Montag, 27. Juni 2016

Nach dem Sew Along-Gedanken

Ich genieße es sehr, mir die schönen fertigen Röcke des Rock-Sew-Alongs anzuschauen. Ab gesehen davon, dass ich ungefähr die Hälfte dieser Röcke auch haben will, bin ich begeistert von diesen vielen schönen Frauen in ihren Röcken, die sich so wohltuend von dem abheben, was ich oft Langweiliges auf den Straßen sehe. Und ich bin sehr amüsiert und gerührt davon zu lesen, was sich im Laufe der Wochen in den Köpfen der Näherinnen abspielt. Das ist doch das, was wir sonst nachts oder in Tagträumen tun. Wenn wir ein fertiges, neues Kleidungsstück präsentieren, ging dem doch so oft doch eine längere Phase des Träumens und Denkens voraus. Wie oft liege ich vor dem Einschlafen abends im Bett und grübele, welches Schnittmuster zu welchem Stoff passt, wie ich das Ganze umsetze und ob ich verdammt noch mal die passenden Shirts und Accessoires dazu habe? Und brauche ich nicht noch ein neues Strickjäckchen? Wie lang soll ich die Falten absteppen und ohjeee, die Rocklänge nimmt mir den Schlaf.

Ich finde es so toll, dass so ein Sew-Along diese Gedanken sichtbar macht. Wieviel wertvoller ist doch ein Kleidungsstück, wenn wir es selbst genäht haben. Es steckt nicht nur die Nähzeit drin sondern so viele begleitende Gedanken. Dieses Auf- und Ab der Gefühle - die Texte in den Sew-Along-Beiträgen mache es sichtbar!

Wie gut kenne ich dieses Gefühl der Verliebtheit bei Projektstart, wenn ich einen wunderbaren Stoff gejagt habe oder ein faszinierendes Schnittmuster in den Händen halte. Dann diese furchtbare Projektphase, wenn bei der ersten Anprobe nichts, wirklich gar nichts so aussieht, wie in meinen Träumen. Und dann dieses Aufraffen, dieses noch-mal-zur-Hand-nehmen-obwohl-alles-furchbar-ist! Und irgendwann schlüpft wie ein zauberhaufter Schmetterling das fertige Kleidungsstück. Wir ziehen es an und wir finden es so lálá. Wir wählen die passenden Schuhe, suchen nach den passenen Accessoires und trauen uns das erste Mal damit auf die Straße, immer darauf wartend, einen ersten positiven Kommentar zu bekommen oder im perfekten Moment im lauen Wind an einem Schaufenster vorbei zu kommen und einen ganz anderen Blick auf uns im neuen Outfit zu erhaschen, als frontal vor dem Spiegel. Dieses Gefühl der Erleichterung, wenn das Schaufenster etwas Schönes zeigt, die Kollegin anerkennend schaut und die Kommentare im Blog sagen "alles richtig" gemacht. Und dann wandelt sich die Verliebtheit nach den ersten Zweifeln hoffentlich in Liebe und wir haben ein neues Lieblingsstück mit unseren eigenen Händen und Träumen erschaffen. Wie schön, auch bei anderen an diesem Prozess teilhaben zu dürfen und einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. Danke!

Kommentare:

  1. Leider führt es nicht immer zu diesem beschriebenen Ergebnis, aber im Moment liebe ich meine zuletzt genähten Shirts auch sehr.
    Grüßle Bellana

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  2. Ach, das hast du wieder so schön geschrieben *zustimm* von A bis Z.
    LG Lehmi

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  3. Das hast Du wirklich schön geschrieben und exakt auf den Punkt gebracht. Das ist doch das allerschönste beim Nähen: Dieses YES!!-Gefühl am Ende.
    LG, Sandra

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  4. Bin heute mit meinem neuen Maxirock auch schon an Schaufenstern vorbeigeschlendert mit genau diesem "ganz anders aber schön"-Spiegelbild. Und dass dieses schöne Gefühl mit Hilfe und durch Inspiration der anderen im Netz vereinten Näherinnen zustande kam, ist toll. Ich freue mich deshalb immer wieder, dass ich dazu gehöre. Liebe Grüße von Ina

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  5. Das hast du sehr schön beschrieben! Mir ging es letztens so mit einem T-Shirt, mit Falten an der Schulter und an der Hüfte. Ich hatte es mir so schön vor gestellt und als es fertig war, dachte ich: Wassen sch... :-(
    Habe es dann doch mal zur Arbeit getragen und eine Kollegin, mit sehr viel Näherfahrung, war total begeistert. So sehr, dass sie sich mein Schnittmuster ausgeliehen hat, um es nach zu arbeiten. Seit dem sehe ich das T-Shirt mit ganz anderen Augen und es gefällt mir immer besser.
    LG Marina

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  6. Deinen Bericht kann ich nur bestätigen! Die Tagträume, die Du so treffend beschreibst, haben mich in den letzten Wochen über eine langwierige Zahnbehandlung geholfen. Mir kamen die Stunden, in denen geschliffen wurde, nicht mehr so lang vor und ich konnte mich wunderbar entspannen. Dadurch war alles halb so schlimm. Jetzt bin ich ganz heiß darauf, meine Pläne umzusetzen.
    Liebe Grüße
    Ilse

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  7. Deinen Bericht kann ich nur bestätigen! Die Tagträume, die Du so treffend beschreibst, haben mich in den letzten Wochen über eine langwierige Zahnbehandlung geholfen. Mir kamen die Stunden, in denen geschliffen wurde, nicht mehr so lang vor und ich konnte mich wunderbar entspannen. Dadurch war alles halb so schlimm. Jetzt bin ich ganz heiß darauf, meine Pläne umzusetzen.
    Liebe Grüße
    Ilse

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  8. ... nur etwas die Hälfte? Schätze dich glücklich. Ich denke mir bei fast jedem - boah!

    Ich bin so schrecklich verleibt in deinen Streifenrock! Diese Farben! Was für ein feines Beispiel für gegen den Strom arbeiten. Heißt es doch dass Querstreifen und Falten dick machen. Du siehst hinreißend drinn aus! CIh glaube ich würde ihn nicht kürzen! Liebe Grüße - danke!

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  9. Ich finde es auch total gut, mal ein bisschen über die Gedanken zu den Projekten und zum Herstellungsprozess zu lesen. Ich finde solche In Progress Bilder total spannend, bin aber selber immer viel zuviel im Nähflow um Bilder zu machen! ^^

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  10. Danke für die Empfehlung, ohne hätte ich die Firma NIE gefunden.
    Ich würde gerne Margo Playsuit ausprobieren, falls ich Glück habe ;-)
    janine ät beaddust.com
    Liebe Grüße Janine

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