. Diese kann den Schwung beim Aufschneiden bremsen.




Brauche ich einen Super-Nahttrenner?


Nahttrenner gibt es als "Pfennigartikel" in klein und ganz günstig, aber auch in Wunschfarbe und ergonomisch geformt. Ich besitze alle möglichen Varianten und kann euch versichern: alle Varianten verschwinden mit gleicher Regelmäßigkeit irgendwo. Ich nutze immer den, der gerade auffindbar ist und habe keinen anderen Grund, wieso ich diesen oder jenen bevorzuge.

Sehr ihr das anders? Schwört ihr auf ergonomische Nahttrenner oder ein besonderes Design? Wozu benutzt ihr den Nahtrenner? Was habe ich noch vergessen? Ich bin gespannt!


Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

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Kommentare:

  1. Ich musste gerade am Ende deines Posts sehr lachen. Danke dafür. :D

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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  2. ergonomisch oder nicht-ist wurscht,aber was definitv nicht egal ist, ist die qualität und das betrifft egal welche artikel fürs nähen. dienahttrenner sind da keine ausnahme. ich lasse meine kursteilnehmer die billigen durch hochwertige ersetzen,wenn sie unbedingt einen haben wollen. ich selbst benutze einen seit jahren,der sehr teuer war, von der Marke "Madeira", vermutlich zum auftrennen der Stickereien gedacht. warum der? er ist nicht zu spitz,dass ich den stoff aus versehen kaputt schneiden könnte ,dafür aber super gut geschliffen und vor allem poliert.
    auch empfehle ich im gegensatz zu deinem ersten bild den trenner niemals in richtung nähgut zu halten, sondern immer flach und immer weg davon. auf diese art und weise kann man die gefahr minimieren.kein profi benutzt die dinge,sie machen es nur mit scheren.ich mag nicht mit scheren,bin beim auftrennen immer hoch konzertriert und benutze nur diesen einen.

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  3. Kleiner, aber wirksamer Trick, der viel Zeit spart: Aufgeklappte Naht vor sich hinlegen, mit dem ABGERUNDETEN Ende unter die Naht fahren und dann vorsichtig die Naht entlangfahren. Dadurch kann sich der Nahttrenner nicht im Stoff verhaken.
    Viele Grüße
    Cornelia (alias Nahttrennerin) ;)

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  4. Ich kann nicht ohne Nahttrenner. Zwar habe ich in früher Jugend auch die "abwechselnd am Unter- und Oberflächen ziehen"- Methode beigebracht bekommen und Knopflöcher mit spitzer Schere aufgeschnitten, kann das auch - aber damals gab's bei uns noch keine Nahttrenner. Ich hab damit auch noch nie Schaden angerichtet, mit der Schere schon. Außerdem funktioniert das Ziehen und Reißen nicht bei jedem Material.
    Ich hab den Nahttrenner außerdem an der Nähmaschine immer in der rechten Hand und positioniere und fixiere mit der Spitze die Stoffbahnen kurz vor dem Füßchen. Dafür gibt es wohl auch Spezialwerkzeug, irgendwelche Stäbchen (?) aber für mich ist der Trenner an der Stelle perfekt.

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  5. Ich habe einen geerbten und nutze ihn eigentlich nur zum Auftrennen. Für Knopflöcher nutze ich lieber meine Schere, weil ich den Trick mit der Nadel noch nicht kannte und mir die Knopflöcher oft zerstört habe :D

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  6. Hmm, ich habe mal gehört, dass die Art den Auftrenner zu benutzen falsch sein soll. Ich mache es auch so wie du, aber eigentlich soll man wohl mit der kleinen Kugel am Stoff entlang fahren und kann ihn damit nicht so leicht zerreißen. Und ich muss mal eine Lanze für fancy Nahttrenner brechen: meiner hat Silikon an den Enden. Und damit kann man super die kleinen Fadenfetzen wegrubbeln!

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  7. Die Kugel am Nahttrenner ist quasi ein Schlitzschutz: wenn Du bei Deinem Bild zu Variante 2 den Nahttrenner umdrehst, also Kugel nach unten, und ihn waagerechter ansetzt, kannst Du in einem Rutsch die Naht komplett auftrennen und die Kugel verhindert, dass Du in den Stoff gerätst. Gelingt bei festeren Stoffen besser als bei feinen, geht dann aber wirklich ruckzuck.
    Ansonsten nutze ich die Reißmethode, nur mit Nahttrenner als mit Schere, weil die Nahttrennerspitze eben doch etwas filigraner als die Scherenspitze ist.
    LG Lexi

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