Mittwoch, 28. Oktober 2015

MMM - Plotterista mit neuem Kleid



Die FrauCrafteln, jetzt zeigt sie nen Wickelkleid! Als hätte es nicht den schicken Gastbeitrag von Ella  Mara letzte Woche beim MMM gegeben und als hätte sie niemals beim Me Made Mittwoch Wickelkleid-Spezial behauptet, mit Wickelkleidern wäre sie durch. Tststs.

Heute bin ich drüber auf dem Me Made Mittwoch Blog Gastgeberin, aber der Vollständigkeit halber, mein Beitrag auch hier.





Darauf gekommen, ein Wickelkleid zu nähen bin ich, als ich entdeckte, dass es eine neue Schnittfirma für Plus Size Schnitte gib. Das machte mich natürlich neugierig und da es von Cashmerette Patterns bisher nur einen einzigen Schnitt - das Appleton Dress -gibt, probierte ich eben dieses. Ab gesehen davon, dass ich manchmal einfach nur froh bin, meinen Schnitt nicht selbst zu vergrößeren, finde ich die Hintergedanken zur Schnittentwicklung extrem spannend. Davon zu Lesen überzeugte mich, es trotz Skepsis gegenüber Wickelkleidern, eines zu nähen.




Vor dem Nähen hatte ich die bahnbrechende Erkenntnis, dass es einfach unglaublich einfach ist, PDF-Schnittmuster ausdrucken (plotten) zu lassen, statt sie mühsam als DIN A 4 Blätter zusammen zu kleben. Nicht nur mich begeisterte diese Erkenntnis, zahlreiche Blogleserinnen auch und ganz bestimmt auch den Plotterservice, den ich verlinkt hatte. Aber was solls, Hauptsache, alle sind glücklich. Ich kann das Plotten wirklich nur empfehlen! Binnen 24 Stunden hatte ich einen Papierschnitt in der Hand, für den ich bei der Übersendung aus Amerika nicht nur länger warten, sondern auch mindestens so viel Versand hätte zahlen müssen.



Vor dem Zuschnitt hatte ich Schwierigkeiten, meine Größe zu bestimmen. Das ist bei ungewöhnlichen Größensystemen ja gerne mal so. Aber ein freundlicher Mailwechsel mit Jenny von Cashmerette brachte Klarheit und ich entschied mich für die kleinere Cupgröße und größere Kleidungsgröße, um an der Taille genügend Platz im Kleid zu haben und oben rum nicht unbedingt alles offen zu legen. Was soll ich sagen: das Kleid passt super! Ich wusste gar nicht, wie gut es sich anfühlen kann, ein passendes Wickelkleid zu tragen! Bisher kannte ich nur mühsames Gezuppel und das Gefühl, immer halb nackt dazustehen. Ich freue mich sehr, dass das beim Appleton Dress nicht der Fall ist!




Genäht habe ich es erstmal aus einem günstigen Jersey (vom Maybach Ufer), von dem ich ärgerlicherweise auch noch 50 cm zu wenig hatte; deswegen sind nun die Bindebänder gestückelt, aber das sieht man nicht. Mir gefällt mein Kleid, dessen Muster mich an Silvester erinnert und ich fühle mich, als hätte es mir Dianne von Fürstenberg persönlich auf den Leib geschneidert.



Und was tragt ihr heute? Ein Lieblingsstück oder einen Neuzugang im Kleiderschrank, an den ihr euch erst noch gewöhnen müsst? Ich bin gespannt!


Dienstag, 27. Oktober 2015

Aus dem Nähkästchen geplaudert: "Geschickt eingefädelt" - Vorbereitungen und Homestory

Foto: Vox/Andrea Friese

Noch genau eine Woche, dann geht es endlich los, mit der ersten Nähsendung im deutschen Fernsehen "Geschickt eingefädelt" - ab dem 3.11. immer Dienstags um 20.15 Uhr auf VOX. Die Spannung steigt merklich. Um die Vorfreude zu steigern, plaudere ich ein bisschen aus dem Nähkästchen und erzähle euch heute von der Homestory und meinen Vorbereitungen.

Monatelang wurde gecastet - na klar, die Fernsehleute wollten die Besten. Ich konnte natürlich nicht einschätzen, ob ich dazu gehören würde. Doch irgendwann war klar: ich bin dabei. Ich werde tatsächlich im Fernsehen nähen und habe dort die Chance, „die Menschheit“ vom Nähen zu begeistern. Wie aufregend! Wie soll frau sich auf so etwas vorbereiten?

Am Schwierigsten war die Organisation. Ist es überhaupt möglich, für ein paar Wochen aus dem Leben auszusteigen? Was passiert, wenn ich mich einfach so aus meinem Alltag abmelde? Wer übernimmt meine Aufgaben? Was würden KundInnen und mein Teilzeitarbeitgeber sagen, wenn ich nicht arbeite? Wer kümmert sich um mein Kind? Ich fragte mich, wer noch an der Sendung teilnehmen würde. Wem wäre es möglich, sich ein paar Wochen aus dem Beruf zu verabschieden oder die Kinder wegzuorganisieren? Ich hatte großes Glück, das ich freiberuflich arbeite, einen Mann, ein Kind und die dazugehörigen Großeltern habe, die es mir ermöglichten, wochenlang aus dem Alltag auszusteigen, KundInnen, für die ich vor- und nacharbeiten konnte und einen Teilzeitarbeitgeber, der meine Nähleidenschaft auch noch gut findet. Ohne die großartige Unterstützung meines Umfeldes, wäre es nicht möglich gewesen, mich dafür zu entscheiden, zur Abwechslung mal etwas ganz Verrücktes zu tun.

Nähen üben!

Als das geklärt war, war ich aber noch lange nicht vorbereitet. Es gab ja noch viel mehr zu tun. Unzählige Menschen bereiteten das große Projekt vor und alle Rädchen mussten irgendwie zusammen passen. So viel musste vorbereitet werden! Und nebenher musste ich auch noch Nähen üben, um vor der Kamera die Aufgaben quasi aus dem Effeff erledigen konnte. Aber wann? Im Prinzip konnte alles dran kommen, was in einem Lehrbuch zum Bekleidungsnähen erklärt wird. Solche Sachen hatte ich zwar fast alle irgendwann schon einmal genäht, das meiste davon aber nur ein oder zweimal. So ist das als Hobbyschneiderin: jedes Projekt ist eine neue Herausforderung; Routine gibt es eigentlich nicht.

Glücklicherweise gab es die AnNÄHherung, das Nähwochenende in Bielefeld, wo die geballte Nähkompetenz sich versammelte und mir ein Trainingslager bot, ohne davon zu wissen. Mit der Liste im Kopf schaute ich, dass ich lernen konnte, was  möglich war. Wie cool ist es, etwas gezeigt zu bekommen, fast 40 Lehrmeisterinnen zu haben, etwas beim „über die Schulter sehen“ zu verstehen und es gleich auszuprobieren. Und natürich ist es großartig, einmal zwei Tage am Stück sich dem Lieblingshobby konzentriert hinzugeben!

"Trainingslager" auf der AnNÄHerung in Bielefeld 2015

Plötzlich hatte ich noch ein Problem: Ich hatte gar nichts anzuziehen! Genauer gesagt: nicht genug. Schließlich musste ich für den Fall der Fälle gerüstet sein, ganz bis zum Ende der Sendung dabei zu sein! Kameratauglich Outfits sollten es sein, also zum Beispiel nichts Kleingemustertes. Das sagten die Fernsehleute - ich hatte noch ganz andere Ansprüche: luftig und bequem sollten sie sein, meine Outfits, damit ich im Scheinwerferlicht nicht mehr als nötig ins Schwitzen kommen würde. Ganz zu schweigen davon, dass ich natürlich sensationell aussehen wollte!

Draußen war es noch kalt und ich trug Wintermantel, als ich über die Outfits nachdachte, doch mir war klar, dass ich das Rampenlicht nur in Sommerkleidchen überstehen würde. Aber hatte ich überhaupt so viele Kleider? Waren die nicht alle kleingemustert? Röcke, waren die Lösung, einen Rock kann ich mit mehreren Oberteilen kombinieren, zumindest dann, wenn der Kleiderschrank nicht gerade eine schlimme "Oberteilschwäche" aufweist. Also begann ich kurz bevor es losging, noch T-Shirts zu nähen, statt Kragen zu üben. Viel mehr würde man von mir hinter der Nähmaschine ohnehin nicht sehen, dachte ich. Shirts nähen hatte natürlich wenig mit der Liste zu tun, die mir ans Herz gelegt wurde, aber manchmal  muss frau eben Prioritäten setzen.



Aber was sollte ich untenrum tragen? Ich kenne mich doch: früher oder später hätte ich garantiert das Bedürfnis, die Strumpfhose auszuziehen. Es würde mir beim Nähen warm werden, da war ich mir sicher. Aber morgens und Abends wäre es selbst mir heißer Braut mit nackten Beinen zu kühl. Irgendwann hatte ich den rettenden Einfall: Kniestrümpfe und Pediküre! Das war genau richtig, schließlich ist es keine gute Idee, vor laufender Kamera eine Strumpfhose ausziehen. Zuhause nähe ich auch am liebsten barfuß. Also legte ich einen Pediküretermin kurz vor die Abreise und überlegte, welche Nagelackfarbe mir Glück bringen würde.




Am meisten stand mir die Homestory bevor. Auf die Dreharbeiten und das Nähen zusammen mit den anderen KandidatInnen in einem schönen Studio freute ich mich, aber ein Kamerateam in das eigene Zuhause zu lassen, fühlte sich sehr merkwürdig an. Die Vorgespräche zur Homestory waren nett, aber ich fand, dass es schon ein Unterschied ist, mich und mein Hobby vor der Kamera zu zeigen oder dazu noch mein ganzes Leben! Es braucht schon einiges an Mut, zu bloggen und Fotos von sich ins Netz zu stellen -  das funktioniert für mich nur, wenn ich vieles andere eben privat lasse und nicht darüber schreibe.

Liebesbeweis: Mein Mann hat mir den Saum vor laufender Kamera abgerundet

Meine Wohnung zu zeigen, fand ich sehr intim, nicht umsonst fotografiere ich meine Fotos für den Me Made Mittwoch an der neutralsten Stelle unserer Wohnung, auch wenn die Klotür im Hintergrund kein wirklich attraktives Motiv ist. Und überhaupt, würde mein Mann da mitspielen? Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, dass er das gut finden würde. Doch auch er überwand seine Bedenken, nahm sich einen Tag frei und unterstützte mich mit vollen Kräften. Das ist Liebe! Und das, obwohl ich in den Tagen zuvor fürchterlich aufgeregt und vermutlich unausstehlich war! Als wir den Homestory-Tag hinter uns hatten, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Doch eine wunderbare Erinnerung bleibt: Vor laufender Kamera sagte mein Mann ganz reizende Dinge über mich und selbst, wenn nicht alles davon gesendet wird - ich vergesse das bestimmt nicht! <3


Das ist mein Nähzimmer - leider nicht immer einsatzbereit

Kaum hatten wir die Homestory hinter uns gebracht, hatten die Fernsehleute eine neue Idee: wir sollten hübschen Dekokram mitbringen, um unseren Näh-Arbeitsplatz persönlich einzurichten und liebevoll zu gestalten. Wer mich kennt, weiß von meiner Schnickeldi-Allergie: es liegt mir einfach nicht, Homeaccessoires  auszusuchen, im Raum zu arrangieren oder zum Beispiel Geschenke hübsch zu verpacken. Manchmal frage ich mich, wie ich es überhaupt schaffe, schöne Kleidung zu nähen. Wahrscheinlich wird mein kompletter Schönheitssinn vom Thema Bekleidung aufgesogen und für Deko bleibt einfach nichts übrig.


Die genähten Glücksbringer sind von Monika http://wollixundstoffix.blogspot.de


Wie gut, dass ich Freundinnen habe! Ich rief "Hilfe" in die Runde und meine Freundinnen bastelten mir Glücksbringer. So viel tolle Unterstützung von Freundinnen und Familie, ich Glückskind! Ich fühlte mich wie eine Rennfahrerin, die ohne ihr Team in der Boxengasse nicht zum Sieg fahren kann und war einfach nur dankbar. 1000 Dank an alle, die mich unterstützten!

Aber meinen Tacker und meinen Locher, den ich immer zum Stoffbeschweren beim Zuschnitt nutze, packte ich natürlich auch mit ein.




Die Wochen zur Vorbereitung vergingen wie im Flug. Plötzlich war der Termin da und es ging ans Packen und Verabschieden. Die Nervosität und Aufregung war mittlerweile auf dem Höhepunkt. Aber ich hatte zugesagt, jetzt musste ich da durch! Eigentlich hatte ich im Vorfeld so viel vorbereitet und vorgearbeitet, dass ich erst einmal eine Woche Urlaub gebrauchen konnte, doch die war nicht drin. Am Schluss ging alles ganz schnell, ich packte meine Sachen zusammen, stieg in den Zug und war gespannt auf die Abenteuer, die da kommen würden.

Falls ihr die erste Folge meiner kleinen Serie zu "Geschickt eingefädelt verpasst habt - hier könnt ihr meinen Beitrag über das Casting nachlesen. 


Sonntag, 25. Oktober 2015

Vom Stoffeltrüffeln und dem Nähnerdglück



Ich kaufe gerne Stoffe in Berlin auf dem Markt am Maybachufer. Warum eigentlich? Eigentlich bräuchte ich gar nicht mehr so gierig sein und jede Berlinreise rund um einen Marktbesuch zu planen, arbeite ich doch mehrmals im Monat in einem Stoffladen. Es gibt viele Menschen, die weite Strecken auf sich nehmen, um genau in diesem Stoffladen zu kaufen. Was fasziniert mich so an dem Stoffkauf auf dem Markt?

Letztens sagte mein Mann zu mir "wenn du dein komplettes Stofflager (in allen Ecken der Wohnung) auflöst, dann kaufe ich dir richtig guten Stoff." Ach! Gierig begann mein Herz zu flattern, bis er die Aussagen schnell einschränkte in "einen richtig guten Stoff". Na, das ist natürlich keine Option!

Eigentlich habe ich genügend Stoff und bräuchte nichts. Das kennt ihr sicher. Und trotzdem geht doch nichts über Stoff jagen: eine Stoffquelle zu betreten, die Hand sanft über die Stoffe gleiten zu lassen, zu fühlen, zu betasten, den Stoff aufzufächern, um zu sehen, wie der Stoff wirkt, wenn er ausgebreitet ist oder sanft in Falten fällt. Es ist einfach großartig, Farben abzuscannen und Muster zu checken und damit Träume zu entwickeln, was daraus werden könnte. Stoff kaufen macht einfach Spaß.

Stoff kaufen und Stoff besitzen ist auch gar nicht das Problem. Das Schwierige ist nur, dass wir alle zu wenig Zeit haben, die Träume zu verwirklichen. Jeden Stoff, den wir kaufen, kaufen wir in dem festen Bewusstsein, einen Schatz gehoben zu haben. Wir wollen ihn haben und wissen genau, dass er uns glücklich macht. Deswegen ist der neuste Stoff auch stets der Schönste, denn die Träume verblassen im Schrank, je länger es her ist, dass wir den Traum geträumt haben.

Die vernünftige Lösung wäre es natürlich, nur noch ganz gezielt Stoff für ein konkretes Projekt zu kaufen, für das wir einen Anlass haben, zu dem es fertig gestellt sein muss und Zeitfenster geplant haben, in denen wir es verwirklichen. Wenn wir so vernünftig vorgehen würden, dann könnten wir uns auch den superduperqualitativen teuren Stoff leisten. Ich weiß noch, wie ich zusammenzuckte, als ich realisierte, dass ich fast 120 € für den Wintermantel-Walk ausgeben musste und überlegte, ob ich das wirklich tun sollte. Ich kaufte ihn, schließlich hatte ich im Vorfeld zwei Probemäntel genäht und brauchte einen Wintermantel. Was soll ich sagen: der teure Walk sieht auch nach drei langen Wintern, an denen der Mantel jeden Tag getragen wurde, immer noch aus, wie neu. Theoretisch weiß ich natürlich, dass guter Stoff lohnt.



Aber praktisch ist es auch immer wieder aufregend, Stoffe auf dem Markt zu kaufen. Gut sortierte Stoffgeschäfte langweilen mich eher. Auch bin ich überfordert, wenn es von einer Materialart zig verschiedene Varianten und Farben gibt. Zum Beispiel zu Mahlerstoffe gehe ich nur, wenn ich ein ganz konkretes Problem habe, wenn ich zum Beispiel einen Kombinationsstoff zu einem Traumstöffchen habe, das ich in ganz bestimmter Farbe und Qualität brauche. So etwa findet sich im Fachhandel, den ich genau dafür schätze. Aber den Einkaufsrausch bekomme ich woanders.

Ich mag es, auf dem Markt nach Schätzen zu suchen. Es gibt viel Mist und viele Plastikstoffe, aber die interessieren mich nicht. Auch auf dem Markt versuche ich, wie ein Trüffelschwein, die guten Qualitäten zu finden. Ich habe damit eine Erfolgschance von mehr als 50/50, je besser ich die Händler zu unterscheiden weiß, um so treffsicherer werde ich. Fabrikverkäufe liebe ich auch sehr, weiß ich doch, dass ein Markenhersteller von Bekleidung, ganz andere Ansprüche an Stoffe stellt, als der normale Stoffladeneinkäufer. Aber Fabrikverkäufe gibt es nicht auf Wunsch und schon gar nicht um die Ecke. Und in Fabrikverkäufen siegt oft das vernünftige Kriterium "gute Qualität" über den Wunsch nach außergewöhnlichen Farben und Mustern. Ist doch klar, eine Kollektion muss möglichst den breiten Geschmack treffen, da werden nicht so viele Experimente gebracht.

Im Stoffladen, in dem ich arbeite, wechselt die Ware ungefähr alle halbe Jahr. Dann gibt es einen neuen Katalog, eine neue Saison, neue Farben und Mustern. Wenn ich mich dann für etwas begeistere, zögere ich beim Kauf, wohlwissend, dass der gleiche Stoff noch Wochen später garantiert verfügbar ist. Das ist nur der halbe Spaß beim Kauf. Das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht, einen Schatz ertrüffelt zu haben, stellt sich eher ein, wenn die Gelegenheit einmalig ist. Ich gebe zu, ich mag den Thrill.

Und ich mag tatsächlich auch das Gefühl, das meine selbstgemachte Kleidung nicht teuer ist. Es freut mich, wenn ein Kleid weniger als 30 Euro kostet und zwar deswegen, weil ich einen guten Stoff ertrüffelt habe, statt dafür Arbeitskräfte in Fernost auszubeuten. Ok, über die Stoffherstellung und die damit verbundenen Bedingungen weiß ich dann nichts, aber ich kann zumindest sicher sein, keine Näherin auszubeuten. Als Stoffverkäuferin kann ich einigermaßen einschätzen, welche günstigen Stoffe es lohnt, zu kaufen. Jeder Stoff, den ich kaufe, vernähe, oft trage und wasche lehrt ich mehr über gutes Material.

Nachdem ich auf dem Markt letzte Woche günstige Schnäppchen machte und herrliche Stoffe mit nach Hause brachte, gönnte ich mir noch einen Besuch im Nähkontor und ballerte das gesparte Geld für Knöpfe raus, was mich sehr sehr glücklich machte. Ok, manchmal schockt es auch mich, wenn die Kurzwarenabrechnung mal wieder das investierte Geld für den Stoff übersteigt, aber ich weiß genau, dass gerade ein tendenziell unspektakulärer, einfarbiger Stoff ganz besonders gewinnt, wenn er tolle Knöpfe hat. Kurzum: ich bin mit meinen Mitbringeln aus Berlin sehr glücklich!


Dienstag, 20. Oktober 2015

Aus dem Nähkästchen geplaudert: "Geschickt eingefädelt " - Das Casting

Foto: Vox/Andrea Friese


Noch genau vierzehn Tage, dann geht es endlich los, mit der ersten Nähsendung im deutschen Fernsehen "Geschickt eingefädelt" - ab dem 3.11. immer Dienstags um 20.15 Uhr auf VOX. Die Spannung steigt merklich. Um die Vorfreude zu steigern, dachte ich, ich plaudere mal ein bisschen aus dem Nähkästchen und erzähle euch vom Casting.

Vor dem Casting stand die Bewerbung. Ich hatte es in Nähbloggerinnenkreisen zwitschern gehört, dass eine Nähsendung geplant sei. Meine spontane Reaktion war: toll, dass die Sewing Bee nach Deutschland kommt, aber neee, für mich ist das nix. Dazu nähe ich nicht gut genug, um mich bei so einem Wettbewerb behaupten zu können. Aber dann habe ich mich doch beworben, weil ich einfach neugierig war. Ich wollte einen Blick hinter die Kulissen werfen, wie so eine Sendung gemacht wird und da das erste Casting in Berlin stattfinden sollte und Berlin für mich immer eine Reise wert ist, beschloss ich es einfach zu wagen und eine Bewerbung zu schicken. 

Als ich meine Bewerbung schrieb wurde mir schnell klar, dass diese Sendung im Grunde doch genau das Richtige für mich sein könnte. Immerhin hatte ich eine Mission vor Augen: ich hatte für mich erfahren, wie bereichernd es ist, meine Kleidung selbst zu nähen und das wollte ich gerne anderen zeigen. Wo könnte ich diese frohe Botschaft besser, teilen, als im Fernsehen?! Je mehr ich darüber nachdachte, wusste ich: ich will das machen! Ich möchte gerne bei der ersten Nähsendung im deutschen Fernsehen dabei sein und ich werde versuchen die Menschen für das Nähen zu begeistern!

Jeder Anlass braucht ein neues Kleid, alte Nähnerd-Regel. Was sollte ich nur zum Casting anziehen? Vielleicht wäre das "Stoffwechselkleid" das Richtige? Beim Nähen hatte ich plötzlich Guido Maria Kretschmer Stimme im Kopf, wie er mich und mein Kleid mit schief gelegtem Köpfchen anschaut und "Süß!" sagt. Perfekt! Ob das kleine Muster wirklich kamerageeignet wäre, daran hatte ich meine Zweifel, aber der rote Kragen würde Eindruck hinterlassen. Als es fertig war, nickte ich mir im Spiegel zu, raunte mir grinsend "süß" zu und beschloss, das "Stoffwechselkleid" in "Castingkleid" umzubenennen. Der Stoff war von einer Nähfreundin liebevoll für mich ausgesucht, das würde mir bestimmt Glück bringen. Ich hatte das Gefühl, dass die Nähfreundinnengemeinschaft im Kleid mit eingewebt wäre, als würdet ich nicht alleine zum Casting gehen. So sollte es sein!



Auf das Casting war ich gespannt wie Bolle. Wen würde ich da treffen? Würde ich andere Näherinnen erkennen? Und wie wäre es, plötzlich in dieser Konkurrenzsituation zu sein? Ich dachte mir, dass es im Casting eher darum gehen würde, Standardnähfähigkeiten in einer Stresssituation unter Beweis zu stellen. Und so war es dann auch. Wir nähten einen Rock, der innerhalb der Zeitvorgabe zu bewältigen war. Im Zug nach Berlin hatte ich noch die Anleitung aus Frau Nahtzugabes Buch auswendig gelernt, wie frau einen normalen Reissverschluss einnäht, denn das hatte ich vorher noch nie gemacht. Wofür hat Gott schließlich die nahtverdeckten Reissverschlüsse erfunden? Das war eine gute Idee, denn genau so einen Reissverschluss, mussten wir nähen. 

Ich fand es wunderbar, dass das Casting im Nähkontor stattfand. Nicht nur, dass Nina, die ich schon vom  Me Made Mittwoch kannte, und die den Laden mit einer Partnerin betreibt, anwesend war. Das war schön, ein vertrautes Gesicht zu sehen und sie trug ein  Kleid, dass ich sehr anschmachtete und ganz deutlich zeigte, wie wundervoll es ist, sich Kleidung auf den Leib zu schneidern. Aber nicht nur das! Wer den einmaligen Laden schon einmal betreten hat weiß, dass das dort der Nähnerd-Himmel ist: ein Knopfparadies, ein Laden, in dem kein Kurzwarenwunsch offen bleibt, einfach schön eingerichtet und eine wunderbare Atmosphäre, die für dass Nähen nur Glück bringen kann!



Beim Nähen versuchte ich mich nicht davon beeindrucken zu lassen, dass es nur ein Bügelbrett gab und es möglicherweise eine Rangelei um Dasselbige geben könnte. Wer wie ich die großartige Hilfsbereitschaft in der Nähcomunity kennt, kann einfach nicht Nähen und Schubsen in Einklang bringen. Ich wäre niemals diejenige geworden, die ich jetzt bin, ohne das Feedback meiner Blogleserinnen und die Hilfestellung, die wir einander geben! Ich fand es auch nicht frustrierend, dass Elisabeth von elisadesign, die neben mir saß einfach um Klassen souveräner, ordentlicher und schneller nähte als ich. Wir kannten uns von einem Bloggerinnentreffen und während wir auf das Nähen warteten, hatten wir Gelegenheit, uns darüber zu unterhalten, was uns bewogen hatte, am Casting teilzunehmen. Mir war klar, dass wir unterschiedlich wie Tag und Nacht sind und dass es einfach unsinnig wäre, mich mit ihr zu vergleichen - außerdem mag ich sie. Da erschien es mir doch viel sinnvoller, mit ihr im Team den Tag zu durchstehen, statt die Ellenbogen auszufahren. 

Während wir nähten, wurden wir immer wieder interviewt. Als ich den Reissverschluss zum dritten Mal heraustrennte und wusste, dass ich nur noch 7 Minuten Zeit hatte, um ihn final einzunähen. Da war ich natürlich wenig begeistert, als die Kamera quasi zwischen Nähmaschine und meiner Nase klebte und ich gefragt wurde, wie ich mich jetzt fühle. Was ich sagte, weiß ich nicht mehr, aber begeistert klang es sicherlich nicht. Aber so ist das Leben, egal ob auf Sendung oder vor der eigenen Nähmaschine: Nicht immer klappt alles auf Anhieb, also kann auch nicht nur gelächelt und gestrahlt werden, da darf eine auch mal verzweifelt sein. Mir war klar, dass ich Schwierigkeiten haben würde, mich so verzweifelt auf der Leinwand zu sehen, aber besser, echte Verzweiflung als Heititei, da bin ich lieber authentisch.



Vor dem Nähen, hatten wir die Gelegenheit uns und ein besonders gelungenes Nähwerk vor der Kamera zu präsentieren. Als ich die Puppe in Größe 38 sah, war mir klar, dass mein Kostüm in großer Größe, auf das ich so stolz bin, an der dünnen Puppe formlos und hoffnungslos unattraktiv herumschloddern würde. Ich brauchte also einen Plan B, um die Chance zu bekommen, die Menschheit vom Bekleidungsnähen zu begeistern. Jetzt musste ich in die Vollen gehen, die komplette Charmoffensive starten und schöne Bilder liefern. Wie gut, dass ich seit Jahren, Fotos für den Me Made Mittwoch mache! Immer dann, wenn ich mich und meine Kleidung fotografieren will, mache ich zuhause Musik an, tanze und mache mich vor der Kamera zum Affen  und genau das tat ich - unter Hinzunahme einer Prise Gehirnschmalz, um nicht völligen Blödsinn zu erzählen - vor der Castingkamera auch. Glücklicherweise hatte ich einen guten Draht zu der Frau, die mich interviewte, ich beantwortete ihre Fragen gerne. Ich wäre vielleicht nicht so unverkrampft gewesen, hätte ich die Person auf der anderen Seite unsympathisch gefunden. Irgendwann sagte mir meine innere Stimme "stell dich vor das schlapp auf der Puppe hängende Kostüm und drehe eine Pirouette, lass den Petticoat fliegen und strahle - es geht um dich und deine Mission und nicht um die Abnäher!". Ich drehte mich und wusste "das wollen sie sehen, das passt" und irrte nicht, denn Monate später stand ich tatsächlich vor der Kamera als Kandidatin bei "Geschickt eingefädelt" und ab dem 3. November werden wir sehen, ob ich es schaffe, die halbe Welt für das Nähen zu begeistern. 

Montag, 19. Oktober 2015

Teil 2: Plotten-Lassen ist toll!

Irre! Irre, was mein Blogartikel über das Plotten für eine Welle auslöste. Dabei hatte ich das doch gar nicht erfunden! Vor mir waren schon andere Nähnerds auf die Idee gekommen, E-Book-Schnitte ausdrucken zu lassen. Doch erstaunlicherweise fanden sie das gar nicht erwähnenswert genug, um darüber zu bloggen! Trotzdem, ich bin unheimlich dankbar, dass sie ihre Erkenntnisse auf twitter darüber geteilt haben. Sonst wäre ich auch gar nicht auf diese naheliegende Idee gekommen, eine Alternative zu der DIN A4-Kleberei auszuprobieren.

Was das Plotter-Lassen für mich letzte Woche zum Abenteuer machte, lag auch daran, dass ich bei der Bestellung im Grund nicht wusste, was mich der Spass kosten würde. Die Preisangaben auf der Website von preiswertplotten.de fand ich eher kryptisch. Ich hoffte einfach, dass die Nähnerds auf twitter Recht behielten und das plotten schon kein Vermögen kosten würde. Um so größer war die Freude, als ich dann die Rechnung in der Hand hielt.

Damit euch das nicht so geht, habe ich  mich noch mal schlau gemacht. Meine Druckvorlage war ein PDF in DIN A0 unter CAD fand ich die Preisangaben und als ich noch mal auf dem Schnitt nachschaute entdeckte ich die Angabe, dass es sich um 2 DIN A0 Ausdrucke handelte. Aha, da hätte ich also schon auf den Preis kommen können! Mittlerweile weiß ich, dass in einen Umschlag für 1,45 € Porto bis zu 6 gefaltete Blätter in DIN A0 hereinpassen und für die nächste Umschlaggröße, für 2,40 € Porto 6-12 Ausdrucke in DIN A0 möglich sind. Alles darüber wird dann ein Päckchen für 4,50€. Na, damit lässt es sich doch leben!

Diese Preise beziehen sich auf schwarz-weiß-Ausdrucke. In Farbe wird es natürlich teurer. Deswegen lohnt es sich, die Datei im Vorfeld anzusehen.

Toll fand ich, dass der Staffelstab unter den Nähnerds weiter gegeben wurde. Kaum war das Thema Plotten heiß, kam natürlich die Frage auf, ob das denn für alle E-Book-Schnitte geht. Bisher hatten wir fast alle brav geklebt, dabei geflucht und uns über die Kleberänder gefreut - aber was würde nun mit diesen beim Plotten geschehen?

Es ist ja klar, dass die Kleberänder stören. Wenn der Schnitt als Ganzes ausgedruckt wird, dann braucht kein Mensch Kleberänder. Wäre es irgendwie möglich, diese Kleberänder wieder loszuwerden? Die nächste, die den Staffelstab-der-Erkenntis aufgriff, war Frau drehumdiebolzeningeurin Miriam. Sie probierte herum und schrieb ein Tutorial, wie auch eine Nicht-Grafikerin Kleberänder aus einer Datei entfernen kann und einen plotfähigen Schnitt produziert. Großartig. Hipp hipp Hurra und herzlichen Dank dafür!

Als ich bei preiswertplotten.de am Tag nach der Veröffentlichung des ersten Blogartikels zum Plotten anrief, um mich schlauer zu machen, wussten sie sofort, wer ich bin und bedankten sich, für die vielen Neukunden. Ja, dachte ich, so funktioniert Social Media. Es gibt ein Problem, ein Unternehmen hat die Lösung dafür, eine Bloggerin berichtet glücklich davon und ganz viele werden von der Begeisterung angesteckt. Das so wenige Unternehmen das kapieren! Nicht, dass ihr jetzt denkt, dies wäre ein gesponserter Post. Nein, auch dieser Beitrag ist nicht bezahlt!  Die Motivation darüber zu schreiben, entspringt immer noch meiner persönlichen Begeisterung - aber ich hätte nichts dagegen, wenn der Plotservice Banner auf meiner Seite schalten würde, damit ihr immer wieder unkompliziert den Link finden würdet. So funktioniert Social Media!

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Plotten-lassen ist toll!



Warum bin ich da noch nicht früher drauf gekommen? Es gibt eine Alternative zum mühseligen DIN A 4 Ausdrucken und Zusammenkleben von PDF-Schnitten: Plotten!

Plotter sind große Drucker, die mit größerem Papier arbeiten. Das heißt, ein Schnittmuster kann am Stück ausgedruckt, statt mühsam zusammen geklebt werden. Das Ganze ist gar nicht so teuer, wie ich dachte. Für einen Schnitt habe ich bei preiswertplotten.de 2.16 € (ohne MwSt.) gezahlt. Wenn ich bedenke, was meine Arbeitszeit, das Papier und der Kleber kosten, ist das ein Witz im Vergleich. Noch günstiger wäre es natürlich, gleich mehrere PDF-Schnitte auf einmal drucken zu lassen, damit die Portokosten (hier 1,45 €) nicht so sehr ins Gewicht fallen. Der Schnitt kam auf festen Papier und war in weniger als 24 Stunden bei mir.

Für mich ist das eine großartige Entdeckung. Ab gesehen von dem lästigen Zusammenkleben mag ich das feste Papier, denn so kann ich sehr leicht Schnittänderungen direkt anzeichnen, bevor ich den Schnitt ausschneide. Ich arbeite gerne mit festem Papier, aber das ist Geschmacksache.

Was mich aber komplett vom Hocker haut, ist folgende Erkenntnis: wenn es so einfach ist, PDF-Schnitte auszudrucken, dann kann ich ja ganz unkompliziert Schnitte von Indie-Designern aus der ganzen Welt kaufen: kein Übersee-Porto, kein Zoll! Wenn ich bedenke, wie ich bei einem Sale der etablierten amerikanischen Schnittmusterfirmen rechnete, wie viel Schnitte ich bestellen muss, damit Kaufpreis und Porto im Verhältnis stehen und dann immer dieses Bangen wegen des Zolls! Dann bestelle ich diese Schnitte und habe, wenn sie dann endlich da sind, keine Lust, sie zu benutzen, weil das labbrige Seidenpapier so lausig ist. Ich muss also erst den Schnitt kopieren, bevor ich ihn benutzen kann. Nicht zuletzt dauert es seine Zeit, bis die Bestellung aus Übersee ankommt und wer hat schon Lust auf einen Ganz zum Zollamt.

Für mich rückt mit der Erkenntnis, PDF-Schnitte mühelos, günstig und schnell ausplotten zu lassen, unsere Welt noch mal ein bisschen zusammen. Nicht nur, dass wir Blogs aus der ganzen Welt lesen können, uns beim Me Made Mai mit anderen Nähnerds aus anderen Ländern austauschen können - PDF-E-Books ratzfatz auszuplotten bedeutet, dass auch kleine Schnittmusterfirmen aus der ganzen Welt eine Chance haben. Startups, die nur E-Books anbieten und noch nicht viele Schnitte im Programm haben, bieten damit ein für mich akzeptables Produkt. E-Book runterladen und in 24 h den Schnitt zuhause haben - das ist toll! Der Plott-Aufpreis schockt mich nicht, denn der Schnitt kostet dann ungefähr so viel wie das Papierschnittmuster (wenn es denn überhaupt alternativ angeboten wird) kosten würde. Aber ich muss eben nicht mehrere Tage oder Wochen darauf warten, sondern bekomme es schnell.

Auf die Idee zu plotten, bin ich gekommen als ich überlegte das neue Schnitmuster Appleton-Dress der neuen Plus-Size-Schnittmusteranbieterin Cashmerette zu kaufen. Zweimal vorher schon, zuckte mein Bestellfinger über dem Button. Aber ich musste mir ganz realistisch eingestehen, dass ich es bestimmt nicht realisieren würde, weil meine Zeit so kostbar derzeit ist, dass Zusammenkleben nicht drin ist. Gestern dann die Frage auf twitter an die Nähnerds, ob sie Erfahrungen mit Plotten haben und  heute liegt das Schnittmuster schon vor mir. Ich finde es großartig und will diese Erkenntnis unbedingt mit euch teilen!

edit: Die Firma preiswertplotten hat sich bei mir bedankt, weil ihr fleissig am Plottenlassen seid. So funktioniert Social Media - warum kapieren das so Wenige? Ich habe kein Geld für meinen Beitrag bekommen, den schrieb ich aus ehrlicher Begeisterung.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

MMM in der Jogginghose unter den Kleidern, genannt "der Jutesack"




Heute trage ich ein Walkkleid aus dem Jahre 2012 und ich finde es super! Als ich im Winter 2012 drei von diesen Kleidern nähte, hätte ich erstens nicht gedacht, dass ich sie nach Jahren immer noch so sehr mögen würde und zweitens. dass sich gerade das petrolfarbene als Liebling herausstellen würde. Ok, petrol ist meine Lieblingsfarbe, aber der Walk vom Maybachufer ist zugegebenermaßen etwas grobschlächtig und kratzig.

Bügeln könnte ich das Kleid vielleicht mal, nach dem es den Sommer über weggepackt war. Aber vielleicht bügelt es sich ja am Körper?



Ich mag dieses Kleid, weil es so herrlich unkompliziert ist, an den richtigen Stellen wärmt und bei all seiner Einfachheit, trotzdem etwas besonderes ist. Es ist casual: genau richtig, um im Homeoffice zu arbeiten, einkaufen zu gehen, aber auch gut genug, um es zum Elterngespräch in der Schule zu tragen. Ich finde es chic, ohne dass es aufgebrezelt ist. Ich glaube, ich sollte mir dieses Jahr noch eines davon nähen - nur welche Farbe?


SchnittmusterKassak Texel von Schnittquelle zum Kleid verlängert
Stoff: Walk vom Maybachufer
Materialkosten: 36 Euro (allerdings hätten 2.10 m gereicht, ich hatte aber 2,40 m gekauft) + Garn
Schwierigkeitsgrad: einfach
Passform: Besser. Dieses Mal habe ich komplett nach Anweisung gearbeitet, nur die Taillierung etwas rausgenommen (also mehr Stoff um die Taille rum, schließlich bin ich kein 16 mehr) und anschließend kleine Anpassungen an den Raglannähten. Achso ja und die Biesen am Rückenteil habe ich zur Hohlkreuzanpassung verlängert. Das klingt aufwendig - ist es aber nicht! Versprochen!
Werde ich noch mal machen? Aber klar doch!



Mehr echte Menschen in selbstgemachter Kleidung findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog. Heute mit Frau Nahtzugabe, untenrum auch in einem bewährten Rock und oben mit neuer schöner Strickjacke. Strickkrise? Habe ich auch! Stricken reizt mich zur Zeit sowas von gar nicht! Aber Krise würde ich es trotzdem nicht nennen, zur Zeit häkele ich eben lieber. Davon ein anderes Mal mehr.


Dienstag, 13. Oktober 2015

Das Buch ist da!

Buchcover Nählust
Foto: Trinity Kreativ

Endlich! Endlich ist das Buch in Druck und ich darf euch das Cover zeigen. Gerade noch rechtzeitig zur Buchmesse in Frankfurt ist das Buch fertig geworden und auch schon bei der Buchhändlerin eures Vertrauens ( mit ISBN 978-3-95550-179-2) vorbestellbar, doch es erscheint erst am 2. November. (Ich hoffe mal sehr, dass ich in echt auf dem Buch nicht ganz so rot rüberkomme)

Mit "Nählust statt Shoppingfrust" möchte ich Menschen dafür begeistern, Kleidung selbst zu nähen. Ich erkläre, warum uns Einkaufen oft so unzufrieden macht, erzähle, dass man Nähen eben beim Nähen lernt und nicht viel braucht, um loszulegen. Das Buch soll der kleine Schubs sein, endlich mit Nähen zu starten, obwohl für viele so viel dagegen zu sprechen scheint. Ihr kennt alle diese Aussage "Was du nähst, dafür hätte ich keine Zeit!", die natürlich nichts mit tatsächlicher Zeit-Knappheit zu tun hat (denn Zeit ist auch das, was uns am meisten fehlt), sondern mit Prioritäten. Wenn man für sich erst einmal klar hat, dass kein Weg daran vorbei führt, sich Kleidung selbst zu nähen, dann finden sich auch Gelegenheiten.

Das Buch ist nicht wirklich für euch, meine lieben Leserinnen, denn es wendet sich an Anfängerinnen. Es wendet sich an diejenigen, die durch die Näh-Sendung Lust bekommen, es auch einmal mit dem Nähen zu versuchen und an Menschen, die schon länger eure selbstgemachte Kleidung bewundern. Ich bin sicher, ihr kennt die eine oder andere, der ihr es gerne mal in die Hand drücken würdet, damit der Funke der Begeisterung für das Nähen zündet. Es ist für diejenigen, die noch nicht nähen und für diejenigen, die schon Kinderbekleidung oder Wohnaccessoires nähen, sich bisher aber noch nicht an das Nähen von Frauen-Bekleidung herangewagt haben.

Deswegen gibt es im hinteren Teil des Buches auch Kapitel, die sich mit dem Nähen nach Schnittmustern und den dazugehörigen Änderungen beschäftigen. Für mich war das eine irre Erkenntnis, dass die allermeisten Hobbyschneiderinnen Änderungen an Schnittmustern vornehmen müssen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das in den Berichten zum Me Made Mittwoch entdeckte. Vor lauter Begeisterung über das fertige Werk, werden Standardänderungen oft gar nicht erwähnt, nach dem Motto "ist doch klar, dass ich für mich die Ärmel immer verlängern muss". Wenn ich Aussagen las, wie "Juchhu, es passte sofort", wurde ich immer traurig und schob das Problem auf mich und meine Problemfigur. Erst mit der Zeit lernte ich, dass es anderen auch so geht wie mir und ich lernte, dass es keine Problemfigur gibt, sondern nur unpassende Kleidung. Ich verstand, warum in Hobbyschneiderinnenkreisen Jersey so beliebt ist, denn Jersey gleicht Passformprobleme dezent aus, in dem er dort Weite gibt, wo Weite gebraucht wird. Erst, wenn mit Webware genäht wird, steigen die Ansprüche an Nähwerke. Dann gilt es sich intensiver mit Schnittführungen, Änderungen und Passform zu beschäftigen. Im Buch versuche ich dafür Mut zu machen, dies zu akzeptieren. Ich finde es besser, etwas über Schnittkunst zu lernen, statt sich einzureden, dass der eigene Körper unpassend ist und frustriert zu sein.

Das Buch endet mit der Anleitung, einen einfachen Rockschnitt zu konstruieren und diesen zu nähen. Der Rock ist wirklich supereinfach, hat er doch nur ein Schnittteil für Vorder- und Hinterrock und ist somit alles andere als raffiniert. Trotzdem fand ich es wichtig, das Buch genauso enden zu lassen. Es ist ein großes Aha-Erlebnis, aufgrund der eigenen Maße einen Schnitt zu zeichnen, den Rock zu nähen und selbst auf die Figur anzupassen. Das ist der erste Schritt, um gedanklich unabhängiger von Schnittmustern zu werden und den Mut zu finden, sich mit Schnitten zu beschäftigen, statt sie stumpf nachzunähen und sich zu wundern, wieso selbstgenähte Kleidung die gleichen Tücken aufweist, wie Kaufkleidung.

Das Buch wäre ohne mein Blog, den Me Made Mittwoch und euch, meine wunderbaren Blogleserinnen nicht möglich gewesen. Wir haben gemeinsam so viel gelernt! Einen Teil davon, habe ich versucht in dem Buch einzufangen. Deswegen freut es mich besonders, dass das Buch auch fünf "Nähgeschichten" von bekannten Gesichtern aus der Nähnerd-Comunity enthält. Außerdem gibt es noch hier und da einen Hinweis, ein Zitat, eine Reminiszenz an Menschen aus unseren Nähnerdkreisen. Das war mir wichtig, denn ich bin ein Nähnerd und ohne euch gäbe es dieses Buch nicht - alle die genannt sind, stehen stellvertretend für euch alle!

"Nählust statt Shoppingfrust - Selbernähen macht glücklich" ist kein Handarbeitsbuch im klassischen Sinne, deswegen kann es sein, dass es nicht in der Handarbeitsabteilung der Buchhandlung steht, sondern bei Mode und Stil. Es ist ein Buch über Körperakzeptanz und bietet das Nähen als Lösung. Ich möchte Mut machen und Frauen stärken. Ich möchte sie zum Strahlen bringen und ihnen Selbstbewusstsein schenken. Denn: Nähen macht Spaß, aber Kleidung nähen macht glücklich!

Montag, 12. Oktober 2015

Nähen macht Spaß. Kleidung nähen macht glücklich!

Eigentlich war es schon viel länger an der Zeit, meinem Blog ein neues Logo zu spendieren. Das selbstgenähte Bild passte schon länger nicht mehr und von dem dazugehörigen Spruch "Gegen die Ver-Jeans-ung der Welt und Outdoorjacken in den Fußgängerzonen. Mehr Röcke und Kleider braucht die Welt!" stimmte auch nur noch der letzte Teil. Wie viel mehr Energie steckt darin, FÜR etwas zu sein, statt GEGEN etwas!

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich meine Mission "alle Welt davon überzeugen zu wollen, wie wunderbar es ist, sich selbst maßgeschneiderte Kleidung zu nähen" in knackige Worte fassen könnte. Es ist ja nicht nur das Nähen! Als ich an meinem Buch saß und den Vortrag vorbereitete, wurde mir immer klarer, dass es mir vor allen Dingen darum geht, den Menschen zu vermitteln, dass sie ok und schön sind, so wie sie sind. Wir haben keine Figurprobleme - es wird uns nur schlechte Kleidung angeboten, die uns nicht gut passt und uns zum Strahlen bringt! Unsere Welt ist so darauf fixiert, den in den Medien überpräsenten Normkörpern nachzueifern, dass wir vergessen, dass wir Menschen eben unterschiedlich sind. Unser kapitalistisches Wirtschaftssystem funktioniert, weil wir glauben, was uns eingeredet wird: Wir glauben, wir müssten uns permanent optimieren - und dafür viel Geld ausgeben - damit wir zu einem besseren Menschen werden. In vielen von uns hat sich ein Gefühl festgesetzt, dass wir erst dann glücklich und erfolgreich sein können, wenn wir besser aussehen und rundum optimiert sind. Wir sind im Hamsterrad des Kapitalismusmotors "Wachstum" gefangen und konsumieren brav, was man uns vorsetzt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sich selbst Kleidung zu nähen, bedeutet ein Stück weit aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Statt sich mit schlecht passender Massenkonfektionsware zufrieden zu geben, nähen wir uns Kleidung, wie wir sie wirklich wollen. Statt einem Körperideal hinterherzulaufen, das ohnehin nicht zu allen Frauen mit ihren unzähligen Anforderungen des Alltagslebens passt, nähen wir uns die Kleidung, die uns wirklich (zu uns) passt. Wir nähen uns die Kleidung, die uns gefällt und uns gut tut! In den Nähblogs Tag für Tag immer mehr echte Frauen in selbstgemachter Kleidung zu sehen, macht uns unabhängiger von den Bildern, die uns die Medien präsentieren. Alles das kennt ihr gut und habe ich ja auch schon in meinem Vortrag auf der nebenan erzählt.

Immer mehr wurde mir klar, dass ich genau das noch mehr Menschen erzählen will und über den Tellerrand unseres kuscheligen Nähnerduniversums verkünden will. Da das Bücherschreiben ein wichtiger Teil meines Berufes ist, lag nichts näher, als daraus ein Buch zu machen. Doch bei all den Bemühungen, das Buch an einen Verlag zu bringen und es schlussendlich auch zu schreiben, blieb mein kleiner Blog ein wenig zurück und trug immer noch "das alte Kleidchen aus dem Jahr 2011", als ich mangels zeichnerischer Fähigkeiten, einfach ein Logo nähte. Aus diesem "Kleid" ist der Blog herausgewachsen, deswegen beauftragte ich die wunderbare Veronika Grigkarr (die übrigens auch näht)  damit, mir ein Logo und einen Header zu designen, nachdem mir Frau Toelle vom Trinity Kreativ Verlag netterweise die Worte überliess, die meine Mission so treffend beschreiben und nun Motto meines Blogs sind. Heute ist der erste Tag für das "neue Kleid" und das neue Motto "Nähen macht Spaß. Kleidung nähen macht glücklich!" und ich bin sehr glücklich darüber, in neuem Design zeigen zu können, was mich bewegt und was ich sehr gerne mit euch und mindestens der halben Welt teilen möchte.

Samstag, 10. Oktober 2015

Unabhängiger werden von Schnittmustern - Teil 1 Grundschnitte

Die Aktion von Mema und Immi "Unabhängiger werden von Schnittmustern" finde ich großartig. Eine Wissenssammlung zu organisieren und uns zum Austausch anzuregen, ist ein toller Anstoß, mal wieder über das Thema nachzudenken. Warum schreibt ihr kein Buch darüber? Das wäre doch was!

Heute will ich meinen Beitrag dazu leisten und mal aufschreiben, wie es mit mir und der Schnittkonstruktion und den Grundschnitten rückblickend geht.

Während ich 2012 von Maßschnitten träumte und quasi auf Magie hoffte ("Maße in ein Computerprogramm eingeben, zack, der perfekte Schnitt kommt raus"), hatte ich Ende 2013 dann das Gefühl, es würde sich lohnen, ein wenig theoretischer einzusteigen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ob ich wirklich alles lernen wollte, ich glaube, ich hoffe doch auch wieder ein kleines bisschen auf Magie und als Resultat perfekte Grundschnitte. Trotzdem machte ich mich auf, suchte mir eine Lehrerin und lernte ganz brav, von der pieke auf, einen Schnitt  zu machen. Die einzelnen Erfahrungsberichte dazu, findet ihr gesammelt hier.

Mir hat das 1:4 konstruieren Spaß gemacht. Ich mochte es gerne, wieder "zur Schule zu gehen" und lange Zeit ungenutzte Hirnareale wieder auf Trab zu bringen. Die Frage ist nur, was ich davon mitnahm. Ich glaube, das, was ich im Unterricht lernte, war ein wenig den Respekt vor den Schnitten zu verlieren und gleichzeitig Respekt vor Erfahrungswissen zu bekommen. Klingt widersprüchlich? Ich versuche es genauer zu erklären.

Theoretisch Schnitte zu machen, ist eigentlich ganz leicht. Es gibt bestimmte Fachausdrücke, die frau lernen muß und es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie etwas konstruiert wird und Formeln, die frau auswendig lernen oder nachschlagen kann. Dieses auf-Papier-malen, machte mir Spaß, aber ich empfand es auch sehr theoretisch. Dieses tiefere Wissen, was hinter manchen Sachen steckt, kam oft zwischen den Zeilen, immer dann, wenn Formeln nicht eindeutig waren und Bereiche angegeben waren. Manchmal wusste meine Lehrerin spontan eine Antwort "bei dickem Po nehmen wir lieber den größeren Wert", aber ganz oft sagte sie auch "jaaaaaa, najaaa, das werden wir sehen. Wir fangen mal mit einem mittleren Wert an und dann schauen wir mal, wie das wird, wenn wir den Ärmel einsetzen". Mein Eindruck war, dass das, was ein Lehrbuch, wie der dicke Hofenbitzer bietet, zwar irgendwie ganz schön ist und auch schwer beeindruckend im wahrsten Sinne des Wortes, aber gleichzeitig eben auch sehr theoretisch ist. Um das umzusetzen, wovon der Großteil des Buches handelt, braucht frau eben erstmal einen gut sitzenden Grundschnitt und der ist leider noch nicht erreicht, wenn er einmal theoretisch konstruiert worden ist.

Deswegen bestand ein Großteil des Mehrwertes, den ich aus dem Unterricht zog, tatsächlich aus der "Magie" - genauer gesagt, aus dem erfahrenen Blick meiner Lehrerin. Erst, als ich nach dem Grundschnitt ein Probemodell nähte, sie dann probierte und änderte, wir den Grundschnitt veränderten und dann das nächste Probemodell nähten, näherten wir uns einem guten Ergebnis. Ich fand das alles ziemlich komplex. Weder sah ich sofort, was sie sah, noch hatte ich eine Idee, wie das auf den Schnitt zu übertragen wäre und dann auch noch diese Zusammenhänge! Sobald etwas an der einen Seite geändert wird, verändert sich an anderer Stelle auch etwas!

Ich lernte, dass es verdammt schwierig ist, das richtige Material für die Probemodelle zu wählen, denn kaum änderte ich das Material, sah schon wieder alles ganz anders aus. Und ich lernte eine Menge Demut, denn was als Grundschnitt dabei herauskam, reichte noch lange nicht aus, um meine Designansprüche zu verwirklichen. Der Kleiderschnitt und der Hosenschnitt sind gut. Da kam etwas passendes bei raus, aber weder weiß ich mittlerweile, welche Form genau meine perfekte Hosen haben müsste (je nach Tagesform rutscht der Bund hoch oder runter und ich weiß einfach nicht, was perfekt wäre) noch habe ich ein Jacketschnitt daraus entwickeln können, der dem entspricht, wie ich mir ein tolles Jacket für mich vorstellen.

Ich habe ganz viel implizites Wissen im Unterricht gelernt und durch das Nähen und beobachten gewonnen - es ist aber nicht leicht, dieses wieder zu geben und auch anzuwenden! Es ist ein bisschen frustrierend für mich, dass ein guter Grundschnitt nur der halbe Weg zum Ziel ist, denn gutes Design verlang noch viel viel mehr Erfahrungswissen und es ist kein Zufall, dass es viele Schnitte nicht bis zu meiner Größe gibt. Aber ich sehe Schnittmuster nun mit anderen Augen. Irgendwie habe ich das Gefühl, sie nicht nur anwenden zu können, sondern sie auch ein Stück weit zu verstehen. Ich weiß, was da vor mir liegt, ich kann mir auch oft erklären, warum etwas so ist, wie es ist - zumindest im Groben.

Es lohnt es sich auf jeden Fall, einen Grundschnitt zu machen und vor allen Dingen lohnt es sich, beim Finetuning helfen zu lassen! Ich nutze zwar immer noch Fertigschnittmuster, aber ich kombiniere diese gekauften Muster mit meinem Grundschnitt, um daraus einen Maßschnitt für mich zu konstruieren. Ich schaue mir das fertige Schnittmuster an und versuche es zu verstehe, überlege, welche Hintergedanken bezüglich der Proportionen dem Design innewohnen, nehme meinen Grundschnitt und bastele die Design-Details daran. Das klappt mal mehr, mal weniger. Ich übe noch.

Ich weiß gar nicht, ob dieser Erfahrungsbericht nun wirklich als Hausaufgabe gilt und in die Wissenssammlung passt. Aber es war interessant, nach ein paar Monaten mal Resümee zu ziehen. Mein Ziel für die nächsten Lernschritte wäre es, tatsächlich unabhängiger von Schnittmustern zu werden, d.h. mir wirklich den Hofenbitzer zu nehmen, und mir, ausgehend von meinem Grundschnitt, einige der dortigen Modelle umzusetzen. Das ist irgendwie nicht so sexy, wie Teil eines Trends zu sein und ein Lemmingschnittmuster umzusetzen, würde mich aber in Sachen Schnittkunst unabhängiger und versierter machen. Denn eigentlich ist das möglich: aus einfachen Grundschnitten lassen sich tolle Sachen zaubern, wenn Abnäher verlegt, Ärmel variiert und Kragen angesetzt werden. Eigentlich würde es sich lohnen, sich mal so ein Projekt vorzunehmen. Mein Vortragskleid war ein bisschen so: da der bestellte Schnitt nicht kam, habe ich mir das Kleid selbst konstruiert und nur beim Schleifendetail Hilfe geholt. Aber zum Beispiel der selbstkonstruierte Kragen ist genau das Detail, was mir am Kleid nicht gefällt. Die Proportionen stimmten nicht und die Angaben im Buch reichten mir nicht, um aus dem Stand heraus, den zu dem Kleid passenden Kragen, wie ich in vor Augen hatte, konstruieren zu können. Wahrscheinlich muß frau das einfach immer und immer wieder tun, denn das Schöne an unserem Hobby ist ja: das Lernen hört nie auf. Wir können immer und immer besser werden!

Ein wesentliches Ergebnis meines Schnittkonstruktionsunterrichts ist aber die Erkenntnis, dass mir gute Passform wichtig ist und dass ich mit offenen Augen durch die Gegend laufen muss, um etwas über gute Passform zu lernen. Es gilt, ein Auge dafür zu entwickeln, was wo nicht stimmt und es gilt gut sitzende Kleidungsstücke mit den Augen abzuscannen und zu studieren und zu überlegen, warum dieses Kleidungsstück eigentlich so verdammt gut sitzt. In letzter Zeit habe ich gerne mein schwarzes Kleid getragen und bekam ganz andere Komplimente als mit anderen selbstgenähten Kleidungsstücken. Während sonst oft der Stoff, das Muster, die Farben ins Auge stechen und deswegen gelobt wurden, hörte ich beim schwarzen Kleid das Feedback "oh, das sitzt aber gut". Da muss es hingehen, finde ich. Darüber möchte ich noch mehr lernen, solche Kleidungsstücke möchte ich mehr besitzen!

Freitag, 9. Oktober 2015

Ein Jerseykleid muss her!


Ein Jerseykleid muss her! Zum einen brauche ich mal wieder ein Näh-Erfolgserlebnis mit überschaubarem Zeitaufwand, denn im Hintergrund lauert der 2013 begonnene dunkelblaue Wintermantel, der mich so ganz und gar nicht hinter dem Ofen hervorlockt. Zum anderen bin ich bald Gastgeberin beim Me Made Mittwoch. So sehr ich es auch schätze, olle Klamotten zu zeigen, und über die Trageerfahrungen zu berichten (oder bei euch zu lesen!), so ist die Gastgeberinnenrolle doch auch etwas besonderes. Als Gastgeberin möchte ich euch natürlich besonders hübsch im neuen Kleid willkommen heißen.

Aufräumen ist gar nicht so schlecht. Auf der Suche nach dem karierten Jersey, den ich mir in den Kopf gesetzt hatte, habe ich noch zwei andere winterliche Jerseys gefunden. Aber mein Herz schlägt für den schräg karieren. Schräg kariert deshalb, weil die Karos im Fadenlauf schräg sind. Das macht es einfacher, aber nicht leichter.

In meinem Kopf existieren nur sehr wenige Jerseykleidvariationen. Während im Webwarebereich, so scheint mir gerade, nahezu alles möglich ist. Bin ich im Jerseykleiddenken sehr beschränkt. Wie oben stümperhaft gezeichnet könnte ich mir vorstellen

1) ein T-Shirtoberteil mit Taillenband und einem Rockteil von Tiramisu
2) ein Wickeloberteil mit Taillenband und einem simplen Rockteil
3) good old Ajaccio

Aber von keinem Entwurf bin ich bezaubert!

Eigentlich gefällt mir Variante 1 am besten - einziges Problem: die Karos liegen schräg im Fadenlauf. Wird das Rockteil dann funktionieren?

Variante 3, Ajaccio, ist die naheliegende Lösung. Aber auch langweilig, denn mir spukt ein bisschen der Vivienne Westwood Sew Along, an dem ich aus Zeitgründen nicht teilnehmen konnte, was ich sehr sehr schade finde, im Kopf herum. Ich könnte doch auch mal wieder etwas interessantes nähen!

Variante 2 finde ich auch nicht sehr sexy. Wickelschnitte funktionieren irgendwie nur bedingt. Es gäbe zwar einen neuen Wickelkleidschnitt für große Größen, aber ich fürchte, ich habe nicht die Zeit, ihn zusammenzukleben. Es müsste also für ein schnelles Erfolgserlebniss ein bestehender Schnitt genommen oder bewährte Schnitte kombiniert werden.

Ansonsten würden mir noch der Schnitt vom Eisbärenkleid einfallen oder dieser assymmetrische Jerseyschnitt. Aber irgendwie habe ich darauf keine Lust. Mmmmh.



Der graugestreifte ruft Tiramisu (der ist so dick, weil Doubleface), das hat noch Zeit) und der mit dem psychedelischem Muster Ajaccio - wie laaaangweilig.

Habt ihr ne Idee für mich für den karierten Jersey?


Mittwoch, 7. Oktober 2015

Ihr seid die Besten!

Das muss einmal gesagt werden: ihr seid die allerbesten Blogleserinnen, die ich mir wünschen kann. Ich fühle mich reich beschenkt durch euren positiven Zuspruch zu meinem Veränderungspost und zu eurem netten, humorvollen Umgang mit der Sendung auf twitter. Herzallerliebsten Dank!

Dienstag, 6. Oktober 2015

Alles bleibt anders

In den letzten Wochen habe ich ja nach und nach ein paar Kätzchen aus dem Sack hüpfen lassen und euch erzählt, woran ich seit Monaten arbeite: Ihr wisst nun von meiner Beteiligung bei "Geschickt eingefädelt" und von meinem Buch, das im November erscheint. Aber eines wisst ihr noch nicht:  es gibt noch ein Geheimprojekt, über das ich noch nichts sagen will, so lange, bis ich ein erstes Produkt in den Händen halte. Die eine oder andere wird sich schon denken können, worum es sich handelt, für die anderen bleibt es spannend. So viel sei aber schon verraten: es hat mit Nähen und meine Lieblingsthema "tolle Kleidung für alle Körperformen" zu tun.

Aber noch einiges anderes passiert vor und hinter den Kulissen. Ich arbeite daran, die Veränderung meines Blogs so gut und schön wie möglich zu machen. Es ist nicht leicht, von einem werbefreien, rein privat geschriebenem Blog eine Veränderung hin zu einem Blog zu machen, der irgendwie auch mit Geldverdienen zu tun hat. Doch da komme ich nicht umhin: ich habe noch mindestens 20 Berufsjahre vor mir, möchte diese gerne mit meinem Herzensthema verknüpfen und ich brauche jeden Cent für das "Geheimprojekt".

Mir ist es ein großes Anliegen, dies so gut wie möglich zu machen, denn ich möchte auch weiterhin ein Teil der Nähnerd-Comunity sein und mit euch Spass haben. Mein großes Beispiel ist die Vorgehensweise von Maximilan Buddenbohm, dem es vortrefflich gelingt, ein Blog zu schreiben, das zwar Einnahmen geniert generiert aber trotzdem persönlich und einfach wunderbar ist. Ich glaube, ein Erfolgsfaktor für die gelungene Transformation des Privatblogs, ist Transparenz und Authentizität. Das nehme ich mir zum Vorbild und als Ansporn.

Deswegen als Information für euch: Crafteln ist weiterhin mein Blog, auf dem ich meine Erfahrungen rund um das Nähen und das Tragen von selbstgenähter Kleidung schreibe. Crafteln wird aber auch Werbung für mein Buch und Veranstaltungen drumherum enthalten, ausgewählten Partnern als Werbeplattform zur Verfügung stehen und in Verknüpfung mit Facebook, Instagram und twitter Menschen in Empfang nehmen, die über die Fernsehsendung für das Nähen begeistert werden und nun loslegen wollen. Und Crafteln wird zum Startpunkt des  "Geheimprojekts", aber davon ein anderes mal mehr.

Ob ich wirklich Werbung (z.B. Banner, sponsored Posts) auf meinem Blog haben will, habe ich lange und gründlich nachgedacht. Ich habe mich aus folgenden Gründen dafür entschieden: 1. wähle ich Werbepartner sorgfältig aus, so dass es durchaus lohnenswert sein kann, auf einen Link zu klicken, 2. kann das Geld sinnvoll zum Aufbau meines langgehegten Traumes genutzt werden. Ich verspreche euch, immer deutlich zu machen, wenn ein Kooperationspartner mit im Spiel ist, eher weniger Werbung zu machen, als möglich wäre, den Me Made Mittwoch nicht für Werbung zu nutzen, keine unauffälligen Affiliate Links zu nutzen und sehr sorgfältig auszuwählen, wer zu mir, meiner Mission, unserem Thema und meinen Vorhaben passt.

Die Nähnerd-Comunity liegt mir am Herzen, deswegen habe ich mir noch folgendes überlegt: Kleine Unternehmen aus unserem Kreis, Existenzgründerinnen oder Organisationen, mit deren Werten ich überein stimme, können auf crafteln.de zu einem symbolischen Preis werben. Sprecht mich einfach an und wir finden einen Weg, der zu euch, zu mir und zu der Nähnerd-Comunity passt.

Vielleicht habt ihr es gemerkt: ich kommuniziere auf twitter anders, als auf Facebook. Das habe ich mir sehr genau überlegt, weil ich die Veränderungen gut machen möchte. Gebt mir bitte Feedback, wenn ich es an mancher Stelle (egal ob Blog, Social Media oder oder) noch besser machen könnte!

Hoffentlich verschrecke ich euch, liebe Leserinnen, mit meinen Veränderungen nicht - vielleicht habt es ohnehin schon vermutet oder geahnt. Ich hoffe, ich kann euch auch weiterhin mit meinen Inhalten und Angeboten begeistern.

Liebe Grüße
Meike,  FrauCrafteln