Samstag, 10. Mai 2014

Zur re:publica in Berlin - von Worten, Gesang und schönen Stoffen



Die letzten Tage verbrachte ich in Berlin und kam gestern vollgepackt mit Eindrücken, Worten und ein bißchen Stoff zurück. Damit ich es nicht vergesse, ein kleiner Rückblick.



Menschen, so viele Menschen! So viele Gespräche, so viele Informationen, so viele Worte. Berlin ist immer anstrengend für mich. Ich kenne so viele wunderbare Leute dort und auch die Wege zwischen diesen Treffen sind immer anstrengend: Straßen, S-Bahnen, Trams - alles voll von Menschen! Die re:publica steigerte diesen Eindruck noch mal exponentiell. So viele Leute an einem Ort! Keine ruhige Ecke dort, außer bei meinem Lieblingsklo neben Stage J, das mit der grumpy Klo-Frau, und dann noch überall diese Musik für junge Leute. Den Anspruch, gleichzeitig Konferenz und lustige Fete zu sein, habe ich nicht wirklich verstanden. Ich war nach den Vorträge froh, dass Gelände verlassen zu können, denn mir war es einfach zu viel; aber vielleicht bin ich einfach zu alt dafür. Und re:publica ist ja noch nicht alles: ich habe noch so viele schöne, kluge Freundinnen in Berlin und noch zwei Patenkinder.

Das Alter brachte es mit sich, auch die innere Freiheit zu haben, Vorträge, klingen sie auch noch so interessant, zu schwänzen, dafür das Maybachufer und den Crelle-Markt zu besuchen, um mir etwas zu gönnen. Best Goodie-Bag einer Konferenz ever! Sind sie nicht schön, meine Schätze? Und für Stoffwechsel habe ich auch etwas Tolles gefunden; das ist natürlich nicht auf dem Bild!


Vielleicht hätten wir dieses Jahr unser Paper über den Me Made Mittwoch doch noch mal bei der re:publica einreichen sollen. Mein Eindruck war, dass es dort dieses Jahr mehr Raum für Frauen und für andere Themen gab. Jedenfalls war meine Hemmung, das Thema passend zum Motto "Into the wild" zu machen, unbegründet. Da hielt sich sowieso niemand dran. Meine Stärke ist das Dranbleiben leider nicht. Wenn ein Thema mal durchdacht und diskutiert ist, suche ich meist nach anderen Themen. Ich bin gespannt, wie ich nächsten Januar darüber denken werde.



Dass Stricken aufgrund der schlechten Beleuchtung auf der re:publica quasi unmöglich war - vor allen Dingen, wenn frau mit forderndem Garn strickt  fand ich schade. Ich hätte dem DIY, dem Arbeiten mit den Händen, dem Schaffen von Ergebnissen, die mensch anfassen kann, gerne subtil Raum gegeben.

Auf der re:publica interessierten mich am meisten die Vorträge über die Kommentarkultur im Internet, wohlwissend, dass wir in der gemütlichen, wertschätzenden Nähnerd-Ecke des Internets verwöhnt sind, bzw. uns eine gute Kultur des Umgangs miteinander geschaffen haben. Die Rede von Teresa Brücker "Burn out & Broken Comment Culture" und vor allen Dingen der Workshop "Broken Comment Culture: Let's fix it" von ihr und Ingrid Brodnig waren klasse. Spannend war auch, wie kontrastreich dazu aber trotzdem erhellend, die Veranstaltung über das Heiseforum war. An zweiter Stelle standen für mich die Vorträge zum Thema Sprache: Es war klasse Anatol Stefanowitschs "Sprachpolizeiliche Ermittlungen live zu erleben und Wibke Ladwig hatte mit Abstand das schönste Kleid zum tollen Vortrag "Ein blindes Huhn ist kein Ponnyhof - mit Schabernack auf Wortschatzsuche".


Klasse fand ich auch den Talk "How to buy a blogger" mit dem geschätzten Haltungsturner auf dem Podium, der allerdings auch charmanten und berechtigten Gegenwind von Frau Vorspeisenplatte (das war die andere Frau mit den schönen Kleidern) ertragen mußte. Ich gebe die Hoffnung aber dennoch nicht auf, dass Zusammenarbeit zwischen Unternehmerin und BloggerInnen respektvoll und gewinnbringend möglich ist. Dass ich Laurie Penny verpasst habe, ärgert mich, auch wenn ich den Vortrag online noch mal sehen kann, leider ist das nicht das gleiche! Das war einfach schlechte Planung meinerseits. Mist! Dem Personenkult bin ich nachgegangen, konnte aber nur schwer folgen. Viele Bekannte habe ich erfreut wieder getroffen und neue Menschen kennengelernt. Das Klima auf der re:publica war durchgehend freundlich und offen, also blieb ich bis zum Schluß und war zugegebenermaßen gerührt darüber, wie am Ende zu Hunderten gemeinsam gesungen wurde.

Ein besonderer Highlight meines Berlin-Besuches war das gemeinsame Essen und Singen mit meinen GastgeberInnen, mit denen eigentlich "No-Sociallizing, nur schlafen" ausgemacht war. Das funktionierte natürlich nicht, mögen wir uns doch zu sehr und gutes Essen, ein bißchen Wein und die Musik, die wir vor fast 20 Jahren zusammen gemacht hatten, waren ein guter Anlass, unsere Zuneigung zu genießen. Mindestens ebenso großes "Hach" löste am Dienstag das kleine Nähnerd-Treffen Hamburg trifft Berlin aus - für mich war das ein bißchen wie Geburtstag feiern, waren doch (viele, wenn auch nicht leider alle) meine Lieblingsnähfreundinnen um mich versammelt, als hätte ich sie eingeladen. Frau KittyKoma habe ich auch in Berlin kennengelernt. Super Frau - wunderte mich aber nicht, habe ich doch ein ganz gutes Gespür dafür, wen es lohnt, aus dem Internet zu treffen. Wir entwickelten gemeinsam einen spannen Gedanken, über den ich in den nächsten Tagen etwas schreiben werde.




Als Frau STOKX am letzten Tag noch sagten "Darling, your Armloch ist super" war ich auf mich und meinen Schnittkurs bombig stolz. Da fiel es mir sehr leicht, ihr die 2m des nochmals ergatterten Ming-Vasen-Stoff für eine Bluse zum Abschied zu schenken - es ist doch wunderbar, mit Freundinnen skurrilen Geschmack zu teilen.

Hach, es war wie immer anstrengend, aber auch wunderschön in Berlin! Ich bin angefüllt mit guten Gedanken, schönen Erinnerungen und inspirierenden Nähplänen.


Kommentare:

  1. Ich werde deinen Empfehlungen folgen und mir die guten Vorträge in der nächsten Zeit mal anhören. Und Suschna auf deine Auswahl aufmerksam machen - sie hatte sich nämlich die beiden Elternblog-Veranstaltungen auf youtube angesehen und fand sie auch (aus verschiedenen Gründen) unsäglich. Es war prima, dich mal wieder zu treffen. Und Sherlock Lucy kombiniert: auf dem Crellemarkt gibt es die Mingvasen wieder (oder immer noch).

    AntwortenLöschen
  2. Die Kaltmamsell fand ich auch super. Andere deiner Empfehlungen muss ich noch anhören. Das find ich ganz schön, so quasi als Podcasts nebenher.
    Bin mal gespannt, ob du nächstes Jahr Energie haben wirst, einen Vortrag anzubieten. Wenn die Teilnahme nur nicht so teuer wäre, ich wär auch gern vor Ort gewesen. Danke für den Bericht!
    susanne / suschna
    kommentieren mit wordpress klappt wohl nicht, komisch

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.