Montag, 19. Dezember 2016

Noch kommts pünktlich




Bin gerade fleissig am signieren und verpacken. Schon lustig. Sonst mache ich das in Serie nur nach einer Lesung. Aber ich freue mich, wenn meine Bücher auf diesem Weg unter dem einen oder anderem Baum liegen.

Wenn Du auch noch ein signiertes Buch von mir zu Weihnachten verschenken möchtest, kannst du es einfach im Schnittmusterkiosk bestellen und mit Paypal bezahlen. Ich verschicke Bestellungen, die bis Mittwoch 13 Uhr bei mir eingehen versandkostenfrei per Brief (nur nach Deutschland) und gehe davon aus, dass sie so noch pünktlich zu Weihnachten bei euch sind.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Buchbesprechung "Der richtige Stoff für Ihr Nähprojekt"



Weiter gehts mit den vorweihnachtlichen Buchbesprechungen*, zwei habe ich noch. Ich hoffe, ich schaffe die andere morgen. Heute stelle ich euch "Der richtige Stoff für Ihr Nähprojekt" von Christelle Beneytout vor. Und die, die hier regelmäßig lesen, werden möglicherweise stutzen. Noch ein Stofflexikon? Habe ich euch nicht "Stoff und Faden" von Frau Nahtzugabe erst vor wenigen Tagen ans Herz gelegt? 

Stimmt! Doch diese beiden Bücher sind, obwohl sie das gleiche Thema behandeln sehr unterschiedlich. Nach meiner Meinung, kann frau Nachschlagewerke, Nähbücher und Bücher im Allgemeinen nicht genug haben. Deswegen würde ich sagen: es spricht absolut nichts dagegen beide zu besitzen, aber vieles dafür.

"Der richtige Stoff für ihr Nähprojekt" ist ein richtiger Schinken. Es ist mehr als DIN A4 groß und wiegt fast 900 Gramm. Ich habe es für euch getestet: es ist nicht wirklich gut geeignet, um es im Bus zu lesen! Dabei bietet es sich zum Lesen an, denn es ist anders aufgebaut, als "Stoff und Faden". Nach einem einleitenden Teil (45 Seiten) über die unterschiedlichen Fasen, die Verarbeitung, dass daraus ein Stoff entsteht, Veredlungsverfahren, Stoffeigenschaften, Vorbehandlung und Stoffpflege, teil sich das Buch auf den folgenden ca. 150 Seiten in 42 Kapitel auf, die jeweils ein Beispielsprojekt behandeln. Das Buch hat viele farbige Fotos, die die Inhalte gut veranschaulichen. Mit 29,90 Euro ist es nicht nur wesentlich schwerer und größer als "Stoff und Faden", sondern auch doppelt so teuer.





Die grobe Gliederung der Kapitel ist Bekleidung für Frühjahr/Sommer, Bekleidung für Herbst/Winter und Accessoires/Haushaltswäsche. Die Beispielsprojekte sind gut gewählt und es wird bei jedem Thema etwas über die Stilrichtung und Geschichte geplaudert, die Stoffqualität portraitiert und anschließend werden noch ausführlich Näh- und Verarbeitungstipps gegeben. Auch die Nähtipps sind noch mal clever gegliedert in: Markieren, Verstärken, Nähgarn, Nadel und Stichart, Zubehör sowie Kantenabschluss und Fertigstellung. Diese Gliederung ist zwar nicht bei allen Stoffarten gleich, denn es kommt immer auf das Material und Projekt an, aber ihr könnt euch ungefähr vorstellen, wie ausführlich das Projekt beschrieben ist.



Diese Einteilung in Projekte macht das Buch besser lesbar, als ein Lexikon, das aufgrund seiner alphabetischen Ordnung von Thema zu Thema springt. Aber wenn ich es nicht mit in den Bus nehmen kann, habe ich leider wenig Zeit es zu lesen. Das ist bei euch vielleicht anders. Was mir aber wirklich gut gefällt ist auch bei diesem Buch das Gefühl zu haben, eine kompetente Nählehrerin an der Seite zu haben, die die Rahmenbedingungen erklärt, die bei Schnittmustern meist fehlen. Ich wünschte mir, alle Stoffverkäuferinnen würden das Buch lesen, um Stoffkäuferinnen kompetenter zu beraten.

Christelle Beneytout: Der richtige Stoff für Ihr Nähprojekt
Format: 22x28, Hardcover
ISBN-13: 978-3-8307-0962-6

Was mir nicht so gut gefällt ist, dass das Buch aus dem Französischen übersetzt ist. Zum einen denke ich, dass es in jedem Land genügend kompetente Leute gibt, die Bücher schreiben können und empfinde es als "Nummer sicher gehen", wenn Verlage einfach erfolgreiche Bücher aus dem Ausland einkaufen und übersetzen. Andererseits ist es eben ein bewährtes Buch. Manchmal merkt frau beim Lesen, dass sich die Autorin in einer anderen Welt bewegt. Ihre Einschätzung darüber, welche Stoffarten leicht zu bekommen sind, beziehen sich auf den französischen Markt und unterscheiden sich leicht von unseren Verhältnissen. Das fällt aber sicherlich nur beim sehr genauen Lesen auf.



Wie oben schon gesagt, finde ich es super, beide Bücher zu besitzen. Ich habe beim Lesen, trotz großem Vorwissen, noch eine Menge gelernt. Ich habe beide Bücher sehr gerne gelesen, denn ich merkte beim Lesen, wieviel Liebe zu Stoff und Nähen die beiden Autorinnen (beides übrigens Bloggerinnen) haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr auch Freude daran haben werdet.

* Auch wenn ich das Buch "Der richtige Stoff für Ihr Nähprojekt" vom Stiebner-Verlag als Rezensionsexemplar - auf meine Nachfrage hin - kostenlos bekam, habe ich mich nicht verpflichtet gefühlt, besonders gut zu schreiben, nur weil ich das Buch nicht bezahlte. Ich finde es einfach gut und schreibe deswegen diesen Beitrag ohne dafür Honorar zu bekommen.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Backlash

In meiner Filterblase gibt es eine neues, weit verbreitetes Thema:  #fettlogik. Immer öfter lese ich auf allen Kanälen davon und ich bin irritiert. Diese Irritation in Worte zu fassen, gelingt nicht in 140 Zeichen auf twitter und auch hier, muß ich etwas weiter ausholen, denn meine Gedanken haben nicht nur etwas mit mir und der damit verbundenen Konfrontation mit dem Thema "Abnehmen" zu tun.

Nähbloggen ist für mich mehr, als reine Werkschau. In meinen Vorträgen sprach ich darüber, wie kraftvoll und stärkend ich Nähbloggen empfinde. Wenn auch die Einzelne einfach nur in ihr Blog schreibt und zeigt, was ihr wichtig ist, so sind wir doch durch gemeinsame Aktionen verbunden. Wir sind kein Verein, kein fester Zusammenschluss, jede kann kommen und gehen, wie sie will, aber wir sind durch zahlreiche Veranstaltungen, das kommentieren, zitieren und inhaltliche aufeinander beziehen miteinander verwoben. Das Internet machts möglich. Jede hat die Möglichkeit hat, das zu publizieren, was sie sagen möchte und durch Vernetzung werden diese Inhalte auch wahrgenommen. Viele Nähnerds sind durch ein Band der Sympathie über das reine Interesse am Austausch über das Nähen verbunden, das führt dazu, dass wir auch über andere Dinge sprechen und einander neue Impulse geben.

Irgendwann kapierte ich, dass es für mich in Nähblogs, die sich mit dem Nähen von Bekleidung beschäftigen, nicht nur um das Nähen geht. Mir wurde klar, dass es auch um Körper geht. Jedenfalls richtete ich den Fokus meines Interesses darauf, hörte auf, auf das Wunder zu hoffen, dass es Schnittmuster geben könnte, die auch mir "einfach so" passen könnten, setzte mich mit der Realität, also meinem Körper, auseinander und lernte etwas über Schnittmuster anpassen. Das war mir aber erst möglich, als ich kapierte, dass mein Körper nichts minderwertig, sondern einfach da ist, zu mir gehört und mich durchs Leben trägt.

Diese Selbstakzptanz wuchs in mir, durch das regelmäßige Lesen in Nähblogs. In ihnen fand ich ein ein Frauenbild, das die mich umgebenden medialen Bilder ergänzt und vor allem auch relativiert. Ich sehe eine Vielfalt an Frauenkörpern, die den Bildern, mit denen ich sonst in der Öffentlichkeit konfrontiert werde, etwas entgegensetzen. Das veränderte mich! Plötzlich gehörte ich mit meiner - sonst nicht mit dem Thema Mode in Zusammenhang gebrachten - Körperform dazu, war sichtbar, war nicht alleine und war normaler Teil des Ganzen. Mehr und mehr arbeitete ich für mich heraus, das ich es in der Hand habe, mich und meinen Körper zu bewerten und dass es möglich ist, mich  unabhängig von gesellschaftlichen Vorgaben zu machen. Das und das begleitende Nähen von Kleidung, in der ich mich mag, gab meinem Selbstbewußtsein ein stabiles Fundament. 2012 versuchten wir (Menschen aus dem MMM-Team)  unsere Analyse der gesellschaftlichen Bedeutung von Nähblogs bei der re:publica vorzustellen und zu diskutieren und auch, wenn wir dort kein Forum fanden, wurde es mir immer wichtiger, über diese Kraft, die den Nähblogs (oder Aktionen wie #609060) innewohnt, anderen zu berichten.


Doch seit einigen Wochen ist gefühlt alles anders. Seit einigen Wochen gibt es einen immer stärker werdenen Hype um #fettlogik in meiner Filterblase. Immer mehr Frauen werden von dem Virus erfasst, sind beseelt von den neuen Erkenntnissen, baden sich in Zuwendung und Lob ob ihrer Abnehmerfolge und immer stärker habe ich das Gefühl, dass die neue immer weiter greifende Überzeugung ist: wir haben uns geirrt "Selbstakzeptanz" und "wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" funktioniert nicht. Wir sind erfolgreicher, wenn wir machen, was in ist und die Gesellschaft von uns erwartet.

Das würden die Beteiligten natürlich niemals so formulieren und das ist auch ihr gutes Recht. Es ist meine Interpretation. Jede hat ihre persönlichen Gründe und Erfahrungen, jede darf mit ihrem Körper machen, was sie will und jede darf auch darüber denken, was sie möchte. In dem Moment, in dem die Details aber regelmäßig öffentlich thematisiert werden, verlassen die persönlichen Gedanken das rein Private und werden öffentlich. Oder um es anders zu sagen: es ist gesellschaftsfähig, von den Anzahl der gelaufenen Schritte zu erzählen oder Essensmengen zu kommentieren. Die Häufigkeit und auch die Vernetzung dieser Gedanken schaffen ein neues Konstrukt, das auch auf diejenigen wirkt, die an den Gesprächen nicht teilnehmen. Je mehr Menschen sich an dem Thema beteiligen, um so mehr entsteht der Eindruck, dass es "das Richtige" ist - selbst bei denjenigen, die wie ich weder an "das Richtige" glauben (weil es eben das Eine nicht gibt), noch glauben, dass "Körperlogik" so einfach funktioniert, wie es postuliert wird.



Ich empfinde den öffentlichen Austausch über Abnehmlogik als Backlash. In der Häufigkeit, in der Beiträge dazu seit Wochen in meinen Kreisen auftauchen, hat es eine Wirkung und vermutlich nicht nur auf mich. Es ist einfach ein Unterschied, ob "die bösen Frauenzeitschriften" Signale zur Selbstoptimierung geben oder ob die Menschen, mit denen ich mich gerne austausche, es tun. Meine Freude über die Wirkung des neuen, von uns geschaffenen Frauenbildes, das für mich auch stets bedeutete "es ist völlig ok, Raum einzunehmen, auch wenn ich nicht dem gesellschaftlichen Ideal entspreche", wird seit einiger Zeit in erstaunlicher Häufigkeit mit Bemerkungen konfrontiert, die dieser Haltung diametral gegenüber stehen.

Für mich bedeutete Abnehmen, neben dem subjektiven Erlebnis der Veränderung, gesellschaftlich betrachtet eine Form von Anpassung und eine merkwürdige Form von "sichtbar werden, durch weniger werden". "Sich dünn machen" entspricht den gesellschaftlichen Konventionen. Wir bekommen signalisiert, dass wir erst richtig sind, wenn wir dünn sind und werden aufgefordert, uns anzustrengen. Wer nicht dünn genug ist, ist ein Looser. Selbst schuld, es ist ja so einfach, das zu ändern. Jede einzelne Zahlenmeldung aus dem Kreise der Abnehmlogikerinnen gibt mir, aufgrund der Häufigkeit der Beiträge und des gegenseitigen aufeinander Beziehens und Verstärkens, erneut diese Botschaft mit auf den Weg und stellt die mühsam gewonnenen Erkenntnis, die mir ein gutes Gefühl gibt, in Frage.

Ich kann das Abfeiern so gut verstehen: es fühlt sich grandios an, die simple Rechenaufgabe verstanden zu haben: "weniger essen = abnehmen" - als ich das letzte Mal 25 kg abnahm, wollte ich stante pede zur Ernährungsberaterin umschulen, weil ich so berauscht von dem Glück war, den heiligen Gral gefunden zu haben. Es fühlt sich so mächtig an, das Gefühl eines Werkzeuges zur Hand zur haben, das verspricht, alles gut zu machen. Endlich keine Diffamierungen mehr beim Arzt, endlich normal sein, endlich anerkannt zu sein, endlich gesehen werden, endlich schön sein. Ich kenne diese Sehnsucht so gut, dazu gehören zu wollen. Es gehört soviel Kraft dazu, anders zu sein.

Was blieb, ist eine Leidenschaft für warmes Gemüse, aber nachdem ich aufhörte 3x die Woche zu sporteln und mir auch mal was gönnte, ohne mich anschließend dafür zu kasteien, hatte ich wie alle Male zuvor mehr auf den Rippen. Ich bin nicht für ein strebsames Leben im Hamsterrad geschaffen und werde deswegen niemals zu den Menschen gehören, die unsere Gesellschaft als Maß der Dinge (vom Aussehen her und der damit verbundenen Charaktereigenschafte, die damit assoziert werden) nimmt. Doch ich habe mir erlaubt, trotzdem glücklich zu sein und mich gut zu finden. Die Frage ist, ob ich wirklich befugt dazu bin, einfach so, diese Entscheidung zu treffen. Wird es in Zukunft in unserer Gesellschaft toleriert werden, anders zu sein und Anders-sein gut zu finden?

"Als Backlash (dt. „Gegenschlag, Rückschlag“) bezeichnet man gegen als fortschrittlich erachtete Entwicklungen gerichtete Bestrebungen oder auch die Rückkehr konservativerWertvorstellungen sowie die Einflussgewinnung von dahingehend orientierten Kräften." Wikipedia über Backlash

Meine Irritation kann ich am besten mit Backlash beschreiben. Ich hatte das Gefühl, wir waren schon mal weiter. Während noch vor kurzem Vielfalt scheinbar ein Gut war, das unsere verwebte Comunity zu schätzen wusste, schleicht sich immer mehr die "Dünnsein-Mode" thematisch in unsere Gespräche. Jede so, wie sie möchte. Aber in der Menge der Beiträge, sehe ich einen Trend. Schlimmer noch: ich frage mich, wie ehrlich die gegenseitige Akzeptanz der Unterschiedlichkeit sein kann, wenn so viele das Hamsterrad der Selbstoptimierung, die in meinen Augen nur der Wirtschaft dient, auch noch feiern. Deswegen erschüttert mich, das, was einzelne eigentlich nur für sich tun, aber gemeinsam zum öffentlichen Thema machen. Und ich befürchte, dass Vielfalt als genereller Wert in jeglichen Lebensbereichen, noch weiter abhanden kommt und uns genau dies das Leben in den nächsten Jahrzehnten sehr schwer machen wird.


Meine Irritation verwandelte sich in das Bedürfnis darüber zu reden, als ich das Zitat von Journelle las. Ja, so ist es. Niemand lobt uns dafür stark und sichtbar werden, aber "dünne-machen" bekommt Applaus. Ich finde es klasse, das Journelle mit ihrem Blogbeitrag von gestern ein Gegengewicht zu den lauten Stimmen der Abnehmlogikerinnen gibt. Deswegen habe auch ich versucht, meine Gedanken in Worte zu fassen, um ihnen eine Stimme zu geben. Wir sind gesellschaftlich noch lange nicht so weit, wie ich es mir wünschen würde.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Buchbesprechung: Stoff und Faden



Ihr seid vermutlich genauso wie ich im Jahresendstress, da braucht es gar nicht so viel "Nähblogging as usual". Also habe ich mir überlegt, dass ich das mache, was ich schon lange auf dem Zettel habe: ich stelle euch ein paar Näh-Bücher-im-weitesten-Sinne vor, die ich mag, denn ich lese diese Empfehlungen in anderen Blogs sehr gerne. Werbung, im geschäftlichen Sinne, ist das nicht, da ich für diese Blogposts kein Geld bekomme. 

Am Montag fand ich ein Buch im Briefkasten, das sich nun vorgedrängelt hat, weil es ganz frisch erschienen ist und mich sehr begeisterte. Ich las es ruckizucki und erzähle euch heute etwas darüber.




Das Materiallexikon "Stoff und Faden" - klein aber oho



Heute stelle ich euch wieder ein "Büchlein" vor. Büchlein deswegen, weil es so herrlich klein und leicht ist. Es ist im wahrsten Sinne ein Taschenbuch; ein Buch für unterwegs. Es ist das brandneue Materiallexikon "Stoff und Faden" von Constanze Derham, bekannt von dem Blog nahtzugabe und dafür, dass sie die grandiosen Anleitungen für meine Schnittmuster schreibt. 

Stoff und Faden. Materiallexikon.
Text Constanze Derham
160 Seiten, 18 Illustrationen, Format 12-17 cm
ISBN 978-3-00-054777-5
Ladenpreis 14,00 Euro



Die Auswahl es richtigen Materials entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Nähprojektes


Schon viele, viele Jahre, verkaufe ich Stoff und ganz oft denke ich, dass ich am liebsten sein wandelndes Stofflexikon wäre. Ich weiß schon viel über textile Materialien, aber ich kann immer noch etwas lernen. Ganz oft habe ich schon Fachbücher von Kolleginnen geliehen und studiert, die ich aber immer wieder zurück geben musste, weil sie den Besitzerinnen schon jahrelang so wertvoll waren. Die Kundinnen hingegen, sind nicht immer interessiert an Hintergrundwissen zu Stoffqualitäten. Da bin ich oft erstaunt, wie sehr sie von Farben und Mustern geleitet sind, bei ihrer Auswahl und rede mir oft den Mund fusselig, um sie von einem bestimmten Vorhaben (Kombination von Stoff und Schnittmuster) abzubringen und ihnen Alternativen aufzuzeigen. 

Dabei ist es ganz entscheidend, dass Projekt und Stoffqualität zusammenpassen! Wählt eine Näherin das falsche Material, funktioniert ein Kleidungsstück oft ganz und gar nicht. Jedes Material hat bestimmte Eigenschaften, die den Fall und Sitz des Kleidungsstücks beeinflussen - ganz abgesehen davon, dass unterschiedliche Materialien auch unterschiedlich bearbeitet werde müssen. Solche Informationen finden sich in einem Stofflexikon.


Ein Lexikon als spannende Lektüre? Jawohl!


Ich habe es gerne gelesen! Aber ich kann verstehen, das nicht Jede auf die Idee kommt, in einem Fachbuch zum Zeitvertreib zu schmökern. Die alphabetisch geordnete Form als Nachschlagewerk ist beim Lesen eher irritierend, wird doch inhaltlich von Thema zu Thema gesprungen. Ganz abgesehen davon, dass so ein Lexikon nur so vor Informationen strotzt und frau beim Lesen schnell nicht mehr weiß, was sie zwei Seiten vorher noch so interessant fand. Diese Fülle an Informationen ist schwer zu merken. Doch frau kann nicht alles wissen - deswegen ist es gut, in manchen Situationen so ein Buch dabei zu haben. 

Genau das ist das Besondere an "Stoff und Faden". Das Format des Buches erinnert an einen Taschenkalender, obwohl es sogar leichter ist. In Zukunft nehmt ihr das umfangreiche Nachschlagewerk in kleinem Format einfach mit zum Stoffkauf und wenn euch ein Stoff gefällt, dann schlagt ihr einfach just in time nach, ob er sich, mit seinen Materialeigenschaften, für das gewünschte Projekt eignen könnte und ob ihr gegebenenfalls noch passende Nadeln mitnehmen solltet. Natürlich könnt ihr das Buch in einem Stück lesen oder als Coffee-Table-Book nach dem Lustprinzip immer wieder mal ausgewählte Kapitel lesen. Aber ihr müsst nicht. Ihr könnt es auch einfach nach Bedarf, Stück für Stück entdecken und dann sehen, wie es euer Leben bereichert und eure Nähwerke verbessert.


Das Buch ist wie eine gute Freundin oder wie eine Nählehrerin, zum Mitnehmen


Ich finde es aber ganz und gar nicht langweilig und habe es in den letzten zwei Tagen auf längeren Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln verschlungen. Mir gefällt, wie es einerseits nüchtern und sachlich eine Vielzahl an Informationen aufzeigt (ohne chemische Formen und dennoch genau) und zwischen den Zeilen aber genau die wertvollen Kommentare kommen, die es so praktisch machen: hier wird mal verwiesen, dass sich ein feiner Stoff besser zuschneidet, wenn ein Laken darunter liegt, dort wird vertröstet, dass bügeln nicht klappen kann, weil der Stoff es nicht gut zulässt. Aber am liebsten mag ich die Stellen, wenn sich Frau Nahtzugabe ein bisschen darüber auslässt, was in den 80ern oder 90ern gerne verwendet und getragen wurde. Da hat frau hat sofort ein Bild vor Augen. Dann ist das Lesen eines Lexikons wirklich amüsant!

Gerade die Nähtipps finde ich super in dem Buch, denn die Materiallexika, die ich bisher kannte, waren eher für Modemarken und deren VerkäuferInnen geschrieben und konzentrierten sich deshalb mehr auf die Produktion des Textils und dessen Pflegeeigenschaften - dort gab es viel Chemie und trocknes Blabla. Von diesen Inhalten erfahren wir in "Stoff und Faden" gerade soviel, um zu verstehen, warum ein Stoff so oder so ist, aber wir haben dabei immer eine kompetente Näh-Beraterin an der Hand, die uns die Relevanz verdeutlicht und konkrete Tipps zum Vernähen dieses Materials gibt. 



Eine von uns schreibt uns genau das Buch, das wir brauchen


Frau Nahtzugabe schreibt, dass sie das Buch schrieb, weil sie immer nach genau so einem Buch suchte. Das ist eine großartige Motivation für so ein Buchprojekt: Mach es dir selbst, wenn es das, was du suchst nicht gibt. Obwohl dieses Buch komplett selbstgemacht ist, also im Eigenverlag erschien, fühlt es sich weder so an, noch sieht es so aus. Es ist ein wunderschönes Buch mit spannenden Informationsgrafiken und einem Deckblatt, das auf den ersten Blick hübsch und auf den zweiten Blick wunderbar raffiniert ist.

Es ist ein nettes Büchlein, das ich gerne in der Hand halte, in Zukunft bestimmt oft mitnehme und euch gerne ans Herz lege. Denn es ist einfach toll und das sage ich nicht nur, weil Frau Nahtzugabe meine Freundin ist. Ich bin wahnsinnig stolz auf sie, dass sie ihr Traumprojekt verwirklicht hat, freue mich mit ihr dass wir es nun in den Händen halten können und wünsche ihr ganz viele Verkäufe, damit sie uns noch mehr solcher Schätzchen schreiben kann!

Ihr bekommt "Stoff und Faden" über jede Buchhandlung oder direkt bei Frau Nahtzugabe, die euch bestimmt auch eine nette Widmung schreibt, wenn ihr sie danach fragt. Der Versand (nach Deutschland) ist bis zum 31.12. versandkostenfrei. Bestellungen zum Preis von 14,00 an stoffundfaden ät gmail punkt com. Mehr Informationen zu Buch und Bestellung findet ihr hier. 

Montag, 12. Dezember 2016

Buchbesprechung: Am Rockzipfel und Verflixt & Zugenäht



Es wird Zeit, dass ich endlich etwas über Suschnas neues Buch schreibe. In der Sidebar habe ich es ja schon länger verlinkt*, denn ich freue mich immer wahnsinnig, wenn aus der Community heraus Träume wahr gemacht werden, aller Mut und das Ersparte zusammen genommen wird und ein Projekt in die Tat umgesetzt wird, statt nur davon zu träumen. Mein Herz schlägt für Start ups und Unternehmerinnen, diese unterstütze ich gerne. Deswegen nun auch endlich von mir ein paar Worte über Suschnas Buchprojekte.

Suschna bloggt auf "Textile Geschichten" mit Inhalten, die weit über das hinausgehen, was uns in der Nähbloggerinnenwelt sonst begegnet. Sie näht, stickt und werkelt zwar auch, aber ihr Blog geht über eine reine Werkschau hinaus. Ihre Beiträge strotzen nur so von Experimentierlust und gut recherchiertem Hintergrundwissen. Es ist ein Vergnügen, ihr Blog zu lesen. Wer es noch nicht kennt - schaut mal rein!

Foto: textilegeschichten.net


Für Besserwisserinnen und solche, die es werden wollen


Letztes Jahr hat sie ihr erste Buch "Verflixt & Zugenäht - Textile Redewendungen gesammelt und erklärt" herausgebracht (folgt dem Link und ihr erfahrt noch viel mehr über das Buch, als ich hier andeuten kann). Ich war und bin begeistert davon. Ich liebe es, darin zu blättern und hier und da etwas zu entdecken. Es ist eine sehr amüsante Art, häppchenweise etwas zu lernen. Als Frau der Worte mag ich es ohnehin, meine Sprache zu schärfen und zu verstehen, was ich da vor mich hinplappere. Da schadet es nicht, mal mehr zu erfahren, was hinter der "Wollmaus" oder dem "Schicksalsfaden" steckt.

Foto:textilegeschichten.net

Am Rockzipfel   – Redensarten rund um Kleidung und Stoff
ISBN 978-3-00-052981-8
Ladenpreis 16 Euro


Ich freue mich wie Bolle, dass das "rosa Buch" so gut angekommen ist, dass Suschna Zeit und Geld aufbrachte, um an einer Fortsetzung zu arbeiten. Seit ein paar Wochen gibt es nun das "grüne Buch" und es sieht nicht zufällig ganz ähnlich aus. Während es im ersten Buch eher um textile Techniken geht, widmet sich das grüne Buch nun mehr der Bekleidung. Das finde ich super, denn ich vermute, dass ich mit dem grünen Buch noch viel mehr Menschen beschenken kann, denn Bekleidung trägt doch jede - auch diejenigen, die den Umgang mit Nadel und Faden eher exotisch anmutet.


Das neue Buch ist für alle, die hin und wieder Kleidung tragen - also für alle


Im grünen Buch "Am Rockzipfel - Redensarten rund um Kleidung und Stoff", geht es, wie der Titel schon sagt, um Redensarten (folgt dem Link und ihr erfahrt noch viel mehr). Diese bildhaften Ausdrücke bereichern unsere Sprache und machen sie bunter. Wir verstehen sie, auch wenn wir (vor dem Lesen des grünen Büchleines noch) nicht wissen, was sie genau bedeuten. Wir haben "ein Bild davon" und nutzen solche Redewendungen ganz selbstverständlich. Wie viel schöner ist es doch, sie zu benutzen, und genau zu wissen, was dahinter steckt!

Foto: textilegeschichten.net


Verflixt und Zugenäht – Textile Redewendungen gesammelt und erklärt

ISBN 978-3-00-050969-8
Ladenpreis: 16 Euro


In beiden Büchern werden diese bildhaften Formulierungen erklärt und durch Illustrationen ergänzt. Zu den Bildern möchte ich gar nicht viel sagen: lasst euch einfach überraschen und sie auf euch wirken. Sie runden den Text ab, lockern ihn auf und lassen die Gedanken schweifen. Ich finde sie ganz wunderbar. So wunderbar, wie die beiden Bücher eben!


Foto: textilegeschichten.net

Suschna gibt uns in beiden Bänden nicht nur einen Rückblick darauf, welche Redewendungen und Bezeichnungen woher kommen bzw. früher üblich waren, sie greift auch aktuelle Begriffe, wie den "Thread" im rosa Buch oder das "Booten" auf. Sprache ist so etwas wunderbares und hört niemals auf, sich weiter zu entwickeln. Ich hätte niemals gedacht, wie viele von uns genutzte Wörter und Redewendungen auf textilen Techniken oder Kleidungsstücken beruhen. Schön, das nun zu wissen!

Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht oder sich selbst ein kleines Vergnügen gönnen möchte, dem seien die beiden Büchlein wärmstens ans Herz gelegt. Bestellen könnt ihr die Bücher in jeder Buchhandlung oder direkt bei Suschna info ät textilegeschichten punkt net - mehr Informationen zum Bestellen hier. Bis zum 31. 12. 2016 bekommt ihr die Bücher bei ihr (in Deutschland) versandkostenfrei und signiert, wenn ihr sie darum bittet. 


*Ich bekomme weder Geld für die Werbebanner noch für diese Rezension. Ich mache das, weil ich begeistert bin. Aber da es darum geht, euch auch davon zu begeistern und Geld in die Hand zu nehmen, kennzeichne ich die Banner mit "Werbung". 

Sonntag, 11. Dezember 2016

Nähen nach dem Lustprinzip - Bye bye Weihnachtskleid



Donnerstag habe ich mir spontan einen freien Tag gegönnt und es war herrlich. Erst, als ich mal aus dem Arbeits-Hamsterrad ausstieg, merkte ich, WIE dringend ich genau das brauchte! Ich habe genäht! Unverhofft, hatte ich dann noch einen freien Abend und nun ist mein gemusterter Stadtmantel, den ich schon den ganzen November nähen wollte, schon fast fertig. Es fehlt nur noch der "Endgegner", das Ärmelfutter, die mit der Hand anzunähenden Druckknöpfe und einmal ordentlich bügeln. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich im Flur an ihm vorüber laufe.

Als ich so vor mich hin nähte, fragte ich mich natürlich, warum ich nicht stattdessen mein Weihnachtskleid nähen würde. Tja, ich war nicht inspiriert. Ich hatte mich in den letzten Wochen so intensiven mit den stokx-Schnittmustern beschäftigt, dass ich gerade einfach nur Lust habe, genau diese zu nähen. Ich bin ja noch kein großer Schnittmusterverlag, sondern immer noch eine kleine Hobbyschneiderin, die immer wieder erstaunt feststellt, dass es diese großartigen Schnittmuster nun auch für uns gibt. Ich verzehre mich immer noch nach einem schwarzen Kimonokleid und einem ungeknitterten Knitterkleid aus einem Stoff, um den ich seit Wochen herumschleiche.

Es ist ein wenig peinlich, dieses "ich und der Weihnachtskleid Sew Along". Wie jedes Jahr rufe ich erst laut "jaaa klaaar, ich bin dabeiiii" und dann kommt nix mehr. Im Moment denke ich wenn, dann eher an eine Weihnachtskuschelrumlümmelfleecejacke. "Wellnessfleece" ergrabbelte ich letztens auf dem Restetisch und zugeschnitten ist sie auch. Aber ich habe das Mantelschnittmuster benutzt und damit bin ich raus (denn Werbung auf dem MMM-Blog geht natürlich nicht) und wer weiß, ob das Schnittmuster überhaupt mit Fleece funktioniert. Also bye-bye Weihnachtskleid-Sew Along. Schade. Aber es ist auch ok, denn ich freue mich auf meinen neuen Mantel und sollte ich zwischen den Jahren Zeit haben, dann nähe ich eben noch eines meiner beiden Wunschkleider. Nur eben nicht zu Weihnachten und nicht im Rahmen des gemeinsamen Sew Alongs. So isses eben.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Nicht-wirklich-Diane-Keaton-Mantel



Der Diane-Keaton-Mantel und ich, wir hatten es nicht leicht miteinander. Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor ungefähr einem Jahr verkündete, ich müsse nun unbedingt einen weißen Mantel haben. Es war einer dieser Momente, in der sich plötzlich sich eine dieser Ideen im Kopf festsetzt, die ich mir als Hobbynäherin zwar erfüllen kann, bei der ich mich im Nachhinein aber manches Mal fragte, ob ich nicht ein Rad abhabe...

Kind geht endlich alleine auf Spielplätze, Muddi ist endlich wieder mehr in Erwachsenenmission unterweg - wieso eigentlich nicht mal so etwas verrücktes machen, wie einen weißen Mantel tragen. Dazu muß ich sagen: ich besaß, außer einem T-Shirt oder einer weißen Bluse, noch nie ein weißes Kleidungsstück. Weil ich zu Slapstick, Kleckern und Stolpern neige, ist das vermutlich auch besser so. Doch eines Tages hatte ich das Gefühl, nicht mehr ohne einen Diane-Keaton-Mantel leben zu können. Ich wollte auch so eine coole, erwachsene Frau sein.




Vor dem Nähen hatte ich den Frust, das mein Mann behauptete, der Walk würde stinken. Ja, das tat er dann auch 3 Monate auf dem Balkon. Vielleicht hätte ich ihn doch waschen sollen? Ich traute mich nicht und beschloss, den champagnerweißen Stadtmantel erstmal zu nähen, dann könnte ich ihn ja auch noch reinigen lassen, nachdem ich ihn in Form gebracht hatte. Tja und dann begann ich zu nähen und es war einfach wunderbar, wie sich die Teile zusammenfügten und recht schnell so etwas wie ein Mantel entstand. Ich hatte mal wieder ganz große Stokxschnittmusterliebe. Das Vergnügen dauerte bis ich zwei Dinge feststellen musste: 1. ich hatte mich für eine zu große Größe entschieden und 2. mein gepunktetes Futter sah man durch.





Dann begann eine mehrmonatige Odyssee. Ich kaufte verschiedene Materialien für Blende und Belege, die mir später doch nicht gefielen (grünen Köper, bronzefarbenes Kunstleder, schwarzen Köper) und suchte nach alternativ passendem Ärmelfutter. Mittlerweile hatte ich immerhin schon kapiert, dass auch die Schulterbelege durchscheinen würden, wenn ich ein dunkles Material für Stoff2 nehmen würde und sah glücklicherweise davon ab, erstmal zur Probe die schwarzen Belege einzunähen. Irgendwann landete ich dann bei einer langweiligen Kombination des Walks mit champagnerfarbenen Satin und Futter. Dann nähte ich den Mantel enger und war plötzlich überhaupt nicht mehr überzeugt von meiner Idee, auch nur im Entferntesten so aussehen zu können, wie Diane Keaton.



Als der Mantel endlich fertig war und ich ihn bei 28 Grad in der Bude vor dem Spiegel probierte, entdeckte ich, dass die Nahtzugaben und die Abnäher durchscheinen, sobald ich dunkle Kleidung unter dem Mantel trage. So ein Mist, ich hatte die dünne Version des eigentlich tollen Walklodens vom Roten Faden erwischt!. Ich bestellte Stoff für ein weißes Kleid und eine weiße Strickjacke, ich verschob den Termin beim Friseur und für das Fotoshooting fürs Deckblatt des Schnittmusters. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich den Mantel dann fast endgültig in die Ecke geworfen. Ich war so traurig. Das Schnittmuster ist toll, der Mantel hätte so schön sein können!




Als ich auf meiner Lesereise im Herbst den Mantel "Hartmut" dabei hatte, fluchte ich wie jedes Jahr, dass der Mantel zwar farblich sehr hübsch, aber irgendwie auch schrabbelig aussieht, denn er ist nur pur verarbeiteter Walk ohne jegliche Raffinesse. Ganz abgesehen davon, dass es unmöglich ist, ihn zu verschließen. Zähneknirschend nähte ich den weißen Mantel fertig und gab ihm noch eine Chance. Ich trug ihn mit einem riesigen gestrickten Tuch und hoffte, dass die Menschen nur Augen für das Tuch hätten.




Tuch: "Vertice Unite" von Stephen West
Wolle: Brushed Alpace Silk
Stoff: Walk, Futter und Satin
Schnittmuster: Stadtmantel

Und dann passierte etwas merkwürdiges: fortan trug ich ihn ständig! Ich weiß, er ist zu groß und ich weiß, die Nahzugaben scheinen durch und ich weiß, ich sehe überhaupt nicht aus, wie Diane Keaton. Aber der Mantel trägt sich fantastisch bei Temperaturen um die 10 Grad. Im Büro fröstele ich oft und habe eine warme Strickjacke dabei - für Draußen den dünnen Mantel darüber, ein großes Tuch dabei und es ist für mich einfach perfekt. Bei Temperaturen unter 4 Grad, lasse ich ihn zuhause. Aber ich bin erstaunt, wie oft ich mich morgens für den eigentlich missglückten weißen Stadtmantel entscheide. So ganz falsch, kann er also doch nicht sein. Also zeige ich ihn bei rums.



Weil ich das Schnittmuster so großartig finde, werde ich den Mantel noch mal nähen. Eine gemusterte Version ist schon zugeschnitten, ein grauer Mantel muß auch noch her und für den Frühling will ich unbedingt noch einen Stadtmantel in frühlingsfrischer Farbe. Nur nicht mehr weiß, zu hell darf der Walk für einen teilgefütterten Mantel nicht sein. Jetzt wisst ihr bescheid. Dann müsst ihr den gleichen Fehler wie ich ja nicht auch machen, denn es wäre doch schade um den teuren Walk und das tolle Schnittmuster!
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Mittwoch, 7. Dezember 2016

Neue Tuchliebe: Vertice Unite



Ich Lemming bin im Frühling auch dem Stephen West-Tücher-Strick-Virus verfallen und habe im Sommer das "Vertice Unite" gestrickt.




Resumée: Dieses Tuch macht Spaß zu stricken und es wird riesig! Für den Alltag ist es fast zu riesig, aber auf einer langen Zugfahrt im eiskalten ICE-Waggon, lernte ich es zu schätzen. Es ist so praktisch, eine Sofadecke dabei zu haben!



Tuch: "Vertice Unite" von Stephen West
WolleBrushed Alpace Silk

Das zweite Verstice Unite in kühlen Farben habe ich seit ein paar Wochen auf den Nadeln, muß aber ruhen, weil zuerst noch ein "Smooth Move" für Weihnachten fertig werden soll....





Ich bin erstaunt, wie anregend es ist, ein so großes Tuch zu stricken! Ich denke, das macht eine gute Anleitung aus.




Verlinkt zu "auf den Nadeln" auf dem maschenfein-Blog.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Der Stadtmantel - neu im Schnittmusterkiosk




Ab heute gibt es ein neues Schnittmuster im Schnittmusterkiosk: den Stadtmantel.

Dabei ist es sozusagen eine Sneak Preview, denn eigentlich wollte ich den Stadtmantel erst zum Frühjahr veröffentlichen, denn es handelt sich um einen nur an den Ärmeln gefütterten Mantel, eher für die Übergangszeit (sagen wir zwischen Temperaturen von 6 - 16 Grad, je nach Kälteempfinden und Dicke des Walks). Aber dann dachte ich: das Schnittmuster ist fertig und warum soll es euch nicht auch schon in der Vorweihnachtszeit erfreuen!

Wollwalk ist ein wunderbares Material: es trägt sich und näht sich ganz fantastisch - nur leider ist Walk nicht ganz günstig. Deswegen habe ich mir überlegt, euch den Schnitt schon jetzt anzubieten, denn dann könntet ihr euch das Material zu Weihnachten wünschen. Und vielleicht findet sich zwischen den Jahren ja auch etwas Zeit, sich nähend auf den Frühling zu freuen. Ist das nicht geschickt eingefädelt?




Der Stadtmantel ist ein raffiniertes Schnittmuster - wie alles, aus dem Hause stokx. Er ist elegant, sportlich, bequem, er macht alles mit. Die besonderen Verarbeitungstechniken geben ihm einen edlen Look. Es gibt ihn in zwei Varianten: mit Abnähern oder mit Teilungsnaht im Vorderteil.





Geschlossen wird der Mantel mit sieben Druckknöpfen. Er hat zwei aufgesetzte Taschen und einen leicht zu nähenden, schönen Kragen. Am Vorderteil gibt es eine sichtbare Blende, die den Druckknöpfen Halt gibt und ein echter Blickfang ist.





Nur die Schulterpartie und die Ärmel sind zum leichteren Anziehen und für besseren Sitz gefüttert. Außen, wie Innen ist der Mantel eine Augenweide. Ein Meisterstück, das weniger schwierig zu nähen ist, als es aussieht, aber auf das die Näherin zu Recht stolz sein kann.




Gefütterte Taschen sind genau am richtigen Platz und sind ein Hingucker, ohne aufdringlich zu sein. Der Walk wird so verarbeitet, dass er immer dort, wo er Stabilität braucht, durch einen Zusatzstoff unterstützt wird und dort, wo er eine gute Passform zaubern soll nachgeben darf, so dass er die Figur sanft umschmeichelt.





Wie bei allen stokx-Schnitten sind die Designlinien harmonisch, geben eine Eleganz aus sich selbst heraus und schmeicheln der weiblichen Figur.

Der Mantel steht Frauen mit ganz unterschiedlicher Figur - es lebe die Vielfalt. Das Schnittmuster gibt es in Größe 0 - 11, das entspricht einem Brustumfang von 80 bis 143 cm.




Der Stadtmantel ist leicht und unkompliziert. Ella Mara hat eine wundervolle Version genäht. Ich freue mich sehr, dass sie mich durch Probenähen und als Modell unterstützt hat. 1000 Dank dafür!

Vielen Dank auch an den Roten Faden, der mir tollen Walk für Probemäntel zur Verfügung gestellt hat.






Wenn ihr jetzt auch so einen Stadtmantel nähen wollt, bekommt ihr bis zum 22.12. das Schnittmuster im Schnittmusterkiosk zum Einführungspreis und den Walk-Loden bis zum 22.12. reduziert, versandkostenfrei und mit einem passenden Garn gratis dazu (Hinweis dazuschreiben: "bitte kostenlos passenden Garn dazu legen") beim Roten Faden.





Montag, 5. Dezember 2016

Probleme beim Anmelden im Shop?

Liebe Kundinnen, seit dem letzten Softwareupdate des Schnittmusterkiosks gibt es manchmal Probleme, sich im Shop einzuloggen. Leider haben wir noch keine Möglichkeit gefunden, das Problem zu beheben, aber wir arbeiten dran.

Falls ihr verzweifelt versucht ein Schnittmuster zu bestellen, aber das Einloggen in euer Kundinnenkonto nicht gelingen sollte, dann gibt es aber eine alternative Möglichkeit zu bestellen: Bestellt - ohne euch anzumelden und zu registrieren - mit einer anderen Mailadresse.

Bitte entschuldigt die Umstände und vielen Dank für euer Verständnis!

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Warum eigentlich Kimonokleid?



Mema hat gestern eine ganz tolle Version des Kimonokleids beim MMM gezeigt, nannte es Westernkleid und - wie so viele von euch - fragte sie, warum das Kimonokleid denn eigentlich Kimonokleid heißt. Nun denn, dann will ich das beantworten, auch wenn ich heute auch ein kariertes Kimonokleid bei rums zeige, das einem Cowgirl alle Ehre macht.



Ich finde es wahnsinnig spannend zu erfahren, wie und warum jemand auf eine gute Idee gekommen ist. Das ist manchmal im Nachhinein gar nicht so einfach zu sagen, speisen sich doch die meisten guten Ideen aus verschiedenen Inspirationen. Als ich die Designerin des Kimonokleides, Lindy Stokes fragte, was sie zum Kimonokleid inspirierte, erzählte sie mir folgendes:

"In meinen Augen ist der Kimono das elegantestes Kleidungsstück", sagte sie. Schon lange war sie von Kimonos fasziniert, aber sie passten schlichtweg nicht zu ihrer Philosophie: Kleidung soll nicht nur schön anzusehen sein, sondern Kleidung muss funktionieren und zum Leben passen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass das mit einem richtigen Kimono in unserem heutigen Alltag nicht wirklich funktioniert.



Deswegen wollte Lindy ein Kleidungsstück, wie sie sagt, "von ähnlicher Eleganz aus sich selbst heraus" entwerfen, das aber funktionaler ist, als ein Kimono und trotzdem an einen Kimono erinnert, wenn frau genau hinschaut.

Ein wirklich gutes Wickel-Kleidungsstück für eine Kollektion zu entwerfen, das allen Frauen gut passt und alle Bewegungen mitmacht ohne sich selbständig zu machen, ist nicht einfach, deswegen behielt sie den Look des Kragens und entschied sich aber für eine praktischere Knopfleiste an Stelle eines mit Gürtel zusammengehaltenen, gewickelten Vorderteils. Wenn ihr das Kimonokleid tragt, dann merkt ihr, dass das Kimonokleid auch weitere Ärmel hat, als viele andere Kleider. Auch diese erinnern noch an die ursprüngliche Idee.



Der Gedanke, "Eleganz - aus sich selber heraus" leitete Lindy bei ihren weiteren Überlegungen zu dem neuen Kleidungsstück und sie entschied, dass es Designlinien bekommen sollte, die den weiblichen Linien schmeicheln, ohne sie einzuengen. Teilungsnähte zeichnen die weiblichen Formen nach und sind für sich schön - egal, ob das Kleid sehr körpernah oder lässig geschnitten ist. Frauen sollen schön sein und sich bewegen können!

Das Zaubermittel des Kimonokleides ist der schräge Fadenlauf an strategischen Stellen. Das Rückenteil ist im schrägen Fadenlauf geschnitten und schafft Bewegungsfreiheit für Arme und Schultern. Die Linien, die zeigen, wo die einzelnen Schnittteile zusammengesetzt sind und geben Kontur - Eleganz aus sich selbst heraus. Auch die oberen, seitlichen Vorderteile sind im schrägen Fadenlauf. Das ist nicht ganz einfach zu nähen, erzeugt aber eine schöne Brustrundung und zusätzliche Bequemlichkeit, auch wenn das Kleidungsstück eng und auf Figur gearbeitet ist, wie Eluvia mit ihrer Kimonobluse gestern schön zeigte.



Mein, schon im Frühling 2012 genähtes, jeden Winter gerne getragenes, kariertes Kimonokleid mag auf den ersten Blick auch eher an Western erinnern und den Kimono nicht raushängen lassen, das mag sein. Aber es ist ein Kimonokleid, das durch sein Karo die Designlinien schön zur Geltung bringt. Obwohl ich es (in meiner Petticoatphase) eine Zeit lang nur mit Gürtel trug, bevorzuge ich es dieses Jahr lieber ohne. Denn auf den zweiten Blick, hat dieses Kleid eine "Eleganz aus sich selbst heraus", die ich liebe. Und wahnsinnig bequem und muckelig ist es zudem.

Na, hast du jetzt auch Lust auf ein Kimonokleid oder eine lange Kimonobluse bekommen? Das Schnittmuster findest du bei mir im Schnittmusterkiosk. *klick*

Fotos von Monika Lauber