Montag, 18. April 2016

In guten Stoff investieren

Warum kostet Stoff, was er kostet? Warum fahre ich auf Markt-Schnäppchen ab? Warum finde ich Bio-Stoffe toll und kaufe sie nicht? Warum investiere ich mein gutes Geld nicht in guten Stoff? Während Strickerinnen anscheinend alles dafür geben, nur das Beste vom Besten zu verarbeiten, in Kaschmir und Seide schwelgen, die Handfärberin und das Schaf am liebsten persönlich kennen, habe ich bei uns Hobbynäherinnen manchmal das Gefühl, dass wir zwar schöne Stoffe lieben, aber vor hohen Materialpreisen zurück schrecken.

Woran liegt das? Vertraue ich so wenig auf mein Können, dass mir das Risiko zu hoch erscheint, viel Geld für Material auszugeben? Ist es der Dreiklang aus Materialqualität, Farbe/Muster und Schnitt der das Endergebnis beeinflusst und deswegen spielt die Qualität nicht die Hauptrolle?  Ist es der Jagderfolg, etwas ganz Besonderes, was sonst keine hat, der uns bei Marktkäufen reizt? Geht es den anderen Hobbyschneiderinnen auch so? Werden wir von schmeichelnder Farbe und originellen Mustern verführt, bis wir uns willenlos ergeben? Sind wir so geflasht von dem Gesamteindruck des fertigen Werkes, dass wir gar nicht so sehr ins Detail gehen? Geht Nähen so viel schneller als Stricken, dass wir unser Budget auf mehr Projekte verteilen müssen als die Strickerinnen?

Ich muss mich da an die eigene Nase fassen. Auf der einen Seite denke ich, dass ich gerne bessere Stoffe verarbeiten würde: Stoffe, die unter guten Bedingungen produziert wurde, bio-zertifizierte Zutaten und menschenwürdige Herstellungsprozesse. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, wieviele Kilometer das Material durch die Welt gefahren ist, bevor es von mir verarbeitet wird. Immerhin tröstet es mich ein bisschen, dass ich wenigstens einen Teil der miesen Herstellungsbedingungen übernehme, wenn ich ein Kleidungsstück selbst herstelle. Aber reicht das? Letztlich ist das alles Theorie. Es ist ein frommer Wunsch von mir, mit besseren Stoffen zu arbeiten und dann lasse ich mich doch wieder von Schnäppchen verführen. Natürlich wünsche ich, es gäbe eine größere Auswahl an "fairen" Stoffen, doch statt diese zu kaufen, kaufe ich auf dem Markt. Ich nähe ein Kleid nach dem anderen, statt in "das Eine" zu investieren. Das Stofflager wächst, weil es so einfach scheint, die Träume zu realisieren. Mache ich mir mit den Wünschen nach Stoffen besserer Qualität etwas vor?

Das liegt auch an meiner Kleidergröße. Würde ich Babyklamotten nähen, würde ein Meterpreis über 30, - oder mehr Euro nicht so sehr ins Gewicht fallen. Bei meinen üblicherweise gekauften 3 m sehr wohl. Oder ist das nur eine Ausrede? Wenn ich mir einen Mantel nähe, den ich über Wochen und Monate trage, wenn ich ein Kleid für einen bestimmten Anlass nähe oder aber einen Rock, von dem ich hoffe, dass er viel getragener Lieblings meines Kleiderschrankes wird, dann könnte ich doch eigentlich auch einen Betrag X für Material ausgeben, der zwar über den Preise von fertigen Billigklamotten liegt, aber immer noch weit unter dem, was hochpreisige Anbieter verlangen. Habe ich nicht genügend Vertrauen in meine handwerklichen Fähigkeiten oder mein Geschickt bezüglich der Kombination von Stoff und Schnitt? Oft habe ich Angst, dass das, was ich mir zusammengeträumt habe, zusammengenäht an mir nur halb so toll aussieht. Aber was wäre, wenn ich nach dem Probekleid einmal ordentlich investieren würde?

Wenn ich teure Stoffe sehe, zögere ich. Warum ist der Stoff, den ich in der Hand habe so teuer? Liegt es an dem schnuckeligem Geschäft in bester Lage, das natürlich mit den Preisen des Marktes am Maybachufer nicht konkurrieren kann? Was rechtfertigt einen hohen Preis. Ist es das Material? Klar, Seide ist teuer. Aber warum gibt es auch billige Seiden und warum so teure Baumwolle? Wer sagt mir, dass dieser Stoff wirklich wert ist, was der Preis verspricht? Ich finde noch nicht mal Markennamen, denen ich vertrauen kann. Ich muß mich auf mein Gefühl verlassen, wenn ich den Stoff anfasse, darauf vertrauen, dass die Angaben über die Zusammensetzung des Materials (sofern es sie gibt) stimmen und darauf vertrauen, dass die EinkäuferInnen gute Arbeit beim Ertrüffeln der Schätze gemacht haben und fair ihre Verkaufspreis kalkulieren.

Früher, als wir nur ins Stoffgeschäft um die Ecke gingen blieb uns gar nichts anderes übrig, als dem Stoffhändler zu vertrauen. Wir kauften, was es gab und bezahlten - manchmal mehr oder weniger zähneknirschend - den Preis, der auf der Ware stand. Die Auswahl war begrenzt, wir nahmen, was es gab. Doch jetzt gibt es das Internet mit seinen quasi unbeschränkten Einkaufsmöglichkeiten. Wir können aus der ganzen Welt bestellen, wir können Preis vergleichen und wir tun es auch  - auch wenn wir dabei auf den schönsten Aspekt des Stoffekaufens verzichten: das sinnliche Streicheln der Stoffe, das Anhalten und fließen lassen - wir bestellen und hoffen, dass das, was wir bestellt haben, schon zu irgendwas taugt. Der niedrige Preis lässt uns dieses Risiko ertragen. Doch mein Gefühl sagt mir, dass es einfach nicht sinnvoll sein kann, einen Preiskrieg zu unterstützen. Irgendjemand bezahlt immer den Preis.

Ich möchte verantwortungsbewußter kaufen und gut investieren. Irgendetwas muß ich tun, um Vertrauen zu gewinnen. Bei Investitionen braucht es ein gutes Gefühl.  Ich glaube, ich brauche mehr Informationen. Gerade, weil ich immer weniger Zeit zum Nähen finde, sollte ich lieber langsamer nähen, sorgfältiger und dafür mit besserem Material. Und ich sollte endlich mir und meinen Fähigkeiten mehr vertrauen. Vertrauen ist der Schlüssel!

Kommentare:

  1. Ein ganz toller Artikel!
    Ich muss gestehen, dass ich erst seit diesem Jahr in etwas teuere Stoffe investiere... die dann etliche Monate in meinem Schrank liegen weil ich mich nicht traue sie zu verarbeiten.
    =/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das kenne ich auch!

      Total bescheuert. Mittlerweile bemühe ich, frisch gekaufte Stoffe schneller zu verarbeiten, damit sie nicht "heilig" werden. Im Gegenzug habe ich schon manchen Kauf aus der Frühphase aussortiert.

      Löschen
  2. Empfehlswert sind uebrigens die Wollstoffe von www.Fabworks.co.uk, die lassen ihre Wollstoffe in Irland nach ihren Vorgaben weben. Auch ihr Service ist ausgezeichnet, George schickt mir meistens noch einen Meter umsonst mit und als der Stoff nicht ganz ihren Qualitatsanspruechen genuegte hat, habe ich nachtraeglich auch noch einen Rabattgutschein bekommen! Made in EU geht also doch!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke für den Tipp. Im Moment ist mir ja weniger nach Wollstoffen - Früüüüüühling! - aber so etwas ist immer gut zu wissen!

      Löschen
  3. Ein interessanter Beitrag der viele aufgeworfenen Fragen thematisiert.
    Ich gestehe, bei mir ist es eine Mischung. Ich bekomme die für mein Empfinden kuscheligeren Jerseystoffe zum schmalen Preis am Maybach Ufer. Zahle aber auch vierzig Euro für einen Meter Seide. Das hat automatisch zur Folge, dass ich den Stoff überlegter vernähe oder vorher schon ein Projekt im Kopf habe. Und dann hat man natürlich Abfall. Das fühlt sich dann schon mal an, als würde ich bares Geld wegwerfen. Die sündhaft teure Schokolade esse ich einfach auf. Da bleibt nix unnütz übrig. ;-)
    Liebe Grüße, Sylvie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gegen die Mischung ist ja gar nix zu sagen, finde ich. Es braucht ja auch Stoff für Probemodelle und ich finde es einfach nur effizient, diese auch zu tragen.

      Hihi, das mit den Resten und der Schokolade gefällt mir. Früher habe ich jedes Fitzelchen aufgehoben, aber mittlerweile weiß ich, dass ich nicht der "ich nähe daraus ein kleines Mitbringesl"- Mensch bin und schmeiße weg, was über ist.

      Löschen
  4. Oh, da triffst Du bei mir aber einen wunden Nerv ;-) Ich bin schon extra nicht bei den letzten beiden Stoffmärkten gewesen, weil ich mich nicht von den Billigstoffen verführen lassen möchte. Teurere und bessere (Bio)-Stoffe sehe ich zwar im Netz, und hatte sie auch schon ein paar Mal im Warenkorb, kann mich dann aber nicht aufraffen, sie ohne Fühlprobe zu kaufen. Was tun? Nun ja, ich werde wohl noch etwas überlegen, bevor ich die nächsten Stoffkäufe tätige...
    LG Petra

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auf den Stoffmarkt gehe ich auch nicht. Da ist mir zu viel Aufgeregtheit und Konsumrausch. Entweder finde ich am Maybachufer Zufallsschätze oder ich kaufe gezielt im Stoffladen.

      Löschen
  5. Na klasse, jetzt ist schon zum zweiten Mal mein ganzer Text weg 😂

    Für gute Qualität bin ich durchaus auch bereit guten Preis zu zahlen. Leider ging es mir bisher immer so dass ich bei teuren markenstoffen wirklich enttäuscht war. Die Qualität entsprach letztlich nicht dem Preis... bei Anfragen bekommt man als Antwort es seien Pflegefehler. Im Gespräch mit stoffhändlern hier vor Ort wurde ich aber schon bestätigt, die kennen das Problem und haben es auch selbst, sagen aber die Kunden möchten halt diese Marke gerne im Laden haben.
    Ansonsten muss ich sagen, online kaufe ich wirklich nur Stoff wenn ich vor Ort einen bestimmten nicht mehr bekommen habe oder nicht in ausreichender Menge. Ich brauche einfach dieses anfassen und fühlen, mit dem Ballen vor den Spiegel rennen und gucken was mir am besten steht, mit dem Ballen durch den Laden rennen und an alle möglichen anderen anhalten um letztlich zum Teil völlig verrückte Kombination zu finden, die ich beim bloßen Bilder angucken bestimmt nicht entdeckt hätte. Ist aber auch ein wenig Nostalgie und ich nehme manches Mal auch gern die Kinder mit, denn für mich als Kind war Stoff kaufen mit Mama und Oma immer ein absolutes Erlebnis.
    Zu teureren Stoffen greife ich aber zugegebenermaßen eher für mich selbst und nur wenn ich den Schnitt schon kenne. Auch wenn ich Vertrauen in meine Fähigkeiten habe, in die der Schnitt Ersteller dann doch erst nachdem ich mindestens einmal genäht ( und für mich angepasst) habe ;-).
    Für Kinder lohnen sich sehr teure Stoffe oft einfach nicht finde ich - gerade weil ich so schlechte Erfahrung bei häufiger Wäsche gemacht habe. Aber ich kaufe zum Beispiel auch keine teuren Markensachen für die kleinen .... erst vor kurzem noch einen Pullover in Größe 80 gesehen für 50€ 😨Mal im Ernst, wenn ich dafür eine Garantie hätte dass es der Näherin und Färbern davon auch besser geht...vielleicht eher. Aber letztendlich weiß ich auch nicht ob gewisse Marken nicht letztlich einfach eine fettere Marge einstreichen als sogenannte Textildiscounter..
    Ist das bequem? Ja mag sein. .. aber letztlich zählt bei mir beim Stoffkauf er das Gefühl beim Anfassen und riechen. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist natürlich nen Ding, wenn Markenstoffe nicht halten, was sie versprechen. Ich glaube, ich habe noch gar keinen Markenstoff vernäht außer das Futter Nevaviscon, was ich richtig gut finde.

      Mit dem Ballen durch den Laden zum Spiegel finde ich auch absolut herrlich und notwendig. Das ist toll!

      Ich finde, für Kinder nähen ohnehin Zeitverschwendung, aber ich bin in der Hinsicht ohnehin eine Rabenmutter :-)

      Löschen
    2. Eigentlich ist das eine praktikable Einstellung. Und so etwas braucht es ja für den Alltag.
      Bei uns geht es auf andere Art praktikabel zu: wenn ich meiner Tochter viel zu große Kleidung nähe (wir überspringen immer eine Größe) und/oder wenn sie die Sachen mit Tricks (z.B. Ärmel weg lassen und Shirt drunterziehen) mehrere Jahre tragen kann. Ein bisschen ist das wie früher, als viele Ärmel und Hosenbeine gekrempelt wurden. Aber das schont meine Nerven beim Nähen und Lieblingsklamotten bleiben uns lange erhalten. Dabei sind mir zum Glück die schlechten Erfahrungen mit den Markenstoffen bisher erspart geblieben. Doch ich wurde auch von meiner Stoffhändlerin schon gewarnt.
      Liebe Grüße
      Annika

      Löschen
  6. ich glaube, ich würde es genau anders herum machen: Für Kleidung, aus man schnell herauswächst, darf es ruhig günstiger sein - Stoff für Kleidung, die ich selbst trage, darf ruhig hochwertig sein und auch mehr kosten. Schließlich möchte ich an meinen Sachen lange meine Freude haben, und ich gehöre obendrein auch nicht zu den Leuten, die ständig neue Sachen nähen. M.E. ist das ja die Crux: Da höre ich allenthalben das Lied von der Nachhaltigkeit und wieder hemmungs- und gedankenlosen Konsum, und dann lese ich, mit wieviel Stoff man mal wieder vom Maybachufermarkt nach Hause gekommen ist. Macht für mein Nähverhalten keinen Sinn, und deshalb mache ich um solche Märkte einen großen Bogen. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass die Sachen dort eine gute Qualität haben. Vielleicht taugen sie allenfalls als Übungsstoffe für Nähanfänger/innen.

    LG
    Ulrike

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ein Teil des Marktvergnügens am Maybachufer ist die Hoffnung, Zufallsfunde qualitativ hochwertiger Schnäppchen zu machen. Das ist mir schon häufiger passiert und oft sehe ich dort Stoffe, dich aus Bekleidungsproduktionen kenne (was natürlich auch kein zwangsläufiges Qualitätsmerkmal sein muss. )

      Löschen
  7. Bei mir war es bis jetzt so dass ich noch nicht genug Vertrauen in mein Können hatte. Die Anforderungen sind durch die nicht-mehr-Konfektionsgröße höher als in meiner ersten Nähphase oder in den Jahren dazwischen, wo ich für sporadische Projekte auch mal eine Traumseide für 50€ gekauft habe.
    Ich habe derzeit maximal 20€ für einen Meter Stoff ausgegeben und dann auch nur, weil ich wußte, dass das, was ich daraus mache, nicht verunglücken kann.
    Ich weiß nicht, was es ist. Vielleicht das, was wir von der Konfektion gewöhnt sind - billige, ggf. bunte, irgendwie für ein Dutzend Wäschen funktionierende Baumwoll-Stoffe, mit halbwegs okayer Haptik. Mit Wolle geht das nicht. Das preisliche Pendant zum Stoffmarkt-Stoff wären Acryl oder kratzige Schafwolle. Die mag sich doch keiner antun, vor allem, wenn die Arbeit Wochen dauert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht ist es auch eine Frage der Lebensphase und des Portemonnai-Inhaltes, wie großzügig frau beim Stoffkauf ist!

      Löschen
    2. das auf jeden Fall auch. es gab Zeiten, da taten mir 100€ für ein Kleid, das ich fünfmal anzog, nicht weh, auch weil ich es durch den Fundus, den ich hatte, in die Betriebskosten nehmen konnte.

      Löschen
  8. Textilkunde ist glaube ich dazu ganz wichtig, gutes von schlechtem zu unterscheiden.Da bin ich sehr froh an meinem Stoffhändler Otto, der mit seinen 76 doch sehr viel weiß über alle möglichen stoffarten, und da gehe ich gerne hin und lerne was dazu. Mittlerweile bin ich auch in der Lage, zwar hübschen aber billigen Schund, der nach einem Sommer also 6 Wäschen hinüber ist, liegen zu lassen.
    Ich hab sogar am Samstag Bio Stoff gekauft, das hab ich noch nie gemacht. ..aber tatsächlich weiss ich genau was es werden soll, und da kann man Scho mal über seinen Schatten springen.
    Und ich merke mein "Nähdruck " ist nicht mehr so hoch.ich gehe es langsamer an, und da arbeite ich gerne mit was gescheitem .
    Liebe Grüße
    Stella

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Der "Nähdruck" ist ein tolles Stichwort.

      Ich glaube, das gerade in einer Selbstfindungs- und Ausprobierphase durchaus auch günstige Stoffe verwand werden sollen, denn das sind letztlich dann alles Probestücke. Alle Ziele können nicht gleichzeitig verwirklicht werden und in so einer Phase geht es eben um das hohe Ziel herauszufinden, wie frau aussehen will und was sie der Welt von sich zeigen möchte.

      Textilkunde ist auch ein gutes Stichwort. Ich kenne mich durch langjährige Arbeit im Stoffgeschäft ziemlich gut aus und trotzdem kann ich bei manchen Stoffen nicht vorraussagen, wie sie sich durch Waschen und Tragen entwickeln. Gerade Viscosejersey halten da manche Überraschung bereit und ich habe bisher noch nicht die Erfahrung gemacht, das Preis das hält, was er verspricht.

      Löschen
  9. Letztendlich ist es eine Endwicklung die man beim Nähen durchläuft.
    Erst günstig und bunt. Dann hatte man verschiedene Stoffe unter der Nadel ( und in der Waschmaschine ), hat Erfahrung gesammelt und geht gezielter vor. Ein eigener Stil entwickelt sich.
    Mittlerweile nehme ich schonmal die Herrausforderung an, aus einem Qualitätsstoff ein gut verarbeitetes Kleidungsstück zu nähen.
    Und da bin ich wieder am Anfang. Um Qualität zu erkennen brauche ich Wissen und einen Händler meines Vertrauens und Erfahrung. So wie sich das mit der Zeit findet, wandern auch die Gedanken zur eigenen Figur und zum Konsumverhalten. Es wird uns viel Bewusster und daraus zieht man seine Konsequenzen. Jeder auf seine Art und Weise. So bewegt sich die Welt ;) langsam ,aber stetig!
    So ein Gedankenanstoß bringt einen nochmal auf den Punkt.
    Danke !

    Beste Grüße
    Nina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Amen! Das hast du schön gesagt! :-)

      Den "Händler des Vertrauen" greife ich gerne auf. Das ist ja wie mit dem Friseur. Als junges Ding ging ich mal hier hin und mal dort hin, mal teuer, oftmals günstig und seit ein paar Jahren habe ich meinen Friseur gefunden und bin bereit dort gutes Geld zu zahlen.

      Löschen
  10. Ich möchte behaupten, wenn man als Hobbynäherin (fast) nur Stoffe aus dem Billigsektor kauft, macht man etwas falsch. Billig und gut ist doch auf die weite Sicht nur sehr selten möglich. Höherpreisig und gut geht sehr oft zusammen, auch wenn es da Ausnahmen gibt. Selbst nähen und das Kleidungsstück nach kürzerer Zeit wegwerfen, weil es pillt/ausleiert/verblasst oder die Form verliert, kann doch nicht im Sinne der Hobbyschneiderin sein, die beim Nähen Zeit, Mühe und Nähspass investiert hat. Sicher, ich sehe, dass die Schnäppchenjagt auch irgendwie zu unserem Hobby gehört und das muss man sich auch nicht immer verkneifen, wenn man Lust darauf hat (genauso wie ich mal einen Burger esse, wenn mir der Sinn danach steht, obwohl ich Fastfood ablehne). Bei qualitätsvollen Stoffen hat man in der Regel schon mehr Spaß beim Nähen, das fertige Kleidungsstück sieht beim Tragen besser aus und hält auch länger. Natürlich spielt es auch eine Rolle, was man sich leisten kann. Aber auch hier sollte man mal eine Kalkulation auf längere Sicht machen: ein Kleidungsstück weniger und dafür bessere/teuerere Qualität bzw. das Risiko vermeiden, einen schlechten Stoff wegtun zu müssen (kein Geld gespart). Andere Aspekte, wie bio, ökologisch, faire Arbeitsbedingungen erwähne ich jetzt mal nicht, obwohl sie natürlich in meiner Argumentation auch eine Rolle spielen.
    Eines mache ich bei Onlinekäufen grundsätzlich immer: Ich fordere Muster an. Ich habe schon sehr, sehr lange keinen Stoff mehr bestellt, von dem ich nicht vorher ein Muster gesehen und befühlt habe. Die meisten Stoffhändler bieten diesen Service ja an, zur Not frage ich an, wenn es in den Online Shops nicht ersichtlich ist und bin auch bereit, Muster zu bezahlen.
    Genug, Kommentare sollten nicht länger als eine Stoffbahn sein.
    LG
    Siebensachen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dem kann ich mich nur anschließen. (Dieser Kommentar ist dann wohl knopfgroß.)

      Löschen
  11. Ein spannendes Thema, vielen Dank für Deinen Post. Ich nähe sehr gern mit Wollstoffen für Röcke, Hosen, Jacken - da bin ich meist schon froh, wenn ich überhaupt eine passende Farbe und Stoffstärke finde, so dass der Preis in den Hintergrund rückt. Wenn mir der SToff gefällt ist der Preis nicht ganz so entscheidend. Vor einiger Zeit sprach ich mit jemanden, der mal in der Stoffproduktion gearbeitet hatte. Die produzierten 100% Wollstoffe wurden für weniger als 0,50 EUR je m an die Industrie verkauft - das war zu teuer und die Produktion wurde ins Ausland verlagert. Diese Aussage habe ich im Hinterkopf wenn ich Wollstoffe für 40 EUR/m sehe. Ich sehe die Stoffläden und auch Stoffproduzenten in der Verantwortung transparent zu machen woher die Stoffe kommen, wo sie produziert sind usw. - dann bin ich auch bereit einen höhreren Preis zu zahlen. Ein einfaches Bio-Label reicht mir da nicht. Onlineshops hätten die Möglichkeit diese Angaben gut zu transportieren - hier passiert relativ wenig. Nicht mal Fashion for Designers außert sich klar und deutlich zur Produktion seiner Stoffe. Wird alles in Krefeld produziert? Was ist unter "gefertig in Europa" zu verstehen?
    Es ist prima, dass Du das Thema aufgreifst, auf diesem Weg kann das berechtigte Informationsbedeürfnis der Hobbynäher transportiert werden.
    LG Kuestensocke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huiii, das ist ja wirkliche eine große Preisdiskrepanz.

      Ich sehe das wie du, warum erklären die Läden nicht, wieso bestimmte Stoffe teuer sind - vielen Menschen würden mehr zahlen, wenn sie ein gutes Gefühl dabei haben.

      Löschen
  12. Hallo,
    Schön, dass mal jemand dieses Thema anspricht in der dt. Nähszene. Mir ist das sehr wichtig.
    Ich verwende fast ausschließlich Naturstoffe (wenn Mögl.) & achte auch auf gute Qualität. Auch wenn ich mir dann "nur" einen guten Stoff kaufen kann & nicht 5 günstige. Schnäppchen nutze ich nur für Probemodelle. Ich denke, wenn ich schon so viel Zeit, Mühe & Liebe in ein genähtes Kleidungsstück stecke, soll es auch hochwertig sein & mich lange begleiten & mich glücklich & Stolz machen es zu tragen. Und im besten Fall ethisch vertretbar hergestellt.
    Zwei Tipps:
    Beim Hersteller kaufen (z.B. Im Urlaub, wie handgefärbter & -gewebter Stoff von Bujosa auf Mallorca, oder die Tweeds aus Donegal auf Irland -> dort ist es günstiger als beim Händler - nur zwei Beispiele)
    Ich liebe den Online Shop von Anita Pavani, www.naturstoffe.de - es wird besonders auf Nachhaltigkeit, Naturmaterialien & deren Herkunft geachtet. Service ist super & es gibt auch dort immer "Schnäppchen"!
    Viele Grüße,
    Cathrin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Im Urlaub Stoff kaufen ist sowieso toll - bestes Reiseandenken!

      Eigentlich müsste es in Zeiten des Internets doch auch viel leichter sein, direkt beim Hersteller zu kaufen, überlege ich gerade...

      Löschen
  13. So jetzt komme ich auch endlich zum Kommentieren.
    Liebe Meike, toller Beitrag, ich traue mich mittlerweile auch mal teureren Stoff zu kaufen, freue mich aber trotzdem weiterhin über Schnäppchen. Da ich sehr viel Viscose- Und Baumwolljersey vernähe, konnte ich so einiges beobachten bezüglich Preis und Qualität. Das eine hat wirklich nichts mit dem anderen zu tun ist meine Erfahrung. Ich hab identische Jerseys in kleinen Geschäften für 15€ in Freiburg sogar für 22,50€ gesehen, in größeren Läden bzw Ketten für 7-10€ und auf dem Markt in Holland dann für 3-7€. Wie teuer ein Jersey ist hat mit den Einkaufsmengen zu tun und dem Druc, nichts mit der Qualität. Digitaldruck ist viel teurer in der Herstellung, weil es mehr Zeit kostet. Aber wie schnell der jersey noppt und wie dünn oder lappig er wird, hängt leider nicht vom Preis ab und man sieht es auch nicht beim Einkauf.
    LG Karin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Jersey-Erfahrung kann ich nur teilen. Ich hatte mich bei den Preisunterschieden schon gefragt, ob das nachgemachte Ware oder Fehldrucke sind. Wenn das wirklich der gleiche Stoff wäre, dann wäre das wirklich krass. Und ja, schade, dass es nicht vorhersehbar ist, wie sich der Jersey längerfristig verhält und das Preis leider keine Garantie übernimmt.

      Löschen
  14. Du spricht mir aus der Seele. Ich habe mich mit genau dem gleichen Thema heute auf meinem Blog beschäftigt und kannte Deinen Beitrag leider noch gar nicht... Ich stelle mir genau die gleichen Fragen. Vor allem: Auch wenn der Stoff teuer ist, bekommt wirklich der Arbeiter mehr Lohn? Oder verdienen einfach nur die Zwischenhändler? Mir ist nämlich was aufgefallen: die Online-Stoffläden (Buttinette, alfatex...) verkaufen oft Stoffe, die ich von Zara, Romwe, Shein und wie diese günstigen Modemarken alle heißen... Wie wurden diese Stoffe nur hergestellt??? Mindestens genauso günstig und unter menschen- und naturverachtenden Bedingungen wie viele Modeketten eben produzieren.
    Ich will in Zukunft auf jeden Fall auch mehr auf die Stoffe achten, die ich kaufe.
    Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag.
    Liebe Grüße,
    Stef

    AntwortenLöschen
  15. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich Stoffe auf dem Markt in Spanien gesehen habe, für 3 Euro, die hier dann 20 Euro kosteten. Es war derselbe Stoff.
    Auch habe ich bei Fashion for Designer erfahren, daß ihre Stoffe in einer Fabrik bei Barcelona hergestellt werden.
    Ich bin noch in der Übphase und schaue daher immer nach einem Schnäppchen, aber daß sich schlechter(nicht billiger) Stoff nicht lohnt, habe ich auch schon begriffen.
    Grüße
    Lila-cat

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.