Montag, 27. Januar 2014

Schnittkonstruktionsunterricht 2

Am liebsten hätte ich gleich am Freitag von meinem zweiten Schnittkonstruktionsunterricht berichtet, doch zum einen fehlte die Zeit, zum anderen war ich anschließend wieder erstaunlich k.o. Dieses Mal eher k.o. als hungrig. Schon erstaunlich, wie ungewohnt diese Lernsituation für mich ist!

Da ich in der vergangenen Woche zweimal Hausaufgaben gemacht hatte, wußte ich genau, an welchen Stellen ich dringend eine Wiederholung brauchte. Das, was wir in der letzten halben Stunde im Schweinsgalopp gemacht hatten, war für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Da wollte ich gerne noch mal ran.

Der Kleidergrundschnitt sollte in fünf Schritten entwickelt werden. Vor jedem neuen Schritt, werden die vorherigen Schritte noch mal auf ein neues Blatt gezeichnet. Als Ergebnis der Unterrichtsstunde der ersten Woche nur Blätter mit Zeichnungen, aber keine Mitschrift dessen, was meine Lehrerin zusätzlich sagte. Vermutlich war ich während des Unterrichts so beschäftigt mit Zeichnen, dass ich gar nicht daran dachte, mitzuschreiben. Außerdem waren die Anfänge tatsächlich sehr einfach und wurden so oft wiederholt, dass ich das Gefühl hatte, alles verstanden zu haben und dies auch sehr leicht zuhause noch einmal machen zu können.

In der Tat habe ich bei meinen Hausaufgaben den Anfang, das Grundgerüst, sehr einfach hinbekommen. Damit ich das, was ich malte auch noch in ein paar Wochen nachvollziehen kann, habe ich zuhause noch mal alle Schritte schriftlich beschrieben. Aber beim vorderen Armloch merkte ich, dass ich die vielen Informationen, die ich in die letzte Zeichnung geschrieben hatte, nicht mehr sortiert bekam und bei der Taillierung fragte ich mich, welche Zahlen in meiner Zeichnung aus Maßen resultierten und welche Zahlen mit Formeln berechnet oder aus Erfahrung vorgegeben werden. Ich nahm mein Schnittkonstruktionsbuch zu Hilfe und sah erleichtert, dass sich das, was ich dort las, nicht von dem im Unterricht unterschied. Trotzdem wollte ich das, was wir am Ende der ersten beiden Stunden huschhusch gemacht hatten, gerne noch mal unter Anleitung in Ruhe machen.

Es zahlte sich aus, konsequent neue Schritte auf neuen Blättern zu zeichnen. Da ich das gerne so wollte, hatte ich Blatt 4 und Blatt 5 schon bis zu Schritt drei vorbereitet, um die Zeit im Unterricht gut nutzen zu können. Dieses Mal kamen wir nur sehr langsam voran, da ich nun ausführlich mitschrieb. Wenn ich im Laufe der Woche Zeit für Hausaufgaben finde, werde ich noch einmal alles malen und das Mitgeschriebene ordentlich abtippen. Dann habe ich tatsächlich eine Anleitung dafür, wie ich einen Kleidergrundschnitt erstelle. Toll.

Das Tollste aber war der entsetzte Blick meiner Lehrerin, als ich erzählte, dass ich beim Sale sieben Schnittmuster in den USA bestellt habe. "Du brauchst doch keine Schnittmuster mehr, das machst du jetzt doch alles selbst". Ich schluckte und schaute ungläubig, denn obwohl ich das Gefühl hatte, das mit dem Kleidergrundschnitt weitesgehend kapiert zu haben, war mich doch klar, dass ich nur ein Modell gezeichnet hatte, das mit einem - oder genauer gesagt meinem - echten Körper noch nicht viel zu tun hat; geschweige denn mit Designentscheidungen wie Kragenformen, Teilungsnähten etc etc. Aber sie blieb bei ihrer Meinung. Ich versuchte es anders zu formulieren: jaaaa, wenn ich dann mal meinen Grundschnitt hätte, dann kann ich den doch auf Fertigschnitte drauflegen und viel besser beurteilen, was ich ändern muß! Daraufhin schüttelte sie den Kopf. Das fand sie viel zu mühsam, umständlich und teuer. Ja, so ist das mit den Profis, ich weiß schon aus den Nähkursen, dass sie Fertigschnitte nicht mag. Trotzdem war ich immer noch ungläubig. Also fragte ich sie, wie es nun weiter geht.

Nächste Woche werde ich vermessen, dann male ich meinen Grundschnitt 1:4 und dann meinen Grundschnitt in groß auf festem Papier. Aus diesem wird ein Probemodell genäht. Schön und gut, aber wir haben doch noch gar keine Ärmel? Die kommen dann, wenn der Grundschnitt gut passt. Aha. Und was ist mit meinem Wunsch, ein Jackett zu nähen? Kein Problem sagte sie, letztlich sind es hauptsächlich die Bequemlichkeitszugaben, die den Kleiderschnitt vom Jackenschnitt unterscheiden. Das bekommst du schon hin. Jetzt machen wir erst mal den Kleiderschnitt weiter und du kannst ja das Jackett mitbringen, dann schauen wir mal, was geändert werden mußa. Huiiii, das klingt alles sehr konkret. Cool!

Auch wenn eine Unterrichtssituation mit "Klassenkameradinnen" sicherlich noch lustiger wäre, merke ich, wie mir diese Art und Weise zu lernen gefällt. Ich bekomme genau das, was ich lernen will in meinem Tempo. Einmal die Woche für zwei Stunden ist genau richtig. Die Tage zwischen den Unterrichtsstunden brauche ich, um zu Hause noch mal auszuprobieren, zu wiederholen und verfestigen und zwei Stunden sind für meinen lernungewohnten eingerosteten Denkapparat tatsächlich eine gute Zeiteinheit. Hach, ich freu mich, dass ich es angegangen bin!

Kommentare:

  1. Du malst doch keine Schnitte, du konstruierst ;)
    Nach welchem System lernst du? Müller?

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  2. Ja, Müller und Sohn. Ich merke schon, mit den Fachtermini hapert es noch... dabei ist es so cool, wenn man oder frau mit Fachausdrücken um sich werfen kann.

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  3. Das hört sich sooo gut an! Ich freu mich auch, dass Du das angegangen bist, es scheint Dir nämlich richtig viel zu geben. Ab demnächst dann aber leider keine Schnittmusterinspirationen bei Dir? Hm....
    Besten Gruß aus da wo kein Schnee liegt,
    Cati

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    1. Naja, hattest du das mit den sieben überlesen?

      Hier liegt Schnee, der erste, und ich habe ÜBERHAUPT keine Lust, dem Kind die Freude zu mache und mit ihm auf die Rodelpiste zu gehen. GAR KEINE!

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  4. Ich komme mir schon vor wie eine Stalkerin, aber ich muss einfach schon wieder kommentieren.
    In Dresden an der HTW gibt es jeden Sommer eine Sommerakademie für interessierte Bürger. Im vergangenen Sommer war da auch Schnittkonstruktion dabei. Dieses Jahr muss ich versuchen eine Teilnahme zu ermöglichen, das interessiert mich nämlich sehr.
    LG, Simone

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    1. Ach, ich fühle mich gar nicht gestalked. Nur zu! Ich lese schon so ewig bei dir!
      Dann drücke ich die Daumen, dass du einen Platz bei der Sommerakademie bekommst.

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  5. Angeregt durch Deine wundervollen Berichte hab ich mein Wissen versucht aufzufrischen und einen Oberteilgrundschnitt für meine Tochter erstellt, bin mir aber nicht sicher,ob ich noch alles richtig in Erinnerung hab (sind ja erst 3o Jahre vergangen... ;)) Vielleicht kannst Du mir ja weiterhelfen? Beim Konstruieren des Brustabnähers ist aus meinen Unterlagen ersichtlich, dass ich von der Taillenlinie die vordere Länge nach oben anzeichne und dann von diesem Punkt aus die Brusttiefe nach unten. Da kommt aber dann was total Blödes bei raus. Ich hab dann einfach als vordere Länge den Abstand zwischen Taillenlinie und Schulter genommen und dann die Brusttiefe wieder nach unten abgetragen, es kommt hin bei der Anprobe, aber ich zweifle, ob das so korrekt ist....
    Und dann, was mach ich bitte mit dem Rückenabnäher? Ich hab ihn vom Armloch zur Schulter gedreht und einen Teil zum Saum, weil ich da etwas mehr Weite benötigte... mir fällt aber nicht mehr ein, was man mit dem Ding macht, wenn man gar keinen haben will. Uff...
    Aber - ich hab festgestellt, es macht immer noch einen Heidenspaß! Und jetzt mach ich weiter, es soll ein Sailor Moon Kostüm werden.
    Liebe Grüße Elke

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    1. Ehrlich gesagt bin ich verwirrt, wenn ich das lese und weiß gar nicht, was ich antworten soll. Leider fehlt mir gerade auch die Ruhe, mich in dein Problem reinzudenken. Ich hoffe, du findest jemand anderen, der dir helfen kann. Oder ein Buch?

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  6. Buch sagt dasselbe wie meine eigenen Unterlagen, aber irgendwas stimmt nicht... Egal, der Schnitt passt , es wurmt mich halt, dass ich nicht draufkomme.

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