Samstag, 21. März 2015

#HosenHerbst - das Finale der Herzen



Der Frühling liegt in der Luft *hatschi*, Zeit für das Finale der Herzen!

Erzählt, wie geht es euch mit den Hosen?


Viele Monate haben wir uns mit dem Thema Hosen beschäftigt und die eine oder andere Hose genäht. Heute - und in den nächsten Tagen, die Linkliste bleibt eine Woche lang geöffnet - geht es darum, noch mal auf unsere Erfahrungen mit dem Hosennähen zurück zu blicken und auch auf die Ergebnisse. Dabei geht es mir nicht nur darum, eure Werke zu bewundern, sondern auch von euch zu lesen, ob ihr eure Hosen mögt und gerne anzieht. Ihr dürft auch gerne in die Zukunft blicken und darüber schreiben, ob ihr weiter an dem Hosenthema dranbleiben wollt und welche Hosenprojekte ihr perspektivisch verwirklichen wollt.

Doch bevor ihr euch mit euren Erkenntnissen verlinkt, habe ich noch zwei Schmankerl für euch und lasse Frauen zu Wort kommen, die sich schon länger mit dem Thema Hosen beschäftigen.

Meine Mutter und die Hosen


Mich interessierte, wer meine Haltung zu Hosen geprägt hat und habe dazu meine Mutter interviewt. Ich meinte mich zu erinnern, dass die Jahre meine Kindheit in den 70ern auch in einem Vorort von Frankfurt davon geprägt waren, neue Freiheiten auszuprobieren. In meiner Fantasie trug meine Mutter früher nur Röcke und irgendwann dann plötzlich doch Hosen - eben zu jener Zeit, als sie aufhörte, mühsam die Locken aus den Haaren zu ziehen. Das meine Erinnerung so nicht ganz stimmt, hätte ich bemerken müssen, wenn ich an mein Baby-Fotoalbum dachte. Denn jedes Mal, wenn wir es betrachten erwähnt meine Mutter stolz, dass sie sich in meinem Geburtsjahr 1968 eine schicken roten Hosenanzug genäht hat. Komisch, wie die Erinnerung trügt, ich fand es gerade deswegen spannend, ihr - per Mail - ein paar Fragen zu stellen:

Meike: Kannst du dich daran erinnern, wann du deine ersten Hosen getragen hast? Ich frage, weil ich die Vermutung habe, dass in den 50ern und frühen 60ern die Mädchen und Frauen eher oder nur Röcke trugen. Trug deine Mutter oder andere Frauen Hosen?
Meikes Mutter: In der Grundschule durften wir Mädchen in den frühen 50er Jahren noch keine langen Hosen tragen. Da die Winter oft sehr kalt, die Schulwege meistens sehr lang und das Mamataxi noch nicht erfunden war, trugen wir über der Hose einen Rock und zogen dann in der Schule die Hosen aus. Ansonsten trugen wir Hose nur zum Skifahren, diese wurden an den Knöcheln mit Bändern zusammengebunden, damit der Schnee nicht reinrutschen konnte. Im Sommer durfte ich schon eine Lederhose tragen (natürlich nicht in die Schule), auf die ich sehr stolz war.
Meine Mutter trug eigentlich immer nur Röcke, dennoch erinnere ich mich, dass sie zum Wandern oder Skilaufen auch einmal eine Hose trug. 
Meike: War das Tragen von Hosen ein "revolutionärer Akt" eine Befreiung? Waren Hosen feministisch? Zu welcher Zeit war das und welchen Gefühlen war das verbunden?
Meikes Mutter: Anfangs waren Hosen wie Röcke geschnitten. Sie hatten einen seitlichen Reißverschluss und möglichst vorne Bundfalten, damit die Figur nicht zu sehr betont wurde. Meine Schwiegermutter sprach mich einmal auf eine, meines Erachtens totschicke Hose an, die einfach nur gut saß, dass dies für eine Frau sicher sehr unbequem und bestimmt auch nicht gesund sei. Aus diesem Grund trug ich diese Hose dann erst recht. So revolutionär habe ich die Hosen eigentlich nicht gesehen, es war einfach ehr praktisch. Sogar während meiner ersten Schwangerschaft hatte ich schon einen Umstands-Hosenanzug. 
Meike: Waren "Blue Jeans" wirklich eine Revolution? Ab wann trugst du Jeans und ab wann war das normal?
Meikes Mutter: Die erste Jeans erhielt ich dann Ende der 60er Jahre. Du warst gerade geboren und ich wollte mit dir spielen und auf dem Boden krabbeln. Eines Tages ging iich in ein gutes Bekleidungsgeschäft und fragte nach einer Hose, mit der man Krabbeln kann, die man selbst waschen und bügeln kann. Die anderen Hosen musste ich immer in die Reinigung geben. Diesen entsetzten Blick würde ich heute gerne noch einmal sehen. Die Lösung war natürlich die Jeans. Aber ich habe lange gebraucht, um darauf zu kommen. Gesellschaftsfähig war sie da aber für eine Frau noch lange nicht. Man trug sie eben nur zu Hause oder im Garten. Um eine Jeans zum Ausgehen anzuziehen, dauertes es noch lange - ich weiß nicht mehr genau, aber bestimmt bis an das Ende der 80er Jahre.

Dann aber liebte ich die Jeans, die meist eine gute Passform hatte, sich den Bewegungen anpasste und leicht zu pflegen war. In der letzten Zeit bin ich wieder von der Hose abgekommen. Nachdem der Hosenanzug seit nun ca. 10 Jahren Out ist, trage ich zu"guten"Anlässen schon länger wieder Kleider oder Röcke.Wie schön, dass wir Frauen die Auswahl der Kleidung inzwischen selbst vornehmen können.

Die Hosen-Expertinnen


Außerdem wollte ich gerne mit Fachleuten sprechen, die sich intensiv mit der Konstruktion von Hosen beschäftigt haben. Dank des Tipps von missbartoz lernte ich - zumindest virtuell - Yvonne von Langsdorff, die mir großartigerweise meine Fragen beantwortete. Yvonne von Langsdorff und Bettina Zehnle bieten seit vielen Jahren unter dem Label Zehnle von Langsdorff quasi maßgeschneiderte Hosen für jede Figur an. Das besondere an ihren Hosen ist ein Hosenbein, bestehend aus drei Schnittteilen.

Die beiden Hosendesignerinnen haben über 2500 Frauen vermessen und so ihre besonderen Hosenschnitte entwickelt - na, wenn das keine Hosenexpertinnen sind! Ich mag ihre Gedanken und ihre Philosophie und bin dankbar, dass sie uns daran teilhaben lassen.

Ich habe noch keine Hose von Zehnle von Langsdorff probiert, aber als ich von der Idee hörte, dass sich zwei Frauen diesem schwierigen Thema auf besondere Art und Weise nähern, um die Nachteile der Massenkonfektion auszugleichen, war ich gleich begeistert. Ein Schnittteil mehr zu benutzen erscheint mir so logisch: es geht doch um Dreidimensionalität! Als ich im Schnittkonstruktionsunterricht stundenlang mit meiner Lehrerin an einem Ärmel herumbastelte der meine große Oberarmweite bedient aber trotzdem noch in ein normales Armloch passt, war dieses Problem kaum zu lösen. Mit einem Schnittteil mehr, einem Zwei-Naht-Ärmel, war es schließlich ganz einfach möglich, Weite an den richtigen Stellen zuzugeben, ohne dass an anderen Stellen zu viel Stoff übrig war. Ist doch logisch - mit Teilungsnähten können hübsche Rundungen erzeugt werden!

Bilder ihrer Hosenmodelle und mehr Informationen zu dem Konzept von Zehnle und Langsdorff findet ihr auf ihrer Internetseite. Wenn ich das nächste Mal in Berlin bin, führt mein erster Weg nach Kreuzberg zu Zehnle von Langsdorff und um mich für das Interview zu bedanken und eine Hose zu kaufen. Auch wenn ich mittlerweile in der Lage bin, Hosen selbst zu konsturieren und zu nähen, bin ich sicher, dass das eine besondere Hose wird und dass es noch viel zu lernen gibt!

Hier ist das Interview:

Meike: Wie sind Sie auf „die Hose“ als Produkt gekommen? Was war der Anlass? 

Yvonne von Langsdorff: Als ich mit Tina begonnen habe unsere Firma zu gründen, war uns klar, dass es auf dem Markt kein weiteres Modelabel braucht, was sich schöne Sachen ausdenkt und dann darum kämpft Kunden zu gewinnen. Wenn man auf dem Markt bestehen will und nicht über Millionen Grundkapital verfügt, soviel kostet real die Gründung eines Label, wenn es bestehen will und das wird leider immer unterschätzt... ; dann sollte man sich eine Nische suchen. 
In unserem Fall war es zuerst Rock und Hose. Und von Beginn an war uns das Thema Passform wichtig, denn auch hier ist ein enormer Bedarf. Es vergeht kaum ein Tag, wo nicht eine Kundin zu uns kommt und sich beschwert, dass man „draußen“ schon lange sehr schlecht Bekleidung findet, die passt.
Gutes Design, das passt, verlockend im Stoff und in der Form ist, hat für uns Sinn gemacht.
Und um auf dem Markt erkennbar zu sein und sich nicht zu verzetteln, haben wir uns auf „die Hose“ spezialisiert und merken jeden Tag von Neuem, wie vielfältig dieses Thema ist.
Meike: Ist maßgefertigte Kleidung ein Luxusprodukt? 
Yvonne von Langsdorff: JA, es ist Luxus sich etwas Maß zu fertigen, weil es nicht der Norm im Sinne von häufig entspricht. Es hebt sich ab und kostet mehr als der Durchschnitt, ein Zeichen für Luxus. Deswegen gibt es heute nur noch ganz wenige Schneider, die dieses Handwerk in dieser Form ausüben können.
Wir selbst machen in diesem Sinne auch keine Maßhosen, das würde viel zu teuer für den Einzelnen. Aber wir nehmen durchaus manchmal die Maße des Einzelnen auf, um dann den Schnitt im Zuschnitt der Person entsprechend zu verändern und zuzuschneiden.
Das klassische Schneiderhandwerk entwickelt für jeden Einzelnen einen neuen Schnitt.
Tun wir übertragen zwar auch;) nur viel effektiver, weil wir eben nur auf dieses Produkt spezialisiert sind.

Meike: Sie haben eine Studie zum Thema Körperformen durchgeführt und über 1000 Po’s vermessen. Was waren die wichtigste Erkenntisse?

Yvonne von Langsdorff: Ja, diese Studie hat sich zwangsläufig ergeben. Mittlerweile sind es über 2600 Frauen, die wir mehr oder minder vermessen haben, da alle bei uns Hosen bestellt und gekauft haben.
Und wenn ich mit Tina gefühlt 50x die gleiche Veränderung in einer bestimmten Größe und Form gehabt habe, dann haben wir einen neuen Schnitt für diese Figur entwickelt.
Es hat sich im Lauf der Jahre herausgestellt, dass es so was wie eine Durchschnittsgröße z. B Gr.38 im realen Leben nie gibt. Wenn wir in industrielle Größen rein passen, dann nur aus Zufall. Ist quasi Lotto spielen „draussen“ etwas passendes zum Anziehen zu finden. Man wird im Lauf der Zeit eine Menge Geld los und bekommt sehr selten dass, was man möchte.
Figuren von Menschen sind sehr individuell, auch wenn das bloße Auge oft keinen Unterschied ausmachen kann, wir sehen gut. Je besser die Bekleidung passt, desto schöner wird der Träger aussehen und man fragt sich dann immer warum jener das tut, weil nicht unbedingt etwas ersichtlich sein muss. Eine gute Form , ein wunderbares Gewebe und perfekt passend, gibt der Trägerin Körperspannung zurück und somit Attraktivität. Alles ohne Schnörkel... 
Wir sind also nicht zu dick, zu groß, zu klein und was sich die armen Menschen noch so ausdenken, wir sind schlimmstenfalls sehr schlecht gekleidet;) 
Wir entsprechen keiner Norm, wie ein Handy, um das man irgend eine Hülle wickeln kann. Wir haben Körper, die sich über Jahre entwickelt haben, Geh und Stehweisen, die unserer Persönlichkeit entspringen usw. warum wollen wir unbedingt in genormte Größen passen? Vielleicht, weil der Markt wenig Angebot hat, Schneider generell als teuer und manchmal auch „muffig“ gelten?
Und das bestärkt uns jeden Tag weiter zu machen. Es macht uns große Freude, zu sehen, wie die Frauen (manchmal auch Männer) sich freuen, weil sie zum 1.Mal erleben, wie sie eigentlich aussehen können. Weil Hosen immer ein lästiges Thema für sie war und auf einmal sehen sie in sämtlichen Modellen fantastisch aus. Das ist wunderschön zu sehen.

Aber jetzt endlich zu euch: wie ging es euch in den letzten Monaten mit dem Thema Hosen? Ich bin gespannt.





Die Linkliste ist eine Woche lang geöffnet. Alle Beiträge zum Thema #HosenHerbst findet ihr hier.





Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Abschlußpost, liebe Meike.
    Dir noch einmal vielen Dank für die HosenHerbst-Aktion, an der ich sehr gern teilgenommen habe und die du so vielfältig aufbereitet hast.
    LG von Susanne

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  2. Himmel, ist das lange her.
    Frauen nur in Röcken und Kitteln, so war meine Kindheit.
    Und noch keine Strumpfhosen, sondern Strümpfe und Strapse.
    Ich habe sie gehaßt, denn es blieb immer ein Streifen Oberschenkel kalt.
    Meine erste Jeans kaufte ich mir mit 11 Jahren von meinem gesparten Geld in einem Berufsbekleidungsgeschäft.
    Die Wrangler war neben Kochhosen im Schaufenster.
    Sie hat 27 DM gekostet und war damit billiger als jede andere Hose.
    Sie war nicht elastisch, wuchs angezogen und färbte blau ab.
    Kurz drauf kam der Friesennerz dazu und später der Parka.
    Hosen waren für mich eine Befreiung, nicht nur von Strapsen, sondern auch von Bewegungseinschränkungen, von mädchenhaftem Benehmen.
    Ich habe deinen Artikel mit Begeisterung gelesen. Großartige Idee.

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    1. Spannend, dass die erste Jeans billiger als andere Hosen und "schwierig" war und trotzdem zum Liebling wurde!

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  3. "Wir sind also nicht zu dick, zu groß, zu klein und was sich die armen Menschen noch so ausdenken, wir sind schlimmstenfalls sehr schlecht gekleidet;) "
    Dieses Zitat würde ich mir am liebsten ausdrucken und an die Wand hängen!

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  4. Vielen Dank Meike, mir hat die Aktion sehr gefallen, auch weil es eine sehr gute Idee war das Thema Hosen über so einen langen Zeitraum zu behandeln.
    Die Interviews sind sehr interessant und wenn ich so überlege, ich kenne meine Mutter eigentlich nur in Hosen. Die Aussagen von Frau von Langsdorff sind wunderbar und sollten als Plakate an Umkleidekabinen hängen.
    Viele Grüße
    Sylvia

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    1. Obwohl es letztlich Zufall war, dass wir so ein langfristiges Projekt hatten, finde ich es im Nachhinein auch genau richtig.

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  5. Spannende Interviews! Das animiert mich, über das Hosenthema auch noch einmal zu schreiben - bei meiner Mutter (Jg '42) war das mit den Jeans nämlich eine etwas andere Geschichte, die hatte ihre erste Jeans schon ca. 1957.

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  6. Danke für die tollen Interviews- so etwas ist immer spannend. Meine Mutter (JG 43) trug, seit ich mich erinnern kann, immer schon Hosen, Röcke und Kleider alles ganz nach Lust und Laune...ebenso meine eine Oma. Wann sie allerdings die erste Hose hatte weiß ich leider nicht, aber sie trug schon sehr früh Hosenröcke, das hat sie mir mal erzählt, so wie Du sie oben auch beschreibt.
    Ja und die Aktion Hosen Herbst war in Summe sehr lehrreich für mich und hat viel Spass gemacht, danke auch dafür!
    LG SuSe

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  7. oh toll, die beiden Interviews. Bei der Hosenschneiderei wollte ich auch schon jahrelang mal vorbeischauen. Und saß auch gerade an einem Fragenkatalog für meine Mutter, wegen einiger Kleidungsfragen - nun übernehme ich vielleicht einfach deinen. Danke!

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  8. Vielen Dank für den schönen "krönenden" Abschluss mit dem interessanten Interview. Die Aktion war interessant und lehrreich, aber vor allem hat sie Spaß gemacht. Bin ganz gespannt auf das Ergebnis der Berlin-Reise. Wir Frauen sind zwar nicht alle perfekt, aber unsere Kleidung wird doch immer perfekter :-)
    LG Birgit

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