Freitag, 26. Februar 2016

Das Dreieckstuch




Nach vielen, vielen Jahren habe ich ein neues Dreieckstuch. Das wurde wohl auch Zeit. denn das alte Tuch habe ich schon 1989 am Nordkap verloren.

Als Jugendliche hatte ich immer irgendwelche Spleens. Es gab Dinge, die ich irgendwo aufgeschnappt hatte und dann dringend brauchte. Zum Beispiel Overknees, also gestrickte Stulpen, die ich über die Jeans tragen wollte und die bis übers Knie gingen. Oder eben ein Dreieckstuch. Meine Lieblingsoma war immer diejenige, die mir solche spleenigen Wünsche erfüllte. Meine Mutter rollte wahrscheinlich nur mit den Augen, ob meiner merkwürdigen Ansinnen. Was ich lange Zeit nicht wusste war, dass meine Oma gar nicht oder zumindest nicht gut stricken oder häkeln konnte. Wenn ich mit einem welligen gehäkeltem Topflappen aus dem Handarbeitsunterricht mit tränenerstickter Stimme kam, behielt sie ihn eine Woche bei sich und half mir aus der Patsche. Wenn ich mir Stulpen wünschte, bekam ich gestrickte Stulpen und als ich mir ein Dreieckstuch mit Lochmuster wünschte, bekam ich es. Erst später habe ich erfahren, dass meine Oma jemanden dafür bezahlte, meine Handarbeitsprobleme zu retten oder extravaganten Wünsche zu erfüllen. Sehr lösungsorientiert und meine große Liebe zu ihr wurde dadurch noch größer, weil ich wusste, dass ich auch mit den spleenigsten Ideen zu ihr kommen konnte.



Mützen mochte ich noch nie. Das Dreieckstuch war prima, wenn es schneite oder sehr kalt war. Ich trug es als Kopftuch oder eben wie die damaligen "Pallitücher" oder die gefärbten Windeln mit der Spitze nach vorne und einmal rund um den Hals. Niemand außer mir hatte so ein Tuch, das fand ich prima. Es war grau (!) und passte zu allem.

1989 las ich ein Buch und hatte nach der Lektüre den unbändigen Wunsch Nordnorwegen zu besuchen und mit dem Bus zum Nordkap zu fahren. Im Sommer 1989 machte ich drei Monate einen Au-Pair-Job in Finnland und nahm mir vor, in dieser Zeit zu überlegen, ob es sinnvoll wäre, mein Studium weiter zu machen oder das Fach zu wechseln. Der Job war doof, ich kündigte und beschloss eine paar Wochen durch Skandinavien zu trampen, um herauszufinden, was ich wirklich wollte. Meine Mutter schickte mir ein Interrailticket, ich sagte ihr nicht, dass nördlich des Polarkreises keine Eisenbahnen fuhren. Ich fragte alle finnischen Bekannten ob sie Verwandte oder Freunde irgendwo in Skandinavien hätten wo ich übernachten könnte, denn Geld hatte ich kaum etwas. Mit Anfang zwanzig macht man eben so Sachen.



Ich reiste durch Finnland bis zum Polarkreis, rüber nach Schweden, dann nach Narvik in Norwegen. Von dort wollte ich den Bus zum Nordkap nehmen, wie in dem Buch beschrieben. Ich hatte alles sorgfältig geplant. In Ermangelung einer günstigeren Unterkunft hatte ich am Nordkap ein Hotel für eine Nacht gebucht, dann wollte ich an Bord der Hurtigrouten gehen und runter zu den Lofoten fahren. Einziges Problem, der Bus ab Narvik fuhr "daily except Saturdays" und ratet mal, an welchem Wochentag ich an der Bushaltestelle stand. Ich musste am nächsten Tag am Nordkap sein, denn ich hatte den billigsten Tarif, ohne Möglichkeit zum Umbuchen, gekauft, denn ich hatte so wenig Geld, dass ich mich eigentlich nur von Käsebrot ernährte und mit Todesverachtung sogar den Heringssalat aß, der mir allen Orten angeboten wurde. Ich fand heraus, dass es sogar günstiger war zum Nordkap zu fliegen, als mit dem Bus zu fahren und tat das dann auch, obwohl ich genau wegen dieser Busfahrt in diese nördliche Region gefahren war. Aber ich hatte sie im Buch beschrieben bekommen und hoffte, wenigstens einen Teil des Eindrucks vom Himmel aus zu bekommen.

Ich mache es nun kurz: der Flug war beeindruckend aber noch heute traure ich der entgangenen Busfahrt nach. Noch mehr trauerte ich allerdings dem grauen Tuch nach, das ich entweder im Flugzeug oder im Hotel liegen liess, als ich zum Schiff eilte. Noch Monate später schrieb ich Briefe und Postkarten an die Fluggesellschaft und das Hotel, ob das Tuch nicht doch irgendwo aufgetaucht wäre. Keine Chance, es war verloren. Ich hoffe, es hat jemand anderen glücklich gemacht. Der Rest der Reise war trotzdem toll. Ich erlebte eine phänomenale Woche auf den Lofoten, reiste weiter durch die Fjorde, nach Norwegen, Südschweden und Stockholm. Es war so nen verrücktes Ding, wie man es auch ohne Geld in der Tasche eben nur mit Anfang zwanzig macht.



Jetzt habe ich wieder ein Tuch. Ganz anders, viel feiner als das, was ich damals hatte. Aber wenn ich es um den Hals schlinge, dann denke ich an Nordnorwegen.

Strickmuster: Stoff und Stil
Wolle: Fine Wool von Stoff und Stil
Würde ich es nochmal stricken: NEIN, das Muster ist nur wenig intuitiv. Ich habe noch nie beim Stricken so viel geschummelt. Außerdem sieht sowieso niemand das Muster, wenn es um den Hals gekrumpelt ist.

Die Fine Wool von Stoff und Stil soll angeblich nach dem Stricken-Waschen-Spannen sehr viel feiner werden. Frau Nahtzugabe berichtete davon. Bei mir ist dieser Effekt aber nur sehr sehr spärlich eingetreten. Ich bin auch ein wenig skeptisch, wie stabil dieses Buch ist, denn der Faden ist wirklich sehr sehr fein und wenn frau beim Stricken nicht aufpasst, dann reisst er leicht. Das Tuch so wie es ist, finde ich aber sehr angenehm leicht und trotzdem warm. Ich mag es!



Mittwoch, 24. Februar 2016

MMM - heute mal wieder drüben im Me Made Mittwoch-Blog als Gastgeberin



Yeah, Yeah, Yeah, ich habe mein Weihnachtskleid fertig!

Ok, es ist Februar, aber der Winter ist noch nicht um, auch wenn an vielen Orten schon die Blumen spriessen und ich bin wirklich froh, mein muckeliges Weihnachtskleid aus Winterjersey fertig genäht zu haben.




Einige von Euch mögen sich wundern, wieso ich dauernd von "Weihnachtskleid" rede. Nun, auf dem Me Made Mittwoch-Blog ist es seit einigen Jahren eine wunderbare Tradition, gemeinsam Weihnachtskleider zu nähen. In Form eines Sew Alongs, also einer gemeinsamen Näh-Aktion, in der jede Teilnehmerin für sich zu bestimmten Meilensteinen ihre Fortschritte zeigt und alle sich schließlich an Weihnachten über ein neues Kleid freuen. Ja, solche Sew Alongs sind eine super Sache. Gerade der Weihnachtskleid-Sew-Along ist deswegen so eine liebgewonnene Tradition, weil ganz viele Hobbynäherin dadurch motiviert werden, überhaupt ihr allererstes Kleid für sich zu nähen. Das ist toll.



Sew Along sind eine großartige Motivation, Dinge auszuprobieren, an die sich die Einzelne alleine nicht herantrauen würde und eine tolle Wissenssammlung. Aber manchmal können sie auch zur Last werden, wenn es mich als Teilnehmerin zeitlich an meine Grenzen bringt, ich einfach aussteigen und abbrechen muß, weil ich es partout nicht schaffe, im vorgegebenen Zeitrahmen das erträumte Kleidungsstück fertig zu stellen. Das fühlt sich doof an. Deswegen wollte ich eigentlich dieses Mal nicht mitmachen. Doch je mehr Sew Along-Beiträge ich las, um so mehr kribbelte es mich in den Fingern, auch ein Weihnachtskleid2015 zu besitzen. Kurz entschlossen nahm ich den Jersey aus dem Regal, dachte etwas länger über das Schnittmuster nach, schnitt zu, nähte und hätte fast.... ja fast.... zu Weihnachten ein neues Kleid gehabt. Wenn ich denn noch Zeit für die Säume gehabt hätte!

Und dann lag das Ding nach Weihnachten herum und war irgendwie nicht attraktiv genug, fertig gemacht zu werden. Ich bereute meine Schnittmusterwahl. Ich hatte mich für mein bewährtes Schnittmuster "Ajaccio" entschieden, nach dem ich schon vermutlich 12 oft getragene Kleider genäht habe. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser groß gemusterte Jersey besser ein geraderes Schnittmuster verdient hätte. Letzte Woche nahm ich es mir aber vor, säumte es nur mäßig motiviert.




Immer diese schwierigen Entscheidungen. Einen Handsaum nähen oder einen Maschinenstich auswählen? Und wenn ja welchen? Bei Jerseykleidern wähle ich meist einen Maschinenstich und dieses Mal habe ich mich für die Wellen entschieden.



Doch dann zog ich es an - und jetzt ziehe ich es gar nicht mehr aus! Ich finde es super! Auch wenn das im Stoff enthaltene beige so ganz und gar nicht meine Farbe ist. Das Smaragdgrün betört mich und macht mich einfach glücklich.




Wie ist das mit euch und den Sew Alongs? Motivation oder/und Last? Ich bin sicher, wir werden heute beim Me Made Mittwoch wieder ganz viele Kleidungsstücke sehen, die durch einen Sew Along inspiriert wurden. Das ist toll, deswegen, bei aller Last und schlechter Laune, die eine versemmelte Sew Along-Teilnahme manchmal bereitet: Sew Alongs sind toll und wenn wir es mal nicht schaffen, einen durchzuhalten, dann lohnt es, ein paar Wochen später über den eigenen Schatten zu springen und das begonnene Kleidungsstück fertig zu stellen. So wie mein Weihnachtskleid2015 oder soll ich es vorsorglich lieber Weihnachtskleid2016 nennen?

Dienstag, 23. Februar 2016

Schnittmuster anpassen #2: FBA und SBA - kombinierte Längen- und Weitenänderung im Oberteil


Herzlichen Dank für euer positives Feedback zur neuen Blogserie und für eure zahlreichen Kommentare! Die Vielfalt der Körperformen wird sehr schön abgebildet. Ich lese alle Kommentare und ergänzenden Blogbeiträge und versuche sie entweder in die Artikel nachträglich mit einzubauen oder aber als Anregung für spätere Beiträge zu nutzen. Alle Beiträge zur Blogserie "Schnittmuster anpassen" sind unter dem gleichnamigen Stichwort getaggt, so dass ihr sie hier im Blog leicht wiederfinden könnt. Ganz unten im Beitrag zähle ich alle bisher behandelten Themen noch mal auf und verlinke sie, damit wir ein Inhaltsverzeichnis haben. 

Weiter gehts mit unserer Serie über das Anpassen von Schnittmustern. Letzte Woche hatten wir das Thema Längenänderungen noch recht allgemein, heute wird es etwas spezieller: wir kümmern uns um kombinierte Längen- und Weitenänderungen im Oberteil. Aber keine Angst, das klingt nur auf den ersten Blick kompliziert, wenn ihr es erst einmal sacken gelassen und ausprobiert habt, wollt ihr auf dieses Verfahren nicht mehr verzichten.

Ich schreibe jetzt erst einmal über das Thema "mehr Platz für die Brüste mit einer FBA schaffen", denn damit kenne ich mich aus. Solltet ihr schon mal über SBA und Verkleinern geschrieben haben, dann hinterlasst mir gerne einen Link in den Kommentaren, den ich nachträglich in den Beitrag unten einfüge, damit unsere Wissenssammlung vollständiger wird. Vieles, was ich aber über FBA (Full Bust Adjustment) schreibe, gilt aber auch für die SMA (Small Bust Adjustment), denn die Hilfslinien und Punkte sind die gleichen. Alle, die eher weniger Oberweite haben, sind deswegen ganz herzlich eingeladen, diesen Beitrag auch zu lesen - ich erwähne stets, was bei der SBA anders ist, habe dazu aber keine Bilder, denn sonst würde dieser Beitrag zu unübersichtlich.

Als ich anfing zu nähen und feststellte, dass ich Obenrum etwas mehr Weite brauche, hatte ich die naheliegende Idee, diese Weite an den Seitennähten zuzugeben. Ich machte einfach die Nahtzugaben ordentlich größer und zack war mein Oberteil weiter. Leider war es dann rundherum weiter und nicht nur vorne an der Brust, da wo ich es brauchte. Meine zweite Idee, um endlich keine klaffenden Oberteile mehr tragen zu müssen war es, einfach nur noch Schnittmuster zu nähen, die es in einer großen Größe gibt, bei denen der Brustumfang dem Meinen entsprach. Aber auch mit dieser Methode war ich nicht zufrieden, denn damit produzierte ich Kleidungsstücke, die mir an den Schultern viel zu groß waren und bei denen der Stoff von meinen Brüsten wie ein Vorhang bis zur Taille fiel, was ich wenig vorteilhaft empfinde. Irgendwann wurde mir klar, dass es eine besondere Möglichkeit geben müsste, um genau dort eine Mehrweite zu erzeugen, wo ich sie brauchte. So eine Methode gibt es, sie heißt  auf englisch FBA (Full Bust Adjustment) und ich finde es ziemlich merkwürdig, dass es dafür anscheinend keine gängige deutsche Formulierung gibt. Oder gibt es sie doch?

Der Groschen fiel bei mir, als ich erkannte, dass Schnittmuster in der Regel für B oder C Körbchen gemacht sind. Dann kann es ja nicht funktionieren, den Schnitt einfach nur "aufzupusten" um ihn größer zu machen. Wer mehr hat, als ein C-Körbchen, muss nur vornerum Platz einbauen. Die Körbchengröße sagt nur bedingt etwas über die die Breite des Rückens oder der Schultern aus. Bei manchen Frauen vielleicht schon, aber nicht bei allen.

Also, wie geht es, auf Brusthöhe mehr oder weniger Platz zu schaffen?

Wir starten mit dem Messen. Ohne messen gehts gar nicht. Was nützt euch die schönste Schnittmustertheorie, wenn die Maße nicht stimmen. Im besten Falle, lasst ihr euch beim Messen helfen. Und denkt daran, die Messwerte sind nur Zahlen, sie sind keine Bewertungen!

Zunächst braucht ihr drei Maße:
  • Den Brustumfang
  • den Oberbrustumfang
  • und die Brusttiefe
Den Brustumfang kennt ihr sicherlich. Das ist einmal rund um die Brust und Rücken über den breitesten Punkt gemessen. Im Bild die lila, gestrichelte Linie.

Der Oberbrustumfang ist sozusagen die tatsächliche Breite eures Brustkorbes ohne die Brüste, deswegen wird er oberhalb des Brustumfanges unter den Achseln durch gemessen. Das ist die rote, gestrichelte Linie. 



Wenn ihr beide Maße habt, bestimmt ihr die Differenz, um herauszufinden, um wie viel ihr euer Schnittmuster verbreitern müsst. Dazu gibt es eine Formel. 

Brustumfang - Oberbrustumfang  
                        2

Die Formel ist keine größere Magie. Sie besagt einfach nur, dass ihr das Schnittmuster aufgrund eures Oberbrustumfangs auswählt, statt wie gewohnt nach dem Brustumfang. Die benötigte Mehrweite erhaltet ihr durch die Differnez aus beiden Maßen und ihr teilt sie durch zwei, weil wir die FBA nur an einem halben Vorderteil ausführen. That's it.

(Für die ganz Genauen unter euch, kann ich noch die Formel 

Brustumfang - Oberbrustumfang - 5,08 cm
                                2

anbieten, in der berücksichtig wird, dass wir ja nicht von einer nicht vorhandenen Brust, sondern von einem B-Körbchen ausgehen, aber nach meiner Erfahrung kommt es auf das ganz genaue Rechnen gar nicht an, denn jedes Schnittmuster hat unterschiedlich viel Bequemlichkeitszugaben und jeder Stoff verhält sich anders.)

Das, was ihr mit der ersten oder zweiten Formel ausgerechnet habt, dürft ihr Runden, damit ihr einen Zahlenwert erhaltet, der sich gut verarbeiten lässt. Der Vorteil einer FBA oder SBA ist so immens, dass es auf ein paar Millimeter letztlich nicht ankommt, weil sich jeder Stoff anders verhält, jede Brust mit einem anderen BH anders aussieht und sich nicht zu letzt der Körper auch im Laufe des Zyklus verändert.


Jetzt noch die Brusttiefe bestimmen!

Als nächstes bestimmen wir den Ort wo die Weite eingefügt werden soll. Na logisch: an der breitesten Stelle. Diese breitestes Stelle der Brust ist der Brustpunkt. Manchmal ist es die Brustwarze, aber das muss nicht sein. Jede Brust ist anders. Schaut euch die Form der Brust an, vergleicht auch mal eure Brüste, wenn ihr unterschiedliche BHs tragt. Überlegt, welchen BH ihr zu dem Kleidungsstück, für das ihr das Schnittmuster ändert tragen werdet und bestimmt mit diesem BH angezogen euren Brustpunkt, in dem ihr senkrecht von der Schulter bis zu dieser breitesten Stelle messt. 



Messt am besten dann auch noch vom Brustpunkt einmal senkrecht runter bis zur Taille. Die obere rote Linie heißt Brusttiefe, wie die lila Linie heißt, weiß ich nicht, aber beides addiert ist die "vordere Länge". 


Jetzt kommt die FBA (bzw die SBA)!

Auf dem Schnittmusterteil für das Vorderteil, das ihr vergrößeren  oder verkleinern wollt, zeichnet ihr nun eine senkrechte Linie parallel zur vorderen Mitte, von der Schulter durch den Brustpunkt (hier ganz dünner Bleistift) bis zur Taille (ab da wird es wichtig = rot gestrichelte Linie). Das heißt, ihr müsst vorher euren Brustpunkt markieren. Das könnt ihr zum Beispiel tun, in dem ihr euch das Schnittmuster (auf Seidenpapier oder Folie) anhaltet und den Brustpunkt mit einem Stift markiert.

Bei einem Kleiderschnitt oder einem längeren Oberteil markiert ihr auch noch die Taille mit einer waagrechten Linie. (Das habe ich leider auf dem Beispiel vergessen)

Außerdem messt ihr das Armloch aus und markiert 1/3 Armlochweite von der Seitennaht aus. Das geht am einfachsten, wenn ihr ein Maßband auf die Armlochrundung stellt und so den Wert ablest. Außerdem zeichnet ihr eine Linie im rechten Winkel zur vorderen Mitte, die waagrecht durch den Brustpunkt geht.



Anschließend schneidet ihr das Schnittmuster vom Scherensymbol an der gestrichelten Linie entlang auf, allerdings nicht ganz auseinander, sondern lasst an den lila Endpunkten, etwas Papier/Folie stehen.



Nun zieht ihr das Schnittmuster langsam auf und verschiebt es um die benötigte Weite, dabei müssen die senkrechten Linie unterhalb des Brustpunktes auch senkrecht bleiben. Sie werden wirklich nur parallel verschoben (das hätte auf meinem Bild noch paralleler sein können).

Für eine SBA werden die Schnitteile nicht auseinander gezogen, sondern übereinander geschoben! Die Hilfslinien und das Aufschneiden ist aber das gleiche.

Anschließend klebt ihr unter oder auf die entstandenen Freiräume Papier/Folie, um das Verschieben dauerhaft zu fixieren.

Auf dem Bild erkennt ihr zwei Dinge:
  1. Die waagrechte Linie, die ihr bis kurz vor den Brustpunkt aufgeschnitten habt, öffnet sich für einen Brustabnäher. An der Seitennaht habe ich Papier überstehen lassen (gelb) darum kümmern wir uns später. 
  2. Das mittlere Vorderteil braucht mehr Länge. Ist ja logisch, denn wenn es ein "weiter Weg über die Brust ist", braucht es mehr Stoff. 
Der Brustabnäher sorgt dafür, dass sich die Länge unserer Seitennaht nicht verändert und damit das Vorderteil nach wie vor an das Rückenteil passt. Um den Brustabnäher zu nähen, brauchen wir an der Seitennaht noch ein "Dach". Das bekommen wir, in dem wir die Schnitteile so zusammen falten, wie wir den Abnäher nähen würden und an der Seitennaht das überschüssige Papier abschneiden.



Das ist schon das ganze Geheimnis der FBA! Und die SBA für kleinere Körbchengrößen als B oder C geht im Prinzip genauso, nur dass die auseinandergeschnittenen Teile ineinander geschoben werden.

Wenn ihr genau hinschaut, dann erkennt ihr, dass noch etwas geschehen ist: das Armloch hat sich verändert. Es ist leicht nach oben geknickt - aber es ist nicht größer! Im Gegensatz zu einer einfachen Längenänderung im Vorderteil über den Brustpunkt, bei der auch das Armloch geändert werden muß, passiert bei einer FBA oder SBA an der Größe des Armloches nichts. Die Armlochlänge ist nach wie vor die gleiche!

Zusammenfassung: Wer braucht die FBA und wozu?

Wenn euch Oberteile immer ein bisschen zu kurz erscheinen und Blusen am Busen klaffen, dann seid ihr typische Kandidatinnen für eine FBA. Mit einer reinen Längenänderung ist euch nicht geholfen und die zusätzliche Weite einfach an den Seitennähten zuzugeben funktioniert nicht optimal. Auch eine größere Größe zu wählen, die sich am Brustumfang orientiert hilft oft nicht, denn in der größeren Größe sind euch sehr wahrscheinlich auch Schultern und Taille viel zu weit.

Oder umgekehrt gesagt: wenn ihr eine Körbchengröße größer als B oder C habt und wisst, wie ihr eine FBA machen könnt, könnt ihr eine kleinere Schnittmustergröße wählen, als ihr es aufgrund eures Brustumfanges normalerweise machen würdet. Das ist doch eine gute Nachricht für Frauen mit großen Größen, die bisher stets traurig reagierten, weil es ein bestimmtes, ersehntes Schnittmuster nicht in ihrer Größe gibt! Wählt nun die Größe aufgrund eurer Oberbrustweite und addiert die benötigte Mehrweite nur dort, wo ihr sie braucht, durch die FBA.

Die FBA macht Platz an der Stelle, an der ihr die Weite braucht. Wollt ihr unter der Brust diese Mehrweite nun nicht mehr haben (ich mag es auch nicht, wenn der Stoff unter der Brust wie ein Vorhang hängt, dann könnt ihr diese Mehrweite auf Taillenhöhe durch einen Taillenabnäher wieder reduzieren. Dieser Taillenabnäher liegt dann auch auf dieser Senkrechten unter dem Brustpunkt. (Dazu nächste Woche mehr)

Was mache ich, wenn mein Schnittmuster bereits Brustabnäher und/oder Taillenabnäher hat?

Na, das ist doch wunderbar. Sollte dein Schnittmuster schon Abnäher haben, dann kannst du sehen, wo im Schnittmuster der Brustpunkt vorgesehen ist, in dem du die Linie des Brustabnähers ein, zwei Zentimeter verlängerst bzw. den Taillenabnäher nach oben verlängerst und schaust, wo sich die verlängerten Abnäherlinien treffen. Auch diese Linien könntest du theoretisch als Hilfslinien zum Aufschneiden deines Schnittmusters verwenden. Trotzdem würde ich auf jeden Fall vergleichen, ob dieser im Schnittmuster vorgesehene Brustpunkt tatsächlich auch deiner stärksten Stelle der Brust entspricht!

Ein typisches Problem bei Schnittmustern, die nicht wirklich gut passen, ist der zu hohe Brustpunkt. Das ist kein Wunder, wenn Schnittmuster für eine Körbchengröße B gemacht sind. Viele Frauen kennen aber die Nachteile der Schwerkraft und das Problem, dass die Brüste tiefer sind, als im Schnittmuster vorgesehen. Das bedeutet, dass an der stärksten Stelle der Brust zu wenig Platz ist und es oberhalb der Brust beult. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns ein Schnittmuster genau ansehen und einzeichnen, wo unser Brustpunkt ist - denn dort und nirgendwo anders brauchen wir die Weite. Wenn die Abnäher auf einen anderen Brustpunkt verweisen, dann müssen wir sie verlegen. (Darum kümmern wir uns im nächsten Beitrag.)

Was mache ich, wenn ich keinen Brustabnäher mag oder dieser Brustabnäher das schöne Design des Schnittmuster zerstören würde?

Viele moderne Schnittmuster und Schnittmuster für elastische Stoffe haben keine Abnäher. Unser Auge ist es mittlerweile gewöhnt (schlecht sitzende Kleidung) ohne Abnäher zu sehen. Ich halte das für falsch. Wo Rundungen sind, da braucht es eine Ausformung und Abnäher machen nichts anderes, als das Zuviel an Stoff um eine Rundung herum wieder wegzunehmen. Deswegen rate ich allen Frauen mit Rundungen zu Kleidungsstücken mit Abnähern.

Ich kann aber das Problem verstehen, dass ein Schnittmuster ganz reizende Abnäher oder Kräuselungen z.B. im Taillenbereich hat und die Sorge, dass durch einen Brustabnäher die Wirkung dieser Designmerkmale zerstört werden könnte. Das stimmt, das sieht oftmals mit einem zusätzlichen Brustabnäher nicht toll aus, aber auch dafür gibt es Lösungen, denn Abnäher können verlegt werden. Das zeige ich nächste Woche.

Über Fragen, Ergänzungen, Idee  und einen ergänzenden Blogbeitrag mit Bildern zur SBA würde ich mich sehr freuen! Schreibt sie entweder in die Kommentare oder einen eigenen Blogartikel. Dazu dürft ihr auch gerne das Bildchen zur Serie mitnehmen. Ergänzende Blogartikel verlinke ich nachträglich hier in diesem Beitrag. 

Bisherige Beiträge der Serie:

  1. Grundlagen und Längenänderungen


Sonntag, 21. Februar 2016

Summer Shawl Knit Along - Privattreffen



Ups, heute ist gar keine Summer Shawl Knit Along-Treffen, aber ich bin doch ganz stolz auf meine Fortschritt und habe Fotos gemacht. (Wie viel einfacher ist es doch Fotos von Dingen zu machen, als von Klamotten an der Frau!) Andererseits, so richtig spannend ist der Fortschrittsbericht nicht, schon weise, dass Monika, keinen Termin machte, aber wenn ich schon mal dabei bin:

Es geht voran, der Zeitplan ist möglicherweise machbar, wenn ich es auf die Reihe bekomme, mich diese Woche um die Umrandung zu kümmern. Ich neige zu einem rosa, das zu meinem Wintermantel passt. Das Stricken geht munter voran, das Stricken macht Spaß und ich freue mich auf das Tuch.

Und dann denke ich dauern, "ein Sommertuch ist das ja nicht, ich könnte ja mal Ausschau nach einem Viscosegarn oder sowas schauen...... Achja, wie gut, dass der Herr Westwing noch ein paar Anleitungen hat....

Hatte ich schon erwähnt, dass ich es mag, dass nicht nur Farben, sondern auch die Richtung wechselt? Das ist wirklich schön anzusehen!


Freitag, 19. Februar 2016

Lesungen sind toll!




Ich mag Lesungen sehr! Ich gehe gerne raus mit meinen Büchern. Ich treffe gerne Menschen, um Ihnen von meiner Mission "Nähen macht Spass. Kleidung nähen macht glücklich!" zu erzählen. Und ich finde es immer spannend, die Reaktionen zu sehen und zu hören.




Deswegen habe ich mich auch sehr über die Einladung von Daniele Gencalp von Lillestoff gefreut, dort zu lesen. Es war eine ganz wunderbare Veranstaltung: eine angenehme Atmosphäre und viele tolle Frauen!




Nicht zuletzt ist so ein Besuch auch stets eine tolle Gelegenheit, mal hinter die Kulissen zu schauen - zu sehen wo und wie gearbeitet wird und was das Besondere ist. Das finde ich immer sehr spannend.



Für die Zuhörerinnen ist es bestimmt auch deswegen ein Erlebnis, zu einer meiner Lesungen zu kommen, weil ich nicht nur aus dem Buch vorlese, sondern auch erzähle, was mir wichtig ist, wieso ich dazu gekommen bin und warum ich das geschrieben habe.




Ganz nebenher plaudere ich auch aus dem Nähkästchen und wenn es sich ergibt, stehe ich auch schon mal auf und zeige mein Schrägband am Saum...



Die Veranstaltung war nicht zuletzt deswegen so gut besucht, weil es am 11.2.2016 in der Neuen Presse einen großen Artikel von Maike Jacobs über die Veranstaltung über mich erschien. Mit einem Klick aufs Bild wird es neu und in größer geladen.




Wenn dann bei einer Veranstaltung noch so wunderbare Bilder entstehen, wie die von Isabell Wistuba, dann ist das rundherum ein gelungenes Ereignis. Vielen Dank dafür, dass ich die schönen Fotos hier zeigen darf!



Wer mich auch mal kennenlernen, hören und sehen möchte. Ich freue mich über Einladungen und versuche eine Reise möglich zu machen. Einfach eine Mail an meikehh ät gmx punkt de und wir schauen mal, ob es klappt! Ich würde mich freuen!

Dies ist übrigens mein 1111. Post hier im Blog. Alle Achtung!

Mittwoch, 17. Februar 2016

MMM - in Lieblingsfarbe



Yeah, yeah, yeah! Es ist Dienstag, ich trage etwas altes Selbstgemachtes und etwas Neues, ich habe Bilder gemacht, es sind ein paar Anständige dabei und ich habe Gelegenheit einen Me Made Mittwoch-Post zu schreiben. Das gab es ja schon EWIG nicht mehr. Die Gelegenheit will genutzt werden, ist doch der Me Made Mittwoch, der Verlinkungsaktion, bei der immer mittwochs selbstgemachte Kleidung an echten Menschen gezeigt wird, immer noch der wertvollste "Ort" für mich im Internet.

Zeigen möchte ich heute meine neue "Strickjacke". Ich habe einen Nina-Cardigan aus grauen Glitzer-Courtelle genäht. Der Nina-Cardigan ist ein Schnittmuster, das sich durchaus schon seit Längerem in Nähnerd-Kreisen großer Beliebtheit erfreut, aber das Fieber hat sich erst auf mich übertragen, als ich die Jacke von Mema in Bielefeld anprobierte, denn lange dachte ich "so nen Zipfelkram ist nix für mich". Überzeugt hat mich bei Memas Jacke die taillierte Rückenansicht und die Tatsache, dass so eine offene Jacke durchaus schmeichelt. Auch wenn mein Exemplar nur ein Probeexemplar ist, das noch arg zu Wünschen übrig lässt und dazu einlädt, über Schnittmusteranpassungen noch mal nachzudenken, bin ich doch vollends überzeugt von dem Schnittmuster: das ist gutes Design, handwerklich gut gemachtes Design. Gut konstruiert, gut durchdacht, raffiniert, Design-Look, leicht zu nähen - absolute Empfehlung.

Schnitt: Nina Cardigan von StyleArc
Stoff: grauer Glitzer-Courtelle von Stoff und Stil
Änderungen: FBA
Genäht: fast alles mit der Overlock
werde ich noch mal machen? Ja unbedingt!




Leider ist der Courtelle in meinen Augen nur bedingt für dieses Schnittmuster geeignet. Ich bin sicher, aus einem noch fließenderen Stoff, einem leichten Strick oder einem fließenden Viscosejersey sieht die Jacke sicherlich noch besser aus. Ungünstig finde ich auch, dass die Jacke auf dem "Reisekleid" aus Romanit (fragt mich nicht nach dem Unterschied, beides dickere Winterjerseys) klebt und damit oftmals eher unvorteilhaft "sitzt". Das Reisekleid habe ich hier schon einmal verbloggt. Es ist ein uraltes, gepilltes, eigentlich schon abgeliebtes Kleid mit schlecht genähtem Halsausschnitt und schlecht sitzenden Brustabnähern. Aber Lieblinge kann frau sich nicht immer aussuchen. Zur Zeit trage ich es ständig.



Ich hatte Sorge, dass mir die gewählte Größe des Cardigan zu klein sein könnte und entschied mich für eine FBA (darüber schreibe ich nächste Woche bei "Schnittmuster anpassen"), um Platz für die Brust zu schaffen. Was ich nicht bedachte ist, dass der Brustabnäher die Wirkung des Designs kaputt macht, denn unter der Brust ist eine schicke Teilungsnaht. Wenn ich die Jacke noch einmal nähe und das werde ich ganz bestimmt, werde ich mir eine andere Lösung für "mehr Platz für die Brust" einfallen lassen und das auch verbloggen.

Hier die Detailaufnahme von den doofen Brustabnähern mit dem Hinweis darauf, dass die Kanten nur abgekettelt sind. Das ist auch Geschmacksache.



Aber tanzen kann frau gut in der Kombination aus Reisekleid und Glitzercardi.


Auf die Schulternaht und den hinteren Halsausschnitt habe ich ein dünnes Satinband gegen das Ausleiern genäht - nachträglich mit Zickzack auf die Overlocknaht.



Nun gut, es ist eine Probejacke und im Alltag oder zuhause tragbar. Für die Aufwertung der häuslichen Jogginghose war sie auch gedacht, deswegen der Glitzer. Den nächsten Versuch mache ich mit lang gehüteten Strickstoff. Aber jetzt dürft ihr erst einmal raten, was meine aktuelle Lieblingsfarbe ist.



Auf dem Me Made Mittwoch-Blog ist heute Katja Gastgeberin und begrüßt uns mit einem wunderschönen Babybauch einem tollen Blazer und einem Shirt. Was für eine wunderbare Überraschung! Ich bin gespannt, was es beim Me Made Mittwoch diese Woche noch schöne Sachen und Überraschungen zu sehen gibt!

Dienstag, 16. Februar 2016

Schnittmuster anpassen #1: Grundlagen + Längenänderungen

Das Logo dürft ihr gerne mitnehmen!



Yeah, heute geht es los mit den Beiträgen zu Schnittmusteranpassungen. Ziel ist es, wöchentlich, immer zu bestimmten Themen, Erfahrungen auszutauschen und eine Wissenssammlung aufzubauen.

Heute kümmern wir uns nach ein paar grundsätzliche Überlegungen zu Schnittmustern um Längenanpassungen.

Im Prinzip gibt es zwei Methoden, um Kleidungsstücke herzustellen: 1. die Maßschneiderei und 2. die Massenproduktion nach Konfektionsgrößen. Bei der Maßschneiderei wird eine Person vermessen und aufgrund der speziellen Körpermaße wird ein Schnittmuster für genau diese Person und das gewünschte Kleidungsstück erstellt. Im Gegensatz dazu werden für die Massenproduktion Konfektionsgrößen entwickelt und dann eben entsprechend Kleidungsstücke in verschiedenen Größen produziert. Konfektionsgrößen basieren auf Reihenmessungen (d.h. es werden die Maße von ziemlich vielen Menschen verwendet), Mittelwerten (diese unterschiedlichen Maße werden Gruppen zugeordnet und statistische Mittel berechnet) und Annahmen (d.h.Theorien darüber, welche Maße wichtig sind und mit welchen Formeln zielführend gearbeitet werden kann.

Was wir Hobbyschneiderinnen machen, liegt irgendwo dazwischen. Wir gehen zwar von standardisierten Schnittmustern aus, wollen diese aber anschließend möglichst passgenau für unseren Körper haben und damit fängt die Schwierigkeit an.

Schnittmuster, wie wir sie kennen sind Kauf-Schnittmuster für Laien, die angeboten werden, damit Hobbyschneiderinnen Bekleidung nähen können, ohne selbst alles das zu wissen, was man braucht, um ein Schnittmuster zu erstellen. Sie basieren auf den theoretischen Grundlagen der Massenproduktion und basieren dementsprechend auch auf Konfektionsgrößen.

Wenn wir Bekleidung kaufen gehen, dann orientieren wir uns an Konfektionsgrößen, probieren an, ob es uns passt und entscheiden dann "ja" oder "nein", ob wir das Kleidungsstück kaufen. Uns ist dabei mehr oder weniger bewusst, dass wir Kompromisse eingehen, weil dieses Kleidungsstück eben nicht auf Maß gefertigt ist. Wenn wir Kleidung nach Schnittmustern nähen, orientieren sich viele Hobbyschneiderinnen auch an den Konfektionsgrößen und hoffen dennoch ein besseres Ergebnis mit dem Selbermachen zu erzielen, als bei Kaufkleidung. Doch dies passiert leider nicht automatisch - wir müssen Schnittmuster auf unsere speziellen Körperformen anpassen. Dafür gibt es ein sehr viel wertvolleres Entscheidungskriterium als die Konfektionsgröße: die Maßtabelle.

Die Maßtabelle

Eine Maßtabelle beinhaltet, aufgeteilt nach den jeweiligen Konfektionsgrößen des Herstellers; die Annahmen, welche Körpermaße der jeweiligen Konfektionsgröße für die Konstruktion des Schnittes zugrunde liegen. Eine Maßtabelle enthält mindestens die Maße: Brustumfang, Taillenumfang und Hüftumfang. Lieber ist es mir, wenn noch mehr Maße veröffentlicht werden, aber dazu später mehr.

Eine wichtige Zusatzinformation ist es, auf welcher Körpergröße die Schnitte basieren. Ich habe mal für einige Anbieter recherchiert, welche Körpergröße den Schnitten zu Grunde gelegt wird:

- Burda 168 cm
- Ottobre 168 cm plus-minus 4 cm (was auch immer das heißen soll!)
- Vogue/Butterick/McCalls 165 - 168 cm
- Knip Mode / Fashion Style 172 cm
- La Maison Victor - ändert sich die Körpergröße mit der Kleidungsgröße.
Z.B. 166cm bei Größe 34 und 172cm bei Größe 48. - named clothing 172 cm
- Deer & Doe keine Angabe, sagen, sie beziehen sich auf normale europäische Konfektionsgrößen
- Colette keine Angabe
- sewaholic keine Angabe

Glücklich ist, wer 168 oder 172 cm groß ist :-) Alle anderen müssen damit leben, dass sie vermutlich an den Längen etwas ändern müssen. Aber ist das wirklich so? Nein!

Grundsätzlich ist es toll, wenn Schnittmusterfirmen eine ausführliche Maßtabelle inklusive eine Angabe zur zugrunde gelegten Körpergröße anbieten, aber leider reicht diese Information noch nicht, denn auch zwei Menschen mit einer identischen Körperlänge können völlig unterschiedlich aussehen: möglicherweise hat die eine irre lange Beine und die andere ist ein Sitzriese mit einem langen Oberkörper. Gleiche Körperlänge und trotzdem unterschiedlich - es kommt eben drauf an.  Wer größer ist, hat vermutlich nicht nur längere Beine sondern auch längere Arme und das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Also braucht es noch mehr Maße, um passformgenau zu Nähen und deswegen finde ich es super, wenn auch noch die Rückenlänge, die vordere Länge für Oberteile oder zum Beispiel die Hüfttiefe für Unterteile angegeben ist. Mit diesen Maßen kann ich - schon vor dem Zuschnitt - überprüfen, ob ich gegebenenfalls Länge zugeben oder zunehmen wegnehmen muss, ohne die Schnittteile zu vermessen.

Längenänderungen sind eigentlich ganz einfach

Viele Schnittmusterfirmen bieten bereits Markierungen auf den Schnittteilen an, an welcher Stelle es sinnvoll ist, Längenänderungen vorzunehmen. Falls dies nicht der Fall ist, könnt ihr diese speziellen Linien leicht selbst einzeichnen: ihr verlängert den Fadenlauf und zieht auf der Höhe, an der ihr die Längenänderung einfügen wollt, eine waagrechte Linie, die im rechten Winkel zum Fadenlauf verläuft. Achtet auf den rechten Winkel, denn sonst gerät das Kleidungsstück aus der Balance! Grundsätzlich ist es wichtig, wie groß der Betrag ist, um den ihr verlängern oder kürze wollt. Handelt es sich um mehrere Zentimeter, bietet es sich an, Längenänderungen auf mehrere Bereiche zu verteilen.

Bei Oberteilen ist es am einfachsten, unterhalb des Armloches zu verlängern oder zu kürzen, denn alle Längenänderungen oberhalb, verändern auch das Armloch, was natürlich dann eine Änderung des Ärmels nach sich zieht. Habt ihr am Vorderteil das Gefühl, dass ihr mehr Länge braucht, um euren stattlichen Busen zu bedecken, dann gibt es eine bessere Lösung, als eine reine Längenänderung und die heißt FBA, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal.




Wichtig ist, dass ihr alle Schnittteile gleichmäßig ändert. Verkürzt ihr zum Beispiel euer Rückenteil, dann müssen auch am Vorderteil Änderungen vorgenommen werden, denn sonst passen beide Teile nicht mehr aufeinander. Verlängert ihr ein Oberteil auf der Höhe des Armloches, muss auch die Armkugel erhöht werden, damit es passt. Allerdings wird durch die Rundung dieser Betrag etwas vermindert:  für z.B. 1cm mehr Länge im Körperteil reicht eine Zugabe am Ärmel von ca. 0,75 cm. Bei einer sehr flachen Armkugel, wird die Seitennaht des Ärmels entsprechend links und rechts erweitert.

Aber wie geht Verlängern oder Kürzen?

Um eine Schnittteil zu verlängern schneidet ihr das Schnittteil an der waagrechten Linie auf, zieht es um die gewünschte zusätzliche Länge auseinander und klebt ein Stück Papier dazwischen. Anschließend passt ihr die senkrechten Nähte dementsprechend an, z. B. malt einen neuen Kurvenverlauf für die Taille. Beim Kürzen werden die Schnittteile ineinander geschoben und auch die senkrechten Nähte entsprechend neu ausgezeichnet. Damit die Teile korrekt zusammengefügt werden, verlängert stets den Fadenlaufpfeil, denn dieser ist Eure Orientierung. Der Fadenlauf muss beim Zusammenkleben immer wieder aufeinander passen!

Bei Röcken bzw. im Rockteil von Kleidern oder Mänteln kommt es ein bisschen auf die Form und das Design an. Oft kann einfach der Saum verlängert werden. Bei Hosen werden Längenänderungen im Oberschenkel und im Unterschenkel vorgenommen.

Macht ihr Längenänderungen?

Das war jetzt die Theorie. Gehen wir in die Praxis. So, wie ich das oben kurz beschrieb, steht es in vielen Lehrbüchern. Mich würde würde nun interessieren, ob das überhaupt hilfreich ist.

Meine Längenänderungen sind immer am Vorderteil. Abgesehen davon, dass meine Brust mehr Weite braucht, brauche ich auch mehr Stoff in der Länge. Dies korrigiere ich mit einer FBA, einer recht einfachen Methode, um mehr Platz für die Brust zu schaffen, ohne den Rest des Schnittmusters zu verändern. Oftmals brauche ich auch auf der Höhe der Schulterblätter etwas mehr Länge, etwas mehr Bewegungsfreiheit im Rückenteil. Das ist aber schon ein fortgeschrittenes Problem und darum kümmern wir uns erst später. Außerdem habe ich eigentlich immer das Problem, dass der Brustabnäher zu hoch sitze. Das hat zwar auch etwas mit Länge zu tun, ist aber auch ein besonderes Thema. Mit der reinen Theorie zu Längenänderungen kann ich also eigentlich gar nichts anpassen.

Wie schauts bei euch aus. Macht ihr Längenänderungen und wenn ja wann? Ändert ihr im Vorfeld das Schnittmuster oder ändert ihr das genähte Kleidungsstück (und übertragt dann die Längenänderungen auf das Schnittmuster)? Ich las in den Kommentaren, dass viele am Rücken Länge herausnehmen müssen. Wie macht ihr das? Wie berücksichtigt ihr dann die unterschiedliche Länge von Vorderteil und Rückenteil?

Ihr könnt hier in den Kommentaren antworten oder aber einen eigenen Blogartikel schreiben und diesen in den Kommentaren verlinken. Ich übertrag dann diese Links in diesen Beitrag, damit sie später leichter aufzufinden sind.

edit: Nadine hat einen spannenden ergänzenden Beitrag mit dem Titel "Längenänderung für Kurze" geschrieben.

Nächste Woche kümmern wir uns um Weitenänderungen und dann erzähle ich euch auch etwas über die FBA. Falls es jemand gibt, der schon mal was über eine SBA (Weitenänderung für kleinere Brüste) geschrieben hat oder schreiben möchte - schreibt mir den Link per Mail, ich verlinke dann gerne. 

Sonntag, 14. Februar 2016

Summer Shawl Knit Along - Zwischenstand



Der Knit Along macht Spaß und ich bin sehr zufrieden. Ich befürchte zwar immer noch, dass das Tuch etwas zu warm werden könnte, aber es strickt sich wunderbar, so kraus rechts vor sich hin. Im Zweifelsfall muss ich eben jemand anderen damit glücklich machen. Ich bin immer noch sehr verliebt in den Babykamelflausch und meine Grau-Liebe wird von Masche zu Masche größer.

Im Moment stricke ich Section2 und kann es ehrlich gesagt kaum erwarten, Sektion 3 zu beginnen, um zu sehen, wie das Anthrazit zu den beiden anderen Grautönen wirkt, denn erstaunlicherweise sehen sie verstrickt anders aus, als auf dem Knäul.  Sektion 3 werde ich teilen und die zweite Hälfte noch in Schwarz stricken. Das ist auch strickpädagogisch ne gute Idee, denn ich fürchte, in Sektion 3 werden es schon sehr lange Reihen mit langen Maschen. So ein Farbwechsel, auf den ich mich beim Stricken freuen kann, ist immer ne gute Idee. Zwischendurch befürchtete ich, dass sich die Proportionen des Schals sehr zum Nachteil verändern, weil ich ihn ja 1/6 kürzer stricken als nach Anleitung. Ich überlege nun, ob ich ihn nicht auch 1/6 schmaler stricke. Was meint ihr?



Ich bin ganz entzückt von dem festen Rand, der sich durch die Zunahme mit einer Masche abheben und in der nächsten Reihe verdoppeln ergibt, weniger glücklich bin ich mit dem Übergang von der einen Farbe zur anderen, wenn ich die Maschen der verkürzten Reihen wieder aufnehme, seit dem Frau Nahtzugabe twitterte, dass ihr Tuch auch von hinten schön ist. Da hatte ich allerdings schon viele Reihen der zweiten Section gestrickt. Jetzt gehe ich mal schauen, ob es bei ihr oder bei anderen einen Trick gibt, das noch schöner zu machen, schließlich kommt ja noch ein Section-Wechsel.

Mehr wunderbare Tuchprojekte findet ihr gesammelt bei Monika von WollixundStoffix, die den Knit Along organisiert und auch ein Stephen-West-Tuch strickt, das mir schon jetzt unglaublich gut gefällt.

Freitag, 12. Februar 2016

Schnittmuster anpassen - wir tun es!

Ach, das ist toll, das Euch das Thema Schnitte ändern, oder besser gesagt Schnittmuster (auf den Körper) anpassen, ebenso interessiert wie mich! Zusammen bekommen wir da bestimmt etwas ganz Tolles hin! Da ist Musik drin, in dem Thema!

Allerdings bekomme ich schon ein wenig Respekt, wenn ich sehe, was Ihr alles an Änderungen vornehmt bzw welche Probleme ihr (besser) lösen wollt. Dabei ist das natürlich theoretisch klar, denn jeder Körper ist anders. Aber wenn ich die Kommentare zum letzten Post hintereinander lese, dann wird mir ein wenig schwindelig und ich frage mich schon, ob wir diese Probleme alle lösen können und wenn ja wie.

Vermutlich ist es alles eine Frage der Ordnung und der Systematik. Dafür fühle ich mich jetzt einfach mal, nachdem ich den Stein ins Rollen gebracht habe, verantwortlich. Ohne einen kompletten Plan zu haben was wir machen werden, werde ich versuchen, immer die Vogelperspektive zu haben und mit Fragen und Themen das große Ganze zu strukturieren. Und nebenher werde ich, genau wie ihr, einfach erzählen, was ich so mache. Außerdem werde ich ein Linktool zu den Beiträgen einbauen, so dass ihr dazu eure Artikel verlinken könnt, falls ihr ausführlicher antworten wollt, als es in einen Kommentar passt. Ich lade euch jetzt schon ganz herzlich dazu ein, bei Änderungen und Problemen Fotos zu machen und diese schon mal aufzubewahren oder besser noch einen Blogpost dazu zu schreiben, den ihr dann beim jeweiligen Thema verlinken könnt.

Ein fester Wochentag gibt Struktur, allerdings weiß ich noch nicht, ob es wirklich sinnvoll ist, wöchentlich etwas zu machen, weil manches Thema möglicherweise mehr Vorbereitung braucht. Andererseits ist es immer gut, größere Probleme in kleine Häppchen zu zerlegen. Weil sich beim Näh-Fragezeichen der Dienstag bewährte, schlage ich vor, es erst einmal mit dem Dienstag zu versuchen. Wenn es wöchentlich zu viel wird, machen wir die Abstände zwischen den "Treffen" einfach größer.

Am nächsten Dienstag legen wir los, ganz sanft mit den Längenänderungen. Ich freue mich und bin gespannt.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Schnittmuster anpassen

Schon seit einiger Zeit, geistert eine Idee bei mir im Kopf herum. Es gibt ein Thema, das quasi darauf lauert, von mir in Angriff genommen zu werden und heute ist ein Tag, an dem es sich gut anfühlt, etwas Neues zu beginnen. Mein neues Projekt heißt "Schnittmuster ändern". Ich habe unheimlich Lust darauf, mein implizites Wissen hervorzuholen und zu teilen, Neues - gemeinsam mit Euch - zu lernen und auf die unterschiedlichste Art und Weise darüber zu bloggen: Ich möchte darüber schreiben, mich an Zeichnungen versuchen, Tutorials erstellen und Videos drehen. Ich weiß noch nicht genau wie, aber ich finde es spannend, das Thema erst einmal so offen anzugehen.

Ausgangspunkt ist die These, nein, meine Überzeugung, dass vermutlich alle Frauen Schnittmuster ändern müssen, um ein wirklich gut sitzendes, selbstgenähtes Kleidungsstück zu erhalten. Schnittmuster basieren auf Konfektionsgrößen und Konfektionsgrößen basieren auf Durchschnittswerten. Wenn ein Körper nicht an allen Punkten diesen Durchschnittswerten entspricht, muss eben etwas geändert werden. Letztlich ist die Größe eines Schnittmusters, die wir wählen, nur ein Ausgangspunkt und ab da müssen wir schauen, dass wir das Kleidungsstück richtig für unseren Körper machen.

Trotzdem starten wir immer wieder mit dem Nähen nach Schnittmuster und habe die Hoffnung, dass es schon irgendwie passen wird. Ich weiß nicht, ob es euch auch so ging, aber ich war am Anfang meiner Nähkarriere schwer verwundert davon, dass es so viel anzupassen gibt, bis ein Kleidungsstück wirklich Meines ist. Das ist natürlich abhängig davon, was genäht wird: Ein Rock hat nicht so viel kritische Punkte, wie ein Oberteil und sobald der Stoff elastisch ist, sucht sich das Material schon seinen Weg und irgendwie passt es schon. Vielleicht sind wir auch manchmal großzügig und schauen über nicht so toll passende Details hinweg, denn genau das sind wir von Kaufklamotten ja auch gewöhnt, dass nicht immer alles optimal passt. Bei mir traten die Schnitt-muß-angepasst-werden-Probleme erst richtig auf, als ich Kleider (also mit Oberteil) aus Webware (also nicht elastisch) nähte. Vorher war es eigentlich so, dass ein genähtes Kleidungsstück so einigermaßen passte und damit gut für mich war.

Ich fand es gar nicht so leicht zu lernen, wie das nun mit dem Schnittmusteranpassen geht. Es dauerte eine Weile, bis ich die für meinen Körper neuralgischen Punkte kannte. Dass ich Schnitte von verschiedenen Schnittmusterfirmen benutzte und mit unterschiedlichen Stoffqualitäten nähte, machte es nicht leichter. Aber das ist natürlich die typische Vorgehensweise einer Hobbynäherin, immer wieder etwas Neues, sonst wird es ja langweilig. Vieles ist mehr ein Ausprobieren und schrittweises Rantasten als systematisches Vorgehen und Lernen. Ich habe nun Lust darauf, ein wenig Systematik in das Ganze zu bringen, und bewusster zu schauen, was ich da eigentlich mache. Und ich hoffe, ihr habt da auch Lust drauf, denn unsere Körper sind verschieden und es gibt wohl die verschiedenartigsten Probleme, mit denen wir uns herumschlagen. Idealerweise tragen wir eine umfassende Wissenssammlung zusammen bei der jede das beisteuert, was sie für sich gelernt hat.

Auf den Blogs lese ich oft Formulierungen wie "ich musste die typischen Anpassungen machen" oder "wie immer habe ich die Schultern 2 cm schmaler gemacht". Das ist gut zu lesen, weil ich dann sehen kann, dass ich mit der Notwendigkeit, etwas Ändern zu müssen, nicht allein bin, aber es reicht nicht aus, um etwas zu lernen. Warum wurden die Schultern enger gemacht? Ach wie toll wäre es, Vorher/Nachher-Fotos zu sehen! Und wie wurden die Schultern enger gemacht? Wie wirkte sich das auf das Armloch und den Ärmel aus? Gab es anschließend noch etwas, das sich am Kleidungsstück veränderte und ggf. angepasst werden musste? Was für ein Stoff wurde verwendet. Gab es das Problem schon mal bei einem anderen Kleidungsstück? Was würde die Näherin machen, wenn sie einen anderen Stoff verwenden würde? Alles sowas würde ich gerne wissen. Ihr auch?

Erst einmal will ich sammeln und dann ordnen und systematisieren. Vielleicht ist es zuviel, wirklich alle Körperformen im Blick zu haben. Vielleicht wird das zu unübersichtlich. Keine Ahnung, das werden wir sehen. Aber vielleicht hilft uns ja die Vielfalt, Systematiken zu entdecken, um daraus zu lernen. Das hoffe ich doch sehr.

"Schnittmuster anpassen" soll eine Reihe werden, ähnlich wie früher das "Nähfragezeichen". Vielleicht brauchen wir dafür auch einen festen Wochentag? Vielleicht brauchen wir dafür auch noch einen schickeren Namen und ein Logo? Was meint ihr?

Meine ersten zwei Fragen lauten: 

  1. Habt Ihr Lust auf das Thema?
  2. Welche Änderungen nehmt ihr häufiger an Schnittmustern vor bzw. was passt ihr regelmäßig an, damit Eure Kleidungsstücke gut an Euren Körper passen. 
Über zahlreiche Antworten in den Kommentaren würde ich mich freuen!

Sonntag, 7. Februar 2016

Dies ist ein Nähblog!


Ach, was hatte ich wenig Lust zu Nähen in den letzten Wochen. Das Kleid, das ich in Bielefeld nähte, ist noch nicht fertig, weil immer noch Knöpfe und Saum fehlen und neue Inspirationen waren nicht da. In Bielefeld probierte ich zwei Strickjacken von Mema und bestellte die Schnittmuster in Australien. Das wäre das Einzige, was mich reizte. Also warte ich und wartete und wartete und bereute, nicht auf etsy nach der Downloadmöglichkeit geschaut zu haben. Aber gestern waren die Schnittmuster in der Post und heute schneide ich zwei Probejacken zu. Das wäre doch gelacht, das ist doch schließlich ein Nähblog hier!

Summer Shawl Knit Along - Material und Anleitung



Dieser Knit Along ist gerade sehr passend zu meinem allgemeinem Geisteszustand: ich bekomme wenig auf die Reihe, freue mich aber an kleinen Schritten nach dem Motto "mühsam ernährt sich das Eichhörnchen". Aber immerhin habe ich das Lacetuch fertig gestrickt und mich somit brav an mein Versprechen mir gegenüber gehalten, erst mit dem Knit Along zu beginnen, wenn das andere Tuch fertig ist.

Während ich mit der Musterauswahl durch einfaches Lemmingverhalten sehr schnell war - ich stricke Smooth von Stepehen West - tat ich mich mit dem Online-Bestellen der Wolle sehr schwer. Absurderweise kam ich gar nicht auf die Idee, aus dem Haus zu gehen. Das mag aber auch daran liegen, dass mir schon schwante, dass ich extrem verführbar sein könnte, bei dem Wunsch nach Seide oder so mich von einer Wollhändlerin einlullen zu lassen und dann zu viel ausgebe. Das wäre mir online allerdings auch fast ein paar Mal passiert, hatte ich doch partout keine Lust auf Drops sondern wollte etwas besonders. Frau Nahzugabe rettete mich mit der simplen Idee, es doch einmal in einem ganz normalem Wollladen zu versuchen, der weitab entfernt von den Routen der Kinderwagenschiebenden Eppendorfer Muttis liegt. In dem skurrilen kleinem Lädchen in Ottensen mit der Inhaberin, vor der ich seit Jahren ein wenig Angst habe, wurde ich dann aber doch fündig, nachdem ich sagte, ich wolle eine Wolle verstricken bei der ich lustvoll stöhne, verstand sie endlich meine Bedürfnisse, schaute verständnisvoll und reichte mir Babykamelflaum in Merino. Erst dachte ich "zu dick", aber 180 m auf 25 g ist vermutlich schon ok. Die Tüte war auf jeden Fall so verdächtig leicht, dass ich dauernd die Knäul auf dem Nachhauseweg nachzählte.




Nova von Lang Yarns ist es und ich bin auch noch im angedachten Budgetrahmen geblieben, obwohl ich 2 Knäul eines mittleren Graus nachbestellte, das es in dem Laden nicht gab, mir aber online noch mal ganz "zufällig" über den Weg lief. Das Babykamelflaum ein Problem sein könnte, dachte ich nicht, denn der zarte Flausch ist sicherlich ganz sanft herausgestreichelt. Was mich irritierte war der starke Kontrast von hellgrau zu anthrazit. Ich freue mich jetzt über das nachträglich zugekaufte mittlere Grau und denke, mit das Schwarz, was ich nun zuviel habe, wird sicherlich zu Stulpen oder so.

Nun habe ich also die Farben hellgrau, mittelgrau, anthrazit und schwarz und stricke ein völlig fantasieloses nachgemachtes Smooth. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen, dass ich grau zur Zeit sehr mag und das grau auch gut zu dem Himbeermantel und zu Hartmut passt. Das Tuch bekommt am Schluß noch eine leuchtende Farbe als Umrandung. Die Entscheidung, welche das sein könnte, ist noch offen. Ich neige zu himbeerrosa, vermute aber, dass das Tuch das selbst entscheiden wird und dass die Vorräte dafür noch etwas hergeben werden. Das hat noch Zeit.




Natürlich habe ich schon begonnen zu stricken: 4 Mal! Erst strickte ich mit 4er Nadeln und falsch, dann mit 160 Maschen, weil ich die Anleitung nicht ordentlich las und anschließend mit 120 Maschen und 5er Nadeln. Dann kam ich auf die Idee, dass ich ja eine Maschenprobe gestrickt hatte und das auch mit 4er und 5er Nadeln und entschied, dass wahrscheinlich 100 Startmaschen auch reichen werden. Nun denn, ein weiterer Anlauf. Ich finde, der Preis der Wolle relativiert sich kräftig, wenn ich alles mehrfach stricke. Ich wollte ja unbedingt etwas, zum stumpf-vor-mich-hinstricken.

Mich plagt ein wenig die Befürchtung, dass das Tuch doch zu warm werden könnte, trotz federleichtem Kamelbabyflausch. Aber jetzt bleibe ich dran. Immerhin habe ich jetzt exakt so viel verstrickt, wie ich nach dem ersten Versucht aufgeribbelt habe.


Mittwoch, 3. Februar 2016

Neue Wörter für neue Kleidungsstücke



Das ist es, was mich in letzter Zeit sehr oft beschäftigt.

Ich erfinde gerne Wörter und ich liebe den kreativen Umgang mit Wörtern. Manchmal fliegen sie einer zu, oftmals ist es harte Arbeit, sie zu entwickeln. Oder das Zufliegen kommt nach der harten Voarbeit, wer weiß. Jedenfalls ist es immer schön, wenn die neuen Wörter da sind und präzise beschreiben, worum es geht oder ein Bild im Kopf entstehen lassen.

"Kopfkleiderschrank" ist eines meiner erfolgreichsten Wörter. Viele wissen sofort, was ich damit meine; andere meinen möglicherweise etwas ganz anderes, benutzen es aber auch. Mir gefällt dieses Wort, ist es doch mehr als ein Wort. Es ist vielmehr ein Phänomen, das ein Wort bekommen hat - das gibt uns die Möglichkeit das Bedürfnis, genau die Kleider zu realisieren, von den wir Träumen, ernst zu nehmen. Meine Unterscheidung in Bauch1 und Bauch2 gehört auch in den Bereich der Wortschöpfungen. Bauch 1 ist das übliche zuviel um die Körpermitte. Die Entstehung von Bauch2, der über Bauch 1 und unter dem Busen liegt, verwunderte mich allerdings zunehmend (was in diesem Zusammenhang ja auch sehr schön gesagt ist). Bauch2 bekam ich nach der Schwangerschaft, allerdings ist bei einer Schwangerschaft Anfang 40 nicht mehr ganz so klar, ob Bauch2 eher dem Kind zu verdanken ist oder schon den beginnenden Wechseljahren. Ursache egal, das Phänomen ist da und hat einen Namen.

Wechseljahre sind das Stichwort, auf das ich eigentlich hinaus will. Ich empfinde die Veränderungen meines Körpers plötzlich fast wieder so heftig, wie in der Pubertät. Ich werde eine andere. Ich bin im Wechsel. Im Gegensatz zur Pubertät weiß ich aber nicht, wohin es geht beziehungsweise gehen soll. In der Pubertät weiß das Mädchen, dass es zur Frau wird. Wie eine Frau aussehen soll, bekommt sie überall gezeigt: schlanker, makelloser, unbehaarter Körper und ordentlichen Brüsten. So soll das sein. Das ist ein Ziel auch wenn es für die allermeisten unerreichbar oder nur mit großen Mühen und Abstrichen zu verwirklichen ist, weil die Wirklichkeit doch eine andere ist, als das, was uns auf Plakatwänden gezeigt wird. Wie eine Frau nach den Wechseljahren aussehen wird (oder soll?), darüber wird geschwiegen; dazu gibt es kaum Bilder. Wir können nur ahnen, was mit uns passieren und im Schwimmbad verstohlen zu den alten Frauen herüberschauen.

Natürlich gib und gab es schon immer mittelalte, ältere und alte Frauen um mich herum, aber ich habe sie mir nicht genauer angesehen. Er in letzter Zeit studiere ich ältere Gesichter, verändernde Körperformen und Haltungen. Entweder habe ich mich früher nicht dafür interessiert, oder sie haben sich verschämt weggedreht oder oder oder. Erwachsene, normale, ältere Frauenkörper sind irgendwie kein Thema. Selbst in den Frauenzeitschriften für die Frau über 40 sehe ich eher die tollen grauen Strähnen, aber nicht den Buckel oder die Taillensenkung. Wahrscheinlich macht jede Frau das mit sich selbst aus, wundert, schämt sich über die Veränderungen ihres Körpers, nimmt sie hin, grämt sich darüber - was weiß ich. Es wird ja auch wenig darüber gesprochen.

Wir Näherinnen, die wir unseren Körper schmücken wollen, statt zu Kaschieren, müssen uns mit dem was ist auseinandersetzen, denn wir nähen für uns, für unseren eigenen Körper. Wir brauchen nicht nach den anderen zu schauen und nicht nach den Normfiguren. Aber damit wir uns darüber austauschen können, welche Herausforderungen auf uns zukommen, um für echte Körper zu nähen, brauchen wir Wörter.  Wir müssen beschreiben, was wir sehen und wir müssen Lösungen finden, damit umzugehen. Wir brauchen Schnitte, die einen Bauch mehr umhüllen, die mit tiefergelegten Brustpunkten umgehen können und keinen geraden Rücken verlangen. Wir brauchen Schnitte, die bei Taillensenkung gut aussehen und Schnitte, die keine Wespentaille brauchen, um zu überzeugen. Und das sind nur die Erkenntnisse, die ich bis jetzt mit meinen 47 Jahren gewonnen habe, ich ahne, dass da noch Einiges auf mich zukommen wird.

Mode wird vorzugsweise an jungen Frauen präsentiert. Kein Mensch möchte vermutlich so werden, die die älteren Damen aus den Versandhauskatalogen. Doch wenn ich mich und einige meiner Freundinnen so anschaue, dann gehen wir strikt darauf zu. Glücklicherweise müssen wir nicht so werden wie die Katalogdamen, denn wir haben die Chance, uns Kleidung zu nähen, in der wir uns schön finden und gerne zeigen, Kleidung die uns sichtbar macht und zu unserem Leben passt. Aber das ist ein Haufen Arbeit! Es gibt Schnitte, von denen wir uns verabschieden müssen, weil sie einfach nicht funktionieren (z.B. B 6018 oder ein Halterneck sind ein No-go für mich *schluchz* ) und es gilt nach Schnittführungen und Linien zu suchen, die für uns funktionieren. Dazu braucht es Vorstellungskraft und Traute, etwas auszuprobieren. Wir brauchen Wörter, um das zu benennen, was uns beschäftigt, wir Brauchen Mut um Hinzugucken und Gelassenheit um Anzunehmen, was ist und eine Prise Humor zusätzlich, schadet sicher auch nicht.

Dienstag, 2. Februar 2016

Jetzt malt sie auch noch!


Einkaufszettel

Wer mir auf Instagram folgt, kennt schon meine neuste Leidenschaft. Seit Donnerstag hat mich das Stiftefieber gepackt. Obwohl ich mein Leben lang dachte, nicht malen zu können, kritzele ich seit dem wie eine Besessene. Und das Schöne ist: die ganze Familie hat Spaß daran. Selbst das Kind, das bei den U-Untersuchungen beim Kinderarzt stets effizient mit drei Strichen eine deutsche Fahne malte, weil es sich partout nicht überreden lassen wollte überhaupt zu malen, ist begeistert.


Was ist vom Kind, was von mir?

Angesteckt hat mich meine Stoff und Stil Kollegin die_froschprinzessin, die an der #Letterattack-Challenge von Frau Hoelle teilgenommen hat und jeden Tag ein Bild auf Instagram postete. Die ersten Tage fand ich es nur toll und am Donnerstag konnte ich gar nicht mehr anders, als zu recherchieren, was das denn nun genau ist und mir Stifte zu kaufen.

allererster Versuch mit neuen Stiften
Mittlerweile weiß ich, dass es sich um "Sketchnotes", also eine Mischung aus Zeichnungen und Handschrift handelt, die gerne zur Mitschrift bei Vorträgen genutzt werden und dann noch um "Lettering", eine Schönschreib-Handschrift mit speziellem Pinselstift. Gerade die Sketchnotes-Bildchen machen mir irre Spaß, aber die Schönschrift ist die größere Herausforderung für mich, bin ich doch mein Leben lang eher von der Husch-Husch-Fraktion und habe Schwierigkeiten mit Liebe-und-Sorgfalt. Als mir aber aufgefallen ist, dass mein neues crafteln-Logo genau aus dieser Schrift ist, dachte ich "ach, da geht noch was, bleib mal dran!".

erster Erkenntnis: der Schatten machts!


Gestern abend entdeckte ich überrascht, dass es im Februar schon wieder eine Letterattack-Challenge gibt und dieses Mal will ich auch daran teilnehmen, auch wenn ich den Begriff von heute gleich schwierig finde "Himmel". Mmmh mir wird im Laufe des Tages bestimmt noch etwas dazu einfallen. Vielleicht kann ich noch jemand vom Mitmachen begeistern?




Ab gesehen von der Handschrift, finde ich es gar nicht so leicht, die Bilder zu strukturieren. Stur von links oben nach rechts unten geht zwar auch, aber das Gehirn wird ja doch noch mehr stimuliert, wenn diese Tradition aufgebrochen wird. Ich bin da noch am Experimentieren, versuche aber die Sketchnotes einzusetzen, wo immer es passt. Zum Beispiel: statt mir ein Rezept aus dem Internet abzuschreiben, habe ich es gemalt und den Zettel an den Küchenschrank gehängt. So kocht es sich viel leichter, als mit dem Ipad.

Im Moment finde ich es großartig, jeden Tag ein bißchen zu üben und mal was ganz anderes zu tun und ich finde es toll, dass sich Mann und Kind auch dafür begeistern. Angeblich wird man das Denken in Bildern nie mehr los, wenn frau mal damit angefangen hat. Ich bin gespannt!