Mittwoch, 16. September 2015

Vom "Brauchen" und vom Kribbeln

Natürlich "brauche" ich nix. Ich habe genug zum anzuziehen. Ich komme gewärmt und auch gut gekleidet durch den Tag, die Woche, den Monat - sogar durch den Spätsommer, den ihr alle Herbst nennt.

Aber immer wieder Mittwochs, wenn ich die Kleidungsstücke sehe, die beim Me Made Mittwoch verlinkt sind, dann brauche ich ganz dringend neue Anziehsachen. Diese Woche, zum Beispiel, brauche ich dringend eine sehr lange Strickjacke. Dodo hat eine, Monika hat eine und MissBartoz schwört ohnehin schon länger darauf. Da ist es doch logisch, dass ich auch eine brauche!

Ist das ein bisschen wie auf dem Schulhof? Brauche ich diese Sachen nur, weil meine Freundinnen auch so etwas haben? Ich sollte doch eigentlich alt genug dafür sein, meinen eigenen Stil zu haben und genügend Selbstbewußtsein, in mir zu Ruhen und nur das haben zu wollen, was wirklich gut für mich ist.

Würde ich so denken, würde ich mich sehr beschneiden. Denn wie groß ist diese Freude, durch die Blogs zuschlendern, neue genähte Sachen zu bestaunen und auf einmal dieses Kribbeln, ganz tief unten im Bauch zu spüren. Dieses Gefühl, dass in Nähnerdkreise schon so lange als "schockverliebt" bezeichnet wird. Ein Bild zu sehen, sich in einen Schnitt zu verlieben, ein Muster, eine Farbe einen Stoff anzuhimmeln und plötzlich ganz genau zu wissen - erst wenn ich so ein Kleidungsstück besitze, dann bin ich vollständig.

Ach was solls. Ich finde, diese Freude darf ich mir gönnen, wohlwissend, dass das Leben sowieso anders spielt und nur ein Bruchteil dieser Sehnsüchte verwirklicht wird. Aber dieses Gefühl, dieses Ziehen und Kribbeln, hach! <3

Kommentare:

  1. Haha. Brauchen oder nicht Brauchen? Das ist hier nicht die Frage. Wollen oder Nicht wollen? Ich will das meistens leider auch. Und freue mich darüber. Z.B. ungemein über meine lange Jacke. Brauche ich dringend mehr davon? Das ist auch nicht die Frage, denn ich WILL unbedingt mehr davon
    lg monika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ahjaaaa, das bestimmte "WILL" fehlt natürlich in der Aufzählung.

      Löschen
  2. Das hast Du sehr treffend beschrieben! Ich grinse gerade sehr breit und fühle genau, was Du meinst :-)
    LG SuSe

    AntwortenLöschen
  3. Das kenne ich so gut! Ganz "schlimm" war es gegen Ende der Teeniezeit/Anfang der Twenzeit: Ich war es aus meiner Kindheit und Teeniezeit gewohnt, mich jedes Jahr komplett neu einzukleiden - fiel weg, sobald man ausgewachsen war (und die Pubertät vorbei, d.h. die weiblichen Formen fertig entwickelt :D). Schon eine Umstellung - davor konnte und _musste_ man sich jedes Jahr neu erfinden ...
    Mittlerweile hab ich mich dran gewöhnt, aber vollständig ist meine Garderobe nicht - Bedürfnisse ändern sich ja. Ich versuche, es immer sofort aufzuschreiben, wenn ich vorm Kleiderschrank stehe und feststelle, dass ich etwas anziehen möchte, das ich nicht besitze (aktuell: Ich brauche dringend etwas wärmere Sweat- oder Strickjacken! Hab nur zwei, die nicht "schlunzig" sind). Sonst vergesse ich es und kann die Lücke nie füllen ...
    Und aktuell versuche ich meine Garderobe weg vom Teenielook zu kriegen. Ich bin jetzt 30, wirke aber - schon durch meine sehr geringe Körpergröße - ziemlich jung und möchte nicht mehr für einen Teenie gehalten werden. Tschüss Vögelchenjacke, hallo Sweatblazer :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Solche Meilensteine sind immer interessant, das Motto "Tschüss Vögelchenjacke, hallo Sweatblazer" ist zumindest knackig formuliert, obwohl ich ja finde, dass man das mit der Anpassung auch nicht übertreiben muss. Aber es ist zumindest eine Chance, mal neues Auszuprobieren. Gutes Gelingen dabei!

      Löschen
    2. Danke :)
      Es ist auch nicht so, dass ich mir denke, ich müsste mich jetzt anders anziehen, weil ich jetzt 30 bin, sondern ich fühle mich in den Sachen nicht mehr wohl, die ich mit 20 gekauft/genäht habe, weil ich mich verändert habe. Ein bisschen repräsentiert man (zumindest ich) sich ja auch selbst durch seine Kleidung, und einige meiner älteren Kleidungsstücke repräsentieren quasi einen anderen Menschen als mein heutiges Ich.

      Löschen
    3. Achso! Ja, das kann ich gut verstehen. ich denke, dass Kleidung mehr als nur ein bisschen repräsentiert, wer man ist oder sein will.

      Löschen
  4. Ich verfolge deinen blog ja schon ein Weilchen und heute nun, eben gerade, habe ich dich in der Vorschau mir Guido gesehen!!! Wahnsinn, jetzt bin ich ja sehr gespannt!!!
    Liebe Grüße, sylvie

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.