Montag, 16. Juni 2014

Auf Nummer sicher



Letzte Woche beichte ich bereits, dass mein "WM-Jäckchen" eine fantasielose Kopie der Jacke einer Teilnehmerin des Frühlingsjäckchen Knit Alongs ist. Wie schön, dass ich Absolution bekommen habe, aber eigentlich wollte ich noch über etwas ganz anderes schreiben.

In den letzten Monaten hatte ich mehr und mehr das Gefühl, dass ich - negativ betrachtet - nur noch "auf Nummer sicher nähe". Ich nähe bevorzugt in Reihen:


  • 3 halbe Tellerröcke
  • 3 Frau Kirsche Kleider
  • 8 Ajaccio-Kleider seit April 2013
  • 2012 3 x Kleid Texel




Und nun das Jäckchen-Plagiat. Mir fällt das immer auf, wenn ich kurz davor bin, Gastgeberin beim Me Made Mittwoch zu sein (nächste Woche bin ich wieder dran) und das Gefühl habe, dort etwas unheimlich spektakuläres zeigen zu müssen. Das stimmt natürlich nicht, beim MMM ist alles erlaubt - auch das Zeigen der 100. Version des selbstgenähte Lieblingsrockes oder genähte Kleidungsstücke, die wiederholt gezeigt werden, weil sie einfach gerne angezogen werden. Theoretisch stimmt das zwar, aber als Gastgeberin fühle ich schon mehr Druck, wenn ich auf der großen Bühnen stehe.

Manchmal muß ich aber auf mich selbst aufpassen, dass ich mich mit Selbstkritik nicht runterziehe. Dann fasse ich mir an die eigene Nase, statt, wie gewohnt bei anderen klugzuscheißen, und ermahne mich, das Positive zu sehen, statt nur an mir herumzumäkeln.




Wenn ich also mein Nähwerk der letzten Monate anschaue, dann lässt sich doch, positiv gesehen, ganz eindeutig etwas sagen: ich habe ein paar Schnitte gefunden, die funktionieren. Ich habe endlich Schnitte gefunden, die einfach zu nähen sind, von denen ich weiß, dass sie mir stehen und Kleidungsstücke produzieren, die ich gerne trage. So gesehen ist das doch ein riesiges Erfolgserlebenis und kein Grund rumzumäkeln. Mag sein, dass die Ergebnisse unspektakulär für sensationsheischende ZuschauerInnen sind und vielleicht ein bißchen zu langweilig, um sie zu verbloggen, aber letztlich ist das doch genau das, was ich wollte! Eigentlich ist das doch der Traum jeder Konsumentin und jedes Konsumenten, ein geliebtes Kleidungsstück in jeder gewünschten Farbe/Muster/Material einfach haben zu können. Das ist doch perfekt!

Mit den Strickjäckchen ist es letztlich genauso. Ich habe meine Wollstärke gefunden, mein Material und im Groben eine Anleitung, die ich verstehe, die funktioniert und die Jäckchen produziert, die mir passen. Ich weiß, was für ein Jäckchen ich von der Form mir vorstelle, schaue in den Kleiderschrank, um festzustellen, welche Farbe fehlt und suche mir aus der Vielfalt der Muster, die ich in Musterbüchern oder bei Aktionen wie dem Frühlingsjäckchen Knit Along finde einfach ein Muster aus, das mir gefällt und mich beim Stricken unterhält. Das ist doch perfekt! Das ist die Autarkie, die Unabhängigkeit vom begrenzten Sortiment an Kaufklamotten, die wir uns wünschen.




In diesem Sinne werde ich wahrscheinlich in den nächsten Monaten noch diverse Strickjäckchen stricken, Sinnesfrid-Strickwesten, Tellerröcke und Frau Kirschekleider nähen - immer mit einem triumphierenden Lächeln auf dem Gesicht, weil ich einfach weiß, dass es gut wird. Und hinter den Kulissen bastele ich weiter an selbstgemachten Schnitten herum, ans Probemodellen, an Petticoats und Unterkleidern und an Badeanzügen. Und wenn mir danach ist, werde ich von Erfolgen und Misserfolgen berichten.

Kommentare:

  1. klingt grossartig! Genauso soll es doch sein :-)

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  2. Sehr gut! Genau so sehe ich das auch.

    Und sollte es Dir zu langweilig werden, nur die Farbe und den Stoff zu variieren, könntest Du es ja mit einer selbstgestellten Aufgabe versuchen: nähe das selbe Teil in 10 Varianten, die sich nur in Details wie Saumverarbeitung, Flächenteilung, Materialkombination, Stickerei u.ä. unterscheiden, zusätzlich vielleicht noch Extras wie Kragen oder Ausschnittform. Da fällt einem nämlich erst auf, wie weit man mit einem Standardschnitt kommt. Aber nicht weitersagen, sonst machen die Schnitthersteller noch pleite ;-) ...

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Stimmt, die Variationen! Daran hatte ich noch gar nicht richtig gedacht, weil bisher noch wenig Erfahrung. Aber da bleib ich dran! Danke für den Hinweis.

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    2. Ich bin ja zum Beispiel auch noch viel zu Stoffmix-schüchtern!

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  3. Ein schöner Post - besonders toll: die Bilder die Dich mit Deinen wunderschönen Kleidern und Vielfalt in Einheit - oder Einheit in Vielfalt :) ? - zeigen.
    Mir geht es da sehr ähnlich. Und am Mittwoch schieße ich womöglich den Vogel ab: Ich habe meine derzeitigen Favoriten - Tiramisu und das Vogue-Kleid - jeweils aus dem gleichen Stoff genäht... etwas schräg zugegeben, jedenfalls schräger als den gleichen schnitt mit unterschiedlichen stoffen zu nähen.
    LG!
    M

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    1. Großartig! Das finde ich mal nen selbstlosen Test, zwei Lieblingsschnitte zum Vergleich aus dem gleichen Stoff zu nähen! Wahre Nähnerdleidenschaft, die allerdings wahrscheinlich den Berlinerinnen leichter fällt, als dem Rest der Republik.

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    2. Naja, der Stoff ist aus Oberbayern, falls Du auf unsere Stoffquelle abzielst. Apropos: ich war am Fr auf dem Markt und hab sehr an Dich denken müssen, es gab Jerseys, die 100% in Dein Beuteschema fielen. Wann kommst Du nochmal wieder...?

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    3. Na klar meinte ich den Markt, der verändert schon das Sein und das Bewußtsein. Am 4.7. bin ich in Berlin!

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  4. Es bringt ja auch nichts, Kleidung zu nähen, nur um sie auf einem Foto zu präsentieren, sie aber hinterher nicht mehr zu tragen, weil man sich damit nicht wohlfühlt.
    Und, wie Ursula schon festgestellt hat, Schnittvariationen, verschiedene Stoffe und oder Muster können denselben Schnitt auch schon verblüffend verändern.
    In Punkto Strickjäckchen gehe ich übrigens jetzt auch so vor, wie du.
    Einen Schnitt, der mir passt und gefällt, habe ich beim Knit-Along für mich ausprobiert und angepasst und den werde ich gnadenlos für weitere Jäckchen nutzen. Andere Farben und Muster sind da Variation genug.
    LG von Susanne

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  5. Also, ich als passionierte MMM-Guckerin kann dir versichern, daß Du uns auch gerne noch Ajaccio Nr. 12, 13 und 14 präsentieren darfst! Ich werde höchstens ein bißchen neidisch, weil du schon den perfekten Jersey-Kleid-Schnitt für dich gefunden hast, während ich noch suche... ;o)

    Liebe Grüße
    Marlene

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  6. Ich weiß noch genau, wie du irgendwann am Anfang meiner MMM-Zeit mal darauf hingewiesen hast, dass es nicht immer etwas Neues sein muss und bin dir nich immer dankbar. Dadurch habe ich nämlich begonnen, die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten unter die Lupe zu nehmen. Nicht nur am Mittwoch, sondern jeden Tag. In dem letzten Jahr kam der Wunsch nach Vereinfachung dazu. Bei weniger Sachen, die gut harmonieren, fällt das Anziehen und das Packen leichter.

    Darum möchte ich dir versichern, dass mich deine Outfits niemals langweilen werden. Allein, was du dazu schreibst, ist es immer wieder aufs Neue wert, hier reinzulesen und ich hoffe, du verlierst nicht die Lust am MMM-Blog. Lieben Gruß
    minnies

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  7. Oh wie gut kann ich dich verstehen, wo ich doch momentan immer und immer wieder nur einen Kleiderschnitt nähe, zwar in zig verschiedenen Variationen, dennoch es bleibt ein Schnitt der aus grade mal 2 Schnittteilen + Belege besteht. Um mich herrum werden die spannenstend Kleider aus unendlich vielen Teilen in höchster Schneiderkunst genäht.
    Aber die Erfahrung hat mir gezeigt, letztlich fühle ich mich nicht solchen Kleider gar nicht wohl, mein Stil, sofern ich denn überhaupt einen habe, ist minimalistisch und pur.
    Mittlerweile habe ich eine Zwischenlösung gefunden, den Großteil meiner Gardrobe besteht aus meinen Schnitten die sich bewährt haben und quasi als Belohnung und unermüdliche Motivation nähe ich besondere Einzelstücke.
    viele liebe Grüße Rubinengel

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  8. Bin völlig einverstanden mit Dir und sehe das ganz genauso: ich bin auch immer auf der Suche nach "DEM" Schnitt, der sich dann beliebig abwandeln, in anderen Farben/Stoffen mit variierten Ärmeln/Ausschnittlösungen... nähen lässt.
    Toll, dass Du einige Schnitte gefunden hast, die Deinen Suchkriterien entsprechen - ich schau mir die unterschiedlichen Versionen auf Deinem Blog nach wie vor gerne an!

    Liebe Grüße,
    Stefanie

    P.S.: Ich musste eigens nochmal nachsehen - also, ich habe in den letzten Wochen in Folge 6 Kleider nach dem gleichen Schnitt genäht. Am Mittwoch möchte ich dann Nr. 7 zeigen :-)

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  9. Ich kann auch nichts verkehrtes daran finden, einen Schnitt mehrfach (und noch öfter) zu nähen. Ich werde auch dein nächstes Ajaccio spektakulär finden! Liebe Grüße Isabell

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  10. Es ist doch toll, wenn man Schnitte findet, die zu einem passem, in denen man sich wohlfühlt. Ich bin auch immer froh, wenn mir ein Schnitt so gut gefällt, dass ich ihn mehrfach nähen kann.
    LG Andrea

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  11. Also ich finde deine gezeigten Sachen alle toll. die sehen durch die verschiedenen Stoffe doch eh alls anders aus. Warum sollte man immer einen neuen schnitt nähen, wenn man den einen guten passenden bis hin zur Unkenntlichkeit verändern kann?
    Aber eine kleine Kritik habe ich. Ich finde, du hast schon viel zu lange kein Ajaccio mehr genäht ;-)
    LG

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  12. Ihr seid ja reizend! Na, dann sollte ich mal wieder ein Ajaccio nähen, denn mit dem neuen Tiramisu bin ich alles andere, als zufrieden.

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  13. Guter Plan!
    Mach ich jetzt auch so(nur dass meine Schnittsammlung leider noch etwas(viel) kleiner ist),(hab gerade ein weiters Hemd/Shirt(oder so) nach meinem eigenen Schnitt fertig) fehlt nur die Zeit zum Bloggen. Freue mich schon auf nächsten Mittwoch, hoffentlich scheint die Sonne.

    Ich finde das gut, dass Du so viele wirklich alltagstaugliche Sachen machst und freue mich immer wieder über deine Schnittkonstruktionsberichte (auch wenn ich in letzter Zeit etwas selten kommentiere).

    Ganz liebe Grüße
    Christoph

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    1. Das ist ja interessant, unter dem Kriterium hatte ich das noch gar nicht gesehen, aber stimmt: ich nähe alltagstaugliche Sachen. Zumindest trage ich sie tatsächlich im Alltag. Danke!

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  14. Ha! Jetzt bringst Du mich auf eine Idee... ich habe eben nach einer blauen Leggins gesucht... da kaufe ich mir doch einfach Stoff und mache mir eine. Autonomie rules! :-)
    Sei lieb gegrüßt!
    claudia

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  15. Ein oder zwei Lieblingschnitte und ein oder zwei Lieblingsgarne zu haben , das ist doch optimal ! Damit versorgt frau sich mit dem , was sie liebt und was ihr steht ( gibt es besseres ? ) , das funktioniert dann auch ohne wesentlichen Frust , und - der Kopf ist völlig frei für die Kür sozusagen , für kleine Änderungen wie Ursula sie ansprach , oder auch mal die Freiheit , einen völlig schrägen Schnitt auszuprobieren ... ohne den Druck damit etwas Anziehbares zu produzieren , weil dafür sind ja die o.g. Schnitte / Garne zuständig .
    Aber davon abgesehen hast Du eine solche Veränderung in Deiner Kleidung gemacht ( von den Anfängen bis jetzt ) , das ist definitiv NICHT langweilig !
    LG Dodo

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