Montag, 28. September 2015

Hör mir auf damit, Muddi!




Jetzt ist es soweit. Das Kind will nicht mehr von mir benäht werden. Endlich kann ich mich komplett und entspannt den wirklich wichtigen Nähwerken widmen - dem Nähen meiner eigenen Garderobe. Denn auch wenn ich das hier im Blog in letzter Zeit nicht zeigte: das Kind bekam schon hin und wieder noch was.

Aber das ist jetzt, drei Wochen nach der Einschulung, vorbei. Letzte Woche lag das Kind schreiend und heulend auf dem Boden, drohte, alles Selbstgenähte mit der Schere zu zerschneiden, denn "ich habe dir doch gesagt, dass ich einen gekauften Superman-Schal will". Tja, da konnte ich mit meinem selbstgenähten Loop & Mütze nicht punkten. Natürlich hätte ich auch einen Superman-Schal genäht, hätte es den richtigen Stoff dafür gegeben - ich bin ja ne Nette - aber den gibt es nicht. Also ist jetzt Schluss. 

Ich weiß, dass ich als Kind irgendwann auch der gestrickten Röcke und Westen überdrüssig wurde, die meine Mutter für mich machte, ich kann mich allerdings nicht mehr daran erinnern, wann das war und ob ich ähnlich theatralisch reagierte. Vermutlich schon. 

Einen Tag später relativierte das Kind allerdings seine Aussage und meinte, das hin und wieder ein T-Shirt schon gehen würde oder ne Mütze, aber nur dann, wenn der Stoff gemeinsam ausgesucht werden würde und auch nur in Ausnahmefällen. Mal sehen, ob ich mich dann schreiend und heulend auf den Boden werfe oder ob ich dann doch wieder ne Nette bin. 

Kommentare:

  1. Hihi ! Auf dieen Tag warte ich auch noch - aber vielleicht dauert das bei Mädchen einfach länger. Hier werden die wünsche allerdings spezieller und konkreter - hieß es früher "bitte ein blaues kleid" heisst es heute "ein knallblaues kleid aus diesem schnitt mit dem band und bitte genau so lang" . Mein größtes Problem sind kopfbedeckungen. Eine süße öhrchenmütze ist superschnell genäht, aber definitiv zu kitschig für eine Erstklässlerin....wenn die kleine Schwester allerdings eine bekommt, will sie auch eine. Grmpf.
    Viele grüße

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  2. Hehe, das habe ich alles schon hinter mir.
    Die Tochter lässt sich mittlerweile wieder sehr gern benähen, natürlich nach Absprache und gemeinsamem Stoffkauf und schätzt die Individualität selbstgemachter Kleidung, den Sohn (16 Jahre) dagegen darf ich auch heute noch nicht wieder benähen.
    LG von Susanne

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  3. Willkommen im Club!
    Allerdings darf ich in der letzten Zeit wieder mehr nähen, natürlich unter der Vorraussetzung, der er sich die Stoffe selbst aussuchen darf. Das funktioniert super und die "Designer"stücke werden auch eifrig getragen. Mit 9 ist man doch schon ganz schön eitel. ;-)

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  4. Ok, ich lerne daraus: frühzeitige Abstimmung mit "dem Kunden" ist nötig. Lustig, dass ihr "ich darf nähen" schreibt. Ich mache das ja eher ungerne, das fürs-Kind-nähen, aber ich gebe zu, ich freue mich schon, wenn die Sachen getragen werden und mein Kind sich etwas von den anderen abhebt.

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    1. Ich habe geschrieben "ich darf nähen", weil ich für die Tochter meist Schnitte ausprobiere und nähe, die ich für mich nie nähen würde. Das finde ich für mich schon interessant und macht mir auch Spaß.
      LG von Susanne

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  5. Oh, wir nähen doch auch um des Nähens Willen, warum nähst du dann ungern fürs Kind? Die eigenen Kleiderschränke sind ja eh schon voll - da sind die Kinder sehr willkommenen Abnehmer.
    (Zumal an meiner 17-jährigen einfach alles toll ausschaut- das ist bei einem Erstklässler sicher nicht anders. Und man hat die eigenen Werke vor Augen ohne in den Spielgel gucken zu müssen. Wenn das Kind will- perfekt!!)

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    1. Nö, ich nähe nicht um des Nähens willen, ich bin immer noch ergebnisgetrieben, nur sind die Ansprüche jetzt höher. Im Nachhinein stelle ich zwar immer fest, dass "der Flow und so...." also dieser Entspannungseffekt schon einsetzt, aber es fällt mir immer wahnsinnig schwer, mich zum Nähen aufzuraffen und den ganzen Kram aufzubauen. Wenn ich unbedingt etwas für mich haben will, dann fällt es mir leichter, mich aufzuraffen. Fürs Kind nähe ich eher weil es etwas Bestimmtes braucht oder haben will, was nicht so einfach zu beschaffen ist.

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  6. In Deinem Post heute habe ich mich wieder erkannt - beruhigend, dass es anderen auch so geht. Ich wurden ja nach der ersten "Muddi, hör auf damit"- Aktion (im Alter von 9 oder 10) in den letzten beiden Jahren von meiner Jüngsten (13) dann mehrfach mit speziellen Nähprojekten beauftragt (Stoff und Schnitt hat sie sich dabei selbst ausgesucht). Dann hat sie die Sachen doch nicht getragen, weil sie nicht H&M-uniformiert war und irgendeine andere pubertierende Quietsch-Maus eine Bemerkung gemacht hat. Ne, für die Altkleidersammlung nähe ich nun wirklich nicht! Nach kurzem Eingeschnappt-sein war klar, dann nähe ich jetzt nur noch für mich! Allerdings bei der letzten Geburtstagsparty, wo jedes eingeladene Teenie-Mädchen mit einem selbst genähten "Gym-Sac" (so einem turnbeutelähnlichen Rucksack) nach Hause gegangen ist - da glänzt das Kind schon ganz gern mal mit der nähenden Muddi.
    Und von meiner großen Tochter (20) werde ich inzwischen hin und wieder um Schnittmuster und Hilfe gebeten bei Kleidung, die sie sich selbst näht - auch sehr schön, so ein Mutter-Tochter-Erfahrungsaustausch.

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  7. Weisst du was wirklich, wirklich frustrierend ist? Wenn das Töchterlein den Stoff für ein Rock und T-Shirt ausliest, ich es nähe und sie es nie, aber gar nie anzieht. Drum nähe und stricke ich nicht mehr für meine Kinder. Ausser vielleicht mal ein Täschchen. Oder etwas für die Fasnacht. Denn da sage ich dann: anziehen oder du gehst nicht an die Fasnacht. (Das kann ich bei normalen Kleider und der Schule ja nicht sagen).
    Also: Geniess fortan Deine Freiheit und fange ein neues Kleidungsstück (für Dich) an!
    Lieber Gruss
    Milena

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