Freitag, 27. Januar 2017

Nähwerkzeuge: Maßband



In Workshops oder als Stoffverkäuferin werde ich immer wieder gefragt, welche Nähwerkzeuge ich empfehlen kann. Das mache ich gerne, denn wie jede Handwerkerin weiß ich gutes Werkzeug zu schätzen. Manche Werkzeuge sind selbsterklärend, andere stellen nicht nur eine Anfängerin vor Rätsel, wie sie dieses Werkzeug einsetzen kann oder was es beim Kauf zu beachten gibt. 

In dieser Blogserie will ich jeden Freitag ein Werkzeug vorstellen - über Ergänzungen in den Kommentaren freue ich mich. Wenn ihr selbst schon einen Blogbeitrag zum Thema geschrieben habt bzw. schreiben wollt, dann könnt ihr gerne in den Kommentaren zu diesem Beitrag verlinken. 


Maßband


Das Maßband ist wirklich mein allerliebstes Nähwerkzeug. Es sieht nicht nur wahnsinnig professionell aus, wenn frau es um den Hals trägt - nein, es ist auch sehr nützlich. Ich habe gleich mehrere davon und kann jeder Näherin nur empfehlen, auch drei verschiedene Maßbänder zu besitzen.




Warum mehrere, werde ihr euch fragen. Das ist ganz einfach zu erklären, aber ich fange erst einmal grundlegend an.

Ein Maßband ist ein flexibles Messwerkzeug mit einer Skala in Millimetern. In der Regel ist es 150 cm lang und viele Maßbänder sind aus einem mir unbekanntem Grund gelb. Es gibt auch Maßbänder, die alle 10 cm die Farbe wechseln. Das finde ich auch sehr praktisch. Viele Maßbänder sind beidseitig beschriftet, das macht es einfacher, sie abzulesen - aber Vorsicht: bei beidseitiger Beschriftung ist der Nullpunkt mal auf der einen, mal auf der anderen Seite!

Rollt ihr auch so gerne Maßbänder auf? Ich finde das wahnsinnig meditativ. Ganz abgesehen davon tut es dem Maßband auch gut, denn je öfter es aufgerollt wird, desto geschmeidiger wird es.

edit: Versprochen, ich werde NIE MEHR ein Maßband aufrollen, weil ich mittlerweile weiß, dass es dem Band schadet! Wir wollen doch keine Meßfehler, nur weil das Aufrollen Spaß macht!



Maßband mit special Features


Es gibt Maßbänder mit einem Druckknopf an einer Seite. Das finde ich sehr praktisch, denn so bleibt das Maßband hübsch aufgerollt.

Außerdem gibt es Maßbändern mit Löchern. So ein Maßband heißt Taillenmaßband- Diese sind dazu gemacht, um die Taille zu markieren, um einen Maßsatz zu erstellen. Wenn ihr die Rückenlänge oder die vordere Länge messt, ist es wichtig, dass ihr genau bestimmt, wo die Taille ist und immer genau bis zu diesem waagrechten Maß messt. Das Maßband mit Löchern könnt ihr wie einen Gürtel in der Taille befestigen, dann braucht ihr allerdings noch ein zweites Maßband für die senkrechten Maße. Natürlich könnt ihr für die Markierung der Taille auch jedes andere Band (z.B. ein Gummiband) oder einen Gürtel benutzen. Aber da ihr das gelöcherte Maßband ja auch für andere Messungen nutzen könnt, ist es praktisch, eines zu besitzen. Der maximale Taillenumfang, der mit dem gelöcherten Maßband markiert werden kann, ist übrigens 120 cm.


Zeichnung aus der Serie "Schnittmuster anpassen"

Es gibt auch noch Taillenmaßbänder mit einem verschiebbaren, durchsichtigen Plastikaufsatz und einer roten Linie. Mit solchen Maßbändern mit Schieber könnt ihr alle Rundmaße besonders genau messen. Das finde ich auch ganz schick, habe aber die Erfahrung gemacht, dass es meist auf einen Millimeter nicht ankommt. Da sich Körper ständig verändern, kommt es weniger auf millimetergenaues Messen an, sondern mehr darauf, dass ihr überhaupt immer wieder messt und Schnittmuster auf eure Bedürfnisse anpasst!


Maßband mit anderen Einheiten


Außerdem besitze ich ein Zoll-Maßband mit der Einheit Inch (das wird auch " geschrieben). Wer gerne mit amerikanischen Schnittmustern arbeitet weiß, dass dort die Maße nicht in cm angegeben sind. Natürlich ist es leicht möglich, Zentimeter in Inch umzurechnen, doch noch einfacher geht es, die eigenen Körpermaße direkt mit dem Zweit-Maßband in Inch auszumessen.



Wozu benutze ich das Maßband?


Es gibt viele Anwendungsmöglichkeiten des Maßbandes. Deswegen gehört ein einfaches Maßband ganz bestimmt schon zur Standardausrüstung jeder Nähanfängerin. Ich habe mal versucht, alle Gelegenheiten zusammen zu tragen, wann ich das Maßband benutze. Ihr dürft gerne in den Kommentaren ergänzen.

  • Körper vermessen
  • Schnitteile ausmessen, um zu sehen, wie groß das Kleidungsstück an bestimmten Stellen wird
  • Stoffbreite ausmessen, Stoffreste vermessen
  • Nahtzugabe anzeichnen (das geht allerdings noch besser mit einem Geodreieck)
  • zum Verlängern eines Schnittes
  • zum Messen beim genauen Nähen an der Nähmaschine (dann hängt es um den Hals) anstelle eines zusätzlichen Handmaßes
  • um die Saumlänge vom Boden aus zu messen - falls ich mal keinen Rockabrunder aber dafür einen netten Menschen zur Hand habe

Mindestens ein Maßband sollte jede Näherin haben, immer wissen, wo es ist und auch benutzen. Körpermaße verändern sich, deswegen ist es immer wichtig, nicht mit einem einmal vor Jahren gemessenen Maßsatz zu arbeiten, sondern aktuell nachzumessen. Gerade die Brusttiefe (also von Schulter zum Brustpunkt, siehe Bild oben) ändert sich, je nachdem, welchen BH ihr tragt. Also entscheidet vor dem Nähen, welcher BH ein guter Partner für das neue Kleidungsstück sein wird, messt eure Brusttiefe und verlegt ggf. den Brustpunkt im Schnittmuster (vgl. meinen Blogbeitrag zur FBA). 

Näht nicht irgendeine Saumlänge, sondern überlegt euch vorher, wie lang euer Kleidungsstück werden soll und passt dementsprechend das Schnittmuster an! Messt Ärmellängen aus! Vergleicht die Schulterbreite eines gut sitzenden Kleidungsstückes mit der Schulterbreite des Schnittmusters, das ihr nähen wollt. Es gibt so viele Beispiele! Das Maßband hilft euch, ein Schnittmuster zu einem Maßschnittmuster zu machen. Ohne Maßband wird das nichts.

Maßbänder von toller Qualität bekommt ihr übrigens auch im Schnittmusterkiosk: *klick

Hättet ihr gedacht, dass es möglich ist, so viel über so ein einfaches Werkzeug wie das Maßband zu schreiben? Ich auch nicht. Aber da sieht frau mal wieder, wie nützlich es ist, sich auch mal ganz selbstverständliche Dinge bewußt zu machen. Ich hoffe, ihr habt Spaß an meiner neuen Serie und seit schon gespannt, welches Werkzeug ich mir nächsten Freitag vornehmen werde!




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Kommentare:

  1. Ich ergänze: Ein Maßband ist auch super, wenn man sich ein Kurvenlineal sparen möchte. Klappt nämlich genauso gut. :)

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    1. Super Hinweis! Meinst du zum Messen oder zeichnen. Wie das Zeichnen damit geht, weiß ich noch nicht, aber jetzt bin ich neugierig.

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  2. Wunschthema: Schneiderkreide - wie man sie schärft und wie man es schafft, sie nicht ständig zu zerbrechen! Uuunnd wie man es damit eigentlich schafft, Markierungen auf den Stoff zu übertragen (das Schnittmuster wird ja nicht auf einmal durchsichtig...). Ich behelfe mir da irgendwie und habe schon lange den Verdacht, es ginge besser.
    Außerdem sehe ich im Internet immer wieder Hype um Schneiderkreide von tollen, englischen Anbietern. Was kann teure, handgepresste Schneiderkreide, was Prym nicht kann?

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    1. Keine Ahnung, was die kann! Aber ich werde es herausfinden. Schneiderkreide steht auch auf meiner Liste, aber wenn ich deine Fragen sehe, dann muß ich da erst noch ein bisschen recherchieren. Danke für die Hinweise!

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  3. Wenn ich mich recht erinnere, ist mein Maßband mit Löchern sogar 200 cm lang. Das gehörte damals im Müller & Sohn-Kurs zur Grundausstattung. Im Nähalltag nutze ich es allerdings nicht.
    Dafür gibt es bei mir auch ein doppelseitig beschriftetes Maßband mit dem Nullpunkt jeweils auf derselben Seite - superidiotisch. Das Komfortable an den doppelt beschrifteten ist doch gerade, dass man von jeder Seite einen Anfang hat, gerade wenn man nicht rundrum misst, z.B. bei Stofflängen, ist das praktisch.

    Zu den besonderen Messhilfen kommst Du sicher noch, zum Saum oder Nahtzugabe anzeichnen gibt es natürlich Praktischeres als so ein langes Maßband.

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Ja, zu den anderen Messhilfen komme ich noch. Aber ich sehe schon, das ist fast ein Fass ohne Boden :-)

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  4. Ich finde, das ist eine großartige neue Serie und bin gespannt, was du sonst noch vorstellen wirst. Zwar nähe ich derzeit keine Kleidung, aber ich hab trotzdem jetzt das Bedürfnis nach mehr Maßbändern...

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Das freut mich! Vielleicht können wir dich ja doch noch zum Bekleidungsnähen bringen!

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  5. Wow, du kannst wirklich viel zum Thema Massband sagen! Ich habe mal gehört, dass rollen das Massband verzerren und somit unbrauchbar machen soll. Kannst du dazu was sagen?

    Das Taillenband finde ich super, danach muss ich mal schauen!

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    1. Ja, ich war selbst erstaunt! Taillenmaßbänder gibt es in Kürze im Schnittmusterkiosk.

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  6. Ich habe auch bestimmt vier Maßbänder, davon sind zwei aber quasi Zwillinge. Zweimal habe ich so aufgerollte in Plastikhülle, die sich auf Knopfdruck einziehen. Die nutze ich eher zum Stricken, so verheddern sie sich nämlich nicht mit Garn etc. Und praktischerweise haben die auf der einen Seite cm, auf der anderen inch, denn beim Stricken läuft man den inches auch oft über den Weg. Fürs nähen habe ich dann ein schlichtes weißes und eins mit Farbabschnitten auf der einen und gelb auf der anderen Seite. So eins mit Löchen finde ich auch echt praktisch, ich halte mal die Augen offen.
    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man Maßbänder nicht so eng aufrollen soll, weil sie sich mit der Zeit verziehen können, weißt du da mehr drüber?

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    1. Ich weiß, dass es günstige und teure Maßbänder gibt und dass das wirklich sehr unterschiedliche Qualitäten gibt. Ob jetzt das Rollen wirklich so schädlich ist, wenn es ein Qualitätsmaßband ist, weiß ich nicht. Aber ich versuche es herauszufinden. Danke für den Hinweis.

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  7. Liebe Meike,
    Das war sehr interessant. Das ein oder andere war mir tatsächlich noch nicht in den Sinn gekommen.
    LG, Nadine

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  8. Hallo, klar habe ich als Nähfreak seit über 60 Jahren mehrere Maßbänder, sowohl in cm als auch in inch. Maßband ist aber nicht gleich Maßband. In meiner Nähgruppe haben wir verschiedene Maßbänder verglichen und stellten Ungenauigkeiten von bis zu 2 cm auf 1 m fest. Also: gute Maßbänder sind nicht billig und sollten geaicht sein. Und noch etwas: Niemals inch in cm umrechnen. Das Umrechnen selbst ist einfach, aber es wird immer Ungenauigkeiten geben. Also: Wenn die Maße in inch sind auch Inch-Maßbänder verwenden. LG Martha

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    1. Danke für den Hinweis. Ja, beim Umrechnen wird immer gerundet und es können sich Fehler einschleichen und Duplizieren. Ich finde es auch praktischer, dann gleich mit dem Inch-Maßband zu arbeiten.

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  9. Sehr interessante Gedanken! Ich besitze 2 Maßbänder, ein metrisches und eines mit cm auf der Vorderseite und Inch auf der Rückseite, das finde ich sehr praktisch. Deines mit den Löchern kannte ich bis her noch nicht, also wieder etwas dazu gelernt ;-) Was ich an Maßbändern nicht so mag, ist die 'Unsitte' im Laufe der Zeit zu 'wachsen' Da sind Lineale verlässlicher, aber wir Patchworker arbeiten ohnehin weniger mit Maßbändern! Liebe Grüße von Martina

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    1. Der Hinweis mit dem "wachsen" kam jetzt ein paar Mal. Ich muß unbedingt meine Maßbänder kontrollieren. Obwohl, ich verändere mich ja auch....

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  10. Maßbänder mit Knopf gegen das Aufrollen kenne ich gar nicht. Interessant. Habe ich doch gelernt, dass man sie auf keinen Fall eng aufrollen darf, da sie sich sonst dehnen. Vielleicht ist das materialabhängig?
    LG, Bele

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    1. Das ist definitiv materialabhängig, denn es gibt sehr unterschiedliche Maßbänder, nicht nur im Preis.

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  11. ja genau!als ich zum ersten mal in unser Atelier kam, rannte eine azubine mit Maßband um den hals herum und ich dachte,sie wäre eine erfahrene schneiderin.in meiner 30-jährigen nähkarriere habe ich noch nie massband um den hals getragen, auch im atelier nicht! wohl aber ein handmass. das lasse ich überhaupt nicht aus der hand- wenn ich es implantieren könnte- würde ich es sofort tun:-)

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    1. Ich trage das auch nur zu Fototerminen. ALLE FotografInnen fordern mich dazu auf und sind sehr sehr glücklich über die originelle Idee und den schicken Look.

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  12. P.S. aufrollen ist schlecht für die Bänder- sie dennen sich und das mass auf dauer ist nciht mehr genau. daher sollte man es eh vermeiden,dass die bänder irgendeiner deformation unterzogen werden.

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    1. Das ist ja interessant, danke. Da werde ich mal nachmessen.

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  13. Wie erstaunlich, dass es soviel über Massbänder zu schreiben gibt :-)
    Ich habe von meiner Mutter, einer Schneiderin, auch gelernt, dass man Maßbänder nicht aufrollen soll. Nachgemessen habe ich allerdings noch nie.
    Und ich habe das Maßband beim Nähen immer um den Hals hängen, sonst würde ich es ständig suchen ;-)
    LG Petra

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    1. Ha, eine die das Maßband wirklich um den Hals trägt. Sehr gut. Es wäre ja auch fatal, wenn das immer nur für die Fotos wäre!

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  14. Habe die guten artikel gerade gelesen. Oops, das man ein massband nicht aufrollen soll, wusste ich nicht. Aber wie soll man es denn sonst aufbewahren? Und ich habe auch ganz viele. Sogar noch das von meiner oma. Und beim nähen trage ich es auch um den Hals. Da muss ich nicht lange suchen und es ist immer zur Hand

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  15. Habe die guten artikel gerade gelesen. Oops, das man ein massband nicht aufrollen soll, wusste ich nicht. Aber wie soll man es denn sonst aufbewahren? Und ich habe auch ganz viele. Sogar noch das von meiner oma. Und beim nähen trage ich es auch um den Hals. Da muss ich nicht lange suchen und es ist immer zur Hand

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