Donnerstag, 28. April 2016

maschenfein meets crafteln - ein Interview



Auf dem Maschenfein Strick-Blog gibt es ein tolles Interview mit mir. Die klugen Fragen von Marisa inspirierten mich zu spannenden Antworten. Zum ersten Mal erzählte ich, warum Stricken und Nähen für mich ganz selbstverständlich zusammen gehört und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Mittwoch, 27. April 2016

Workshops für "Große Größen"

Früher war ich enttäuscht und wütend, dass es partout nicht das für mich an Kleidung zu kaufen gab, was ich mir wünschte. Früher haderte ich mit meinem Körper. Ich schalt mich, nicht normal zu sein und fühlte mich selbst schuld, dass es keine schönen Klamotten für mich gibt. Das Jammertal hatte ein Ende als ich lernte, Schnitte für meine Figur passend zu machen.

Oberteile anpassen für "Große Größen"

Schnitte zu vergrößern ist möglich, auch du kannst es lernen. Ich weiß, wie es geht und ich zeige es dir gerne. In meinem Workshop kümmern wir uns um alle Bereiche, bei denen ein fülliger Körper im Oberteil mehr Platz braucht. Wir machen fertige Schnittmuster zu deinem Schnitt und du nähst dir anschließend die Kleidungsstücke, in denen du dich wohlfühlst.

Klar, Schnitte zu vergrößern ist eine Fleissaufgabe. Ich lade dich dazu ein, Papier und Stift mitzubringen - das ist natürlich ein bisschen wie Schule. Aber keine Sorge, bei mir gibt es keinen langweiligen Vortrag und trockenes Lehrbuchwissen. Du bist in Action: du probierst am DIN A4 Modell aus, du machst es selbst, damit du lernst, wie es geht! Und du wirst sehen, dass das alles gar nicht so schwer ist. Wer lieber etwas gezeigt bekommt, statt sich durch ein Buch zu arbeiten, wer lieber in der Gruppe Aha-Erlebnisse hat, ist in meinem Workshop genau richtig. Anschließend nimmst du alles, was du in Zukunft zum Schnitte anpassen brauchst mit nach Hause und bist gerüstet für Kleidungsstücke zu nähen, die du wirklich magst und trägst.

Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen

Du fragst dich, ob dir das, wovon du träumst, überhaupt steht? Was ist, wenn Traum, Kopfkleiderschrank und das Bild im Spiegel noch sehr weit auseinander sind? Was ist, wenn der Frust zu groß und der Mut zu klein ist? Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, sich als dicke Frau vorzustellen, wie ein Petticoatkleid am eigenen Körper aussehen könnte und ich weiß sehr gut, wie schwierig es ist, sich zu trauen einen Gürtel zu tragen, bei dem frau den ganzen Tag das Gefühl hat, dass er den Bauch auch noch betont. Hast du Traumkleidungsstücke, die du dir nur schwer an dir vorstellen kannst? Um Kleidung zu tragen, mit der du beschwingt durch den Alltag gehst, weil du dich in ihr einfach schön fühlst, braucht es mehr, als nur ein einigermaßen gut geschnittenes Kleidungsstück. Die Kleidung von der wir träumen, die unseren Kopfkleiderschrank schon seit langem füllt, ist Kleidung in die wir manchmal erst psychisch hineinwachsen müssen. Wir sind es jahrelang gewohnt zu kaschieren und uns möglichst klein zu machen. Da ist es gar nicht so einfach, sich plötzlich schön zu fühlen und zu finden.

Seit mehr als 15 Jahren begleite ich beruflich Menschen in Veränderungsprozessen. Nun setze ich meine Coaching-Erfahrung dazu ein, dir in einem Workshop zu helfen, mit Kleidung-aus-deinen-Träumen glücklich zu werden. Bei vielen Veränderungsprozessen sind die äußeren Hindernisse sehr viel kleiner, als die, mit denen wir uns selbst gedanklich im Wege stehen. Als Coach kann ich dir dabei helfen, alte Überzeugungen und hemmende Glaubenssätze aus dem Weg zu räumen.

Beide Workshops, der Technikworkshop zum Schnitte anpassen und der Coaching-Workshop ergänzen einander. Such dir den Workshop aus, der das bietet, was gerade bei dir ansteht. Ich freue mich, dich ein Stück auf deinem Weg zu begleiten und zu unterstützen! Denn: Nähen macht Spass. Aber Kleidung nähen macht glücklich!

Für meine Workshops auf dem lille.stoff.festival gibt es noch Restkarten im Onlineshop (Für Workshopteilneherinnen sind noch Eintrittskarten für das Festival reserviert). Weitere Termine an anderen Orten folgen. 


MMM in "Jogginghose" mit Petticoat



Heute zum Me Made Mittwoch wieder das Aufzugsbeweisfoto und ergänzende Bilder, auf denen ihr die Kleidung besser sehr aus alten Blogbeiträgen.

Um dem usseligen Wetter etwas positives abzugewinnen, deute ich es um in "schön, dass ich mich in Ruhe von den Winterkleidern verabschieden kann." Heute trage ich also noch mal das 2 Jahre alte, gemütliche Frau-Kirsche-Kleid aus festem Jersey mit dicker Strumpfhose und muckeligem Petticoat. Darüber aber nur noch Hartmut, denn den Wintermantel kann ich wirklich nicht mehr sehen. Statt Strickjacke habe ich das Tuch dabei, in das ich mich im Büro einhüllen kann, wenn es mich fröstelt.



Mehr über das Kleid erfahrt ihr hier. Den Schnitt gibt es leider nicht mehr und es gab ihn auch nicht in meiner Größe. Ich habe ihn nachdem ich eine FBA machte und die Abnäher verlegte mit meinem Grundschnitt abgeglichen, bis er passte. Mehr über den Mantel namens Hartmut gibt es hier und über das Tuch dort.



Karin, die heutige Gastgeberin beim Me Made Mittwoch sieht schon sehr viel sommerlicher aus, als ich. Das Kleid würde ich auch sofort nehmen! Ich liebe Jerseys mit großen Blumen! Hach!

Montag, 25. April 2016

lille.stoff.festival 2016 - ich bin dabei!

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Es gibt noch einige wenige freie Plätze für meine Workshops - Obwohl das Festival ausverkauft ist, sind für diese Workshops noch Tagesticktes reserviert.
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Ich freue mich, dass ich endlich mit der Nachricht rausrücken kann: dieses Jahr bin ich als Workshopleiterin auf dem großem Näh-Event dem lille.stoff.festival in Hannover dabei!

Stellt euch vor: bis vor der Anfrage aus dem Hause Lillestoff hatte ich gar nicht gewusst, dass sich schon seit Jahren im Herbst in Hannover hunderte von Frauen zu einem gemeinsamen Nähwochenende treffen. Letztes Jahr waren es 1200 Frauen! 1200 Frauen, die mit ihren Nähmaschinen anreisen, um gemeinsam zu nähen, DIY-Workshops zu besuchen, sich kennenzulernen, (wieder) zu treffen und Spaß zu haben. Wahnsinn!



Wann? 
17. und 18. September 2016, jeweils 10-18 Uhr
Einlass ist an beiden Tagen bereits ab 9 Uhr

Wo?
Bayernstraße3
30855 Langenhagen (bei Hannover)

Tickets:
Tickets könnt ihr ab Dienstag Nachmittag direkt im Onlineshop von lillestoff buchen.

"Sowohl das Festival-Ticket als auch die einzelnen Workshops werden ab heute Nachmittag als einzelne Artikel (so wie die einzelnen Stoffe oder Nähkurse zum Beispiel) in unserem lille-Shop verfügbar sein und ihr müsst sie zur Buchung einfach nur in den Warenkorb legen, als würdet Ihr eine ganz normale Bestellung tätigen. 

Bitte beachtet, dass die Teilnahme an den Workshops NUR in Verbindung mit einem Tages- oder Wochenend-Festivalticket möglich ist."


Den Flyer zur Veranstaltung findet ihr hier.


Meine Workshops:

Ich biete drei verschiedene Workshops an. Workshop a und c sind Technik-Workshops in denen ihr Schnittanpassungen lernt und am DIN A4 Modell ausprobiert. Es gibt einen kleinen Workshop zum Thema FBA und einen ausführlichen, in dem ihr lernt, Schnittmuster für Oberteile aus Webware anzupassen. Alle Workshops sind insbesondere für Frauen mit größerer Kleidungsgröße konzipiert.

Workshop b ist ein Gruppencoaching, im geschützten Raum für Frauen, die Schwierigkeiten haben, sich schön zu finden, weil sie eine "Große Größe" tragen. In kleiner Gruppe schauen wir uns das Problem genauer, räumen hemmende Glaubenssätze aus und finden Lösungen, die dir helfen, dich vorteilhaft zu kleiden und dich schön zu finden.


a) Nichts klafft mehr - mit einer FBA (Full Bust Adjustment) Platz für die Brust schaffen

Level: 
Du hast schon mal ein Kleidungsstück nach Schnittmuster genäht

Wann:
WS 1a Samstag 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr
WS 3a Sonntag 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr

Preis:
22 Euro

Kursinhalt:
Du hast "ordentlich Holz vor der Hütte" und klaffende Blusen wirklich satt? Du hast einen großen Brustumfang und ärgerst dich, dass es das gewünschte Schnittmuster nicht in deiner Größe gibt?

Mit einer kombinierten Längen- und Weitenanpassung (FBA) es ganz einfach, Schnittmuster so zu vergrößern, dass genug Platz für die Brust vorhanden ist und trotzdem Rücken und Schultern nicht zu weit werden. Ich zeige, wie es geht und du übst dies Schnittveränderungen am DIN A 4 Modell, so dass du das Gelernte ausprobieren kannst und für zu Hause einen konkreten Leitfaden hast.

Bitte mitbringen:
Schere, bunte Stifte (am besten Fineliner in mind. 2. Farben), Bleistift, Radiergummi, Geodreieck (am besten 32,5 cm und Griff) Klebestift, Maßband und einen Block zum Mitschreiben.



b) Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen!

Wann:
WS 2b Samstag 15.15 Uhr bis 17.45 Uhr

Preis:
90 Euro

Du trägst eine "Große Größe", bist mollig und curvy, nennst dich "Plus-Size-Lady" oder "Rubens-Frau" und magst diese Bezeichnungen eigentlich alle nicht? Du bist nicht glücklich mit deiner Figur und möchtest trotzdem toll aussehen? Du möchtest für dich selbst Kleidung nähen, traust dich aber noch nicht so richtig oder bist mit den bisherigen Ergebnissen unzufrieden? In unserer kuscheligen Coachinggruppe räumen wir deine ganz persönlichen Hemmnisse aus, die es Dir schwer machen, dich schön zu finden.

Konkrete Tipps und Motivation bringen Dich auf den Weg, dich mit selbstgenähter Kleidung zu einer gut gekleideten Frau zu machen, die innerlich anerkennend pfeift, wenn sie ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe entdeckt. Denn Nähen macht Spaß, aber Kleidung nähen macht glücklich!

Mit meiner langjährigen Erfahrung als Coach unterstütze ich Dich dabei:
  • dich zu sehen, wie du bist und deinen Körper besser anzunehmen
  • mutig zu werden, Lust zu bekommen, sichtbar zu sein und dich zu zeigen
  • und helfe Dir dabei, dich selbstsicher, gut und schön zu finden. 
In der Coachinggruppe erarbeiten wir konkrete Lösungsmöglichkeiten, wie selbstgenähte Kleidung deiner Figur schmeicheln und dein Selbstwertgefühlt steigern kann.

Dieser Coaching-Workshop wird durch meine Technikworkshops ergänzt, in denen du lernst, wie du Schnitte anpassen kannst. 


c) Oberteile anpassen für "Große Größen"

Level: 
Du hast schon mal ein Kleidungsstück nach Schnittmuster genäht

Wann:
WS 4c Sonntag 14.15 Uhr bis 17.45 Uhr

Preis:
45 Euro

Kursinhalt:
Du hast eine "Plus-Size-Figur" und möchtest gerne gut sitzende Oberteile tragen, die deiner Figur schmeicheln, dich schön machen und dir eine gute Ausstrahlung geben? Fertige Schnitte vergrößern und für deine Maße anzupassen ist gar nicht so schwer. Ich zeige Lösungen für die typischen Probleme fülliger Frauen und du übst diese Schnittveränderungen am DIN A4 Modell. So kannst du das Gelernte ausprobieren und nimmst einen konkreten Leitfaden mit nach Hause.

Wir kümmern uns darum:
  • dass am Busen nichts mehr klafft, das Rückenteil gut sitzt und das Oberteil deine Rundungen betont
  • Schultern und Ausschnitte nicht zu weit sind
  • Ärmel nicht zu eng sitzen und du den Arm heben kannst. 
Dieser Technik-Workshop ergänzt meinen Coaching-Workshop "Großartig statt zu groß - auch du kannst in selbstgemachter Kleidung einfach toll aussehen" in dem es darum geht eine innere Haltung zu entwickeln, sich selbst schön zu finden auch wenn die Figur nicht dem weit verbreiteten Ideal entspricht. 

Bitte mitbringen:
Schere, bunte Stifte (am besten Fineliner in mind. 2. Farben), Bleistift, Radiergummi, Geodreieck (am besten 32,5 cm und Griff) Klebestift, Maßband und einen Block zum Mitschreiben.

Mittwoch, 20. April 2016

Näh Dir dein Kleid - das neue Buch von rosa p (Werbung)




Rosa p hat ein neues Buch geschrieben und mir netterweise geschickt, damit ich es mir mal anschaue. Natürlich war ich sehr neugierig darauf, liebe ich doch Jerseykleider und finde die Idee eines Baukastensystems super! Es heißt "Näh dir dein Kleid" und ist Christophorus Verlag erschienen.



Genau darum geht es. In dem Buch werden zwar 16 Jersey-Kleider (ausschließlich Jerseykleider!) genauer vorgestellt, aber eigentlich ist es ein quasi unendlicher Fundus an Jersey-Kleidern, die damit genäht werden können. Ich habe nicht ausgerechnet, wie viel unterschiedliche Modelle kombiniert werden können - Mathematikerinnen vor! - aber ich kann euch verraten, dass es

- verschiedene Rockteile gibt (A-Linien Rock, 6 Bahnen- Rock, gerader Rock und weiter Rock)
- verschiedene Ärmel (klassischer und weiter Ärmel in jeweils drei Längen)
- verschiedene Oberteile (Wickel-, Carmen- und klassisches Oberteil mit drei Ausschnittstiefen)
- eine Kapuze
- und verschiedene Taillenpassen gibt.

Alles sehr schön aufgemacht, fotografiert und gut gegliedert. Die Anleitungen sind gut geschrieben, nicht nur Anfängerinnen werden ihre Freude daran haben. Es kann also fröhlich kombiniert und zusammengebaut werden.  Klasse, oder?



Ganz großartig finde ich es, dass es die Schnitte in den Größen S - XXL gibt (wobei ich den leisen Frust dabei runterschlucken muß, dass ich wohl eine XXXL-Frau bin, die noch eine FBA machen muß, weil auch XXL laut Maßtabelle nicht passt). Ich glaube ja, dass Jerseykleider ganz vielen Frauen stehen, egal, welche Kleidergröße sie tragen - es ist alles nur eine Frage der guten Stoffauswahl und guter Passung,  dann steht der "Jogginghose in Kleidform" für fast alle Lebensbereiche, nichts mehr im Wege.




Einen kleinen Vorbehalt habe ich allerdings, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Mir ist das auf vielen Abbildungen gezeigte Taillenband zu breit oder genauer gesagt finde ich es etwas ungewohnt, dass das Rockteil (meist) auf  Hüfthöhe angesetzt ist. Mein Eindruck ist, dass das nicht wirklich vorteilhaft ist, aber vielleicht bin ich da nur meinen aktuellen Sehgewohnheiten erlegen und in Wirklichkeit ist das das neue heiße Ding.

Leider wird nicht erwähnt, ob bei den Modellen Längenänderungen im Oberteil vorgenommen wurden beziehungsweise, wie frau das machen kann. Es gibt nur einen Hinweis darauf, dass die Modelle an unterschiedlich großen Frauen länger oder kürzer als auf der Abbildung werden können. Da ist natürlich das Taillenband ideal, gleicht es doch die Größenunzerschiede aus. Wahrscheinlich stelle ich zu fortgeschrittene Fragen - die allermeisten Hobbynäherinnen werden vermutlich schöne Kleider mit dem Buch nähen, denn der Vorteil ist natürlich, dass ausschließlich Jersey genutzt wird - das passt dann schon irgendwie.





Ich finde es sehr gut, das die Kleider- und Körpergröße der Modells angegeben sind. Natürlich wäre es noch sehr viel schöner gewesen, eine größere Vielfalt an Körperformen zu sehen, aber dazu sind die Verlage bekannterweise nicht mutig genug. So bleibt den XXL-Frauen nur wieder die Aufgabe, sich vorzustellen, wie sie in so einem Kleid aussehen könnten, aber das sind die XXL-Frauen ja bereits gewöhnt und glücklicherweise gibt es Nähblogs, auf denen mit der Zeit auch Modellbeispiele mit Frauen größeren Formats zu sehen sein werden.

Ich glaube, wir werden in den nächsten Monaten in der Nähblogwelt viele Modell aus dem Buch sehen, denn das Buch ist gut geschrieben, geschickt gegliedert, hübsch aufgemacht und der übersichtliche Schnittbogen lädt zum Nähen ein. Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann ist das Buch schon jetzt erfolgreich - ich drücke rosa p die Daumen für viele weitere verkaufte Bücher, denn es ist immer toll, wenn eine aus unseren Reihen ihr Wissen zwischen zwei Buchdeckel packt und es uns zur Verfügung stellt!



Dieser Textbeitrag ist mit Werbung gekennzeichnet, weil mir das Buch geschenkt wurde, um es zu besprechen.

MMM mit grottigen Fotos


Ach, ich würde so gerne wieder häufiger beim Me Made Mittwoch mitmachen - trage ich doch täglich selbstgemachte Kleidung! Aber die Fotos sind das Problem, ich schaffe es zeitlich einfach nicht, mich mal wieder "vor die Klotür zu stellen und das Stativ auszupacken", ganz zu schweigen von tollen Outdoor-Fotosessions. 

Da ich aber überlege, dieses Jahr wieder beim Me Made May mitzumachen, habe ich heute mal versucht, Selfies zu machen, quasi als Beweis, dass ich das wirklich anhabe. Vielleicht wäre das, ergänzt mit besseren alten Bildern eine gute Möglichkeit? Immerhin interessieren mich beim MMM insbesondere die Trageerfahrungen und weniger die Neuigkeiten. 



Das Appleton-Wickelkleid ist das zweite Kleid nach diesem Schnitt aus teurem Jersey und hat sich leider gar nicht bewährt. Ich trage es zwar hin und wieder (heute vermutlich das 5. Mal), aber ich trage es nicht gerne. Ganz im Gegensatz zu Appleton-Nr1 aus billig Jersey, das ich sehr liebe. Irgendwie sitzt Nr2 nicht richtig (der Jersey ist nicht so doll elastisch) und außerdem habe ich keine passenden blauen Schuhe. Die schwarzen Schuhe dazu stören mich sehr. 

Hier seht ihr das Kleid noch mal in etwas besser fotografiert, denn am 25.11.2015 hatte ich es frisch genäht schon einmal beim MMM vorgestellt. 




Zu dem Wickelkleid trage ich ansonsten nur gekaufte Sachen: Shirt, Strickjacke, Unterwäsche und Strumpfhose. Aber der Rüschenschal (Anleitung hier) ist selbstgestrickt und die Jacke für draußen darüber ist natürlich auch selbstgemacht und heißt Hartmut. Auch die herrlich türkise Walk-Jacke ist alles andere als perfekt, aber im Gegensatz zu dem Kleid, wird sie häufig und gerne getragen. 



Beim Me Made Mittwoch gibt es ansonsten viel schönere Bilder zu bestaunen und vor allen Dingen heute mal einen Mann. Ich bin ja immer zwiegespalten, ob ich in den Jubel einstimmen soll, wenn ein Mann sich in einer Frauendomäne zeigt, aber dieses Mal freue ich mich wirklich, denn zum einen kenne ich Burkhard und weiß, was für tolle Sachen er näht und zum anderen wäre es doch einfach toll, mehr Menschen vom Nähen der eigenen Bekleidung zu begeistern - warum also nicht auch Männer! 

Dienstag, 19. April 2016

Schnittmuster anpassen #7: Passform und Zugaben



Für diejenigen, die das erste Mal hier vorbeischauen und noch keinen weitere Beitrag meiner Blogserie zum Thema Schnittmuster anpassen gelesen haben: Mir geht es darum, Mut zu machen, vor dem Zuschnitt und dem Nähen Änderungen am Schnitt vornehmen, um anschließende lange "Anpassungsorgien" zu verhindern. Traut euch, Schnittmuster zu ändern - "hacken", wie man neudeutsch sagt! 

Am Ende des Beitrags findet ihr eine verlinkte Auflistung der vorherigen Themen.

Ich tue mich ein wenig schwer zu schreiben, dass wir mit den Änderungen der Anpassungen für das Oberteil durch sind, denn das, was ich in den letzten Wochen schrieb, ist natürlich noch nicht alles. Es gibt noch tausenderlei Maßnahmen, um der dreidimensionalen Vielfältigkeit unserer Körper gerecht zu werden und im Vorfeld des Zuschnitts schon zu sicherzustellen, dass das genähte Kleidungsstück möglichst gut passt. Aber ich habe das Gefühl, dass es jetzt erst einmal genug ist und dass wir einmal Durchatmen müssen. Deswegen gibt es heute wieder Überlegungen genereller Art.





Ein bescheidenes Ziel?


Mein Ziel bei den Veränderungen am Schnitt ist vielleicht erst einmal bescheiden. Ich möchte größere  Irrtümer vermeiden (komplett die Falsche Größe gewählt und ab in den Müll), längere Anpassungsorgien vermeiden (das bringt meist sowieso nur Ärger, weil das eine das andere bedingt) und den Menschen, für die es ein gewünschtes Schnittmuster nicht in ihrer Größe gibt ermöglichen diesen Schnitt trotzdem zu nähen.

Letzteres ist meine Lernmotivation und Lerngeschichte: ich wollte Kleidungsstücke nähen, die es nicht in meiner Kleidergröße oder als Schnittmuster gibt. Ich wollte der Frage nachgehen, ob es diese Kleidungsstücke nicht gibt, weil sie schlichtweg für meinen Körper nicht funktionieren oder ob es einfach daran liegt, dass die Bekleidungsindustrie und die Schnitthersteller nicht die größer proportionierten Frauen im Blick hat. Sehr schnell hörte ich dann, dass Schnittentwicklung für große Größen schwieriger ist und lange Zeit glaubte ich das auch. Doch mittlerweile verstehe ich, woher dieses Argument kommt. Je größer ein Körper ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, die zusätzliche Weite zu verteilen. Wer in Konfektionsgrößen und Standardisierung denkt, für den sind natürlich eine Vielzahl von Möglichkeiten ein Graus. Einfach Mehrweite und -Länge zuzugeben, wie es beim Gradieren geschieht wird natürlich der Vielfalt der Körper nicht gerecht. Deswegen bin ich ab von dem Größensystem. Mich juckt es nicht mehr, in welchen Größen ein Schnittmuster angeboten wird, denn ich gehe selbstverständlich davon aus, dass ich an verschiedenen Stellen "daran schrauben muß", damit es meinem Körper passt.

Erst dachte ich, das wäre ein besonderes Problem der "großen Größen" und ich beneidete jede Größe 38 für ihren gesegneten Standardkörper - bis ich hörte, dass auch diese Frauen anpassen müssen. Vielleicht nicht alle, vielleicht nicht alle gleich viel und vielleicht nicht alle bei jedem Schnittmuster. Aber den wenigsten Menschen passen genähte Sachen ohne Korrekturen - zumindest, wenn frau höhere Ansprüche an Passform hat als "passt schon irgendwie" oder nur mit Jersey näht.

Nachdem ich mich intensiv mit dem Thema Schnittkonstruktion beschäftigte (und auch dort die Erfahrung machte, dass nach der Theorie die Anpassungen kommen) und mich mehr und mehr damit beschäftigte, meinen Grundschnitt mit Kaufschnittmustern zusammen zu basteln, kam ich irgendwann zu dem Schluss, dass das sowieso ein praktischer Weg ist: wir nehmen ein Schnittmuster, vergleichen es mit unseren Körperformen und passen es an. Je öfter wir das machen und umso besser die damit genähten Kleidungsstücke werden, umso mehr nähern wir uns so etwas wie unserem "Grundschnitt" an.

Als nächstes begann ich Schablonen zu entwickeln. Es startete mit dem Armloch und dem dazugehörigen Lieblingsärmerl. Dann entdeckte ich, dass ich bestimmte Ärmellängen bevorzuge, als nächstes widmete ich mich den Ausschnitten. Ich fand heraus, welche Oberteillänge sich für mich gut anfühlt und wo ich gerne Abnäher habe. Mehr und mehr Schablonen entwickelte ich, die ein für mich gut geeignetes Kleidungsstück nach meinem Geschmack zu nähen erleichtern. Und dann fiel bei mir der Groschen: Wenn ich den Körper in Regionen unterteile und jede Region so behandele, dass es gut ist, dann wird auch das ganze Kleidungsstück gut. Und so kam ich zu meiner Methode der Schnittanpassungen.



Bedarf und Bedürfnis

Vielleicht müssen wir in Bedarf und Bedürfnis unterscheiden? Keine Ahnung, was die echte Definition der beiden Begriffe ist (obwohl ich mich dunkel daran erinnere, dies mal im Studium gelernt zu haben) - im Zusammenhang mit unserem Thema würde ich sagen: Bedarf ist ganz klar "passend machen". Gibt es ein Schnittmuster nicht in "so groß" oder "so klein", braucht der Mensch stets mehr Platz für XXX, als in Schnittmustern, die für Normgrößen gemacht werden vorgesehen ist, dann ist das Ändern schlichtweg notwendig. Ich würde sagen, es existiert ein Bedarf. Es muss geändert werden, sonst kann das Nähen dieses speziellen Kleidungsstückes für diesen speziellen Menschen vergessen werden.

Das Bedürfnis würde ich nun noch etwas spezieller sehen. Hier geht es vielleicht um "noch besser passen". Wahrscheinlich würden Frauen mit diesen Änderungswünschen so Sachen sagen wie "normalerweise passt mir eine Größe XXX, aber ich muß immer die Ärmel verlängern" oder "normalerweise passt mir eine Größe XXX, aber ich mag es einfach, wenn der Stoff unterhalb der Brüste eng anliegt, um meine Taille zu betonen". Versteht ihr, was ich meine? Wahrscheinlich können diese Frauen jahrelang Schnittmuster einfach so umsetzen, aber es gäbe noch Steigerungsmöglichkeiten bezüglich der Passform. Dagegen ist ja auch absolut nichts auszusetzen.

Doch worauf ich hinaus will: Das, was ich unter "Bedarf" beschrieben habe, verlang in meinen Augen sofortige Umsetzung. Jede Frau soll jedes Schnittmuster für sich nähen können! Wenn es dieses nicht in ihrer Größe oder für ihre Körperform gibt, soll sie die Fähigkeiten besitzen, es für sich zu ändern. Bei den Bedürfnissen bin ich ein bisschen vorsichtiger, denn ich ahne, dass auf einmal Perfektionsansprüche an Passform auftauchen könnten, die eher lähmen, es mit Schnittmuster-Hack zu versuchen, als motivieren. Oder irre ich? Wir sind alle verschieden, vielleicht ist es auch ein Ansporn, dann will ich euch natürlich nicht bremsen!

Was ist eigentlich gute Passform?

Vor der Frage nach der guten Passform habe ich immer ein bisschen Angst und ich merke, wie ich schüchtern werde, mich mit meinen selbstgenähten Kleidungsstücken in der Welt der Menschen zu zeigen, die meinen Blog lesen. Werden sie nicht wahnsinnig hohe Ansprüche haben, wie maßgeschneidert meine Kleidung aussehen muß und maßlos enttäuscht von der Wirklichkeit sein? Ab gesehen davon, dass ich noch viele Kleidungsstücke trage, die ich vor 2, 3, 4 oder sogar 5 Jahren genäht habe, weil ich sie einfach mag, sollte man doch davon ausgehen, dass ich nun, wenn ich über Anpassungen schreibe, die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und nur noch perfektes Zeug produziere.

Nun, dem ist leider nicht so. Aber meine Trefferquote ist höher geworden und ich nähe Dinge, für die es einfach keine Schnittmuster in meiner Größe gibt. Ich trau mich einfach und ich kann damit leben, auch Kleidung zu tragen, die nicht perfekt ist. Aber ich produziere (fast) keine Ufos, weil sie - ups - nicht passen oder ich mich nicht darin bewegen kann!

Keine Regel ohne Ausnahme. Natürlich passiert es auch mir immer wieder, dass ich einfach drauf losnähe, statt mir vorher in Ruhe das Schnittmuster anzuschauen. Erst vor ein paar Wochen nähte ich einen Strickjackenschnitt zur Probe ohne vorher etwas zu ändern - ich war so mutig, weil ich sie bei einer Freundin bereits in kleinerer Größe probiert hatte und mich nun für eine größere Größe entschieden hatte und auf die Vorteile des Strickstoffes hoffte. Ich nähte mit billigem - leider wenig elastischem - Strickstoff einfach drauf los und musste lernen, dass wie sonst auch, eine FBA im Vorfeld nötig gewesen wäre. Glücklicherweise war es nicht schade um den billigen Strick, dessen Farbe mich nach dem Waschen ohnehin nicht mehr überzeugte. Aber ärgerlich ist so ein Aufwand schon, auch wenn es sich nur um ein Probestück handelte.

Wenn ich bei anderen über Anpassungen nach dem Nähen lese oder Menschen beobachte, wie sie ein genähtes Kleidungsstück weiter und weiter abstecken und optimieren, dann werde ich oft ganz ehrfürchtig und gleichzeitig weiß ich, dass ich für solch einen Perfektionsgrad viel zu ungeduldig bin.  Im Laufe meiner Beschäftigung mit der Frage nach guter Passform, stellte ich vielmehr fest, dass es in meinen Augen sogar sinnvoll sein kann, die Perfektion nicht als höchstes Ziel zu haben, denn Kleidung ist gemacht, um darin zu leben. Mein Lieblingsbeispiel mit der Sitz und der Stehhose gehört zu dieser Betrachtungsweise. Wir müssen einfach oft Kompromisse machen zwischen dem, was gut funktioniert und der idealen Silhouette.

Und je mehr ich darüber nachdachte, fragte ich mich, woher mein Gehirn und meine Augen eigentlich wissen, was die "ideale Silhouette" ist. Lerne ich das von gefotoshopten Bildern? Oder vielleicht von Schaufensterpuppen, deren Klamotten hinten mit Stecknadeln zusammengesteckt werden? Und sehen die echten Menschen, deren Figur ich klasse und deren Kleidungsstücke ich als passformgerecht bezeichnen würde immer gut aus? Auch wenn sie sich bücken? Oder sitzen? Wenn sie wieder aufstehen? Oder wenn sie rennen? Welche Bilder habe ich gespeichert? Und passen die überhaupt zu meinem Leben?

Wie sieht Kleidung aus, die ich als "macht ne gute Figur" oder  "hat ne gute Passform" einschätze? könnte es nicht sein, dass diese manchmal nur vermitteln, "gute gemacht" zu sein und beim genaueren Hingucken genauso viele "Fehler" enthalten, wie das, was ich für mich nähe? Vielleicht gibt es ein paar Tricks, die unsere Sehgewohnheiten in Hinblick auf gute Passform befriedigen? Ich vermute schon.


Trick 17 - Schummeln für die gute Haltung

Ist euch schon mal aufgefallen, dass Männer in Anzügen unheimlich schneidig aussehen? Und ist euch schon mal aufgefallen, dass Blazer in der Regel Schulterpolster haben? Das ist der Trick! Ich rede jetzt nicht von Denver-Clan und 80er-Jahre-Schulterpolstern, sondern von kleinen formgebenden Hilfsmitteln, die sehr viel ausmachen und einem Kleidungsstück das gewisse Etwas geben können, dass euch einfach besser aussehen lässt. Aber Vorsicht, ihr könnt nicht einfach überall Schulterpolster einbauen, denn sobald ihr ein Schulterpolster einlegt, verringert sich die Größe des Armloches - also besser im Schnittmuster vorher schon mal Platz für die Polster vorsehen!



Schulsterpolster lassen eure Figur aufrechter wirken (Stichwort Buckel und hängende Schultern), Schulsterpolster geben einen Ausgleich zu repräsentativer Oberweite. Wenn es nicht gerade Sofakissen sind, die auf die Schulter geschnallt werden, mag ich bei Webware die Wirkung von Schulterpolstern. Wenn ich ein Kleidungsstück nähe, das mich ein wenig offizieller machen soll, das ich beruflich tragen will, mit dem ich Eindruck schinden möchte, verändere ich den Schnitt im Vorfeld gerne so, dass Schulterpolster eingebaut werden können.

Umgekehrt funktioniert das auch: Habt ihr ein Kleidungsstück genäht, das irgendwie zu weit und schlabbrig ist, bei dem die Schultern nicht gut passen, der Brustpunkt zu tief sitzt und der Rücken Falten schlägt, versucht es mal mit einem kleinen Polster. Es könnte sein, dass das schon die Lösung eurer Probleme ist.

Gute Passform ist eine Frage der Sehgewohnheiten. Wenn ein gut sitzendes Jackett unser Maßstab für gute Passform ist, dann wird es schwer, im Jerseykleid zu punkten. Das Jerseykleid zeigt möglicherweise jedes Röllchen und den Körper so, wie er ist - da hilft nur gute Unterwäsche! Es ist gar nicht so leicht, z.B. einem Kleid genau so viel Wow-Effekt hinzuzaubern, wie einem Jackett. Es fehlt das hier modelliert und das dort verstärkt - es sei denn, ihr mögt genau diese Verarbeitungsweise auch bei Kleidern.

Hingucker sind die Lösung

Wer weder Unterwäschepanzer tragen noch luftige Kleidung aufpolstern will, der helfen nur Hingucker, um die Idee guter Passform zu unterstützten. Also Designdetails, die hier betonen und von dort den Blick weglenken. Dabei denke ich an senkrechte Linien wie Teilungsnähte, die den Körper optisch strecken oder einen Gürtel in der Taille, der den Blick von Anderem ablenkt.

Wenn ihr wie ich einfach nicht perfekt seid, dann ist es günstig, wenn eure Kleidungsstücke einen Hingucker haben. Ich vermute, das ist der Hauptgrund, wieso so viele Frauen auf tolle Muster stehen. Wenn ein Kleidungsstück aus einem tollen Stoff gemacht ist, einer augenfälligen Farbe, einem hinreißendem Muster, dann haben alle Menschen nur noch die Augen dafür. Ein schlecht eingesetzter Ärmel fällt nicht auf, wenn die Farbe zum niederknien ist.

Bewegungszugabe und Designzugabe

Aber ich komme vom Thema ab. Wir sind beim Thema Schnittmuster anpassen und da haben wir uns ja schon im Vorfeld für ein Design entschieden. Kommen wir zurück zur Theorie und behandeln noch einen Aspekt, der ganz wichtig zum Thema Anpassungen ist: die Zugaben.

Ein Kleidungsstück sitzt niemals wie eine zweite Haut.

Glücklicherweise. Wer will schon eine Wurstpelle tragen!

Ein Kleidungsstück ist immer etwas weiter und diese Weite wird mit Zugaben erreicht. Bewegungszugaben sind Erfahrungswerte und werden von den Grundschnittsystem (oft als Spannweite von ... bis) vorgegeben.

Design-Zugaben sind Entscheidungs- und Geschmackssache und eine Frage der Mode. Es gibt Schnittmuster, die gute Designbeispiele zeigen oder Angaben darüber enthalten, wie lässig ein Kleidungsstück sitzen soll. Das ist nicht unerheblich, denn die Maßtabelle enthält schließlich Körpermaße. Ein paar Zentimeter mehr, machen einen erheblichen Unterschied. Wenn ihr Glück habt, sind die Maße des fertigen Kleidungsstück auf dem Schnittmuster angegeben, aber auch da braucht es etwas Phantasie, um herauszufinden, was sie für euch bedeuten. Viel sinnvoller finde ich, wenn ihr euch selbst überlegt, wie viel Zugabe ihr für das Kleidungsstück wo braucht und zum Beispiel ähnliche Kleidungsstücke als Vergleichsquelle zu Rate zieht.

Es ist die Designerin oder der Designer, die sich noch überlegen, an welcher Stelle ein Kleidungsstück noch ein wenig lässiger sein darf oder eben auch nicht. Doch wenn du nähst, bist du der Designer!  Du entscheidest, ob du den Vorgaben des Designs folgst oder dein ganz persönliches Kleidungsstück zauberst!




Bewegungsdetails

Wir bewegen uns und stehen selten so ordentlich da, wie auf den Fotos, auf denen wir stolz unsere neuen Werke präsentieren. Und das ist gut so. Kleidung sind für das Leben gemacht - wie ätzend wäre es, wenn wir unser Leben unserer Kleidung anpassen müssten!

Kleidung muss funktionieren. Die schönste Hose, in der wir nicht sitzen können ist eigentlich für den Müll. Sitzen, Armheben, Bücken, Hocken... Kleidung muss vieles mitmachen und dazu braucht es Weite. Kleidung, die nicht elastisch ist, darf einfach nicht "wie angegossen" sitzen, sonst können wir uns nicht bewegen.

Das ist vermutlich der Grund für den Siegeszug des Jerseys.

Jersey geht mit. Jersey dehnt sich und wenn er genügen Rücksprungskraft an, dann ist er anschließend nicht ausgeleiert, sondern flutscht wieder dorthin, wo er sein soll. Es wundert mich nicht, dass Jersey so beliebt ist.

Aber manchmal ist Webware eben auch schön. Es ist möglich, mit Webware, mit unelastischem Stoff passformgenaue Kleidung zu nähen, die die Körperkonturen umschmiegt und nachzeichnet und trotzdem Bewegungen zulässt - aber dieses Umschmiegen ist eben kein Engtanz! Ein bisschen Weite muß sein und ein cleverer Schnitt.

Und nicht zuletzt braucht es ein bisschen Toleranz. Wenn der Stoff sich schon nicht tolerant verhält, dann mußt du die Vernünftige sein. Es geht viel, aber es geht nicht alles mit unelastischem Stoff.

Seid realistisch und nicht perfektionisitisch.

Du entscheidest deinen Look. Du musst dich entscheiden. Du darfst!

Über Fragen, Ergänzungen und Ideen würde ich mich sehr freuen! Schreibt sie entweder in die Kommentare oder einen eigenen Blogartikel. Dazu dürft ihr auch gerne das Bildchen zur Serie mitnehmen. Ergänzende Blogartikel verlinke ich nachträglich hier in diesem Beitrag. 

Bisherige Beiträge der Serie:

  1. Grundlagen und Längenänderungen
  2. FBA und SBA - kombinierte Längen- und Weitenänderung im Oberteil
  3. Fortsetzung FBA und Abnäher verlegen
  4. Einen Schritt zurück
  5. Änderungen am Rückenteil
  6. Ärmel und Amloch

Montag, 18. April 2016

In guten Stoff investieren

Warum kostet Stoff, was er kostet? Warum fahre ich auf Markt-Schnäppchen ab? Warum finde ich Bio-Stoffe toll und kaufe sie nicht? Warum investiere ich mein gutes Geld nicht in guten Stoff? Während Strickerinnen anscheinend alles dafür geben, nur das Beste vom Besten zu verarbeiten, in Kaschmir und Seide schwelgen, die Handfärberin und das Schaf am liebsten persönlich kennen, habe ich bei uns Hobbynäherinnen manchmal das Gefühl, dass wir zwar schöne Stoffe lieben, aber vor hohen Materialpreisen zurück schrecken.

Woran liegt das? Vertraue ich so wenig auf mein Können, dass mir das Risiko zu hoch erscheint, viel Geld für Material auszugeben? Ist es der Dreiklang aus Materialqualität, Farbe/Muster und Schnitt der das Endergebnis beeinflusst und deswegen spielt die Qualität nicht die Hauptrolle?  Ist es der Jagderfolg, etwas ganz Besonderes, was sonst keine hat, der uns bei Marktkäufen reizt? Geht es den anderen Hobbyschneiderinnen auch so? Werden wir von schmeichelnder Farbe und originellen Mustern verführt, bis wir uns willenlos ergeben? Sind wir so geflasht von dem Gesamteindruck des fertigen Werkes, dass wir gar nicht so sehr ins Detail gehen? Geht Nähen so viel schneller als Stricken, dass wir unser Budget auf mehr Projekte verteilen müssen als die Strickerinnen?

Ich muss mich da an die eigene Nase fassen. Auf der einen Seite denke ich, dass ich gerne bessere Stoffe verarbeiten würde: Stoffe, die unter guten Bedingungen produziert wurde, bio-zertifizierte Zutaten und menschenwürdige Herstellungsprozesse. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen bei dem Gedanken, wieviele Kilometer das Material durch die Welt gefahren ist, bevor es von mir verarbeitet wird. Immerhin tröstet es mich ein bisschen, dass ich wenigstens einen Teil der miesen Herstellungsbedingungen übernehme, wenn ich ein Kleidungsstück selbst herstelle. Aber reicht das? Letztlich ist das alles Theorie. Es ist ein frommer Wunsch von mir, mit besseren Stoffen zu arbeiten und dann lasse ich mich doch wieder von Schnäppchen verführen. Natürlich wünsche ich, es gäbe eine größere Auswahl an "fairen" Stoffen, doch statt diese zu kaufen, kaufe ich auf dem Markt. Ich nähe ein Kleid nach dem anderen, statt in "das Eine" zu investieren. Das Stofflager wächst, weil es so einfach scheint, die Träume zu realisieren. Mache ich mir mit den Wünschen nach Stoffen besserer Qualität etwas vor?

Das liegt auch an meiner Kleidergröße. Würde ich Babyklamotten nähen, würde ein Meterpreis über 30, - oder mehr Euro nicht so sehr ins Gewicht fallen. Bei meinen üblicherweise gekauften 3 m sehr wohl. Oder ist das nur eine Ausrede? Wenn ich mir einen Mantel nähe, den ich über Wochen und Monate trage, wenn ich ein Kleid für einen bestimmten Anlass nähe oder aber einen Rock, von dem ich hoffe, dass er viel getragener Lieblings meines Kleiderschrankes wird, dann könnte ich doch eigentlich auch einen Betrag X für Material ausgeben, der zwar über den Preise von fertigen Billigklamotten liegt, aber immer noch weit unter dem, was hochpreisige Anbieter verlangen. Habe ich nicht genügend Vertrauen in meine handwerklichen Fähigkeiten oder mein Geschickt bezüglich der Kombination von Stoff und Schnitt? Oft habe ich Angst, dass das, was ich mir zusammengeträumt habe, zusammengenäht an mir nur halb so toll aussieht. Aber was wäre, wenn ich nach dem Probekleid einmal ordentlich investieren würde?

Wenn ich teure Stoffe sehe, zögere ich. Warum ist der Stoff, den ich in der Hand habe so teuer? Liegt es an dem schnuckeligem Geschäft in bester Lage, das natürlich mit den Preisen des Marktes am Maybachufer nicht konkurrieren kann? Was rechtfertigt einen hohen Preis. Ist es das Material? Klar, Seide ist teuer. Aber warum gibt es auch billige Seiden und warum so teure Baumwolle? Wer sagt mir, dass dieser Stoff wirklich wert ist, was der Preis verspricht? Ich finde noch nicht mal Markennamen, denen ich vertrauen kann. Ich muß mich auf mein Gefühl verlassen, wenn ich den Stoff anfasse, darauf vertrauen, dass die Angaben über die Zusammensetzung des Materials (sofern es sie gibt) stimmen und darauf vertrauen, dass die EinkäuferInnen gute Arbeit beim Ertrüffeln der Schätze gemacht haben und fair ihre Verkaufspreis kalkulieren.

Früher, als wir nur ins Stoffgeschäft um die Ecke gingen blieb uns gar nichts anderes übrig, als dem Stoffhändler zu vertrauen. Wir kauften, was es gab und bezahlten - manchmal mehr oder weniger zähneknirschend - den Preis, der auf der Ware stand. Die Auswahl war begrenzt, wir nahmen, was es gab. Doch jetzt gibt es das Internet mit seinen quasi unbeschränkten Einkaufsmöglichkeiten. Wir können aus der ganzen Welt bestellen, wir können Preis vergleichen und wir tun es auch  - auch wenn wir dabei auf den schönsten Aspekt des Stoffekaufens verzichten: das sinnliche Streicheln der Stoffe, das Anhalten und fließen lassen - wir bestellen und hoffen, dass das, was wir bestellt haben, schon zu irgendwas taugt. Der niedrige Preis lässt uns dieses Risiko ertragen. Doch mein Gefühl sagt mir, dass es einfach nicht sinnvoll sein kann, einen Preiskrieg zu unterstützen. Irgendjemand bezahlt immer den Preis.

Ich möchte verantwortungsbewußter kaufen und gut investieren. Irgendetwas muß ich tun, um Vertrauen zu gewinnen. Bei Investitionen braucht es ein gutes Gefühl.  Ich glaube, ich brauche mehr Informationen. Gerade, weil ich immer weniger Zeit zum Nähen finde, sollte ich lieber langsamer nähen, sorgfältiger und dafür mit besserem Material. Und ich sollte endlich mir und meinen Fähigkeiten mehr vertrauen. Vertrauen ist der Schlüssel!

Freitag, 15. April 2016

Die Gedanken fliessen beim Nähen

Kennen wir uns irgendwoher?

Gestern habe ich zum ersten Mal seit langem wieder genäht. Ich hatte das Gefühl, dass mein Nähmaschine mich siezt und die Overlock musste erst mal auf sommerliches weiß umgefädelt werden. Ich hatte schon vor ein paar Tagen damit begonnen, wieder ins Nähen einzusteigen: Einlage aufgebügelt, fehlende Teile zugeschnitten und auf den Moment gewartet, an dem ein Zeitfenster mal groß genug wäre, um beide Maschinen aufzubauen. Gefühlt hatte ich zwei Monate lang nichts genäht. Das stimmt glaube ich nicht, denn ich habe zwischendurch eine Strickjacke-für-die-Tonne, eine Strickjacke und ein Kleid genäht, die ich auch beim MMM zeigte. Aber gefühlt war ich die letzten zwei Monate krank und kam zu gar nix. Jedenfalls hängen das unfertige Winterkleid, das ich bei der Annäherung nähte und der unfertige Wollrock, nun ungesäumt im Schrank und wartet auf den Herbst.

Als ich gestern nähte, fragte ich mich, wie lange ich eigentlich für so ein Hemdblusenkleid brauche. Es sind ja schon viele Schritte: Schnitt basteln, Zuschneiden, Einlage aufbügeln, grob zusammennähen, versäubern, Ärmel einsetzen, Details wie Kragen nähen, Knöpfe und Knopflöcher und nicht zuletzt der Saum. Ich habe seit Ewigkeiten keinen freien Tag mehr für mich gehabt, an dem ich so ein Projekt zügig runternähe und auch in Zukunft, sind wenn dann eher "Näh-Häppchen" in Sicht. Wie lange brauche ich dann für so ein Kleid. Ist es nicht quatsch, von diversen farblichen Variationen zu träumen (und Stoff dafür gekauft zu haben), wenn ich ohnehin nicht zum Nähen komme?

Auf weiß gefädelt für Sommerkleider

Und dann erinnerte ich mich daran, wie routiniert und schnell ich letztes Jahr genäht hatte. Anfang des letztens Jahres hatte ich mir für das Nähen Zeit genommen, denn genau vor einem Jahr, im April 2015, war ich in Berlin für die Fernsehaufnahmen für "Geschickt eingefädelt". Damals hätte ich gesagt, "Ach, in 6-8 Stunden tackere ich dir so ein Kleid zusammen". Die Chuzspe und die Routine sind mir seit dem irgendwie abhanden gekommen. Aber ich habe ohnehin keine ungestörten 8 Stunden.

Meine Gedanken konnten sich von dem Thema gar nicht losreißen. Was war das für eine verrückte Aktion letztes Jahr! Ab gesehen davon, wie schwer es war, sich für einen kompletten Monat von der Familie und den beruflichen Verpflichtungen freizuschaufeln und wochenlang vorher zu üben, bis die Nadeln qualmten. Wir nähten damals, als gäbe es nichts anderes im Leben. Fast täglich gingen wir in das Haus, in dem die Sendung gedreht wurde und nähten und nähten und nähten. Es war eine geschlossene Gesellschaft, völlig getrennt durch Zeit und Raum von dem normalen Leben. Verrückt.

Gestern beim Annähen des Kragens an mein Hemdblusenkleid, machte ich viele Fehler und nähte alles andere als routiniert. Kein Wunder, wenn der Kragen nur schlecht dran passt, wenn ich vergessen habe, rechtzeitig eine Stütznaht in den Halsausschnitt zu nähen! Der Stoff verzeiht viel, allerdings auch eher nicht, dass ich den Kragen aus versehen mit Nahtzugabe zugeschnitten habe - die 70er Jahre sind zurück! Mal schaun, ob an dem Kleid noch etwas zu retten ist.

Trotzdem, es hat mir gut getan und Spaß gemacht, mal einen halben Tag blau zu machen und einfach zu nähen. Ich habe in letzter Zeit viel zu viel gearbeitet. Ich sollte öfter mal wieder nähen und dann werde ich auch wieder schneller und besser und der Traum von mehreren neuen Hemdblusenkleidern in verschiedenen Farben ist gar nicht mehr so absurd. Ganz abgesehen davon, dass mir die kontemplative Beschäftigung gut tun würde und ein neues Kleid einfach gute Laune macht.

ein bisschen pervers: ich mag Ärmel einsetzen!

Mittwoch, 13. April 2016

Bitte gebt mir eure Stimme!




Ich freue mich sehr, dass die Einreichung meines Vortragentwurfes bei der GLS Bank-Aktion "re:cycle your session" erfolgreich war und ich zu den 10 Nominierten gehöre.

Ähnlich, wie bei meinem Vortrag auf der nebenan-Konferenz (hier gibt es das Video), möchte ich über Nähbloggen vor Menschen sprechen, die mit dem Nähen möglicherweise wenig oder gar nichts anfangen können, denn ich bin nach wie vor begeistert davon, welche Chancen unserem "Special-Interest-Bloggen" inne wohnen.

Jetzt brauche ich eure Unterstützung!

Nur 3 von 10 Vorträge dürfen am 3. Mai bei der die re:publica begleitenden Veranstaltung gehalten werden und welche das sein werden, darüber wird abgestimmt. Ich finde die anderen Vorschläge auch wahnsinnig spannend, aber dennoch oder gerade deswegen würde ich gerne an diesem Abend in Berlin sein und meinen Vortrag halten.

Es würde mich sehr freuen, wenn ihr für mich abstimmen würdet und noch mehr, wenn ihr am 3.5. auch kommt! (kostenlose Tickets für die Veranstaltung gibt es hier)

Hier geht es zur Abstimmung ---> Klick!

Bis zum 20.4. ist das Abstimmungstool geöffnet.

Das nächste Vortragskleid ist schon zugeschnitten - und darüber möchte ich reden:


Nutze die Macht! Blogge!
Lasst uns über das Bloggen reden. Immer noch und immer wieder! Blogs sind lebendig und zahlreich. Es gibt viele Blogosphären, ja viele und das ist gut so. Wir sind die Produzentinnen, wir sind das Netz! Was kümmern uns Klischees, Normen und Erwartungen – wir bloggen, wir sind autonom. Blogs funktionieren individuell und kollektiv. Blogs sind Raum für Entwicklung und Haltung. Bloggen ist rumnerden und die Welt verändern. Bloggen ist DIY. Lasst uns bloggen, denn Bloggen ist Selbstermächtigung!
Todgesagte leben länger. Hinz und Kunz bloggt, denn Bloggen ist im Mainstream angekommen und das ist gut so! JedeR kann ProduzentIn von Inhalten werden, seien sie auch noch so speziell. In den Weiten des Internets finden sich Fans und bilden sich Nischen – gut funktionierende Ökosysteme, tausenderlei „Darkwebs“, gut versteckt und wenig beachtet. In Themenblogs wird gnadenlos herumgenerdet. Schaut hin, denn es lohnt, mal über den Tellerrand zu schauen. In Themenblogs geht es um mehr, als um Themen.
Es geht um Menschen! Ohne Türsteher bloggen die unterschiedlichste Menschen, stellen sich in Bezug zu ihrem Thema und lassen andere an ihrer Entwicklung teilhaben. Das ist großartig, denn zur ProduzentIn zu werden, macht unabhängig, stark und selbstbewusst. Das gilt bei DIY-Blogs im doppelten Sinne. Dinge für sich selbst zu produzieren, sich zu trauen, sich im Zusammenhang mit den Werken im Internet zu zeigen, sich miteinander zu vernetzen, gemeinsam Themen weiter zu denken, schafft nicht nur Inhalte sondern ganz nebenbei eine Haltung. Unabhängig von vorgegebenen Normen und Werten, gut vernetzt und in großer Zahl – im konstruktiven Miteinander schaffen wir unsere eigene Welt. Wertschätzendes Klima macht es uns möglich, uns zu zeigen, uns zu verändern und gemeinsam etwas ganz Neues zu schaffen. Wir sind eine Bewegung.
Lass dich von den DIY-Blogs inspirieren, denn es geht es um weit mehr, als nur um schöne Klamotten: eine Kultur des Miteinanders macht es möglich, ein Selbstbild zu produzieren, das sich von den medialen Vorbildern deutlich unterscheidet und Kraft zu entwickeln, die sich in andere Lebensbereiche überträgt. Sei Pippi statt Annika, nutze die Macht, raffe dich auf und blogge auch mal wieder.

P.S. Und mein eigentlich für gestern geplanter Beitrag zu den Schnittmusteranpassungen kommt noch. Morgen vielleicht, aber allerspätestens nächsten Dienstag!

Freitag, 8. April 2016

Mit "Nählust statt Shoppingfrust" on the road!

Foto: isabellewistuba.de

Hach, eine Lesereise wollte ich schon immer mal machen, von Städtchen zu Städchen tingeln und flächendeckend die Leute von meiner Mission "Kleidung nähen macht glücklich" zu begeistern. Eine wochenlange Lesereise wäre natürlich sehr anstrengend und familiär gar nicht so leicht zu organisieren, aber hin und wieder eine Lesung finde ich super!

Als nächstes kann sich die Mitte Deutschlands auf mich freuen. Folgende Termine habe ich für die nächsten Monate mit dem Buchhändler Weltbild, Tine Wittler und ihrem Kulturcafé Parallelwelt sowie Schwalb e.V., einem Verein, der die Stadtteilbibliothek in Frankfurt Schwanheim unterstützt, vereinbart:

Merkt euch schon mal die Termine vor und meldet euch an, wenn ihr im Mai oder Juni kommen wollt - die Plätze sind begrenzt! Für die Herbsttermine ist eine Anmeldung vermutlich zu früh - ich erinnere euch nach den Sommerferien noch mal daran. 

Ich freue mich schon, euch zu sehen, aus meinem Buch zu lesen, von meiner Mission zu plaudern und euch Bücher zu signieren. Kommt alle!

Mai
20.5. Schwetzingen 
um 16 Uhr bei Weltbild, Mannheimerstr. 11, 68723 Schwetzingen, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter  06202-12 71 86,  Eintritt frei

21.5. Bad Kreuznach
um 11 Uhr bei Weltbild, Mannheimerstr. 135, 55543 Bad Kreuznach, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter 0671-48 20 83 3, Eintritt frei

Juni
9.6. in Hamburg
um 20 Uhr in der Parallelwelt, Gärtnerstraße 54 in Hamburg, Eintritt nach Ermessen der Hut geht rum, Anmeldungen für die Gästeliste  an fraucrafteln ät gmail punkt com

Oktober
19.10 Frankfurt
um 20 UHR in der Stadtteilbibliothek Schwanheim, Alt Schwanheim 6, 60529 Frankfurt, Eintritt 3 €

20.10 Aschaffenburg
um 19 Uhr bei Weltbild, Sandgasse 20, 63739 Aschaffenburg, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter 06021-21 92 13, Eintritt frei

21.10. Fulda 
um 16 Uhr bei Weltbild, Borgiasplatz 1, 36037 Fulda, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter 0661-24 29 85 4, Eintritt frei

22.10. Bensheim 
um 14 Uhr bei Weltbild, Marktplatz 20, 64625 Bensheim, Anmeldung in der Filiale oder telefonisch unter 06251-84 95 89, Eintritt frei

Aktuelle Veranstaltungshinweise findet ihr ab sofort auf der Extraseite hier im Blog. 











Mittwoch, 6. April 2016

Schnittmuster anpassen #6: Ärmel und Armloch



Für diejenigen, die das erste Mal hier vorbeischauen und noch keinen weitere Beitrag meiner Blogserie zum Thema Schnittmuster anpassen gelesen haben: Mir geht es darum, Mut zu machen, vor dem Zuschnitt und dem Nähen Änderungen am Schnitt vornehmen, um anschließende lange "Anpassungsorgien" zu verhindern. Traut euch, Schnittmuster zu ändern - "hacken", wie man neudeutsch sagt! 

Schnittmuster sind für Durchschnittskörper gemacht. Da aber jede von uns irgendwie anders ist, kommen wir um Anpassungen nicht herum. Ich glaube fest daran, dass das Erfolgserlebnis überzeugender ist und schneller kommt, wenn im Vorfeld des Nähens das Schnittmuster angepasst wird. Anpassungen am Kleidungsstück braucht es anschließend meist auch noch - jede Maßschneiderin bittet ihre Kundinnen zur Anprobe. Aber sich vorher ein Schnittmuster im wahrsten Sinne des Worte "zu eigen" zu machen, macht anschließend weniger Anpassungen nötig. 

Lust, mehr über Schnittmusteranpassungen zu lernen. Dann schau doch mal, ob es gerade aktuelle Workshop-Termine bei mir gibt! 


Heute geht es um Ärmel und das Armloch. Ein guter Ärmel und ein gutes Armloch sind wichtig für ein gut passendes Kleidungsstück.  Gerade beim Ärmel zeigt es sich, ob ein Kleidungsstück funktioniert. Ich empfinde es als notwendige Bedingung, meinen Arm heben zu können, um mich an einer Stange im fahrenden Bus festhalten zu können. Dazu ist ein gutes Armloch und ein guter Ärmel wichtig. Wenn ihr einmal eine gute Kombination aus Armloch und Ärmel gefunden habt, jubiliert und haltet diesen Schatz gut fest!

Ich ändere gar nicht so viel an Ärmel und Armloch, denn ich habe glücklicherweise ein paar gute Ärmel bei Schnitten entdeckt, die ich immer wieder nutze. Aber bevor das so war, hatte ich immer ein großes Problem: am Oberarm waren mir die Ärmel zu eng und das war wirklich ärgerlich!

Auch für Ärmel gibt es Moden!

Wer nicht selbst näht, schenkt Ärmeln vermutlich wenig Beachtung. Klar, die Unterscheidung zwischen kurzen Ärmeln und langen Ärmeln dürfte allen Menschen bekannt sein und viele werden auch mit dem Begriff "Puffärmel" etwas anfangen können. Aber meint ihr, ansonsten wird genauer hingeschaut? Wie viele Menschen in eurem Bekanntenkreis können die Ärmel ihrer Kleidungsstücke beschreiben. Wissen sie, wie weit oder eng die Ärmel sind, wie hoch oder flach die Armkugel oder ob es sich um einen Ein- oder Zweinaht-Ärmel handelt? Vermutlich Wenige!

Mir ist irgendwann vor dem Nähen einmal aufgefallen, dass sich manche Ärmel komisch anfühlen. Es brauchte eine Weile, bis ich heraus hatte, was es war und ich glaube, so richtig verstanden habe ich es erst, als ich mich mit Schnittkonstruktion beschäftigte: es gab Ärmel, die ich als zu eng oder zu weit empfand und zwar nicht deshalb, weil sie am Körper schlackerten oder mir Bewegung unmöglich war. Manche Ärmel fühlten sich "nicht richtig" an, weil sie unmodern waren. Hätte man mich gefragt, hätte ich gar nicht gewusst, welche Ärmelformen gerade in Mode sind, aber seit dem ich weiß, dass auch Ärmelformen Moden unterliegen, komme ich gar nicht mehr darum diese Irritation wahrzunehmen, wenn Ärmel irgendwie zu weit oder zu eng sind.

Aber gleichzeitig weiß ich mittlerweile auch, dass schöne Kleidung so gut passen muß, dass Leben und Bewegung möglich sein muss. Früher war ich extrem dankbar, wenn ich ein schönes und zumindest einigermaßen passendes Kleidungsstück kaufen konnte. Heute bin ich da schon etwas anspruchsvoller. Und gleichmeraßen, wie ich gelernt habe, dass Bequemlichkeit bei Schuhen durchaus ein Merkmal ist, dass ich oftmals der scheinbaren Schönheit vorziehe, habe ich bei Kleidung gelernt, Bewegungsfreiheit zu schätzen und auch mal Abstriche bei der Mode zu machen.

Es gibt Moden für Ärmel und Armlocher und unser Auge ist eine bestimmte Silhouette gewöhnt. Das verleitet uns dazu, in gute oder schlechte Ärmel zu unterscheiden. Ich möchte aber euer Augenmerk auch darauf richten, dass gute Ärmel nur gute Ärmel sein können, wenn ihr euch in dem Kleidungsstück bewegen könnt - manchmal heißt es dann, sich von bestimmten Augengewöhnungen und Ansprüchen zu verabschieden. Beim Ärmel ist es letztlich wie bei den den Hosen: es gibt Stehhosen, die auf Fotos einfach fantastisch aussehen und Sitzhosen, in denen Menschen bequem sitzen können. Beides in einem Modell hinzubekommen ist schwer: es braucht gutes Design, hervorragende Materialauswahl und perfekte Anpassung an den Körper. Leider erreichen wir dieses Optimum nur sehr selten und müssen deshalb Kompromisse machen. Beim Ärmel ist es genau so. Mit meinen breiten Armen musste ich lernen, mich von allzu engen Ärmeln aus Webware zu verabschieden. Diese Silhouette kann ich nur mit Jersey erreichen. Aber auch für Ärmel aus Webware, gibt es viele Möglichkeiten eine gute Silhouette zu erreichen und trotzdem Beweglichkeit zu erreichen- wenn auch nicht extrem körpernah.

Die Armloch-Schablone

Wenn ihr jemals einen guten Ärmel in einem Oberteil aus Webware hattet, dann nutzt fortan Diesen! Fertigt eine Schablone von Ärmel und Armloch aus Pappe oder aus Schnittmustervlies, Folie oder einem anderen beständigem Material und vergleicht jedes neue Schnittmuster mit dieser guten Vorlage. Findet heraus, was Armloch und Ärmel sich von euerer Vorlage unterscheiden und nutzt im Zweifelsfall immer das, was bisher schon gut funktioniert hat.

Es ist so einfach, Näherfolge herbeizuführen, wenn frau Schablonen benutzt! Ihr müsst nicht mehr lange herumändern, sondern wisst, dass dieser Teil des Kleidungsstückes unproblematisch ist. Ich kann nur dazu raten, auf die Suche nach dem perfekten Armloch (einmal für Webware, einmal für Jersey) zu gehen und wenn ihr es gefunden habt, dann nutz dieses!

Falls ihr diesen Schatz noch nicht gehoben habt, wird es Zeit, sich ein bisschen mit Ärmeländerungen zu befassen. Denn auch das, kann der Weg zu einer Armlochschablone sein.



Beginnen wir mit etwas Theorie

Wie sieht ein Ärmel überhaupt aus. Ganz einfach: oben ist die Armkugel, die in das Armloch eingepasst wird, dann kommt - je nach Ärmellänge ein "unten schmaleres Viereck" denn Seiten die Ärmelnaht bilden, die den Ärmel zu einer Rundung schließt und unten kommt der Abschluss in Form eines Saumes oder einer angesetzten Manschette.

Je elastischer das Material, je enger/enganliegender kann ein Ärmel sein. Je unelastischer das Material, um so mehr Weite braucht der Ärmel für Bewegungen. Auf dem Bild oben seht ihr unterschiedlich weite Ärmel. Ganz links ist für Jersey, der darf eng sein, in der Mitte ist ein "Schlafanzugärmel" sehr lässig und weit. Rechts der Ärmel ist ein "korrekter Ärmel", der zum Beispiel in ein Jackett oder eine Bluse eingesetzt wird.

Je mehr Lagen Klamotten, umso größer ist ein Armloch und breiter ein Ärmel. Logisch, Jacken und Mäntel brauchen ein größeres Armloch als zum Beispiel Blusen. Bei einem ärmellosen Oberteil wird das Armloch oftmals noch kleiner gemacht, damit nicht so viel herausblitzt. Wird ein Armloch vergrößert, verändert sich immer etwas mit der Passform im Brustbereich. Oder andersrum gesagt, wenn die Weite im Brustbereich nicht stimmt, holt sich der Körper den Stoff vom Ärmel. Beachtet dies, bei Anpassungen. Optimiert erst den Brustbereich! Wenn ihr das Armloch verändert, müsst ihr auch stets den Ärmel anpassen!

Schaut euch die Fotos, technischen Zeichnungen und die zugehörigen Ärmelformen an und lernt die "Ärmelsprache".

Die Armkugel

Die Armkugel, also der obere, halbrunde Teil des Ärmels, kann flach oder hoch sein. Sie bestimmt maßgeblich den oberen Fall des Ärmels: eine hohe Armkugel sorgt für einen glatten Fall des Ärmels bei einem hängenden Arm. Klingt, als wäre eine hohe Armkugel gut. In der Theorie ganz sicherlich. In der Praxis bedeutet aber eine hohe Armkugel auch oft eine große Einhalteweite beim Einnähen. Wenn ihr einen Ärmel einnäht, müsst ihr immer Weite einhalten und das kann Nachwuchsnäherinnen schon mal zur Verzweiflung bringen, wenn beim Stecken partout Stoff übrig bleiben will. Eine Lösung wäre es, den Ärmel enger zu machen, denn Armkugelhöhe und Ärmelweite hängen zusammen - aber was ist mit Frauen mit fülligem Oberarm?

Beachtet die Grundregel: zu jedem Ärmel gehör ein Armloch. Der Ärmel wird für dieses Armloch konstruiert. Tauscht ihr einen Ärmel aus, müsst ihr auch Änderungen am Armloch vornehmen oder umgekehrt. 

Egal, warum: ob ihr einen gute trainierten Bizeps habt oder eure fülligen Oberarme einfach zu euren sonstigen Rundungen passen: näht keine zu engen Ärmel, tragt Kleidung, in der ihr euch Wohlfahrt. Hadert nicht mit den Armen, sondern fügt zusätzliche Oberamweite in das Schnittmuster ein.

Alles was ich hier über zusätzliche Weite schreibe, funktioniert auch umgekehrt. Wenn ihr einen Ärmel schmaler machen wollt, müsst ihr nur die Schnittteile zusammenschieben statt auseinander zu ziehen!

Eine einfache Methode ist es, an der Ärmelnaht Weite zuzufügen. Aber Achtung, wenn ihr das macht, dann müsst ihr auch das Armloch anpassen, in dem ihr Vorderteil und Rückenteil unter dem Arm an der Seitennaht verbreitert. Aber diese beiden Schnittteile haben wir doch bereits angepasst! Wie ärgerlich, wenn mir dem Resultat schon zufrieden waren und jetzt wieder zerstören!




Wenn ihr das Armloch nicht verändern wollt, dann könnt ihr dem Ärmel auch von der Mitte her weiten. Wie das geht, zeige ich unten am gelben Modell auf der linken Seite. Schneidet das Schnitteil vom Schulterpunkt im Fadenlauf "senkrecht" auf und im rechten Winkel dazu, ca. 2,5 cm am Beginn der Ärmelnaht unter der Achsel. Beachtet dabei, dass ihr von innen her schneidet und am Schulterpunkt und an den Seittennähten nicht ganz bis zum Rand. Nun müsst ihr das Schnitteil sozusagen aufplustern, ohne dabei die Armkugellänge zu verändern. Dazu schiebt ihr den Ärmel seitlich so auseinander, dass ein "drachenförmiges" Loch entsteht. Beachtet dabei, dass die höchste Stelle der Armkugel auch zusammenbleibt.


Ihr bemerkt sicherlich, dass die Armkugel dadurch flacher wird und der Ärmel kürzer wird. Damit der Ärmel aber "einen schönen Fall bekommt" ist eine höhere Armkugel hübscher. Eine Möglichkeit ist es, die Armkugel zu erhöhen, wie ich das auf am linken Modell gemacht habe. Mit Bleistift habe ich sie einfach größer gezeichnet, aber halt, was passiert dann? Die Armkugellänge wird größer. Um den Ärmel einzunähen braucht ihr dann wieder ein größeres Armloch oder näht das Mehr an Stoff stärker "eingehalten" ein. Beim Ärmeleinnähen Stoff einhalten braucht ein bisschen Übung, ich weiß, wie sehr Anfängerinnen schon bei dem Gedanken ins Schwitzen kommen. Aber gut gemacht sieht das toll aus, denn der Ärmel fällt dann meist sehr schön.

Tja und das ist nun eine Abwägung und ein Ausprobieren und funktioniert vermutlich bei jedem Stoff ein bisschen anders. Mein Vorschlag ist: erhöht die Armkugel und heftet den Ärmel ein - Stoff wegnehmen könnt ihr immer noch. Es ist ja ohnehin so, dass sich Ärmel mit Übung sowieso immer leichter einsetzen lassen und mit dem Grad der Erfahrung die "Mehrweiten-Angst" geringer wird.

Es gibt allerdings auch noch eine "Mogellösung": Wenn ihr mit der Mehrweite partout nicht klar kommt, könnt ihr die zusätzliche Länge der Armkugel auch unter den Achseln einkräuseln, las ich irgendwo. Aber probiert habe ich das auch noch nicht. Ich bezweifele allerdings, dass das eine wirklich gute Lösung sein kann, denn das würde schließlich bedeuten, dass ihr die Passzeichen ignoriert. Diese sind aber nicht zufällig da! Die Passzeichen sorgen dafür, dass die Mehrweite an die richtige Stelle kommt!

Die Lösung, die mir für das Problem der Mehrweite am besten gefällt und für "sehr dicke Oberarme" empfohlen wird, ist eine Naht auf der Ärmeloberseite und ihr glaubt gar nicht, wie begeistert ich war, als ich genau diese Naht auf Chanelljäckchen in einer Ausstellung entdeckte. Wie das geht, seht ihr auf dem Bild oben auf der rechten Seite. Der Ärmel wird am Schulterpunkt senkrecht auseinander geschnitten. Die zusätzliche Weite wird eingezeichnet und mit einem Kurvenlineal eine schöne Kurve gezeichnet. Wichtig sind Passzeichen, um die Ärmelnaht schön zu schließen. Manchmal geht diese Ärmelnaht nicht bis zum Handgelenk, sondern der Ärmel bekommt nur bis kurz vor dem Ellebogen einen Abnäher - das ist aber eigentlich der gleiche Effekt.

Aber es gibt noch eine Möglichkeit, Weite in den Ärmel einzufügen.

Der Zaubertrick: schräger Fadenlauf

Immer wenn es um bei Webware und Bequemlichkeit bzw. Bewegungsfreiheit geht, nutze ich gerne den schrägen Fadenlauf, wann immer es der Stoff und sein Muster zulässt. Ein gewebter Stoff ist eigentlich unelastisch, wir können ihn weder nach links und rechts noch nach oben oder unten dehnen -  aaaaaaber, in der Diagonale! Genau das ist mit "im schrägen Fadenlauf" gemeint. Während der Fadenlauf üblicherweise parallel zur Webkante verläuft, ist es auch möglich, ein Schnitteil um 45 Grad zu drehen und im schrängen Fadenlauf zuzuschneiden, dann fällt es anders und ist dort, wo Weite gebraucht wird, elastisch.



Wenn ich genügend Stoff zur Verfügung habe und es das Muster zulässt, schneide ich gerne, die Ärmel im schrägen Fadenlauf zu, um mehr Bewegungsfreiheit zu erhalten. Das braucht mehr Stoff, deswegen nutze ich diese Möglichkeit insbesondere bei kurzen Ärmeln.



Abnäher? 

Manche Ärmel - besonders bei Jacketts, Jacken oder Mänteln - haben Abnäher. Das liegt daran, dass unser Arm noch das Ellenbogengelenk hat. Ganz selten stehen wir ausgestrecktem Arm da, wenn wir entspannt sind, ist unser Arm leicht gebeugt. Diese Beugung nachzuzeichnen wird mit Abnähern erreicht. Wenn ihr von euch schon kennt, dass euch Ärmel stets signifikant zu lang oder zu kurz sind, dann achtet darauf, dass diese Abnäher an der richtigen Stelle sind. Gegebenenfalls müsst ihr das Schnittmuster verlängern oder kürzen.

Ärmellänge ändern

Jetzt haben wir uns ausführlich mit der Oberarmweite beschäftigt, die in meinen Augen auch der entscheidende Änderungsfaktor ist, und dabei auch die Längenkorrektur des oberen Ärmels an der Armkugel bedacht. Was aber vermutlich noch viel häufiger vorkommt, ist das die Ärmellänge geändert werden muss.

Ihr könnt den Ärmel auch unterhalb der Armkugel verlängern oder verkürzen, wenn ihr dort eine andere Länge braucht. Die Änderung funktioniert wie gehabt: Waagrechte einzeichnen (im rechten Winkel zum Fadenlauf), aufschneiden und wahlweise auseinanderziehen oder zusammenschieben.

Die Unterarmlänge ist letztlich Geschmacksache. Manche Menschen mögen Ärmel etwas länger als andere.

Aber eine Regel ist wichtig: verlängert oder kürzt dort, wo ihr die Mehrlänge oder weniger Länge braucht und nicht irgendwo!

Ohje, was sind das für Falten?

Vielleicht hattet ihr Glück und ihr könnt mit Hilfe dieser Änderungsvorschläge schon den perfekten Ärmel nähen. Es kann allerdings auch sein, dass ihr diesen einsetzt und sich dann bei der Anprobe komische Falten bilden.

Achja, das kann immer passieren. In solchen Fällen braucht es am besten den erfahrenen Blick einer Schneiderin. Es gibt noch viele Sachen, die verändert werden können. Vielleicht stimmt die Schulternaht nicht, vielleicht ist die Form der Armkugel noch nicht optimal und ihr braucht wahlweise vorne oder hinten mehr Weite. Solche Diagnosen und Fehlerkorrekturen finde ich gar nicht so einfach. Auch wenn es die Sache beim Einnähen nicht leichter macht, nähe ich Ärmel mit einer relativ großen Nahtzugabe ein (Nahtlinie anzeichnen hilft!), denn dann kann ich an Stellen, an denen Zug drauf ist noch mal trennen und die Rundung der Armkugel beim erneuten Einnähen verändern. Aber nicht immer habe ich die Muße für solche Feinheiten. (Deswegen mag ich meine Ärmel- und Armlochschablonen auch so gerne!)

In den Kommentaren wurde das Buch schon mal genannt und auch ich kann es euch nur ans Herz legen, wenn ihr Schnittmuster anpassen wollt: in "Fit for Real People" von Pati Palmer und Marta Alto werdet ihr eine Menge Ideen zum Thema finden. By the way: habt ihr noch andere Literaturtipps?

Alles eine Frage der Ansprüche

Wir Hobbynäherinnen haben unterschiedliche Ansprüche an perfekte Passform. Da gibt es die einen, die wahrhafte Anpassungsorgien vornehmen und die anderen, die achselzuckend auch mit etwas lässiger Passform leben können.

Mein Tipp dazu ist: lernt etwas über Schnittanpassungen, probiert es aus, legt die Latte nicht zu hoch und freut euch, dass es bei jedem Mal etwas besser wird. 

Denkt daran: es gibt Moden! Gute Passform hat immer etwas mit dem speziellen Körper zu tun, aber auch mit der aktuellen Mode. Zur Zeit sind diese überhängenden Schultern modern und ich bin erstaunt, wie merkwürdig Armausschnitte aussehen können. Aber es kommt auch wieder anders. Moden kommen und gehen und mit ihnen verändern sich auch unsere Sehgewohnheiten und Ansprüche.

Ich kann mich nur wiederholen. Jeder Stoff verhält sich anders. Das optimale Ergebnis können wir nicht vorhersagen, aber wir können es annähern und anstreben. Wir könne Schritt für Schritt besser werden. Mit der Zeit werden Abläufe vertrauter und gehen ins Blut über und mit der Zeit lernen wir besser einzuschätzen, welcher Stoff zu welchem Schnitt passt.

Wenn ihr den Anfang gemacht habt und beginnt Schnittmuster "zu hacken", dann ist der erste große Schritt zu einer guten Passform getan!


Über Fragen, Ergänzungen und Ideen würde ich mich sehr freuen! Schreibt sie entweder in die Kommentare oder einen eigenen Blogartikel. Dazu dürft ihr auch gerne das Bildchen zur Serie mitnehmen. Ergänzende Blogartikel verlinke ich nachträglich hier in diesem Beitrag. 

Bisherige Beiträge der Serie:

  1. Grundlagen und Längenänderungen
  2. FBA und SBA - kombinierte Längen- und Weitenänderung im Oberteil
  3. Fortsetzung FBA und Abnäher verlegen
  4. Einen Schritt zurück
  5. Änderungen am Rückenteil

Montag, 4. April 2016

Gutes Design

Ich bin eine ganz große Freundin guten Designs. Marken können mich eher nicht kriegen. Klar, ist es schön, zuverlässig immer die gleiche Qualität zu bekommen. Aber ob es sich immer um gute Qualität handelt? Nach meinen Kriterien? Im Bereich Bekleidung zum Beispiel, kann ich mir nicht vorstellen, dass viele teure Marken auf die Produktionsbedingungen mehr achten, als andere. Aber das ist ein anderes Thema. Heute gehts um gutes Design und das erfreut mein Herz. Sehr!

Ohne Ahnung davon zu haben, wie gutes Design definiert wird, merke ich, dass ich mehr und mehr ein Gefühl dafür bekomme, was gutes Design ist. Meine Freundschaft mit unzähligen ArchtiktInnen seit mehr als 20 Jahren, hat mich gelehrt, genauer hinzuschauen und Freude zu empfinden, wenn etwas gut gemacht ist. Bei Schnittmustern habe ich es schon länger und bei Strickmustern beginne ich dieses Gespür für gutes  Design gerade erst zu entwickeln. Gutes Design ist für mein empfinden da, wenn es einfach passt, wenn es clever gemacht ist, wenn mit kleinem Aufwand eine große Wirkung erzeugt wird und das unter ökonomischer Verwendung der Ressourcen und einer scheinbaren Einfachheit, auf die jemand Ungeübtes nicht kommt, die sich aber schnell erschließt, wenn das System verstanden wir. Ich bin bereit für gutes Design gutes Geld zu bezahlen, weil ich mich einfach so sehr daran erfreuen kann.

Ich habe mich gefragt, ob der Hype in meinen Kreisen um Stephen-West eigentlich berechtigt und ok ist. Warum stricke ich nichts von einer Designerin? Ist es nicht ätzend, dass der Hype um einen Mann gemacht wird? (Auch vor MyBoshi wurden Mützen gehäkelt!) Nachdem ich das dritte Design von ihm gekauft und angeschlagen hatte, begann ich mich zu fragen, ob ich nicht einem großen Lemmingeffekt aufgesessen bin. Doch es lohnt, etwas genauer hinzuschauen.



Smooth Move war super zu stricken. Das ist wirklich ein einfaches, wirkungsvolles Tuch. Ich habe Schals ähnlicher Form schon gestrickt - also zuerst einmal nichts neues. Was mir allerdings an Smooth gefällt ist, dass die Reihen zunehmend kürzer werden. Klingt widersprüchlich, ist aber so. Je länger frau an einer Farbe strickt, umso kürzer wird die Reihe. Dieser Motivationsfaktor ist beim Stricken nicht zu unterschätzen. Das ist für mich ein Aspekt guten Designs.

Außerdem fand ich es super, etwas Neues zu lernen. Diese Umrandung namens Icord finde ich einfach bezaubernd: wie eine angestrickte Stricklieselwurst. Das kannte ich noch nicht und macht das Tuch für mich noch mal zu etwas ganz besonderdem.



Als nächstes schlug ich Garter Goodness an. Das langweiligste Projekt ever, ever und das musste ich ausgerechnet in einem Lacegarn anschlagen?



Leider wusste ich vorher nicht, wie langweilig das Stricken ist. Die Reihen werden länger und länger und die einzige Abwechslung, die nicht wirklich eine Abwechslung, sondern eher ein Störfaktor ist, sind die Büroklammern, die ich als Maschenmarkierer nutze, um die Zunahmen (die Löcher) zu markieren. Wahrscheinlich wird das ein tolles Tuch, aber es ist eine Zumutung, es zu stricken. Ich finde, es ist schlechtes Design, denn für mich reicht es nicht, dass es fertig gut aussieht. Ich möchte schon bei der Fertigung begeistert sein!



Ganz anders verhält es sich mit Glacier Sweep, das ich mir zwischendurch gönne. Das ist gutes Design! Wenn frau den tückischen Anfang mal geschafft hat, dann strickt es sich wie von selbst. Die runde Form kommt zustande, in dem wieder einmal mit verkürzten Reihen gestrickt wird. Ihr kennt den Effekt: die Reihen werden kürzer, es ist also ermutigend absehbar, bis etwas Neues passiert. Das Muster wechselt zwischen kraus rechts und glatt rechts ab. Beim Stricken hat frau also immer wieder etwas, auf das sie sich freuen kann.



Und jetzt kommt mir nicht damit, dass es natürlich mehr Spaß macht, mit dickeren Nadeln zu stricken, weil das ein schnelleres Erfolgserlebnis wird. Nein, das macht die Langeweile von Garter Goodness nicht wett. Beide Tücher stricke ich in grau, das fällt mir nicht leicht. Auch wenn ich grau angezogen liebe, stricke ich lieber mit Farben, die mich faszinieren, die von sich aus leuchten. Aber derzeit stehe ich eben auf grau und wenn ich graue Tücher will, dann muss ich da durch.

Das Leinen-Viscose Garn für Glacier Sweep ist mir zufällig unter die Finger gekommen. Beim Mid-Season-Sale war es um die Hälfte reduziert und da ich aufgrund des Wortes "Summer" im Summer Shawl Knit Along inspiriert war, es zur Abwechslung mal wieder mit sommerlichen Garnen zu versuchen und mich die Farbe mit dem leichten Glanz faszinierte, schlug ich zu. Ich bin allerdings noch nicht sicher, ob sich diese Qualität wirklich für ein Tuch eignet. Es wird relativ schwer werden, das Tuch. Wir werden sehen, ob ich es tragen mag, aber das Stricken ist ein Genuss.



Ganz anders ist es vermutlich mit dem langweiligen Garter Goodness. Es strickt sich furchtbar. Die kraus rechts Strickerei lässt die Sanftheit des Seiden-Alpaca-Garns gar nicht zur Geltung kommen. Wenn ich das Lace-Garn nich schon ewig unbenutzt im Stash hätte liegen haben, würde ich sagen, dass ich damit eine falsche Entscheidung getroffen habe. Aber so ist es ok. Wenn ich durchhalte - und das hängt letztlich vom TV-Programm ab - dann wird es ein sehr leichtes großes Tuch. So etwas kann ich gut gebrauchen und vermutlich werde ich es mögen. Damit es nicht zu langweilig wird, werde ich ganz bald mit der nächsten Farbe beginnen. Türkis kommt noch und schwarz. Ich bin gespannt, wie es dann wird und ob meine Strickleidenschaft für etwas zunehmen wird.

Diesen Beitrag verlinke ich bei Frau Maschenfein und ihrer Aktion "Auf den Nadeln", den ich finde des nett, auch mal über den Tellerrand der Nähblogs hinaus zu schauen, denn ein reines Nähblog war und ist crafteln.de ja ohnehin nicht. Dazu probiere ich viel zu gerne verschiedenartige Techniken des Selbermachens aus und Stricken gehört eigentlich schon viel länger dazu, als Nähen. Außerdem mag ich es, schon mal während des Tuns den Selbermacherinnen über die Schulter zu schauen. Vielen Dank für diese Aktion, Frau Maschenfein!