Donnerstag, 6. November 2014

FrauCrafteln denkt über Shirts und Größen nach

Als ich vorgestern meinen Me Made Mittwoch Post schrieb erwähnte ich, dass ich "das Shirt eine Größe kleiner zuschnitt, als es die Maßtabelle vorgab". Ich glaube, dazu muß ich noch mal was schreiben.

Ich war schon ewig nicht mehr in dicke-Frauen-Läden und kann insofern nicht beurteilen, was missBartoz schreibt, dass sich das Angebot an Plus-Size-Klamotten in den letzten Jahren signifikant verbessert hätte. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich die Klamotten, die ich früher dort kaufte, nie mochte. Mein wichtigster Kritikpunkt, das was mir am meisten Unwohlsein verschaffte, waren noch nicht mal der Style, die frischen Farben und die flotten Muster. Was mich am meisten störte war, dass die wenigsten Modell nicht richtig, also richtig-richtig tailliert waren. Wenn ein Oberteil obenrum am Busen passte, dann hing der Stoff senkrecht runter bis zu Bauch und Hüften. Genau das sah dann so "litfasssäulig" aus.

Obwohl ich seit früher Kindheit von "Wespentaillen" und Dirndlschnitten träume, geht es mir gar nicht um die Wespe. Ich finde, es ist gar nicht nötig, dass eine Taille ein Idealmaß hat. Aber ich mag eben ein bißchen Sanduhr. Ich mag es, wenn bei wenn-schon-Busen und wenn-schon-Po dazwischen eine Unterbrechung ist. Dass dicke Frauen dann irgendwie auch wenig Gürtel-Vorbilder haben macht es nicht besser. Liegt es daran, dass es zu wenig schöne, längere Gürtel gibt? Oder liegt es daran, dass wir jahrelang dachten, dass uns Frauen mit Format nicht steht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es immer um das verdammte Kaschieren geht. Nur nicht sichtbar werden, nur nichts betonen! Das einzige, was dicke Frauen betonen dürfen, ist das Decoltée - aber ehrlich gesagt, mag ich gar nicht dauernd ausladendes, nacktes Fleisch sehen und tragen. Das ist mir zu sexualisiert. Ich mag auch manchmal einfach gut aussehen, ohne sexy zu sein.

Zurück zum Shirt. Irgendwann in den letzten Jahren habe ich damit begonnen, T-Shirts nicht mehr im Große Größen Sortiment zu kaufen, sondern bei den normalen Klamotten. In diesem Fall entschied nur noch die Größe des Armloches und die Länge des Shirts, ob ich mich darin wohl fühlte oder nicht. Aber endlich gefiel ich mir in Shirts! Natürlich durften sie nicht zu eng sein und wie ich schon schrieb, empfinde ich bei engen Shirts Viscosejersey als zu röllchenbetonend, aber so lange das Shirt gut geschnitten ist, darf es in meinen Augen auch eng sein, wenn es zum Gesamtoutfit passt. Untenrum weit, also weite Röcke und weite Hosen gehen einfach nicht mit einem weiten Oberteil - sonst Littfasssäule.

Entgegen der aktuellen Mode weigere ich mich, große Shirts anzuziehen, weil ich der Meinung bin, dass mir die engen Shirts einfach besser stehen. Wie gut, dass ich nähen kann und wie schön, dass ich das Shirt nähen letztens für mich entdeckte und mich damit unabhängig von Kaufshirts machen kann, die unter den Achseln kneifen. Ich weiß, es gehört ein bißchen Mut dazu, zu engen Klamotten zu greifen, wenn frau mehr auf den Rippen hat, aber ich kann allen nur Mut machen, mal mit engeren Shirts zu experimentieren und die Courage aufzubringen, einfach mal ne Nummer kleiner zu kaufen oder zu nähen.

Kommentare:

  1. Finde ich echt gut deinen blogEintrag . Ich näh auch alle shirt selbst und auch eng finde ich besser als verhüllend denn damit schaut man oft noch dicker aus

    Lg claudia

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  2. Hallo Meike, ich lese schon eine Weile bei dir mit...und möchte mich heute mal äußern.
    Ich finde an dir und das was du uns zeigst einfach gut, das auch,- wie sagt man "kräftige" Frauen (selbst wenn ich nicht dazu zähle) sich sehr figurbeton kleiden können und das das dann auch noch echt schick aussieht. Und du hast wohl recht, wenn man sich dich in einem dieser Ü-Gr-Shirts vorstellt....neee, weigere dich nur weiter.
    viele Grüße Silke

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    1. Danke! Ich freu mich immer, wenn eine Leserin "aus der Dunkelheit tritt" :-)

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  3. Du hast das sehr gut geschrieben. Ich bin eine Kaschiererin und ich ertappe mich oft, dass ich liftfasssäulig rumlaufe. Ich mag einfach nicht den ganzen Tag den Bauch einziehen, nur weil ich ein (zu enges) T-Shirt trage. Bei der Anprobe, von der Seite (und eben mit Bauch rein, Brust raus) sieht es ganz passabel aus. Aber wehe, die Luft ist draussen.... Oh Gott... Und so trage ich halt gerne Tunikas über etwas engeren Hosen. Einen Jupe habe ich schon seit Jahren nicht mehr getragen. Schade eigentlich, wenn ich dich in deinen Outfits so anschaue!
    Lieber Gruss
    Milena

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    1. Ich mag auch nicht den ganzen Tag den Bauch einziehen. Das mache ich auch nicht. Ich mag meine Seitenansicht auch nicht, deswegen gibt es von mir hier auf dem Blog auch keine Fotos in Seitenansicht. Ich hoffe einfach, dass die Menschen, die mich von der Seite sehen, gar nicht so sehr darauf achten, wie ich aussehe, weil ich gerade was kluges oder nettes sage oder ihnen zuhöre oder so.

      Probier doch mal aus, wie es dir mit etwas anderem geht!

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  4. Du hast vollkommen recht, dass du zu deinen Rundungen stehst und sie nicht versteckst. Ich finde diesen Schlank- und Jungwahn ganz schrecklich. Und es gibt leider viel zu wenig Frauen, die sich davon frei machen und sich selbst und vor allem auch andere Frauen so akzeptieren, wie sie sind.
    Mach weiter so, ich finde deine Styles super, individuell und herrlich anders als den sonstigen dünnen Einheitslook! Liebe Grüße von Claudia

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  5. Du hast absolut recht, ich kann die "grosse-Grössen" Shirts auch nicht verstehen. Die sind oft so hässlich gemustert und wie du schreibst, nicht taillenbetont. Die momentane Shirtmode ist aber auch wirklich schrecklich. Mit meinen breiten Schultern kann ich so etwas auch nicht tragen, und wie bitteschön sollte man diese Riesenshirts anders kombinieren als zu engen Hosen? Gibt ja kaum tolle Kombimöglichkeiten. Ich kaufe Shirts wenn, dann in Brockenhäusern oder Secondhandshops, dort hat es meist schlichte, enge, schön geschnittene.

    Und ich finde den momentanen Oversizetrend sowieso sehr schade. So das alles-verpacken, keine Taillen mehr, keine schönen Formen mehr betont.

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