Montag, 2. Mai 2016

In guten Stoff investieren #2 - Das Interview mit Karin Schell (Werbung)

Vertrauen ist der Schlüssel, war das Resümee meines Blogpostes "In guten Stoff investieren" vor ein paar Tagen. Wenn ich mehr Geld für etwas ausgebe, dann muß ich mir vertrauen, dass ich daraus etwas Anständiges produziere. Aber ich muß auch dem Hersteller und dem Verkäufer vertrauen, dass das, was ich mitnehme, mein gutes Geld wert ist. Ich bin wahrhaftig nicht markengläubig: ich kann mir bei vielen teuren Bekleidungs-Marken beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie wie auch immer besser sind, als billiges Zeug. Und gleichzeitig habe ich eine Abneigung gegen billige Kleidung, die zur Wegwerfware mutiert ist.

Um mein Unbehagen zu bearbeiten, beschloss ich mehr über Stoff herauszufinden. Mit Karin Schell bzw. ihrem Ladengeschäft und Onlinehandel "Der Rote Faden" habe ich eine Kooperation am Laufen, über die bei Gelegenheit mehr berichte. Jedenfalls bekam ich von ihr Stoff, um etwas auszuprobieren und bin von der Qualität dieses Stoffes sehr angetan. Damit aber alles seine Ordnung hat, habe ich diesen Beitrag mit "Werbung" gekennzeichnet, denn wenn ich auch kein Geld für den Beitrag bekommen habe, gibt es eben diese Vorgeschichte. Ich weiß, dass Qualität bei ihren Stoffen eine besondere Rolle spielt, sie unheimlich lange schon näht und sich einfach auskennt, deswegen habe ich mich für ein Interview mit ihr entschieden.



Karin Schell ist eine alte "Häsin" im Stoff-(Online)-Handel. Ihr Stoffgeschäft gibt es schon seit 1998. Zunächst war sie auf der Suche nach Stoffen und Nähzubehör für eigene Nähvorhaben und als Sie sich als "Einkaufstrüffelnase" erwies, wuchs sich ihre Leidenschaft zu einem Hauptberuf aus. Sie startete mit Reißverschlüssen und Nähzubehör, das sie zunächst für den eigenen Bedarf kaufte und dann an andere Schneiderinnen weiterverkaufte, weil es natürlich günstiger war, große Mengen zu bestellen. Zunächst verkaufte Karin Schell von zu Hause aus, doch zwei Jahre später bot sich ihr die Chance, nach dem Umzug nach Aachen, in ein Stoffgeschäft einzusteigen. Sie startete einen Online-Handel und übernahmt nach einigen Jahren das Stoffgeschäft und verkauft nun seit vielen Jahren Stoffe und Nähzubehör an gewerbliche- und Privatkunden.




Zu Beginn unseres Gespräches per E-Mail habe ich sie gefragt, wie sie die Stoffe für ihr Sortiment auswählt.
"Ich kaufe immer noch das ein, was mir gefällt, was ich gut finde und nicht, was so günstig ist, dass ich eine besonders hohe Marge rausholen könnte. Da ich immer noch selber nähe, soweit die Zeit es hergibt, also nachts ;) merke ich schnell, wenn bei Stoffen oder Nähzutaten die Qualität nicht stimmt und nehme entsprechende Artikel aus dem Sortiment. Die ganze Mühe einer individuellen Kreation, sei es nun bei Modeateliers oder bei Hobbyschneidern, lohnt sich nicht, wenn das Teil dann schnell kaputt ist.
Stoffe probiere ich größtenteils aus. Wenn sie pillen, also Knötchen bilden und nach dem Waschen ganz fusselig werden, bestelle ich bei dem Lieferanten nicht mehr, es sei denn, er kann mir die Problematik erklären und ich kann solche Stoffe vermeiden."
Das ist der Punkt! Die Mühe des Selbermachens lohnt nicht, wenn das Material nicht hält, was es verspricht. Aber wie finde ich heraus, ob ich dem Material trauen kann? Eine Möglichkeit ist es, der Fachfrau zu vertrauen, die auch selbst näht. Wenn "eine von uns" sagt, dass sich ein Material bewährt, empfinde ich das als vertrauenswürdig.
"Und dann gibt es noch einen Aspekt: es müssen nicht immer Markenartikel sein. Wenn die Qualität bei einem (vielleicht auch nur in Deutschland) unbekannteren Produkt genauso gut ist, aber der Preis niedriger als der des Markenartikels ist kann ich hier für meine Kunden einen Preisvorteil anbieten. Das ist bei den hochwertigen spanischen Rubi-Reißverschlüssen ebenso der Fall wie bei dem Coats-Nähgarn, bei Einlagen und Schulterpolstern, die nach unseren Vorstellungen gefertigt werden u.v.m."
Marken sind ein gutes Stichwort! Bei vielen Produkten gibt es Marken und ein „Marken-Vertrauen“. Wieso wird bei Stoff so wenig über Marken vertrieben? Ist es den Kundinnen nicht wichtig, wer den Stoff designt oder hergestellt hat? Im Patchworkbereich wird ja viel über den Designernamen
gemacht, warum bei den anderen Stoffen nicht?
"Ja, im Patchworkbereich gibt es ein paar Firmen, die sich mit tollen Dessins auf immer gleichbleibenden gewebten Baumwollstoffen einen Namen gemacht haben. Der Name steht also für bestimmte Dessins und nicht die Stoffe als solche. Davon gibt es auch ein paar bei den Bekleidungsstoffen. Aber immer steht das Design im Vordergrund. 
Das Gros der Stoffe wird aber nicht über das Dessin sondern die Qualität vertrieben, also Herstellungsart (gewebt, gewirkt), Zusammensetzung (Anteile an Natur- und Kunstfasern), Grammatur (Gewicht pro qm).  Das Dessin ist meist nicht herausragend, sondern zweitrangig. 
Und bei Bekleidungsherstellern, Großhändlern und für Stoffgeschäfte ordernden Einkaufsgemeinschaften sind Namen, etwa von guten Stoffwebern, durchaus bekannt. Dadurch aber, dass diese Einkäufer die Stoffe in sehr großen Mengen kaufen müssen und sie oft auch Einfluss auf die Zusammensetzung nehmen können, ist der Stoff, der nachher entsteht, schon wieder ein Spezialprodukt, das man nicht mehr dem Hersteller zuschreiben kann. Also welchen Markennamen soll man da etablieren? 
Bei den Futterstoffen ist es ja auch wieder anders: hier können sich, aufgrund gleichbleibender Zusammensetzung der Qualitäten, sehr wohl Markennamen etablieren, wie Nevaviscon oder Devetex."
Das kann ich irgendwie nachvollziehen. Das ist sicherlich ein Grund, wieso Fabrikverkäufe bei Hobbynäherinnen beliebt sind. Wenn der Bekleidungshersteller den Ruf hat, Qualitätsware zu verkaufen, sind die Stoffe, die es dort zu kaufen gibt, bestimmt auch von guter Qualität. Aber solche Fabrikverkäufe gibt es ja nicht überall und ständig. Wo bekommen wir sonst noch gute Qualität. Karin Schell sprach von der Zusammensetzung, der Grammatur und der Herstellungsart. Darüber möchte ich noch mehr wissen. Wenn Preis und Qualität in einem echten Verhältnis stehen: Welche Faktoren machen Stoff teuer?
"Die Rohstoffe. Es gibt etwa Wolle aus 1. Schur (Schurwolle) und solche, bei der auch Reißwolle beigemischt wird, quasi Recycling. Seide ist aus der Mitte des Kokons fein und gleichmäßig, die gröberen Enden werden zu unregelmäßigerer Seide verarbeitet. Baumwolle oder Viskose kann als „Gewirke“ also z.B. Jersey langstaplig sein und damit viel glatter und feiner oder aus den kürzeren Resten, die dann eher zum Pilling neigt. Als Gewebe können Sie aus einer langstapeligen Baumwolle feinen Batist machen, die kurzstapeligen Reste taugen nur für grobes Fahnentuch."
Oh, das wusste ich so nicht, auch wenn es plausibel klingt. Wie schade, dass den Stoffen nicht mehr Informationen mitgeliefert werden! Wenn ich genauer wüsste, was ich bekomme, dann könnte ich auch eine viel bewußtere Preisentscheidung treffen, statt mich ausschließlich von Farbe und Muster verführen zu lassen!



Wie viele andere Hobbynäherinnen, war ich in den letzten Monaten intensiv auf der Suche nach guten Strickstoffen und bin nicht wirklich fündig geworden. Das, was ich fand, war entweder "Plastik" so hochpreisig, dass ich dann doch auf den Einkauf verzichtete. Warum gibt es so viele Strickstoffe mit Kunstfaseranteil? Welche Vorteile bringen die Kunstfasern mit sich?
"Zum einen ist es eine Frage des Preises, Kunstfasern sind viel billiger im Preis, zum anderen erleichtert allerdings ein geringer Kunstfaser-Anteil die Waschbarkeit, Tragbarkeit (Pilling, Formstabilität). Ist der Kunstfaser-Anteil recht hoch, schwitzt man aber darin, obwohl die Hersteller mittlerweile auch hochwertige Kunststoffe entwickeln, die luftdurchlässiger sind, die haben aber auch ihren Preis.
Das Problem bei guten aber bezahlbaren Strickstoffen ist so: je besser die Qualität, desto teurer. Wir haben zum Beispiel einen wunderbaren Angora-Strick, der recht teuer ist und daher von wenigen Kunden gekauft wird, so dass wir nur noch schwarz nachproduzieren können. Jetzt haben wir einen ähnlichen mit mehr Polyester-Anteil mit ins Programm genommen, der ca 30% weniger kostet und der läuft sehr gut. Was lernen wir daraus?"
Achja. Das stimmt natürlich alles. Auch hier gilt wohl: wenn ich einen Schnitt erprobt habe und ein Kleidungsstück haben möchte, was mich wirklich zufrieden macht, muss ich wohl doch investieren.

Ganz oft höre ich von Näherinnen, dass eine bestimmte Art Stoffe schwer zu bekommen seien; z.B. moderne Stoffe aus interessanten Fasermischungen oder technischen Eigenschaften, Sportmaterialien - gibt es solche Stoffe tatsächlich nur schwer als Meterware oder ist das Preis-Leistungsverhältnis so, dass die Kundinnen nicht genügend zugreifen? Oder werden bestimmte Stoffqualitäten für bestimmte Bekleidungshersteller produziert und sind gar nicht als Meterware erhältlich?
"Technische Fasern/Sportmaterialien, da werden unendlich hohe Abnahmemengen verlangt, da kommen wir nur selten dran."
Aha, da lag ich also richtig. Das wäre ein Argument, bestimmte Dinge dann doch nicht zu nähen, sondern lieber zu kaufen. Aber glücklicherweise gilt das ja nur für bestimmte Stoffqualitäten. Bei den allermeisten Stoffen gibt es glücklicherweise eine große Auswahl.



Aber wie soll ich nun meine Wahl treffen? Kann ich überhaupt so etwas "Kompliziertes" wie Stoff online bestellen? Ist der Onlinestoffkauf nur etwas für Sparfüchse und funktioniert gar nicht für diejenigen, die auf der Suche nach guter Qualität sind? Was ersetzt das „Anfühlen“ der Stoffe beim Online-Kauf? Es kann doch nicht nur über den Preis gehen!
"Das finde ich auch. Den Stoff einfach mal kaufen, weil der Preis so günstig, egal ob er notfalls nachher in der Ecke liegenbleibt, widerstrebt meinem Verlangen nach Nachhaltigkeit. Da man nicht von jedem Stoff ein Muster schicken kann, dem Kunden aber vermitteln möchte, du musst nur 1x ein Muster bestellen, dann kannst du immer die gleiche Qualität in verschiedenen Farben nachordern: das war für mich der Grund, die Stoffe zu standardisieren, als ich das Stoffgeschäft übernahm. Jetzt führen wir ja auch ständig wechselnde Modestoffe, die meisten davon werden aber immer auf die gleichen Qualitäten gedruckt: beim Jersey ist es eine Ware von 92% Viscose, 8% Elasthan, beim Baumwoll-Köper eine Ware von ca. 96% Baumwolle, 4% Elasthan, bei leichten Batisten 100% Baumwolle und bei schwereren Popelinen eine Baumwoll-Polyestermischung, so dass der Kunde auch hier davon ausgehen kann, dass er im nächsten Jahr die gleiche Qualität, nur mit neuem Dessin bekommt."
Na, das finde ich super! Genau so etwas wollte ich hören! Doch das war mir nicht bewusst. Das ist wirklich ein Kauf-Argument. Wenn ich bereits gute Erfahrungen mit der Qualität gemacht habe, dann ist es doch mehr als plausibel, den gleichen Stoff in der nächste Saison noch einmal in anderer Farbe oder anderem Muster zu verarbeiten.

Stoffe verkaufen sich oft „über schöne Farben und interessante Muster“. Ein Muster kann in einem Online-Shop gut dargestellt werden. Wie verkauft sich Qualität?
"Die Berührungsängste sind da. Der Neukunde weiß erst mal nicht, ob die aufgezeigte Zusammensetzung und Grammatur auch mit Qualität verbunden ist. Eine gewisse Aufklärung, Beschreibung im Online-shop kann da schon helfen, Mustersendung auch, wenn dem Kunden das nicht zu lange dauert. Schön ist es, wenn der Kunde einem diese Chance gibt, ihn überzeugen zu dürfen."
Von einigen Stoffen verschicken Sie Stoffproben. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Verfolgen Sie, wie viele Muster zu Aufträgen führen?
"Eigentlich verschicken wir ja von allen Stoffen Proben. Nur von den Modestoffen muss man sie per Mail anfordern, von den Standard-Stoffen kann man eine Farbkarte bekommen. Wir machen damit gute Erfahrungen, die Schwellenangst ohne Muster ist doch am Anfang recht hoch. Wir halten auch nicht nach, wieviel Prozent der Kunden nach Musterbestellung den Stoff auch bestellen, da wir daraufhin auch nicht die Konsequenz treffen würden, etwa keine Muster mehr zu schicken, weil es zu teuer wäre. Aber interessieren würde es mich auch: irgendwann werde ich diese Mammut-Aufgabe in Angriff nehmen…."
Immerhin Stoffproben sind zwar nicht vergleichbar damit, ein Stück Stoff vom Ballen abzuwickeln und ihn vor dem Spiegel am Körper zu drapieren, um herauszufinden, ob er für mich gemacht ist, aber immerhin kann ich den Stoff anfassen und die Farben besser einschätzen, als am Bildschirm. Gefühlt bleibt der Nachteil, dass ich so noch länger auf den Stoff warten muss, bevor ich endlich anfangen kann. Aber erfolgreiche Projekte werden möglicherweise nicht huschhusch erledigt, sondern erfordern gute Vorbereitung und Investitionsbereitschaft.

Qualität hat seinen Preis. Haben Sie das Gefühl, dass die Kundinnen das einschätzen können?
"Teilweise schon, der Rest muss mit Beratung gemacht werden."
Beratung, ja klar. Das heißt Kontakt, das heißt Gespräch und Offenheit. Vielleicht sollte ich mehr das Gespräch zu den Verkäufern suchen, statt nur den Bestellfinger zucken zu lassen!

Ich bin immer noch neugierigen. Mich interessieren die Hersteller. Warum erfahre ich so wenig über die Herstellungsbedingungen? Beziehen Sie die Stoffe direkt von den Herstellern? Wissen Sie etwas über die Herstellungsbedingungen?
"Teilweise beziehen wir sie direkt, teilweise auch von einigen Großhändlern. Wir bemühen uns mehr und mehr von unseren Lieferanten ein Öko-Tex-Zertifikat zu bekommen, das ja nicht nur eine Aussage über die Schadstoffe macht sondern auch über die Herstellungsbedingungen. Wir haben aber auch kleine deutsche Stricker, die sich einfach ein solches Zertifikat nicht leisten können, wir wissen aber, wie sie arbeiten und stehen dahinter."
Die Problematik mit den Zertifikaten kenne ich. Das hat mir auch schon mal der Apfelbauer vom Wochenmarkt erklärt, der in Bioqualität produziert, aber das Biosiegel zu teuer findet und deswegen seine Äpfel "konventionell" anbietet. Die Frage ist ja ohnehin, was diese Zertifikate bringen. Frau Siebenhundertsachen hat ja mal sehr interessant über Siegel gebloggt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich über diesen Weg nicht wirklich mehr Vertrauen gewinnen kann. Aber wie denn dann?




Ich habe im Onlineshop des "Roten Fadens" die Bemerkung „Standardstoffe für längere Zeit lieferbar gelesen". Das bringt mich zu der Vermutung, dass auch der Händler die Marke sein könnte. Das Vertrauen wird über ein stabiles Produktsortiment aufgebaut, so dass zum Beispiel die Aussage „guten Walk bekommst du beim Roten Faden“ ein wesentliches Argument dafür ist, bei Ihnen zu bestellen, weil sie für langfristig, gleichbleibend gute Qualität stehen. Ist damit der Händler „die Marke“ und ersetzt damit Produkt- bzw. Herstellermarken?
"Diese logische Schlussfolgerung finde ich sehr schön und in gewissser Weise bestätigt das auch das oben Gesagte. Ja, genau wie der Bekleidungshersteller oder -designer für die von ihm verwendeten und in der Entstehung mit beeinflussten Stoffe als Marke für diese Stoffe gilt, steht irgendwo auch der Händler als Garant für gleichbleibende Qualität."
Ich glaube, das ist der Punkt. Genauso wie ich Äpfel am liebsten bei meinem Lieblingsbauern auf dem Wochenmarkt kaufe, ist eine Möglichkeit Vertrauen zu gewinnen, um ein gutes Gefühl bei der Stoffinvestition zu bekommen, LieblingshändlerInnen zu finden, denen ich gerne vertraue, weil sie mir vertrauenswürdig erscheinen. Dieses Vertrauen bekomme ich über das Gespräch, über Offenheit und den Willen, mit den Kundinnen ins Gespräch zu kommen und auch Hintergrundwissen mitzuteilen.

In diesem Sinne bedanke ich mich sehr bei Karin Schell für die offene Beantwortung meiner Fragen! Wer noch mehr über Karin Schell und ihr Stoffgeschäft den "Roten Faden" wissen will, kann auch den informativen Podcast von Muriel Nahtzugabe5cm hören, in dem die beiden ausführlich fachsimpelten.

Kommentare:

  1. Liebe Meike,
    das ist ein sehr interessantes Thema.
    Da ich viele Materialien nicht vertrage, ist der Blick "aufs Ettikett" immer gleich mein zweiter. Mir ist schon aufgefallen, dass das in den Onlineshops unterschiedlich gehandhabt wird. Ich kaufe nur, wenn die Zusammensetzung zu 100% führt. Also nicht z.B. "Baumwollmischung".
    Und sobald man sich mit dem Thema Schadstoffe befasst, landet man fast automatisch bei den Produktionsbedingungen. Allerdings habe ich auch schon die Erfahrung gemacht, dass Biostoffe nicht gleich "gut" bedeutet. Es gibt auch da Qualitätsunterschiede, die sich nicht immer am Preis erkennen lassen.

    Vielen Dank für die vielen Infos und von mir aus darfst Du gerne an dieser Thematik dranbleiben.

    liebe Grüße, Margot

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  2. Wow, das ist sehr interessant ... genau diese Fragen stelle ich mir auch ständig, nur leider haben wir hier vor Ort kein Geschäft mit so kompetenter Beratung (als Chemikerin frag ich halt manchmal auch genauer nach) LG Ingrid

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  3. Danke für die vielen Infos und ja: bitte dranbleiben, das Thema ist es wert. Allerdings muss ich auch direkt meine Enttäuschung zum Thema "Roter Faden" loswerden, denn wenn man (oder vielleicht nur ich, wer weiß) das Ladengeschäft betritt, dann wird einem nicht das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein und nähere Fragen spart man sich schon aus Angst, gar nicht erst bedient zu werden. Da ist es dann auch egal, wie gut die Qualität ist. Wenn ich mich mehrfach (und ich kann in der Mittagspause zu Fuß in den Roten Faden, das ist sehr verlockend) nicht willkommen fühle als Kunde, dann gehe ich in ein anderes Geschäft. Und wenn ich mich mit anderen darüber unterhalte und feststelle, dass andere die gleiche Erfahrung gemacht haben, dann lasse ich es wirklich bleiben. Aber diese Kritik sollte ich wohl nicht hier, sondern bei Frau Schell direkt loswerden, denn alle Onlinebesteller werden ja sehr gut bedient, wie man so hört und liest.
    Nochmal: herzlichen Dank für das Interview!
    LG Cati

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    1. Liebe Cati Basmati,
      das tut mir sehr leid, dass Sie sich bei uns nicht willkommen gefühlt haben, da wir uns wirklich sehr bemühen, auch um unsere Kunden im Laden. Bei uns gibt es allerdings eine Eigenheit, die nicht jedem, der in den Laden kommt, klar ist: da findet auch gleichzeitig der Versandhandel statt, so dass die Mitarbeiter manchmal wirklich unter Strom stehen, wenn gerade noch ein Paket raus soll, bei dem der Kunde es sehr eilig hat, oder eine Express-Lieferung wird gleich abgeholt. Oftmals höre ich von Kunden: es sind doch 4 oder 5 Personen zum Bedienen da, wenn wir sie etwa darauf ansprechen, dass sie nicht von mehreren Mitarbeitern gleichzeitig bedient werden können und sind dann ganz erstaunt, dass nicht alle nur für die Kunden im Laden da sind. Also was ich meine: es kann sich wirklich nur um einzelne Ausnahmen handeln, wenn wir unter Stress stehen und nicht sofort parat sind, da muss ich mich aber trotzdem sehr entschuldigen. Möchten Sie nicht mal anrufen, damit ich das mit Ihnen nochmals im Gespräch klären kann?
      Beste Grüße
      Karin Schell

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  4. Cooles Interview.

    Für mich ist das Schwierigste beim Online-Kauf das Einschätzen der Farbnuance, insbesondere dann, wenn man etwas Passendes zu einem anderen Stoff oder Teil sucht. Gerade dafür sind die Stoffmuster genial, zumal dann, wenn sie längerfristig gültig bleiben. Und gerade uni Kleidung näht man ja eher geplanter, heißt z.B. als Teil einer kleinen Kombigruppe, da kann man schon etwas Zeit für den Stoffkauf einrechnen.
    Ich hab auch ein paar Karten vom Roten Faden und war mit dem Stoffkauf sehr zufrieden.

    Was die Qualitäten angeht (also die Art, nicht die Güte der Ware), muss man sich für Online-Käufe etwas Erfahrung erarbeiten. Dann kommt man auch mit der abstrakten Kaufsituation klar. Das gilt besonders für Faserarten, Stoffzusammensetzungen und Stoffgewichte. Wie fühlt sich z.B. Polyester an, wie Polyamid? Wo wird was eingesetzt, was hat es für Eigenschaften? Was ist typisch für Baumwolle, was für Viskose, was für Leinen? Wie beeinflussen Webart, Dichte, Schwere die Haptik? Wie unterscheiden sich hochwertige von minderwertigeren Waren (sofern die Korrelation offenkundig ist)? Wie fühlen sich welche Mischungen an, was tragen die Grundfasern zur Mischung bei? Das Handgefühl kann man übrigens überall schulen: in jedem fertigen Kleidungsstück sind die Materialien ausgewiesen, oft deutlich besser als im stationären Stoffhandel. Neue oder ausgefallene Qualitäten findet man übrigens meistens deutlich früher in der (hochwertigen) Konfektion, frau kann also den Boutiquenbummel zur Schulungsexkursion erklären.
    Beim Stoffgewicht hat man es mit dem Erfahrung sammeln etwas schwerer. Da hilft es, jeden Stoff, den man kauft, incl. des Stoffgewichts zu katalogisieren (und/oder die Stoffmusterkarten zu nutzen). Im stationären Handel muss man auf dem Etikett etwas suchen und schreibt sich den Wert am besten auf - sofern er überhaupt verzeichnet ist. Bei Online-Käufen sind mittlerweile fast überall die Gewichte pro qm oder lfm dabei. Der Rest ist ein bisschen wie Vokabeln lernen, bis sich aus einer gegebenen Information über Faser und Stoffgewicht automatisch ein ungefähres Bild einstellt.

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Ach, es gibt noch so viel zu lernen! Aber das finde ich ja im Grunde genau das Tolle an unserem Hobby!

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  5. Noch eine Anmerkung zu Herstellermarken. Als (zugegeben) erfahrene Stoffkäuferin dürfen sie mir gerne gestohlen bleiben ;-). Nicht dass ich es nicht wertvoll fände, über den Namen des Herstellers eine gewisse Orientierung zu haben - das nutzt man selbstverständlich auch, wenn man für die Konfektion mustert - aber das Gesamtvolumen der Stoffe, die in den Einzelhandel gehen, ist soviel geringer als das, was für die Konfektion produziert wird, dass sich die Bündelung über Herstellermarken wirklich nur für bestimmte Produktarten lohnt, die eine große Abnahme finden, und dann nur für wenige Hersteller. Damit ist aber die Auswahl von vornherein reduziert. Karin Schell hat das gut beschrieben. Die heute bekannten Einzelhandelsmarken vertreiben hauptsächlich für Mutter und Kind geeignete Stoffe, meist Jerseys, uni, gepunktet, geringelt und (kindgerecht) gemustert, die früher bekannten Marken, meist Blusen- und Kleiderstoffe, neigten zur Biederkeit. Trendige, innovative oder ausgefallene Stoffe fand man da eher nicht. Wer bereit ist, für Markenqualität extra zu bezahlen, soll das gerne tun, ich möchte aber anmerken, dass nicht nur das Vertrauen in Qualität und Herkunft bezahlt wird, sondern nicht unwesentlich auch die Markenbildung selbst.

    Online oder im stationären Handel gibt es ja auch hochwertige Stoffe, die gleichzeitig noch aktuell und günstig sind. Wie kann das sein, außer auf Kosten von Umwelt und Herstellungsbedingungen? Nun, viele dieser Stoffe kommen aus Produktions- und Musterungsüberhängen. Dazu muss man wissen, dass besonders modische Stoffe, zumindest kaufmännisch gesehen, eine ziemlich verderbliche Ware sind. Was nicht verarbeitet wurde, kann später kaum noch genutzt werden (außer zum Nähen von Prototypen oder, bei größeren Metragen, evtl. für kleine Pronta-Moda-Programme). Also werden sie an Mitarbeiter verschenkt bzw. für kleines Geld verkauft oder gehen einmal pro Saison in den Werksverkauf. Was dann noch übrig ist, wird für 'n Appel und 'n Ei an den Stoffaufkäufer verkauft. Der verkauft sie seinerseits an den Einzelhändler oder heute im Online-Shop direkt an den Endkunden. Für die Kundin ist es natürlich verwirrend, zwischen echtem Ramsch und hochwertigen Schnäppchen unterscheiden zu müssen - aber der Lohn sind Stoffe, die oftmals etwas Besonderes sind und trotzdem nicht das Budget sprengen.

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    1. Danke Ursula für Deine Ausführungen, das war für mich interessanter und informativer als das Interview. Immer wieder gut, auch die Kommentare anszuschen um zu sehen, ob sich die Profis äußern. LG Kuestensocke

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    2. Liebe Ursula, ganz herzlichen Dank für deine wie immer sehr interessanten Kommentare!

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    3. "Produktions- und Musterüberhänge". Das waren die Wörter, die mir fehlten. Das ist genau das, wonach wir "trüffeln" und das, was es auf dem Markt dann oft doch lohnenswert macht.

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  6. Danke für das informative Interview und danke für den Ladentipp. War gestern auf dem Stoffmarkt und merke, wie wichtig Anfassen für mich ist, aber bei den Stoffmarktstoffen habe ich schon so oft schlechte Erfahrung mit Pilling, Ausbleichen usw. gemacht, bei Online so oft Erfahrung mit anderer Qualität als erwartet, leichter, fluffiger usw., Karstadt ist einfach sauteuer, da stimmen Qualität und Anfassmöglichkeit, aber vielleicht sollte ich einem "neuen" Onlinehändler eine Chance geben. LG Anja

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  7. Liebe Meike, vielen Dank für dieses tolle Interview!
    Ich lese Interviews normalerweise sehr ungerne, aber deine Variante die Antworten in einen Artikel einzupflegen und deine Überlegungen gleich mitzuteilen, fand ich sehr angenehm zu lesen.
    Liebe Grüße Katti.

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    1. Danke Katti. Ich hatte das ein paar Tage vorher im Fernsehen bei einer Reportage gesehen und fand das auch sehr angenehm, der Journalistin "beim Denken zuzuhören". Danke für das Feedback!

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  8. Interessantes Interview. Vielen Dank dafür und die zusätzlichen Kommentare.

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.