Montag, 21. Juli 2014

Badenixen Sew Along: Finale der Herzen



Ich habe wirklich alles gegeben, um rechtzeitig zum Finale der Herzen des Badenixen Sew Alongs fertig zu werden. Und ich bin heute fertig geworden. Ich bin allerdings nur um Erkenntnis, nicht um einen Badeanzug reicher.




Fertig bekommen habe ich "nur" das Probemodell. Trotzdem ist es das teuerste Nähprojekt, was ich bisher gemacht habe. Teurer als der Wintermantel aus gutem Wollstoff.

Der Probe-Bombshell - ein Satz mit X

Zum Beweis, dass ich tapfer bis zum Ende durchgehalten habe, habe ich das Drecksding fotografiert. Was man dank des dankbaren schwarz nur schlecht erkennen kann, ist die liderliche Verarbeitung der oberen Kante und der angenähten Bänder. Am Schluß ahnte ich, nach ein paar Anproben, das Desaster und wollte das Probeding nur noch zusammentackern, um den Beweis zu haben, dass es nicht funktioniert. Hätte es wiedererwartend doch funktioniert, hätte ich vermutlich noch mal getrennt und den Gummi oben, den Saum und die Bindebänder ordentlicher angenäht.



Warum ist es ein Reinfall?

Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Ich sage nur "Neckholder". Neckholder funktioniert nicht bei schweren Brüsten. Ich hoffte allerdings, dass es irgendwie doch funktionieren könnte. Immerhin besitze ich einen Tanknini ähnlichen Schnitts (allerdings mit "konventionellen Trägern"), der einigermaßen sitzt. Bei Bademoden müssen Frauen mit großen Brüsten ohnehin Abstriche machen. Die Wirkung der Schwerkraft kann möglicherweise bei Bademodellen, die nicht genau so wie ein BH genäht sind, einfach nicht aufgehoben werden. Mir war schon klar, dass die Brüste bei dem Badeanzug weiter unten positioniert wären, als im Kleid mit BH darunter, aber dass es so schlimm ist... und dass der Zug auf den Bindebändern um den Hals unerträglich ist und trotzdem nichts bewirkt. Das hätte ich in dieser Extremform nicht gedacht.

Ich nähte deswegen, in quasi weiser Voraussicht, eine Art BH, den ich in zwischen Futter und Oberstoff einnähte. Allerdings habe ich noch nie einen BH genäht. Ich habe mich zwar theoretisch schlau gemacht und außerdem trage ich seit 33 Jahren einen BH, aber trotz der Verwendung von Powernet, einnähbaren Miederstäbchen, Unterbrustgummi und Cups, reichte die Statik nicht aus, um quasi halterlos zu funktionieren. "Halterlos" deswegen, weil für das Gewicht, dass getragen werden muß, die Bändern um den Hals einfach nen Witz sind. Einen Teil des Gewichtes übernahm zwar der Unterbrustgummi, aber das reichte einfach nicht.


Ein zweiter Grund, wieso der Bombshell nichts für Kaliber wie mich ist, sind die neckischen Falten. Die Raffungen sehen bei Frauen, die ein wenig mehr Kurven erzeugen wollen, als gegebenenfalls vorhanden sind, neckisch aus. Ich schaute nur entsetzt auf meinen Po. Eine voluminöse Geschenkverpackung - es fehlte nur das Hasenschwänzchen oder ne rosa Schleife. Neee, neee, da hatte ich anscheinend auch zu viel vergrößert. Diese aufgeplusterten Falten am Po.... das kannstde niemand zeigen! Hingegen am Bauch hatte ich zu wenig vergrößert. Während sich hinten der Po plustert, als wolle ich gleich ein Ei legen, spannen die Falten doch tatsächlich über dem Bauch. Das sähe nur ok aus, wenn ich in Vorfreude auf ein Baby wäre.

So sehr ich doch dafür bin, echte Bilder von echten Frauen, jeden Alters, jeder Figur etc zu zeigen. Das geht nun wirklich nicht. Das Ding, wird höchstens sturzbetrunken guten Freundinnen gezeigt, falls es nicht vorher in die Mülltonne wandert oder ausgeschlachtet wird.

Die Erkenntnisse

Erkenntnisse habe ich eine Menge gesammelt. Zuallererst fand ich es spannend, mit dem Nähen von Bademode und Unterwäsche eine völlig neue Welt zu betreten. Andere Läden, andere Materialien. Es ist wirklich faszinierend, was da noch geht! Und frau kann da ne Menge Geld lassen.

Ich habe nicht zusammengerechnet, was ich alles ausgegeben habe. Besser ist das. Aber dank Nachbestellungen, weil Material fehlte - das konnte ich vorher noch nicht wissen - dem weiteres Material dazulegen, damit das Porto nicht so ins Gewicht fällt, bin ich vermutlich bei 150 Euro gelandet. Wenn ich bedenke, dass mein Ausgangspunkt ein Geldgeschenk von 100 Euro war, habe ich immer noch eine Menge Lehrgeld bezahlt. Das ärgert mich.

Auf der anderen Seite habe ich das geschenkte Geld in dieses Projekt investiert, weil es mir mit den Worten geschenkt wurde "kauf dir was, was du dir sonst nicht gönnen würdest". Tja, das habe ich. Ich hätte sonst vernünftig dreimal nachgedacht und mich gegen den Bombshell und den Sew Along entschieden. Das Geld ist ja nicht weg. Ich habe noch eine große Tüte an Material übrig. Da kann ich noch die eine oder andere Bikini-Hose mit nähen, selbst wenn sie bis unter die Achseln geht. Und das will ich auch. Diesen Sommer vermutlich nicht mehr, aber perspektivisch will ich an dem Projekt schon weitermachen. Auf jeden Fall die eine oder andere Hose und am liebsten noch dazu ein Bikini-Oberteil, das wir ein BH gearbeitet ist. Aber das muß jetzt nicht sofort sein. Das Kind soll nun im Herbst endlich schwimmen lernen. Es wird also auch dann noch Gelegenheiten geben, bei denen ich was zum Anziehen brauche.

Scheitern?

Bin ich nun gescheitert? Also ich habe definitiv etwas genäht, was ich nicht tragen werde. Ich habe viel Zeit und Geld in ein Projekt gesteckt, das kein verwertbares Ergebnis hat. Trotzdem würde ich es nicht als Scheitern bezeichnen. Viel mehr noch, als bei anderen Kleidungsstücken, wurde ich mit der Realität meines Körpers konfrontiert. Um es plakativ zu sagen: sind Kleider eigentlich nur Zierde, ging es beim Bombshell tatsäschlich um Statik. Das ist mir zwar nicht gelungen, aber ich habe herausgefunden, dass Statik interssant ist und einen kleinen Einblick gewonnen, was dafür nötig sein könnte. Ob ich nun einen Faible für Statik entwickeln werde, oder beim Kleidernähen bleibe, weiß ich noch nicht. Ich finde aber diesen Aspekt trotzdem unheimlich spannend.





Frau Nahtzugabe hat natürlich recht. Die tweets habe ich favorisiert und fühlte mich eher getröstet als angegriffen!

Gescheitert bin ich dahingehend, dass ich für die Badeverabredungen in den nächsten Wochen, keinen Wow-Badeanzug habe. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Letztlich spielte da mein Kopfkleiderschrank mir etwas vor, das zugegebener Maßen unrealistisch war. Ich bin eben anders. Beim Kleidernähen sehe ich das ja als meine persönliche Herausforderung, durch das selber Nähen alles möglich zu machen. Ich sprenge die Vorgaben bezüglich Augengewöhnung und zur Verfügung stehender Schnitte und mache einfach mein Ding. Selbst wenn andere dann nicht "Wow" juchzen, freue ich mich, wenn ich ein Teil meines Kopfkleiderschrankes verwirklicht habe. Möglicherweise hat der Kopfkleiderschrank aber berechtigte Grenzen und nicht alles geht. Ich bin traurig, dass ich mich nicht mit den anderen Bombshell-Nähnerds zum Synchronschwimmen verabreden kann. Das wäre wirklich ein entzückendes Bild gewesen - im Traum sind wir schon oft gemeinsam zur Musik geschwommen. Trauer und Enttäuschung ist eindeutig dabei, die lässt sich auch nicht wegrationalisieren!

Trotzdem ganz herzlichen Dank an Frau Fadenverloren für die bezaubernde Organisation des Badenixen Sew Alongs. Ich finde es toll, dass du dich hast überreden lassen und damit anderen Mut gemacht hast, es einfach mal zu versuchen. Danke!

edit: 
Den Post habe ich, frustriert, gestern abend nach Fertigtstellung geschrieben, aber noch nicht online gestellt, weil ich keine Fotos machen konnte. Heute gab ich dem Ding noch mal eine Chance. Der Fairniss halber, probierte ich auch meinen Schwimm-Badeanzug und meinen Plansch-Tankini an zum Vergleich, denn ich wollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

Was soll ich sagen: durch Zufall fand ich eine Möglichkeit, wie ich den Bombshell tragen könnte. Den Vorschlag der twitter Nähnerds aufnehmend, kreuzte ich die Bänder über den Rücken und weil ich nicht wusste, wohin damit, knotete ich sie vorne unter der Brust. Oh! Wenn ich den Bombshell bis fast unter die Achseln ziehe (so dass die Brust seitlich gestützt wird, da habe ich ja Miederstäbchen eingenäht) und dann die Bänder hinten kreuze und durch das Verknoten ein zusätzliches Unterbrustband schaffe, dann kann ich die Schwerkraft ein wenig austricksen. Es geht und es ist auch nicht so unbequem. Die Rückansicht bleibt allerdings und das Ding bleibt trotzdem zum nächsten Badeausflug zuhause.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Tiramisu



Tiramisu wollte ich schon länger nähen. Mich gefiel das gestreifte Kleid auf der Schnittverpackung und es reizte mich sehr, dass ungewöhnliche Schnitt- und Größensystem von Cake Patterns auszupobieren. Als es zum Anfang dieses Sommers in Nähnerdkreisen in Mode kam (Frau talentfreischön und Frau von Mema begeisterten mich besonders), bestellte ich es spontan bei Urban Cut und war begeistert, als der Schnitt am nächsten Tag in meinem Briefkasten lag.

Zunächst konnte ich es gar nicht glauben, dass ich zur Abwechslung nicht einfach die größte Größe nehmen muß. Wahrscheinlich erging es mir wie vielen Näherinnen in meinem Format, dass wir erst einmal ein zu großes Kleid zuschnitten. Das Maßsystem fand ich super. Es leuchtet mir direkt ein, dass es auf die Rückenbreite bzw. die Oberbrustweite ankommt, die mit der Cup-Größe kombiniert wird. So kann es viel mehr varriiert und passformgenauer gearbeitet werden, als mit dem Maß der Oberweite, die große Brüste und breites Kreuz in einen Topf packt. Viele Näherinnen finden sowieso ihren Weg durch Mehrgrößenschnitte, in dem sie obenrum eine andere Größe wählen als unten. Bei Cake ist das gewollt. An verschiedenen Punkten trifft frau Entscheidungen und stellt sich so einen gut funktionierenden Schnitt zusammen - wenn frau sich auf das System einlässt und daran glaubt.




Mein erster Entwurf sah scheußlich aus. Ich nähte ihn aus einem geschenkten Stoff. Frau 81GradNord wunderte sich vor ein paar Monaten über ihren Fehlkauf und fragte mich, ob mir der Stoff gefalle. Auf dem Foto, das sie mir schickte, schätze ich die Kreise größer ein und obwohl braun an für sich nicht so mein Ding ist, mochte ich die türkisen Sprengsel und das Retromuster und sagte deswegen "ja" und an dieser Stelle noch mal "herzlichen Dank!".




Geschenkte Dinge sollte frau nicht zu lange rumliegen haben (Entschuldigung, für die zwei noch nicht genähten Schnitte!), deswegen griff ich beherzt zu dem einzigen, zu diesem Zeitpunkt herumliegenden Jersey und schnitt das Tiramisu zu. Interessant, by the way, ich habe ein Webware und Futterstoffe-Lager aber kein Jerseylager. Das Kleid war zu groß, die Taschen hingen an den Knien, das Taillenband zu weit und der Stoff lud dazu ein, es kurzer Hand als Kittel zu beurteilen. Siehe oben.


Ich wollte aber, obwohl ich eigentlich gerade noch genug Nähprojekte habe, die eigentlich bis nächste Woche fertig werden sollten, nicht aufgeben. Ich kaufte für 2 Euro noch petrolfarbenen Jersey dazu, nahm das Kleid noch einmal komplett (bis auf Rockteil mit Taschen) auseinander, kürzte das Taillenband und doppelte es gleich und fügte die kontrastierenden Blenden an. Ein Abend zusätzlich Arbeit und jetzt habe ich ein neues Kleid.




Witzigerweise war mein Urteil nicht sofort begeistert, aber mir schwante, dass das Kleid "ein Renner" werden würde. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es ist so unkompliziert und angezogen. Vielleicht liegt es an Farben und Muster, die sich nicht in den Vordergrund drängen, vielleicht liegt es aber auch am Schnitt. Der weite Rock und die angeschnittenen Ärmel bedecken und sind trotzdem luftig. Es ist mehr Stoff, als an den kurzärmeligen Ajaccios und das fühlt sich weniger nackt an. Eigentlich mag ich diese angeschnittenen Ärmel überhaupt nicht, ich finde sie unförmig und zu 80er für mich. Ich habe auch immer Sorge, dass sie zu wenig Kontur geben und damit die Oberweite unnötig aufblähen. Aber witziger Weise stört es mich bei dem Kleid nicht, nachdem ich es im Taillenbereich noch mal wesentlich enger nähte.




Kurz und gut, hätte ich jetzt Zeit und einen gestreiften Jersey herumliegen, würde ich es sofort noch mal nähen. Hatte ich schon erwähnt, wie schwer verliebt ich in dieses Tiramisu bin, das ich letzte Woche beim Me Made Mittwoch entdeckte?

Egal, jetzt wird erstmal das Premiere-Tiramisu getragen, bis sich der Saum so ausgehängt hat, dass sich das säumen lohnt. Ich bin gespannt, ob mein erster Versuche wirklich so ein gern getragenes Alltagskleid wird, wie ich es schwer vermute. Ich glaube schon!





Montag, 14. Juli 2014

WM endlich fertig - das Jäckchen noch nicht



Obwohl ich es nicht mit Fußball habe, nahm ich mir vor, ein WM-Jäckchen zu stricken. Gestern war Finale, heute sind alle um mich rum Weltmeister, da ist es an der Zeit, vom Zwischenstand zu berichten.


Wie ihr seht, bin ich vom Jäckchen noch ziemlich weit entfernt. Rücken ist fertig und der erste Ärmel so gut wie, denn da fehlt nur noch die Armkugel. Witzigerweise fand ich schon in der Vorrunde heraus, dass es der Mann ertragen kann, wenn ich neben dem Fußballspiel nähe oder mit Schnittkonstruktionspapier rumkruschele. Das darf ich nämlich an normalen Abenden nicht. Normalerweise fühlt er sich genervt, wenn ich im gleichen Zimmer knistere, rattere und (angeblich) fluche. Insofern habe ich in den letzten Wochen oftmals spontane Nähzeit, die ich eben nicht zum Stricken nutzte. An den anderen Abenden war ich schlichtweg zu müde, um auch nur  nach den Nadeln zu greifen.

Normalerweise stricke ich auch während des Fußballtrainings des Kindes, das normalerweise zweimal die Woche stattfindet. Aufgrund verschiedenster Umstände, haben wir dieses aber in den letzten Wochen auch öfters ausfallen lassen. Das WM-Jäckchen wuchs also nur langsam. Aber egal, ich glaube, dass ich besonders im Frühling das Bedürfnis nach einem weißen Jäckchen habe, also habe ich noch etwas Zeit ....

Freitag, 11. Juli 2014

Stoffwechsel - Finale



Quasi auf den letzten Drücker, habe ich mein Stoffwechsel-Kleid genäht. Ihr lest richtig, ich habe es nicht nur auf den letzten Drücker fertig gestellt, nein, ich habe auch erst auf den letzten Drücker damit begonnen. Woran lag's? Zum einen kam der Badenixen-Sew Along dazu, der mich schon sehr beschäftigte (obwohl ich auch dort, nach dem bereits gelaufenen Finale, noch weit davon entfernt bin, Ergebnisse zu haben), aber was wirklich hinderlich war war dass mir der von meiner Stoffwechselpatin ausgesuchte Stoff nur so lala gefiel.

Ich deutete es im letzten Stoffwechsel-Beitrag ja schon an. Irgendwie wurden wir nicht so richtig warm, der Stoff und ich: das Muster war mir zu klein, die Farben zu sehr ins Blaue, statt ins türkis/petrolige, das rot einen Tick zu falsch und das Muster insgesamt, erinnerte mich an Kleidungsstücke meiner Eltern. Ich hätte diesen Stoff niemals für mich gekauft. Es ist nicht so, dass ich ihn hässlich finden würde, sondern ich fand einfach keinen Bezug zu dem Stoff. Sowohl "im Wohnzimmer drapieren", "Fotos von mir und dem Stoff machen" als auch "erstmal weglegen und das Unbewusste arbeiten lassen" funktionierte nicht. Der Final-Termin rückte näher und ich hatte einfach keine Lust, etwas daraus zu nähen.



Letztlich funktionierte doch der letzte Punkt "erstmal weglegen..." in Kombination mit meinem Pflichtgefühl. Ich hätte es einfach schäbig gefunden, aus der Aktion auszusteigen, hat sich doch jemand für mich viel Mühe gegeben. Außerdem sind diese widersprüchlichen Gefühle doch vielleicht genau der Witz von Stoffwechsel. Hätte ich einen Stoff bekommen, bei dem ich "Juchhu" geschrieen hätte, weil genau FrauCrafteln drauf steht, dann hätte meine Stoffpatin die Herausforderung zwar mit Auszeichnung bestanden, weil sie mich so gut kennt, aber für mich wäre es ein Kinderspiel gewesen. Ich fragte mich zwischendurch übrigens auch, ob ich mehr Vertrauen in den Stoff gehabt hätte, wenn ich gewusst hätte, wer meine Stoffpatin ist. Bei bestimmten Personen würde ich blind vertrauen und einfach tun, was sie vorschlagen. Ich habe keinerlei Idee, von welcher Nähnerdin der Stoff sein könnte. Wenn man mich zwingen würde, einen Tipp abzugeben, würde ich Frau Siebenhundertsachen nennen, aber das auch nur, weil ich mir aus dem Poststempel des Paketes etwas zusammenreime.

Wer sich schon mal mit mir zum Nähen verabredet hat, weiß, dass ich früher oder später sagen "eigentlich nähe ich gar nicht gerne". Das ist zwar nur die halbe Wahrheit, weil ich den Flow und die Konzentration, die sich beim Nähen oft einstellt, schon gerne mag. Aber obwohl mein Kleiderschrank mittlerweile ganz gut gefüllt ist, stellt sich  meine Nähmotivation immer noch hauptsächlich über das unbedingte Bedürfnis, genau dieses Kleidungsstück meiner Träume anziehen zu wollen, ein. Ich sehe einen Stoff und/oder einen Schnitt und kann gar nicht mehr leben, ohne ein daraus entstandenes Kleidungsstück zu besitzen. Beim Stoffwechselstoff spürte ich nur die Verpflichtung. Ich konnte mir absolut vorstellen, weiter zu leben, ohne ein Kleidungsstück aus diesem Stoff zu besitzen.

Aber genau das ist doch die eigentliche Herausforderung! Ich gelobte zu Beginn der Aktion, mich auf etwas einzulassen, was ich sonst nicht selbst gewählt hätte. Zuerst dachte ich, ich müsse mal etwas anderes nähen; ein Oberteil zum Beispiel oder eine andere Silhouette. Aber die Herausforderung war ja schon der Stoff. Also zog ich in Erwägung, einfach noch ein "Frau-Kirsche-Kleid" zu nähen. Das wäre schnell gemacht und auf Nummer sicher gewesen. Ich befürchtete allerdings, dass ich anschließend das Kleid nicht anziehen würde - dafür war ich dann doch zu faul.

Zu guter letzt, reifte in mir eine Idee: ich wollte schon lange mal mehr aus einem Stoff machen, d.h. diesen mit einem anderen Stoff, gemustert oder uni, zu kombinieren. Es ist ein bisschen stumpfsinnig, einfach "ein Schnittmuster aus einem Stoff runterzunähen", aber Stoffkombinationen empfinde ich als heikel. Ganz schnell können Stoffkombinationen "witzig" aussehen, aber nach witzig steht mir derzeit nicht der Sinn. Mit einem einfarbigen Stoff zu kombinieren, erschien mir dann eine sicherere Bank, die ich unbedingt mal versuchen sollte. Und genau das motivierte mich dann, es endlich anzugehen.



Schon vor Wochen hatte ich B 6018 abgepaust und wollte diesen mit meinem Grundschnitt anpassen. Leider ernüchterte mich meine Schnittkonstruktionslehrerin mit der Aussage, dass das nicht funktionieren könnte: der Bogen im Vorderteil würde aufgrund der Schwerkraft ganz anders werden, als im Schnitt vorgesehen und niemals den in der anderen Richtung gerundeten Bogen des Rückenteils treffen. Es war also schnell klar, dass nur ein Bogen, wie er beim Frau-Kirsche-Kleid ist, möglich wäre. Ich konnte mich, nach dieser doofen Erkenntnis, wochenlang nicht aufraffen, das Rockteil zu vergrößern und das Oberteil anzupassen, obwohl ich den Kragen immer noch sehr toll fand.

Diese Woche hatte ich etwas Zeit, so dass ich am Dienstag quick and dirty mein, auf den Grundschnitt angepasstes, Frau-Kirsche-Kleid-Schnittmuster nahm und an dieses den Kragen bastelte und das Projekt zuschnitt: Das Kleid aus dem Stoffwechselstoff und die Kontraste aus rotem Baumwollleinen von Stoff und Stil. Das Nähen entwickelte sich als schwieriger, als gedacht, weil ich den Schnitt samt Anleitung nicht finden kann. Einen Abend frickelte ich am Kragen rum, einen zweiten Abend an den Manschetten. Dank netter twitter-Hilfe, danke Frau Siebenhundertsachen und @Beate, die mir ein Foto der Anleitung twitterte, bekam ich die Manschetten dann gegen Mitternacht doch noch ans Kleid. Sie sind zwar nun etwas schmaler, als vorgesehen, da ich beim Trennen einiges Abschnitt, aber ich finde sie immer noch bezaubernd.



So, wie es ist, gefällt mir das Kleid nun. Ich gestehe allerdings, mein Blick wird immer wieder auf die roten Details gelenkt, da ist der Rest fast egal. Ich glaube, der Stoff, die feine Baumwolle, die Farben und das Muster passen gut zu dem Kleid. Aber ich würde ihn dennoch nicht selbst für mich kaufen. Es war einfach keine Liebesheirat mit dem Stoff und mir, aber arrangierte Ehen halten angeblich auch gut und lange.

Im Nachhinein bin ich froh, nicht aufgegeben zu haben. Es fühlt sich schon cool an, sich durchgebissen zu haben. Ich freue mich, über mein neues Kleid (und ziehe es morgen zu einem "Anlass" an).




Ich bin allerdings nicht sicher, ob ich noch mal bei einer Aktion wie #Stoffwechsel mitmachen würde. Zum einen mußte ich in den letzten Wochen lernen, dass "Nähen auf Termin" für mich nicht gut ist. Finaltermine verursachen bei mir einen Druck, der mir die Freude nimmt. Ich werde versuchen auch weiterhin von der Inspiration und Wissenssammlung von Sew Alongs zu profitieren, aber ich werde trotzdem versuchen, mich von dem Zeitplan frei zu machen. Stoff geschenkt zu bekommen, finde ich im Nachhinein auch schwierig. Ich glaube, ich bin zu eigensinnig dafür. Ich kann es auch nicht ertragen, etwas für die Wohnung geschenkt zu bekommen, was ich mir nicht selbst ausgesucht habe. Was mir aber sehr an der Stoffwechselaktion gefallen hat, waren die Steckbriefe im Vorfeld, dir mir schon mal eine Menge Selbsterkenntnis (und Erkenntnisse über die anderen Teilnehmerinnen) brachte und das Feedback, das in dem Brief meiner Stoffpatin steckte. Eine theoretische Partneraktion unter nähnerds würde mir viel Spaß machen, bei der es um so eine Art gegenseitige Typberatung und Projektvorschläge geht. Vielleicht überlege ich mir mal was diesbezüglich.

1000 Dank an Frau Siebenhundertsachen, die Stoffwechsel ins Leben rief und liebevoll begleitete. Es war mir eine Freude, für dich einen Stoff auszusuchen und ich hoffe sehr, dass er dir so gut gefällt, wie du schreibst. Ganz herzlichen Dank auch an meine Stoffpatin - na, wer wars? - für den tollen, tollen Brief, den ich ganz bestimmt aufbewahre und immer noch mal lesen werde, weil da eine  Menge drin steckt! Und natürlich auch herzlichen Dank für den Stoff! Ich weiß, du hast es gut gemeint und sicherlich sorgfältig gewählt. Wer weiß, vielleicht wird das ja doch noch eine ganz große Liebe mit mir und dem Kleid?!



P.S. Bilder ohne Hollywoodschaukel und Häschen (die twitter nähnerds wissen, wovon ich spreche), aber dafür noch vor der letzten Minute. Ich mußte die Häschen-Schaukel-Party leider wegen des Anlasses absagen. Wenn ihr aber unbedingt mal Schaukel-Häschen wollt, dann mache ich das mal für euch :-)