Freitag, 10. Januar 2014

Was steht an?

Ich habe es ja nicht so mit den Vorsätzen. Erstens finde ich den Jahresanfang so willkürlich - jeder Tag ist ein guter Tag, um das Leben zu ändern und zweitens macht es sowieso großen Spaß, Pläne über den Haufen zu werfen. Trotzdem - Jahreswechsel hin oder her - habe ich das Gefühl, dass eine neue Phase ansteht und da möchte ich euch mal einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was 2014 hier im Blog passieren könnte.

Zwei Gedanken berührten mich in den letzten Wochen: Zum einen hatte ich beim Jahresrückblick das Gefühl, letztes Jahr etwas manisch genäht zu haben. Wirklich "brauchen" tue ich so viele Kleider nicht, obwohl ich natürlich auf Nachfrage eine Menge streng rationaler Gründe anführen könnte, wieso dieses oder jenes Projekt wichtig war. Zum anderen habe ich durch den Kostüm-Sew-Along nicht nur festgestellt, dass ich gerne mehr Kostüme haben möchte, sondern auch ganz dringend gefühlt, dass es da noch eine Menge zu lernen für mich gibt, denn ich möchte noch bessere Kostüme. Obwohl ich seit Wochen diesen wunderbaren Karostoff für Kostüm Nummer 2 herumliegen habe und den Rock dazu schon trage, scheute ich mich, das Jackett zuzuschneiden, weil ich es einfach besser machen wollte als Jackett 1, mir aber meiner Grenzen bewußt bin.

Deswegen habe ich mir mit Hilfe des Christkindes nun den Wunsch erfüllt, etwas mehr über Schnittkonstruktion zu lernen. Im Februar mache ich einen VHS-Kurs zum Thema "Konstruktion von Kleidern" und hoffentlich schon ab nächster Woche habe ich wöchentlich 2 Stunden kleinen feinen Privatunterricht bei meiner wunderbaren Nählehrerin, die auch Modestudierende in Schnittkonstruktion unterrichtet. Den VHS-Kurs hatte ich schon gebucht, bevor sich die andere Chance auftat, aber ich finde dieses Doppeltgemoppelt eigentlich gar nicht so schlecht. Zwei Lehrerinnen werden ganz unterschiedlich unterrichten, nach unterschiedlichen System vorgehe und in der Gruppe wird es auch noch mal anders sein, als im Privatunterricht. Ich werde berichten! Und ich freue mich wie Bolle!

Ich erhoffe mir, dass ich, professionell Ausgemessen, Schritt für Schritt Grundschnitte für mich erstelle, um dann eine solide Basis für zukünftige Kleid- und Jackenprojekte für mich zu haben. Obwohl ich schon lange das Buch "Schnittkonstruktion für die Damenmode" und das nötige Werkzeug habe, habe ich zwar schon oft einen Oberteilgrundschnitt begonnen, aber dieses Vorhaben nie konkret zu Ende gebracht. Ich freue mich schon darauf, die Grundschnitte zu erstellen, Nesselproben zu nähen, die Schnitte wieder zu verändern, um gute Schnitte zu bekommen und zu lernen, wie das alles Schritt für Schritt geht. Klar, könnte ich das mit viel Selbstdisziplin auch alleine hinbekommen, aber ich finde es so großartig, mir diesen Unterricht zu gönnen, das ist ein viel schöneres Weihnachtsgeschenk, als irgendwelche Rumsteherchen!

In den letzten Monaten habe ich bei zuckenden Fingern über dem Bestellknopf für Schnittmuster so oft gedacht, dass das herausgeworfenes Geld ist, wenn ich an dem gekauften Schnittmuster hinterher tagelang ändern muß. Eigentlich braucht es doch nur einen Grundschnitt und dann etwas Mühe, um z.B. Kragen, Ärmelformen und Taschen zu gestalten, wie frau es haben will. Nicht bei jedem Schnitt wird es einfach sein, ihn selbst zu erstellen, weiß ich doch zum Beispiel schon, dass es zwar möglich ist, Abnäher rotieren zu lassen, dass das aber trotzdem nicht banal ist. Oder wenn ich zum Beispiel an das Lemmingkleid denke, dann stelle ich es mir schon schwer vor, diesen Schnitt aus einem Grundschnitt zu entwickeln. Aber trotzdem stelle ich mir vor, dass es viel befriedigender wird, von mir, meinem Körper, den Tatsachen auszugehen, statt an bestehenden Schnitten herum zu ändern. Sagte ich schon, dass ich mich wie Bolle freue?

Kommentare:

  1. Oh, wow! Ein Schnittkonstruktionskurs, nein, gleich zwei - das wäre auch mein absoluter Traum!!!
    Lässt Du uns an den Ergebnissen etwas teilhaben? Das wäre spannend...Auf jeden Fall schon mal viel Spaß dabei!

    Herzlich
    Stefanie

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  2. So ein Kurs würde ich auch gerne besuchen! Ich finde das Thema sehr interessant. Das Buch steht schon lange auf meiner Wunschliste. Bist du zufrieden damit? Ich muss zwar nicht viel an Kaufschnitten ändern, aber wenn dann mach ich das immer mit ausprobieren - wirklich Ahnung habe ich davon nicht :)
    Lg Mathilda

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    1. Ich finde das Buch toll, lese gerne darin und habe daraus einen Bubikragen und einen Tellerrock fertig konstruiert. Bei den Grundschnitten habe ich nicht durchgehalten. Es ist aber spannend zu sehen, wie aus den Grundschnitten variiert wird. Allerdings ist es ziemlich teuer, für hin und wieder darin blättern. Vielleicht kannst du es mal in einer Bibliothek leihen?

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  3. Tu dir selbst etwas Gutes! Das ist der wichtigste Vorsatz/Grundsatz für 2014!
    Insofern: Alles richtig gemacht.
    Ich bin gespannt auf deine Berichte.
    LG,
    Kathrin

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  4. Für mich hat sich dadurch nicht nur mein Nähen verändert, sondern auch meine Ehrlichkeit gegenüber meinem Körper und meiner Akzeptanz ihm gegenüber. Ohne das geht es nicht und ich bin sehr gespannt, auf deine Erfahrungen auf diesem Terrain. Halte durch und zeig, wie es voran geht :-)

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  5. Gratuliere zu der Entscheidung und wünsche Dir viel Freude bei den Kursen!

    Je mehr Hintergrundwissen man hat, desto mehr Möglichkeiten hat man und desto sicherer kann man zwischen verschiedenen Werkzeugen wählen oder sie gar kombinieren. Will sagen, wenn Du erst mal Deine Schnitte selbst aufstellen kannst, heißt das nicht, dass Du nur noch so arbeiten willst. Denn auch das Anpassen geht dann fundierter von der Hand. Aber zu wissen, ich kann aus jeder (!) Zeichnung einen Schnitt bauen, der dann auch wirklich so aussieht und sitzt, ist schon was Tolles. Auch wenn man, wie es Viele tun, sich dann doch fertige Schnitte kauft, einfach um die Erfahrungen Anderer zu nutzen und z.B. bei speziellen Details nicht jedes Mal ganz von vorne anfangen zu müssen.

    Viele Grüße
    Ursula

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  6. da kommt wieder die spaßbremse zum wort...
    ich werde dir deine euphorie etwas nehmen,denn...
    meine erfahrung zeigt, dass viele,die zu einem konstruktionskurs gehen laufen irrtum,dass sie danach unabhägig hantieren können.das wird nicht der fall sein.
    nach einem schnittkurs kannst du genau das grundmodell mit und ohne ärmel nähen und paar abnäher verschieben.
    konstruktion zu verstehen und anzuwenden dauert so ca. 2 jahre.
    was du aber kannst, anhand deines fgrundschnittes etwas einschätzen, ob es groß oder klein ist, du wirst deine wahre messdaten rausfinden und das ist auch schon was.
    ich bin verfechter der meinung,dass es völlig wurscht ist was für eine konstruktion oder schnitt man nimmt. es kommt immer darauf an,dass man lernt ,defekte zu "lesen", zu verstehen und zu beseitigen. denn man braucht nur bei dem gleichen schnitt ein anderen stoff zu nehmen und schon sitzt der schnitt nicht.
    und dann? dann hast du dein schnitt und hast immer noch problem mit passform.
    da kann ich dir dafür brief und siegel geben.
    ich besitze so gut wie gar keine basis für mich, nur die japanische halbbasis. den rest mach ich mir immer passend. und das mache ich auch ebenfalls bei den anderen.
    daher mein appel ist, beschäftige dich intensiever mit passformproblematik.
    das geht am besten,wenn man an den problemen selbst arbeitet bis es gut sitzt- so lernt man auch zu defekten dazu und ihren ursachen.

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    1. Es ist ganz großartig von dir dein Wissen zu teilen, aber viele Wege führen nach Rom und jeder Jeck ist anders. Ich finde es recht merkwürdig, dass du deine Meinung immer als absolute und einzige Wahrheit hinstellst. Ich habe großen Respekt vor deinen Fähigkeiten und deinem Wissen, aber deine Art zu kommentieren empfinde ich wirklich als demotivierend und oberlehrerinnenhaft. Ich denke nicht, dass das Absicht ist, meistens lohnt es sich über Formulierungen noch mal nachzudenken. Bei mir kommen deine Posts immer mit einem kleinen negativen Beigeschmack an(ich schließe nicht aus, dass das auch an mir), das finde ich schade.

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    2. Ich denke, von der professionellen Warte aus gesehen hat Sewing Galaxy vollkommen recht. Ich habe einen halbjährigen Schnitttechnikerkurs in Vollzeit bei Müller & Sohn gemacht ... und danach noch seehr viel in der beruflichen Praxis gelernt. Wobei das Lernen nie aufhört. Ich habe übrigens RTW-Modellschnitte entwickelt, Maßschneiderei ist ein ganz anderes Tierchen.

      Andererseits bedeutet es einen qualitativen Quantensprung, das Rumprobieren an der Frau mit einer soliden theoretischen Basis zu versehen. Das Gefühl auf Treibsand zu gehen bessert sich erheblich. Wenn ich das Grundprinzip verstehe, steigert das außerdem meine Sensibilität für konkrete Passformfragen. Dass keine Meisterin vom Himmel fällt, ist natürlich auch klar, und ein VHS-Kurs kann aufgrund des Zeitbudgets nur einen Einstieg bieten. Aber immerhin, ein Einstieg ist es.

      Und im Unterschied zu früher ist heute so viel Material verfügbar, von Schnittkonstruktionsbüchern über Videos zu Blogs und Foren, da ist sehr viel besseres autodidaktisches Lernen möglich als früher. Jeder Hobbyschneiderin sind heute durch die Community und Google viel mehr Infos zugänglich, und zwar als maßgeschneiderte Antwort auf ihre Fragen, als der durchschnittlichen Schneidermeisterin vor 50 Jahren. Was sich Meike bisher schon erobert hat, davon konnte man in den 80er-Jahren nur träumen.

      Dass Konstruktion und praktische Anpassung Hand in Hand gehen müssen, ist klar, aber das gilt von beiden Seiten. Anprobe ohne Theorie reicht genauso wenig wie vice versa.

      Und noch eins. Gestalten ist nie nur Technik, sondern heißt immer auch sehen lernen! Sehen im Sinne von erkennen, bewusst wahrnehmen, übertragen, vergleichen ... Da ist wenig Unterschied zwischen Bäume malen und Kragenschnitt zeichnen. Das lernt man nur durch Übung und das dauert halt.

      Ich denke, Meike dürfte vom Schnittunterricht genauso profitieren wie vom "Praktikum" und eine Menge nicht sofort Greifbares mitnehmen. Und nach dem Kurs ist noch genug Zeit, aus dem Buch oder anderweitig weiter zu lernen ... und nichts muss von Anfang an perfekt sein.

      Viele Grüße
      Ursula

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    3. D'accord! Von mir gibt es Übereinstimmung zu allem was Ursula hier sagt.
      Übrigens: Auch aus meiner Sicht ist es bemerkenswert, was du Meike dir in der bisherigen Zeit schon erobert hast! Und ich war genau diejenige die in den 80er Jahren davon geträumt hat, aber wegen der fehlenden Möglichkeiten 'steckengeblieben' ist.

      Liebe Grüße
      Immi

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    4. @Julia:
      Defekte lesen bzw. Passformproblematiken erkennen ist letztlich wirklich die Kunst wenn es ums Maßschneidern geht!
      Findest du nicht auch dass es im Netz (oder auf dem Buch-Markt) gerade zu diesem Thema vergleichweise wenig Informationen gibt?

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    5. nein, find ich nicht.wenn mnan sich damit befasst findet man zu allem was, auch zu diesem thema, nur nicht in deutsch.
      es gibt ein ganz ganz dickes buch(ich muss das erstmal suchen,wie das heißt),es geht 300 seiten nur um passformprobleme vom oberteil.

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    6. "nur nicht in Deutsch": Du sagst es! Ist das ganz dicke Buch auf russisch??? Wenn ja, dann musst du es uns erst noch übersetzen. :))

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    7. natürlich nciht.,
      das buch ist ein amerikanisches oider englisches erzeugnis!

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    8. Oh - dann würde ich mich freuen wenn du es irgendwann fändest!

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    9. z.b.das hier:
      http://www.amazon.de/Complete-Photo-Guide-Perfect-Fitting/dp/1589236084/ref=la_B005BZHPFM_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1389437618&sr=1-1

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    10. Danke dir! :)
      Das ist auch gar nicht so teuer!

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  7. Toll, dass du das machst! Ich glaube, die verschiedenen Lehrerinnen und Unterrichtsformen machen das Ganze noch interessanter, weil ja höchstwahrscheinlich unterschiedliche Herangehensweisen vorgestellt werden und du kannst dir dann jeweils das Beste rauspicken. Von zwei Seiten betrachtet erschließen sich Dinge ja manchmal auch eher. Privatstunden sind natürlich ein Traum, ich plane für 2014 Einzelstunden bei einer Schneidermeisterin zu buchen, aber die muss ich erstmal finden.
    Ich bin sehr gespannt und hoffe auf rege Berichterstattung.
    Schönes Wochenende!

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  8. Liebe Meike,
    ich freue mich auch (zwar nicht wie Bolle, aber doch ein bisschen), dass du das mit den Konstruktionskursen angehst, bzw. dass du uns auf deinem Weg mitnimmst. Schliesslich partizipieren wir Anderen auch von dem was du erarbeitest!
    Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Immi

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  9. Danke für Eure Kommentare, ich habe mich gefreut und die Diskussion mit Interesse verfolgt.

    Mein Fazit daraus. Es gibt viel zu lernen! Das darf allerdings nicht bedeuten, dass frau dann gar nicht an einer Stelle anfängt, weil es zu unübersichtlich wird. Ich bin bisher ganz gut damit gefahren, meine Lernfelder nach dem Lustprinzip auszuwählen und die Lust leitet mich mehr zum Konstruieren als zum Anpassen. Ich bin allerdings auch wenig perfektionistisch veranlagt. Der Wunsch nach Verbesserung kommt bei mir immer Schritt für Schritt.

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