Freitag, 13. Juni 2014

Schnittkonstruktionsunterricht 13: Am Jeans-Jackett rumfummeln

Ich habe schon lange nichts mehr über meinen Schnittkonstruktionsunterricht geschrieben, weil ich keinen Unterricht hatte. Irgendwie passten Leben und Lernen in den letzten Wochen nicht zusammen, aber heute war ich endlich mal wieder bei meiner Lehrerin.

Stand der Dinge war, dass ich den überarbeiteten Jackett-Grundschnitt zum dritten Mal nähen sollte. Jetzt ist es aber so, dass mich Probemodelle etwas nerven. Sie kosten Zeit und Geld und ich finde, beim 3. Probemodell darf durchaus etwas Tragbares herauskommen. Also investierte ich dieses Mal in einen schönen Jeansstoff. Jeans deshalb, weil es eigentlich als nächstes darum geht, aus dem rote Stoff, aus dem ich den Tellerrock nähte, ein Jackett zu nähen und dieser ist einem Jeans schon sehr ähnlich. Jetzt wäre ich natürlich nicht FrauCrafteln, wenn ich nicht wieder eigene Ideen in das Projekt schummeln würde. So ein braves Jackett nach Grundschnitt ist ja dann doch nix für mich, also schummelte ich ein Schößchen dran, rundete die vorderen Ecken stark und das Revers ein bißchen. Als ich es zuhause nähte und anzog, mußte ich einsehen, dass Zusammenbasteln noch lange nicht Design ist und meine Ideen nur begrenzt gut aussahen.

Also ging es in der heutigen Stunde darum, theoretisch zu lernen, wie ich hätte das Schößchen konstruieren können (statt einfach nur den Gertie-Blazer irgendwie zu imitieren) und an dem Jeansmodell und dem Schnitt, den ich dafür gemacht hatte rumzudoktoren, dass etwas Tragbares heraus kommt. Den Entenpopo, den ich hinten erzeugt hatte, durfte ich wieder wegnähen und -schneiden, an den Seiten etwas raus und die Abnäher wurden noch mal nachgearbeitet - immer in Verhandlung, wie ausgestellt es denn nun sein soll und da gingen die Vorlieben von mir und meiner Lehrerin doch ein bisschen auseinander. Anschließend konstruierten wir die Belege und begannen den Kragen zu nähen. Ihr erinnert euch sicherlich an das Dreckskleid letztes Jahr, bei dem mich und anderen der Hemdblusenkragen doch einiges an Nerv kostete. Schnittkurs heißt zwar das, was ich bezahle, aber wer sagt denn, dass ich da nicht auch etwas nähen lernen kann. Ich fand den Vorschlag, so einen Kragen gemeinsam zu nähen, jedenfalls sehr pragmatisch. Ganz fertig sind wir damit nicht geworden, aber das macht nichts, denn als Hausaufgabe darf ich noch Einlage aufs Futter bügeln, den Futterschnitt machen und den einen Ärmel noch mal neu einsetzen. Damit bin ich auch beschäftigt und nächste Woche, nach dem nächsten Termin, ist ein fertiges Jeansjackett dann in greifbarer Nähe.

Ich weiß gar nicht genau, wie ich dann weiter machen möchte. Irgendwie muß ich erst mal eine ganze Menge Probieren und Übung bekommen - und die ganzen Schnittkonstruktionsbücher lesen, die ich zum Geburtstag bekommen habe. Vielleicht mache ich dann erst mal eine Pause, obwohl ich noch ein paar Stunden gut habe. Oder wir widmen uns dem Rockgrundschnitt, das schadet sicherlich auch nichts. Mal schauen. Obwohl mir der Tag heute nicht wirklich viel Freude bereitete, war es doch eine Wohltat, mich zwei Stunden diesen erfreulichen Dingen zu widmen.

1 Kommentar:

  1. Die Geschichte mit den Proportionen und wieviel Weite bei welchem Stoff beim Schößchen etc. ist vermutlich das, was man dann erst durch viel Erfahrung lernt. Oder ein Modestudium oder so. Oder durch noch ein Probeteil, das dem Originalstoff ganz nahe kommt. Irgendwie schon ein bißchen entmutigend, wenn einem hier die ganze Arbeit mal vor Augen geführt wird - aber andererseits lernt man so erst richtig die Arbeit zu schätzen, die einem durch gute Schnittdesignerinnen abgenommen wird. (Und es erzeugt bei mir großes Misstrauen gegenüber Laien, die "mal eben so" Schnitte entwerfen und verkaufen.)

    Wozu bügelst du denn Einlage auf das Futter?

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