Mittwoch, 26. Februar 2014

Die Nählust kommt wieder

Ich fühle es, die Nählust steigt ganz langsam wieder in mir hoch, nachdem sie in den letzten Wochen meilenweit unter der Erde vergraben war. Es ist die Frühlingslaune, die der Me Made Mittwoch zaubert. Hier und da wunderbare Inspirationen und plötzlich weiß ich ganz sicher, dass ich unbedingt ein Kleid mit pinken Paspeln brauche, dass ich aus meinem Grundschnitt lauter Baumwollkleider nähen will und dass der Schwalbenstoff endlich vernäht werden will.

Es ist der Frühling, es ist der Grundschnitt, der langsam wird, es ist die Vorfreude auf ein paar Tage Berlin Anfang März, die heute konkret wurden. Hach, ich freu mich so und bin unglaublich gespannt, was das Nähnerd-Jahr dieses Jahr hervorbringen wird!

Jetzt drücke ich mir ganz fest die Daumen, dass ich Samstag nicht arbeiten muß, denn dann hätte ich mal wieder einen freien-Tag-ohne-Familie-nur-für-mich - das wäre ein guter Anfang!

MMM - in der Jogginghose unter den Kleidern




Heute mal wieder nix Neues zum MMM, aber me made und heiß geliebt. Erst dachte ich „ach, das olle Walk-Kleid kennen doch eigentlich alle“, aber dann „ich habe es doch dauernd an, das muß doch auch mal gesagt werden“.

Das Kleid, genannt „der Jutesack“ war nicht nur letztes Jahr eines meiner Lieblingskleider, sondern dieses Jahr auch. Es ist sozusagen die Jogginghose unter meinen Kleidern. Einfach irgendeine Strumpfhose mit einigermaßen passendem T-Shirt anziehen, Kleid drüber fertig. Eigentlich passen alle Farben dazu und alle morgendlichen Launen auch. Also ziehe ich es an ALLEN Wintertagen an, an denen ich nichts besonderes vor habe oder morgens schon mal als vorläufiges Outfit, wenn ich nur schnell das Kind in den Kindergarten bringe. Oder nachmittags, wenn Kinder zum spielen da sind, oder wenn ich schnell was einkaufen gehe, oder oder oder …

Bis auf „schick“ passt es eigentlich immer. Ich bin froh, letzten Winter drei Versionen (diese und noch diese) davon genäht zu haben. Das Blaue ist aber, obwohl es ein bißchen kratzig ist, das eindeutig meistgeliebteste. Dafür sieht es noch ganz gut aus. Es pillt etwas, aber ich finde, es geht noch.




Schnitt: Kassak Texel von der Schnittquelle zum Kleid verlängert
Stoff: Walk vom Maybachufer
genäht: Herbst 2012
und sonst so: alles super

Mehr wunderbare selbstgemachte Kleidung an echten Menschen findet ihr wie immer mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog - heute mit der wunderbaren Frau Nahtzugabe als Gastgeberin, die mir schon wieder einen neuen Strickjackenfloh ins Ohr setzt.

Dienstag, 25. Februar 2014

Schnittkonstruktionskurs 6: Korrektur des Modells und Konstruktion des Ärmels


Irgendwie bin ich so sehr mit meinen Hausaufgaben zum Schnittkonstruktionsunterricht beschäftigt, dass ich gar keine Zeit und Lust mehr habe, etwas zu Nähen. Ich hoffe, ein paar von Euch interessieren meine Berichte sehr, so dass die Zeit nicht allzu lang wird, bis ich wieder etwas Genähtes zum Anziehen vorstelle. Immerhin stricke ich nebenher am Frühlingsjäckchen.

Nachdem letzte Woche die Änderungen, die am pinken Modell vorgenommen wurden auf den Schnitt übertragen waren, konnte ich als Hausaufgabe das neue Modell, dieses Mal in etwas steifem schwedischen Baumwollstoff in freundlichem grau nähen. Schon besser! Ein paar Änderungen machten wir noch, dann konnten wir uns endlich dem Ärmel widmen.

Die wesentlichen Änderungen betrafen die Abnäher. Ich hatte versucht die Abnäher so genau wie möglich zu nähen. Letztlich ist der Körper aber keine Ansammlung von Linien sondern von Rundungen. Deswegen betrafen die Feinkorrekturen auch eher das Nähen als den Schnitt. Hier ist ein Bild vom Brustabnäher. Die blaue Linie ist die gezeichnete Gerade. Die Naht ist allerdings runder, um die Rundung der Brust nachzuformen. Eigentlich logisch, denn bei Schnitten mit Teilungsnähten im Vorderteil, ist das Seitenteil auch mit einer Rundung und nicht in einer Geraden anfügt.


Auf dem unteren Bild sieht man das Ergebenis sehr schön: auf meiner rechten Körperseite - auf dem Bild links zu sehen - wurden die Abnäher neu und rund genäht, rechts sind sie "nach Schnitt".





Außerdem veränderten wir noch mal die Breite der Taillenabnäher. An dieser Stelle merkte ich noch mal, dass ich etwas ungeduldig wurde, denn das näherte sich nun einem Perfektionsgrad, der mir nicht entspricht. Ich weiß doch, dass jeder Stoff anders fällt und dass das Probeteil doof auf der Strumpfhose aufsaß. Das kann dann bei einem Sommerkleid schon wieder ganz anders aussehen.




In der zweiten Unterrichtsstunde kamen wir dann endlich zur Ärmelkonstruktion und mir rauchte der Kopf. Da meine Lehrerin etwas ungeduldig wurde, da sie es kaum erwarten konnte, den Ärmel einzusetzen, um die Passform zu sehen, war es ein schneller Ritt durch die Theorie und Praxis der Ärmelkonstruktion: sie konstruierte auf Packpapier in Originalgröße und ich in 1:4. Damit ich auch noch mal das Ärmelkonstruieren in Originalgröße übe, werde ich bei Gelegenheit einen Zwei-Naht-Jackenärmel in groß konstruieren. Jetzt wollen wir erst mal Kleidergebnisse sehen.




Leider reichte die Zeit nicht, um den Probeärmel in der Stunde einzunähen. Das habe ich nun als Hausaufgabe. Gestern habe ich noch noch mal das Ärmelkonstruieren geübt und mußte mein Buch zur Hilfe nehmen. Am Schluß der Stunde hatte ich mal wieder schnell schnell sehr kryptisch und wenig ausführlich mitgeschrieben, da war ich wirklich froh, ein Buch zuhause zu haben. Es dauerte eine Weile, aber ich habe es alleine hinbekommen. Das war schon cool!

Ihr dürft hier übrigens sehr gerne diskutieren, so lange ihr höflich und beim Thema bleibt. Das ist doch toll, wenn der Blog mit Leben gefüllt wird und ihr Aspekte beitragt, an die ich noch gar nicht gedacht hatte etc. Ich habe derzeit aber wenig Gelegenheit, mich einzumischen, aber ich lese es mit Interesse!

Während ich nach dem pinken Modell schon ein wenig verzagt war, wurde mir aber im Laufe der Woche klar, dass es ganz besonders für mich, mit meiner großen Größe, äußerst hilfreich ist, Grundschnitte zu konstruieren, auch wenn dann doch noch Änderungen von Nöten sind. Da ich keine Säcke-für-Littfasssäulen tragen will, bin ich darauf angewiesen, mutig Schnitte, die für kleinere Größen im Handel sind, auf mich anzupassen, da helfen mir die Kenntnisse in Konstruktion und die Grundschnitte sehr.



Damit auch ja keine Langeweile aufkommt, habe ich mir noch die Ideen von "Fräulein Gottschall" (so wird die Dame tatsächlich im Text genannt)  mit nachhause genommen, die in den 80ern in einer Fachzeitschrift berichtete, wie sie modische Kleidung für Frauen in großen Größen konstruiert. Ich lese solche Fachliteratur ja sehr gerne. Das ist für mich tatsächlich unterhaltsamer und spannender als ein Krimi.

Jetzt bin ich wirklich sehr gespannt auf das Modell mit Ärmeln. Dass ich zum Nähkränzchen Anfang März ein Jackett nähen kann, habe ich mir mittlerweile abgeschminkt - das wird so schnell leider nix mit dem Jackenschnitt. Aber dafür träume ich nun von einem selbstkonstruiertem Kleid aus Schwalbenstoff.....Hach!

P.S. Eben habe ich eine Mail von einer klugen Leserin bekommen, die mich darauf hinwies, dass "Fräulein Gottschall" möglicherweise genau die Leserin ist, die hier hin und wieder so wertvoll kommentiert. Da hätte ich ja mal 1 und 1 zusammenzählen und selbst darauf kommen können. Das ist ja nen Ding! Ich hatte "das Fräulein" gegoogelt, weil ich hoffte, dass sie vielleicht ein Buch zum Thema geschrieben hat. Aber es ist ja noch viel cooler: sie liest hier und schenkt mir bei Bedarf super hilfreiche Kommentare. 1000 Dank. Ich bin begeistert! Die Welt ist klein und das Internet ein magischer Ort!

Donnerstag, 20. Februar 2014

Schnittkonstruktionskurs 5: Änderungen am Kleidergrundschnitt

Dass ich heute, nach einer Woche, erst zum Berichten komme, deutet darauf hin, dass mir derzeit irgendwie der Tag zu wenig Stunden und die Woche zu wenig Tage hat. Ich habe keine Ahnung, wo meine Zeit hin ist. Dabei nähe ich noch nicht mal, sondern drücke mich weiterhin um die Vollendung des Jerseykleides, des Wintermantels und des Faschingskostüms fürs Kind.

In der fünften Unterrichtsstunde habe ich wenig selbst gemacht und mehr die Lehrerin beobachtet, was sie tut. Ich zog das pinke Ding, die Umsetzung des Kleidergrundschnittes nach meinen Maßen an und ließ mich und das Ding kritisch beäugen. Als ich es zuhause schon mal übergezogen und fotografiert hatte, war ich ganz schön enttäuscht gewesen. DAS sollte "nach Maß" sein? Das Ding beulte unter der Brust und passte nur leidlich. Meine Lehrerin verzog allerdings keine Miene.



Als erstes griff sie mir zwischen die Brüste und sagte "das ist ja nen Ding, da muß wohl genau das weg, das wir aufgesperrt hatten".



Dann trennte sie die Schulternähte auf, um diese zu verbessern. Sie schnitt den Halsausschnitt größer, legte das abgeschnitte Stück auf den Schnitt, um diesen frei Hand an dieser Stelle neu zu zeichnen. Anschließend malte sie die Schulter neu - doch warum und wie, das muß ich noch mal nachfragen.



Gleiches passierte unter dem Arm. Auch dort wurde etwas weggeschnitten und anschließend dieses Stück auf den Schnitt gelegt und dieser dementsprechend korrigiert.

Um die Falte zwischen den Brüsten weg zu bekommen, wurde das Aufsperren rückgängig gemacht.

Außerdem malte sie die Abnäher unter der Brust runder, gab einen Tick an der Hüfte dazu und machte eine sanfte Hohlkreuzanpassung. Letztere auf meinen Wunsche, denn wenn schon denn schon: wenn schon Maßschnitt, dann muß das Ding auch knackig sitzen.



Zuletzt legte sie noch Vorderteil und Rückenteil so zusammen, um das Armloch als Ganzes zu sehen. Daran wurde dann nichts mehr geändert, weil es in ihren Augen "ein schönes Armloch" sei. Aha.

Während der zwei Stunden fragte ich mich, ob ich nicht aktiver sein könnte, ob nicht besser ich diese Änderungen machen sollte. Ich spürte die Erfahrung und hatte ordentlich Respekt. Ich fragte sie, was es denn gerade für mich zu Lernen gäbe. Das war nicht leicht zu beantworten, denn der Blick, was zu ändern sei, muß trainiert werden. Das passiert natürlich nicht in einer Stunde.



Nach Hause nahm ich dann ein Buch über Passformmängel mit, dass ich in den nächsten Tagen ehrfürchtig durchblätterte, einen geänderten Grundschnitt sowie die Hausaufgabe diesen noch einmal zuzuschneiden und zu nähen. Das habe ich, ganz ordentlich, gestern abend und heute abend getan. Aber anprobiert habe ich es noch nicht. Dazu hatte ich weder Laune noch Mut.

Jetzt, kurz bevor ich ins Bett gehe, mache ich aber noch die andere schöne Hausaufgabe, die mir nicht schwer fallen sollte: ich darf mir ein Traumkleid heraussuchen und das konstruieren wir dann. Da ich schon länger einen Traum habe und weiß, wo ich suchen muß, mache ich das jetzt schnell. Ist das nicht toll?

Morgen kommen dann - sollten die Änderungen erfolgreich gewesen sein - die Konstruktion des Ärmels und das Verlegen der Abnäher, um dem Traumkleid näher zu kommen. Wenn der Schnitt steht, mache ich mich daran, einen Jackenschnitt zu konstruieren, damit sie mich und den Schnitt dann weiter verbessern kann und dem Frühlingskostüm nichts im Wege steht. Der rote Stoff fürs Kostüm ist schon gewaschen!

Donnerstag, 13. Februar 2014

Thinsulate?



Heute abend hätte ich die Gelegenheit, meine Nähfaulheit bzw. Wintermantelnähkrise zu beenden, da das Wohnzimmer mir gehört. Natürlich kann ich auch einfach das seit Wochen halbfertige Ajaccio fertig machen, aber es ist Mitte Februar - vielleicht wäre es auch eine gute Idee, dem halbfertigen Wintermantel etwas Zuwendung zu schenken.

Mein Problem: Beim Nähen hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass der dunkelblaue Mantelaußenstoff (vermutlich eine Woll-Plastik-Mischung) alleine mit Flutschfutter zu dünn ist. Im Vergleich zu dem von mir verarbeiteten himbeerfarbenen Walk aus reiner Wolle auf jeden Fall. Der Mantel würde also eher so ein Mittelding zwischen Übergangsmantel und Wintermantel werden. Eigentlich brauche ich das nicht. Ich hätte lieber einen schicken zweiten Wintermantel, denn die Wintermantelsaison ist bekanntlich ziemlich lang.

Letzten Mittwoch habe ich spontan "Thinsulate" bestellt, um dieses als Zwischenlage zu verarbeiten. Nun bin ich skeptisch:

1: Ist es nicht merkwürdig einen Wollmantel (wenn auch dünn) wattiert zu füttern?
2. Futtermantel ist fertig, Außenmantel ist bis auf den Kragen fertig. Wie bekäme ich das Thinsulate dazwischen?

Wahrscheinlich hätte ich das Thinsulate mit dem Futter gleichzeitig (als eine Lage) verarbeiten sollen, oder? Hat eine von euch schon mal mit Thinsulate gearbeitet und ne Idee, ob ich das machen sollte und wenn ja wie?

Die Alternative wäre, den Mantel als Zwischenmantel fertig zu nähen. Eine andere Alternative wäre, ein neues Futter zuzuschneiden, was eigentlich auch kein Drama wäre, denn Futter hätte ich noch und   den Mantel nähe ich bestimmt noch mal aus anderem Stoff, so dass ich das alte Futter noch verwenden könnte, wenn ich wollte. Aber doof ist das auch irgendwie.

Mittwoch, 12. Februar 2014

MMM - im Mieder aber nicht bieder




Ja, der Überschriften-Kalauer mußte sein, denn immer mehr, wandelt sich meine Winterweste in ein geliebtes Mieder. Klingt immerhin besser als "Leibchen", ein Ausdruck, den meine Mutter verwendete. Obwohl, eigentlich ist Leibchen auch irgendwie niedlich.






Egal, ich mag mein Sinnesfrid, egal, was er nun ist. Er/sie/es wärmt wie ein Pullunder, war schnell gestrickt und ist, obwohl er manchmal an der Brust etwas klafft und die Träger zum rutschen neigen, schnell zum Liebling geworden. Ich bin glücklich darüber, dass die Farbe zu meinen beiden Tellerröcken passt und trage ihn gerne in dieser Dirndl-Silhouette.






Rock: ganzer Teller vom Kostüm Sew Along, Viscose-Woll-Stoff von Stoff und Stil Hamburg
Weste/Mieder/Leibchen: Sinnsesfrid (gratis Anleitung) aus Drops Nepal vergiss-mein-nicht mit Nadeln 5,5
nicht auf dem Foto: selbstgenähter Wintermantel, gestrickter Schal und Stulpen

Mehr Informationen (detailliert zum Nachstricken) gibt es in meinen gesammelten Beiträge zu dem Werk, wenn du hier klickst.




Jetzt fehlt nur noch ein Dank an Luzie für die Inspiration - DANKE! <3 <3 <3 - und der Hinweis darauf, dass sich auf dem Me Made Mittwoch Blog wie immer Mittwochs, noch ganz viele andere selbstgemachte Outfits an echten Menschen finden - heute mit Catherine als Gastgeberin in einem karierten Kostüm, das mich ständig "Hach" seufzen lässt, so schön finde ich es.

Dienstag, 11. Februar 2014

Sinnesfrid Finale



Meine Winterweste ist seit Ende letzter Woche fertig und wird schon fleissig und gerne getragen. Perfekt ist sie nicht, aber mir und den anderen gefällts. Ich wurde schon einige Male darauf angesprochen. Morgen beim MMM gibts noch mehr Bilder als Komplett-Outfit. Heute erstmal mein Rückblick zum Projekt.

Ich habe mich letztlich doch dafür entschlossen, die Knopflöcher zu stricken (war gar nicht schwer!) und die Weste (noch) nicht zuzunähen. Ich wollte einfach sehen, ob es so funktioniert. Außerdem ärgere ich mich manchmal bei meinem Frühlingsjäckchen2012 darüber, dass ich es nicht offen tragen kann. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert. Obwohl ich immer mal wieder auf der Höhe der Brust dehne, habe ich stets Sorge, dass es klafft. Ich bin also noch nicht sicher, ob ich es vielleicht doch noch irgendwann zusammen nähe.

Die silbernen Ankerknöpfe habe ich gewählt, weil ich mir in der Weste ein wenig "dirndelig" vorkomme. Das Ding ähnelt einem Mieder und gerade in Kombination mit den Tellerröcken und dem Petticoat, bekomme ich eine Dirndlsilhouette. Da ich ungerne konsequent bin und Stile gerne mit Augenzwinkern trage, habe ich mich für die hanseatischen Knöpfe zum süddeutschen Look entschieden und mag das sehr. Es sind auch wirklich hübsche Knöpfe, weil eben nicht silberglänzend, sondern matt changierend. Das kam mir entgegen, weil ich wirklich unsicher war, ob ich lieber auffallende Knöpfe haben will oder lieber Ton in Ton.




Fazit

Es hat total Spaß gemacht, das Winterwestchen zu stricken. Ich mag ja das Strickwerk dünner Nadeln, aber mal so etwas mit 5er Nadeln flott fertig zu stricken hat auch schon was. Da Sinnesfrid keine Ärmel hat, ist die dicke Wolle auch für mich tragbar.

Von oben nach unten zu stricken fand ich interessant. Allerdings bin ich wohl doch mehr der Typ für Teile stricken. Ich finde es - als Näherin - einfacher, in Teilen passformgenau zu stricken. So richtig hat das zwischendurch-Anprobieren auch nicht geklappt. Ich mußte immer einen Teil der Maschen auf eine weitere Rundstricknadel übertragen und trotzdem ist mir mal ne ganze Menge Maschen bei der Anprobe flöten gegangen.

Meine Passformmängel resultieren auch zum Teil durch das von-oben-in-einem-Teil-Stricken. Für mich ist es einfach vorteilhafter, Platz für die Brust mit verkürzten Reihen zu stricken. Wie das in einem Stück gehen soll, ist mir ein Rätsel. Jetzt klafft meine Weste ein bißchen an der Brust und ist im Rücken einen Tick zu lang. Das wäre vermeidbar gewesen, hätte ich in Einzelteilen gestrickt.




Auf das andere Passformproblem hätte ich auch durch Nachdenken kommen können! Die Träger sind zu lang für meine abfallenden Schultern. Ich hätte das Vorderteil ein Tick größer Stricken können und die Träger verkleinern. Sollte ich noch mal das Bedürfnis auf Sinnesfrid in einer anderen Farbe bekommen, dann werde ich das probieren.

Verbraucht habe ich 3 Knäul Wolle weniger als berechnet. Das ist schon ne Menge Überschuß! Auf der anderen Seite wird die Weste dadurch noch günstiger für das zweite Mal. Wahrscheinlich stricke ich noch ein paar passende Stulpen als Ergänzung. Verbrauch = 7 Knäul Drops Nepal.

Die Größenangaben finde ich sehr stimmig. Bei mir ist da rausgekommen, was ich mir in Bezug auf Maschenprobe und Anleitung überlegt hatte.

Außerdem war es ganz großartig, sozusagen mit Euch gemeinsam zu stricken. Danke für die geteilte Begeisterung! Wie siehts bei euch aus? Wie weit seid ihr mit euren Westen? Ich mache jetzt hier mal ne Linkliste bis zum Wochenende auf. Solltet ihr euch zu einem späteren Zeitpunkt noch eintragen wollen, dann schickt mir eine Mail mit eurem Link und Namen, dann trage ich euch noch nach.




Alle meine Beitrage zu Sinnesfrid findet ihr unter dem tag SWWKA oder einfach hier klicken. 

Montag, 10. Februar 2014

Schnittkonstruktionsunterricht 4: Kleidergrundschnitt nach meinen Maßen



Es ist gar nicht so leicht, das, was wir im Unterricht machen, mitzuschreiben, so dass ich es zuhause oder sogar noch Monate später nachvollziehen kann. Das liegt daran, dass wir nun zwar die Standardvorgehensweisen zur Konstruktion zum Teil anwenden, aber dabei immer auf die speziellen Formen meines Körpers Bezug nehmen. Sicher, das ist alles nicht einmalig - ich vermute, dass meine Lehrerin einen ganzen Ordner voll "Spezialfälle" hat, aber wir machen eben jetzt immer nur das, was für mich relevant ist. Es ist eben kein Vorgehen nach Schema F sondern ein Herantasten an die Wahrheit, bei der ich live dabei bin; immer geleitet von der Frage "Wo braucht die Frau was wirklich", was nicht nur von den Maßen abhängt, sondern auch von der Körperhaltung.

Wenn ich am Anfang der Stunde noch einmal nachfrage, was ich zuhause nicht hinbekommen oder nicht verstanden habe merke ich, dass ich mir das doch irgendwo notiert hatte, aber eben nicht ausführlich genug. Es scheint, als passiert doch einiges zwischen den Zeilen - deswegen ist es so wahnsinnig wichtig für mich, alles zuhause noch mal in Ruhe alleine zu machen, um zu bemerken, wo etwas möglicherweise nur an mir vorbei gerauscht ist. Das, was meine Lehrerin an Erfahrung mitbringt, ist für sie und anschließend für mich nicht immer leicht in Worte zu fassen.

Aber nun zu den Inhalten. Ein Problem, das wir bei der Schnittkonstruktion berücksichtigen mußten, war die zu große Differenz zwischen vordere Länge und Rückenlänge. Die Proportionen stimmten nicht. Auch da scheint es wieder Maße zu geben, die noch funktionieren ("5 cm Differenz sind noch ok") und wenn die Differenz größer ist, muß ein anderer Weg gegangen werden. Aus diesem Grund haben wir den Vorderteilschnitt vorläufig mit einer geringeren Länge konstruiert und ihn dann wie auf dem "Butterbrotpapier-Bild" oben zu sehen ist, noch einmal aufgesperrt und verlängert. Wo genau aufgesperrt wird, hängt davon ab "wo die Brust beult", so die charmante Formulierung in den Unterlagen meiner Nählehrerin. Na, stimmt ja irgendwie. Die vordere Mitte ist nun keine Senkrechte mehr - ich bin gespannt, wie sich das weiterhin auswirken wird, denn "im Bruch arbeiten" geht so ja nicht mehr. Vermutlich erzeugt das neue Abnäher. Wir werden sehen.

Um das Armloch auszumessen, steckte mir meine Lehrerin ein längs gefaltetes Din A 4 Blatt unter die Achseln und markierte das, was ich an Armloch brauche, um dies auszumessen. Als wir dann Rückenbreite, Armlochdurchmesser und Brustbreite addierten, kamen wir leider nicht auf den gemessenen Brustumfang, also wurde die Armlochbreite noch mal korrigiert. Auch die Abnäherlinine haben wir in meinem Schnitt nicht mehr nach Formel (1/10 Bu + 0,5 cm) konstruiert sondern den tatsächlichen Brustabstand gemessen und berücksichtigt. Interessant fand ich auch, welche Zugabe tatsächlich gewählt wurde. Meist sind die Zugaben für die Konstruktion in Bereichen angegeben. Ich dachte erst, das wäre eine Frage der Mode, ob frau es derzeit eher eng anliegend oder leger trägt, aber auch hier scheint es eher auf die Figurtype anzukommen, so wählte z.B. meine Lehrerin bim vorderen Armloch die Zugabe 1 cm (statt 2,5 bis 3 cm ) wegen der großen Brust, denn dadurch geht der Abnäher weiter auf und das Armloch wird schön rund. Aha.

Den Tipp meiner Leserinnen, mir kariertes Flipchartpapier zu besorgen, werde ich noch mal nachgehen, auch wenn meine Lehrerin verwundert den Kopf schüttelte. Ich fand es wirklich schwierig, in groß zu zeichnen. Ich besitze zwar alle notwendigen Lineale, aber nachdem das Kind mit dem 1-m-langem Alu-Lineal Schwert gespielt hat, ist es leider nicht mehr gerade. Die Methode von immi, scannen und auf dem Rechner skalieren finde ich auch sehr interessant! Aber eins nach dem anderen: als nächstes schneide ich meinen Schnitt aus pinker Baumwolle aus (ich habe extra eine Farbe genommen, die ich eigentlich unpassend für mich finde) und bin gespannt, wie das Modell passt. Mehr dazu bei Gelegenheit!


Donnerstag, 6. Februar 2014

Schnittkonstruktionsunterricht 3 : Kleidergrundschnitt nach meinen Maßen in 1:4



Bevor ich morgen schon wieder Schnittkonstruktionsunterricht habe (juchhu!), sollte ich endlich mal von letzter Woche berichten. Vorneweg: nach dem Unterricht war ich nicht mehr so müde und hungrig, wie die beiden vorherigen Male. Ein Fortschritt.

Als Hausaufgabe wollte ich letzte Woche noch einmal den Kleidergrundschnitt komplett zeichnen konstruieren. Ich habe die fünf Einzelschritte zweimal gemacht, einmal im Unterricht, einmal zuhause, also stellte ich mir als ("Prüfungs-")Aufgabe relativ zügig einmal den kompletten Schnitt zu konstruieren. Nach dem Grundgerüst beendete ich mein Vorhaben, weil ich entdeckte, dass ich bei Schritt II vergessen hatte, die weiteren Maße statt an der Grundlinie an der konstruierten hinteren Mitte auszurichten. Die Zeit reichte nicht, um noch mal von vorne anzufangen, ich tröste mich damit, dass man manche Fehler nur einmal macht, nachdem sie so doof gelaufen sind.

Bei Treffen Nummer 3 ging es nun darum, mich zu vermessen und einen Kleidergrundschnitt in 1:4 von mir zu erstellen. In den letzten Jahren wurde ich schon manches mal vermessen, aber dieses Mal fand ich es besonders interessant, dass meine Lehrerin schon beim Messen laut nachdachte und Abwägungen traf. Zum Beispiel maßen wir "Hüfte 1" und "Hüfte 2" was ich eine sehr charmante Umschreibung für "Bauch" fand. Hüfte 1 ist die Hüfte an der üblichen Stelle, während Hüfte 2 die Maße der tatsächlich dicksten Stelle angibt. Um diese beiden Maße anschließend im Schnitt verorten zu könnten, wurde das Höhenmaß von Hüfte 1 und 2 in Abhängigkeit von der Taille vermerkt. Auch beim Armloch sagte meine Lehrerin "ich schreib das jetzt mal so auf, darüber machen wir uns später noch genauere Gedanken." Aha, dachte ich, aber als wir später die Maße mit dem "errechneten Armloch" verglichen, wurde mir klar, woher diese Differenz stammt und wo wir abwägen müssen, für welche Zahl wir uns entscheiden. Das fand ich echt total interessant, denn bisher war ich immer davon ausgegangen, dass es so etwas wie eine gute, sprich objektive, Kunst des Messens gibt und dachte, dass viele Passformschwierigkeiten darauf beruhen, dass Laien eben oft nicht korrekt messen. Nun wurde mir aber klar, dass es sehr oft auch um Abwägungen gehen, weil die paar Maße eben nicht 100 % den dreidimensional, merkwürdig gerundeten Körper abbilden. Es sind eben nur ein paar Maße an bestimmten Stellen und kein 3D Modell!

Beim Aufschreiben der Maße wurde noch einmal deutlich, dass der Mehrbedarf an Weite bei mir extrem im Vorderteil ist. Für mich erklärte sich dadurch, warum ich stets Schwierigkeiten mit dem Rückenteil habe (um das ich mich in der Regel auch nicht kümmerte, weil ich ja mit der FBA im Vorderteil beschäftigt bin) und warum bei mir sowohl Kaufkleidung als auch Genähtes an den untrainierten, fallenden Schultern, die vergleichsweise schmal sind zum beträchtlichen Vorbau, so schlecht sitzt.

Anschließend konstruierten wir parallel (also beide, jeweils auf einem eigenen Papier) einen Kleidergrundschnitt für mich. Ich hatte ganz schön Bammel, dass das bei meinem Volumen nicht auf ein DIN A4-Blatt passen würde; das sind so beschämende Gedanken, wie sie mich schon mein Leben lang verfolgen. Aber glücklicherweise konnte ich das "aus-der-Norm-Fallen" vermeiden, in dem ich den Zwischenraum zwischen Rückenteil und Vorderteil halbierte. Puh! Ich bekam es gut, schnell und fast fehlerfrei hin, den Schnitt in 1:4 für mich zu konstruieren (siehe ganz oben) und war fast gerührt, als ich ihn sah. Ja, so sehen Schnitteile für mich aus. Das bin ich! Toll!

Morgen geht es nun daran, meinen Kleidergrundschnitt in Originalgröße zu konstruieren. Da bin ich schon sehr gespannt drauf, merkte ich doch, wie schnell kleine Ungenauigkeiten z.B. bei rechten Winkeln, das Werk in seiner Qualität extrem beeinflussen. Für ordentliches Arbeiten bin ich nicht wirklich bekannt. Ich bin gespannt, wie ich diese Schwierigkeit, einen Schnitt nach Maßen in Originalgröße zu konstruieren, meistern werde. Und auf das Stoffmodell bin ich natürlich noch viel viel mehr gespannt!

Dienstag, 4. Februar 2014

Du sollst nicht labbern!



Tja, eigentlich wollte (s)ich Sinnesfrid morgen stolz der Welt präsentieren, aber nach dem ich gestern abend die Knopfleiste (Buttonband) gestrickt und vorhin das Ding mal wieder anprobiert habe, wird sich die Premiere noch verschieben. Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, ist das Buttonband labbrig.

Ich habe natürlich ausgerechnet, wie viele Maschen ich zusätzlich aufnehmen will, aber ich habe mich beim Aufnehmen dauernd verzählt, so dass ich am Schluß doch zu viel Maschen auf der Nadel hatte. Da ich nun das Buttonband noch mal aufribbele, werde ich auch zwei der drei zusätzlich angestrickten Mustersätze wieder aufribbeln, denn zum Tellerrock angezogen sieht Sinnesfrid anders aus, als zur Rumlümmelhose. Ach!

Also, meine Lieben: achtet bei der Maschenaufnahme für das Buttonband darauf, dass ihr nicht zu viele Maschen aufnehmt!

Alles Sinnesfridbeiträge finde ihr unter dem Label: SWWKA

Montag, 3. Februar 2014

Sinnesfrid und Frühlingsjäckchen Knit Along

warum das Foto auf dem Kopf steht, ist mir ein Rätsel
Keine Sorge, nur weil ich drüben im Me Made Mittwoch Blog die Händchenhalterin für den Frühlingsjäckchen Knit Along bin, wird Sinnesfrid nicht vernachlässigt. Erst die Winterweste, dann das Frühlingsjäckchen! Versprochen.

So sah mein Winterwestchen gestern nachmittag aus. Der Body war nach Anleitung fertig gestrickt. Aber findet ihr nicht auch, dass das etwas merkwürdig aussieht? Die Taillierung recht stark, aber die Zunahmen? Wenn ich anprobiere, dann ist er/sie/es mit ordentlich "negative ease" gestrickt, dass heißt das Gestrickte muß etwas in der Breite gedehnt werden und zieht sich dementsprechend vermutlich auch etwas in der Länge zusammen. So kennen wir das ja von den Strumpfhosen. Es fiel mir nicht leicht zu entscheiden, wie lang das Westchen nun werden soll. Ich überlegte auch, ob ich alles noch mal aufribbeln oder lieber drei Mustersätze verlängern sollte. Ich entschied mich für drei Mustersätze mehr, die ich gestern abend strickte. Meine Erfahrung sagt mir, dass Gestricktes immer noch etwas nachgibt, das wird schon.

Das heißt jetzt fehlt nur noch die Knopfleiste und das Gegenüber ("Buttonband"). Ich überlege, ob ich mir die Knopflöcher spare, die Weste zunähe und die Knöpfe einfach aufsetze. Wenn sich das Gestrickte doch nicht sooo arg ausdehnt, dann könnte es sein, dass ich dauernd nervöses Zucken bekomme, ob ich gerade die Weste sprenge und die Knöpfe aufspringen. Eigentlich ist es doch gar nicht nötig, die Weste/das Mieder aufzuknöpfen, offen trägt frau doch sowas nicht, oder?! Aber das kann ich später noch entscheiden. Jetzt stricke ich erst mal die Seite ohne Knopflöcher; da muß ich nur noch ausrechnen, wie viele Maschen ich mehr aufnehmen muß, weil ich etwas verlängert habe. Aber das ist ja kein Problem.

Nachgeschlagen habe ich nichts weiter. Eigentlich war das alles selbsterklärend bis hier her - oder habt ihr Fragen?