Freitag, 19. September 2014

Schnittkonstruktion 13: Der Hosen-Grundschnitt

es ist mir ein Rätsel, warum es falsch rum ist!

Nach einer Sommerpause, habe ich nun wieder mit dem Schnittkonstruktionsunterricht begonnen. Obwohl ich das Jeansjackett noch nicht fertig habe (der Stoff stinkt, trotz zweimaligem Vorwaschens, wie hulle und irgendwie bin ich unmotiviert, obwohl ein Jeansjäckchen sicherlich sehr herbsttauglich wäre), war mir wieder danach "zur Schule" zu gehen. Außerdem passte dieser Wunsch sehr gut zu dem plötzlich aufgekommenen Bedürfnis, eine Hose zu besitzen.

Der Unterricht begann gleich mit einer Warnung: "Jedes Material verhält sich anders. Eigentlich braucht man für jedes Material einen eigenen angepassten Grundschnitt". Aha. Ich soll also die Erwartungen nicht so hoch setzen. Verstanden. Ich bin mittlerweile sowieso schon sehr bescheiden, was die Perfektion von Schnitten und selbst Genähtem anbelangt. Als ich zu nähen begann, war ich verwundert, wieso meine erste selbstgenähte Tunika nicht "einfach passte". Je mehr ich über das Nähen, Schnitte und Schnittkonstruktion weiß, um so mehr wundert es mich, wenn wenig Anpassungen von Nöten sind. Trotzdem sind die Ergebnisse meines Nähens, weitaus besser, als es Kaufkleidung je für mich war. Also versuche ich gelassen zu bleiben und brav weiter zu lernen.

Als nächstes folgte ein Hinweis: "Je weiter die Hose ist, desto leichter wird es, Platz für den Bauch zu konstruieren, weil es an den Oberschenkeln nicht wieder eng werden muss". Dieser Hinweis leuchtete mir ein: wenn der Bauch eine Kugel ist, dann müssten eigentlich rund herum Abnäher sein, aber welche Hose hat schon unter dem Bauch Abnäher (außer vielleicht diese Hosen, die so ne vordere Naht haben, die dann als Teilungsnaht konstruiert sein kann, oder fallen euch solche Hosen mit Abnähern unter dem Bauch ein?). Aber da ich sowieso nicht vorhatte, im "skinny-Sektor" zu arbeiten, beunruhigte mich dieser Hinweis auch nicht weiter. Irgendwie bin ich hosenmäßig sowieso ziemlich gelassen und wenig anspruchsvoll. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Hose dem Kleid in Bezug auf Schönheit Konkurrenz macht, ich mag sie einfach unter praktischen Gesichtspunkten haben und wenn es mal chic sein muss, kann ich ja immer noch eines meiner 1000 Kleider anziehen.

Auch das Hosen-Grundschnitt-machen-lernen begannen wir wieder auf einem DIN A 4 Blatt und mit einem Schnitt in Größe 38. Das ist so ne Art Probelauf, um die Schritte, die notwendig sind, zu lernen. Wieder rauchte mir am Ende der Stunde extrem der Kopf. Die Fülle an Informationen auf der einen Seite, aber ich hatte auch das Gefühl, dass es zu Ende hin komplizierter wurde. Diese Hypothese bestätigte sich bei den Hausaufgaben, als ich meine Aufzeichnungen noch mal in schön abschrieb und die Konstruktion noch einmal alleine machte. Den "Taillenring" der Vorderhose fand ich schon nicht ganz einfach und die Hinterhose hatten wir sowieso nicht bis zum Ende geschafft, weil ich schon Konditionsprobleme hatte. Als ich am Ende der zwei Stunden schwächelte, hat meine Lehrerin mich noch vermessen, so dass wir heute noch einmal alle Fragen besprechen können, die Hosen-Theorie zur Hinterhose fertig machen und mit dem Grundschnitt nach meinen Maßen beginnen können. Heute steht auch noch auf dem Programm, was es bei großen Größen zu beachten gilt, da bin ich schon sehr gespannt!

Kommentare:

  1. Liebe Meike, das ist sehr sehr interessant für mich. BItte schreib mehr über die Konstruktion. Meine Hose nach dem selbst erstellten Schnitt ist schon fertig und ich bin einigermaßen zufrieden Das größte Probelm war, den Schnitt von A4 auf Originalgroesse zu bringen.
    LIebe Grüße
    Susan

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  2. Was die Abnäher unterm Bauch betrifft: ist zwar nicht üblich, aber das spricht vielleicht nicht dagegen, sie einzuführen. Kittykoma schrieb kürzlich über ein Oberteil-Rock-Ensemble von Anna Scholz, das sie besitzt - der enge Rock hat einen Abnäher quer unterm Po, damit die Po-Rundung nachgezeichnet wird und der Stoff nicht von der ausladensten Stelle des Pos aus senkrecht nach unten fällt. Bei Durchschnittskonfektion ist das auch nicht üblich, aber ich fand es so einleuchtend, das so zu machen! Und hattest du nicht bei der Chanel-Ausstellung Ärmelnähte längs auf der Außenseite des Ärmels entdeckt?

    Ich finde an solchen Beispielen sieht man sehr gut, dass die Platzierung von Abnähern doch kein Naturgesetz ist, sondern sich halt bestimmte Abnäherformen und -platzierungen eingebürgert haben - was nicht heißen muss, dass alles andere nicht funktioniert. Bei historischer Kleidungs gibt es Abnäher und Nähte teilweise noch an ganz unüblichen Stellen. Bei der Konfektion heute wird ja wahrscheinlich auch vor allem Material- und Zeitökonomisch vorgegangen. Also kurz gesagt: Ich könnte mir vorstellen, dass man zu ganz anderen, funktionierenden Lösungen kommen könnte, wenn man die gängigen Abnäherkonventionen mal hinterfragt.

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  3. Ich bewundere deine Hartnäckigkeit sehr. Durch deine Anstrengungen fühle ich mich gut gewarnt und werde einen Burda-Maßschnitt bestellen, falls es mich mal nach einer selbstgenähten Hose verlangt.
    Viele Grüße,
    Petra

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  4. Hallo Meike!
    Bin gespannt auf Deine Erfahrungen - es könnte sein, dass ich im Sommer den gleichen Kurs gemacht habe - nun haben meine Unterlagen "geruht" und seit zwei Tagen versuche ich nun eine Konstruktion 1. schmaler, 2. für Stretchstoff - bin gespannt auf das Ergebnis und ob ich die Anpassung so hin bekomme.
    LG Birgit

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  5. Respekt für Deine konsequente Annäherung an Hosen. Ich hoffe, es gibt ein Ergebnis, mit dem Du dich wohl fühlst.
    Ich könnte mir vorstellen, dass bei einer etwas weiteren Hose die Passform besser ist, wenn die Taschenfutter mit Reißverschlussbereich verbunden sind und mit den Hinterteilen "Halt geben". Dann kann der Vorderbereich darüber lockerer sein.
    Als Autodidakt habe ich vor Jahren Hosen mit hinten getrenntem Bund genäht. Das erleichtert das Nähen und die Passformanpassung sehr. Letztes Jahr hatte ich darüber geschrieben.
    LG Ute

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