Donnerstag, 20. Februar 2014

Schnittkonstruktionskurs 5: Änderungen am Kleidergrundschnitt

Dass ich heute, nach einer Woche, erst zum Berichten komme, deutet darauf hin, dass mir derzeit irgendwie der Tag zu wenig Stunden und die Woche zu wenig Tage hat. Ich habe keine Ahnung, wo meine Zeit hin ist. Dabei nähe ich noch nicht mal, sondern drücke mich weiterhin um die Vollendung des Jerseykleides, des Wintermantels und des Faschingskostüms fürs Kind.

In der fünften Unterrichtsstunde habe ich wenig selbst gemacht und mehr die Lehrerin beobachtet, was sie tut. Ich zog das pinke Ding, die Umsetzung des Kleidergrundschnittes nach meinen Maßen an und ließ mich und das Ding kritisch beäugen. Als ich es zuhause schon mal übergezogen und fotografiert hatte, war ich ganz schön enttäuscht gewesen. DAS sollte "nach Maß" sein? Das Ding beulte unter der Brust und passte nur leidlich. Meine Lehrerin verzog allerdings keine Miene.



Als erstes griff sie mir zwischen die Brüste und sagte "das ist ja nen Ding, da muß wohl genau das weg, das wir aufgesperrt hatten".



Dann trennte sie die Schulternähte auf, um diese zu verbessern. Sie schnitt den Halsausschnitt größer, legte das abgeschnitte Stück auf den Schnitt, um diesen frei Hand an dieser Stelle neu zu zeichnen. Anschließend malte sie die Schulter neu - doch warum und wie, das muß ich noch mal nachfragen.



Gleiches passierte unter dem Arm. Auch dort wurde etwas weggeschnitten und anschließend dieses Stück auf den Schnitt gelegt und dieser dementsprechend korrigiert.

Um die Falte zwischen den Brüsten weg zu bekommen, wurde das Aufsperren rückgängig gemacht.

Außerdem malte sie die Abnäher unter der Brust runder, gab einen Tick an der Hüfte dazu und machte eine sanfte Hohlkreuzanpassung. Letztere auf meinen Wunsche, denn wenn schon denn schon: wenn schon Maßschnitt, dann muß das Ding auch knackig sitzen.



Zuletzt legte sie noch Vorderteil und Rückenteil so zusammen, um das Armloch als Ganzes zu sehen. Daran wurde dann nichts mehr geändert, weil es in ihren Augen "ein schönes Armloch" sei. Aha.

Während der zwei Stunden fragte ich mich, ob ich nicht aktiver sein könnte, ob nicht besser ich diese Änderungen machen sollte. Ich spürte die Erfahrung und hatte ordentlich Respekt. Ich fragte sie, was es denn gerade für mich zu Lernen gäbe. Das war nicht leicht zu beantworten, denn der Blick, was zu ändern sei, muß trainiert werden. Das passiert natürlich nicht in einer Stunde.



Nach Hause nahm ich dann ein Buch über Passformmängel mit, dass ich in den nächsten Tagen ehrfürchtig durchblätterte, einen geänderten Grundschnitt sowie die Hausaufgabe diesen noch einmal zuzuschneiden und zu nähen. Das habe ich, ganz ordentlich, gestern abend und heute abend getan. Aber anprobiert habe ich es noch nicht. Dazu hatte ich weder Laune noch Mut.

Jetzt, kurz bevor ich ins Bett gehe, mache ich aber noch die andere schöne Hausaufgabe, die mir nicht schwer fallen sollte: ich darf mir ein Traumkleid heraussuchen und das konstruieren wir dann. Da ich schon länger einen Traum habe und weiß, wo ich suchen muß, mache ich das jetzt schnell. Ist das nicht toll?

Morgen kommen dann - sollten die Änderungen erfolgreich gewesen sein - die Konstruktion des Ärmels und das Verlegen der Abnäher, um dem Traumkleid näher zu kommen. Wenn der Schnitt steht, mache ich mich daran, einen Jackenschnitt zu konstruieren, damit sie mich und den Schnitt dann weiter verbessern kann und dem Frühlingskostüm nichts im Wege steht. Der rote Stoff fürs Kostüm ist schon gewaschen!

Kommentare:

  1. Das ist der Grund, warum mein erster Konstruktionskurs mein letzter war. Nach dem Konstruieren kommen die Passformänderungen genauso oder noch mehr wie bei Fertigschnitten.

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    1. Oh - jetzt möchte ich aber ein Veto einlegen!

      Eine konstruierte Basis nach dem eigenen indiviuellen Maßsatz ist auf jeden Fall ein guter erster Schritt um sich einem passgerechtem Modellschnitt anzunähern. Auch und vor allen Dingen für alle diejenigen die mit ihrer Figur von der Norm abweichen!

      Wer nicht gerade überdurchschnittlich begabt im Anpassen und Abstecken ist, der profitiert von einer konstruierten (oder eventuell auch drapierten) Basis, weil sie Orientierung bietet, so dass er bzw. sie bei der Anpasserei nicht verzweifelt.

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    2. da muss ich dir leider wiedersprechen.
      Beispiel:
      meine Schülerin hat nicht nur 2 cm tieferliegender schulter, sonder ist dieser tieferliegende schulter 1,3cm länger(!) als die andere.
      weder konfektionsschnitt, noch kommerzieller fertigschnitt noch nach eigenen massen konstruierter schnitt berücksichtig in irgendeiner weise dieses "problem".dadurch ergibt sich ja Asymmetrie dass rechte Körperhälfte nicht nur in der vertikale anders fällt sondern auch breiter ist(bezgl. mitte des körpers).
      da wird mir auch individual konstruierter shcnitt kein stück weiter hälfen.
      und wenn ich schon da so viel anpassen muss, dann ist es völlig egal was ich anpasse.
      in Meike's fall ist das Problem,dass sie kaum ein fertigschnitt als Basis nehmen kann.das ist der unterschied zu den anderen fällen.

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    3. Es müsste ein Navi-Gerät geben für alle, die Schwierigkeiten haben den Weg zum passgenauen Schnitt zu finden. Das Navi müsste man dann auch noch einstellen können, vonwegen Autobahn oder Wirtschaftswege usw. . Meine Lehrmeisterin hat immer gesagt es führen viele Wege nach Rom!
      Ganz ehrlich, mein eigener Fall ist derselbe wie der von Meike, dass ich kaum einen fertigen Modellschnitt als Basis nehmen kann und deshalb bin ich so froh, dass es diesen Weg über die Grundschnittkonstrukitonen gibt! Wobei klar ist dass der Grundschnitt dann noch weiter bearbeitet werden muss (schief bin ich auch noch)!

      @Meike:
      Hoffentlich ist es o.k. dass wir hier bei dir so ein bisschen diskutieren!
      Und ich möchte dir nochmal ein Dankeschön dafür sagen, dass du hier von deiner Grundschnittentwicklung postest!

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    4. Im Idealfall holt man sich den Grundschnitt einer Schnittfirma (gibt es z.B. von Vogue zu kaufen) und passt diesen an seinen Körper an. In 99,9% der Fälle passen dann die übrigen Schnitte perfekt, wenn man die Änderungen, die man am Grundschnitt machen muss, einfach auf die anderen Schnitte überträgt.
      Oder falls es wirklich viele Änderungen sind, man den Grundschnitt als Grundschnitt nimmt und diesen dann abwandelt.

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    5. Das finde ich übrigens auch einen gute Idee! In diese Richtung habe ich auch schon gedacht. Bin sogar dabei gegangen und habe mir die KLeidergrundschnitte von Burda und Ottobre sowie Müller und Sohn heruasgesucht und verglichen. Es stimmt schon dass jedes 'Haus' seine Modelle auf den eigenen Basis konstruiert und das deshalb auch die Änderungen die einmal am Burda Grundschnitt Modell z.B. nötig sind dann genauso an Burda Modellschnitten funktionieren. Aber... je weiter das Modell vom Grundschnitt entfernt ist, desto wackliger wird das 'Rezept'.

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  2. Heißt das dann, das es, wie Sewing Galaxy sagt nur darauf ankommt, eine Meisterschaft darin zu entwickeln, Passformfehler zu entdecken, verstehen und zu beheben?

    Also wird es jetzt erst spannend: passt das neue Probemodell? Sind die Änderungen korrekt übertragen?

    Für mich hat das selbst Konstruieren aber auf jeden Fall schon mal den Mehrwert, daß es die Sachen, die ich gerne nähen würde gar nicht in meiner Größe gibt.

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    1. das konstruieren und fehler beheben für dich insofern wichtig,dass du dabei lernst ,die zusammenhänge zu versthen. was passiert,wenn du da etwas wegnimmst? welche Auswirkung hat wegnahme oder zugabe an dieser oder jener stelle?
      aberdarauf zu hoffen ,dass konstruieren eines individuellen schnittes allerheilmittel wäre wäre falsch.

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  3. Wow - bist du ehrgeizig! Ich muss fast beschämt melden, dass ich schon lange einen Maßschnitt einfach bei Dingsbums bestellen will....
    Und ich kauf mir nur die *einfacheren* Paßformbücher.
    Bin gespannt auf den nächsten Schritt!
    Viele Grüße,
    Petra

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  4. Schnittdirektrice ist ein sehr anspruchsvoller Beruf und man sollte natürlich den Respekt, Willen und die Geduld mitbringen diese Kunst zu erlernen. Wer sich einarbeitet und dabei bleibt, wird durch die eigenen Erfahrungswerte viel dazu lernen und sich ständig verbessern. Das geht natürlich nicht ohne Fachwissen. Zweidimensional zu konstruieren um auf dieser Basis dreidimensional zu gestalten Bedarf gut strukturierter Kurse durch eine gute ausgebildete Lehrerin mit viel Erfahrung.
    Lernwillig kann man dann später schon bei der Konstruktion designen.
    Dies auf der Basis des Gelernten und auf den in den Kursen erarbeiteten oder erhaltenen Unterlagen und viel Lust und Einsatz beim Gestalten !
    Wer wirklich Freude hat am Nähen und am textilen Gestalten, für den erweitert dieses Wissen einen großartigen kreativen Freiraum.

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