Donnerstag, 16. Januar 2014

Nähen ist doof - der Wintermantel geht nicht voran



Ach, ich bin mal wieder ein bißchen nähdepressiv. Dauernd frage ich mich, ob ich nähen eigentlich mag und bezweifele dies. Tagelang drückte ich mich davor, das Futter für den Wintermantel zuzuschneiden und zusammen zu nähen. Beides habe ich nun halb erledigt. Halb deshalb, weil ich so viel dabei denken muß und über meine Dilettantismus verzweifele. Ich habe mal wieder das Futter genauso zuschnitten wie den Außenstoff und mir nicht im Vorfeld überlegt, wie ich das mit den Belegen löse. Vorne und unten bekomme ich das hin, aber wie ich das am Halsausschnitt lösen soll, ist mir ein Rätsel. Nähen ohne Anleitung ist wirklich ein Graus und übersteigt gerade meine Kenntnisse.

Oben seht ihr den grauen, ungefütterten Mantel. Dieser hat einen Beleg am Halsausschnitt, der auch in der Schulternaht und bei einem Teil des Ärmels mitgefasst wird. Da ich glaube, dass dieser Beleg dem Mantel Form gibt, habe ich ihn, genau wie die verdeckte Knopfleiste, auch aus Jeans zugeschnitten (siehe nächstes Foto). Mein Plan war, das Futter dann an diesen Beleg zu nähen, das heißt oben sozusagen die Größe des Beleges auszuschneiden. Die Idee war, den Futtermantel komplett zusammen zu nähen und oben den Beleg in den Futtermantel rein.




Jetzt ist mir aber eingefallen, dass es dann ein ganz schönes Gewurschtel wird den Kragen anzunähen, weil ich dann ja den gesamten Futtermantel auch noch dranhängen habe. Mmmmh. Supoptimal und irgendwie dilettantisch.

Eine andere Variante wäre es, Kragen und Beleg genauso wie beim ungefütterten Mantel anzunähen und anschließend das Futter anzusetzen. Allerdings habe ich dann das Problem, dass ich die Ärmel gar nicht vollständig in den Futtermantel einsetzen kann, weil ja ein Stück fehlt.

Habe ich jetzt nen Knoten im Hirn?

Vielleicht sollte ich den Beleg kleiner schneiden, also so, dass er nur unterhalb des Halsausschnittes sitzt und nicht in der kompletten Schulternaht und am Ärmel mitgefasst wird? Ein bißchen kürzer als der Originalbeleg ist er ohnehin schon, weil ich nicht mehr genügend Jeans hatte.

Oder komplett ohne Beleg?

Ich glaube, ich sollte dringend mal wieder ein einfaches Kleid nähen!




Kommentare:

  1. Auf die Schnelle gefunden: hier oder hier wird die Konstruktion eines Blazer-Futters gut erklärt. Beim Mantel funktioniert es im Prinzip genauso.

    Ich verlängere zusätzlich den Futterärmel im Bereich unterm Arm um die Nahtzugabe der Jackenteile, auslaufend zu Null am Schulterpunkt, indem ich die Ärmelkugel beidseitig nach außen aufdrehe. Die Weite des Futterärmels wird dabei auch geringfügig größer. Das bewirkt, dass sich das Futter problemlos um die Nahtzugabe des Ärmels legen kann, da die Nahtzugabe unterm Arm ja nach oben steht und den Weg verlängert.

    Wichtig finde ich auch die Mehrlänge (ease) des Futters gegenüber dem Beleg vorne, damit da nichts spannt, obwohl es im 2. Video nur als optional beschrieben wird. Und nicht vergessen, zwischen Beleg und Futter Nahtzugaben anzuzeichnen - kann leicht passieren, besonders beim "schnellen" Zuschneiden, wenn die überall sonst schon dran sind ;-).

    Viele Grüße
    Ursula

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  2. Nochmal genauer auf Deine Frage:
    Vorderes und hinteres Beleg müssen an der Schulter gleich breit sein.
    Vorderes und hinteres Beleg müssen vom Futterschnitt abgezogen bzw. ausgeschnitten werden (s. Videos, wo es nur für vorne erklärt ist), dabei an Beleg und Futter Nahtzugaben vorsehen.
    Belege zusammennähen, Futterteile zusammennähen, incl. Ärmel, dann Belege und Futter zusammensetzen.

    In der Kragennaht werden immer 2 Schichten mitgefasst, Jackenteil und Beleg oder Jackenteil und Futter. Es gibt prinzipiell die Möglichkeit, das rückwärtige Beleg auf das Futter aufzusteppen (z.B. mit einem Zierstich), sodass dann 3 Schichten mitgefasst werden, das ist aber unüblich bzw. Spezialfällen vorbehalten. Gar kein rückwärtiges Beleg haben nur ganz leichte Blusenjacken, wo die Nahtzugabe der Krageneinsatznaht dann eingeschlagen oder mit Schrägband eingefasst wird.

    Noch was: es gibt 2 grundsätzliche Möglichkeiten, den Kragen zusammen zu nähen.
    1) ein Sandwich legen wie oben beschrieben: Beleg, vorher zusammengenähter Kragen, Jackenteil und mit einer Naht verbinden. Ergibt 4 Schichten in der Krageneinsatznaht und alle Nahtzugaben auf einer Seite, was ziemlcih knubbelig werden kann.
    2) Oberkragen ans Beleg und Unterkragen ans Jackenteil nähen, jeweils Nahtzugaben auseinander bügeln. Außen- und Innenjacke an der Kragen/Beleg-Kante verbinden. Ober- und Unterkragen werden danach an den Nahtzugaben aneinander genäht, damit sie sich nicht verschieben. Ergibt jeweils nur die Hälfte der Nahtzugaben auf einer Seite, dadurch wird die Einsatzlinie weicher. Eignet sich wegen des Auseinanderbügelns der Nähte vor allem bei Reverskrägen.

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. 1000 Dank für deine ausführlichen Kommentare!

      Leider hatte ich das Futter ja schon zugeschnitten, so dass ich nicht mehr alles berücksichtigen kann. Nun ja, jeder neue Mantel wird besser. Es gibt Potential nach oben!

      Da der Kragen aber noch nicht dran ist, werde ich auf jeden Fall das, was du unter Punkt 2 schreibst berücksichtigen!

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  3. Meine Empfehlung, wenn dich der Mantel so annervt: Pack ihn weg bis zum Herbst, näh dir ein paar schöne Sachen, die einfach flutschen und dann bist du wieder vergnügt! Und im Herbst geht dir der Mantel dann auch leichter von der Hand.
    LG,
    Kathrin

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    1. Das wäre ne Idee, aber ich finde, er nimmt zu viel Platz weg, dafür, dass er nicht tragbar ist. Ich nähe jetzt erstmal zwischendurch ein schnelles Jerseykleid und dann gehe ich mal wieder an den Mantel ran.

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  4. Ich füttere beruflich Mäntel aber erklären kann ich das leider nicht ..
    In der Werkstatt habe ich eine Puppe stehen, da kommt der Mantel auf links außen gedreht drüber und das Futter stecke ich ein . Am Halsloch fange ich an .,schneide die Nahtzugabe ein und stecke erst mal bis zur Schulternaht .

    Dann schau ich das die Ärmel im Armloch an der richtigen Stelle sind und stecke sie im Rückenteil fest, Naht auf Naht .
    Die Rückennaht Naht auf Naht stecken .Lieber etwas mehr in der Länge zugeben, nicht zuviel .
    Ich ziehe die Ärmel raus und befestige die Nähte mit ein paar Stichen im Armloch .
    Die Ärmel wieder reinschieben und am Vorderteil auch an den Nähten befestigen .
    Dann nehme ich oft den Mantel und lege ihn auf den Tisch, der groß genug sein sollte. Da überprüfe ich ob die Nähte an den richtigen Stellen aufeinander liegen ..Dann stecke ich erst eine Seitennaht,überprüfe an der Puppe ob die Naht zieht Wenn ja, stecke ich die Seitennaht neu, schiebe nach oben ,oder nach unten .Wenn das sitzt stecke ich die Vorderkante .
    Nochmal überprüfen auf der Puppe .
    Wenn nichts zieht kann die andere Seite gearbeitet werden .
    Sonst erst wieder rauf oder runter stecken bis alles in Ordnung ist .Nochmal überprüfen.
    Jetzt kommt der Saum .
    Wenn alle Nähte übereinander liegen , die sind ja noch gesteckt, dann den Saum einschlagen und stecken .
    Nochmal überprüfen .
    Ach die Ärmel , die jetzt herausziehen , schauen das sie nicht verdreht sind und an 2 Stellen erstmal stecken . So kann man den Saum leichter stecken weil sich nichts verschieben kann .
    Tja, dann nähe ich das Futter mit der Hand ein . Dauert etwa 2 Stunden .

    Ich weiß, du hast keine Puppe .Zuhause wenn ich mir selber etwas nähe habe ich auch keine, Zuhause nähe ich teilweise mit einer Maschine das Futter ein, Teilweise nähe ich mit der Hand .
    Wichtig ist das die Nähte aufeinander kommen , immer feststecken .Zum überprüfen kann man das Teil auch von links anziehen.

    Weiß nicht ob das jetzt eine Hilfe war .


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    1. Krass "Futter mit der Hand einnähen dauert ca. 2 Stunden". Das würde bei mir noch länger dauernd und ich gestehe, da bin ich zu faul dafür.

      Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist der Futtermantel bei deiner Version nicht beweglich im Mantel, sondern an den Nähten befestigt?

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    2. Ich hefte ein paar Stiche an den Armnähten , nur so 2-3 Stiche .
      Die Rückennaht kann man auch heften und die Seitennähte . Nur lockere Stiche machen und nicht strammziehen .
      Wir arbeiten mit schwerem dicken Material, da ist das wohl einfacher .
      Die Konfektion nimmt kurze schmale Stoffstücke , so etwa 3 cm lang .,ein Ende kommt auf die Futter,naht, das andere in den Stoff, damit bleibt alles beweglicher . Schon mal gesehen ?

      Für mich arbeite ich einfacher . Letztens habe ich normal das Futter eingesteckt, die Nadeln mehr senkrecht gesteckt.,die Jacke auf links gedreht . Dann habe ich mit einfachen Handstichen von links genäht .
      Das könnte man auch mit großen Stichen heften und mit der Nähmaschine nachnähen . Da sind die Stecknadeln nicht im Weg .
      Wo es zu knifflig ist mit der Maschine, den Rest mit der Hand nähen . .
      Ja, ich nähe gerne mit den Händen . Das ist auch eine Übungssache.,Die Maschine steht im Schrank und das ist manchmal lästig .

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