Mittwoch, 7. Januar 2015

Ich darf keine Lust haben


In den letzten Wochen fragte ich mich oft, woran es liegt, dass ich oft keine Lust zum Nähen habe oder ob ich wirklich gerne nähe. Ich bin da hin und hergerissen mit der Antwort. Oft habe ich einfach keine Lust und das Nähen an sich reizt mich, im Gegensatz zum Pläneschmieden oder (gemeinsamen) Stoff kaufen nur wenig. Wenn ich dann meinen Jahrsrückblick sehe, bin ich sehr erstaunt, über den Output, der trotz Unlust dann doch zustande kommt.




Eine mögliche Erklärung habe ich derzeit: ich habe kaum Lust, weil die Umstände nicht optimal sind. Ich habe wenig Lust, mir unter der Esstischlampe bei der Schnittkonstruktion und dem Zuschnitt den Rücken zu verrenken. Ich habe wenig Lust, mal eben schnell 20 Minuten zu nähen, wenn ich vorher noch den Tisch vom Familien-Müll befreien und dann die Maschinen aufbauen muß. Wie sehr beneide ich Nähnerds, wenn sie neue Zuschneidetische oder einen nebeneinander augebauten Maschinenpark oder aber auch eine ganze Wand mit Schrank und Regal zum ordentlichen Lagern von Material und Zubehör zeigen. Ich glaube, das würde es tatsächlich einfacher machen. Oder würde mich solche ein Paradies dann zu sehr unter Druck setzen, es auch nutzen zu müssen? 


In den letzten 25 Jahren hatte ich nie Lust auf ein Haus und nur sehr selten auf einen Umzug. Ich fragte mich immer, was die Menschen wohl motiviert, Geld zu sparen, Schulden zu machen und dann irgendwo aufs Land oder an den Stadtrand zu ziehen. Ich lebe gerne in der Stadt, auch wenn mein derzeitiger Wohnort für viele urbane coole Menschen auch schon farfaraway ist. Doch in den letzten Jahren habe ich das permanente Gefühl, dass uns ein Zimmer fehlt. Ganz abgesehen davon, dass ich von zuhause aus arbeite und keinen Schreibtisch habe, sondern am besagten Esstisch zum arbeiten auch meinen Kram aufbauen muß. Es wäre einfach toll, ein Arbeits-Näh-Gästezimmer zu haben und ein Wohnzimmer, dass einfach nur Wohnzimmer ist. Den Rest der Familie stört das Gekruschel des Schnittmusterpapiers, mein Gestöhne ob des Zuschnitts und mein Fluchen beim Nähen. Mich stört es, wenn ich nicht Nähen darf, wenn ich inspiriert bin. Vielleicht muß ich doch über einen Arbeitsraum irgendwo für 2015 nachdenken. Ein Nähbüro für mich. Das wäre ein Traum!


Kommentare:

  1. Hallo Meike!
    Ich kann Dich verstehen. Ich hätte auch keine Böcke, mit dem Nähen loszulegen, wenn ich erstmal auf-ab-hin-und-herräumen müsste. Schon mein Musiklehrer hat mir dazu geraten, eine Musikecke einzurichten, damit ich sofort mit dem Üben loslegen kann, wenn mich die Lust dazu überkommt. (Hat trotzdem nicht geholfen, das Übel war eindeutig das zu erlernende Instrument.)
    Die Idee mit dem "Näh-Büro" ist gar nicht mal so verkehrt. Vielleicht entwickelt sich da tatsächlich was supertolles daraus?? Ich drücke die Daumen.
    LG, Sandra

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    1. Kluger Musiklehrer!

      Die Idee mit dem Näh-Büro fühlt sich wunderbar an, da bleibe ich jetzt erstmal dran und suche!

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  2. Ich kann dich in deinem Gefühl nur bestätigen. Ein eigenes Näh-und Arbeitsreich empfinde ich auch als absolut notwendig. Müsste ich mich ins allgemeine Familienleben mit meinem Kram aufbauen, ich würde wahrscheinlich gar nicht mehr nähen. Mir fällt es meist schon schwer genug mir meinen Raum resp. Zeit für mich zu erobern. Nun bin ich in der luxuriösen Lage sowohl ein Arbeitszimmer als auch eine Nähecke zu haben. Allerdings wünsche ich mir manchmal auch beides fernab der Familie. Zum Arbeiten brauche ich Ruhe da "hören" ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist und mich spielende, lärmende Kinder auf der gleichen Etage stören und die nicht spielen und lärmen dürfenden Kinder stört, dass ich arbeiten muss. Was mir wiederum auch ein schlechtes Gewissen macht, ich will schließlich niemandem den Spaß verderben. Meine Nähecke befindet sich im Schlafzimmer, also kann ich nicht nähen solange mein Mann noch schläft oder es sind wichtigere Dinge im Haus oder mit der Familie zu erledigen die auch wiederum häufig mein ungestörtes Aufhalten im Nähreich verhindern. Allerdings so schön die Vorstellung von ungestörtem Raum fern der Familie auch ist, so kann ich mir nicht vorstellen zum nähen immer das Haus verlassen zu müssen. Alles nicht so einfach... Ich hoffe du findest die für dich passende Lösung und zu mehr Lust auf Nähen und Arbeiten! Liebe Grüße, Chrissy

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    1. Lust zu Arbeiten habe ich zur Zeit sehr sehr.

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  3. da verstehe ich Dich voll! ein eigenes Zimmer wäre ein Traum, ich habe aber zumindest im Wohnzimmer eine Ecke in der alles liegen bleiben darf und auf 2 andere Zimmer meinen Kram verteilt *gg*
    Wir sollten Lotto spielen dann klappt es vielleicht mir dem Haus und einem eigenen Nähzimmer!

    LIEBE GRÚSSE anja

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    1. Ach, Lotto spielen ist nur Verdrängungsstrategie....

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  4. Wie schon getwittwert, das find`ich so nachvollziehbar und ich genieße den Luxus meines Nähkellers. Da kann ich auch nur mal eine Naht machen. Das würde nicht gehen, müsste ich zum Nähen das Haus verlassen. Da du ja wohl auch beruflich überwiegend von zu Hause arbeitest, wäre da nicht, auf lange Sicht, ein Umzug zu erwägen? Ich weiß allerdings nicht, wieder Wohnungsmarkt bei euch ist und Umziehen macht keinen Spaß.....
    Herzliche Grüße
    Sabine

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    1. Die Idee, zum Nähen das Haus zu verlassen, fühlt sich auch erst einmal ganz ungewohnt an. Aber ich kann mir das trotzdem gut vorstellen, wenn ich dort Dinge liegen und stehen lassen kann und mir dann z.B. einen oder zwei feste Abende reserviere, um dort zu werkeln.

      Den Umzug erwägen wir immer wieder, aber das ist in HH wenig Spaß und wir neigen zu extremer Unentschlossenheit aufgrund dem Gefühl der wenig berechenbaren beruflichen Zukunft.

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  5. Hallo Meike, ich kann dich nur ermuntern an den Dingen etwas zu verändern. Auf lange Sicht sind solch unbefriedigten Raumprobleme kontraproduktiv. Entweder man lässt bestimmte Vorhaben ganz ( siehe oben) oder man quält sich ewig damit rum. Ich weiß, das klingt einfacher gesagt als getan, aber ein großes Stück des Lebens liegt ja noch vor dir...
    viele Grüße von Silke

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    1. Danke:-) Ich habe bereits begonnen. Wenn die Familie so schwerfällig ist, dann suche ich eben erstmal alleine und die Idee des "Näh-Büros" gefällt mir besser und besser, je mehr ich darüber nachdenke.

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  6. Warum auch nicht, wenn der Platz zu Hause fehlt. Ohne unser Gästezimmer, das ich zum Nähen nutze wann und wie lange ich möchte, würde ich sicher auch kaum nähen. Und wenn man einen Nähkurs besucht, verlässt man ja auch das Haus. Vielleicht finden sich noch Interessenten, die so ein Näh-Büro mit dir teilen würden?
    LG von Susanne

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    1. Das ist auch noch eine Idee, so etwas gemeinsam zu suchen. Aber das klingt nach einem zeitaufwändigem Projekt. Vielleicht habe ich ja das Glück, dass ich irgendwo bei einem kleinen Designladen Unterschlupf finde. Habe schon ein paar Hebel in Bewegung gesetzt.

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  7. Liebe Meike,
    ich wünsch Dir,dass Du eine gute Lösung findest - um das Nähen wäre es doch zu schade und auf Dauer sind solche ungelösten Raumprobleme richtige Hobbykiller. Ich nähe im Gästezimmer unter dem Dach und genieße dieses eigene Reich sehr sehr!Zum Teil muss ich aufpassen,dass mich mein Mann noch erkennt,wenn ich nächtelang an der NähMa verschwinde ;-)

    Liebe Grüße, Stefanie

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  8. Nähen ist definitiv ein Hobby, welches Platz braucht. Ein externes Nähzimmer ist sicher eine Alternative - an einem Umzug hängen ja viele Dinge mit dran. Ich drücke dir die Daumen, dass du eine gute Lösung findest!

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  9. Ich kann dich voll und ganz verstehen.
    Gerade genieße ich noch den Vorteil meines eigenen Näh-/Arbeitszimmers. Das wird wenn es mal soweit ist ein Kinderzimmer. Wir wollen aber auch in den nächsten 20+ Jahren nicht nochmal umziehen müssen.
    In Hamburg möchte ich übrigens auch keine Wohnung suchen müssen. Aber ein Nähbüro klingt doch super. (Ist vermutlich am Ende sogar preislich günstiger.) Wie du schon geschrieben hast entweder zur Untermiete in einem Atelier, oder du mietest dir einen einzelnen Büroraum. (Oder du machst aber Ende noch ein eigenes Nähbüro auf, wo jeder dem es mal so geht wie dir seinen Platz zwischenzeitlich mieten kann.)
    Gemeinschaftlich finde ich auch, ich hoffe du findest eine Lösung.
    LG Katrin

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  10. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du eine gute Lösung findest! Wie wichtig ein "eigener Raum" ist hat schon sehr eindrucksvoll Virgina Wolf dargelegt. http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Zimmer_f%C3%BCr_sich_allein
    Vielleicht hat bei Euch im Haus ein Nachbar einen ungenutzen Keller der sich herrichten ließe. Ich hatte einer Nachbarin auch schon viele Jahre meinen Keller überlassen, weil ich ihn nicht brauchte und der wäre für solche Zwecke tatsächlich nutzbar gewesen. ich stelle es mir etwas umständlich vor fürs nähen abends aus dem Haus zu gehen, ist so wie zum Sport. Mal ist es dunkel, mal ist es nass und dann schiebt und schiebt man es wieder auf... Falls du tagsüber oder am Wochenende außer haus nähen wolltest, da wüsste ich vielleicht was. LG Kuestensocke

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  11. Muito bom o seu blog, estive a percorre-lo li alguma coisa, porque espero voltar mais algumas vezes,deu para perceber a sua dedicação em partilhar o seu saber. Se me der a honra de visitar meu blog ficarei radiante. E se gostar e desejar comente.

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  12. Als wir hier nach Häusern geguckt haben (Ich würde j lieber in einer aufwands-armen Wohnung in der City leben, aber mit 4 Kindern ist das einfach komplett utopisch) war ein Haus dabei, dass hatte ein "Gartenhaus" mit dabei - riesig gross (zumindest in meiner Erinnerung, 30, 40 qm?) kleine Küche oder WC - ich weiss es nicht mehr.
    Das wäre es gewesen, ehrlich....
    leider haben wir erstens das Haus nicht bekommen und zweitens wäre das Gartenhaus in der Miete nicht mit drin gewesen - nun ja, irgendwas ist immer...
    Ich muss zwar zumindest meine Maschinen nicht auf- und abbauen, aber ich nähe im Flur. Wortwörtlich im Eingangsbereich, zwischen Küche und Wohnzimmer. Zuschneiden auf dem Fussboden oder dem Küchenblock. Ich kann auch nichts liegenlassen, und es ist echt sch****. Leider steht beim Auszug des ersten Kindes (in ca. 2,5 Jahren) erst mal an, das jedes Kind ein eigenes Kinderzimmer hat. Und bis das 2 Kind dann evtl. auszieht (in 4,5 Jahren) wäre die nächste Erwägung erst mal, sich zu verkleinern um von den gigantischen Mietkosten runterzukommen. Ausserdem, wer weiß, was bis dahin ist. Jedenfalls: ich denke manchmal, ich sollte das Nähen einfach komplett lassen, bis ich Raum und Zeit dafür habe. Also so in 10 Jahren? Bis dahin könnte ich einfach nur stricken und häkeln. Weniger Material- und Platzaufwändig, und total leise. Seufz.

    Ich drücke die Daumen für das Nähbüro. Hört sich toll an. Und die Gegend auch ;-)

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    1. So wie die Mieten teilweise steigen - mal sehen wie die neue Deckelung wirkt - macht es finanziell vermutlich am Ende wenig Unterschied, ob ihr mit dem Umzug noch auf Kind 3 bzw. 4 wartet.

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  13. Liebes, ich wünsche dir viel Erfolg bei der Suche. Ich habe ja eine lange Nähpause gemacht und erst wieder angefangen, als die großen Jungs ausgezogen sind und hier sowohl räumlich, wie auch gedanklich Räume freiwurden.
    So ein Nähbüro kann da glaube ich eine gute Lösung sein, eben ein Platz exklusiv für dich.
    LG,
    Claudia

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  15. Ich würde trotzdem übergangsweise versuchen, dir ein kleines permanentes Näheck in der Wohnung einzurichten. Denn mit einem Raum außerhalb wird sich das Problem des Nähens nicht nach Lust und Laune vermutlich kaum ändern, da der Aufwand des Ortswechsels dazu kommt.
    Hast du nicht irgendwo im Schlafzimmer ein kleines Eckchen welches du freiräumen könntest? Im Flur ein Eck? Ein Bücherregal, was man entsorgen kann? Die Nähmaschine braucht ja nicht viel Platz.
    Vielleicht fragst du mal in den Nachbarwohnungen und Häusern, das minimiert wenigstens die Anfahrt. Manche Häuser haben ja ungenutzte Mansarden.
    Wünsche dir viel Erfolg!


    PS: Vielleicht ein Trost: der Zeitpunkt, zu dem das Kind vermutlich lieber die Zimmertür schließt, sich vergräbt und sich von deinem Nähen/Zuschneiden nicht stören lässt, kommt auch, keine Sorge.

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    1. Nein, eine Ecke gibts bei uns nicht mehr und das Klavier steht schon im Flur. Aber den Trost nehme ich gerne und denke über eine zusätzliche Heim-Nähmaschine nach.

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    2. Die Idee! Du baust das Klavier einfach zu einem Nähtisch um. Ohne das ganze Saitengeraffel kannst du bestimmt auch noch ordentlich Stoff drin verstecken :D
      Oder das Klavier geht ins Kinderzimmer... dann liegt es wenigstens nicht an dir, wenn das Kind später mal nicht musiziert. Hier sind z.B. diverse Stoffe und Zeitschriften in den Kinderzimmern gelagert. Äh, und überhaupt mein altes Arbeitsmaterial... lalalala....
      Wie dem auch sei, Heimmaschine ist auf alle Fälle eine sichere Bank. So eine kleine gebrauchte alte reicht ja. Kannst ja eine taugliche dem Kind schenken, dann bei Bedarf einfach dort holen ;)

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  16. Das ist jetzt leicht o.t.,
    aber ich bin dermaßen geplättet, dass ich meine stille Lese-Routine unterbrechen muss:

    Ich schätze Deine reflektive Art, die Dinge zu betrachten, den immer feministischen Grundtenor, der u.a. im MMM seinen Niederschlag findet und dann lese ich hier, Du hast nicht nur keinen Nähplatz, sondern ÜBERHAUPT KEINEN Arbeitsplatz.

    Du bist als qualifizierte Freiberuflerin erwerbstätig und trägst zum Familieneinkommen bei und musst tatsächlich erst den Familienesstisch frei räumen und Dein Arbeitsmaterial einsammeln, um mit Deiner Arbeit zu beginnen?

    Bei dem entspannten Immobilienmarkt hier im Ruhrgebiet kann ich die Situation in den angesagten Metropolen nur bedingt nachvollziehen. Was ich mir gar nicht vorstellen kann, ist, dass es unmöglich sein sollte, irgendwo in der Wohnung einen (evt. ausklappbaren) Schreibplatz einzurichten, zumindest aber einen ausreichend dimensionierten Rollcontainer mit den Arbeitsmaterialien abzustellen, der dann zum wo auch immer befindlichen Arbeitstisch fährt.
    Im Zweifelsfall hilft Pinterest. Notfalls muss dann irgendwas anderes entsorgt oder außerhalb gelagert werden. (Fällt mir auch schwer, aber das Vergnügen eines funktionierenden Arbeitsplatzes ist größer.)

    Virginia Woolf wurde bereits genannt. Ein eigenes Zimmer ist unrealistisch, okay. Aber warum nimmst Du es offensichtlich als gegeben hin, Deinen JOB dann zu machen, wenn andere Familienmitglieder Dir Raum temporär so lange überlassen, wie sie ihn nicht selbst benötigen?

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