Freitag, 2. September 2016

Der Traum vom Zauberschnittmuster

Wer mich schon länger kennt, weiß, dass ich 2011 extrem fasziniert war, von der Idee, Schnittmuster auf Maß zu entwickeln. Ich nähte ein Kleid aus dem Buch „Passt“ und diskutierte diese Idee mit meinem Mann rauf und runter, der als Informatiker darauf noch mal einen ganz eigenen Blick hat. Wir fanden die Idee faszinierend, Daten in Material für Kleidungsstücke zu verwandeln, ein Knopfdruck und hier mehr, dort weniger und zack entsteht das perfekte Kleidungsstück. Den Traum teilen wahrscheinlich viele Näherinnen! Was wäre das schön, wenn es so einfach wäre!

Aber ich habe mich von dieser Idee verabschiedet, weil ich mittlerweile weiß, dass es dazu mehr braucht, als rein technische Lösungen. Das größte Problem ist das Messen. Jede, die sich schon zweimal hintereinander, vielleicht auch von zwei unterschiedlichen Menschen vermessen liess, kennt das Phänomen, dass dabei ganz unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Und dann gibt es noch das Thema Unterwäsche, die ganz unterschiedliche Körperformen produziert und ganz zu schweigen davon, dass sich unser Körper im Laufe des Zyklusses und im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Doch selbst wenn die Messung technisch so perfekt wie möglich wäre, am Ende verhält sich jeder Stoff anders und Ergebnisse sind leider nicht auf Knopfdruck vorhersehbar und reproduzierbar. Ein Maßschnittmuster kann eigentlich nur enttäuschen, denn die Maßschnittmusterkäuferin hat die Erwartung, dass das Ergebnis auf Anhieb perfekt sein muss.

Es gibt keine Zaubermittel und leider auch keine Zauberschnittmuster. Mittlerweile habe ich das eingesehen. Auch das Schnittmuster auf Maß ist nicht die perfekte Lösung. Als ich vor Jahren, als ich noch nicht für mich nähte, ein paar Dinge auf Maß anfertigen liess, hatte ich für jedes Kleidungsstück mehrere Anproben und war anschließend doch auch nicht mit allem hundertprozentig glücklich. Ich hatte unrealistische Vorstellunge, wie etwas an mir aussehen könnte, es gab Verständigungsschwierigkeiten beim Briefing, ich machte Fehler bei der Stoffauswahl und es gab zu guter letzt die Erfahrung der Schneidermeisterin, die bei mehreren Anproben aus dem Maßschnitt und den Probeteilen das Beste herauszuholen versuchte. Heraus kamen gut sitzende Kleidungsstücke die besser waren, als alles, was ich vorher besaß und trotzdem einen bitteren Rest Enttäuschung als Beigeschmack, weil ich immer noch nicht aussah, wie die Frau aus meinen Träumen.

Mittlerweile weiß ich, das ein Grundschnitt eine gute Ausgangslage ist, kann beurteilen, welche Designlinien ein Schnitt aufweisen sollte, um ihn gut anpassbar zu machen und welche Kriterien ein gut gemachtes Schnittmuster aufweisen soll. Aber eines bleibt und ich werde nicht müde, das zu wiederholen: ohne Anpassungen geht es in den seltensten Fällen. Wunder gibt es nicht und weder ein Maßschnitt noch ein wirklich tolles Schnittmuster ist ein Zauberpülverchen, das das Nähen der eigenen Bekleidung kinderleicht und treffsicher macht. Es gibt viel zu viele Faktoren, die die Qualität des Ergebnisses beeinflussen: angefangen von den verschiedenen Stoffqualitäten, die sich unterschiedlich verhalten bis hin zu den eigenen Träumen und Bewertungsmaßstäben, die darüber entscheiden, wie gelungen wir ein fertiges Werk einordnen.

Als ich aufhörte an Wunder zu glauben und lernte, dass es ohne ein bisschen Mühe nicht geht, konnte ich an das Phänomen Maßschnitte nicht mehr glauben. Wunder gibt es nicht zu kaufen. Manchmal kommen sie ganz plötzlich und unverhofft und ganz oft kommen sie, wenn wir uns etwas Mühe geben. Aber genau das ist eigentlich toll und ganz wundervoll, wenn frau genauer darüber nachdenkt!

Kommentare:

  1. Gibt es jetzt doch keine Stoxx Schnittmuster auf crafteln.de?
    LG
    Petra

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    1. Hallo Petra, nein, nein, keine Sorge, die stokx-Schnittmuster kommen! Sogar bald! Aber zaubern können sie leider auch nicht.

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  2. :-) hallo Meike,
    als ich vor Jahren das gleiche gesagt habe, wurde ich gesteinigt:-)
    nun kann ich was neues mitteilen;-)
    es gibt mittlerwiele doch wunder! es gibt in der tat schnittsystme, und wie immer leider nicht in/auf deutsch, die mit nur 1 und maximal 2 anproben funktionieren.
    sie basieren darauf, dass es hauptsächlich gemessene massen zur grunde gelegt werden und vor allem jede menge kontrollmassen genommen werden,die sofort signalisieren,dass mit dem gemessen mass da und dort etwas nicht stimmen kann.und das passiert so ziemlich im früherem stadium, d.h. wäjrend des konstruierens und nicht am stoff.
    die deutsche schnittkonstruktionsysteme arbeiten leider mit vielen formeln und annahmen.der menschliche körper ist aber zu asymmetrisch und zu ungenau um jemals in eine formel zu passen.

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  3. DU hast ja so Recht! Trotzdem "falle ich beim nächsten Anbieter wieder drauf rein". Und ich finde auch, dass mir Massschnitte (von bestimmten Anbietern) besser und mit weniger Änderungen passen, als zum Besipiel Burda. Tut Simplicity allerdings auch. Vielleicht muss man nur den richtigen ANbieter finden?

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    1. Ich glaube durchaus, das bestimmte Figuren besser zu bestimmten Schnittmusterproduzenten passen, weil die Annahmen, die den Maßtabellen, den Sprungwerten aber auch den Designvorstellungen zu Grunde liegen, immer unterschiedlich sind.

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  4. Ich habe die software passt! ausprobiert, wirklich jedes dort abgefragte Maß nachgemessen, mich vermessen lassen...das ergebnis ..der kostenlos Shirtschnitt den mam gleich dazu bekommt...ehrlich gesagt, sehr enttäuschend, sitzt nicht besser als andere Schnitte. Letztens habe ich mir 5 Leggings alle nach gleichem Schnitt in gleicher Größe genäht...5 verschiedene Jerseys und jede sitzt anders..ich hab mich auch davon vetabschiedet allein von den Maßen ein 100% passendes Teil zu bekommen.

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    1. Das Stoffe sich unterschiedlich verhalten, gehört dazu - für mich auch einer der Knackpunkte, warum Ergebnisse so schlecht plan- und wiederholbar sind. Ich ziehe für mich daraus den Schluss, mir etwas mehr Gelassenheit zu verschreiben und zu akzeptieren, dass es so ist, statt mich über Anpassungen zu ärgern. Trotzdem bin ich natürlich nach wie vor auf der Suche nach dem heiligen Gral :-)

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  5. Ich habe die software passt! ausprobiert, wirklich jedes dort abgefragte Maß nachgemessen, mich vermessen lassen...das ergebnis ..der kostenlos Shirtschnitt den mam gleich dazu bekommt...ehrlich gesagt, sehr enttäuschend, sitzt nicht besser als andere Schnitte. Letztens habe ich mir 5 Leggings alle nach gleichem Schnitt in gleicher Größe genäht...5 verschiedene Jerseys und jede sitzt anders..ich hab mich auch davon vetabschiedet allein von den Maßen ein 100% passendes Teil zu bekommen.

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  6. :)
    Ja, Zauberpulverschnitte gibt es nicht- Nähen erfordert oft eine gute Portion Mühe, Experimentierfreude und die Bereitschaft, Rückschläge als gesammelte Erfahrung für's nächste Projekt zu sehen.

    Liebe Grüße
    Ute

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    1. Jawohl! Zu einfach wäre es ja auch langweilig. Das wäre ja Nähen wie mit einem Bastelset vom Kaffeeröster.

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  7. Ich habe vor Jahren einmal ein Paket mit Maßschnitten von Burda gekauft und nur ein Teil, die Jacke, passte. Der Rest war viel zu groß. Mit anderen Anbietern habe ich auch mal gute Erfahrungen gemacht. Aber ein gutes Augenmaß, Erfahrung und gute Kenntnis des eigenen Körpers sind durch keinen Maßschnitt zu ersetzen. LG Carola

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  8. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. abr das ist hier doch nicht das thema!?
      ich trage grössen 34-36 und bin nciht mehr jung mit allen darausfolgenden figurveränderungen, dazu noch auch klein mit 1,59 bei normalgrössen-beinlänge. wenn ich mir nicht anpassen würde, würde ich in jeder kleidung wie der kleine Muck aussehen. meine konfektionsgrösse spielt hier gar keine rolle.
      es gibt kaum ein schnitt,was ich mir nicht angepasst habe.
      nur so ist man dann gut gekleidet.
      das gleiche mache ich auch bei meiner 19 j.a. tochter und 67 j.a. mutter.
      viele anpassungen ergeben sich durch die asymmetrie des körpers oder alterbedingten senkungen der regionen.
      kaum jemand hat 2 gleiche schulterneigungen.es ergibt sich aus unseren gewohnheiten, belastungen udn arbeitssituation.
      und wenn eine shculter geneigter ist als die anere hat man untrm armloch falten!und das ist egal,was du dann trägst- mit abnäher oder ohne, eng oder weit!der fehler wird sind an jedem deinen stück wiederspiegeln:-)

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    2. Den Kommentar habe ich gelöscht U we, weil er überhaupt nicht zum Thema des Blogposts passte.

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  9. Ach ja, auf Dein Blog bin ich über Dein Tiramisu gestoßen, das bei mir im Schrank leider noch als Stoff liegt. Auch da habe ich den Eindruck, dass man nicht so viel anpassen muss (ich bin wirklich eine Nähanfängerin ...). Und jetzt lese ich mit, und zwar mit großer Freude!

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