Montag, 7. April 2014

Ne Menge Murks


In den letzten Tagen habe ich eine Menge Zeit mit dem Nähhobby verbracht. Aber so recht glücklich bin ich nicht damit. Kann es sein, dass meine Ansprüche plötzlich höher werden und ich mir die Latte etwas zu hoch hänge?



Nach den mich immer noch glücklich machenden, halbfertig auf dem Balkon aushängenden Tellerröcken, nähte ich am Samstag eher erfolglos für Kind und Karma. Das Kind hat seine Mütze verloren, also mußte ich eine neue Jerseymütze nähen. Dooferweise hatte ich dafür einen teuren Jersey mit Fotoprint gekauft, der zudem noch einseitig bedruckt und damit auf der anderen Seite weiß ist. Ein T-Shirt und eine Mütze sollten es werden, aber so recht wurde das nichts. Die Mütze nähte ich doppellagig, damit der Umschlag hübsch wird. Hübsch war sie, aber zu groß, zu fest und zu warm.

Das Shirt konnte ich nicht nähen, weil zu wenig Stoff für die Ärmel übrig war. Also beschloß ich zwei weitere Kinderjerseys anzuschneiden, um Shirt nähen zu üben - bevor der Kind endgültig zu cool für hübsche Jerseys ist. Mir geht das sowas von auf die Nerven, dass es nur noch T-Shirts mit Aufdruck (so Lizenzkram) trägt, die ich 4 Jahre geschafft hatte zu vermeiden. Unser Kompromiss waren bis vor wenigen Monaten noch Kauf-Ringelshirts, denn meine bisherigen Kinder-Shirts wurden vom Kind nur unter Androhung von Strafe getragen. Sie waren einfach schlecht genäht. Die Ausschnitte passten nicht über den Kopf und unförmig wurden sie auch. Das muß doch besser gehen, dachte ich, jetzt habe ich doch schon unzählige Jerseykleider genäht, da können doch Kinder-Shirts nicht so schwer sein!

Ich erinnerte mich an ein Tutorial für schmale Bündchen im Hamburger Liebe Blog. Vielleicht war das ja eine Lösung, Bündchen einmal anders zu nähen. Die Anleitung ist gut, meine Halsbündchen wurden fast super, allerdings habe ich wohl die Nahtzugabe zu groß zugeschnitten, so dass der Halsausschnitt wieder zu klein wurde. Der Kopf passt zwar durch, aber die Shirt sitzen labbrig, weil viel zu weit und das sieht merkwürdig aus mit dem kleinen Halsausschnitt. Als der Halsausschnitt schön wurde (und ich das unförmige Shirt noch nicht am Kind gesehen hatte), wurde ich ehrgeizig und wollte so kleine Bündchen auch an den Ärmeln. Dass ich das ein paar Mal falsch annähte schadete nicht, sind doch bei Kaufshirts die Ärmel stets zu lang - diese passen zumindest von der Länge. Damit ich es - falls es ein nächstes Mal geben sollte - noch mal hinbekomme, habe ich es fotografiert.



Als die Familie nachhause kam, weigerte sich das Kind die Shirts anzuprobieren und schmiß die Mützen nach 2 Sekunden - noch eher ich genau sehen konnte, was das Problem ist - in die Ecke. Das war also das Werk meines freien Samstags. Hrmmpf. Sonntag schnitt ich die Mütze in zwei Teile und nähte daraus zwei neue einlagige Mützen: eine mit Bündchen, wie diese merkwürdigen Beanies, eine mit doppeltem Umschlag. Mit der Erpressung, sonst keine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, probierte das Kind beide Mützen und entschied sich für die mit dem doppelten Bündchen. Na immerhin.

Gestern abend versuchte ich B 6018 mit meinem Grundschnitt anzupassen. Das war schwieriger als vermutet. Das Problem: B 6018 sieht deshalb so bezaubernd aus, weil es unter dem Busen eine Naht gibt, an die die Rockteile angenäht werden. Theoretisch dachte ich, ach, das wird einfach anzupassen sein, sind doch Bahnen immer vorteilhaft für Änderungen. Doch ich hatte nicht mit der Schwerkraft gerechnet. Da mein Brustpunkt wesentlich tiefer liegt als im Schnittmuster vorgesehen, ist es eine schwierige Entscheidung, wo diese Teilungsnaht sitzen soll. Liegt sie vorne geschwungen unter dem Busen, ist sie hinten zu tief. Entweder ich lege sie auf den Busen, also knapp unter den Brustpunkt oder aber ich muß das Design ändern und statt vorne einen Bogen nach oben und hinten einen Bogen nach unteren zu nähen, es so machen wie beim Frau-Kirschekleid, bei dem vorne und hinten die Bögen nach unten laufen. Schwierig! Gestern abend konnte ich mich nicht entscheiden und packte enttäuscht wieder ein.



Heute morgen beschloß ich, dass ich durchaus noch etwas mehr Zeit für mich gebrauchen und mir erlauben kann, um den Erholungseffekt zu verstärken. Ich schaute eine Folge Great British Sewing Bee auf Youtube und nahm mir das Frau-Kirsche-Kleid vor, dass ich in Berlin begonnen hatte. Wir erinnern uns. Den Reißverschluß hatte ich schon einmal herausgetrennt und wieder eingenäht - er sah immer noch bekloppt aus. Von wegen: das Kleid muß nur noch gesäumt werden, wie es mir meine Erinnerung vorgaukelte. Ich trennt den Reißverschluß noch mal raus, steckte das Kleid taillierter und nähte den Reißverschluß wieder ein. Es rächte sich, dass ich, beim Nähkränzchen plaudern vergessen hatte,  ihn in der hinteren Mitte einzunähen - ihn tailliert zu stecken und in die Seitennaht zu nähen, war nicht banal. Mit einem kürzeren Reißverschluß ging es dann auch besser. Allerdings kann ich das Kleid trotz Taillierung auch ohne den Reißverschluß zu öffnen, über den Kopf ziehen. Hmmmpf. Ich beschloß auf die linke Tasche zu verzichten, denn die rechte Tasche beult ohnehin doof, nähte den Rücken noch ein bißchen enger und knüllte das Kleid in die Ecke, weil es mir eigentlich sowieso nicht gefällt. Lohnt es dann, noch meterweise Schrägband in den Saum zu investieren?

Irgendwie ist das alles doof. Jetzt nähe ich schon so lange und habe auch zum Thema Schnitte eine Menge in den letzten Wochen gelernt, aber ich ich produziere eigentlich nur Murks. Dauernd träume ich von grandiosen Projekten, aber so recht bekomme ich nichts Zufriedenstellendes fertig. Ganz abgesehen davon, dass ich immer noch befürchte, dass das Frühlingsjäckchen zu eng wird und am Jackettgrundschnitt auch noch so viel zu tun ist, dass mein rotes Kostüm nicht in greifbarer Nähe ist.

Kommentare:

  1. Oh, Liebe Meike, das klingt als würdest du aufmunternde Worte brauchen.
    Ich lese deinen Blog jetzt seit einem halben Jahr anonym mit und habe mich nach der Entdeckung durch jeden einzelnen Artikel gelesen.
    Ich liebe deinen Blog und deine Kleider und überhaupt. Ich finde es sehr schön zu sehen was du dir alles schon für Kleider genäht hast. Das macht mir Mut und motiviert mich. Bisher gehöre ich nämlich eher zu den Accesoire-Nähern (kleine Täschchen und co.).
    Und irgendwann werde ich mir auch mal so was schönes nähen und bis dahin freue ich mich über deine Erfolge zu lesen und hoffe das es bei dir nähtechnisch jetzt wieder ganz schnell Berg-Auf geht :-D
    Auf dein rotes Kostüm bin ich schon seeeehr gespannt.

    Vielen Dank für den tollen Blog
    Therese

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Therese,
      es geht mir weniger um Trost. Es geht mir eher darum zu zeigen, dass nicht alles gelingt und nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
      Trotzdem soll dich das nicht entmutigen, mit dem Kleidungssnähen zu beginnen! Probiere es mit nem Rock, das ist ein guter Anfang!

      Löschen
  2. Liebe Meike,
    ich lese deinen Blog auch schon lange - du warst unter anderem ein Grund, warum ich meinen eigenen Blog zu führen begann - und ich mag deine Art, ehrlich und schonungslos über Erfolge und Misserfolge zu schreiben. Ja, du hast recht, manchmal läuft es und manchmal läuft es nicht. So gar nicht. So überhaupt nicht.
    Aber irgendwie weiß man auch immer, dass es bim nächsten Mal (oder vielleicht auch beim üüüübernächsten Mal) wieder besser wird :)
    Also Krone richten und weiternähen. So machen wir Sewing Bees das.
    Alles Liebe, Jenny

    AntwortenLöschen
  3. Du bist mit deinem Nähwissen auf einem Plateau angekommen und der weitere Aufstieg scheint tatsächlich schwierig zu sein. Ich drücke dir heftig die Daumen.
    Viele Grüße von Petra, die kurz deiner Stelle ist und schon Bammel
    vor dem zukünftigen Frust hat.

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Meike,
    ich kann das verstehen, mir geht es auch so,dass ich nicht mehr nur stolz auf fertiges bin, sondern mittlerweile auch einfach möchte, dass es nicht nur selbstgenäht ist, sondern auch gut aussieht. Was nicht immer das selbe ist.
    Zu den Shirts: viele Kinder-Shirtschnittmuster sind einfach schlecht, weit und kurz geschnitten (man denke an die 90er Jahre...) vielleicht brauchst du einfach mal ein besseres? Ich empfehle Erbsenprinzessin oder klimperklein.
    Zu dem Halsauschnitt-Problem: KEINE Nahtzugabe am Halsauschnitt<!!!!

    AntwortenLöschen
  5. blödes ipad, ich war noch nicht fertig....
    Das sollte in einem guten Schnittmuster eigentlich drin stehen.
    Der Halsauschnitt wird ohne Nahtzugabe zugschnitten. Eigentlich immer.
    viele Grüße, kommen wieder bessere Tage!
    Tina

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Meike, es gibt Tage da geht es mir genauso und zwar vor allem dann, wenn ich in meiner Arroganz meine, das geht auch ohne Heftnaht und wird auch schon so passen. Anschließend sitze ich hier und trenne auf, Overlocknähte, Nähmaschinennähte und Coverlocknähte. In diesen Momenten ohrfeige ich mich geistig und schwöre beim nächsten Mal weniger arrogant zu sein. Lass Dich nicht entmutigen, auch nicht von dem kleinen "Möchte Gern Bestimmter", so einen habe ich auch hier, auch ich habe es fast vier Jahre ohne Lizenzkram geschafft und jetzt ist ihm alles nicht gefährlich genug, was von Mutti kommt. Selbst über die neulich genähte Schlafanzughose wurde gemeckert. Ich habe leider weder für das eine noch für das andere einen super Tipp, außer gelassen bleiben, es unter "wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen" verbuchen und beim nächsten Mal mit kleineren Ansprüchen in den Tag starten. Funktioniert bei mir nur gelegentlich, aber wir werden ja alle älter und gelassener, nicht? ;-)

    Liebe Grüße

    Valentina

    AntwortenLöschen
  7. Hallo,
    ich bin dankbar für diese Worte !
    Und ich habe mich so sehr darin wiedergefunden.

    So häufig sehe ich vor meinem inneren Auge d a s tolle Kleid und wenn es fertig ist und eben doch nicht soo super sitzt wie erhofft und ich zudem genau weiss, wo ich wieder gepfuscht habe, dauert es immer eine Weile bis ich wieder an der Maschine sitze.
    Im MMM sind alle immer so zufrieden mit ihren Werken und ich habe dann das Gefühl der einzige Nähdummie auf der Welt zu sein.

    Darüber hinaus fordern meine Kinder (jedes seitdem es 2,5 ist) starkes Mitspracherecht in den Nähdingen. Für sie ist es selbstverständlich, dass ich hinbekomme, was sie sich wünschen. Dass ich das eben nicht kann und ein gewisser Stoff eben auch mal aufgebraucht werden muss, können sie nicht nachvollziehen. Aber hier finden wir immerhin ab und an einen Kompromis.

    Der 4jährige will nur noch cool sein (man stelle sich vor: Starwarsshirt oder irgendein menschenfressendes Ungeheuer und dazu dann mein Held in Strumpfhosen, weil er eben nur diese mag - na okay, eine Bauarbeiterhose geht gerade noch so). Selbstgenähtes geht so gar nicht mehr, es sei denn, Mama findet unter hohen Mühen und Kosten einen Stoff, der so ausschaut als käme er aus dem Discounter aus dem Filmregal....
    Aber auch hier muss die Anprobe bisweilen erzwungen werden, immerhin gewinnt ab und an auch mal das Teil von Muddi ;-)
    Das sind die Momente für die ich nähe, wenn er mit stolzgeschwellter Brust in Strumpfhosen und neuem Shirt in den Kiga marschiert.

    Übrigens gehen hier gar keine normalen Mützen mehr, hier müssen es "Caps" (z.B. Jerseymützen nach unikat by Tuttut) sein. Netterweise darf ich die in den richtigen Stoffen dann auch nähen, weil ich seine Freunde damit ausgestattet habe.

    Liebe Grüsse und Danke für diesen Post !
    Die Rasselbanden-Mama

    AntwortenLöschen
  8. Oh Meike, sei doch nicht so streng mit Dir.
    Leg den Nähkram mal weg. Vllt. konzentrierst Du Dich nur auf die Röcke??? Und auf Erholen jenseits von Nadel und Faden?

    Zu den Kindershirts kann ich Dir (aus Erfahrung) nur raten, die Größe nach Brustumfang auszuwählen und am Kind die nötige Länge - auch für die Ärmel - zu messen. Für das Halsbündchen nehm ich nur noch Saumband. Also Bündchenware. Mit Jerseystreifen wird das nix Gescheites.

    Es ist noch keine Nähkönigin vom Himmel gefallen. Und ein Hobby sollte man mit Muse und nicht mit "Musse" betreiben (das sollte ich mir auch endlich mal merken ;o) ).

    Viele liebe Grüße

    Katharina

    AntwortenLöschen
  9. Bin ein bisschen spät dran, nehm dich aber trotzdem einfach mal virtuell in den Arm. Solche Phasen haben wir alle, und Karl Lagerfeld bestimmt auch (naja, der näht ja gar nicht), der hat dann einfach mehr Personal oder es ist Kunst ;)

    AntwortenLöschen
  10. Liebe Meike,
    ich lese hier bei Dir ab und zu mit und bin immer schwer beeindruckt, was Du nähst. Ich befinde mich da gelinde gesagt im Anfangsstadium. Ich produziere zwar für meinen Jüngsten sämtliche Schlafis (er braucht viele), Jogginghose und T-Shirts selber (und meistens zieht er es auch an....meistens....nicht immer...), aber es ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Denn diese Jersey-Näherei ist gar nicht so einfach, wie es immer aussieht. Von daher hast Du mich heute sehr, sehr getröstet und ich werde morgen wieder voller Elan ans Werk gehen :)
    Ganz liebe Grüße
    Julika

    AntwortenLöschen

Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.