Freitag, 24. Februar 2017

Nähwerkzeuge: Fangnadel



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich immer mal Freitags, ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Danke für eure tollen Ergänzungen! Wundert euch nicht, falls es mal einen Freitag keinen Beitrag zu dieser Serie gibt. Ich behalte mir vor, nach Lust und Laune Beiträge zu schreiben, aber wenn zu den Werkzeugen, dann immer freitags!





Die Fangnadel


Heute schreibe ich über ein Nähwerkzeug, über das ich vor ein paar Monaten zufällig gestolpert bin, denn ich war mal wieder auf der Suche nach einem Nahttrenner. Ich glaube, Nahttrenner und kleine Scheren sind verhext. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Aber bei mir verschwinden sie regelmäßig spurlos. Hin und wieder finde ich durch Zufall mal eines dieser Werkzeuge wieder. Aber ich komme niemals auf die eine ganze Sammlung - einige dieser Werkzeuge scheinen irgendwo im Nähwerkzeuguniversum eine große Schleife zu drehen und erst in hundert Jahren wieder zu mir zurückkehren.

Ich wollte also einen neuen Nahttrenner kaufen und entdeckte bei den Kurzwaren die Fangnadel. Was diese macht, konnte ich gleich auf der Packung erkennen. Da auch meine Fangnadel Nr. 1 irgendwohin verschwunden ist, habe ich mir letzte Woche einen Ersatz gekauft und hatte so Gelegenheit, die Verpackung für euch zu fotografieren.  Mit der Fangnadel können die Fäden, die bei einer Kettelnaht mit der Overlockmaschine übrig bleiben, in die Naht gezogen werden.


Die Geschichte der Fangnadel


Als ich meine erste Fangnadel mit nach Hause nahm, wurde ich neugierig. Als ich nach diesem Werkzeug googelte, fand ich heraus, dass die Fangnadel eigentlich dazu genutzt wurde, um feine Strümpfe zu reparieren, die eine Laufmasche hat. Das fand ich faszinierend. Ihr kennt doch auch alle dieses Phänomen, dass Strumpfhosen kaum länger als einen Tag tragbar sind, weil sie sofort eine Laufmasche bekommen. Früher haben Frauen Feinstrümpfe repariert. Ich kann mir jetzt vorstellen, wie. Und ich stelle mir das sehr mühsam vor. Aber toll finde ich das schon - besser als wegwerfen.


Gängiger ist die Methode des Hochhäkelns der Laufmasche. Dazu wird eine sehr feine Häkelnadel benötigt. Omas haben den Strumpf über ein Schnapsglas oder einen Stopfpilz gespannt, um gut arbeiten zu können. Mit einer sehr feinen Repassiernadel wird die Laufmasche Schritt für Schritt zurückgehäkelt. Das Loch wird per Hand vernäht. meinestruempfe.de


Das gibt es Geschichten. Fragt mal eure Omas und Mütter! Es gab auch Maschinen, mit denen Strümpfe repariert wurden. Hier ist eine schöne Geschichte dazu. Aber irgendwann sind wir zum Wegwerfen übergegangen. Einzig teure Kompressionsstrümpfe kann frau wohl noch reparieren lassen. Ich finde es spannend, dass es die Fangnadel immer noch gibt, wenn auch jetzt mit einer anderen Verwendung. Die Welt ändert sich, aber die Fangnadel bleibt.


Wie funktioniert eine Fangnadel?


Aber noch mal langsam. Also, wenn ihr mit einer Overlockmaschine näht, näht ihr mit 4 Fäden. Am Ende einer Naht stellt sich die Frage, was mit diesen vier Fäden geschieht. Vernähen ist schwer möglich. Eigentlich ist so eine vierfädige Naht auch ziemlich stabil. Trotzdem würde es mir Alpträume bereiten, diese Fäden immer einfach so abzuschneiden. Ich schneide die Fäden nur an den Stellen ab, über die ich anschließend noch einmal darüber nähe. Z. B. schneide ich die Fäden an den Seitennähten eines Shirts, oben und unten ab, weil ich oben, beim Einsetzen des Ärmels noch mal darüber nähe und unten beim Säumen. Eine ganze Menge dieser Anfangs- und Endfäden können also einfach abgeschnitten werden. Trotzdem bleiben bei jedem Kleidungsstück immer noch ein paar Fäden übrig. Was tun?

Bevor ich eine Fangnadel hatte, öffnete ich theoretisch mein Täschen für das Handnähen und Flicken, suchte eine Stopfnadel heraus, fädelte die vier Fäden in die Stopfnadel und zog sie dann ein paar Zentimeter durch die Stiche der Naht. "Theoretisch" deswegen, weil ich mir das manchmal nur vorgenommen habe, das Kleidungsstück ein paar Mal trug und wusch, um dann festzustellen, dass die herabhängende Fäden verfilzen und es sich jetzt auch nicht mehr lohnt das Nähtäschchen aus dem Schrank zu holen, die Stopfnadel herauszusuchen, die vier Fäden in die Stopfnadel einzufädeln und sie dann ein paar Zentimeter durch die Naht zu ziehen. Sprich: Es gab Kleidungsstücke in meinem Schrank, in denen innen noch Fäden baumeln.

Seit dem ich eine Fangnadel besitze, ist das aber vorbei. Die Fangnadel ist zwar auch nur so groß wie ein Nahttrenner (und verschwindet ebenso oft, weswegen ich letztens einen Ersatz kaufen musste), aber  immerhin ist sie größer, als eine Stopfnadel. Seit dem ich die Fangnadel besitze, ziehe ich die Fäden, die nicht übernäht werden, nach dem Nähen immer sofort durch.




Funktioniert die Fangnadel gut?


Diese Frage kann ich mit einem entschiedenen "manchmal" beantworten. Das Prinzip ist klar, oder? Die Fangnadel hat eine Öse mit einem Häkchen. Sie sieht aus, wie eine Mini-Häkelnadel mit Sicherung. Die Fäden werden eingehakt und flutschen nicht weg beim Durchziehen. Leider geht anschließend das Häkchen nicht immer sofort auf. Dann fange ich an zu fluchen.

Ich habe den Eindruck, dass es von zwei Dingen abhängt, wie gut die Fangnadel funktioniert. 1. Sie funktioniert besser bei einer guten Naht. An Stellen, an denen ich die Passform nachträglich korrigiert habe und zwei Overlocknähte aufeinander treffen, hat sie Schwierigkeiten, durch das Gewurschtel zu kommen. Ich glaube, das darf ich nicht auf die Fangnadel schieben. 2. Es kommt darauf an, wie ich die Fangnadel halte, denn ich kann ja entscheiden, ob das Häkchen oben oder unten ist. Wenn ich das ein paar Mal hintereinander gemacht habe, funktioniert das immer prima. Bei der ersten Fadengruppe habe ich manchmal Schwierigkeiten.


Würde ich eine Fangnadel empfehlen?


Jawohl. Ich finde die Fangnadel gut. Letztlich geht es doch schneller mit der Fangnadel, als erst die Fäden in die Stopfnadel einzufädeln. Es braucht eben ein bisschen Übung.


Alle Beiträge der Blogserie findet ihr unter dem Stichwort "Nähwerkzeuge" oder durch Klick auf den Link. Vorherige Beiträge:

Kommentare:

  1. Das ist ja cool. Ich habe sowas sogar in meinem Nähschränkchen, nicht selbst gekauft, sondern übernommen von meiner Großmutter. Auf die Idee, damit Overlockfäden zu versorgen, wäre ich im Leben nicht gekommen - zumal mein Nähstil von der Industrie und nicht vom Handwerk geprägt wurde. Da wird zeitsparend genäht ;-). Aber frau lernt ja immer wieder dazu ...

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Haha, das sage ich jetzt auch "mein Nähstil wurde von der Industrie geprägt" :-) Wie toll, dass du noch eine von deiner Oma hast!

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  2. Ach, sowas gibt's? Ich nehme so eine ganz dicke Nadel, ich weiß gar nicht, wie die heißt, weil mir das Öhr einer Stopfnadel immer noch zu klein ist, wenn es schnell gehen soll. Die liegt immer bei meinem Maschinen-Zubehör, da muss ich nicht lange suchen.
    Zum Reparieren von Strumpfhosen: Ich häkele manchmal Laufmaschen zurück, allerdings bei Kinderstrumpfhosen oder ähnlichen gestrickten Kindersachen, nicht bei meinen. Ich nehme dann immer eine Häkelnadel von meiner Oma, die sie zum Taschentücher umhäkeln genommen hat.

    LG
    anne

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    1. Siehstde, als Jungsmutter wusste ich wieder von nix. Spannend, dass du davon berichtest. Die Geschichten rund um die Fangnadel finde ich ja noch spannender, als das Werkzeug an sich.

      Ich habe da auch nur Stopfnadel genannt - keine Ahnung, was das für eine Nadel ist. Ich habe verschiedene, mit relativ großen Ören, aber sie sind nie zur Hand, wenn ich sie brauche.

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  3. Was heißt da Oma!?
    Meine Mutter (ok. Mit 75 kann man die auch schon als Oma bezeichnen... ;)
    saß bis tief in die Nacht und "flickte" "Nylons"- wie es damals hieß...
    Als ostdeutsches Kind erlebte ich, wie Frauen heulend!!! Ihre einzigen- entweder aus dem "Westen "bekommenen - oder eben wirklich nur DIE!!! eine Strumphose besitzenden zu meiner (Schneider)Mutter kamen und um Reparatur flehten;)
    Heute unvorstellbar !!!- aber das gehört zu meinen Kindheitserinnerungen und die "Öls Style Fangnadel" meiner Mutter liegt gehegt und gepflegt in meinem Nähkästchen:)
    Heute ist ja alles stylischer und "softer", was aber die Arbeit nicht unbedingt leichter macht...?
    Tolle Erinnerungen wurden Dank Deines Beitrages geweckt...
    Liebe Grüße von Angela

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  4. Eine Fangnadel kannte ich noch nicht, aber ich habe seit Jahren 2 feine Häkelnadeln in den Zubehörfächern meiner Nähmaschinen (normale und Ovi).
    Die ganz feine Häkelnadel ist im Fach von der Nähmaschine, damit habe ich schon manches Mal eine Naht gerettet, wenn ich am Kräuseln war und der Faden gerissen ist. Mit der ganz feinen Nadel konnte ich die Naht wieder retten.
    Eine etwas größere Häkelnadel ist im Kasten von der Ovi, damit ziehe ich schon seit Jahren die Fäden in die Naht, weil mir das mit der Stopfnadel zu blöde ist. Die Stopfnadel habe ich zwar auch im Kasten von der Ovi, aber die benutze ich fast nur noch beim Rollsaum.
    Liebe Grüße Birga

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  5. Für die Overlocknaht nehme ich immer eine Stopf- oder Sticknadel mit großer Öse. Ich zieh' die Fäden damit auch manchmal zwischen die Stofflagen der Naht, was nach meinem Empfinden auch etwas sauberer aussieht.
    Die Fangnadel hab' ich früher benutzt, wenn ich die Socken meines Vaters gestopft habe und da schon Maschen gelaufen waren; meine Mutter hat damit kleinere Laufmaschen ihrer Strumpfhosen repariert. Letztere wurden aber meist zur Reparatur gebracht - zu DDR-Zeiten gab's wohl ungefähr in jeder Stadt eine Annahmestelle. Soweit ich mich erinnere, dauerte die Reparatur ziemlich lang, weil der Andrang so groß war.
    Viele Grüße
    Cornelia

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  6. Liebe Meike, eigentlich hatte ich ja gestern aus gegebenen Anlass gehofft, dass du einen Post zum Bügeleisen bringst, inklusive Tipps zur Reinigung...
    Aber so habe ich ein neues Werkzeug kennengelernt, was ich mir evtl bei Gelegenheit (lies: beim nächsten Besuch vom Karstadt) zulegen werden.
    Ich benutze auch immer eine Stopfnadel mit runder Spitze und relativ großem Öhr. Die hängt an meinem magnetischen Stecknadel"Kissen" und verschwindet so nur manchmal (wenn z.B. mein Sohn auf die geniale Idee kommt alle Stecknadeln schön tief in das Loch besagten "Kissens" zu stopfen, inklusive meiner Nadel).
    LG Kathrin.

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  7. So eige Fangnafel kannte ich bisher noch nicht. Sieht ein bisschen aus wie eine Mini Knüpfnadel.
    Ich ziehe meine Fäden immer miteiner Stopfnadel ein. Mamchmal geht es mir aber auch wie dir, Meike und ich lasse sie hängen.
    Aber als ich jetzt deinen Beitrag gelesen habe, fällt mir ein, dass ich noch so eine ultrafeine Häkelnadel von meiner Großtante habe. War wahrscheinlich auch mal zum Strumpfstopfen. Vielleicht geht ja damit das Fadeneinziehen auch. Werde es mal testen.....
    Liebe Grüße
    Christine

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  8. HEUREKA! vielen Dank für diesen Beitrag, liebe Meike, du hast mich erleuchtet! Neulich habe ich mir einen neue Overlock gegönnt, und im umfangreichen Zubehörpack war ein sehr merkwürdiges Werkzeug drin, das ich überhaupt nicht einodnen konnte. Jetzt weiß ich - es ist eine Fangnadel! Meine hat ein ganz dünnes Drähtchen ohne Haken, daher habe ich sie auch schon benutzt zum Einfädeln der Nadeln. Zum Durchziehen der Fäden wird sie ebenso funktionieren. Übrigens, wenn du noch mal eine neue Fangnadel brauchst, kannst du demnach auch eine neue Overlock kaufen *lach*
    Viele liebe Grüße
    Sandra

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  9. So heisst das Teil also. Ich habe sogar mehrere, es sind zubehörteile meines Strickapparates. Falls da mal eine Masche fällt, wird sie mit der Fangnadel wieder hochgehäkelt.
    Das Reparieren von Nylonstrümpfen kenne ich auch aus meiner Kindheit. Da gab es im Ort eine Annahmestelle, da wurden die Strümpfe hingebracht und eine nette, bebrillte Dame hat den ganzen Tag unter einer sehr hellen Lampe gesessen und mit der Repassiermaschine kaputte Nylons wieder heile gemacht. Ach ja, ich bin ein Westkind, da war das auch üblich.

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  10. Auch ich kenne die Konstruktion von den Maschinenstricknadeln. FÜR Overlooknahtenden verwende ich feine Häkelnadeln oder Zaubernadeln zum Faden einrasten, letztere überhaupt zum Faden verstechen.
    Eine interessante Reihe, bin gespannt was Du als nächstes zeigst.
    LG Ute

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