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Donnerstag, 15. Dezember 2016

Backlash

In meiner Filterblase gibt es eine neues, weit verbreitetes Thema:  #fettlogik. Immer öfter lese ich auf allen Kanälen davon und ich bin irritiert. Diese Irritation in Worte zu fassen, gelingt nicht in 140 Zeichen auf twitter und auch hier, muß ich etwas weiter ausholen, denn meine Gedanken haben nicht nur etwas mit mir und der damit verbundenen Konfrontation mit dem Thema "Abnehmen" zu tun.

Nähbloggen ist für mich mehr, als reine Werkschau. In meinen Vorträgen sprach ich darüber, wie kraftvoll und stärkend ich Nähbloggen empfinde. Wenn auch die Einzelne einfach nur in ihr Blog schreibt und zeigt, was ihr wichtig ist, so sind wir doch durch gemeinsame Aktionen verbunden. Wir sind kein Verein, kein fester Zusammenschluss, jede kann kommen und gehen, wie sie will, aber wir sind durch zahlreiche Veranstaltungen, das kommentieren, zitieren und inhaltliche aufeinander beziehen miteinander verwoben. Das Internet machts möglich. Jede hat die Möglichkeit hat, das zu publizieren, was sie sagen möchte und durch Vernetzung werden diese Inhalte auch wahrgenommen. Viele Nähnerds sind durch ein Band der Sympathie über das reine Interesse am Austausch über das Nähen verbunden, das führt dazu, dass wir auch über andere Dinge sprechen und einander neue Impulse geben.

Irgendwann kapierte ich, dass es für mich in Nähblogs, die sich mit dem Nähen von Bekleidung beschäftigen, nicht nur um das Nähen geht. Mir wurde klar, dass es auch um Körper geht. Jedenfalls richtete ich den Fokus meines Interesses darauf, hörte auf, auf das Wunder zu hoffen, dass es Schnittmuster geben könnte, die auch mir "einfach so" passen könnten, setzte mich mit der Realität, also meinem Körper, auseinander und lernte etwas über Schnittmuster anpassen. Das war mir aber erst möglich, als ich kapierte, dass mein Körper nichts minderwertig, sondern einfach da ist, zu mir gehört und mich durchs Leben trägt.

Diese Selbstakzptanz wuchs in mir, durch das regelmäßige Lesen in Nähblogs. In ihnen fand ich ein ein Frauenbild, das die mich umgebenden medialen Bilder ergänzt und vor allem auch relativiert. Ich sehe eine Vielfalt an Frauenkörpern, die den Bildern, mit denen ich sonst in der Öffentlichkeit konfrontiert werde, etwas entgegensetzen. Das veränderte mich! Plötzlich gehörte ich mit meiner - sonst nicht mit dem Thema Mode in Zusammenhang gebrachten - Körperform dazu, war sichtbar, war nicht alleine und war normaler Teil des Ganzen. Mehr und mehr arbeitete ich für mich heraus, das ich es in der Hand habe, mich und meinen Körper zu bewerten und dass es möglich ist, mich  unabhängig von gesellschaftlichen Vorgaben zu machen. Das und das begleitende Nähen von Kleidung, in der ich mich mag, gab meinem Selbstbewußtsein ein stabiles Fundament. 2012 versuchten wir (Menschen aus dem MMM-Team)  unsere Analyse der gesellschaftlichen Bedeutung von Nähblogs bei der re:publica vorzustellen und zu diskutieren und auch, wenn wir dort kein Forum fanden, wurde es mir immer wichtiger, über diese Kraft, die den Nähblogs (oder Aktionen wie #609060) innewohnt, anderen zu berichten.


Doch seit einigen Wochen ist gefühlt alles anders. Seit einigen Wochen gibt es einen immer stärker werdenen Hype um #fettlogik in meiner Filterblase. Immer mehr Frauen werden von dem Virus erfasst, sind beseelt von den neuen Erkenntnissen, baden sich in Zuwendung und Lob ob ihrer Abnehmerfolge und immer stärker habe ich das Gefühl, dass die neue immer weiter greifende Überzeugung ist: wir haben uns geirrt "Selbstakzeptanz" und "wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt" funktioniert nicht. Wir sind erfolgreicher, wenn wir machen, was in ist und die Gesellschaft von uns erwartet.

Das würden die Beteiligten natürlich niemals so formulieren und das ist auch ihr gutes Recht. Es ist meine Interpretation. Jede hat ihre persönlichen Gründe und Erfahrungen, jede darf mit ihrem Körper machen, was sie will und jede darf auch darüber denken, was sie möchte. In dem Moment, in dem die Details aber regelmäßig öffentlich thematisiert werden, verlassen die persönlichen Gedanken das rein Private und werden öffentlich. Oder um es anders zu sagen: es ist gesellschaftsfähig, von den Anzahl der gelaufenen Schritte zu erzählen oder Essensmengen zu kommentieren. Die Häufigkeit und auch die Vernetzung dieser Gedanken schaffen ein neues Konstrukt, das auch auf diejenigen wirkt, die an den Gesprächen nicht teilnehmen. Je mehr Menschen sich an dem Thema beteiligen, um so mehr entsteht der Eindruck, dass es "das Richtige" ist - selbst bei denjenigen, die wie ich weder an "das Richtige" glauben (weil es eben das Eine nicht gibt), noch glauben, dass "Körperlogik" so einfach funktioniert, wie es postuliert wird.



Ich empfinde den öffentlichen Austausch über Abnehmlogik als Backlash. In der Häufigkeit, in der Beiträge dazu seit Wochen in meinen Kreisen auftauchen, hat es eine Wirkung und vermutlich nicht nur auf mich. Es ist einfach ein Unterschied, ob "die bösen Frauenzeitschriften" Signale zur Selbstoptimierung geben oder ob die Menschen, mit denen ich mich gerne austausche, es tun. Meine Freude über die Wirkung des neuen, von uns geschaffenen Frauenbildes, das für mich auch stets bedeutete "es ist völlig ok, Raum einzunehmen, auch wenn ich nicht dem gesellschaftlichen Ideal entspreche", wird seit einiger Zeit in erstaunlicher Häufigkeit mit Bemerkungen konfrontiert, die dieser Haltung diametral gegenüber stehen.

Für mich bedeutete Abnehmen, neben dem subjektiven Erlebnis der Veränderung, gesellschaftlich betrachtet eine Form von Anpassung und eine merkwürdige Form von "sichtbar werden, durch weniger werden". "Sich dünn machen" entspricht den gesellschaftlichen Konventionen. Wir bekommen signalisiert, dass wir erst richtig sind, wenn wir dünn sind und werden aufgefordert, uns anzustrengen. Wer nicht dünn genug ist, ist ein Looser. Selbst schuld, es ist ja so einfach, das zu ändern. Jede einzelne Zahlenmeldung aus dem Kreise der Abnehmlogikerinnen gibt mir, aufgrund der Häufigkeit der Beiträge und des gegenseitigen aufeinander Beziehens und Verstärkens, erneut diese Botschaft mit auf den Weg und stellt die mühsam gewonnenen Erkenntnis, die mir ein gutes Gefühl gibt, in Frage.

Ich kann das Abfeiern so gut verstehen: es fühlt sich grandios an, die simple Rechenaufgabe verstanden zu haben: "weniger essen = abnehmen" - als ich das letzte Mal 25 kg abnahm, wollte ich stante pede zur Ernährungsberaterin umschulen, weil ich so berauscht von dem Glück war, den heiligen Gral gefunden zu haben. Es fühlt sich so mächtig an, das Gefühl eines Werkzeuges zur Hand zur haben, das verspricht, alles gut zu machen. Endlich keine Diffamierungen mehr beim Arzt, endlich normal sein, endlich anerkannt zu sein, endlich gesehen werden, endlich schön sein. Ich kenne diese Sehnsucht so gut, dazu gehören zu wollen. Es gehört soviel Kraft dazu, anders zu sein.

Was blieb, ist eine Leidenschaft für warmes Gemüse, aber nachdem ich aufhörte 3x die Woche zu sporteln und mir auch mal was gönnte, ohne mich anschließend dafür zu kasteien, hatte ich wie alle Male zuvor mehr auf den Rippen. Ich bin nicht für ein strebsames Leben im Hamsterrad geschaffen und werde deswegen niemals zu den Menschen gehören, die unsere Gesellschaft als Maß der Dinge (vom Aussehen her und der damit verbundenen Charaktereigenschafte, die damit assoziert werden) nimmt. Doch ich habe mir erlaubt, trotzdem glücklich zu sein und mich gut zu finden. Die Frage ist, ob ich wirklich befugt dazu bin, einfach so, diese Entscheidung zu treffen. Wird es in Zukunft in unserer Gesellschaft toleriert werden, anders zu sein und Anders-sein gut zu finden?

"Als Backlash (dt. „Gegenschlag, Rückschlag“) bezeichnet man gegen als fortschrittlich erachtete Entwicklungen gerichtete Bestrebungen oder auch die Rückkehr konservativerWertvorstellungen sowie die Einflussgewinnung von dahingehend orientierten Kräften." Wikipedia über Backlash

Meine Irritation kann ich am besten mit Backlash beschreiben. Ich hatte das Gefühl, wir waren schon mal weiter. Während noch vor kurzem Vielfalt scheinbar ein Gut war, das unsere verwebte Comunity zu schätzen wusste, schleicht sich immer mehr die "Dünnsein-Mode" thematisch in unsere Gespräche. Jede so, wie sie möchte. Aber in der Menge der Beiträge, sehe ich einen Trend. Schlimmer noch: ich frage mich, wie ehrlich die gegenseitige Akzeptanz der Unterschiedlichkeit sein kann, wenn so viele das Hamsterrad der Selbstoptimierung, die in meinen Augen nur der Wirtschaft dient, auch noch feiern. Deswegen erschüttert mich, das, was einzelne eigentlich nur für sich tun, aber gemeinsam zum öffentlichen Thema machen. Und ich befürchte, dass Vielfalt als genereller Wert in jeglichen Lebensbereichen, noch weiter abhanden kommt und uns genau dies das Leben in den nächsten Jahrzehnten sehr schwer machen wird.


Meine Irritation verwandelte sich in das Bedürfnis darüber zu reden, als ich das Zitat von Journelle las. Ja, so ist es. Niemand lobt uns dafür stark und sichtbar werden, aber "dünne-machen" bekommt Applaus. Ich finde es klasse, das Journelle mit ihrem Blogbeitrag von gestern ein Gegengewicht zu den lauten Stimmen der Abnehmlogikerinnen gibt. Deswegen habe auch ich versucht, meine Gedanken in Worte zu fassen, um ihnen eine Stimme zu geben. Wir sind gesellschaftlich noch lange nicht so weit, wie ich es mir wünschen würde.

Kommentare:

  1. Liebe Meike,

    ich habe schon auf twitter geschrieben, dass mich die Tatsache, dass körperliche Formen und die Art der Figur ein so großes Thema sind, sogar schon bei meinen 12 jährigen Mädels sehr irritiert. Bei uns ist es ja sogar umgekehrt, meinen Mädels wir unterstellt magersüchtig zu sein, weil dünn und mir als schlanke Mutter, wird nachgesagt, die Mädels hungern zu lassen, damit sie nicht zunehmen.
    Der Trend zur Selbstoptimimierung geht nicht nur in die Richtung "alle müssen schlank sein", inzwischen ist es ja auch so, dass man als schlanker Mensch auch immer in die Ecke "ernährungsgestört" gesteckt wird.

    Ich gebe zu, ich achte darauf, nicht zuzunehmen, nicht mit Essen, sondern mit Sport. Nicht weil mich die Gesellschaft dazu zwingt, sondern weil ich mich nicht wohl fühle, mit zu vielen Pfunden. Ich mache Sport, weil ich gerne esse und dadurch nicht zunehme, ich mache ihn aber auch, weil ich jetzt mit 50 weiß, dass Beweglichkeit und Kraft nicht von ungefähr kommt und schnell schwindet und ich mache auch gerne Sport, weil es mir gut tut und mir Spaß macht.
    Und ich finde übrigens auch nichts verwerfliches daran, dass man sich bewegt, um ein paar Kilos abzunehmen.

    Ich finde es seltsam, dass man der DIY-Szene abspricht, sich im eigenen Körper nicht wohl zu fühlen und eine Änderung herbei zustreben, nur weil man sich die Kleidung ja auf den eigenen Leib schneidern könnte. Das ist ja ein sehr persönliches Empfinden.

    Ich denke tatsächlich, man muss ich von dem Gedanken frei machen, dass andere den eigenen Körper beurteilen dürfen und man sich davon abhängig macht, sondern man muss einen Weg finden, sich wohl zu fühlen, egal wie das ist. Und ich glaube, du bist da schon meilenweit drüber weg, dir vorschreiben zu lassen, wie dein Gewicht sein muss.

    Liebe Grüße Ute




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  2. Danke, Meike! Das Gefühl, dass wir schon mal weiter waren, beschleicht mich auch seit einigen Monaten, seitdem mir öfter Fotos von Mahlzeiten mit Kalorienangaben vor die Füße fallen. Was ist da bloß passiert?

    Ich finde es kaum glaublich, dass sich die Nähcommunity vor einem Jahr noch über neue Schnittmuster oder Stoffe usw. unterhielt und das Thema Gewicht und Körperformen überhaupt keine Rolle spielte. Eigentlich gab es doch sogar einen gewissen Stolz, dass unsere Community sich der allgemeinen Selbstoptimierungsmode entgegenstemmt, dass wir uns nicht von Frauenzeitschriften und anderen medialen Vorbildern dieses ständige Gefühl des Ungenügens einpflanzen lassen. Hatten wir nicht mal emanzipatorische Pläne zur Verbesserung der Welt und jetzt bleibts doch bloß bei Selbstverbesserung? Ich frage mich jetzt, ob ich da was falsch verstanden habe? Haben das alle anderen gar nicht ernst gemeint, und nur ich habe es nicht kapiert?

    Deshalb empfinde ich vor allem eine große Ratlosigkeit angesichts dieser Entwicklung. Jede einzelne, die jetzt abnehmen will, hat natürlich jedes Recht der Welt, das zu tun - das ist eine persönliche Entscheidung und geht niemanden etwas an. Aber wenn viele das gleiche tun und das öffentlich, mit viel affirmativer Kommunikation drumherum, dann verändert das das Repertoire dessen, was im allgemeinen als gut und richtig angesehen wird. Ich hoffe wirklich, dass das Reden über Körpergewicht und Kleidergrößen nicht zur Norm in der Nähbloggerinnengemeinschaft wird.

    Ich schreibe fast immer, wenn ich Schnitte bespreche, welche Größe ich genäht habe und wie ich einschätze, wie der Schnitt ausfällt - einfach als Information für andere, die das auch nähen wollen, die dann vielleicht einen anschaulichen Eindruck haben, wie der Schnitt in einer bestimmten Kleidergröße aussieht. Ich überlege wirklich, das in Zukunft zu lassen, weil ich mir durch einen Schlankheitswettbewerb nicht das Nähbloggen kaputt machen lassen will und ja schon das Posten der Kleidergröße, zwar ohne weitere Implikationen meinerseits, in einem Kontext, in dem es um Gewichtsabnahmen geht, einen ganz anderen Stellenwert erhält.

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    1. Jetzt, wo ich Deinen Kommentar lese, fällt mir bei dem Stichwort "Schlankheitswettbewerb" auf, was mich an diesem Trend unangenehm berührt: es läuft, wie in vielen Bereichen des Lebens auch, auf einen Wettbewerb hinaus.

      Ganz ehrlich, dieser Wahn, alles und jeden optimieren zu müssen und sich in einen ständigen Wettbewerb zu begeben, kommt mir vor wie das Gehetze im ewigen Hamsterrad, und ich kann nicht umhin zu betonen, wie sehr mich das alles ermüdet.

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  3. Toll Danke Dir! Ich habe Krankheitsbedingt abgenommen, halte aber so gar nix von Diäten und bin gespannt ob alle Ihr Gewicht halten ;D.
    sei lieb gegrüsst
    anja

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  5. Ich kann den Post ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen.

    Erstmal finde ich es wichtig, sich und seinen Körper zu akzeptieren und zu mögen. Das heißt aber nicht, dass jeder sein Übergewicht (oder auch Untergewicht, oder Unfitness ...) akzeptieren muss oder gar sollte!

    Viele Menschen fühlen sich mit Übergewicht unwohl, ihnen fällt es aber schwer, abzunehmen. Hungern muss fürs Abnehmen niemand, aber es hat nunmal mit Versicht zu tun - ich als sehr kleine Frau bin schon neidisch auf größere Menschen, die einfach mehr essen können als ich ...

    Die vielen Abnehm-Beiträge in diesem Jahr empfinde ich da als Empowerment: Du kannst dich verändern, wenn du möchtest. Es kostet Kraft, aber es geht, auch auf Dauer - und du tust deinem Körper damit etwas Gutes.

    Wer sich wirklich in seinem Körper wohl fühlt, der sollte sich dadurch doch nicht unter Druck gesetzt oder gar verraten fühlen - denn wenn ich mich wohl fühle, möchte ich doch auch, dass andere sich wohlfühlen?
    Übergewicht hat nunmal seine Nachteile - damit meine ich nicht Diskriminierung oder abwertende Kommentare, das ist ein gesellschaftliches Problem, das sich hoffentlich irgendwann ändert, sondern gesundheitliche Risiken. Jeder hat das Recht, zu sagen "Mir ist die Lebensqualität darin, ohne Verzicht zu essen, so wichtig, dass ich dafür höhere Gesundheitsrisiken (und ab gewissem Gewicht auch Bewegungseinschränkungen) in Kauf nehme" und das sollte jeder respektieren. Aber andere Menschen können das anders sehen, und wenn diese Menschen sehen "Übergewicht ist kein Schicksal, sondern ich kann mich entscheiden, es zu ändern" ist das doch toll.

    Ich bin voll dafür, dass jeder selbst über seinen Körper entscheiden kann, ich finde auch, dass dicke und dünne Menschen schön aussehen können.
    Aber die Abnehm-Posts helfen Menschen, sich nicht hilflos dem Übergewicht ausgeliefert zu fühlen, wenn sie eben NICHT mit sich zufrieden sind, Angst um ihre Gesundheit haben, weil vielleicht schon der Vater einen Herzinfarkt hatte, und zu sehen: Es ist wirklich meine Entscheidung. Ich kann etwas ändern. Ich muss nicht.

    Warum fühlt man sich davon unter Druck gesetzt, verraten?
    Wenn nun morgen alle Menschen, denen ich folge, sich die Haare blond färben und tagein, tagaus blonde Haare rühmen, weiß ich immer noch, dass mir blonde Haare nicht stehen, bin vielleicht ein wenig genervt, weil mir die Tipps für das beste Blond-Shampoo nichts bringen, freue mich aber über die vielen glücklichen Gesichter, die sich endlich an ihre Lieblingshaarfarbe rantrauen.
    Wenn morgen alle Menschen, denen ich folge, die gesundheitlichen Vorzüge von Fischverzehr anpreisen und seitenweise Fischrezepte posten und sich freuen, dass gesundheitliche Beschwerden zurückgehen, weil sie nicht mehr mangelernährt sind, gratuliere ich auch da, mache aber eben nicht mit, weil ich keinen Fisch mag.

    Wenn ich selbst zufrieden bin - dann kann ich mir doch getrost zurücklehnen, wenn andere über ein Thema posten, was nicht meins ist, und kann mich für sie freuen, dass es sie zufriedener macht.

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    1. Danke für diese Antwort. Das trifft genau, was ich beim Lesen gedacht habe.

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    2. Liebe Hana Mond,
      Ich stimm dir auch voll und ganz zu! Ich nehme ab, weil ich einfach mein Übergewicht nicht mehr durch die Gegend schleppen und die Schmerzen, die teilweise dadurch bedingt sind, einfach nicht mehr haben möchte. Es geht mir null um Selbstoptimierung oder gesellschaftliche Konventionen, null. Ich mag mich, egal wie viele Kilos ich habe. Nur mit weniger läuft und bewegt es sich einfach leichter!

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    3. Ja, ungefähr solche Gedanken sind mir beim Lesen auch gekommen. Wenn gesundheitliche Gründe dafür sprechen, ist es ja keine optische Sache mit dem Abnehmen. Allerdings können auch übergewichtige Menschen eine gewisse Fitness haben, denke ich.
      Allerdings stimme ich Meike darin zu, dass es schade ist, wenn die Akzeptanz der verschiedenen Körperformen nicht mehr öffentlich gegeben ist, sondern den Dicken das Gefühl von Minderwertigkeit und Faulheit gegeben wird. Ob man sich das geben lässt, ist natürlich auch persönlich, aber je mehr positive Posts und Kommentare zum Abnehmen geschrieben und gelesen werden, desto präsenter kommt einem das Thema ja eben vor. Dabei geht es doch auf den meisten Blogs eigentlich um schöne Kleidung

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  6. Ich sehe das anders. Also, erstens sehe ich keine Blogbeiträge übers Abnehmen (obwohl ich echt viele Nähblogs lese) – sind das wirklich Blogs oder findet das nur bei Twitter statt? – und zweitens sehe ich kein Problem darin, übers Abnehmen zu schreiben.

    Ich recycle mal grad ein Beispiel, das ich schon bei einem anderen Blog verwendet habe:
    Stell dir vor, eine Gruppe von Menschen steht auf einem Berg. Es war mühsam, raufzuklettern, und einige Leute stehen jetzt da und freuen sich und genießen die Aussicht. Andere stehen ein bisschen unbehaglich rum, finden die Landschaft eigentlich auch ganz schön, aber ihnen wird schwindlig davon, sie haben nämlich Höhenangst. Nur leider trauen sie sich nicht wieder runter.
    Und dann kommt ein netter Mensch und stellt ihnen eine Leiter hin und sie klettern runter.
    Sind diese Leute jetzt Verräter, weil sie gemeinerweise die Leute, die gerne oben bleiben wollen, „im Stich lassen“? Und sind sie Verräter, wenn sie anderen Leuten sagen: „He, du, falls du auch nicht hierbleiben willst, da vorne steht ne Leiter, man kann hier jetzt bequem runterklettern!“?

    Die „Abnehmwelle“ kommt nicht von Zeitschriften. Sie kommt von einem Buch, das vielen plötzlich eine Lösung für ein lange herumgetragenes Problem aufzeigte. (mit „Problem“ meine ich „Abnehmen wollen und nicht können“, nicht „dick sein“!)
    Und wenn man lange ein Problem hatte und dann kommt da eine Lösung in sich, will man es anderen Leuten, die das gleiche Problem haben, natürlich mitteilen.

    Noch ein Beispiel: Stell dir vor, es gibt eine Community von kinderlosen Frauen. Die einen haben sich bewusst dazu entschieden, andere sind es ungewollt. Wenn die jetzt plötzlich alle eine Lösung dafür finden, doch Kinder zu bekommen, werden sie sicher online über die tolle Lösung, mit der alle Kinder haben können, berichten anstatt wie früher nur über ihre Karriere und ihr aufregendes, emanzipiertes Leben ohne Kinder zu berichten.
    Damit werden sie ebenso sicher den gewollt kinderlosen Frauen echt auf den Keks gehen, aber ist das „Verrat“? Ist das Propaganda fürs Hausfrauendasein und ein Rückschritt für die Gesellschaft?

    Ich finde: Nö. Prioritäten ändern sich im Leben und dann ist es auch legitim, drüber zu reden.

    Ich hoffe auf eine Gesellschaft, in der jeder den Körper haben darf, mit dem er am besten leben kann, ohne dafür von irgendwem kritisiert zu werden.

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  7. Ein Nachtrag:
    Jemandem, der untergewichtig ist und sich damit unwohl fühlt, gratuliere ich auch zur GewichtsZUnahme!
    Und wenn jemand mir stolz von der super gelungenen Sahnetorte erzählt, finde ich auch das toll.
    Ebenso, wenn ein Raucher es schafft, aufzuhören.

    Ich kann verstehen, wenn es nervt, lauter Beiträge in der Timeline zu haben, die einen nicht interessieren. Mich hat z.B. auch die Overall-Schwemme genervt, und als Nicht-Fußball-Fan habe ich in der WM-Zeit eben eine Durststrecke an Interessantem ;)

    Aber die Fitness-Abnehmwelle darf man nicht an Kritik an Übergewichtigen, die nichts tun möchten, verstehen. Es ist super, wenn man sich wohlfühlt. Es ist super, wenn man etwas ändert, wenn nicht. Jeder, wie er mag! :)

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  8. Wenn man abnimmt, um sich besser zu fühlen, finde ich das gut. Wenn man sich aber (zwanghaft?!) von außen Bestätigung sucht, indem man ständig alles postet, dann finde ich das bedenklich...
    Und zum Abnehmen allgemein: Was ich auf instagram mehrfach gesehen habe und ganz schlimm finde, sind Posts a la "schau mal, dass tolle Chilli, die leckeren Nudeln die ich für Mann und Kinder gekocht habe." Auf Nachfragen dann...nö, ich esse ein eiweisbrot mit Quark. Was, bitt schön, lebt man da seinen Kindern vor? Welche Werte bzgl. Gesundheit, gemeinsamen Essen, Bedeutung des Abnehmwunsches,... vermittelt man da denn?
    Ich würde auch gern abnehmen, aber ich finde es wichtiger, zu kochen und zu backen und meinen Kinder zu vermitteln, dass leckeres Essen, dass gemeinsame Mahlzeiten wichtig sind. Nebenher mache ich Sport, zu Hause, 30 Minuten am Tag und das auch nicht jeden...

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  9. Irgendwie habt ihr Meike ja nun so gar nicht verstanden. Irre

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  10. Eine Nähbloggerin die vor einiger Zeit mit dem Abnehmen begonnen hat, schrieb ihren Blog zunächst heimlich. Das kann ich gut verstehen, denn in mir erscheint es manchmal so, als wäre es fast verboten unzufrieden mit seinem Körperbild zu sein. Und das ist es nicht, auch Nähblogger können gesundheitliche Probleme bekommen, nicht mehr so beweglich sein, oder einfach optisch mit sich unzufrieden sein, und da nützt es auch nichts wenn mir ständig zugesichert wird wie schön ich doch bin und wie toll es doch ist, dass es so unterschiedliche Körperformen gibt...
    Vielleicht wurde da einfach etwas losgetreten: Ja, ich darf unzufrieden sein und ja ich habe es in der Hand diesen Zustand zu ändern. Sich dabei gegenseitig zu motivieren ist doch positiv und wenn man selbst zufrieden ist, warum sollte man das dann als Verrat sehen?
    Diese Menschen nun als Opfer einer Schönheitsideals zu sehen oder gar eine Essstörung anzudichten, zeigt nur mal wieder, wie es - insbesondere Frauen - nicht zugestanden wird selbstverantwortlich zu denken und zu handeln und sich selbst auch immer wieder kritisch zu hinterfragen.
    Nichtsdestotrotz finde ich deinen Beitrag gut, es ist immer wichtig auch Gegenstimmen zu hören oder ein Gegengewicht zu haben um neue Perspektiven zu erörtern.
    Liebe Grüße,
    yacurama

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  11. Auch ich gehöre zu denjenigen, die "fettlogik" gekauft und gelesen und sich (im positiven Sinne) vor den Kopf geschlagen haben. Pfeif auf allen Diätwahn - das alte Rezept von der begrenzten Enegiezufuhr ist wohl doch das logischste, um längst lästige und die Gesundheit beeinträchtigende Pfunde loszuwerden. Da der Körper nicht nur seine äußere Form ist, sondern ebenso Funktion und Struktur, führt gerade die gesamtheitliche Körperakzeptanz dazu, ihm ganz individuell Gutes tun zu wollen und ihn in allen seinen "Bedürfnissen" zu fördern. Man kann ihn nicht nur durch Kleidung schmücken, gesunde Betriebsstoffe zuführen sondern auch von Ballast befreien. Die Freude darüber kann sicher ebenso groß sein, wie über ein gelungenes Kleidungsstück.
    Man kann seinen Körper und sein Wesen m.E durchaus gleichzeitig mögen bzw. in seinen Eigenheiten akzeptieren und verändern wollen, gleichgültig,ob das nun einer gesellschaftlichen Normvorstellung entspricht oder auch nicht. Ob man das alles im Umfeld von "Nähblogs" in aller Ausführlichkeit erörtern muss, ist für mich aber auch fraglich.

    Petra

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  12. Auch nur eine Bewertung....Für mich eine unsinnige. Abnehmen als gesellschaftliche Anpassung? Im Sinne des Kapitalismus? Ganz schön weit hergeholt. Ich nahm ab und gewann dadurch das Gefühl der Selbstwirksamkeit zurück. Ich bin nicht mehr ausgeliefert und hilflos gegenüber meinem Essverhalten. Ich bin gesünder. Und ich weiß es wird Gewichtsschwankungen geben, aber ich muss mich nie mehr aufgeben. Das ist großartig. Meinetwegen kann jede dick bleiben die damit glücklich ist. Ich kenne allerdings keine. Auch wer damit unglücklich ist, kann so bleiben. Jede hat ihre Gründe. Aber mir Motive anzudichten, die auf reiner Spekulation beruhen-nö. Behaltet Eure Ausreden, ich hab keine mehr. Mir geht's gut damit und ich bin sehr dankbar für "Fettlogik überwinden" das mich davon befrei hat. Heute weiß ich, dass es ganz alleine an mir liegt, wieviel ich wiege. Und ich will mich einfach nur wohlfühlen und gesund bleiben. Natürlich könnte ich jetzt kontern, dass sozialverträgliches Frühableben, nachdem man viele Jahre ordentlich Kalorienbomben gekauft und verzehrt hat, den Kapitalisten gut gefällt.Und die Anpassung an den immer dicker werdenden Durchschnitt der Bevölkerung nicht für Individualität spricht. Mach ich aber nicht, wäre ja Quatsch mit fetter Soße.

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    1. Heute weiß ich, dass es ganz alleine an mir liegt, wieviel ich wiege.

      Und genau das ist die Lüge. Oder Selbstlüge. Dünn werden kann jede/r, die/der sich quält. Nach dem Krieg waren alle dünn. Und dann waren danach viele dick, weil das Dünnsein nämlich keinen Spaß gemacht hat und nicht freiwillig war.

      "Natürlich könnte ich jetzt kontern, dass sozialverträgliches Frühableben, nachdem man viele Jahre ordentlich Kalorienbomben gekauft und verzehrt hat, den Kapitalisten gut gefällt."

      Wieso "könnte"? Hast du doch so hingestellt. Zynische Scheiße.

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    2. "Mir geht's gut damit und ich bin sehr dankbar für "Fettlogik überwinden" das mich davon befrei hat. [...] Und ich will mich einfach nur wohlfühlen und gesund bleiben."

      Für jemanden, der sich angeblich so wohl fühlt, bist du ganz schön bösartig. Anscheinend kannst du deinen "Erfolg" nicht wirklich für dich genießen. Oder warum gehst du so auf Leute los, die es einfach nur wagen, den öffentlichen Abnehmterror kritisch in Frage zu stellen? Die ewige Kalorienzählerei ist wohl doch kein solcher Spaß, was?

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    3. bösartig bist wohl Du gerade, oder?

      Ich glaube Maike stellt weniger den "öffentlichen Abnehmterror" in Frage, als die Veränderung, die sich gerade in der Nähszene breit macht, dass nicht mehr das Nähen im Hinblick auf die Akzeptanz der verschiedenen Körper, die es nun mal gibt, im Vordergrund steht, sonst der Fokus darauf liegt, seinen Körper so zu ändern, dass man in einen Trend hinein passt. So habe ich es jedenfalls grob verstanden :-)

      Die Diskussion, die der Post von Maike hervorgerufen hat, ist mit Sicherheit von ihr gewünscht und ich finde es auch sehr interessant, die einzelnen Meinungen dazu zu lesen, aber ich finde, man sollte dabei höflich bleiben!

      Schönes Adventswochenende!
      Doro

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    4. Ich sehe den Kommentar von Marion gar nicht so sehr als bösartigen Kommentar, sondern lese die Wut von jemandem, der sich ständig für seinen Körper rechtfertigen muss. Für die Entscheidungen, die sie getroffen hat und den Lebensweg, den sie beschritten hat.
      Lest mal die Kommentare der letzten Zeit von Frauen, die abgenommen haben. Was sie für bösartige Sachen hinterher geworfen kriegen, einfach weil diese Menschen in die Gegenrichtung keine Scheu haben. Und das ist okay? Das ist kein Bodyshaming?

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  13. Jeder wie er möchte, oder?
    Toleranz heißt auch hier das Zauberwort.
    Viele Grüße
    Elke

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  14. Schönheitsideale kommen und gehen! Das war immer so! Da gab es Rubensfrauen und Twiggy, lande glatte Haare, kurze, dauergewellte, gefärbt, gesträhnt oder Vokuhila.

    Es lebe die Vielfalt, Respekt und Akzeptanz für alles- das verstehe ich unter FREIHEIT! Ich mag Leute mit eigenem Geschmack und gutem Charakter. Mich interessiert weder das Gewicht noch der Umfang!
    Ausserordentlich liebe Grüsse von Andrea aus OS

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    1. Und genauso sehe ich es auch!

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  15. Meike, ganz ehrlich, ich kann das nicht so ganz verstehen. Das Thema mag dich beschäftigen, das ist ja auch gut so.
    Aber kann nicht jeder auf ihrem Blog instaaccount oder sonstwo schreiben und zeigen was sie will? Und ich muss auch nur lesen was ich will. Ich z.B. blende einfach das aus was ich nicht lesen will.
    Dein Post beschäfftigt mich aus 2 Gründen, sicher nicht die deinen, aber eben meine.
    Oben schon genannt. Jeder Blog ist anders. Jeder Nähblog ist anderst: Nähen ist nicht das einzige Interesse und es werden eben die anderen auch gezeigt. Auch bei mir. Die Zeiten ändern sich, so banal das klingt, aber es ist so. Auch ein Nähblog und deren Bloginhaberin ändert sich.
    Stella z.B. hat meinen allergrößten Respekt. Wie sie das Abnehmen geschafft hat, aus gesundheitlichen Gründen. Und so wie ich sie kennengelernt habe mit Sicherheit nicht weil sie dem Schlankheitswahn auferlegen ist

    Zum Anderen wollte ich noch sagen, da du das MMM Team erwähnst, dass ich, die ich auch wenn nur kurz im Team war, nur, weil Nähen schön ist, weil es ein Hobby ist und nicht aus irgendwelchen politischen Gründen. Ich denke aber auch, dass du das Team von 2012 meinst.

    Also ceep cool. Ich finde es gibt wichtigeres im Leben als sich über das Abnehmen und das Körpergefühl anderer Gedanken zu machen. Es soll sich jede so gut oder nicht so gut fühlen wie sie mag.
    liebe Grüße
    monika

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    1. Danke Monika, das hast du prima in Worte gefasst. Da bin ich ganz bei Dir. LG Kuestensocke

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  16. Liebe Meike,
    seit dein Post gestern erschienen ist, denke ich: "soll ich? - soll ich nicht?".
    Eigentlich steht meine Meinung schon da oben in den anderen Kommentaren, nämlich bei Hana Mond oder Nria.
    Ich bin eine von den Fettlogikfans, eine, die es als Erlösung betrachtet hat, dieses Buch zu kennen und die es als Aufmunterung und Anregung empfindet, gepostete Bildchen von kalorienarmen Essen zu sehen ( es erleichtert einfach viel bei der Rechnerei oder Ideenfindung; es ist aber auch schön, wenn man sieht, dass man nicht alleine ist).
    Ich bin also parteiisch.
    Ich habe mir jedoch vorgenommen, dass ich nicht mitmachen will bei dem "die" gegen "jene".
    Und ich muss sagen, dass mir das sehr schwer fällt. Weil ich den Eindruck habe, dass ihr Kritikerinnen das Buch und die einzelnen Geschichten hinter den Abnehmwilligen gar nicht oder nicht richtig kennt. Aber ein Urteil habt. Das finde ich suspekt.
    Zum anderen wird zum wiederholten Mal etwas -das Nähen und alles was dran hängt- politisiert; was viele, die mitmachen in der Community, gar nicht so sehen. Oder so haben wollen!
    Meine Gedanken dazu sind einfach, ob du dich nicht mal hinterfrgen möchtest, ob du nicht vielleicht zu viel instrumentalisierst oder für deine Zwecke nutzt?
    Du verdienst damit Geld, oder nennst etwas Ehrenamt, was für andere nur Hobby ist.
    Da kommt etwas Druck auf, finde ich. Das Nähuniversum muss so sein, wie es für dich stimmt. Und das sieht nunmal nicht jede so.
    Ich finde das sehr schade, was hier passiert; mich würde es nicht wundern, wenn dabei viel kaputtgeht.
    Weil sich manche halt nicht einspannen lassen wollen.
    Trotzdem alles Liebe und viele Grüsse!

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    1. Danke, ich hätte es nicht besser in Worte finden können. Ich habe auch den Eindruck hier werden Gräben gezogen und etwas schönes, die Nähbloggerwelt kaputt gemacht und politisiert. Für mich war nähen immer ein schönes Hobby, aber nie aus politischen Gründen oder um der Kleiderindustrie den Finger zu zeigen.
      Maike wenn ich mich richtig erinnere, hast du einmal geschrieben, dass du nicht gerne nähst sondern es machst um deinem Kopfkleiderschrank näher zu kommen, weil du in den Geschäften nicht das findest was du suchst.
      Für mich trifft das nicht zu, mir macht das nähen, die Vorbereitung genau soviel Spaß wie das tragen der fertigen Kleidungsstücke.
      Den Kommentar von yacurama und Monika möchte ich unterschreiben.
      Mathilda

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  17. Ich finde, was hier zuletzt geschrieben wurde, geht unter die Gürtellinie. Würdet ihr alle das Meike auch sagen, wenn ihr sie persönlich treffen würdet?

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    1. Liebe Lucy,
      Gerade nach dieser Antwort von dir sag ich "ja, würde ich". Jetzt erst recht.
      Weil nämlich " unter der Gürtellinie" daher kommt, was gar nicht böse gemeint war.
      Schon als Kritik, aber nicht böse oder gemein.
      Ich finde Meikes Ansatz ja grundsätzlich gut und sympathisch, sich selber zu akzeptieren und sich genau das selber zu machen, was sie nicht zu kaufen bekäme. Und darüber zu schreiben, wie sehr sie das freut, wie stark sie sich dadurch fühlt usw.
      Ich bin erst Mitte 2014 auf Nähblogs und das Drumherum gestossen und hab damals in einem Zug Catherines, Meikes und den MMM Blog von Anfang bis Ende durchgelesen.
      Es machte immer den Eindruck, da treffen sich lose verschiedene Individuen mit den gleichen, etwas spleenigen Interessen und vernetzen sich, verstehen sich gut.
      Man überlegte laut, gab sich Tipps, immer als Einzelperson, quasi wie im Freundinnenkreis.
      Und in letzter Zeit wirkt das bei Meike so, wie wenn in dem Freundinnenkreis sich auf einmal eine als Tupperwarevercheckerin oder Avonvertreterin entpuppt.
      Es wirkt, als würde sie privates Hobby und Job nicht klar ersichtlich trennen.
      Das muss auch nicht grundsätzlich sein, wenn sie z.B. mit dir als Freundin das abspricht (Lektorat machen, Bücher bewerben o.ä.) oder mit ihrer Designerfreundin irgendwelche Deals abmacht, das werden die beiden schon geklärt haben.
      Wenn aber manche Nähcommunityteilnehmerinnen sich nicht in Vorträgen, Büchern oder TV- Formaten in einen Zusammenhang gesetzt sehen wollen, den Meike in dem Moment aber machen MUSS, wenn es kommerziell wird, ist das doch verständlich und evtl. Einer selbstkritischen Hinterfragung wert.
      Viele mochten halt früher Filzfiguren zeigen, weil sie das beschäftigt hat, andere einen Tipp für Vintageschnittmuster weitergeben, andere ihre ureigene persönliche Weltanschauung in die Öffentlichkeit tragen. Jetzt sind es halt Abnehmtipps, ganz ohne medialen Druck, ohne politische Bedeutung dahinter.
      Evtl. Wäre es klug, das Hobby, das Zwanglose besser vom Job oder von der Mission zu trennen.
      Ich finde diese Überlegung nicht sonderlich unverschämt, wenn es sich so liest, tut mir das leid.
      Liebe Grüsse!

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    2. Misst du nicht mit zweierlei Maß? Jeder darf doch selber entscheiden, was er/sie in seinem/ihrem Blog postet. Wenn dir die Themenmischung hier nicht gefällt, Brauchst du doch nicht mitlesen.

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  18. Ich lese sehr gerne in Nähblogs und wenn das mit Gedankenaustausch verbunden wird wie man Abnehmen kann fände ich das noch mal interessanter. Ich bin nicht bei facebook und nicht bei twitter und habe leider davon noch gar nichts mitgekriegt.
    Es braucht sich doch überhaupt niemand gedrängt zu fühlen dem nachzueifern. Ich selbst bin übergewichtig und weiß ganz sicher dass Ansichten von anderen mich nicht zum Abnehmen bewegen. Wenn ich abnehmen will muß das aus mir selbst entstehen denn sonst habe ich sowieso keinen Erfolg. Gerade vor ein paar Tagen habe ich ohne Meinungsäußerung von anderer Seite angefangen meine Nahrung umzustellen und hoffe sehr dass ich von meiner Umwelt unterstützt werde.
    Ob Du Maike Übergewicht hast oder nicht interessiert mich hier als Leserin überhaupt nicht. Ich hätte nur manchmal gerne ein Beispiel das meiner Figur ähnlich ist um beurteilen zu können ob mir ein bestimmtes Kleidungsstück auch steht. Leider bist Du eher obenrum und an der Tailie füllig und ich bin oben bis zur Tailie schmal und dann bis zu den Knien eher füllig. Du kannst mir also leider wenig als Beispiel dienen.
    Falls jemand ein Nähblog kennt von einer deutlich Übergewichtigen bitte ich um Kenntnis davon, denn ich würde das gerne lesen.
    Im übrigen lese ich viel im Internet (Blogs, Zeitungen) und da gibt es viel was ich nicht lese weil es mich momentan nicht tangiert oder nicht interessiert aber andere interessiert dann vielleicht doch.
    Grüße von Defne

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  19. Liebe Meike,
    Du bist dick und möchtest es bleiben, andere waren stark übergewichtig und haben etwas dagegen unternommen.
    Wo genau liegt Dein Problem?
    Grüße von Manon

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  20. Liebe Meike, ich finde es ein bisschen unfair, dass du den Abnehmenden unterstellst, sich dem Patriarchat unterowrfen zu haben. Nicht jede näht als Aktion gegen die Unterwerfung und Normierung der Frau. Viele von uns schreiben in ihren Blogs über das Nähen und Dinge,die uns beschäftigen. Feminismus gehört nicht bei allen dazu. Noch dazu finde ich, dass der Zusammenhang Diät und Patriarchat zumindest eher lose ist. Ich kenne dicke und schlanke Feministinnen, dicke und schlanke Frauen mit patriarchalischem Weltbild. Manche nehmen ab, um gesünder zu werden. Manche, weil sie gerne in Doe & Deer Schnitte passen wollen. Manche, weil sie in alte Lieblingsstücke wieder hinenpassen wollen. Manche machen es öffentlich, manche heimlich. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Toleranz, die du für dich einforderst, auch für die anderen gilt. Du musst es ja nicht lesen! Und natürlich sind solche Posts wie dieser genauso berechtigt wie einer über Diätkekse. Oder die neuen Vogue-Schnitte. Suum cuique!

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  21. Liebe Meike,
    ich lese deinen Blog schon lange und gerne, aber die neueren Entwicklungen irritieren mich etwas. Ich finde es im Übrigen bemerkenswert, wie das öffentliche Diäten als Backlash in Sachen Feminismus gewertet werden kann, während die zunehmende Kommerzialisierung deines Blogs offenbar in deinen Augen kein Problem ist.
    Nachdenkliche Grüße

    Barbara

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  22. Ich finde es unfair hier Maikes Kommerzialisierung und die "Backlash-Kritik" in Zusammenhang zu stellen.
    Man könnte einen eigenen, unabhängigen Artikel schreiben, wieso die Kommerzialisierung in unserer sonst so freundschaftlichen Blogwelt wie ein Backlash anmutet, aber hier gehört das nicht hin. Und persönlich habe ich damit auch kein Problem. Ich freue mich, dass Meike Schnitte einer "richtigen" Designerin vertreibt. Go girl!

    Zum Thema: Mich irritiert die Deutungsweise und wem hier Deutungshoheit zugesprochen wird.
    Zur Deutung:
    Wenn die Bevölkerung immer dicker wird sollte man wirklich davon ausgehen, dass (a) Diskriminierung zurück geht, weil mehr Leute betroffen sind und mehr Leute Dicke kennen, die ihnen zeigen, dass Vorurteile verletzend sind, und es ist wirklich begrüßenswert, dass sich da etwas tut! (b) wird es auch mehr Leute geben, die die gesundheitlichen Nachteile spüren und etwas ändern wollen. Das ist parallel und nicht vor und zurück.
    Und Journelle wollte mir ihrem Artikel ein Gegengewicht zum Skinny Lifestyle bloggen - das brauchen wir in unserer gemischten Filterbubble doch gar nicht. "Wir" sind doch eine gemischte Truppe. Dicke, dünne, kurze, lange, Frauen, die gerade zunehmen und Frauen, die gerade abnehmen.

    Zur Deutungshoheit: Das regt mich eigentlich auf! Wie ist es möglich, dass Frauen, die erkannt haben, dass das mediale/gesellschaftliche Bild eben fundamental falsch sein kann, so sehr scheuklappenhaft daran festhalten? Ich meine Nähen ist doch wohl das unfeministischte, hausfrauenhafteste, Heimchen-am-Herd-Hobby! Oder? Nein, es ist etwas das Frauen ganz unterschiedlichen Alters aus ganz unterschiedlichen Gründen tun. Manche gar aus ausgesprochen Feministen Gründen, weil sie sich so vom Modediktat befreien können :) Maike? Ja?
    Wieso ist abnehmen dann patriarchalisch, ein sich dem Zeitschriftendiktat unterwerfen? Ich würde sagen, dass ganz unterschiedliche Frauen aus ganz unterschiedlichen Gründen abnehmen. Und oft ist das auch Empowerment! Nicht mehr in der Brigitte-Jojo-Falle zu stecken, die einem einredet, dass man das Gewicht ja nicht halten kann, ist befreiend und bestärkend. Zu sehen, dass der eigene Körper stark sein kann und man die Treppen wieder mühelos rauf kommt ist empowerment pur. Und keineswegs steht am Anfang einer Diät immer Unzufriedenheit mit sich selbst. Da kann auch Selbstfürsorgen stehen!

    Diese Diät-als-Unterwerfung-Deutung hat für mich so etwas Alice-Schwarzer-haftes. Ich bin sehr dankbar, dass jemand diese ersten Schritte gegangen ist, hoffe aber auch, dass wir in unserer Deutungshoheit weiter sind. Wo Alice Schwarzer in heterosexuellem Sex noch Unterdrückung sah (und wahrscheinlich oft recht hatte), sind wir heute so viel weiter.
    Ich hoffe inständig, dass auch der Umgang mit dem eigenen Körper, wenn es um Ernährung geht, nicht mehr so pauschalisiert und politisiert wird. Ich empfinde diese Politisierung nämlich als übergrifflich. Und ja, ich habe verstanden, dass es Maike um das soziale zur-Schau-Stellen ging - aber das sind private Accounts auf denen jeder einzelne zeigen darf was dem privaten Interesse entspricht.

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  23. Hallo Meike, hallo zusammen,

    ich finde es total schade, dass unter dem Dachthema "Feminismus" (mal wieder) Frauen auf Frauen losgehen. Natürlich hat Feminismus unterschiedliche Strömungen, Perspektiven und Ausprägungen, aber dass Feminismus zum Beispiel in diesem Blogpost dazu führt, dass andere Frauen wegen ihres Verhaltens als unfeministisch verurteilt werden finde ich anstrengend und bedrückend.

    Wenn ich Dich richtig verstehe, Meike, geht es doch darum, dass man sich selbst akzeptieren und wohlfühlen sollte, oder? Ich kann mich ja auch gut selbst akzeptieren und nicht wohlfühlen, weil ich zum Beispiel zu dick bin. Dann darf ich ja wohl abnehmen. Und wenn es dazu führt, dass ich mich dann noch stärker, präsenter, selbstbewusster und wasweißichwas fühle: Ja hurra, da ist eine neue starke Frau und Feministin erwachsen.

    Ich könnte noch viel dazu schreiben, aber was bleibt ist: Echt schade, wenn Frauen aufeinander eindreschen. Wegen Gewicht. Oder um mal ganz polemisch-polarisierend Madeleine Albright zu zitieren: There is a special place in hell for women who don't help other women.

    Genau so wirkt es nämlich für mich, als würden die Fatacceptance-Frauen andere Frauen nicht dabei unterstützen wollen, stark und selbstbewusst zu werden, nur weil die zufällig einen anderen Weg als radikale Selbstannahme gewählt haben.

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  24. Hallo Meike,

    ich kann deine Gefühle sehr gut verstehen. Wenn Leute ihre Erfolge feiern, kann man das Gefühl bekommen, dass man nicht mehr dazugehört oder wie du es beschreibst, zum Loser wird.
    Ich denke jedoch, dass viele andere den Entschluss gefasst haben, ihre Körper nach ihren Wünschen zu formen heißt nicht, dass wir wieder in die Zeiten zurückfallen, in denen Menschen mit anderen Körpern niedergemacht werden. Zumindest wünsche ich mir das.

    Frauen scheinen IMMER nur über ihren Körper wahrgenommen zu werden. Nimmt er zu viel Raum ein ist es nicht gut, ist er schlank, ist es auch nicht gut. Und in den meisten Fällen kommen diese Kommentare von anderen Frauen. _Das_ ist etwas, das aufhören muss.
    Wir müssen aufhören von Idealen zu sprechen. Das ist wie mit der bösen Hexe, die nur dadurch lebt, dass jeder sie fürchtet. Diversität fängt damit an, dass wirklich jede Ausprägung erlaubt ist.

    Wenn jetzt viele Frauen anfangen ihre Erfolge zu feiern, ist das in meinen Augen bewundernswert. Sich selbst zu überwinden und seinem eigenen, persönlichen Ideal zu folgen ist Schwerstarbeit.
    Du bist eine tolle Frau weil du tolle Sachen machst, sagst und denkst. Dein Körper definiert dich nicht, sondern das was in dir steckt. Du hast dich entschieden deinen Körper zu lieben und schön zu kleiden und ich finde das ganz toll.
    Andere beschreiten einen anderen Weg und auch das finde ich toll :)

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  25. Ich bin ehrlich gesagt von dem Text auch irritiert und habe mich tatsächlich auch ein bisschen angegriffen gefühlt. Irgendwie liest sich das ein bisschen wie jeder darf sein wie er will und schreiben was er will, aber bitte mit Übergewicht und ja nicht über das Abmehmen schreiben.
    Darüber hinaus finde ich, dass die Gesellschaft zur Zeit eine eher gegenteilige Entwicklung nimmt. Es gibt so viele übergewichtige Kinder und das wird von Eltern, Ärzten, Lehrern leider immer häufiger toleriert. Gesund ist das nicht. Außerdem werden sehr schlanke Frauen meiner Erfahrung nach wesentlich häufiger von Ärzten und Freunden auf ihr Gewicht angesprochen und zwar im Hinblick auf Magersucht als dicke Frauen auf ihr Übergewicht. Also die Gesellschaft zwingt ganz sicher niemanden zum Abnehmen! Ganz im Gegenteil!
    Davon ab denke ich unsere Gesellschaft hat ganz andere viel wichtigere Probleme. Und ich ärgere mich schon fast hier überhaupt zu kommentieren. Probleme schaffen wo eigentlich keine sind.
    Wie auch immer... Blogs instagram usw. Was ich lesen will lese ich was nicht das nicht. Wenn dich fettlogik stört, musst du die artikel/ Bilder ja nicht lesen/ angucken.

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  26. Das Problem, dass ich mit dem "Fettlogik"-Hype habe ist, dass sich ja noch gar nicht gezeigt hat, wie langfristig das Konzept wirkt.
    Wenn nach 5 Jahren über 90% der Abnehmenden das Gewicht wieder drauf haben, dann wissen wir ja noch gar nicht, ob Fettlogik-Abnehmende dieses miese Ergebnis überbieten können.
    Insofern sind die meisten gerade in der Hype-Phase, in der die Abnahme (noch) super klappt, und noch nicht in der maintaining-Phase, in der der Gewichtsverlust gehalten werden muss. Jubelorgien erscheinen mir deshalb verfrüht.
    Ansonsten wünsche ich allen viel Erfolg bei was immer sie erreichen wollen, sei es Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme, tolle Nähprojekte oder Erringung der Weltherrschaft. Frauen neigen ein bisschen dazu, verdammt viel Energie in Nebenkriegsschauplätze wie das Aussehen zu versenken; darüber lohnt es sich vielleicht, nachzudenken.

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  27. Mensch Mensch. Immer wieder faszinierend
    # wie gereizt zurück gekantet wird,
    # wie dann plötzlich die Angriffe persönlich werden ohne etwas mit dem Text zu tun zu haben("Kommerzialisierung deines Blogs")
    # wie ein "Ich fühle mich unwohl mit dem Trend/Thema, das vorher nicht in unserem Bereich war" verstanden wird als "Du hast was gegen meine Tat (hier: Diäten nach dem neuesten gut vermarketeten Diätbuch und damit was gegen mich.

    Fair bleiben. Der Artikel spricht von einem Unwohlsein mit einer Entwicklung in der Nähblogger-Szene. Da ist kein Verurteilen, kein Losgehen auf die Anderen,sondern vielmehr Analyse, manchmal auch scharf, aber v.a. Analyse und Darstellen dessen, wsa das mit ihr, Meike, persönlich macht. Wäre schön, wenn die KritikerInnen das auch so täten, einige schon, aber andere halt nicht.

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