Samstag, 31. Januar 2015

Wochenrückblick

Diese Woche kam ich kaum zum Bloggen und Nähen, denn ich habe unter anderem mal wieder den Versuch unternommen, einen Vortragsvorschlag bei der re:publica einzureichen. Wäre ja schön, wenn es dieses Mal klappen würde. Vor zwei Jahren sollte es ja leider nicht sein. Ich habe ein Thema gewählt, das mit uns nähnerds zu tun hat, mehr wird zur gegeben Zeit verraten.

Nachdem ich Mittwoch-Abend die Zusammenfassung der zweiten Staffel der British Sewing Bee sah (das geht über das ipad ganz einfach mit der App "filmon". Tipp via Frau Füsschenbreit. Danke!), war ich sehr motiviert, noch ein Stündchen zu nähen, bevor es ins Bett geht. Ich schnappte mir also eine der vor Wochen zugeschnittenen Unterhosen und mußte beim Nähen und späterem Anprobieren sehr lachen. Noch fehlen die Gummis, ich bin schon sehr gespannt.

Aber nicht nur ich findet es ein bißchen merkwürdig, selbstgemachte Schlübber zu tragen.

Glücklicherweise mit Happy End.



Aber wovon ich euch eigentlich erzählen wollte: Habt ihr schon den ganz und gar großartigen Beitrag von Frau bestrickendumgarnt über das Menschenbild in Nähzeitschriften gelesen? In ihrem Beitrag "White Style" beschreibt sie sehr genau und treffend, wie furchtbar es ist, wenn in einer deutschen Nähzeitschrift, ausschließlich weiße Frauen abgebildet sind und Frauen anderer Hautfarben nur als Bildaccessoires benutzt werden. Ihr ahnt es schon: sie vergleicht Burda mit Ottobre.


Ich muß gestehen, dass mir das noch gar nicht aufgefallen war, da ich bei allem, was nach Ethnostyle riecht, sofort weiter blättere. Was mir aber schon lange aufgefallen ist, sind die Modelle in der Ottobre. Ganz normal wird dort eine Vielfalt an Frauenkörpern abgebildet. Modells in der Ottobre dürfen nicht nur älter werden sondern auch dick sein. Dabei müssen die dicken Frauen nicht sexy gestylt oder als Businessfrau oder stets beliebter Hochzeitsgast verkleidet sein, wie in der Burda. Es dürfen einfach ganz normale Frauen wie du und ich sein. Das fand ich schon immer sehr angenehm anzuschauen.

Aber jetzt, wo Frau bestrickendumgarnt so deutlich darauf hinweist, bekomme ich tatsächlich Schluckauf. Ich finde die Bildsprache der Burda wirklich schlimm - ja, es ist rassistisch! Und ich bin Frau bestrickendumgart unendlich dankbar dafür, dass sie uns darauf hinweist.

Was wäre die DIY-Blogszene ohne solche Artikel? Ich bin froh, dass es euch kritische Nähnerds gibt! Danke!

Um den kleinen Rückblick auf die Näh-Woche noch vollständig zu machen, will ich euch zwei weitere gute Nachrichten nicht vorenthalten:

1. Es gibt sie endlich, die deutsche Ausgabe der Knip (wenn auch mit einem Monat Verspätung). Sie heißt "Fashion Style" und bis auf die Werbung, hat sie anscheinend die gleichen Inhalte, wie Frau dreikah genaustens untersuchte.

2. Und dann gibt es noch eine neue Ausgabe der "Maison Victor", die ich mir unbedingt ansehen will, denn die erste deutsche Ausgabe hatte mir ja gut gefallen.


Aber ich werde mir diese Magazine niemals wieder mit den gleichen Augen anschauen, wie vor dem Beitrag von Frau bestrickendumgarnt!

Kommentare:

  1. Über die Models in der Burda habe ich schon vor einem Jahr (?) geschrieben. Diese "weiße Frau in ~exotischem~ Setting"-Masche ist sowas von Koloniazeit.

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    1. Klasse, wenn du magst, dann schreibe doch den Link zu deinem Artikel hier in einen Kommentar.

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    2. Der Artikel ist hier zu finden - ich hab sogar die gleiche Fotostrecke zum Anlass genommen. Ich freue mich, dass es mehr Leuten so geht wie mir mit Burdas Model- und Setting-Auswahl!

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  2. Hallo Meike,
    mich würde vor allem der Text interessieren, den du bei der repbublica einreichen wolltest. Ich fand schon den Text von vor 2 Jahren interessant und dachte damals nur "schade, dass er abgelehnt worden ist - aber einen zweiten Versuch wäre es durchaus wert".
    LG
    Ulrike

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    1. Ja, das dachte ich mir! Ich weiß allerdings nicht, ob ich so etwas im Vorfeld veröffentlichen darf oder ob das Unglück bringt. Deswegen warte ich noch ein bißchen ab. Wenn ich den Vortrag dort halte, dann werde ich etwas hier darüber schreiben und wenn nicht, dann auch.

      Danke für das Feedback zu dem Text von vor zwei Jahren. Ich habe ihn vor ein paar Tagen noch mal gelesen und war auch ganz glücklich damit.

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  3. Political correctness in allen Ehren, aber diesem Aufregerchen kann ich gerade wirklich nicht folgen. Das Motto "Out of Africa" stellt doch nur eine Verbindung der gezeigten Schnitte und evtl. auch Materialien zum Afrikanischen her. Die Burda ist nunmal eine deutsche Nähzeitschrift und daher entsprechen die Models eben auch dem, wie sich der überwiegende Teil der Leser/innen gern sieht. Nur weil ein Thema sich in Form und Farbe vom Afrikanischen inspiriert sieht, muss man doch deshalb nicht afrikanische Frauen in Burda-Modelle stecken. Ich bin mir sicher, hätte Burda das getan, gäbe es unter Garantie auch hier wieder Menschen, die sich darüber aufregen würden. Nenee, mach Dir mal keine Gedanken darüber, dass Dir dieser "faux pas" bisher nicht aufgefallen ist - man kann wirklich alles übertreiben ;O)
    Und Deine Meinung zur Ottobre teile ich im übrigen - mir gefallen die verschiedenen Model-Typen auch. Wirkt auf mich immer, als hätten die tatsächlich Frauen von der Straße angesprochen und mal eben für ne Fotostrecke verpflichtet - sehr sympathisch. Aber sei Dir sicher: Auch hier sind sich nicht alle Leserinnen einig.

    LG
    annilu

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    1. Ich habe beobachtet, dass in Deutschland es nicht nur einen Typ Mensch gibt, sondern dass wir auch hier eine bunte Mischung aus verschiedenen Hautfarben, Haarfarben etc. haben. Genauso, wie es mir gefällt, wenn Alte und Junge, Dünner und Dicke abgebildet werden, finde ich es nur realistisch von den "deutschen Normbildern" abzuweichen. Mir würde das gefallen.

      Du schreibst, "daher entsprechen die Models eben auch dem, wie sich der überwiegende Teil der Leser/innen gerne sieht". Ich bin da skeptisch. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass viele ein normiertes Schönheitsideal anstreben, weil an allen Orten darauf hingewiesen wird. Ich weiß allerdings nicht, wo da Huhn oder Ei ist. Würden wir vielleicht weniger einer Idealnorm hinterherlaufen, wenn diese seltener abgebildet und dafür Vielfalt sichtbar wäre? Interessant finde ich in diesem Zusammenhang den Beitrag von pinkstinks, in dem über eine zurückgenommene Studie berichtet wird. Eine wissentlich gefälschte Studie, die behauptete, selbst dicke Frauen würden gerne dünne Modells sehen.

      https://pinkstinks.de/ooops-studie-gefaelscht-aber-wen-interessierts/

      Ich glaube, dass viele Menschen noch lange nicht so weit sind, solche Zusammenhänge zu erkennen. Umso wichtiger finde ich es, wenn sie - auch in unserer Nähnerd-Szene - thematisiert werden, damit wir uns in neuen Betrachtungsweisen und Gedanken üben.
      Dabei geht es mir weniger darum, dass "wir uns einig werden", sondern eher darum, dass Vielfalt sein darf.

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  4. Okay - nun habe ich also auch noch Jennys Artikel gelesen. Kann die Aufregung immer noch nicht nachvollziehen. Dann gibt es also nur zwei Alternativen, um den Tritt ins Fettnäpfchen zu vermeiden: Burda Fotostrecken nur in (möglichst Mittel- bis Nord)-europäischem Umfeld, oder wenn anderswo, dann auf keinen Fall mit anderen Menschen drauf als den Models selbst. Da frage ich mich dann, ob wir als Europäer überhaupt einen Fuß auf den afrikanischen Kontinent setzen sollten, sei es z.B. für Urlaub, oder des Jobs wegen oder was auch immer. Denn wir geben da ja sofort das Bild des hellhäutigen Kolonialisten ab, sobald wir auf dunkelhäutige Menschen treffen. Und wer weiß, wessen Gefühle wir damit beleiden.
    Ich glaube, ich bleib dabei: Die Burda kaufe ich mir schlicht wegen der Schnitte. Die Präsentation derselben ist mir sowas von zweitrangig, da komme ich gar nicht erst in die Lage, darüber philosophieren oder gar politisieren zu müssen. Gibt doch sonst schon genug Situationen, in denen wir uns wirklich Gedanken machen MÜSSEN. Schnittmuster und Nähen gehört für mich nicht dazu.

    LG
    annilu

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  5. Wenn man sich das Thema der neuen Seamwork-Ausgabe anschaut, gehörst Du mit Deinen Schlübbern wohl zur Avantgarde :-)
    Viele Grüße,
    Frau Lotterfix

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    1. Achjeee, Avantgarde.... und dabei mußte ich gestern Abend noch feststellen, dass sowohl Schlübber nähen als auch Babysachen nähen nix für mich sind. Aber wahrscheinlich ist Avantgarde sein sowieso kein Spaß.

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  6. Also ich glaube, die Ottobre ist da wirklich eine ganz besondere schöne Ausnahme. Alle anderen Schnittmusterhefte (ob Knip, Simplicity oder La Maison Victor) arbeiten - wie eigentlich alle anderen Modemagazine - doch alle mit Models an die Otto-Normalverbraucherin nicht ran reicht. Ob jetzt mit mehr asiatischem, afrikanischen oder (süd)europäischem Einschlag. In der aktuellen Knip z. B. ist bei der Plusmode ein Model zu sehen, dass dünner ist als ich mit Größe 40/42. Ich fände es in diesem Kontext zumindest ganz fair, wenn das nicht immer nur in Burda-Bashing ausarten würde...

    Mehr Vielfalt in der Modelauswahl und realitätsnähere Figurtypen wären sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Ich finde es aber gut, dass die Problematik mal in den Fokus rückt. Man muss ja kein Riesenfass deswegen aufmachen - aber sich selbst dafür im Kleinen sensibilisieren halte ich für wichtig.

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