Montag, 25. August 2014

Loben und Lästern*: burda plus HW 2014

Bildquelle: Heft von mir fotografiert, wie man sieht


Ich kaufe ja sonst keine Burda. Aber am Samstag hatte ich das Gefühl, ich könnte mir mal so nen Frauendings gönnen und da erinnerte ich mich, bei Frau Nahtzugabe einen Link zu einer burda plus-Vorschau angeklickt zu haben, die mir gar nicht so schlecht gefiel. Ich hatte schon ewig keinen freien Samstag Vormittag mehr gehabt und schlenderte genussvoll durch die Welt. Flohmarkt, Kaffeetrinken und im Bioladen genug Zeit, um all das Kleingedruckte auf den Verpackungen zu lesen, auf der Suche nach Material für veganen Kuchen. Im Bioladen liess ich sehr sehr viel Geld - da fand ich es mehr als ok, mir mal ne Zeitung zu gönnen.

Meine Schnittlehrerin meint zwar, ich brauche keine Schnittmuster mehr zu kaufen, aber so ganz traue ich dem Braten noch nicht. Meine Vorgehensweise ist ja eher Grundschnitt mit Fertigschnitt zu kombinieren. Alles, vom Revers bis zur Linienführung selbst zu konstruieren, so vermessen bin ich noch nicht. Also werde ich schon immer mal schwach, wenn es um Schnittmuster geht. Zeitschriften scheinen da ja sehr effizient. So viele Schnitte für nur 5,60€. Ein Schnäppchen. Leider ist es aber mit den Schnitten und den Schnittmusterzeitschriften meist so, das viel eben auch nicht viel bringt. Es werden mehrere Schnitte zusammen bestellt, um Porto zu sparen und in einem Heft ist dann doch nicht so viel drin, was sofort umgesetzt wird.

Nachdem ich mir im ersten Durchlauf die Bildchen in der burda plus angesehen habe, war ich etwas ratlos. War das nun ein sinnvoller Kauf oder nicht? Ich blättere mal durch: Den Anfang macht die Rubrik "führungsstil". Es beginnt mit einer wild schauen Frau im schönen, eher mädchenhaften Kleid. Aha, so wünscht man sich ne Chefin. Ich bin nicht sicher, ob die tiefergelegte Taille wirklich vorteilhaft ist, aber ganz hübsch ist das Kleid schon. Die Dame auf dem nächsten Bild knubbelt die Unterkante ihres Spitzenpullovers zusammen, damit man nicht sieht, dass es nen Wallewalleding ist. Schönes Knotendetail (achneeeee, Knooooooten? Das habe ich mir schon IMMMER gewünscht, so originell!) Den dazughörigen Rock finde ich auch ganz nett. An hinten länger und Godets gewöhne ich mich langsam. Aber dieser Rock lässt genau die Frage offen "was ziehe ich obenrum an". Keine Ahnung, jedenfalls kein Wallewalleshirt, dass ich immer zusammenknubbeln muß, um damit eine gute Figur zu haben. Etuikleid und Schößchenjacke, die nun kommen sind ok bis schön, aber diesen Chefinnenblick muß ich noch üben. Dann kommt ein Kleid mit interessantem Kragen und französischen Effekt "der aussieht, als hätte frau einen Pullover über der Schulter". Ich bin fast sicher, dass das nicht wörtlich übersetzt ist. Glücklicherweise ist auch hier die Taille nicht zu sehen, um den Schnitt besser beurteilen zu können. Die Hose auf der nächsten Seite ist vermutlich schön, aber auch hier beantwortet das Bild nicht die Frage, was man obenrum dazu anziehen könnte, dass es GUT aussieht. Den Mantelkragen finde ich nicht schlecht und super finde ich, dass der Mantel von der Seite aus echt unvorteilhaft aussieht, wenn man wie ich es nicht mag, dass es unter dem Busen einfach gerade runterhängt. Ein dickes Lob an Burda für die Seitenansicht.

Als nächstes kommt das Titelmodell. Ein Traum von einem Kleid - aber ich weiß nicht, wann ich so einen Ausschnitt tragen könnte. Mir geht das sowas von auf den Zeiger, dass bei dicken Frauen immer gesagt wird "aber du hast doch ein schönes Decoltée". Stimmt, aber deswegen brauchen sie sich doch nicht bis zum Bauchnabel frei machen! Und ganz ehrlich Burda, mein Leben besteht wirklich nur zu ganz kleinen Teilen aus "führungsstil, abend, folklore und wohlfühlen".

Auf die nächsten Modelle, mag ich gar nicht näher eingehen. Das Übliche: Fotos auf denen man nicht viel erkennt und absurde Materialien. Aber vielleicht bin ich einfach nicht modern genug. Das schöne Kleid von der Frau mit dem wilden Blick kommt "für abends" noch mal, auf diesem Foto sieht man, dass die tiefergelegte, gekräuselte Taille vermutlich nur für wenige Frauen vorteilhaft ist. Schade, obenrum sieht das Kleid gut aus. Gekauft habe ich das Heft auch, weil es zwei Trachtenmodelle gibt, aber da mag ich eigentlich nur die Blusen. Hinten gibt es einen Hausmantel - allerdings ungefüttert und eine Tunika, die ich nähen würde, würde ich Tunikas tragen.

Das Schreiben dieses Blogspostes, hat länger gedauert, als das zweimalige gründliche, mit genauem Hinsehen, Durchblättern des Heftes. Haben sich die 5,60 € jetzt schon bezahlt gemacht? Nein! Erst als ich die Texte las, war ich vollkommen überzeugt. Wie gut, dass ich die Knip Mode im Abo habe! Vermutlich steht da genauso ein Quatsch mit Kaschieren und "Weiblichkeit feiern", aber das verstehe ich wenigstens nicht. Wenn ich das lese "dank des Gummis an den Flügelärmeln passen sich diese den Oberarmen an", dann kann ich nur mit den Augen rollen. Unter mein nächstes Foto zitiere ich dann "inspirierend ist hier nicht nur das Model, sondern auch ihre Tunika".

Ich weiß, ich weiß, es ist nicht originell, in das übliche Burda-Bashing einzustimmen. Aber ich hoffe, dieser Post erinnert mich daran, keine Zeitschriften mehr zu kaufen und das Geld lieber für Schnittunterricht zu sparen.

* Artikelüberschrift schamlos geklaut bei Frau Nahtzugabe.

Kommentare:

  1. Mit breitem Grinsen habe ich deinen post gelesen und mich so gut wiedererkannt. Das Argument für 5,60 soo viele Schnitte zu haben, und vielleicht kommt ja doch irgendwann die Gelegenheit für die man gerade so ein Schnittmuster braucht..... zieht bei mir auch immer. Wenn ich gestehe wieviele Burdahefte ich schon gekauft habe und wenn es hoch kommt, gerade mal 3 Schnitte nachgenäht habe, müßte man doch endlich aus dieser Lehre lernen...Aber vielleicht muss man diese Sucht auch gar nicht erklären, dafür freue ich mich nun schon auf die Ottobre, aus der ich definitiv viel mehr Schnitte genäht habe und deren Passform für mich auch meißtens aufgeht. Liebe Grüße Rike

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  2. Interssant, mal eine kontroverse Meinung zu lesen. Ich bin von diesem Heft recht angetan und finde einige der Modelle ausgesprochen schön und kleidsam und ich könnte mir gut vorstellen, einige der Modelle zu tragen. Mit dem Nähen ist es leider bei mir so eine Sache ... ich habe noch zu viele UFOs. Wenn die UFOs nicht wären, wäre der Rock 415 das erste Teil unter meiner Nähmaschine. Auch Hose 409, eine Modell ohne Schnickschnack und noch dazu in Kurzgröße, wäre m. M. n. für den Hosenherbst ein interessantes Modell. Was ich auf jeden Fall bemerkenswert finde, sind die wunderschönen Models, die echte Plus size-Frauen sind.
    Liebe Grüße
    Neumon

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    1. Noch eine Anmerkung zum Knotenpulli: er ist nicht wallewalle sondern leicht tailliert. Um abzuschätzen, ob ein Modell für mich tragfähig ist, schaue ich mir immer auch die technische Zeichnung an, eben weil Burda die Modelle nicht mehr so fotografiert, dass man aus dem Foto auf den Schnitt schließen kann.

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    2. In meinem Post
      http://rubensimrock.blogspot.de/2014/08/ein-statement-zu-burda-plus-hw2012.html
      habe ich mein Statement zur neuen Burda plus etwas weiter ausgeführt.
      Liebe Grüße
      Neumon

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  3. Wenn ich mir die Modelle so anschaue - online wohlgemerkt - filtert sich das für mich ganz schnell. Entweder brauche ich es nicht, weil die Linienführung nicht zu meinem Figurtyp passt, oder es ist zu figurbetont oder wahlweise zu sackig - und wenn es genau richtig ist, dann habe ich es schon als Grundschnitt.

    Es gibt ja viele - auch sehr ambitionierte - Hobbyschneiderinnen, denen es Freude macht, Schnitte auszuprobieren. Das kann ich gut verstehen, gerade wenn es um ausgefallene Linienführungen oder Silhouetten geht, die man nicht mal eben so aus dem Ärmel schüttelt, vor allem nicht, ohne Passform und Wirkung an einem Muslin mehrfach anzupassen. Was davon an mir gut aussehen könnte, dürfte aber sehr begrenzt sein. Ich gebe zu, ich bin da nicht (mehr) allzu experimentierfreudig.

    Ich bin glücklich mit meiner Grundform, die ich mit Details ausstaffiere und in unterschiedlicher Ausarbeitung für allerlei Stoffqualitäten nutze. Krägen, Revers, Ärmelabschlüsse, Verschlussdetails, Varianten in der Linienführung, Stoffkombinationen - fertig ist die Laube. Und wenn man sich die Burda-Modelle genau anschaut, insbesondere die technischen Zeichnungen, machen die es kein bisschen anders. Gerade bei den Plusgrößen gibt es nur sehr wenig wirklich Innovatives ...

    Was ich aber auf jeden Fall genieße, sind die Anregungen - Stoffe, Farben, Silhouetten. Aber dazu kaufe ich kein Heft, das geht online genauso gut. Wie bei den vielen anderen Inspirationsquellen auch.

    Deine Schnittlehrerin hat recht: Du brauchst keine Schnitte mehr zu kaufen. So verlockend sie sind, so groß ist im Zweifelsfall die Enttäuschung. Was natürlich nicht heißt, dass man sich nicht hie und da Details abgucken könnte, rein zu Lernzwecken. Das macht sogar die Industrie ;-) ... Und wenn es bedeutet, mal nen komplizierteren Schnitt zu kaufen und zu vergrößern, nur zu! Aber eben selektiv.

    Viele Grüße
    Ursula

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  4. Ich gebe zu, ich bin ein Burda Fan, denn die Schnitte passen mir in der Regel ohne Änderung. Und wenn ich etwas nähe, dann wird das tatsächlich oft ein Teil aus den Burda Heften. Seit ca. zwei Jahren war ich aber zunehmend enttäuscht von den Schnitte und hätte sie fast wieder abbestellt, aber seit vier, fünf Ausgaben gefallen mir die Modell wieder sehr gut. Die Ottobre geht bei mir z.B. gar nicht, das passt hinten und vorne nicht.
    Liebe Grüß von Ute

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  5. Haha, "Fotos auf denen man nicht viel erkennt und absurde Materialien" beschreibt in meinen Augen haargenau meine Burda-Erfahrung. Sehr schön und witzig geschrieben. Das Modell auf dem Foto finde ich wunderschön, das mit dem Ausschnitt kann ich verstehen, mag ich an mir auch nicht so, selbst mit durchschnittlicher Oberweite.
    Und ja, die Texte, die Texte! Ich erinnere mich genau daran, dass ich die schon bei "meiner" allerersten Burda teilweise furchtbar geschraubt und erzwungen fand. "Unter der Jacke blitzt die Bluse von Seite 20 hervor"... Dieser Satz steht in fast jeder Ausgabe.
    Wenn ich das nächste Mal am Kiosk bin blättere ich die Plus-Ausgabe mal zum Spaß durch. Für die aktuelle Burda Style habe ich auch schon einen Lob & Lästern-Eintrag geschrieben und auch zu dem Entschluss gekommen, das Geld lieber für andere Dinge zur Seite zu legen. Fünf Euro sind fünf Euro. Leider kaufe ich die Burda Style manchmal aus Langeweile, so wie du das hier beschreibst. Da muss ich mich zusammen reißen lernen...

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  6. Puhhhh, ich kringel mich hier gerade weg... genau das habe ich auch gedacht, als ich die Burda Plus am Samstag in den Händen hielt. Abgesehen davon, dass ich schon so viele Schnitte habe, dass ich eigentlich auch nie wieder welche kaufen muss, werde ich auch wohl nur noch ganz wenige Hefte kaufen, aber das Anschauen macht ja auch Spaß. 2 Modelle gefielen mir so mehr oder weniger, wie Du schon schreibst das (deutsche) Titelmodell, denn bei uns gibt es nur die französische Ausgabe mit dem Manteltitelbild, und das Dirndl geiel mir auch noch. Problem beim Titelmodell: Nicht genug Gelegenheiten, es zu tragen. Dito beim Dirndl, ich lebe zwar auf dem Land, aber nicht in Bayern und hier wäre das nun echt deplaziert.
    Also wieder ein paar Euronen gespart, die ich lieber in Stoff umlegen werde.
    LG Petra

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  7. Einfach köstlich, dein Post. Jetzt weiss ich, warum ich um die Burda Schnitte immer so einen grossen Bogen gemacht habe ;-)
    Liebe Grüße, Martina

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  8. Bitte sag, dass wenigstens die Kaufquelle für diesen roten Lippenstift angeben ist, den sich alles Models geteilt haben...

    lach...
    ich hatte nicht vor, die Zeitschrift zu kaufen, ich weiss gar nicht, ob es die hier gibt, aber ich habe mich jedenfalls königlich beim Kaffee über deinen Text amüsiert.

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    1. vergessen: welche Plus-Size trägt denn das Trachtenmoden-Modell? Gr. 36/38 oder S? Oder ist das aus einer anderen Zeitschrift? mein Russisch ist so schlecht....

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    2. Das Modell war in irgendeiner burdastyle schon mal als Plusgröße drin, September 2011????? Und das finde ich so schlimm, wenn ich mir dieses Heft kaufe, habe ich wahrscheinlich alle Schnitte doppelt, weil die Spezialhefte nichts Neues bringen, sonder nur aufgewärmtes Zeug aus älteren Monatsausgaben.
      Grüße
      Alexandra

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  9. Ich finde die Ausgabe nicht schlecht. Übrigens gefielen mir in letzter Zeit in vielen Burdas die Plusgrössen bei weitem besser als die "Normalgrössen". Ich bin wohl noch nicht bereit für zu avantgardistisches Neunzigerzeugs. mir gefallen klassische Schnitte besser. Ich kaufe mir gerne Nähzeitschriften und nähe dann doch selten daraus - blättere sie aber so oft durch und brauche sie als Bettlektüre etc (wie auch die Kochbücher). Somit verzeihe ich mir die Geldausgaben.

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