Montag, 16. November 2015

Nähbloggerinnentreffen in Köln #nbtk15



Ganz beseelt, muss ich rasch noch einen Rückblick auf das wunderbare Nähbloggerinnentreffen am Wochenende schreiben, bevor mich der Alltag wieder mit Haut und Haaren hat. Ich bin immer wieder erstaunt, wie körperlich anstrengend so ein Trip sein kann  (kein Wunder, wenn das Bett erst gegen 4.30 Uhr kurz besichtigt wird) und wie gleichzeitig inspirierend Begegnungen sind, die die körperlichen Zipperlein doch in einem derart flauschigem Gefühl überlagern, dass ich einfach nur sagen kann: gut so! War toll, dass ich da war!

Und bevor ich jetzt noch von meinen Erlebnissen berichte, muss ich einfach den Organisatorinnen "Danke" sagen. Schon bei den Mails im Vorfeld war klar: in Köln gibt es klasse Frauen, die so ein Treffen mit viel Herz und viel Verstand planen. Das führte allerdings dazu, dass ich mich so aufgehoben fühlte, dass ich mich entschloss, einfach nur mitzulaufen, statt mich für irgendetwas zu entscheiden (die Auswahl war ohnehin nicht leicht) und dann das Chaos noch perfekt machte, in dem ich alle Reiseunterlagen, für die ich mir im Zug Zeit nehmen wollte, prompt in Hamburg liegen liess. Frau Dreikah und Frau AlleWünschewerdenwahr, Frau MachenstattKaufen, Bele (ohne Blog aber fleissige Kommentatorin), Frau Overluck, Frau wunderbarerKleiderschrank und Marja Katz - ihr habt das ganz großartig gemacht, alles perfekt organisiert und mit viel Herz vorbereitet. Ganz herzlichen Dank dafür!



Direkt nach der Anreise traf ich (was gar nichts mit dem Treffen zu tun hat) Daniela von gemachtmitliebe, die ich vor einigen Monaten auf twitter kennenlernte. Daniela bloggt über Häkeln und Stricken und hat auf der re:publica mal einen Vortrag über DIY gehalten. Ich war sehr neugierig auf sie, denn wir hatten auf twitter schon gemerkt, dass viele Dinge einfach auf 140 Zeichen nicht möglich sind. Wir unterhielten uns darüber, was Nähbloggerinen und Wollbloggerinnen verbindet und trennt, über die re:publica und über alles mögliche, rund um das Bloggen. Das war nicht nur nett, sondern auch sehr spannend und findet garantiert eine Fortsetzung.

Vor und während eines wunderbar leckeren Abendessens, dass Herr Dreikah für uns kochte, hatten immerhin 8 von 10 Frauen des Me Made Mittwoch-Teams die Gelegenheit, endlich mal "von Auge zu Auge" statt nur per Mailaustausch über den MMM an sich, Werbung, Sew Alongs und eine mögliche Spendenaktion zu Weihnachten zu sprechen. So sehr, wie ich das Internet und seine Austauschmöglichkeiten liebe, so fasziniert bin ich jedes Mal davon, wie viel angenehmer und effizienter der direkte Austausch ist. Aber - ohne das Internet würde es weder diese Runde noch den MMM geben, also toll, dass es sowas gibt. Das Thema Werbung-und-wie-gehen-wir-als-MMM-Organisatorinnen-damit-um war eine Diskussion, die mich sehr beschäftigte. Ich freue mich, dass wir uns als Team so einig darüber sind, dass wir den MMM werbefrei haben wollen und viel dafür tun, wohlwissend, dass wir das ganze ehrenamtlich machen und das dann auch seine Grenzen hat. Natürlich betrifft mich das Thema Werbung, denn auch mein Blog hat sich gewandelt. Deshalb versuche ich bei solchen Themen immer sehr genau hinzuhören, um zu lernen, wo Grenzen sind und in welcher Weise frau sie managen kann. Das ist nämlich alles andere als einfach! Ich bin wirklich froh, dass im MMM-Team und in unserer Nähnerd-Nische so viel intelligente Frauen sind, denen schwarz-weiß-Denken fremd ist und dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen, damit umzugehen. By the way (via MarjaKatz) stieß ich auf twitter auf einen interessanten Blogartikel mit juristischem Hintergrund zum Thema Werbung und Blogs .

Die Verbindung von kommerziellen Interessen und Bloggen beschäftigte mich natürlich, denn für den Samstag morgen hatte ich eine Lesung geplant, also einen Geschäftstermin, der in meinen Augen nichts mit dem Bloggerinnentreffen zu tun haben sollte. Ich dachte, ich klinke mich einfach für 2 Stunden aus und stoße später zur Gruppe wieder dazu. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Erst war ich irritiert, als Frau drehumdiebolzen auf twitter überlegte, zur Lesung zu kommen - aber als sie, Marja Katz und Lotti Katzkowski tatsächlich kamen, war ich sehr froh über die Unterstützung. Ich finde, diese Situation spiegelt sehr gut, meine Versuche, die Grenzen zu managen wieder: machmal versuche ich überkorrekt zu sein und dann bin ich erstaunt und sehr erfreut, wenn andere mich so wohlwollend begleiten. Dafür bin ich sehr sehr dankbar. Ich versuche, nicht zu viel und zu kompliziert zu denken, sondern ein mehr auf Genuss umzuschalten und die Unterstützung anzunehmen und mich darin gut zu fühlen. Je mehr ich es schaffe, aus dem Hamsterrad meiner Ansprüche auszusteigen, um so besser gelingt es mir. Danke!

Nachmittags war ich leider zu erkältet und geschafft für den Plissierladen oder die Stadtführung oder den Schnäppchenmarkt. Das wäre bestimmt toll gewesen, aber meine Schnupfnase und meine müden Knochen wollten einfach nur mit Frau Nahtzugabe Kaffee trinken.

Das große Treffen abends, war einfach wunderbar, obwohl es ja immer schwierig ist, so vielen Menschen in so kurzer Zeit gerecht zu werden. Auf jeden Fall hat es großartig geklappt, dass immer wieder Plätze getauscht wurden und sich neue Gesprächskonstellationen gaben - inklusive Party im Klo-Vorraum. Auch am Abend beschäftigte mich natürlich die Frage, wie viel will ich von meinen aktuellen Erlebnissen erzählen und wo ist die Grenze, an der es anfängt zu viel zu werden. Das war sehr schwer für mich zu managen, stieß ich doch auf so viel wohlwollendes Interesse. Aber mir war es lieber, wieder einen schweren Koffer mit Büchern mit zu nehmen, statt mit ihnen hausieren zu gehen. Das ist schon gut so! Ich fand es wunderbar, so viele Frauen wieder zu sehen. Natürlich ist es schade, mit der einen oder anderen nur kurz geplaudert zu haben, aber das Tolle ist doch, dass wir uns ziemlich sicher sein können, einander in den verschiedensten Konstellationen wieder zu sehen, weil es eben nicht nur ein Treffen Neugieriger ist, sondern eine Comunity!



Die Führung durch die Ausstellung "Look! Modedesigner von A bis Z" im Museum für Angewandte Kunst Köln war am Sonntag Morgen noch das Sahnehäubchen. Am Frühstückstisch kommentierte ich noch "Kunst ist ja theoretisch ne gute Idee" und meinte damit, dass ich möglicherweise mit dem, was ich geschlafen hatte, wenig aufnahmefähig wäre, aber es kam ganz anders. Die Führung von Bele und ihrer Kollegin war einfach toll! Im Zug zurück freute ich mich, dass ich mich doch noch dazu aufgerafft hatte. Plötzlich wurde mir klar, dass es sich bei der Führung auch um eine Verknüpfung von Nähbloggerinnengemeinschaft und beruflicher Kompetenz zu tun hat.  Wenn Bloggen und Kommerz scharf getrennt wird, dann hat das seine Berechtigung, bringt uns aber möglicherweise auch um das Einbringen von vielfältigen Kompetenzen, die diese ganzen tollen Frauen in anderen Lebensbereichen einsetzen. Für mich war es ungemein bereichernd, so eine persönliche und kompetente Führung zu erleben und ich bin mir sicher, dass das bei jeder der anwesenden Frauen genauso gewesen wäre, wenn sie mich oder uns in ihren Lebensbereich mitgenommen hätte und uns einen Blick hinter die Kulissen mit persönlichen Erklärungen geschenkt hätte.




Da wurde mir auf einmal klar, dass es nicht nur für mich eine Unterstützung war, dass die Bloggerinnen zur Lesung kamen, sondern möglicherweise auch interessant für sie gewesen sein könnte, mich in anderer Rolle zu erleben. In der Führung wurde viel vom "Bewahren" geredet, denn ich habe gelernt, dass es gar nicht leicht ist, Bekleidung zu archivieren und zu zeigen, weil das Material so empfindlich ist. Aber weil es so wichtig ist, etwas zu Bewahren und zu Vermitteln, werden die Mühen dafür aufgenommen. Und als ich im Zug so darüber nachdachte und jetzt diesen langen Blogbeitrag schreibe, dann denke ich, dass solche Treffen und unsere Blogbeiträge auch etwas mit "gut Aufbewahren" zu tun haben und das finde ich schön.

Um noch rechtzeitig zum Zug zu kommen (Frau Dreikah sagte, der Verspätungsalarm wäre nicht immer präzise), verschwand ich ganz plötzlich vom Treffen, ohne mich von allen und vor allen Dingen gebührend verabschieden zu können. Ich war aber froh, nur ganz kurz auf dem Gleis noch das letzte Kölnfoto schießen zu können und dann in den Zug zu steigen, um dort in Ruhe die vergangenen Stunden Revue passieren zu lassen und ein bisschen zu schlafen.






Auch wenn ich es schwierig finde, familiär Zeit für solche Veranstaltungen frei zu kämpfen, da die Familie dieses Jahr ohnehin nicht so arg viel von mir hatte, bin ich doch froh, dass ich trotz aufkommenden Schnupfens meine Fahrkarte nach Köln kaufte, um euch zu treffen. Ich habe die Zeit sehr genossen und bin froh, so wenig wie möglich geschlafen zu haben. Bis bald und 1000 Dank, dass ihr da wart und euren Teil dazu beigetragen habt, dass es ein wunderbares Wochenende war!

Mehr Berichte zum Treffen findet ihr gesammelt bei Frau Dreikah auf dem Blog. 

1 Kommentar:

  1. Du hast Recht: auch wir bewahren etwas mit unseren Blogs und auch dadurch, dass wir nähen und/oder stricken.
    Klar, kann man auch nähen ohne zu bloggen, aber mal abgesehen von der Vernetzung und den vielen interessanten Menschen, die ich kennengelernt habe, bewahre ich für mich persönlich einen Teil meines Lebens und meiner Entwicklung durch den Blog und ich bewahre auch Dinge, die anderen hilfreich sein können. Wenn ich mir die Klickzahlen für mein Pattentaschen-Tutorial ansehe, habe ich auch an dieser Stelle etwas bewahrt, was anderen weiterhelfen konnte und das finde ich toll.
    Und auch was das Bewahren durch das Handarbeiten selbst angeht: meine Mutter hat mir das Stricken beigebracht und hat mir erlaubt, mit ihrer Nähmaschine zu nähen, so dass ich sehr unbefangen alles ausprobieren konnte. Meiner Tochter zeige ich gerne Techniken und ermutige sie, was dann dazu führt, dass ich anstelle eines Kleides für das Treffen Leseknochen nähe ;-)
    Ich bin sehr froh, Teil dieser wunderbaren Gemeinschaft zu sein!

    Liebe Grüße
    Luzie

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