Donnerstag, 15. Mai 2014

Mythos Chanel - eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg

Hier ist es ruhig im Blog, jaja, ich weiß. Es kommen bestimmt auch wieder andere Zeiten, aber derweil ist das Leben oft schneller als das Bloggen. Die Zeit rinnt mir durch die Finger, Urlaub war schön, machte aber eigentlich noch viel mehr Arbeit. Langsam, ganz langsam kommt wieder Alltag auf. Glücklicherweise habe ich im fast allerletzten Moment gestern noch daran gedacht, dass die Chanel-Ausstellung in Hamburg am 18.5. zu Ende geht!

Den Bericht von mema über die Ausstellung habe ich sehr gerne gelesen und hatte es mir fest vorgenommen, auch dort hin zu gehen. Statt Mittagessen habe ich mir dieses Vergnügen dann gestern gegönnt und twitterte:



Die Ausstellung begann mit einem Lebenslauf. In groben Zügen war mir das bekannt, hatte ich doch schon das eine oder andere über Frau Chanel gelesen und einen Film gesehen. Dann kam ein Raum mit Original Kleidungsstücken, Schmuck, der mich weniger interessierte, einem Hinweis auf die Verbindung zu Marlene Dietrich und Jackie Kennedy und einem Film, der eine ältere Dame zeigte, die beklagte, dass die Welt nicht mehr so stilvoll ist, wie früher. Ja, das ist wohl das Recht älterer Damen!

Die Kleidungsstücke versuchte ich möglichst genau zu betrachten, ob sie mir gefielen oder nicht. Ich kann nicht wirklich von mir sagen, dass ich ein großer Fan von Chanel wäre, aber mich reizte, was ich an Originellem oder guter Verarbeitung entdecken konnte. Netterweise war es bei einigen Kleidungsstücken möglich, sie von hinten anzuschauen oder die Rückseite im Spiegel zu betrachten.

Die Oberarm-Naht und die Ärmelschlitze begeisterten mich sehr. Das war ja eines der bisherigen Ergebnisse meines Schnittkonstruktionsunterrichtes, das mir gut sitzende Ärmel bescherte, in denen ich mich bewegen kann. Ha, Frau Chanel hat sich also auch für Oberarm-Nähte entschieden! Die meisten Kleidungsstücke haben auch eine Naht in der hinteren Mitte. Das ist die Lieblingsnaht von Frau STOKX, das sich durch diese das Kleidungsstück einfach auf Figur anpassen lässt, ohne umständlich Abnäher einzufügen. Von einem Ausstellungsmacher erfuhr ich, dass Blusen oft ohne Ärmel unter den Jackets getragen wurden. Das machte die Outfits alltagstauglicher. Damit es trotzdem angezogen aussieht, verwendete Chanel sehr oft den Blusenstoff auch als Futter oder fügte kleine Details am Jackett am Ärmel oder an der Einfassung, aus dem Blusenstoff an. Coole Idee. Da aber niemand eine Bluse aus Futterstoff tragen will, sollte ich doch vielleicht irgendwann besser nähen lernen und Seide in Erwägung ziehen. Wie luxuriös ist das, ein Jackenfutter aus Seide zu haben und eine dazu passende Bluse! Bequemlichkeit und Alltagstauglichkeit schienen sowieso ein wichtiges Kriterium für Chanels Design zu sein. Die meisten Röcke hatten eine Bewegungsfalte. Interessant fand ich auch die Idee, ein Jackett aus sehr leichtem Stoff, an der Unterkante innen mit einer Kette zu beschweren.

Die Chanel-inspirierten Jacken und "kleine Schwarze" interessierten mich weniger. Das liegt vielleicht daran, dass das Thema immer noch lebt und ich das Gefühl hatte, das so etwas immer wieder zu sehen ist. Auch der Raum über Lagerfeld, als Chanel-Nachfolger, interessierte mich nur mäßig. Da ging ich doch lieber noch durch die Ausstellung von Fotos "Neue Frauen", die mir sehr gut gefallen hat, und die kleine Mode-Ausstellung Inside-Out.


Es wäre unheimlich toll gewesen, die Ausstellung mit Frau Nahtzugabe oder Mema oder anderen #Nähnerds gemeinsam anzuschauen. Zusammen hätten wir bestimmt noch viel mehr entdeckt. Als ich zweimal durch die Räume gegangen bin, hatte ich dann doch genug, obwohl ich bestimmt nicht alles gesehen und ordentlich gewürdigt hatte.

Zur Chanel-Ausstellung gibt es einen Blog "Stilbrise", in dem ich bei Gelegenheit noch mal schmökern will. Dort werden unter anderem Bilder von AusstellungsbesucherInnen in gelungenen Outfits gezeigt. Die Fotos sind toll und wurden zum Teil auch dort ausgestellt. Überhaupt war es sehr sehr angenehm, dass ich das Gefühl hatte, dass sich die meisten Ausstellungsbesucherinnen besonders schick gemacht hatten (die sie begleitenden Männer eher weniger), um die Ausstellung zu besuchen.

Es ist wahnsinnig schade, dass der Katalog schon ausverkauft ist. Den hätte ich wirklich gerne noch mal in Ruhe betrachtet und gelesen. Sollte eine meiner Leserinnen diesen besitzen und mir verkaufen oder leihen möchte, würde ich mich sehr darüber freuen!

Kommentare:

  1. Tja, das hätte ich mir auch gerne angeguckt, auch wenn ich bei Chanel immer so ein Bild im Kopf habe, dass das Mode für reiche alte Frauen ist. Auch wenn das so gar nicht stimmt, weder für Coco Chanel, noch jetzt für Lagerfeld. Nur diese klassischen Chanelkostüme, die finde ich ja mal gar nicht ein bißchen erstrebenswert.

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  2. Danke für deinen lebendigen Bericht. Eine kleine Gruppe Berliner Nähbloggerinnen war demletzt im Modemuseum Schloß Meyenburg und ich kann deine Annahme bestätigen, 10 Augen entdecken gemeinsam wirklich viel, viel mehr als 2 Augen.
    Spannend mit dem Goldkettchen zum Beschweren. Ich hatte in den 80ern mal einen Mantel (ohne wärmende Funktion, aber mit monstösen Schulterpolstern) aus ganz leichtem Stoff genäht, bei dem hatte ich irgendwann ein Gardinenbleiband in den Saum gefädelt, weil der ansonsten überhaupt nicht richtig nach unten fiel.
    LG
    Wiebke

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  3. Klingt hochinteressant; zur Zeit läuft bis Mitte November in meiner Heimatstadt eine Ausstellung über Roger Vivier, den "Fabergé im Schuhbusiness", der mit Christian Dior zusammengearbeitet hat (Roger Vivier - SchuhWERKE) - das stelle ich mir auch spannend vor; vielleicht berichte ich bald mal darüber - leider hat das Ledermuseum ziemlich behämmerte Öffnungszeiten : Di-So von 10 - 17 Uhr; da habe ich eigentlich nur im Urlaub die Chance, das Museum zu besuchen.
    Lieben Gruß
    Ulriek

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  4. Ich war da, als es den Ausstellungskatalog noch stapelweise gab - und hab ihn nicht mitgenommen, weil mir die mindestens 6kg Papier auf meiner 600 km Bahnfahrt lästig gewesen wären. Ein Freund wollte ihn mir bei Gelegenheit mitbringen. Du errätst es sicher, er war AUSVERKAUFT ! Ich könnte mich sowas von in den Hintern beißen....
    LG Elke

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