Mittwoch, 25. Februar 2015

Es gibt sie gar nicht

Meine Güte, da habe ich ja mal wieder ein Fass voller Gedanken aufgemacht mit meinem frommen Wunsch, es möge doch eine Messe für Nähnerd-Stoffe geben. Denn das geht gar nicht. Oder zumindest nur schwer.

Als ich heute morgen im Stoffladen arbeitete und die Regale mit Damenstoffe aufräumte, fiel mir wieder auf, wie heterogen dieses Regal einsortiert ist. Es gibt Regale, die sind wesentlich übersichtlicher. Kinderjerseys sind Kinderjerseys, aber bei den Damen gibt es mit Glitzer und ohne, uni und gemustert, große Muster und Kleine, mit Struktur und ganz glatt, verschiedenste Materialien und und und. Und dann gibt es die unterschiedlichsten Frauen, die die unterschiedlichsten Stoffe kaufen.

Wenn ich mir meine kleine Ecke des Internets ansehe, dann gibt es da durchaus Moden. Karostoffe, sind manchmal sehr beliebt und Stoffe mit Schwalben sowieso. Aber sonst? Sonst geht es auch dort bunt durcheinander. Ich kann mich noch gut an den Herbst vor zwei Jahren erinnern, als auf einmal Romanit das heiße Thema war - diesen Winter sprach da eigentlich kaum jemand drüber, aber vernäht wurde er schon hier und da. Es gibt schon ein paar Stoffe, wo die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Peer Group kreischt, aber es gibt auch ganz viele Stoffe, die der einen gefallen und der anderen nicht so dolle.

Und überhaupt. Frauenstoffe können ja auch wahnsinnig unspektakulär scheinen. Uni Stoffe aus was auch immer können tolle Basisklamotten für den Kleiderschrank erzeugen oder aber interessante Schnitte erst richtig zur Geltung bringen. Auf den ersten Blick sehen sie möglicherweise langweilig aus, aber sie überzeugen durch Materialeigenschaften und Anfass-Gefühl.

Ich kann kaum online kaufen, weil ich vor dem Kauf gerne mit der Hand über die Stoffe streichele. Meine Hand wandert fast schneller, als die Augen und prüft zuerst, ob ein Stoff den Blick wert ist. Und dann wird er ausgiebigst gestreichelt und mit feuchten Händen geknüllt, gezogen, die Hand darunter gehalten, um zu sehen, wie durchsichtig er ist, ein Stück aufgewickelt um zu sehen, wie er fällt, ob er knistert. Das alles hat nur am Rande mit Farbe und Muster zu tun und ich kann nicht sagen, ob ich manchmal schneller mit den Augen oder den Händen erkenne, ob ein Stoff zu mir passt.

Als Nähanfängerin war ich ganz heiß auf laute Stoffe. Ich wollte Sachen nähen, denen der Laie ansieht, dass es selbst gemacht ist, dass es das so nirgendwo zu kaufen gibt - gibt es natürlich doch, bei Dawanda und Konsorten, aber eben nicht auf der Einkaufsmeile. Irgendwann wurde das Selbstgenähte so viel in meinem Kleiderschrank, dass es gar nicht mehr wichtig war, laut zu schreien. Plötzlich trat die Frage in den Vordergrund, was ich eigentlich wirklich mag - und diese Frage ist bei weitem noch nicht beantwortet.

Neue Schnitte, neue Moden bringen neue Ansprüche an Stoffe. Eine Zeit lang mochte ich feste Webware, um mit Schnitten zu experimentieren und genau zu nähen, eine andere Zeit lang, konnten die Jerseys nicht großgemustert genug sein. Ich habe schon gewisse Vorlieben und bilde mir ein, zu wissen, wo FrauCrafteln drauf steht - aber die Hand lege ich dafür nicht ins Feuer.

Und dann dieses Markkäufe, die mich verdorben haben. Stoff kaufen auf dem Maybachufermarkt ist natürlich ein großes Vergnügen für das Portemonnaie, aber es verführt dazu, planlos vorzugehen. Auf dem Markt findet frau nie das, was sie sucht, dafür unzählige andere Schätze. Intuitiv und schnell muß frau sich da entscheiden, was mit nach Hause darf, oft, ohne schon einen konkreten Plan für den Stoff zu haben. Mir gefällt das, es ist kreativ - aber es ist nicht immer vernünftig.

Alle diese Gedanken machen es so schwer zu definieren, was "Nähnerd-Stoffe" oder "Erwachsenenstoffe" eigentlich sind. Kindern dürfen bunt, aber wir erwachsenen sind auch vielfältig. Diese Vielfalt, dieser Reichtum an Lebenssituationen und Geschmäckern, machen es so schwierig, alle Vorlieben zu bedienen. In der Konfektion ist es einfach, da gibt es die Moden. Bestimmte, Formen, Materialien und Farben sind in Mode - das begrenzt das Angebot, aber wir Hobbynäherinnen wollen ja mehr - wir wollen jederzeit alle unsere verrückten Träume verwirklichen. Das Angebot darf ruhig unendlich sein!

Fortsetzung folgt.

Kommentare:

  1. Wahre Worte. Ich unterscheide ganz doll in Erwachsenenblumen und Kinderblumen auf Stoff. Was der Unterschiede ist, kann ich nicht erklären. Nur SOFORT erkennen. Und die Farben. Rosa z.B. rosé, pudrig eindeutig auch zu der Erwachsenen Kategorie. ROSA aber ist rosa und geht gar nicht bei mir.
    Oder auch Motive. Jerseys mit Motiven sind ja gerade IN. Bei mir nicht so sehr. Aber da unterscheide ich auch zwischen Kind und nicht Kind. Anker. Ein Anker ist nicht gleich ein Anker. Auch da kann ich es nicht benennen. Vielleicht ist es die Größe der Motive oder auch die Anordnung.
    Also wandern wir über den Markt, durch das Internet, in den Stoffladen und SEHEN und urteilen - erwachsen oder kindlich. Spannend.
    Und ich habe immer noch keine Schwalben. Erwachsenenschwalben selbstverständlich. jammer.
    lg monika

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  2. Ja, so ist es. Ich besuche regelmäßig den Stoffmarkt hier in Wiesbaden. Und als Stoffsüchtige verfalle ich regelmäßig in einen Rausch. Denn leider gibt es kaum noch irgendwo schöne Stoffe zu kaufen. Das einzige große Kaufhaus, das noch Stoffe anbietet, kann man vergessen - kein wirklich annehmbares Angebot. Darüberhinaus gibt es nur den ein oder anderen Edel-Stoffladen mit entsprechenden Preisen. Internet ist für mich aus den von Dir genannten Gründen auch keine Alternative. Also geh ich zum Stoffmarkt. Mit Liste von angestrebten Projekten. Nach Hause komm ich regelmäßig mit einem kunterbunten Sortiment von "Spontankäufen". Aber auf diese Weise und mit einem jahrzehntelangen gewachsenen Fundus verfüge ich über ein wirklich umfangreiches Stoff-Lager. Aber ich liebe es - wenn mir ein Nähgedanke durch den Kopf schießt - meine Schranktüren zu öffnen und (fast) immer ein passendes Stöffchen zu finden. Zudem kann man mit so einer großen Auswahl auch sehr kreativ sein.
    Übrigens es stimmt: beim letzten Stoffmarkt hatte ich auch den Eindruck, der ist nur für Mütter mit Kleinkindern bestückt. Unendlich viele Kinderstoffe! Da greif ich zwar auch schon mal zu - für die Enkelkinder - aber die richtig guten Erwachsenenstoffe kommen fast zu kurz.
    Nix desto trotz - im März ist wieder Stoffmarkt bei uns - und mein Lager wird sicher wieder wachsen!
    Liebe Grüße Antje

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  3. Oh ja - es gibt nunmal so viele Stoffe, wie es unterschiedliche Nähbegeisterte gibt. Nur nicht gleichmäßig verteilt, irgendwie :D
    Ich habe vor ca. 11 Jahren angefangen zu nähen - damals gab es in den Stoffläden hauptsächlich Stoffe für 60-Jährige. Heute sind Läden und Märkte voll mit Stoffen für 6-Jährige. Für mich ist immer noch wenig dabei, aber eigentlich ist das auch besser so, da wächst mein Stoffstapel nicht so sehr :D

    Die verschiedenen "Gruppen" von Stofffreunden kann man aber sehr schön in Nähblogs beobachten. Da gibt es die Quietschbunten, inspiriert von Farbenmix&Co., diejenigen, die die etwas biederen (aber an manch einer 60-Jährigen dann erstaunlicherweise schicken) Blümchenmuster vernähen, die Musterverweigerer, die nur Unistoffe tragen ...
    Ich denke schon, dass eine Messe theoretisch alle unter einen Hut kriegen könnte, aber eine gleichmäßige Aufteilung wäre schön. Ich glaub ja noch nicht dran.

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