Montag, 23. Februar 2015

Es fliesst wieder


Es ist so banal: Krisen begegnet frau am Besten damit, einfach mal einen ersten Schritt zu tun. Aber in der Krise darauf zu kommen, ist so verdammt schwer. Irgendwie hatte ich eine Nähkrise in den letzten Wochen. Nach Bielefeld war ich so frustriert, was den zuppelnden Blazer betraf. Ich hatte 2014 so viel Energie in das Lernen von Schnittkonstruktion gesteckt und jetzt habe ich schon den zweiten halb fertigen Blazer im Schrank hängen, der nicht so aussieht, nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist echt ätzend!

Zwischendurch habe ich trotz Nähkrise zwar genäht, aber das war nicht dasselbe. Ein Faschingskostüm für das Kind zu nähen, ist eben Muddiverpflichtung und die Schlübber waren irgendwie einfach Ausdruck meiner Verzweiflung. Immer wieder musste ich daran denken, wie schwierig das Nähjahr 2014 gewesen war: die Blazer, der verdammte Badeanzug und dann noch die Frustration rund um das Thema Hosen. Ich weiß nicht so recht, wo es mit mir und dem Thema Nähen hingehen soll. Der Schrank ist ja relativ voll, die nächste Qualitätsstufe zu erreichen (Stichwort: Blazer mit guter Passform) ist einfach so verdammt schwierig.

Erstaunlicherweise fand ich ja durchaus Freude daran, meine Nähfertigkeiten auf ein anderes Niveau zu heben. Während ich eigentlich ja eher zur Nähschlamperei neige, hatte ich auf einmal eine Befriedigung beim Nähen mit der Hand und dem wunderbaren Saum, der dabei entstand. Das hätte ich tatsächlich niemals vermutet, dass mir Schnell-schnell-Mädchen so etwas gefällt. Ich bin verwundert.
Gestern, auf der Rückfahrt von der Stoffmesse beschloss ich, wieder ins Nähen zurück zu finden, in dem ich mein Erfolgsprojekt des Jahres 2014, der rote Rock, versuche zu duplizieren. Ich beschloss, einen grünen und einen dunkelblauen halben Tellerrock zu nähen. Einfache Projekte, ohne Herausforderung, mit relativ hoher Erfolgsgarantie und schnellem Ergebnis. Aber als ich so nähte, merkte ich, dass ich doch die Herausforderung suchte. Anfang Juni letzen Jahres bekam ich den Original-Reißverschlußfuß für nahtverdeckte Reißverschlüsse für meine Maschine geschenkt und nähte trotzdem alle weiteren Reißverschlüsse mit dem komischen YKK-Plastik-Reißverschlußding, weil ich zu faul war, ohne Anleitung, zu überlegen, wie ich den Spezialfuß nutzen könnte. Gestern überwand ich die Faulheit und es war ganz leicht! Davon motiviert beschloss ich, noch einen weiteren qualitativen Schritt zu tun: im Nahtschatten nähen. Ich hatte davon gehört und erstarrte regelmäßig in Ehrfurcht, nähte meine Rockbünde aber schnellschnell an und drückte sie mit einer sichtbaren Steppnaht in Form. Gestern Abend, beschloß ich es, auch mal anders zu versuchen und dank der hilfreichen Unterstützung auf twitter bekam ich es auch hin.


Ich muß sagen, das macht mich wirklich froh! Ich habe zwar das Blazerproblem noch nicht bezwungen, aber im Tun kam die Freude am Nähen wieder. Es war schön, die Herausforderungen angegangen und stolz auf das Ergebnis zu sein. Nähkrise überwunden, yeah!







Videotipp heute von Frau @Mizoal bekommen. Das probiere ich so auch noch mal aus! Danke!

Kommentare:

  1. Also, ich hab' mich ja mal beruflich mit Lerntheorien beschäftigt, und so wies aussieht sind solche Stagnationsphasen, in denen scheinbar gar nichts voran geht, in jedem Lernprozess vollkommen normal. Die nächste Stufe kommt bestimmt!

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    1. Jaja, die Lerntheorien! Aber interessant ist doch, dass das Resultat ein anderes ist, als gewünscht. Eigentlich geht es mir doch um Wunsch-umsetzen und Passform und plötzlich fange ich an qualitativ besser zu nähen, obwohl das gar nicht meine Absicht war.

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    2. Naja, eine gute Passform mit dellernden Nähten oder unsauberen Ecken ist aber auch nicht das Wahre. Umgekehrt natürlich genauso wenig.

      Wie wäre es, wenn Du Deine zwei Jacketts mal mit der Schnittkonstruktionslehrerin durchgehst? Vielleicht lässt sich mit fachmännischem Abstecken was retten. Und vor allem motiviert es, wenn man in so ner Sackgasse nicht mehr selbst rumrätseln muss.

      Viele Grüße
      Ursula

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    3. Na, da hast du natürlich recht!

      Mit meiner Lehrerin habe ich schon das eine Jacket angeschaut, aber irgendwie gab das auch keine zufriedenstellende Lösung. Ich hatte damals das Gefühl, dass wir aneinander vorbeiredeten oder ich war irgendwie starrsinnig in meinen Vorstellungen.... aber das ist ja schon ein paar Monate her - vielleicht versuche ich es wirklich einfach noch mal.

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  2. Ich beneide dich gerade ein bißchen... Momentan komme ich auch überhaupt nicht "rein" und mich nervt das total. Letztes Wochenende habe ich zwar ein paar Teile zugeschnitten, aber als ich mich heute an die Maschine setzte, ging alles schief: falsche Nadel, passendes Garn unauffindbar und dann die Erkenntnis, dass ich zwei Schnitteile falsch zugeschnitten hatte. Und darüber hinaus mag ich die zugeschnittenen Sachen farblich schon jetzt nicht so wirklich. Maschine genervt wieder aus. Seufz. Also stricke ich und wünsche mir ein Näh-Horoskop, das mir sagt, wann die Sterne für mich und meine Maschine günstig stehen... :-)

    liebe Grüße!
    Hella

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    1. Vielleicht müssen wir mal ein Nähkränzchen machen. Allerdings habe ich gerade keine Ahnung, wann und wie.

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  3. Mit Nahtzugabe zuheften, bügeln, RV reinheften (mit Maschine! Von Hand total unnötig), Naht auftrennen und RV fertig rein nähen fahre ich am besten. Weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal nachbessern musste, es wird (fast) jedes Mal perfekt.

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    1. von Hand heften finde ich derzeit auch noch absurd - aber bei mir weiß man ja nie....

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  4. Jaaa schöne Nähte im Nahtschatten sind eine Offenbarung, genau wie Knöpfe mit der Maschine annnähen - das möchte ich nicht mehr missen. Der Grüne Stoff sieht klasse aus, so einen möchte ich auch ;-) die Blazer werden schon noch. LG Kuestensocke

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    1. Den grünen Stoff gab es bei Stoff und Stil im Sale, aber ich glaube, den gibt es nicht mehr. Aber ich habe die gleiche Qualität in anderen Farben bei Mahler Stoffe auf der Stoffmesse gesehen. Es ist Baumwolle mit Elasthan.

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