Donnerstag, 3. September 2015

Ernte-Dank-Fest des Nähens



Ich kann diese Herbst-Unkerei eigentlich gar nicht hören. Es ist Spätsommer! Spätsommer - nicht Herbst! Woher kommt dieses Bedürfnis, sobald es einen Tick frischer wird, sofort auf Wintermode umzustellen?

Mir geht es eher so, dass ich noch die Sehnsucht habe, mich ganz langsam von der warmen Jahreszeit zu verabschieden. Wenn die Nächte kühler werden, nehme ich als erstes Abschied von den weißgrundigen Kleidungsstücken. Ich trage noch mal das Ming-Vasen-Kleid und den geblümten Rock und seufze, weil es sich schon ein klitzekleinesbisschen falsch anfühlt, angesichts der Kleidung der mich umgebenden Menschen. An jedem herrlichen Spätsommertag - und genau solche sonnigen Tagen mit Mittags knapp über 20 Grad haben wir derzeit - trage ich mit großem Genuss noch mal die Sommerkleidung. Ich freue mich daran, Röcke an den nackten Beinen schwingen zu fühlen und ich entscheide mich morgens ganz bewusst dafür, genau dieses oder jenes Kleidungsstück zu wählen, als wäre es das letzte mal und denke "Chakka", wenn es noch mehrere Gelegenheiten gibt, sie dieses Jahr zu tragen. Es ist ein großes, mehrwöchiges Ernte-Dank-Fest des Nähens!

Natürlich wäre es sinnvoll, sich im Vorfeld um die Herbst- oder Wintergarderobe zu kümmern. Aber mag ich es sinnvoll? Ich bin eine Herznäherin! Ich finde es absurd, wenn es im August Lebkuchen in den Läden gibt und ich mag bei 20 Grad keine Wollstoffe verarbeiten. Der Winter wird lang genug! Nur, weil die Konsumindustrie meint, immer früher mit allem zu kommen, um die Mitbewerber aus dem Rennen zu schubsen, mus ich das Spiel nicht mitmachen. Natürlich dauert nähen länger als kaufen, aber es ist ja nicht so, dass ich nackig gehen müsste, selbst wenn es plötzlich Winter werden würde.



Da ich seit drei Tagen nun ein Schulkind habe, mit dem ich früher zur Schule laufe, als wir vorher zur Kita fuhren, sehe ich durchaus ein, dass es morgens kühl ist und meine 20-Grad-Regel nur zur Mittagszeit Anwendung findet. Aber dann wird eben gezwiebelt und dafür hat Gott die Kniestrümpfe erfunden! Wenn, ja wenn ich ein nächstes Nähprojekt vernünftiger Weise in Erwägung ziehe, dann sollte es eine Hose für morgens sein. Aber noch genieße ich den Spätsommer, trage mit großem Genuss meine Sommerkleider und lasse mir noch etwas Zeit mit den Wollstoffen.

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Kommentare:

  1. Stimme dir in allen Punkten zu, na ja, bis auf sie Sache mit den Kniestrümpfen, die sind irgendwie nicht so meins und plädiere auch dafür, den Spätsommer zu genießen.
    LG von Susanne
    PS:Soso, du willst es also nochmal mit den Hosen versuchen?

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  2. Ja, meine Wahl beim Unwort der Woche fällt auch definitiv auf Herbstanfang!
    Außer, ja außer wenn ich bedenke dass im Herbst doch so eine tolle neue "Castingshow" starten soll ;o)
    Ich selber bin eher der Hosentyp, bewundere dafür aber um so mehr eure Kleidervarianten. Die sehen immer super aus, aber ich fühl mich in einer Buxe irgendwie wohler.
    LG Melanie

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  3. hihi, die hamburger sind immer schnell dabei - über 0°c im frühling - zack das cabriodach auf und shirt statt daunenjacke an und andersrum auch... heute frü sah ich eine familie mit mützen, schals und funktionsjacken. sooo kalt war es nun auch wieder nicht, ich war noch barfuss. ;-)
    sei lieb gegrüßt!!
    claudia
    (die sich trotzdem auf den herbst freut.)

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  4. Ich würde dir ja so gerne Recht geben, aber wenn ich morgens um 6:15 das Haus verlasse, liegt ganz klar der Herbst in der Luft. Ich versuche dem mit Leggings und Strumpfhose entgegenzuwirken aber leider mit wenig Erfolg!
    LG Monika

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  5. Spätsommer genießen - da gebe ich dir recht (wenn auch lieber ohne Kniestrümpfe). Ich genieße den Spätsommer und die letzten Ferientage mit Nähplänen, Nähbüchern und heftigen Nähanfällen (und wenn dann was fertig ist, freue ich mich auf den Herbst, damit ich es auch anziehen kann...)
    lg Almut

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