Montag, 21. September 2015

Zur Abwechslung ein paar Erfolgserlebnisse



Zu größeren Nähprojekten kann ich mich gerade nicht motivieren.  Es gehen nur kleine Projekte, kleine Erfolgserlebnisse, falls unerwartet mal ein Zeitfenster aufploppt. Genau so erging es mir die letzten beiden Sonntagabende nach dem Tatort.

Sonntags abends gehört das Wohnzimmer traditionell zum Nähen mir. Idealerweise bereite ich mich am Ende der Woche darauf vor, schneide bereits etwas zu oder habe zumindest schon mal den Schnitt abgepaust oder vorbereitet. Sowas ist gerade nicht denkbar. An beiden Sonntagabenden war noch nicht mal klar, ob ich überhaupt frei haben würde oder ob ich nicht alternativ den Abend mit Arbeit verbringen würde. Da ich so fleissig war - das Buchmanuskript ist fertig, juchhu! - hatte ich frei, aber aus Mangel an Vorbereitung und Kräften, sank ich nur ermattet aufs Sofa vor die Glotze. Das Problem ist: ich komme gerade so schlecht zur Ruhe, die Gedanken kreisen permanent um die Arbeit und Entspannung auf Knopfdruck funktioniert dann auch nicht. Also stehe ich um 21 Uhr noch mal auf und überlege doch noch ein kleines aber sinnvolles Projekt zu nähen. Das Kind braucht eine Mütze, die Mutter eine Leggins. Gesagt, getan.

Und dann sitze ich ein Stündchen an der Nähmaschine und verstehe plötzlich, warum Menschen Mützen, Loops und Leggins nähen. Als Stoffverkäuferin kann ich ein Lied davon singen. Im Herbst schneide ich x-Mal pro Stunde 30 cm Stücke Jersey ab und bekomme stolz verkündet, dass für alle Freundinnen nun Loops genäht werden, weil frau es kann. Während ich mich mit so Sachen wie Schnittkonstruktion und Kleider nähen herumschlage, nähen andere mal eben zwei Jerseystücke zusammen und haben nach super kurzer Zeit ein Erfolgserlebnis in der Hand, das wärmt und jemand glücklich macht. Jetzt verstehe ich endlich, wieso Menschen solche Sachen nähen!



Kommentare:

  1. So kleine Projekte zwischendurch, gerade in stressigen Zeit sind einfach was tolles. Ich neige dann zum Socken nähen oder Jersey Röcke mit Gummibund.
    Lieber Gruß, Muriel

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    1. Ich war bisher zu faul, um mich dann überhaupt an die Nähmaschine ranzusetzen. Also ich hatte nur das entweder oder: tolles Projekt oder Abhängen. Das es da was dazwischen gibt, ist mir erst jetzt klar geworden. Sowas wie "Mütze nähen fürs Kind" nehme ich sowieso nicht so ernst, das ist wie Geschirrspülmaschine ausräumen.

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  2. Tja, die großen und kleinen Nähprojekte. Manchmal frage ich mich schuldbewusst, warum ich einen so geringen Output habe, obwohl ich versiert nähe und Schnitte machen kann und gar nicht mal den Drang nach komplizierten Herausforderungen habe? Antwort: weil ich mir bei gefühlt jedem Teil einen kleinen Designprozess einhandle, à la "da probier ich mal einen Kragen wie bei xy, das drapier ich dann genauer, wenn das Teil ansonsten fertig ist". Und wenn es soweit ist, hab ich gerade keine Lust auf Designprozesse oder aufs Anprobieren oder so. Und dann liegt das Projekt. Schließlich habe ich immer genügend Anderes zu tun (auch und gerade Berufliches), sodass ich mit bestem Gewissen prokrastinieren kann.

    Mein jüngstes Beispiel: Ich habe eine anthrazitgraue Nickyjacke nach meinem Allround-Schnitt zugeschnitten, eigentlich eine simple Sache, und schnell nach Schema F genäht. Aber dummerweise hatte ich zu wenig Stoff, für den vorderen Beleg reichte es nicht. Hmm ... Wie wäre es mit Kunstleder-Leggins-Ware in schwarz, müsste doch cool aussehen. Irgendwann nach Wochen, in denen Nähen eh kein Thema war, stellte ich im Stoffladen fest, dass sich das Zeug nicht bügeln, also auch nicht fixieren lässt. Nö. Dafür fiel mir ein weicher, changierender Poly-Taft in genau der passenden Farbe in die Hände, genial. Aber jetzt, was für Knöpfe oder was für ein Verschluss, damit die Jacke ein gut kombinierbares Basisteil bleibt und trotzdem nicht Nullachtfuffzehn ist? Da habe ich eine Menge Optionen hin und her gewendet ... aktuell bin ich bei Kordel-um-Knopf-gewickelt, mit selbst gemachten Knopfscheiben aus dem Taft. Mal sehen ...

    Tja, das ist genau das, was sich zieht. Würde ich mich mal schön auf eine Version einschießen, wie Du auf Dein Ajaccio, und die einfach komplett in verschiedenen Stoffen durchnähen, würde es auch schneller gehen. Aber ohne Umwege kann ich wohl nicht ;-) ...

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Liebe Ursula, das was du beschreibst, zeigt aber auch genau die ganz große Chance, die uns das Nähen bietet - und wenn es verschlungene Wege zum Einzelstück sind, das Ergebnis ist dann noch toller als ein Loop.

      Mir ging es darum, dass ich nun ein Verständnis für diese einfache Herangehensweise entwickelte. Vorher dachte ich "auch Anfangsstücke müssen wertgeschätzt werden", aber jetzt denke ich "auch einfache Erfolgserlebnisse haben Nutzen".

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    2. Da stimme ich Dir vollkommen zu. Sogar wenn es nur simples Nutznähen ist. Ich habe gestern mal kurz einen Haken an einem BH ersetzt und einen kaputten Schieber an einem anderen. Oder kürzlich aus zwei an den Kanten fadenscheinigen Bettbezügen einen gemacht. Und obwohl der kreative Lustgewinn bei solchen Dingen gegen Null geht, war es doch ein Erfolgserlebnis. Und macht durchaus auch Spaß.

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  3. Ich bin auch kein großer Fan von Kleinkram nähen, aber in Zeiten wo Zeit und Muse fehlen können Kleinprojekte schöne Erfolgserlebnisse sein und motivieren, sich auch mal wieder an größeres zu wagen. Manchmal ist weniger doch mehr! ;-)

    Liebe Grüße
    Rock Gerda

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  4. Für mich gibt es noch einen weiteren Aspekt beim Kleinkram nähen. Ich finde es einfach klasse fast nur selbstgemachte Kleidung zu tragen. Das gibt mir ein ganz großes Macht Gefühl, im positiven Sinn. Ich bin so mächtig, dass ich so etwas tun kann. Eben nicht Macht im Sinne von Herrschaft über andere.
    Darum nähe ich T- Shirts, Unterbuxen, Mützen, Loops. Abgesehen davon passen die Teile auch in selbstgemachte besser.
    Darum lohnt es sich für mich auf jeden Fall "kleine" Stücke zu nähen.
    Die Tage an denen ich sagen kann, nur Schuhe und Socken sind gekauft machen mich stolz.
    LG,
    Claudia

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  5. Ich hab´jetzt auch schon einige selbstgenähte Leggins, etwas dicker als viele gekaufte und genau in meinen Wunschfarben. Ganz verwegen hab´ich sogar eine Kombi T-Shirt und Leggins aus dem gleichen Stoff! Und ich bin jedes Mal wieder erfreut, wie schnell das Ding fertig ist.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  6. Ich habe kürzlich eine Pixiebuchhülle genäht und musste dabei an deinen Vortrag und die Kissenhüllen denken. Aber zwischendurch verhält es sich mit den Hüllen genauso wie mit den Loops: es ist schnell genäht, ein Erfolgserlebnis und bringt jemanden Freude.
    Aber konntest du denn bei Nähen jetzt auch abschalten?

    Lieben Gruß
    minnies

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    1. Ja, ich konnte abschalten und war selbst erstaunt darüber.

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