Dienstag, 24. November 2015

Jeans, ein faszinierendes Material! - Teil 1 (Werbung)

Der folgende Blogpost spukt mir schon ganz lange im Kopf herum. Ich bin einfach ein großer Jeans-oder-besser-gesagt-Denim-Fan, auch wenn ich den Jeans-Hosen eher abgeschworen habe. Aber das Material Denim mag ich sehr, obwohl ich weiß, dass der Stoff nicht unumstritten ist. Man könnte sogar sagen, ich habe eine ganz innige Beziehung dazu und diese würde ich gerne mal gründlich überdenken. Umso mehr freut es mich, dass stoffe.de, als Stoffladen, der auch Denim im Angebot hat, sich bereit erklärte, zwei Beiträge zu sponsern (d.h. ich bekomme Geld für diesen Blogbeitrag, er ist also rein rechtlich gesehen Werbung), in denen ich frank und frei laut denken und schreiben darf, was mir zum Thema Jeans einfällt. Herzlichen Dank dafür!



"Jeans, amerikanische Bezeichnung für Blue Gene oder Blue Genois als blaues Genueser Gewebe. Mit "genoese" wurden schon sehr früh die Baumwollhosen bezeichnet, die in ihrem einfachen Schnitt den genueser Seemanshosen entsprachen. Im Slang der Hafenarbeiter wurde "genoese" dann zu "jeans" verballhornt. Von dieser Bezeichnung distanzierte sich Levi Strauss, da seine textilen Erzeugnisse aus Nimes kamen und die Origianlbezeichnung "Serge de Nimes" (-> Denim) trugen." aus  Lexikon der Gewebe: Technik, Bindungen, Handelsnamen von Thomas Meyer zu Capellen

Jeans, oder besser Denim (da lassen wir jetzt mal die Kirche im Dorf und benutzen das Wort, welches uns lieber ist - machen ja alle) finde ich deswegen faszinierend, weil dieser Stoff irgendwie alles mit macht. Man kann sich die Finger daran abwischen, ohne dass sofort Spuren zu sehen sind und auf Bäume klettern, ohne dass etwas reißt. Nicht, dass ich das dauernd machen würde. Aber theoretisch könnte ich das und das ist gut zu wissen! Jeans macht so einiges mit und kann deswegen auch mehrere Tage hintereinander getragen werden, ohne dass es der Umgebung sofort auffällt. 

Denim ist stabil, das liegt unter anderem an der Köperbindung. Während andere Webware meist mit waagrechten und senkrechten Fäden gewebt werden (Leinwandbindung), erkennt man bei der Köperbindung ein Diagonalmuster, das entsteht, weil eben nicht immer abwechseln hoch und runter gewebt wird, sonder der Schußfaden über mehre Kettfäden hinweg geht und dieser Rhythmus dann von Reihe zu Reihe versetzt wird. Je nach verwendetem Material und Art der Bindung, entsteht ein sehr stabiles und belastbares Gewebe. Aber Halt! Kennt ihr den Beitrag von Manomama, der beschreibt, dass Jeans heutzutage mit zusätzlichen Appreturen stabil gemacht wird, statt mit gutem altem Zwirn, weil dieser anspruchsvoller zu Verweben ist. Da wirft sich mir doch die Frage auf, ob Jeans wirklich so stabil ist, wie ihm zugeschrieben wird. Die Löcher an der Innenseite der Oberschenkel meiner häufig getragenen Jeanshosen, hatten mich an diesem Mythos ohnehin schon länger zweifeln lassen. Trotzdem, ich mag von diesem Gefühl "der macht alles mit" irgendwie nicht lassen, irgendwie ist es doch tröstlich, einen Stoff zu tragen, der zumindest das Image hat, dem trubeligen Alltag stand zu halten. 

Jeans fasziniert viele Menschen, weil Jeans, so wie Leder, mit der Zeit und mit Benutzung immer "besser" wird. Dieses "besser" muß ich in Tüdelchen schreiben, weil auch dies im Auge der Betrachterin liegt. Aber bei vielen Kleidungsstücken aus Denim ist es in der Tat so, dass sich das Kleidungsstück mit der Zeit mehr und mehr den Körperkonturen anpasst und dass Gebrauchsspuren das Kleidungsstück tatsächlich lebendiger machen. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso manche Leute so eine innige Beziehung zu alten Jeans haben? Irgendwie ist der Körper mit dem Kleidungsstück derart verwachsen, dass ein Nachfolgemodell so schnell nicht an die tiefe dieser Beziehung heran kommt.

Der "Used-Look" ist das größte Problem


Ich vermute mal, dass diese Gebrauchsspuren, mit denen man heutzutage Jeans kaufen kann, auch aus diesem Grund in Mode gekommen sind. Sie symbolisieren "wir zwei, wir haben schon einiges miteinander durchgestanden" - auch wenn das natürlich nicht stimmt. Und da sind wir nun genau an dem Punkt angelangt, an dem sehr deutlich wird, was das Problem mit Jeans ist. Jeans ist nämlich zu Recht mittlerweile mit einem schlechten Ruf behaftet: Jeanshosen, die man in den Läden kaufen kann, sind - unabhängig von Preis und Marke - in der Regel unter schlechten Bedingungen für die Umwelt und in Textilfabriken mit schlechten Arbeitsbedingungen produziert, ganz zu schweigen davon, dass eine Jeans, vom Fädchen bis zur fertigen Hose so viele Arbeitsschritte in den unterschiedlichsten Ländern durchläuft, dass schon aufgrund des Transportes die Ökobilanz saumiserabel ist. Und gerade die in den letzten Jahren so beliebten Gebrauchsspuren, sind das größte Problem. 

Einfach zusammengenähte Jeans, aus gefärbtem Denim gibt es heutzutage kaum noch. Die meisten Jeanshosen sind so bearbeitet, dass sie gebraucht und irre individuell aussehen - "Used Look" das sagt schon alles! Das ist echt total verrückt, aber mir geht es mittlerweile so, dass ich bei einer Jeans, die aus durchgefärbtem Stoff, ganz ohne diese Behandlung sehe (und dabei spreche ich noch nicht mal von Löchern, sondern nur von Bleichung und diesen künstlichen Sitzfalten) mittlerweile das Gefühl habe, dass die unbehandelte Jeans billig aussieht! Das muß man sich mal vorstellen! Wahrscheinlich geht das nicht nur mir so: das abgetragen-aussehende Stück erscheint hochwertiger! Ich finde das verrückt und frage mich, wann und wie genau diese Gehirnwäsche bei mir eingesetzt hat. 

Einen Erklärungsversuch, den ich dafür habe ist, dass der Konsumzyklus bei Kleidungsstücken mittlerweile irre kurz geworden ist. Während wir früher Kleidungsstücke so lange trugen, wie sie  nicht auseinanderfielen und uns noch passten, ist es heutzutage völlig normal, Dinge nur ein einziges Mal zu tragen. Mit dieser Wegwerf-Strategie heizen wir ordentlich das Wirtschaftswachstum an und ignorieren, dass dies auf Kosten der Menschen in anderen Ländern und den zukünftigen Generationen, die unter unseren Umweltsünden zu leiden haben, geht. Da sich dieses wenige-Male-getragen-und-hopp-und-weg vielleicht doch komisch anfühlt, sind einfach die neuen Kleidungsstücke so gemacht, dass sie schon den Look von oft getragenen "Lieblings-Stücken" haben. Und wir spielen dieses Spiel mit, ohne darüber nachzudenken.

Nähen für ein besseres Gewissen


Als Menschen, die nähen können, können wir dieses fiese Spiel unterbrechen. Wir können uns zum Beispiel ganz bewusst zertifizierte Stoffe kaufen und daraus Kleidung nähen - das das mit den Zertifikaten aber nicht so einfach ist, das hat Frau 7000Sachen ja letztens ausführlich beschrieben und ich kenne die Bedenken der Hobbynäherinnen ordentlich Geld für Stoff auszugeben, wenn in die Nähfertigkeiten noch nicht genügend Vertrauen ist, um sich wirklich sicher zu sein, ein großartiges Kleidungsstück zu fabrizieren.

Also was tun? Ich vermute, es geht nicht ohne Kompromisse. Für mich ist es ein Kompromiss, mit dem ich leben kann, möglichst wenig behandelten Jeans zu vernähen, das ist das immer noch besser, als eine Jeans von der Stange zu kaufen. Wir können uns gegen vorgefertigten Used-Look entscheiden, diese "Verzierungen" falls gewünscht selbst machen, statt es den schlechtbezahlten Produzentinnen zu überlassen, aber besser noch:

Wir können unser selbstgemachtes Kleidungsstück aus Jeans lieben, ehren und lange tragen! 


Wenn wir selbst nähen, dann wissen wir, wie viel Aufwand in einem Kleidungsstück liegt und können diesen Wert schätzen. Mir geht es so, dass es mir mittlerweile extrem schwer fällt, Kleidung zu entsorgen. Ich sehe nicht mehr das 10-Euro-Teil sonder ich sehe ein Kleidungsstück, das von Menschen zusammen genäht wurde.

Wir können daran arbeiten, besser zu nähen, um weniger Stoff zu verschwenden, der unter schwierigen Produktionsbedingungen hergestellt wurde. Wir können etwas über Schnitterstellung und Anpassungen lernen und wir können uns dazu aufraffen, genähte Kleidungsstücke so lange und sorgfältig zu bearbeiten, dass sie zu Lieblingsstücken werden. Das auf dem Weg dorthin das eine oder andere UFO entsteht, dass frustriert in die Ecke geknallt wird oder im Mülleimer landet, das wird vermutlich ein ganz normaler Teil des Weges sein. Aber das Ziel vor Augen, sich selbst tolle Kleidung zu nähen, hilft uns Schritt für Schritt unabhängig von Produktionsprozessen zu machen, die wir nicht unterstützten wollen.

Auf Jeans zu verzichten, weil die Produktionsbedingungen nicht toll sind, ist für mich noch keine Alternative. Konsequent gedacht, wäre es dann auch notwendig, noch tiefer in die Materie einzusteigen und sich über die Produktionsbedingungen von Baumwolle und über die Verwendung von Erdöl für die Faserproduktion schlau zu machen. Ich bin da keine Heilige und mag Baumwolle und insbesondere Jeans wahnsinnig gerne. Ich arbeite Schritt für Schritt an meiner ganz persönlichen Lösung, nur noch Lieblingskleidungsstücke zu produzieren, die ich gerne und lange trage. Dazu mehr im nächsten Beitrag über Jeans.

Kommentare:

  1. Hi Meike, Dein Beitrag gefällt mir.Ich denke schon sehr lange über den Unsinn, welchen uns die Modewelt , deren Marketingpsychologen und wer noch alles dazugehört, andockt an unser Konsumhirn. Wenn ich darüber nachdenke wie wir , meist Frauen, in den frühen 80ern wegen jeder ungesunden Möhre Amok gelaufen sind, heute wird sich die pure Chemikalie auf die Haut gepackt, Hauptsache es sieht "g..l" aus. Ich hab mal für meinen Sohn damals 16 eine Fubu Jeans um 5 cm zu kurz abgeschnitten..auweia, da war was los, er wollte die 140 DM teure Jeans einfach nicht mehr anziehen ;-( Jetzt kommt er mit halbzerfetzten Jeans hier an und ich wollte ihm da Flicken drauf nähen ;-) und hab ihn gefragt ob er denn so wenig Geld verdiene ;-), aber mal ehrlich, in mancher Hinsicht sind es doch die Verbraucher die sich für saudumm verkaufen lassen wollen, das grenzt doch fast schon Masochismus.
    Ich habe in der engeren Familie Angehörige, die arbeiten beide in sehr hohen Positionen in unterschiedlichen Betrieben, der Highclass, er als Chefeinkäufer sie designt. Der Clou ab Managerebene ist es untersagt die hochpreisigen Chemieklamotten zu tragen und die Beiden würden sich diese Kleidungsstücke auch niemals anziehen!!!! Das sagt doch alles , oder? Nur der Dummhansel der läßt sich das viele Geld aus der Tasche ziehen.
    Was ist man sich selbst denn noch wert?Diese Fragen sind so aufgekommen, als ich Deinen Beitrag so las.Vor selbstgenähten Jeans habe ich einen Heidenrespekt, das würde derzeit mein Können vor allem auch meinen verfügbaren Maschinenpark überstrapazieren. Ich besitze ein paar Jeanshosen und die Oberteile dazu, die fange ich jetzt an für mich selber zu nähen. Ja da geht auch schon mal was daneben, das ist eben das sogenannte Lehrgeld.
    So das sind meine 5 Groschen mal zum Thema. Ganz liebe Grüße und ich gucke heute abend natürlich, Petra

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  2. Sehr guter Beitrag Meike! Ich liebe meine Jeans, ich trage sie bis kaputt sind und dann versuche ich sie zu recyceln. Bei den Kindern flicke ich ganz oft (was sie sehr gerne mögen sind von alten total kaputten Hosen die Taschen dann als Flicken aufzusetzen). Aber mir blutet das Herz wenn ich dann doch Jeans habe, mit denen ich gar nichts mehr anfangen kann. Seitdem ich einen Bericht über die Jeansproduktion gesehen haben, kann ich Jeans nicht mehr wegschmeissen. Das kommt mir den Arbeitern gegenüber so geringschätzig vor. Und Petra: kürzlich zeigte meine Tochter mir mal zaghaft in einem Laden eine Jeans mit Einschnitten. Das sei ja jetzt modern. Ich sagte nur: "Was denkst du würde ich mit so einer Hose zuhause machen? Genau: den Riss flicken und was drauf nähen. Ich bin doch nicht doof und kaufe eine kaputte Hose für viel Geld um sie dann zu flicken!"
    Ich habe mal eine Cordhose genäht und da mir der Jeanskauf alle paar Jahre jedesmal ein Gräuel ist (ich hasse es einfach), überlege ich schon seit 2 Jahren den Schnitt mal mit Jeansstoff zu nähen. Aber noch halten die Jeans - noch habe ich keinen Handlungsbedarf.
    LG, Sabine

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  3. danke für die analytischen gedanken zum kleiderkonsum!
    ich möchte noch hinzufügen das die angeblich postiven eigenschaften der jeanshose selbst offensichtlich schon das ergebnis von gehirnwäsche sind - denn:
    - ausser sehr schlanken und jungen menschen sieht niemand gut darin aus, frauen schon gar nicht
    - ist es warm sind sie zu warm, ist es kalt (oder feucht) friert man sich den arsch ab
    - sie sind selbst in übergross total unbequem
    - sie schränken die beweglichkeit sehr ein, in eng und in weit
    als ich jung war trug ich sie weil´s cool war, nicht wegen komfort - jetzt bin ich selbst cool und komfort ist mir bei meiner kleidung am wichtigsten....
    und wenn du jetzt denkst ich lauf in schlabberklamotten rum dann guck einfach mal bei mir vorbei - auch wenn ich statt eines reinen näh-blogs einen lebensstil-blog hab :-)
    xxxxxx

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  4. Oh ja, die gute alte Jeans. (In dem Fall die Hose und nicht Jacken etc. aus Denim.)
    An sich ein Kleidungsstück das ich fast immer getragen habe und mit dem ich eigentlich schon immer meine Probleme habe.

    1. Passform: Mit eher großem Hintern und Hohlkreuz steht der hintere Bund "bei guten Jeans" immer ab. (Das Problem hatte ich schon ohne Übergroße als Teenager.)

    2. Elastananteil: Gibt es heute noch Jeans ohne? Zumindest ab Größe 44 doch nur noch als Stretch-Modell. Meiner Meinung nach ja der Grund wieso das Material nicht so reibungsfest ist.
    Zudem ist der Stoff gerade in großen Größen dann gleich so dehnbar, dass die Hose ohne Gürtel rutscht und der Gürtel zum Dank dann beim Sitzen einschneidet.

    3. Used Look: Das habe ich auch noch nie verstanden. Wieso sollte ich eine Hose kaufen, die schon Schadstellen (aka Schmirgelpapierlöcher) hat? Und gerade die zusätzlichen schrägen Aufhellungen tragen meistens auch noch auf.

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  5. Liebe Meike,

    zum Glück gibt es zu jedem Trend einen Gegentrend…
    Gerade habe ich im aktuellen Biorama gelesen, dass die Firma Patagonia “saubere” Jeans herstellt:
    http://issuu.com/biorama/docs/bio39_issuu/14

    Sympathisch: Auf der Homepage wird man begrüßt mit: “Repair is a radical act.” und “If it’s broke, fix it! Tragen Sie Ihre Kleidung länger.”

    Die Auswahl an Farben und Größen ist bisher eher klein, aber das kann sich ja noch ändern.

    Nur mal so als Alternative für alle, die (noch) nicht nähen können.

    Liebe Grüße,
    Henriette

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