Dienstag, 16. Februar 2016

Schnittmuster anpassen #1: Grundlagen + Längenänderungen

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Yeah, heute geht es los mit den Beiträgen zu Schnittmusteranpassungen. Ziel ist es, wöchentlich, immer zu bestimmten Themen, Erfahrungen auszutauschen und eine Wissenssammlung aufzubauen.

Heute kümmern wir uns nach ein paar grundsätzliche Überlegungen zu Schnittmustern um Längenanpassungen.

Im Prinzip gibt es zwei Methoden, um Kleidungsstücke herzustellen: 1. die Maßschneiderei und 2. die Massenproduktion nach Konfektionsgrößen. Bei der Maßschneiderei wird eine Person vermessen und aufgrund der speziellen Körpermaße wird ein Schnittmuster für genau diese Person und das gewünschte Kleidungsstück erstellt. Im Gegensatz dazu werden für die Massenproduktion Konfektionsgrößen entwickelt und dann eben entsprechend Kleidungsstücke in verschiedenen Größen produziert. Konfektionsgrößen basieren auf Reihenmessungen (d.h. es werden die Maße von ziemlich vielen Menschen verwendet), Mittelwerten (diese unterschiedlichen Maße werden Gruppen zugeordnet und statistische Mittel berechnet) und Annahmen (d.h.Theorien darüber, welche Maße wichtig sind und mit welchen Formeln zielführend gearbeitet werden kann.

Was wir Hobbyschneiderinnen machen, liegt irgendwo dazwischen. Wir gehen zwar von standardisierten Schnittmustern aus, wollen diese aber anschließend möglichst passgenau für unseren Körper haben und damit fängt die Schwierigkeit an.

Schnittmuster, wie wir sie kennen sind Kauf-Schnittmuster für Laien, die angeboten werden, damit Hobbyschneiderinnen Bekleidung nähen können, ohne selbst alles das zu wissen, was man braucht, um ein Schnittmuster zu erstellen. Sie basieren auf den theoretischen Grundlagen der Massenproduktion und basieren dementsprechend auch auf Konfektionsgrößen.

Wenn wir Bekleidung kaufen gehen, dann orientieren wir uns an Konfektionsgrößen, probieren an, ob es uns passt und entscheiden dann "ja" oder "nein", ob wir das Kleidungsstück kaufen. Uns ist dabei mehr oder weniger bewusst, dass wir Kompromisse eingehen, weil dieses Kleidungsstück eben nicht auf Maß gefertigt ist. Wenn wir Kleidung nach Schnittmustern nähen, orientieren sich viele Hobbyschneiderinnen auch an den Konfektionsgrößen und hoffen dennoch ein besseres Ergebnis mit dem Selbermachen zu erzielen, als bei Kaufkleidung. Doch dies passiert leider nicht automatisch - wir müssen Schnittmuster auf unsere speziellen Körperformen anpassen. Dafür gibt es ein sehr viel wertvolleres Entscheidungskriterium als die Konfektionsgröße: die Maßtabelle.

Die Maßtabelle

Eine Maßtabelle beinhaltet, aufgeteilt nach den jeweiligen Konfektionsgrößen des Herstellers; die Annahmen, welche Körpermaße der jeweiligen Konfektionsgröße für die Konstruktion des Schnittes zugrunde liegen. Eine Maßtabelle enthält mindestens die Maße: Brustumfang, Taillenumfang und Hüftumfang. Lieber ist es mir, wenn noch mehr Maße veröffentlicht werden, aber dazu später mehr.

Eine wichtige Zusatzinformation ist es, auf welcher Körpergröße die Schnitte basieren. Ich habe mal für einige Anbieter recherchiert, welche Körpergröße den Schnitten zu Grunde gelegt wird:

- Burda 168 cm
- Ottobre 168 cm plus-minus 4 cm (was auch immer das heißen soll!)
- Vogue/Butterick/McCalls 165 - 168 cm
- Knip Mode / Fashion Style 172 cm
- La Maison Victor - ändert sich die Körpergröße mit der Kleidungsgröße.
Z.B. 166cm bei Größe 34 und 172cm bei Größe 48. - named clothing 172 cm
- Deer & Doe keine Angabe, sagen, sie beziehen sich auf normale europäische Konfektionsgrößen
- Colette keine Angabe
- sewaholic keine Angabe

Glücklich ist, wer 168 oder 172 cm groß ist :-) Alle anderen müssen damit leben, dass sie vermutlich an den Längen etwas ändern müssen. Aber ist das wirklich so? Nein!

Grundsätzlich ist es toll, wenn Schnittmusterfirmen eine ausführliche Maßtabelle inklusive eine Angabe zur zugrunde gelegten Körpergröße anbieten, aber leider reicht diese Information noch nicht, denn auch zwei Menschen mit einer identischen Körperlänge können völlig unterschiedlich aussehen: möglicherweise hat die eine irre lange Beine und die andere ist ein Sitzriese mit einem langen Oberkörper. Gleiche Körperlänge und trotzdem unterschiedlich - es kommt eben drauf an.  Wer größer ist, hat vermutlich nicht nur längere Beine sondern auch längere Arme und das gleiche gilt natürlich auch umgekehrt. Also braucht es noch mehr Maße, um passformgenau zu Nähen und deswegen finde ich es super, wenn auch noch die Rückenlänge, die vordere Länge für Oberteile oder zum Beispiel die Hüfttiefe für Unterteile angegeben ist. Mit diesen Maßen kann ich - schon vor dem Zuschnitt - überprüfen, ob ich gegebenenfalls Länge zugeben oder zunehmen wegnehmen muss, ohne die Schnittteile zu vermessen.

Längenänderungen sind eigentlich ganz einfach

Viele Schnittmusterfirmen bieten bereits Markierungen auf den Schnittteilen an, an welcher Stelle es sinnvoll ist, Längenänderungen vorzunehmen. Falls dies nicht der Fall ist, könnt ihr diese speziellen Linien leicht selbst einzeichnen: ihr verlängert den Fadenlauf und zieht auf der Höhe, an der ihr die Längenänderung einfügen wollt, eine waagrechte Linie, die im rechten Winkel zum Fadenlauf verläuft. Achtet auf den rechten Winkel, denn sonst gerät das Kleidungsstück aus der Balance! Grundsätzlich ist es wichtig, wie groß der Betrag ist, um den ihr verlängern oder kürze wollt. Handelt es sich um mehrere Zentimeter, bietet es sich an, Längenänderungen auf mehrere Bereiche zu verteilen.

Bei Oberteilen ist es am einfachsten, unterhalb des Armloches zu verlängern oder zu kürzen, denn alle Längenänderungen oberhalb, verändern auch das Armloch, was natürlich dann eine Änderung des Ärmels nach sich zieht. Habt ihr am Vorderteil das Gefühl, dass ihr mehr Länge braucht, um euren stattlichen Busen zu bedecken, dann gibt es eine bessere Lösung, als eine reine Längenänderung und die heißt FBA, aber darüber schreibe ich ein anderes Mal.




Wichtig ist, dass ihr alle Schnittteile gleichmäßig ändert. Verkürzt ihr zum Beispiel euer Rückenteil, dann müssen auch am Vorderteil Änderungen vorgenommen werden, denn sonst passen beide Teile nicht mehr aufeinander. Verlängert ihr ein Oberteil auf der Höhe des Armloches, muss auch die Armkugel erhöht werden, damit es passt. Allerdings wird durch die Rundung dieser Betrag etwas vermindert:  für z.B. 1cm mehr Länge im Körperteil reicht eine Zugabe am Ärmel von ca. 0,75 cm. Bei einer sehr flachen Armkugel, wird die Seitennaht des Ärmels entsprechend links und rechts erweitert.

Aber wie geht Verlängern oder Kürzen?

Um eine Schnittteil zu verlängern schneidet ihr das Schnittteil an der waagrechten Linie auf, zieht es um die gewünschte zusätzliche Länge auseinander und klebt ein Stück Papier dazwischen. Anschließend passt ihr die senkrechten Nähte dementsprechend an, z. B. malt einen neuen Kurvenverlauf für die Taille. Beim Kürzen werden die Schnittteile ineinander geschoben und auch die senkrechten Nähte entsprechend neu ausgezeichnet. Damit die Teile korrekt zusammengefügt werden, verlängert stets den Fadenlaufpfeil, denn dieser ist Eure Orientierung. Der Fadenlauf muss beim Zusammenkleben immer wieder aufeinander passen!

Bei Röcken bzw. im Rockteil von Kleidern oder Mänteln kommt es ein bisschen auf die Form und das Design an. Oft kann einfach der Saum verlängert werden. Bei Hosen werden Längenänderungen im Oberschenkel und im Unterschenkel vorgenommen.

Macht ihr Längenänderungen?

Das war jetzt die Theorie. Gehen wir in die Praxis. So, wie ich das oben kurz beschrieb, steht es in vielen Lehrbüchern. Mich würde würde nun interessieren, ob das überhaupt hilfreich ist.

Meine Längenänderungen sind immer am Vorderteil. Abgesehen davon, dass meine Brust mehr Weite braucht, brauche ich auch mehr Stoff in der Länge. Dies korrigiere ich mit einer FBA, einer recht einfachen Methode, um mehr Platz für die Brust zu schaffen, ohne den Rest des Schnittmusters zu verändern. Oftmals brauche ich auch auf der Höhe der Schulterblätter etwas mehr Länge, etwas mehr Bewegungsfreiheit im Rückenteil. Das ist aber schon ein fortgeschrittenes Problem und darum kümmern wir uns erst später. Außerdem habe ich eigentlich immer das Problem, dass der Brustabnäher zu hoch sitze. Das hat zwar auch etwas mit Länge zu tun, ist aber auch ein besonderes Thema. Mit der reinen Theorie zu Längenänderungen kann ich also eigentlich gar nichts anpassen.

Wie schauts bei euch aus. Macht ihr Längenänderungen und wenn ja wann? Ändert ihr im Vorfeld das Schnittmuster oder ändert ihr das genähte Kleidungsstück (und übertragt dann die Längenänderungen auf das Schnittmuster)? Ich las in den Kommentaren, dass viele am Rücken Länge herausnehmen müssen. Wie macht ihr das? Wie berücksichtigt ihr dann die unterschiedliche Länge von Vorderteil und Rückenteil?

Ihr könnt hier in den Kommentaren antworten oder aber einen eigenen Blogartikel schreiben und diesen in den Kommentaren verlinken. Ich übertrag dann diese Links in diesen Beitrag, damit sie später leichter aufzufinden sind.

edit: Nadine hat einen spannenden ergänzenden Beitrag mit dem Titel "Längenänderung für Kurze" geschrieben.

Nächste Woche kümmern wir uns um Weitenänderungen und dann erzähle ich euch auch etwas über die FBA. Falls es jemand gibt, der schon mal was über eine SBA (Weitenänderung für kleinere Brüste) geschrieben hat oder schreiben möchte - schreibt mir den Link per Mail, ich verlinke dann gerne. 

Lust, mehr über Schnittmusteranpassungen zu lernen. Dann schau doch mal, ob es gerade aktuelle Workshop-Termine bei mir gibt! 

Kommentare:

  1. So wie du die Längenanpassung beschreibst, mache ich es immer! Ich nähe häufig nach Burda, da weiß ich, ich muss 3-4cm Länge im Oberteil zugeben. Meistens verlängere ich an zwei Stellen unterhalb des Armes, auf Vorder- und Rückenteil. Da die Schnitte sowieso mit Folie abgenommen werden müssen, mache ich die Änderungen auch auf der Folie. Ich klebe also einen Streifen Folie zwischen das aufgeschnittene Teil.
    Ich bin 1,72m und nähe gerade zum ersten Mal ein Kleid aus der Fashion Style. Diesmal habe ich nichts verlängert und hoffe, dass es trotzdem passt. Bis jetzt sieht es ganz gut aus. Die Langgrößen-Schnitte der Burda scheinen für mich auch ohne Längenanpassung zu funktionieren, obwohl die angeblich von einer Körpergröße von 1,78m ausgehen.
    Du hast Recht, diese Anpassung ist noch relativ einfach. Vor den Kindern hatte ich noch etwas mehr Oberweite (nicht wahnsinnig viel, aber wohl mehr als man mir bei meiner Kleidergröße zugesteht). Da habe ich noch eine klitzkleine FBA gemacht, das hat sich jetzt aber von selbst erledigt;-) Weil mir das zu aufwendig war, habe ich es auch manchmal weggelassen, das hat sich dann aber gerächt.

    Achso, bei bielastischem Jersey bin ich etwas nachlässiger mit der Verlängerung, außer, das Teil ist sehr eng.

    Ich bin sehr gespannt, wie es mit dem Thema Schnittanpassung bei dir weitergeht!

    LG
    anne

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  2. Die Rückenlängenkürzung ist in der hinteren Mitte am größten und an der Seitennaht abgeschlossen. Das heißt, bei mir wirkt sie sich nicht aufs Vorderteil aus. Die Verlängerung des Vorderteils wg. Bauch beginnt an der Seitennaht. D.h. eigentlich handelt es sich um eine verschobene Taillenbalance. Hinten hoch, vorne runter. Ich bin noch nicht 100% klar, wo die Länge im Vorderteil hin muß. D.h. wie viel geht in den Busen, wie viel in den Bauch über der Taille und unter der Taille. Eine schiefe Taille sieht ja auch nicht aus. Da bastele ich grade dran.
    Ich kürze übrigens auch meine Ärmel immer um 2-3 cm. Ich habe recht kurze Arme.

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    1. Das ist interessant. Magst du dazu mal eine Skizze von der Rückenlängenkürzung malen und darüber bloggen? (Meine schäbigen Skizzen sollten doch allen Mut machen...)

      Zu der "Bauchverlängerung" machen wir mal einen Extrabeitrag, wo wir uns intensiv um Bauch1, Bauch2, Lovehandles und was dazu gehört kümmern.

      Zu deiner Unsicherheit. Ich denke, du musst bestimmen, wo der Brustpunkt ist und die sogenannte Brusttiefe (von Schulter bis Brustpunkt) ausmessen.

      Tja und die Taille - auch da müssen wir noch mal gesondert ran. Ich notiere, ich notiere....

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  3. Ich finde bei Längenänderungen am Vorderteil wichtig zu schauen, wo der Brustpunkt und wo die Taille sitzt und damit der Brustabnäher endet bzw. die engste Stelle ist, sitzt die Brust tief, gibt es Sinn Länge über der Brust zuzugeben, sitzt er hoch oder normal, eher unter der Brust oder man teilt die Länge auf. Ich bin 177 cm und gebe mindestens 5 cm zwischen Armloch und Brust zu. Bin gespannt auf die FBA, weil ich den Begriff schon oft gelesen habe, aber keine Ahnung habe, was das ist. LG Anja

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    1. Danke für deine Hinweise, Anja. Ich notiere "Lage der Brustabnäher", auch ein Extrathema. Zu Brustabnähern gibt es ja auch so viel zu schreiben.... Ich merke schon. Uns werden die Themen nicht ausgehen!

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  4. Ich hab im letzten Jahr endgültig aufgegeben, nach fertigen Schnittmustern zu nähen und lerne grade, wie man einen persönlichen Maßschnitt erstellt. Mein Körper ist einfach komplett gegenteilig dazu proportioniert, wie die Klamotten-Industrie sich einen Frauenkörper so vorstellt. Erstaunlicherweise find ich Deinen ersten Post in der Reihe, die mich thematisch ja nun im Grunde eigentlich gar nicht betrifft, durchaus interessant. Ich glaube mehr systematisches Wissen, wie Schnitte funktionieren und was passiert, wenn man irgendwo was weg oder dazu tut ist sehr wertvoll. Diesen großen Wissensschatz, den's in der Community gibt, einzusammeln, ist imho ein sehr lohnendes Vorhaben. Ich werd's gespannt weiterverfolgen.

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    1. Hallo Babs, ohne dich demotivieren zu wollen. Ich dachte auch mal, das der Maßschnitt die Lösung wäre, aber leider braucht es dafür die gleichen Kenntnisse, wie für die Änderungen von Schnittmustern, weil sich der Körper immer wieder ändert und sich jeder Stoff anders verhält. Du bist also ganz richtig hier mit deinem Interesse :-)

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    2. Hallo Meike, ja das hab ich im ersten Kurs auch direkt gemerkt, dass das mit einmal Schnitt-Basteln nicht erledigt ist. Die Schneiderin, die die Kurse macht, erklärte aber ausreichend drumrum, dass man nach und nach alle Stellschrauben mal kennenlernen kann. Ich denke die Auseinandersetzung mit Schnitten egal, ob selbst gedraftet oder gekauft schult einfach das Verständnis für die Zusammenhänge. Je mehr man das macht, desto einfacher wird's (hoffentlich) mit der Anpasserei.

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  5. Ich hab es gelesen und versteh nur Bahnhof, das macht aber nichts,denn ich muß ersteinmal viel tiefer in die Materie eindringen...irgendwie bin ich auf dem Level "Meike kriegt uns alle", jetzt muß ich sehen wie ich das hinbekomme, aber sehr gut zu wissen wo ich dann Wissen einsaugen kann, wenn ich genau das benötige, denn ich gehöre auch zu der Kategorie "sie ist kürzer, dafür breiter" ;-) Danke für die viele Mühe die da hintersteckt, alles in Wort und möglicherweise Bild zu packen.
    LG Petra

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    1. Danke für deine Rückmeldung! Du verstehst nur Bahnhof? Mmmmh, an welcher Stelle bist du ausgestiegen, wo müsste ich noch konkreter werden? Was sind deine fragen?

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    2. Liebe Meike, mach Dir keinen Kopf, es ist einfach so: bisher habe ich
      3 !!!!Jerseyshirts für mich genäht... ohne Pipp ohne Papp, ich kann leidlich gut Reißverschlüsse und Patchwork und Handstiche und eher seltener kerzengerade Nähte, Du weißt ja ich brauch Mut zur schiefen Naht. Aus meiner Sicht gibt es absolut nichts an Deiner Beschreibung zu bemängeln oder zu verschlimmbessern ;-)aber irgendwie kommt das alles irgendwann in mein Hirn *hoff Ganz liebe Grüße Petra

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  6. Hallo Meike, vielen Dank für diese sachlichen Informationen. Ich habe mal aufgeschrieben, was ich bisher so durch learning by doing gelernt habe:
    http://tuets.blogspot.de/2016/02/von-affenarmen-und-seltsamen.html

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  7. Da ich 174 cm groß bin, muss ich bei in der Taille angesetzten Schnitten immer Länge zugeben, ansonsten ist verlängern einfacher, da ich kaum Taille und schmale Hüften besitze. Da gleichzeitig mein Brustpunkt tiefer sitzt, wird es bei komplizierteren Abnäherformen schwierig. Da ich mich zur Zeit theoretisch mit Schnittkonstuktion von Oberteilen beschäftige, habe ich inzwischen gelernt, dass der Brustpunkt am wichtigsten ist und wie Abnäher verlegt werden können.
    Grüßle Bellana

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  8. Ich bin 1,74 m groß und nähe viel nach Burda, muss aber da bei den Oberteilen nie etwas zugeben, auch nicht bei den Ärmeln.
    Anders sieht es bei den Hosen aus; die verlängere ich immer.
    Bei den Kaufschnitten sind die Verlängerungslinien im Schnittmuster eingezeichnet und ansonsten mache ich es so, wie du es beschrieben hast. Ich ändere direkt am Schnittmuster; also erst messen und dann Schnittmuster auseinanderschneiden.
    LG von Susanne

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  9. Hallo Meike,
    ich fange gerade erst an, mich mit Schnittänderungen zu beschäftigen... Ich bin 1,60 m klein und ändere daher immer die Länge meiner Oberteile und die Ärmellänge. Anfangs habe ich einfach am Saum etwas gekürzt, inzwischen experimentiere ich damit, z.B. die Taille durch Kürzung zwischen Armloch und Taille höher zu setzen.
    Bei Jersey Shirts bewährt sich - zumindest für ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis - eine Längenänderung als einfache Full Bust Adjustment: Das Vorderteil unterhalb des Armausschnittes etwas verlängern (wieviel? Experimentieren! Ich nehme 3 cm), das Rückenteil bleibt unverändert. Beim Schließen der Seitennaht zwischen Taille und Armausschnitt den Stoff des Rückenteils so dehnen, dass das Vorderteil in dem Bereich etwas "gerafft" wird, die Mehrlänge also eingehalten wird, so dass Platz für die Brust entsteht. Die Raffung fällt später nicht auf.
    Zählst Du Hohlkreuzanpassungen auch zu den Kürzungen? S. Kitty Komas Beitrag oben. Dabei wird letztlich der obere Rücken gekürzt, so dass sich weniger Stoff im Hohlkreuz ansammelt. Hier zwei Beiträge zu dem Thema:
    http://www.fitthat.com/swayback.htm
    http://patternscissorscloth.com/2010/12/05/sway-back-alterations-my-analysis/
    Ich habe einmal ein Jerseyshirt nach der "fitthat" Methode angepasst, was ganz gut funktioniert hat. Die Dolores-Bluse von Milchmonster habe ich nach einer der Methoden aus dem anderen Link angepasst, da ist der Rücken zweigeteilt und ich habe einen Keil aus dem oberen und dem unteren Rückenteil herausgeschnitten, so dass die Seittennähte gleich blieben.

    Als weitere Themen interessiert mich noch die Schulteranpassung - forward shoulder adjusment? Square shoulder versus sloping shoulder?? Wie finde ich genau den Schulterpunkt, an dem der Ärmel ansetzen soll?

    Schöne Blogserie :-)
    Viele Grüße
    Güde

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  10. Ich bin 167 cm groß, also fast Standard. Da ich aber einen eher langen Oberkörper habe, ändere ich immer kurz unter dem Armloch, manchmal auch in der Taille. Das kommt auf den Schnitt an. Entsprechend muss ich Hosen immer kürzen. Bei Vogueschnitten sind die Kürzungslinien schön eingezeichnet. Daran halte ich mich. Ansonsten ändere ich die Hosen im Kniebereich. Damit komme ich ganz gut hin.,LG Carola

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  11. Früher war ich 160 cm klein, mit zunehmenden Alter werde ich immer kleiner und breiter. Ich muss immer kürzen, auch wenn ich Burda Schnitte für Kurzgrössen verwende. Ich kürze so wie Du es beschrieben hast. Selbstverständlich passt dann auch der Brustabnäher nicht mehr. Diesen lass ich mir dann am Körper anpassen.
    Ich befasse mich jetzt mit der Theorie Schnitt malen nach Zahlen und hoffe, dass ich anschließend die vielen Änderungen einfacher und schneller umsetzen kann.
    Danke, dass Du dieses spannende Thema so ausführlich beschreibst.
    Liebe Grüße
    Eva

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  12. Toll liebe Meike, dass du dich diesem Thema angenommen hast. Ich bin größentechnisch zwar "Standard" mit 167, aber sonst nirgends. Ich sag immer Bauarbeiterkreuz, aber eine Hüfte wie ein junger Kerl. Anders: oben 40 unten 36. Daher sind Änderungen, gerade bei Hosen, unabdingbar. Ich hab inzwischen, ergänzend zu den Kaufschnitten, das Lutterlohsystem. Da hat es bislang immer direkt am besten gepasst und hier helfen deine Ausführungen sehr. Bin gespannt, was noch alles kommt.

    LG Katrin

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  13. Toll, dass man hier dann mal viele Tippa an einer Stelle hat, das ermuntert zum probieren

    LG von der Maus

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  14. Toller Beitrag. Bin gespannt, was du noch so recherchiert hast. Ich bin 1,84m groß, aber recht schmal. Muss so gut wie alle Oberteile verlängern. Ich schneide i.d.R. immer über und unter der Taillie auf und verlängere jeweils um 1,5 - 2 cm. Lege ein gut sitzendes Schnittmuster zum Vergleich drauf. Da meine Arme auch recht lang sind, verlängere ich hier auch oft. Sind es schmale, muss ich auch da aufschneiden, ansonsten verlängere ich vorne durch hinzugeben.
    Liebe Grüße Tamara

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  15. Tolle Thema!
    Natürlich ändere ich auch. Obwohl ich mit meinen 1.67 m fast dem Burda-Ideal entspreche, muss ich meine Oberteile kürzen.
    Rückenteil: Im oberen Bereich kürze ich ca. 1 cm. Die Kürzung läuft noch in den Ärmel hinein.
    Etwa in der Rückenmitte kürze ich dann noch einmal um ca. 2 cm. Genauso wie es Kitty Koma beschrieben hat.
    Vorteil: Da benötige ich eine FBA. Verzichte aber auf eine Längenzugabe über den Busen. Denn diese Länge müsste ich sowieso wieder zürücknehmen.
    LG Martina

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  16. Vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich habe mal meinen Senf dazu auf meinen Blog veröffentlicht:
    http://www.fliegendesblatt.de/laengenaenderung-fuer-kurze/ und mal noch meine Wohlfühllänge ins Spiel gebracht. Da bin ich eigen und versuche gar nicht weiter "zu lange" Kleidung auf meine Größe zu kürzen.
    LG Nadine

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  17. Noch eine Ergänzung zu den Körpergrößen: Auch Hals und Kopf können bei gleicher Größe unterschiedlich lang sein, sodass zwei Leute bei gleicher Körpergröße und gleicher Beinlänge trotzdem unterschiedlich lange Oberkörper haben können. Hab ich neulich bei Schwiegervater und Neffen gesehen. War lustig!

    Zum Thema Gradierung empfehle ich die Folge 18 des Handgemacht-Podcasts von CreativeMother mit dem schönen Titel "Es liegt nicht an dir, es liegt am Pullover" (ca. bei Minute 24:50):
    http://creativemother.de/2011/10/29/handgemacht-folge-18-es-liegt-nicht-an-dir/
    (Da geht es zwar ums Stricken, aber das Problem mit den Konfektionsgrößen ist ja beim Nähen und Stricken dasselbe.)

    Neben den Konfektionsgrößen spielt ja die Bequemlichkeitszugabe (engl. "ease") eine große Rolle. Darüber spricht Daniela in Folge 14 ihres Ausfasernd-Podcasts "Schnittiges und Geselliges" (ab Minute 20:35):
    http://ausfasernd.podigee.io/14-schnittiges

    Ein gutes Beispiel dafür ist auch dieser Blogpost von Loh-La:
    http://loh-la.blogspot.de/2016/01/zeitschriften-sew-along-02-zwischenstand.html
    Dort stellt sie fest, dass in einer Ottobre die Schnitteile für ein Jersey-Shirt und einen Mantel identisch sind. Schon komisch...

    Liebe Grüße,
    Henriette

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    1. Liebe Henriette, vielen Dank für die vielen spannenden Links!

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  18. Bei La Maison Victor ändert sich die Körpergröße mit der Kleidungsgröße.
    Z.B. 166cm bei Größe 34 und 172cm bei Größe 48.
    Viele Grüße
    Elke

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    1. Das ist ja spannend. Diese Information hatte ich online nicht gefunden. Vielleicht steht sie nur im Heft?

      Ich frage mich allerdings, warum das so ist. Nicht jede Schlanke ist ja automatisch klein und nicht jede Dicke automatisch groß.

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    2. Das entspricht der Skalierung bei den europäischen Konfektionsgrößen, da ändert sich auch die Länge mit der Größe (dämliches Konzept, aber basiert ja auf Normgrößenerhebungen). Die Normgrößenerhebung ist übrigens länderspezifisch und wird auch in den unterschiedlichen Ländern unterschiedlich oft aktualisiert, daher kommt die unterschiedliche Passform von Kleidung je nach Sitz der Firma, die sie designt hat.
      Liebe Grüße!

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    3. Aha. Ja, dämlich! Länderspezifika hingegen finde ich nachvollziehbar.

      Was doof ist, dass es viele Annahmen hinter den Schnittmustern gibt, die erst mühsam zusammen gesucht werden müssen von denjenigen, die es interessiert. Oder vielleicht stimmt der Ansatz noch nicht. Vielleicht braucht es gar nicht die theoretischen Annahmen und das Schnittmuster wird völlig frei auf den Körper angepasst. Wir werden sehen, wohin uns die Reihe hinführt. Ich lerne jedenfalls eine Menge dabei!

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  19. Oh Meine, das ist so klasse! Habe erst vor kurzen mir angefangen Gedanken zu machen, wie ich die SM anpassen könnten, wusste aber gar nicht wie anfangen. DANKE, dass Du diese Serie in Leben gerufen hast, werde jetzt erstmal die nächsten Teile durchlesen und nochmal und nochmal...bis ich es verstanden habe ;-)
    lg

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  20. Hallöchen!
    Ich befasse mich gerade sehr mit dem Thema Schnittmustererstellung, da ich kaum SM nutzen kann anhand meiner Maße, trotz EU Größe 48/50.
    Dank Deiner tollen Erklärungen hier kann ich mir künftig selbst weiterhelfen und die Schnittmuster für mich anpassen! Vielen lieben Dank dafür und alles Gute für Dich,
    MeiLing

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