Freitag, 17. Januar 2014

Kleines Doktorat - Schnittkonstruktion, die ersten beiden Unterrichtsstunden




Als ich dieses bemalte Blatt, heute, am Ende meiner ersten Doppelstunde Schnittkonstruktion, in der Hand hielt, war ich hungrig und stolz. Puh, ob ich morgen noch weiß, was ich da gezeichnet habe?

Aber von Anfang an. Nachdem ich schon lange ein Buch zum Konstruieren von Schnitten besitze, dieses auch gerne lese, aber nicht wirklich mit meinen Grundschnitten zu Potte kam, gönne ich mir nun in den nächsten Wochen immer mal zwei Privatstunden bei einer Frau, bei der ich schon sehr gerne zwei Wochenend-Nähkurse machte, die aber auch Modedesignstudierende in Konstruktion unterrichtet. Ich war verdammt aufgeregt, als ich heute meine "Schultasche" packte (und trotzdem die wichtigen Dinge nicht dabei hatte) und zu ihr ging. Wie versprochen, lasse ich euch an meinem Kurs etwas teilhaben.

Viel hatten wir im Vorfeld nicht viel besprochen. Wir kennen uns ja und ich weiß, dass sie das unterrichtet, was mich interessiert. Sie fragte mich, was mich insbesondere interessiert, doch ich sagte, ich würde mich einfach darauf einlassen, was sie mir beibringen möchte. Ich erzählte von meiner Vorliebe für Kleider und meinem Interesse an Jacketts. Sie schlug vor, Schnitte zunächst in 1:4 zu zeichnen;  erstmal grundlegend an einer Standardkleidergröße Schritt für Schritt zu üben. Da mußte ich dann doch aufpassen, dass mir das Gesicht nicht entgleist. Mit einer Größe 38 zu üben! Ich! Mmmmmh. Aber ich wollte mich ja auf sie einlassen, also nickte ich brav.

Im Nachhinein leuchtet mir die Vorgehensweise ein. Wir Hobbyschneiderinnen machen den ganzen Aufriss hauptsächlich, um für uns tolle Klamotten zu bekommen. Aber so lernen die Profis nicht. Sie arbeiten für andere! Da ist es natürlich sinnvoll, erstmal die weichgespülten Durchschnittfiguren zu nehmen, um die Grundlagen zu lernen, bevor es an Buckel, Bäuche und und Brüste geht.

Auch über das 1:4 Zeichnen war ich verwundert. Wie, wir malen keinen Grundschnitt auf Packpapier? Im Nachhinein finde ich das auch ganz wunderbar, denn so passt ein Schnitt auf DIN A 4 und ich kann meine Erkenntnisse ordentlich abheften. Obwohl ich mich im Unterricht sehr bemühte, ordentliche rechte Winkel etc. zu zeichnen, wurde es doch ein wenig krumm und schief. Ich muß also noch ein bißchen üben, denn beim "richtigen Schnitt" in normaler Größe wird sich "ein bißchen schief" sicher verheerend auswirken.

Was habe ich heute gelernt? Ich habe Schritt für Schritt, immer wieder alles von Anfang gezeichnet. Das Bild oben ist Nummer 4. Ich habe in vier Schritten gelernt und mußte für den nächsten Schritt immer alles aus dem vorherigen noch mal abzeichnen, um ein bißchen Routine zu bekommen. Aus dem Kopf kann ich das sicherlich noch nich, aber das macht nichts, ich werde das als Hausaufgabe mindestens noch einmal machen. Es sind viele Details, das meiste ist logisch und eigentlich ist es nicht schwer - so lange wir noch nicht am echten Menschen üben.

Ein Aha-Erlebnis hatte ich vor allen Dingen bezüglich der hinteren Abnäher. Diese hatte ich bisher nie systematisch gemacht. Meist habe ich sie einfach weggelassen, wenn sie im Schnitt vorgesehen waren und habe sie dann am Körper abgesteckt. Jetzt habe ich verstanden, warum sie wo und wie zu sitzen haben. Der "Abnäher", dieses "Kneifding" am hinteren Armausschnitt ist mir noch etwas suspekt. Das war das einzige Mal, dass ich dachte "neee, also zuuuu perfektionistisch müssen wir jetzt ja auch nicht sein". Es war auch schon spät, die zwei Stunden waren schon gut vorbei und mir knurrte der Magen. Also habe ich ihn brav in der Hoffnung gemalt, dass sich mir die Notwendigkeit erschließen wird, wenn wir beim Stoff-Grundschnitt sind.

Ganz toll fand ich meinen anschließenden Besuch im Schreibwarengeschäft. Ich liebe es, mir neue Schreibwaren zu kaufen, wenn ich ein neues Projekt beginne und schwelge in den Materialien. Ich war ganz vernünftig und kaufte nur drei farbige Filzstifte, einen ordentlichen Bleistift und einen ganz normalen DIN A 4 Block - und fand das trotzdem ganz wunderbar!

Kommentare:

  1. Vielen Dank, dass du uns teilhaben lässt! Auf der Zeichnung kann ich nicht so viel erkennen, aber für mich hört es sich so an, als ob die Dame einen guten Plan hat. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht und wie sich das Erlernte auf dein nächstes Nähprojekt auswirkt.

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    1. Bis der Unterricht in ein Nähprojekt führt, dauert leider noch ein bißchen, weil wir ja bei Adam und Eva anfangen.... Das ist doof für so ne Ungeduldige wie mich.

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  2. Hach, das erinnert mich so sehr an meine Ausbildung... Allerdings fingen wir mit der Konstruktion eines einfachen Bleistiftrockes an, arbeiteten uns ein halbes Jahr durch sämtliche möglichen und unmöglichen Rockformen und dann kam erst mal ein Oberteil. So wie Deine Zeichnung ausschaut, ist das auch Müller und Sohn, oder?
    LG Elke

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    1. Ja, das ist Müller und Sohn. Ich befürchtete auch, dass ich mich erst durch die Röcke durcharbeiten muß, habe aber wohl mit genug Glitzer in den Augen gesagt, dass ich mehr an den Oberteilen interessiert bin. Das ist der Vorteil von Privatunterricht :-)

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  3. Danke, dass Du uns teilhaben lässt. So einen Abnäher im oberen Rückenbereich habe ich bisher noch nicht gesehen, aber der Körper hat ja genau an der Stelle eine Rundung ( Schulterblattspitze Richtung Arm), da steht bei mir der Stoff oft seltsam ab. Der Abnäher würde da sicher helfen. Ich bin schon gespannt auf Deinen nächsten Bericht.
    Grüße von Katja

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    1. Hm, genau solche Abnäher habe ich schon auf Schnittmustern gesehen, wusste aber bisher nicht, welchen Sinn sie haben und wie man sie näht. Finde ich gut, mal so einen Schnittkonstruktionskurs in der Beschreibung zu lesen; ich glaube, ich probiere doch erst mal anhand meines Konstruktionsbuches aus, wie ein Oberteil konstruiert wird. Durch X Rockformen zu wurschteln, wäre eher nicht mein Fall.

      Lieben Gruß
      Ulrike

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  4. Liebe Meike,
    danke für die Teilhabe. Der Abnäher im Rücken ist an dieser Stelle wirklich ungewöhnlich? Warum habt ihr ihn vom Armloch aus konstruiert? Häufiger wird er ja von der Schulternaht auf das Schulterblatt geführt. Hat das einen besonderen Grund? Abnäher können ja rotieren, dieser hier wäre also leicht nach oben zu verlegen.
    Ich kann mich gut an meinen Schnittkurs in Oktober in der Heide erinnern und an genau die gleiche Irritation. Auch da war die erste Aufgabe Größe 38 in 1/4. Im nachhinein bin ich darüber froh. Diese 1/4 Konstruktion habe ich viel besser im Blickfeld. Der Schnitt in Originalgröße ist nicht so gut zu erfassen. Inzwischen habe ich 1/4 auch mit meinem Originalmassen auf feste Pappe konstruiert und die Pappe dient mir als Modell wenn ich über Kleidungsstücke nachdenke. Das könnte ich mal im Blg vorführen. Also: Viel Vergnügen bei deinem Privatunterricht.
    Gruß Mema

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  5. Der Abnäher im Rücken ist nur eine Konstruktionshilfe, praktisch das geometrische Maß für die Rundung auf die Fläche projiziert. Der ergibt sich so nach dem Müller-System.

    Wo dann der Modell-Abnäher verläuft, ist eine ganz andere Sache. Bei einer Hemdpasse kann man den Abnäher aus dem Armloch original nutzen, ansonsten wird er rotiert und entweder von der Schulter oder aus dem Halsloch ausgenäht oder bei lässigeren Modellen auch mal als Armlocherweiterung stehen gelassen.

    Das gilt übrigens analog für den Brustabnäher, der sähe da, wo er von der Konstruktion her sitzt, auch nicht sehr schick aus.

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Liebe Ursula,
      recht herzlichen Dank für deine ausführliche Erläuterung.
      Gruß Mema

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    2. Danke Ursula fürs Erläutern! Das hatte ich ungenau beschrieben, weil das am Ende meines Unterrichts kam und ich wohl nur noch ans Essen dachte ....

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  6. Ich habe auch 1:4 gelernt. Ist super und unterrichte heute selber so und ich glaub meinen Schuelern gefaellts auch, weils so schoen uebersichtlich und nachschlagbar ist. :)

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    1. Ja, der große Vorteil ist, das es auf DIN A 4 passt und abgeheftet werden kann. Für mich als Hobbyschneiderin ist es aber sehr ungewöhnlich, so viel theoretische Vorarbeit zu machen, denn irgendwie lockt meist das fertige Kleidungsstück. Aber ich lasse mich jetzt mal auf die Entdeckung der Langsamkeit ein.

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  7. dein Bericht ist sehr spannend und ich stell mir den Kurs sehr interessant vor...
    schade das man sich hier für sowas Monate vorher anmelden muß...
    aber das hab ich nun getan und ich freue mich riesig darauf....bis Mai sollte ich Antwort haben ;-)
    vlg alex :-)

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