Dienstag, 31. Dezember 2013

DIY-Jahresrückblick 2013

Auf den Jahresrückblick freue ich mich schon immer den ganzen Dezember und dann finde ich irgendwie zwischen den Jahren doch keine richtige Ruhe dafür. Da ich in Häppchen arbeitete, ist er ziemlich lang geworden - aber das kennt ihr ja von mir. Mir hat es Spaß gemacht, noch mal durch mein Blog zu blättern, die Ergebnisse und Gedanken wieder zu entdecken.

Ich habe versucht, im Nachhinein die fertigen Kleidungsstücke zu bewerten, also daraufhin zu prüfen, wie oft oder wie gerne ich sie getragen habe. Ganz am Ende gibt es noch eine Linkliste zu den Themen, die mich beschäftigten und mir zum großen Teil immer noch am Herzen liegen.

Zahlen

22 Kleider
3 Röcke
1 Kostüm
1 fast fertige Decke
1 Männerweste
1 Tasche
1 Schal
1 Dreickstuch
1 Paar Stulpen
2 Kissen

Genähtes

Das erste Kleid des Jahres 2013 war ein Probekleid. Bereits als Weihnachtskleid-Probekleid im Dezember 2012 begonnen, aber erst im Januar fertig gestellt. Ich habe es wenig getragen, weil ich die Stoffqualität nicht mag. Es ist sehr warm, deswegen habe ich es diesen Winter noch nicht an gehabt, mal schauen, ob sich das noch ändert.



Das zweite Kleid des Jahres war das "Anlasskleid". Obwohl ich dieses auch wenig trug, mag ich es doch SEHR. Das wenig-Tragen lag also daran, dass ich es schone. Der Anlass war ein Bewerbungsgespräch - ich fühlte mich sehr gut mit dem Kleid angezogen. Während ich früher stets Hosenanzüge zu derartigen Terminen trug, fand ich die Kleid-Alternative sehr angenehm. Der Anlass war nicht sehr formell, so dass die Kombination mit den etwas legeren braunen Accessoires sehr angenehm war.


Kleid Nummer 3 war gleichzeitig auch Kleid Nummer 3 nach dem Schnitt Texel von der Schnittquelle. Da der Winter letztes Jahr bis weit ins Frühjahr ging, trug ich es sehr oft. Im Gegensatz zu Texel 2 oder 3 ist es nicht ganz so warm - trotzdem habe ich es merkwürdigerweise diesen Winter noch nicht angezogen. Ich vermute, meine im Vergleich zum Roten und Blauen gemäßigte Begeisterung liegt an der mäßigen Stoffqualität. Meistens kombinierte ich das graue Kleid mit blauem Shirt und blauen Strümpfen.

Den Schnitt finde ich nach wie vor klasse und hatte überlegt, ob ich mir das Kleid noch mal in einer anderen Farbe gönne. Allerdings habe ich das Gefühl, mit drei Kleidern dieser Art ausreichend ausgestatett zu sein, so dass ich nicht glaube, dass ich es diesen Winter noch mal nähe.



Kleid Nummer 4 war das legendäre Dodokleid. Dieses Kleid liebe ich sehr. Leider ist die Stoffqualität ziemlich mau. Da ich das Kleid über den Sommer nicht hängend, sondern liegend aufbewahrte, hat es nun Falten, die weder durch Waschen noch durch Bügeln aus dem Stoff verschwinden. Glücklicherweise ist es schwarz - doch das ärgert mich sehr. So sehr, dass ich es als eines meiner nächsten Projekte noch einmal - in Pepita - nähen werde.



Kleidungsstück Nummer 5 ist ein Rock. Auch ein ungeliebtes Ding, nur sehr sehr wenig getragen. Zum Einen habe ich das Gefühl, dass der lockere Wollstoff besser mit einem anderen Stoff genäht hätte werden sollen, als zu einem 8 Bahnenrock, zum Anderen fand ich irgendwie nicht wirklich etwas zum Kombinieren im Schrank.  Eindeutig Flop!




Kleid 5 und damit Kleidungsstück Nr. 6 war das lila Vichy nach dem Gratissschnittmuster von Schnittquelle. Es ist ein komisches Ding, was vor allen Dingen an der Farbe liegt, nach der mir oft nicht ist. Erstaunlicherweise habe ich es trotzdem recht häufig als legeres Alltagskleid getragen.


Kleid 6 ist das Blümchenkleid auch nach dem Schnittmuster "Vichy", das es fast schaffte, mein geliebtes und vor Jahren gekaufes "Blümchen-Kauf-Kleid" zu ersetzen. Oft und gerne getragen.


Das danach geplante und begonnene "Pan Am-Kleid" hatte nicht nur arge Passformmängel, sondern verfolgte mich noch mit der Frage im Schlaf, welche Schuhe ich dazu anziehen könnte. Da mir keine passenden Schuhe einfielen, blieb das Projekt halbfertig auf der Strecke.

Nach dem Pan-Am-Kleid-Projekt, das nicht werden wollte und einem misslungenem Jersey-Wickelkleid, nähte ich zum Frühlingsanfang endlich wieder etwas Gescheites: das Schirmchenkleid! Mit diesem Kleid, begann ich mich etwas mit Gürteln anzufreunden.


Für den Blümchen-Monat-Mai raffte ich mich auf, das misslungene Wickelkleid noch mal aufzutrennen und nähte ein Vichy daraus, dass ich trotz einiger Zweifel sehr gerne trug.



Im Mai entdeckte ich meinen Lieblingsschnitt 2014 namens "Ajaccio" von der Schnittquelle und nähte draus mein Lieblingskleid 2014.




Das Lieblingskleid war eigentlich als Probekleid für das Ginster-Kleid gedacht, dessen Stoff ich immer noch wunderwunderschön finde, dass ich aber auch zu Schonen neige. Ich glaube, ich fühle mich damenhafter, angezogener, als in dem wilden Lieblingskleid, deswegen ist es irgendwie kein Alltagskleid und eher "für gut".



Nachdem ich im Mai noch behauptete, ich wäre eher so der unkomplizierte Jerseykleidtyp, nähte ich in den folgenden Monaten drei Hemdblusenkleider. Da ich zum Geburtstag einen Petticoat geschenkt bekam, brauchte ich einfach noch mehr Kleider dafür. Das erste war das grüne Pünktchenkleid nach dem "Drecksschnitt" McCalls 4769.

Ich fremdelte sehr mit dem ungewohnten Tragegefühl und trug es mal mit Gürtel, mal ohne - aber nie ohne Petticoat.


Nachdem ich den Jerseyschnitt Ajaccio für mich entdeckt hatte, nähte ich schnell noch zwei kurzärmelige Kleider, die ich an heißen Tagen trug, wusch, trug, wusch, trug, wusch. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann mag ich das graue noch ein bißchen lieber als das in Paprika. Allerdings ist der Unterschied gefühlt nur minimal.






Und weil der Schnitt Ajaccio einfach für mich gemacht ist, nähte ich ihn gleich noch mal mit langen Ärmeln, weil der geblümte Baumwolljersey etwas dicker ist.




Für den Petticoat "brauchte" ich aber noch mehr Kleider, so dass ich trotz "Näh-Depression" und Abneigung gegen den Schnitt, ein weiteres McCalls 4769 nähte. Und wie so oft, passierte das Merkwürdige: dieses Kleid ist aus dem guten Stoff, den ich streichelte und hütete, aber das gepunktete grüne Probekleid trug ich letztendlich mehr. Seltsam.



Aber eigentlich habe ich es ja doch am ehesten mit Jerseykleidern und da der Sommer dann endlich da war, nähte ich eben noch das gelbe Ajaccio.



Im Juli nähte ich eine Tasche, die ich, weil ich das Projekt nicht ernst nahm, erstmal falsch zusammennähte und mich wunderte. Das Nicht-Bekleidungsnähen ist nicht wirklich was für mich. Diese "Probetasche" wird aber häufig genutzt.




Obwohl der Sommer schon fast vorbei war, mußte ich noch den unglaublichen Ming-Vasen-Stoff vernähen und freut mich sehr an meinem neuen Hemdblusenkleid, dessen Schnitt ich oben vom Stokx-Kleid nahm und den Kragen und den Rock von McCalls 4769 dranbastelte. So bin ich meinem Kleidungsschnitt sehr nahe gekommen!




Und immer wieder diese "Jerseykleid-Rückfälle". Dieser Stoff mußte, weil weißgrundig, auch noch vor dem Herbst verarbeitet werden! Schnitt? Ajaccio, natürlich! Getragen habe ich das Kleid allerdings noch nicht so oft, weil es nach Fertigstellung recht bald herbstlich wurde. Wir warten mal das Frühjahr ab.




Aus dem Urlaub in Dänemark brachte ich einen faszinierenden Jersey mit, der aussieht wie Jeans. Trotz intensiver Beschäftigunt mit dem Kostüm-Sew-Along, mußte dieser noch schnell zu einem Kleid verarbeitet werden. Wäre ich nicht ganz so schnell gewesen, hätte ich mir das Vergrößern des Schnittes auch sparen können, denn später entdeckte ich, dass ich ihn - in passender Größe - in einer älteren Knip Ausgabe besitze.



Im November war endlich mein erstes Kostüm, das ich dank dem Anstoß und der Begleitung durch Catherines Kostüm Sew Along, nähte, fertig. Ich liebte es vom ersten Tag und habe es seit dem ganz oft getragen. Manchmal nur den Rock, manchmal mit Jackett - aber immer glücklich! Das Kostüm brachte mich an einen fetten Meilenstein, von dem aus es im nächsten Jahr, ganz sicherlich spannend weiter gehen wird.




Nach dem Erfolg des (ganzen) Tellerrocks, mußte ich ganz schnell das nächste Kostüm beginnen und wenigstens schon mal einen Rock nähen. Dieses Mal wählte ich einen halben Teller, weil der Stoff etwas fester ist, als der braune. Ich freue mich schon wahnsinnig, demnächst einpassendes Jackett zu dem Rock zu nähen.



Für eine Familienfeier brauchte ich ein schickes Kleid und nähte deswegen aus Franken-Beute den Lemmingschnitt. Jetzt weiß ich auch, was Crepe ist - wahrlich kein Alltagsstoff für mich. Deswegen wird das Kleid wohl auch ein Anlasskleid bleiben.


Im November nähte ich noch das Curry-Kleid. Ich bin nach wie vor nicht sicher, ob ich die Farbe an mir mag, aber mit Strickjacke finde ich es schön - wenn auch sehr warm und deshalb noch nicht sooo oft getragen.


Und zum Jahrsabschluß gab es noch das beim Weihnachtskleid Sew Along gemeinsam genähte Weihnachtskleid, mit dem ich meinen Traum vom roten-Kleid-mit-roten Strümpfen verwirklichte und mich zum ersten mal an einen Retro-Schnitt wagte.




Wenn ich mir meine "Bewertungen" der einzelnen Kleidungsstücke anschaue, dann komme ich zu dem Schluß, dass in Zukunft wohl "weniger ein bißchen mehr" sein könnte, denn ob ich ein Kleidungsstück nach dem Nähen mag oder oft trage hängt auch von der Stoffqualität ab. Allerdings ist es doch auch das eine oder andere mal passiert, dass ich ein Probekleid lieber trug, als das aus dem wertvollen Stoff und gelernt habe ich bei jedem Nähstück. Auch bei den Reinfällen, die ich in diesem Jahresrückblick elegant unter den Tisch habe fallen lassen.

Stricken und Häkeln

Etwas stiefmütterlich ist mein Jahresrückblick auf das Arbeiten mit Wolle, obwohl ich viel Zeit damit verbringe, abends, vor dem Fernseher zu stricken oder beim Fußballtraining des Kindes zu häkeln. Aber das Nähen spielt irgendwie eine größere Rolle in meinem Leben.

Erstes Strickprojekt des Jahres 2013 war der Rüschenschal (Anleitung) aus Alpaca Silk in marine von Drops. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich ihn allerdings "zwischen den Jahren" gestrickt


Größtes Projekt war die Häkeldecke, die ich hoffentlich bald, rechtzeitig zu den ersten Frühlingsgefühlen, fertig haben werde.



NFA - Nähen bzw. stricken für andere

Im Urlaub habe ich noch ein Tuch für meine kranke Freundin gehäkelt, das ihr hoffentlich die Chemotherapie erleichtert. Es tat gut, Masche für Masche etwas tun zu können.



Zu Weihnachten strickte ich noch zwei paar Stulpen, die ich allerdings zu fotografieren vergaß.

Außerdem nähte ich noch zwei Kissen und eine Männer-Weste, die ich auch nicht fotografierte.

Themen, die mich 2013 bewegten

  • Seit Mitte Januar bin ich bei twitter. Das ist toll - vor allem, weil viele #Nähnerds mir dorthin folgten. 
  • Im Februar kam ich zur Erkenntnis "nicht mehr dick" zu sein. 
  • Kurz darauf erklärte ich, wie ich Schnitte vergrößere
  • Anfang März installierte ich den flattr-Button. Er brachte mir etwas unter 20 Euro ein seit dem. Ich überlege, ob ich ihn wieder rausnehme, obwohl ich die Idee an sich, das, was eineR an Inhalten im Internet gefällt zu honorieren, sehr wertvoll finde. 
  • Im April beerdigte ich den Glaubensatz "dass Wickeloberteile bzw. Kleider wahnsinnig vorteilhaft für meine Figur" wären. 
  • Im April kamen die ersten Retroschnitte in mein Leben, es brauchte aber seine Zeit bis Dezember, bis ich einen davon nähte. 
  • Ich sah Staffel 1 - 5 von "Mad Men" und begeisterte mich mehr und mehr für die 60er Jahre. 
  • Im April entdeckte ich, dank der großartigen Vernetzung der Näh-Blogosphäre Nähen als Fernsehformat des britischen Senders BBC. 
  • Im Mai startete ich erneut den "Blümchen-Monat-Mai", der erneut viele Teilnehmerinnen begeisterte. 
  • Außerdem entschied ich mich, beim Me Made May mitzumachen. Mein Fazit aus dem Me Made May war vor allen Dingen eine große Wertschätzung der deutschen Me Made Mittwoch-Nähbloggerinnenszene. Da haben wir echt was tolles geschaffen! 
  • Im Mai veröffentlichten wir auf dem MMM-Blog unseren Text, mit dem wir uns für die republica 13 beworben hatten, was ziemlich viel Wirbel verursachte, aber interessante Gedankenanstöße gab. 
  • Im Mai nähte ich auch meinen ersten Probe-Tellerrock, der immer noch nicht fertig ist, mir aber die Erkenntnis brachte, dass erstens der Stoff nicht zu schwer sein darf, zweitens kräuseln unvorteilhaft ist und es drittens nicht immer ein ganzer Teller sein muß. 
  • Im Juni begann ich die Blümchendecke zu häkeln, die mittlerweile sehr lang, allerdings noch nicht breit genug ist. Ich plane sie aber in den nächsten Wochen fertig zu stellen. 
  • Zu der twitter-Aktion #waagnis schrieb ich auch etwas.  
  • Im Juni schrieb ich ein paar Thesen zum "schnell nähen". Im Juli machte ich mir Gedanken darüber, ob "ohne Ärmel" ok ist. 
  • Ende Juli versuchte ich, mein Blog dazu zu nutzen, auf den Skandal bezüglich der NSA-Überwachung hinzuweisen - leider ohne nennenswerte Beachtung. 
  • Im August machte ich  mir Gedanken darüber, was Nähkrisen mit dem Leben zu tun haben
  • Der Höhepunkt meines (Nähnerd-) Jahres war auf jeden Fall der MMM-Betriebsausflug nach Franken! Das war so schön! 
  • Nach oder genauer gesagt mit dem Kostüm, hatte ich am 19. November eine Eingebung "mein Kopfkleiderschrank ist weitesgehend verwirklicht - jetzt kommt etwas Neues" Das war echt ein Meilenstein! 
  • Im Dezember machte ich mir Gedanken über die Moden, den Petticoat und den Tellerrock und so

Noch etwas Pathos zum Schluß

Liebe Leserinnen und lieber Leser. Ohne Euch wäre das alles nicht möglich gewesen. Vielen Dank für Eure Besuche und Kommentare! Und vielen Dank den anderen von der MMM-Crew, es ist so toll, dass es euch gibt!

Kommt alle gut ins neue Jahr und habt dann ein wundervolles 2014!


Sonntag, 29. Dezember 2013

Was meint ihr zum Thema Schneiderpuppen?

Seit Tagen hat sich der Wunsch, vielleicht doch eine Schneiderpuppe besitzen zu wollen, in meinem Kopf festgesetzt. Verstärkt wurde der Wunsch durch eine nebenbei hergesagte Formulierung des Gatten, dass sich schon Platz in der Wohnung findet, wenn neue Dinge da sind. Zudem bekam ich ein Weihnachtsgeschenk, dass ich einfach nicht brauche, zurück gab, weil ich feststellte, dass ich eigentlich viel lieber eine Schneiderpuppe besitzen möchte. Budget wäre also da. Allerdings ist der Kauf einer Schneiderpuppe gar nicht so einfach. Da brauche ich eure Hilfe!

Ich habe schon mal versucht, meine Gedanken zu ordnen. Zwei Funktionen fallen mir ein:

1. Rumstehen und das aktuelle Nähprojekt aufbewahren und präsentieren. 

Das finde ich keine unwichtige Funktion, denn erstens packe ich normalerweise meine aktuellen Projekte weg, was dazu führt, dass diese stark knittern und zweitens würde vielleicht die Motivation steigen, weiter zu nähen, wenn das aktuelle Projekt vor Augen steht.

Für Funktion 1 fände ich es gut, wenn die Puppe nicht so einen schrabbeligen Fuß hätte, d.h. von der Konstruktion stabil wäre.  Immerhin könnte es sein, dass immer mal jemand über den Fuß stolpert oder die Puppe mit einem Ball o.Ä. abgeschossen wird.

2. Abstecken, d.h. Anpassungen selbst machen

Auch diese Funktion finde ich reizvoll, denn oft fällt es mir schwer, hinten und an den Schultern, Anpassungen zu machen. Meist arbeite ich nach dem "Annäherungsprinzip", stecke bzw. nähe nach Anprobe nach Augenmaß ganz vorsichtig und nähere mich in 3 - 7 Schritten der endgültigen Passform an - oder gebe zwischendurch auf. Dieses Verfahren auf vielleicht 2 Schritte zu verkürzen, fände ich schon sehr nett.

Für Funktion 2 - und das ist sicherlich noch eine wichtigere Anforderung - soll die Puppe natürlich mir sehr sehr ähnlich sehen.

Und damit sind wir bei der großen Herausforderung!

Jede Frau sieht anders aus. Selbst verstellbare Schneiderpuppen werden niemals en Detail so anpassbar sein, dass 1:1 der Körper abgebildet wird. Sehen wir jetzt mal von den Schwankungen ab, denen ein Körper im Laufe der Wochen und Monate ohnehin unterliegt, dann ist, insbesondere bei Frauen mit größeren Größen, die Masse einfach unterschiedlich verteilt.

Vor ein paar Tagen war ich schwer beglückt, dass es z.B. bei Stoff und Stil eine Puppe gibt, die ich - oberflächlich betrachtet - auf meine Maße einstellen könnte. Nun habe ich aber wieder Bedenken. Ich denke zum Beispiel daran, dass mein Brustpunkt um Einiges tiefer hängt, als in den Schnitten vorgesehen - da vermute ich doch stark, dass die verstellbare Brustausbeulung mir nur mäßig nutzt, wenn sie zwar verstellbar ist, aber eben an der falschen Stelle sitzt.

Selbermachen?

Wäre es nicht sinnvoller, eine kleinere Puppe - mit gutem Fuß - zu kaufen und mit Nassklebeband (das hier schon seit 2 Jahren herumliegt) eine Puppe selbst zu bauen. Den fertigen Papptorso der Puppe-mit-gutem-Fuß überzuziehen, ihn auszustopfen und ihr ein enges, flutschiges Unterhemd zu nähen?

Oder nehme ich eine von der Größe weitesgehend (z.B. an den Schultern) passende Puppe, spendiere ihr einen alten BH, polstere sie auf und nähe ihr dann ein flutschiges Unterhemd?

Alternativen?

Frau Drehumdiebolzeningenieur hat mich gestern via twitter auf noch ein interessantes Modell aufmerksam gemacht. Eine Thermobüste ist eine Drahtpuppe, die per Wärme auf den Körper angepasst wird. Ab gesehen davon, dass die Dinger doch recht teuer sind (z.B. hier), habe ich meine Zweifel, ob ich wirklich reinpasse. Außerdem stört mich, dass die Büste hohl ist, ich weiß auch nicht so recht, warum.

Was meint ihr? Welche Erfahrungen habt ihr mit Schneiderpuppen gemacht? 

Ich freue mich, von euren Erfahrungen zu lesen und sage jetzt schon mal "Danke" für eure Tipps!

Sonntag, 22. Dezember 2013

Weihnachtskleid Sew Along - Finale



Halleluja! Mein Weihnachtskleid ist tatsächlich rechtzeitig fertig geworden. Wer hätte das gedacht!

Ich mußte mich ganz schön überwinden, das Kleid fertig zu nähen, denn es war wahrlich kein Lustprojekt. Ich weiß gar nicht genau, woran es lag, wollte ich doch schon lange ein rotes Kleid und unbedingt den 60er Jahre Schnitt nähen. Allerdings aktuell wollte ich das zwar irgendwie auch noch, aber viel dringender wollte ich ein Jackett nähen, um das Gelernte des Kostüm-Sew-Alongs noch mal anzuwenden, oder einen blauen Wintermantel, weil ich so gerne ne Alternative zu dem himbeerrosa Ding hätte oder aber ein kariertes Jerseykleid, weil ich den Stoff so schön finde. Und dann war da ja auch noch Weihnachten und meine dauernden Kämpfe mit den Bakterien und Viren. Vielleicht ist also ein Sew Along doch nicht unbedingt das Richtige für mich, weil mir das Nähen nach dem Lustprinzip, also was ich will und wann ich will, doch mehr liegt.

Aber ich habe mich immer wieder dazu aufgerafft. Die dazugehörigen Posts findet ihr hier. Jetzt habe ich tatsächlich ein rotes Weihnachtskleid! Ich wollte schon immer mal ein rotes Kleid mit roten Strümpfen tragen und das kann ich nun!




Anziehen kann ich das Kleid, aber von Nahem begutachten sollte man es nicht. Der Saum und die Ärmelsäume sehen nämlich so aus. Auf den letzten Metern machte die Nähmaschine Probleme und fraß alle paar Zentimeter den Stoff. Theoretisch könnte ich es noch ein wenig kürzen, aber eigentlich finde ich die ungewohnte Länge ganz interessant. Die Passform an den Ärmeln ist leider nicht optimal, obwohl oder gerade weil ich die Ärmel dreimal wieder raustrennte und mit der Overlock wieder anders einsetzte. Am Schluß war es wohl an manchen Stellen zuwenig Stoff übrig.

Ich trage Kleider gerne zur Probe vor dem eigentlichen Ereignis, um herauszufinden, wie wir zusammenpassen, das Kleid und ich. Und, oh Wunder, als ich es gestern trug, passten wir ganz hervorragend zueinander, fühlten uns miteinander wohl und bekamen Komplimente.





Schnitt: Neuer Schnitt 3/1961
Stoff: Ribjersey von Stoff und Stil
Änderungen: Rückenteil, Ärmel und Armloch von Ajaccio von Schnittquelle. Nachträglich die Falte an der vorderen Schulter weggelassen.
Passform: relativ gut, wenn nicht dieses nachträgliche Armlochändern gewesen wäre.
Werde ich noch mal machen? Mmmmhh, weiß nicht. In Kürze erstmal nicht.

Entschuldigt, dass man auf den Fotos nicht all zu viel erkennen kann und ich so doof schaute, dass ich den Kopf abschneiden mußte. Das ist leider der vorweihnachtlichen Zeitknappheit geschuldet. Ein anderes Mal grinse ich euch wieder an. Versprochen!




Mehr selbstgenähte Weihnachtskleider findet ihr beim großen Finale auf dem MMM Blog. Ganz herzlichen Dank an Katharina, den Weihnachtskleid Sew Along für uns zu organisieren! Ich wünsche euch allen ganz viel Spaß und Komplimente in euren Weihnachtskleidern, ein wunderbares Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!





P.S. Schaut doch mal bei Catherine vorbei. Auf ihrem Blog gibt es eine Abstimmung zum Näherd-Wort des Jahres 2013. Jede begeisterte Näherin, Nähbloggerin oder Me Made Mittwoch-Bewunderung darf mit abstimmen. Wir sind gespannt, welches Wort das Rennen macht! Bis zum 24.12. um 12 Uhr kann abgestimmt werden.






Mittwoch, 18. Dezember 2013

Me Made Mittwoch - ein Hauch von Frühling



Winterrock und Frühlingsjäckchen verstehen sich ganz gut. Als ich den Karostoff mit den petrol und grünen Karos kaufte war ich glücklich, denn mir war schon klar, dass ich in meinem Kleiderschrank das eine oder andere finden würde, das gut dazu passt. Bingo.

Der Rock ist der Anfang von Kostüm Nummer 2 - obwohl ich mich schon sehr freue, Jackett Nr. 2 zu nähen, weiß ich gerade gar nicht, wann ich das eigentlich machen soll. Egal, so kann ich mich schon mal an dem Rock erfreuen. Den Schnitt für den halben Teller habe ich selbst gemacht und dazu dieses Buch genutzt. Ich mag diesen Rock sehr, werde aber beim nächsten Karorock darauf achten, die schrägen Karos vorne zu haben, was mir noch einen Tick besser gefallen würde. Außerdem sollte ich bei Gelegenheit die eine Tasche in der Seitennaht (auf dem Bild links) wieder rauszutrennen, denn die beult unschön. Unter dem Rock trage ich den Petticoat, sowie Strumpfhosen sowie die Pädagoginnenschuhe in petrol, was man allerdings auf dem Bild nicht wirklich gut erkennt.



Das Frühlingsjäckchen habe ich aus Sockenwolle gestrickt, nach der Form nach der Anleitung Blossom von Kim Hargreaves; wobei ich allerdings das quergestreifte Muster durch ein Blümchenmuster ersetzte. Mehr Informationen zum Frühlingsjäckchen gibt es hier. Die Ansteckblume habe ich auch selbst gemacht. Hier gibt es die Anleitung dafür.

Mehr selbstgemachte Kleidung an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog; heute mit der zur frühen Morgenstunde taufrischen Frau Kirsche als Gastgeberin im "Kirschenkleid" - so heißt das einfach, denn sie hat unzählige Exemplare davon und es steht einfach "Kirschenkind" drauf. Ist das nicht großartig, dass wir uns unsere Lieblingssachen sogar mehrfach in Variationen auf den Leib schneidern können? Ja, das ist es!

Montag, 16. Dezember 2013

Weihnachtskleid Sew Along : Beta-Version



Es ist nicht so, dass ich gar nicht weihnachtskleidsewalongen würde, nein, nein. Letztes Wochenende habe ich sogar live gebloggt und auf dem Foto erkennt ihr eine Betaversion des Weihnachtskleides.

Das Livenähbloggen endete recht spontan. Ich hatte schon länger das Gefühl, mangels ausreichenden Tageslichtes nicht mehr wirklich die rechte und die linke Stoffseite auseinanderhalten zu können, verzog mich ins Bett, um einen Mittagschlaf zu machen. Weise Entscheidung - 12 Stunden später hatte ich einen erneuten Besuch des Magen-Darm-Virus. Frisch genesen, machte ich mich letzte Woche Freitag noch einmal daran, das Kleid "mal eben schnell fertig zu stellen".  Heraus kam diese Beta-Version.

Also, das Kleid sitzt nicht schlecht. Hinten noch ein paar Abnäher rein und es ist fast gut. "Fast" allerdings, weil im Kleid an den Schultern eine interessante Falte vorgesehen ist, die in Webstoff wahrscheinlich nötig ist, um genug Platz für den Busen zu schaffen, mit dem dicken Jersey aber schlichtweg bekloppt aussieht. Das heißt, irgendwann im Laufe dieser Woche, sollte ich noch einmal Zeit finden, um nicht nur die Säume und die rückwärtigen Abnäher zu machen, sondern auch, um die Ärmel noch einmal rauszutrennen, die Schulternähte zu öffnen und zu schauen, wie das Kleid durch die Elemination dieser Falte und der dazugehörigen Menge Stoff aussieht.



Ich will jetzt nicht in das anscheinend weit verbreitete "ich habe keine Zeit und überhaupt"-Weihnachtsding einsteigen. Ich hatte sowieso überlegt, ob ich etwas dazu sage. Mir geht es einfach so, dass mir durch die Krankenstände im Hause Crafteln zur Zeit einfach 2 Wochen fehlen. Da verschieben sich schon mal die Prioritäten und es kommt ein leichtes Gefühl der Hektik auf. Grundsätzlich denke ich aber "die Welt geht nicht unter, wenn die To do Liste nicht abgearbeitet ist" und vertraue darauf, dass ich Weihnachten schon etwas anzuziehen habe und die anderen Sachen auch irgendwie fertig werden. Und wenn nicht? Egal. Es bleibt also spannend, ob ich am Finale teilnehme. Schön wäre es, aber ein Bein reiße ich mir dafür nicht aus.

Wie es bei den anderen Weihnachtskleidnäherinnen steht, findet ihr auf dem Me Made Mittwoch Blog. Ich bin jedenfalls gespannt und hoffe, dort auch mal in den nächsten Tagen zum Schauen zu
kommen.


Dienstag, 10. Dezember 2013

Was tun?

Im letzten Ausverkauf habe ich günstig einen Pullover gekauft und weil er saisonal nicht geeignet war und zugegebenermaßen etwas spack sitzt, promt vergessen. Nun habe ich ihn begeistert im Schrank entdeckt und für extrem  gut "zum Tellerrock passend" befunden. Wie gut, dass ich Ringeln nur schwer Wiederstehen kann. Allerdings sieht man das "billig" an den Bündchen, was mir gar nicht gefällt.

Was tun? Abschneiden? Einmal umschlagen und Annähen? Hat eine nen besseren Tip?


Samstag, 7. Dezember 2013

Live vom .....

9.36 Uhr
Guten Morgen. Heute wird mal wieder live gebloggt und genäht. Meine Lust zu nähen hält sich zwar gerade mit einem kleinen Kater und wenig Schlaf in der vorangegangenen Nacht in Grenzen, aber heute ist Gelegenheit und Gelegenheit sollte ich mal nutzen.

Das Ziel ist allerdings ein Dilemma. Nähe ich nun für andere, also ein Weihnachtsgeschenk, dass vor Weihnachten noch zur Post muß oder nähe ich mein Weihnachtskleid, dass ich gerne heute Abend zu einer weiteren kleinen Party anziehen würde?

Der Stoff für "das Nähen für andere" ist gestern überraschen schnell per Post geliefert worden und trotzdem ich halbnassen Walk aus der Waschmaschine holte, frecherweise auch schon getrocknet. Es wäre also theoretisch möglich. Allerdings habe ich sowieso kein passendes Schrägband hier. Die Lust zum Weihnachtskleid nähen ist deswegen etwas gebremst, weil ich ganz stark vermute, dass der im September mühsam abgepauste Schnitt nicht mehr da ist, weil ich die Folie für etwas anderes nutzte. Ich müsste also mit Pausen beginnen. Jetzt erst mal Frühstück, da kann ich Abwägen, wie selbstlos ich bin bzw. ob ich nicht doch einfach ein rotes Ajaccio nähe; ihr wisst schon, mein bewährter Lieblingsschnitt Sommer 2013.

10.33 Uhr
Super Live-Näh-Bloggen. Ich bin noch nicht mal in die Nähe einer Garnrolle gekommen. Aber immerhin bin ich jetzt einigermaßen wach und habe mich darüber gefreut, dass ein paar von Euch auch schon wach und hier vorbei gekommen sind.

Nachdem ich beim Frühstückmachen doch eher verwirrt und ungeschickt war, anschließend das Geschenk für heute Abend verzweifelt suchte und nach dem Finden verpackte, bin ich jetzt zumindest soweit wach, dass ich eine Entscheidung für das Weihnachtskleid getroffen habe. Ich habe sonst einfach nix anzuziehen!

Ich hoffe, die Missgeschicke dies heutigen Tages habe ich jetzt hinter mir. Jetzt wird der Tisch abgeräumt und der Schnitt gesucht und eigentlich .... ja eigentlich ... müsste es doch dann recht flott gehen. Dann vergleiche ich die Schnittteile mit denen von Ajaccio und anderen bereits genähten Jerseykleidern, schneide zu und das Nähen ist doch dann eigentlich ein Klacks. Naja, das war jetzt die Selbstmotivation, das Chakka. Wir wissen aber alle, das der Tag noch nicht zu Ende ist und es noch spannend bleibt, ob ich heute im roten Kleid das Haus verlassen werde.

10.54 Uhr
Esstisch abgeräumt, Adventskranz in die Küche verbannt, Schnitt gefunden. Puh, es sind glücklicherweise alle Teile da. Dooferweise habe ich ihn aber schon ausgeschnitten. Das mache ich normalerweise erst, nachdem ich ihn mit einem passenden Schnitt verglichen habe, und die Änderungen eingezeichnet habe. Neues Dilemma, neue Schnittteile erstellen oder Änderungen direkt auf dem Stoff? Ich entscheide mich für die schnelle zweite Lösung, obwohl das bedeutet, dass sollte ich das Kleid noch mal nähen wollen, neu denken zu müssen. Ich werde versuchen, alles, was ich mache, auf dem Schnitt zu markieren.

11.07 Uhr
Schnittteile verglichen. Also so ungefähr kommt es hin. Allerdings ist der Schnitt für Webware und ich nähe aus dem Rib Jersey von Stoff und Stil der sehr elastisch ist. Ich werde also das Rückenteil, die Armausschnitte und die Ärmel von Ajaccio nehmen und hinten auf einen Teil oder alle Abnäher verzichten. Mein Weihnachtskleid 2011 war aus dem selben Stoff und nach häufigem Waschen sahene die Abnäher sowieso nicht mehr schön aus, weil sich der Stoff so durchdrückte.

Leider ist der Jersey so verkrumpelt, dass ich jetzt erstmal Bügeln muß. Ich erfreue mich aber gerade sehr an dem satten Rot und pfeife munter die Weihnachtslieder im Radio mit. Das passt schon.

11.49 Uhr
Na, ob das heute noch was wird? Erst riefen eben die Lieblingsmänner an, um mir zu erzählen, was der Nikolaus zur Oma gebracht hat, dann der Lieblinsonkel, der nachher noch auf einen Kaffee (ins Näh-Chaos) vorbei kommt. Ich sollte mich also doch ordentlich anziehen und wenigstens in der Küche klar Schiff schaffen und im Wohnzimmer Nähzimmer aufräumen, dass man sich setzen kann. So ist das Leben. Immerhin, das Rückenteil ist zugeschnitten.

12.30 Uhr
Wohnung und ich sind nun vorzeigbar. Weiter gehts mit den zwei Vorderteilen und dem Ärmel.

12.53 Uhr
Ich bin echt genervt. Die Vorderteile passen irgendwie nicht zueinander. Nein, ich habe noch nicht genäht, ich versuche gerade die Logik dessen zu verstehen, was ich vor Wochen abgepaust habe. Ich hasse es, dass zwischen den Arbeitsschritten immer Pausen sind, weil alles dadurch wieder neu gedacht werden muß. Jetzt sitze ich da, und pause das Vorderteil noch mal ab.

13.13 Uhr
Fehler gefunden. Zum einen hatte ich vergessen die fehlenden Teile anzukleben, wo die Folie zu knapp war. Das habe ich nun. Zum anderen fehlen ein paar Passzeichen, wo ich das linke Vorderteil kräuseln muß. So kann es nicht passen, also weiter auf dem kryptischen 60er Schnittbogen noch verborgenen Hinweisen suchen. Ich hoffe, ich habe wenigstens fertig zugeschnitten, bevor der Lieblingsonkel kommt, sonst lege ich es wieder weg und muß dann wieder von vorne anfangen zu denken.

13.37 Uhr
Das wichtigste relevante Passzeichen ist unauffindbar in dem Schnittbogengewirr. Was mache ich? Mutig zuschneiden und hoffen oder doch einfach ein Ajaccio nähen? Jetzt erst mal ein Brot mit Fleischsalat.

13.43 Uhr
Frisch gestärkt entscheide ich, das Kleid, obwohl es mich ärgert, doch zuzuschneiden. Schnitteile für Belege gibt es übrigens auch nicht. Na, das wird noch ein Spaß!

14.11 Uhr
Ein Vorderteil habe ich zugeschnitten und vor dem Zuschnitt des Zweiten bemerkt, dass ich den Stoff falsch rum liegen hatte. Das hat zwei Konsequenzen: 1. ich nähe das Kleid mal wieder spiegelverkehrt und 2. ich werde es wohl nicht heute Abend anziehen, weil alle Kreidemarkierungen für die Abnäher nun auf der schönen Seite sind. Nun gut. Immerhin rechtzeitig bemerkt und außerdem nimmt es ja auch den Druck, unbedingt heute Abend fertig werden zu müssen.

14.37 Uhr
Ich fasse es nicht, ich habe tatsächlich alles zugeschnitten. Ein Jerseykleid und das braucht einen ganzen Tag. Das bin ich echt nicht gewohnt. Ich brauche dringend einen Kaffee, wo bleibt der Onkel?

15.53 Uhr
Onkel weg, Nähmaschine raus. Das heißt natürlich kommt erstmal die Frage: wo habe ich das rote Garn hingelegt, das ich extra kaufte. Ich bin auch noch unschlüssig, ob ich erstmal mit der Nähmaschine zusammen nähe und anschließend mit der Overlock versäubere, oder ob ich - wie eigentlich immer - brutal und risikobereit einfach drüber rattere.

16.34 Uhr
Es gibt nicht viel zu berichten. Die Abnäher sind genäht. Mehrfach. Ich bin sehr unkonzentriert und sehe überhaupt nicht, welches die linke und die rechte Stoffseite ist. Ich bin sehr am Überlegen, ob ich nicht besser bevor meine Jungs zurück sind ein Mittagsschläfchen mache, um für heute Abend fit zu sein.

Das einzige, was wirklich klasse ist, ist meine neue Overlockschere. Ich dachte erst, dass ich so etwas nicht bräuchte. Bisher hatte ich immer meine große Stoffschere neben der Nähmaschine liegen und nahm mir monatelang vor, mir eine kleine simple Schere fürs Fädenabschneiden zu kaufen. Als ich das endlich vor ein paar Wochen tat, war ich gar nicht glücklich, denn erstens ist meine neue kleine Schere ziemlich schwergängig und zweitens ist es ein ganz schönes Gefummel, sie zu nehmen und die Finger in die kleinen Löcher zu sortieren. Das ist eigentlich nicht schlimm, aber irgendwie zu viel Aufwand, um eben schnell einen Faden abzuschneiden. Den Fadenabschneider an der Nähmaschine nutze ich zwar, aber nur, wenn ich nicht ganz dicht am Stoff den Faden abtrennen will. Also gönnte ich mir letztens doch eine Overlockschere und siehe da. Ich finde sie prima!

Die Müdigkeit gewinnt. Ich mache jetzt nen Mittagsschläfchen und fürchte, das wars dann mit dem Nähen heute. Tja, hätte ich mich vielleicht doch lieber dem Geschenk gewidmet.... Heute Abend ziehe ich irgendetwas anderes an und wer weiß, wann ich wieder dazu komme, mich um das rote Kleid, das sich bisher noch nicht viel Mühe gegeben hat, mich zu begeistern, fertig zu machen.


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Die Moden, der Tellerrock, der Petticoat und so

Das Tellerockfieber geht um. Weite Röcke, gerne auch mit Petticoat darunter, sind gerade groß in Mode in der Nähbloggerinnenwelt, die sich mittwochs beim Me Made Mittwoch trifft. Ich erwähnte das ja schon in meinem kleinen Saum-Tutorial vom Dienstag und gestern in meinem MMM-Beitrag. Allerleihrauh formulierte poetisch und für mich gedankenanstoßend "viele der modemäßig tonangebenden Nähbloggerinen ihre Fahrkarte für die Retroeisenbahn gelöst haben" und Catherine machte sich auch gestern Gedanken zum Petticoat. Das Thema liegt in der Luft.

Zunächst zur Mode. Ich glaube, wir sind alle von Moden nicht frei. Wahrscheinlich geht es euch wie mir. Meine Augen müssen sich erst an eine neue Farbe, eine neue Silhouette gewöhnen und wenn ich es nur oft genug sehe, fängt es an mir zu gefallen und steigert sich irgendwann bis zu dem Wunsch, so etwas zu besitzen, weil ich ohne diese Farbe, diese Silhouette oder dieses Schnittmuster nicht mehr leben kann. Auch wenn ich immer wieder beeindruckt bin, wie weit sich das Nähen mittlerweile etabliert hat und mich darüber freue, wie viele Frauen beim Me Made Mittwoch mitmachen, so ist das doch, auf Deutschland gesehen, eine relativ kleine Zahl von Frauen, bei denen sich diese Mode etabliert. Selbst wenn ich ein ähnliches Kleid oder sogar den gleichen Rock nähe wie Frau XY aus Z, dann ist doch Z wahrscheinlich recht weit von Hamburg entfernt. Auch wenn Frau XY wie ich in Hamburg leben würde, wäre es eher unwahrscheinlich, dass wir uns begegnen. Sollten Frau XY und ich befreundeten sein und uns in den ähnlichen Kleidern treffen, dann wären wir eben wie zwei 14 jährige Mädchen im Partnerlook und würden kichern uns über interessante Sachen unterhalten, während andere staunen. Schlimm fände ich das nicht.

Mode hat auch etwas mit "sich trauen" zu tun. Zu manchen Neuerungen muß frau sich trauen. Sich etwas zu trauen hat nicht nur mit den Sehgewohnheiten zu tun, sondern auch mit positiven Erlebnisberichten und echten Fotos an echten Frauen. Es ist etwas anderes, wenn ich ein tolles Kleid an einem Kleiderbügel oder einer Puppe sehe, als eine echte Frau, tanzend mit fliegendem Rock und einem glücklichen Bericht darüber, wie sehr sie ihr neues Kleidungsstück mag. Diese persönliche Empfehlung bezaubert mich. Es ist kein Wunder, dass mein Begehren wächst und ich Mut finde, mich etwas zu trauen.

Der Petticoat ist ein ganz besonderes Ding. Irgendwie ist er ein Klein-Mädchen-Traum. Wenn ich im Kindergarten mit Petticoat erscheine, um meinen Sohn abzuholen, bin ich oftmals umringt von kleinen Mädchen, die ehrfüchtig in meinem Petticoat wuscheln und ganz entzückt sind, wenn ich mich graziös damit hinsetze. Welches Mädchen möchte nicht hin und wieder eine Prinzessin sein! Das geht uns Frauen genau so, insofern ist die Sehnsucht, nach dem Geraschel des Petticoats quasi in unseren Genen angelegt. Der Petticoat hat den Vorteil, dass er frau um die Knie herum breiter macht, was automatisch dazu führt, dass die Taille schmaler wird. Ein simpler Trick. Ob es an den Filmen liegt, die wir in unserer Kindheit sahen - alle die gleichen Filme, schließlich hatten wir damals ja nix, sprich nur 3 Programme - ich weiß es nicht? Ich weiß nicht, woher diese Sehnsucht nach der Sanduhrfigur kommt, weiß aber, dass viele Frauen sich nach genau dieser Figur sehnen. Oder haben wir zu viel mit Barbie gespielt?

Der Tellerrock, sei es ein ganzer oder ein halber Teller, hat den Vorteil, dass frau in ihm durchs Leben tanzen kann. Bei jedem Schritt schwingt der Rock, das wirkt sich auf die Laune aus und verleiht ein beschwingtes Lebensgefühl. Viele, viele Jahre trugen wir Hosen oder schmale Röcke, um praktischer durchs Leben zu stiefeln oder einen kompetenten Eindruck zu machen. Wir trugen Kleidung, die praktisch ist, uns nicht noch unseren Pflichten abhält und nicht zu sehr auffällt. Einen Tellerrock, womöglich auch noch mit Petticoat darunter, zu tragen ist für diejenige, die das noch nicht gewohnt ist, ein verrückter Ausflug ins Mädchenhafte, in den Traum, eine Prinzession zu sein. Heute mal bezaubernd statt praktisch oder kompetent. Wenn der Rock um die Beine schwingt, erinnert uns jedes Schwingen daran, wie bezaubernd wir sind. Wir erlauben uns, heute mal durchs Leben zu tanzen. Ein königliches Gefühl.

Auch wenn es vielleicht ein bißchen langweilig erscheint, daß es in der Me Made Mittwoch-Bloglandschaft derzeit so viele Tellerröcke und Petticoats zu sehen gibt - ich mag es, wie sich dieser Virus verbreitet. Ich würde mir wünschen, dass sich Frauen immer mehr und immer öfter trauen, sich einen leichtfüßigen Königinnengefühltag zu gönnen, statt nur pflichtbewusst durchs Leben zu eilen. Wenn Tellerrock und Petticoat dabei helfen, na bitte! Und wenn echte Menschen es vormachen und damit inspirieren, aber gerne!

Mittwoch, 4. Dezember 2013

MMM - ein Versuch in Senf



Mein "erstes Stiefelkleid der Saison" ist zwar schon ein paar Wochen fertig, aber erst seit kurzem ist es auch kalt genug, es auch zu tragen. Den Schnitt wollte ich schon lange mal wieder nähen, nachdem Herr Charming Version Eins so sehr mochte und ich das Kleid im Herbst noch mal für mich entdeckte.

Heute mal in Senf. Mit dem Stoff liebäugelte ich schon letztes Jahr, den Mut, ihn zu vernähen fand ich erst Dieses. Obwohl ich das Kleid mag, muß ich zugeben, dass Senf nicht die vorteilhafteste Farbe für mich ist. Mit viel schwarz drumherum, finde ich es aber ok.




Schnitt: Knip Mode 7/2012
Stoff: winterlicher Polyester-Jersey von Stoff und Stil - trägt sich überraschend angenehm und näht sich wie von selbst.
Änderungen: keine
Passform: wenn ich die Farbe richtig mögen würde, würde ich noch etwas an der Passform optimieren, denn der Ausschnitt ist zu eng und die Kräuselung ist suboptimal gelungen. Ich fürchte, aber, ich bin zu faul dazu.
Werde ich den Schnitt nochmal nähen? Bestimmt!




Derzeit bin ich bekennend tellerrocksüchtig; finde den Petticoat unter den weiten Röcken herrlich und wärmend. Aber für den Alltag ohne besonderen Anlass bevorzuge ich eher enge Kleider wie dieses, da ich mich darin nicht ganz so "angezogen" fühle. Erstaunlicherweise funktioniert das Kleid auch ohne Unterkleid und krabbelt nicht. Der Jersey ist trotz oder wegen des Polyesters sehr angenehm auf der Haut.

Mehr selbst gemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit der ebenso nach kariert und Tellerröcken süchtigen Wiebke als Gastgeberin, bei der ich zusätzlich noch die fantastischen Stiefel bewundere.

Montag, 2. Dezember 2013

Tutorial: Saumband mit Schrägband für weite (Teller-)Röcke



Krankes Kind schläft, kranke Mutter ist zwar zu krank zum Weihnachtskleid nähen, aber bloggen geht irgendwie. Ich sage nur MDV statt WKSA = Magen-Darm-Virus statt Weihnachtskleid-Sew Along. Die Fotos habe ich schon vor einer Woche gemacht, Zeit, sie Euch endlich zu zeigen, denn ich habe das Gefühl, der Tellerrockvirus geht in die zweite Runde in Nähnerdkreisen. Einen runden weiten Rock zu säumen ist ja nicht ganz einfach, deswegen möchte ich euch meine bevorzugte Methode zeigen. Die Anleitung dazu habe ich in der umfangreichen Sammlung verschiedener Methoden weite Röcke zu säumen, bei Farbenmix gefunden.




Nachdem mein halber Teller-Rock mit Wäscheklammern beschwert eine Woche lang abwechselnd auf dem Balkon feucht wurde und im Zimmer wieder trocknete, war er ausgehängt genug, um mit dem Rockabrunder die Rocklänge zu bestimmen und zu markieren. Da ein Teller an manchen Stellen im geraden Fadenlauf, aber an anderen Stellen im schrägen Fadenlauf zugeschnitten ist, leiert er unterschiedlich aus, was anschließend zu einem zipfelndem Rock führt, gibt frau ihm nicht Zeit, auszuhängen.






Am einfachsten geht das Säumen eines weiten Saumes mit einem Schrägband. So gut mir diese Methode für Sommerröcke aus Baumwolle gefällt, gibt es doch einen hübschen, gerne auch kontrastierenden Abschluss, ein Hingucker-Detail, so ungern mag ich sie für winterliche Wollröcke. Was ich aber sehr gerne mag, ist ein Hingucker-nur-für-mich, also ein Detail, das die Strenge nimmt, aber nicht immer oder für jedermann sichtbar ist. Aus diesem Grund säume ich meine weiten Röcke innen mit einem buntem Schrägband, das ich als Saumband umfunktioniere. Damit habe ich den Farbkontrast innen und außen einen schönen, einfach zu arbeitenden Saum.




Wie geht das? Ganz einfach! Ich nähe das Schrägband aufgeklappt rechts auf rechts ungefähr am Knick auf die untere Rockkante, die ich meistens noch nicht einmal versäubert habe. Um den Kreis zu schließen, lass ich am Anfang und Ende ein paar Zentimeter offen, dann nähe ich die beiden Enden zusammen und schließe die verbleibende Lücke.  Anschließend klappe ich das Schrägband wieder zusammen und steppe die andere Seite knappkantig, von links auf den Rock. Wenn man das ordentlich gemacht hat, erscheint auf der rechten, schönen, Seite des Rockes eine Saumnaht im Geradstich, die parallel zur Saumkante verläuft. Erst nach dem Aufnähen bügele ich den Saum.



Fertig! 

Da ich unter dem Tellerrock sowieso einen Petticoat trage (der bei winterlichen Temperaturen auch schön wärmt), füttere ich den Rock nicht. Ab gesehen davon, dass er diese lästige Pause zum "abhängen" braucht, ist es ein schnelles, nettes Nähprojekt und ich vermute, das war nicht mein letzter Teller diese Saison! 

Sonntag, 1. Dezember 2013

WKSA - Weihnachtskleid Sew Along Teil 3



Wie ihr seht, seht ihr nix. Oder zumindest nicht viel, denn die einzige Erfolgsmeldung meinerseits lautet "ich habe den Stoff gewaschen", da dies erst diese Woche gesehen ist, habe ich auch beim letzten WKSA-Treffen geschwänzt. 

Ich hoffe allerdings diese Woche Zeit zu finden, das Kleid zuzuschneiden und zumindest in der ersten Version zusammen zu nähen. Idealerweise ist es am Samstag fertig, um es Samstag Abend zu einer Weihnachtsfeier anzuziehen. 



Das rot auf dem Foto stimmt übrigens überhaupt nicht mit dem rot des Stoffes überein, denn mein Stoff ist eher ein sattes Dunkelrot. 





Mehr Fortschritte bei den Weihnachtskleidern der Selbermacherinnen findet ihr bestimmt auf dem M Made Mittwoch Blog, auf dem Katharina dankenswerter Weise die Riege der Weihnachtskleidnäherinnen zum Weihnachtskleid Sew Along WKSA anführt.