Mittwoch, 27. November 2013

MMM - heute mal wieder drüben als Gastgeberin



Lemming? Ich? Ja klar! Schon als ich im September den aktuellen "Lemmingsschnitt der Saison" das erste Mal bei Tina entdeckte, war ich begeistert. Da das Schnittmuster auch relativ groß verfügbar war, zögerte ich nicht lange, bestellte mir Butterick 5861 und nähte danach ein Kleid für einen runden Geburtstag zu dem ich Mitte November eingeladen war.




Sew Alongs und Verlinkungsaktionen wie der MMM bieten eine Menge an Schnitten und Umsetzungen dieser zu entdecken, da bleibt es nicht aus, dass Moden entstehen. Ich habe gestern eine Weile darüber nachgedacht, ob ich euch heute dieses Kleid zeige, denn schließlich hat  Frau Kirsche am Mittwoch vor vier Wochen auch schon mal die Riege der schönen Selbermacherinnen mit einem Kleid nach diesem Schnitt angeführt, beim Weihnachtskleid Sew Along habe ich ihn mehrfach entdeckt und ich bin sicher, die eine oder andere hat ihn sicherlich auch schon im Kopfkleiderschrank oder sogar bereits genäht. Ich zeige euch mein Kleid trotzdem. Den gleichen Schnitt in unterschiedlichen Interpretationen, von ganz unterschiedlichen Frauen umgesetzt zu sehen, ist schließlich eine der ganz großen Bereicherungen, die uns der Me Made Mittwoch bietet.

Ich habe den Schnitt vergrößert - das hätte ich mal besser nicht so extrem tun sollen, denn vermutlich hätte er mir so, wie er war fast gepasst, insbesondere, da ich einen leicht elastischen Crepe vernähte. Hinterher änderte ich ihn wieder kleiner, aber nicht alles war zu retten. Die wirklich wichtige Veränderung hatte ich aber zu wenig berücksichtigt. Mein Brustpunkt ist dank der Schwerkraft ganz woanders, als im Schnitt vorgesehen. So sah die erste Version nach dem Zusammennähen ziemlich merkwürdig aus und erst, als ich mit anderer Unterwäsche etwas nachhalf, wurde das Kleid tragbar. Schon erstaunlich!



Für den Anlass war das Kleid wunderbar, es war schick ohne zu aufgerüscht zu sein. Ich trug es am Anfang der Feier mit Petticoat und als sich die Temperaturen von warm zu extremer Hitze steigerten, zog ich den Petticoat einfach aus, was mir nur kaum merkbare Abzüge in der B-Note bescherte. Da mir schon schwante, dass es mir auf der Feier zu warm werden könnte - und weil ich nicht ausreichend Stoff zur Verfügung hatte - doppelte ich das Oberteil nicht, sondern konstruierte mir einen Beleg. Das ging prima - das kann ich nur empfehlen. Mir gefällt der Kragen wirklich sehr, vielleicht nähe ich es so ähnlich aber doch ganz anders irgendwann noch einmal aus einem etwas weniger festlichen Stoff. Ich bin gespannt, welche Versionen ihr in den nächsten Wochen nach diesem Schnitt präsentiert. Vielleicht sind heute schon welche dabei?

Mehr selbst gemachte Kleidung an echten Menschen, gibt es wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog; egal ob Butterick 5861 oder etwas ganz anderes - Hauptsache selbstgenäht und für euch und an euch.

Montag, 25. November 2013

Kopfkleiderschrank verwirklicht. Und nun?



Letzte Woche kam mir ein Gedanke: "ich glaube, ich habe meinen Kopfkleiderschrank weitestgehend verwirklicht!" Urplötzlich stieg dieses Gefühl in mir auf und ich konnte dieser Idee kaum trauen. Nee, dachte ich, perfekt ist was anderes. Aber das Gefühl kam immer wieder. Es kam immer dann, wenn ich mein neues Kostüm trug, aber es blieb auch, als ich ein Walkkleid vom letzten Jahr aus dem Schrank zog und mich erneut in das Kleid verliebte. Auch wenn noch nicht alles, was im Kopfkleiderschrank hängt verwirklicht ist (es ist ein stetig nachwachsender begehbarer Kopfkleiderschrank, versteht sich), so stellt sich doch nach etwas mehr als drei Jahren Nähen auf einmal  ein Glücksgefühl verbunden mit einer wunderbare Ruhe und Zufriedenheit ein .... denn ich kann alles verwirklichen!

Meine Nähfertigkeiten können und werden sich natürlich im Laufe der nächsten Projekte, Monate und Jahre noch verbessern, da gibt es keine Begrenzung nach oben. Aber das, was ich jetzt kann, befähigt mich dazu, alles zu versuchen. Ich habe mit den Materialien gearbeitet, die mir sympathisch sind und ich habe etwas über Schnittanpassungen und Konstruktion gelernt, so dass ich mich nun traue, einfach das zu versuchen, wonach mir ist.

Was aber noch viel, viel wichtiger ist: ich kann alles anziehen, weil ich mich traue, es zu probieren Die Beschränkungen, dass es das, was ich mir vorstelle, nicht zu meiner Figur passt, weil es nicht kaufbar ist, existiert einfach nicht mehr. Andere Menschen bestimmten früher, was ich als Frau mit unpopulärem Format tragen darf. Heute mache ich das. Ich habe mir erlaubt, alles zu probieren. Ich mache es einfach!

Gefühlt gibt es keine Beschränkungen mehr, denn ich habe die Macht. Gut, falls ich irgendwann auf die Idee komme, nur noch in Rokokokleidern oder Astronautenanzügen herumlaufen zu müssen, wird es wohl mit den Reaktionen der Umwelt etwas schwierig werden, aber im Rahmen des "normalen" - was auch immer das ist, gibt es keine Beschränkungen mehr. Ich darf meinen Kopfkleiderschrank freudig juchzend betreten, mir ein Fantasieobjekt herausnehmen, es nähen und es anprobieren, um herauszufinden, ob es zu mir und zu meinem Leben passt. Ist das nicht großartig?!

Meine These der letzten beiden Jahre lautet: wenn eine Frau ihren Kopfkleiderschrank verwirklicht hat und Innen und Außen in Einklang sind, wenn die Menschen um sie herum sie so wahrnehmen, wie sie ist, wie sie sich fühlt, dann wird alles gut. So eine Frau wird authentisch sein und eine wunderbare Ausstrahlung haben und das führt dazu, dass sie gesehen wird, dass sie erkannt wird, dass sie die Chancen bekommt, die sie verdient und das das, was sie anpackt, gelingt.

Große Worte! Jetzt gilt es diese steile These zu überprüfen. Es gilt mit diesem Gefühl der Zufriedenheit, der Macht, etwas zu machen. Ich bin gespannt, wo das alles hinführt und fühle die Energie, es anzugehen. Es fühlt sich ein bißchen an, wie eine neue Frisur - nur, dass ich es selbst gemacht habe und das ist noch viel viel besser!

Sonntag, 17. November 2013

Weihnachskleid Sew Along



Mittlerweile eine schöne Tradition, unser Weihnachtskleid Sew Along. Ich bin dabei!

Der Plan: endlich das original 60er Jahre Kleid zu nähen, auf das ich schon seit dem Frühjahr scharf bin. Und damit es richtig schön weihnachtlich wird in knalliger dunkelrotem Rib-Jersey, d.h. Der "Romanit"-Version von Stoff und Stil.



Idealerweise wäre das Kleid sogar schon am 7.12. fertig, denn da würde ich es gerne zu einer Weihnachtsfeier anziehen,

Mehr Weihnachtskleidprojekte findet ihr auf dem Me Made Mittwoch Blog - dort organisiert Katharina für uns den Weihnachtskleid Sew Along. Danke! Ich bin schon sehr gespannt, was es dieses Jahr alles zu sehen gibt!

Dienstag, 12. November 2013

Das blaue Kleid, das Kostüm und mein neuer Freund




Das blaue Kleid

Das blaue Kleid ist fast fertig und fast gut. Bin mir nicht sicher, ob die Einschätzung "fast gut" aus der anscheinend natürlichen Nähnerdkrankheit resultiert, eine grundsätzliche Skepsis gegenüber fast fertigen oder neuen selbstgenähten Kleidungsstücken zu haben, die Frau BloggenLebenNähen so trefflich beschrieben hat. Wenn das Kleid kein Anlasskleid wäre und der Anlass nicht schon in wenigen Tagen umverschiebbar stattfinden wird, hätte das Ding wahrscheinlich eine große UFO-Karriere vor sich. So beiße ich die Zähne zusammen und mache es in kleinen Schritten fertig.

Der Beleg hat funktioniert, ich bin sehr froh, dass ich das Kleid nicht füttern muß. Leider war der Stoff dafür knapp, sehr knapp. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass das Rundumlätzchen für unten drunter vorne ne Naht hat, die sich durchdrücken kann, deswegen mußte ich am Kragen hinten was einsetzen, das finde ich nicht so schlimm. Anschließend habe ich lässig drüber weg gebügelt und mir gesagt, dass mich durchgedrückte Nahtzugaben überhaupt nicht jucken, obwohl ich natürlich weiß, dass frau es besser könnte. "Gewusst wie" reicht nicht immer aus, wenns nicht dem Typ entspricht. Jetzt muß der Beleg hinten nur noch mit ein paar Handstichen angenäht werden.

Die Änderungen habe ich gemacht wie Frau Nahtzugabe und die anderen hilfreichen Leserinnen in den Kommentaren vorschlugen. Die Kräuselung geht bis zum Bund und hinten habe ich an Länge weggenommen. Als ich mir die Bilder noch mal genauer anschaute, stellte ich fest, dass die mittlere horizontale Naht mitnichten dort sitz, wo die Taille sein könnte und das das der Grund sein könnte, wieso es etwas darunter zu eng ist. Also habe ich mutig vorne auch noch ne ganze Menge weggeschnitten und siehe da, die Überlegung war richtig. Tragebilder gibt es bei Gelegenheit, vermutlich am 27.11. Die nächsten beiden MMMs werde ich wohl schwänzen.

Das Kostüm

Das #KSA Kostüm und ich, wir sind immer noch schwer verliebt, eigentlich trage ich es dauernd. Mehr und mehr mag ich auch das Jäckchen. Den Rock und mich verbindet eine tiefe leidenschaftliche Zuneigung. Ich mag sogar den Gürtel und habe schon Gürtelschlaufen habe ich schon zugeschnitten! An dem Jäckchen mag ich die kurzen Ärmel und das Gefühl, das Futter zu spüren, wenn ich ein kurzärmeliges Shirt darunter trage. Draußen trage ich gestrickte Stulpen dazu und finde es herrlich, diese auszuziehen, um ratzfatz eine neue Wohlfühltemperatur herzustellen.

Den Rock für Kostüm 2, zärtlich das Tellerchen genannt, habe ich euch letztens schon unsexy präsentiert, aber glaubt mir, der bzw. das wird gut, auch wenns auf dem Foto jetzt doof aussieht. Ich freue mich schon sehr, irgendwann das Jäckchen dazu zu nähen und den Rock fertig zu machen. Ich habe einen Schnitt mit Prinzessnähten im Fundus gefunden und werde irgendwann mal versuchen, die beiden Schnitte zusammen zu basteln. Ich hoffe, ich finde dazu Zeit, bevor ich leichtsinnig den Stoff schnappe und das Suit Jackett aus Bequemlichkeit noch mal zuschneide.




Mein neuer Freund

Neben der heißen Verliebtheit mit dem Tellerrock habe ich auch noch einen neuen Freund, der meine Gefühle in Wallung bringt: mein neuer Rockabrunder! So neu ist er eigentlich gar nicht, habe ich ihn doch schon vor Monate ersteigert, hatte ihn aber bisher nie benutzt. Warum eigentlich? Jetzt hat er eine Markierung mit Masking Tape in der für mich richtigen Rockhöhe - endlich weiß ich, wozu dieses merkwürdig gehypte Masking Tape da ist! - wurde heute für das blaue Kleid genutzt und ich freue mich schon darauf ihn ganz bald den karierten Rock bestäuben. Es ist so krass zu sehen, wie unterschiedlich viel ich vorne und hinten abschneiden muß. Kann ich jemals wieder die Röcke und Kleider anziehen, die ich einfach so gesäumt habe? Na klar, rhetorische Frage, natürlich mache ich das. Aber in Zukunft muß er immer ran!

So, das muß jetzt erstmal reichen mit den Neuigkeiten aus dem Hause Crafteln. Die nächsten Tage wird es ruhig hier, keine Zeit zum Nähen, zum Fotografieren und zum Bloggen. Ihr kennt das ja schon von mir, also keine Sorge, wenn wieder mehr Zeit für mich kommt, bin ich wieder da.... zum Beispiel zum Weihnachtskleid Sew Along......



Freitag, 8. November 2013

Tellerchen

Der Tellerock und ich sind nach wie vor sehr verliebt, aber Monogamie liegt mir bei Kleidungsstücken nicht. Da Frau Kreuzberger Nähte bereits wiederholt von "halben Tellern" schrieb und diese auch noch als "Hüftschmeichler" bezeichnete, mußte ich einfach ganz schnell auch dieses Experiment wagen. Erst wollte ich einen karierten lila Streichelstoff anschneiden, nachdem ich mir das Schnittteil errechnet und gezeichnet hatte, doch dann beschloss ich, mit dem halben Teller Kostüm Nummer 2 zu beginnen.

Glücklicherweise habe ich wirklich große Mengen dieses schicken Karos, so muß ich mich nicht ärgern, dass ich leichtfertig, etwas unbedacht das neue Projekt angegangen bin. Vielleicht hätte ich beim Zuschnitt auf den Verlauf der Karos achten sollen und vielleicht wäre ich durch gründliches Nachdenken darauf gekommen, dass frau auch einen halben Teller vierteln kann oder könnte. Aber egal, halb fertig hängt der schnelle halbe Teller auf dem feuchten Balkon, um mal die Seele baumeln zu lasen und in ein paar Tagen sehen wir weiter...


Mittwoch, 6. November 2013

MMM - frisch verliebt



Seit gestern Mittag um 12 Uhr bin ich frisch verliebt: in meinen frisch gesäumten Tellerrock mit Gürtel!

Wer hätte das gedacht. Das war eigentlich nur ein verrücktes Experiment. Verrückt vor allem deshalb, weil mein erstes Experiment Tellerrock nie zu Ende gebracht worden war. Jetzt besitze ich aber einen Rockabrunder, ersteigert für 3 Euro und einen  <3-Tellerrock. Diesen und das dazugehörige Kostümjäckchen habe ich gestern Abend beim Treffen mit mit meinen liebsten hamburger #Nähnerds Frau StrichundFaden und Frau BloggenLebenNähen zum ersten Mal ausgeführt und weil ich so begeistert bin, habe ich es glatt heute noch mal an.

Rockschnitt: Knip Mode 9/2011 Tellerrock mit 4 Falten und Taschen in der Seitennaht
Jackett-Schnitt: Gerties Suit Jackett aus dem Buch
Stoff und Futter: braun/schwarzer Viscose-Tweed und beiges gestreiftes Viscosefutter von Stoff und Stil
Petticoat: von Petticoats.de




Mehr Informationen zu diesem Kostüm findet ihr in meinem Beitrag zum Kostüm Sew Along Finale von gestern und über den Entstehungsprozess unter dem Label KSA .

Mehr selbst gemachte Outfits an echten Menschen, im echten Leben getragen, findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit der wunderbaren Frau ebenJulia als Gastgeberin, die ein raffiniertes Kleid an hat, das trotz trister Farbe, Freude in den November bringt.

Dienstag, 5. November 2013

Kostüm Sew Along Finale - mein erstes (Probe-)Kostüm!



Das große Finale des Kostüm Sew Alongs war eigentlich schon am Sonntag, doch ich mache einfach heute, zusammen mit meiner Kostümzwillingsschwester Frau Kirsche mein kleines, privates "Finale der Herzen". Am Sonntag hätte ich nur ein ungeliebtes, zu stramm sitzendes Jäckchen mit Falten auf dem Rücken präsentieren können, von dem der Gatte meinte, ich sehe aus wie Frau Merkel - was mir ziemlich den Spaß verdorben hat. Ich habe ihm später, als meine Tränchen getrocknet waren erklärt, dass die Antwort auf die Frage "Wie findest du es?" stets auf das Positive fokussieren muß und höchstens etwas später, nach ausreichenden "Aaaaaahs" und "Oooooh" sowie "du siehst toll aus darin" und "ich bin stolz auf dich, dass du so ein schwieriges Projekt gemeistert hast" ergänzen kann, was beim nächsten Teil besser gemacht werden könnte.




Wer meine KSA-Posts gelesen hat, weiß von den vielen Schwierigkeiten, die ich auf dem Weg zu diesem Kostüm zu meistern hatte. Auf den letzten Metern hatte ich noch Probleme mit dem Jackenfutter und ganz zum Schluß noch die Frage, wo zum Teufel eigentlich die Knöpfe hinkommen, bei dem geänderten Schnitt, was dazu führte, dass ich die Knöpfe mehrmals annähte und wieder abtrennte.

Schon früh beschlich mich das Gefühl, dass ich eigentlich dabei bin, ein Probe-Jäckchen zu nähen. Im Nachhinein denke ich, genauso ist es. Ich habe viel gelernt und bin, trotz allen Frustes, stolz auf das Ergebnis und motiviert, recht bald einen zweiten Versuch im Kostüm nähen zu starten.

Der Schnitt fürs Jackett

Gerties Suit Jackett wird gerne als Decksding oder ähnliches bezeichnet. Ich kann das nicht ganz unterschreiben, obwohl ich auch meine Probleme damit hatte und es alles andere, als gut passt. Es fing natürlich damit an, dass ich den Schnitt um die Brust herum etwas vergrößern mußte. Das ist immer schade, wenn das nötig ist, aber ich kann den Designern nicht wirklich vorwerfen, dass sie sich mit ihren Schnitten nicht an große Größen wagen. Sehr gut gefällt mir die wirklich einfach zu nähende Kragen-und-Revers-Lösung. Wenn ich da an die Hemdblusenkleider denke, dann ist dieser Kragen wirklich Pillepalle! In vielen Blogs wird über die Passform des Futters geschimpft. Dazu kann ich nichts sagen, weil ich das Futter, gemäß meiner geänderten Oberstoffschnitte selbst konstruierte. Das nächste Mal bin ich schlauer und gebe dem Futter noch etwas mehr Länge, aber sonst war das ne gute Lösung, das Futter selbst zu machen.



Jetzt habe ich ein schlecht sitzendes Jäckchen - aber mehr war, alleine und mit meinen Näh-, Schnittkonstruktions- und Anpassungskünsten einfach nicht drin. So isses nun. Die Wendeöffnung im Ärmel ist noch nicht geschlossen, ich könnte noch was dran tun, aber ich fürchte, die Luft ist draußen. Ich habe keine Lust mehr, ich werde das Ding jetzt erstmal tragen.

Ich hatte mir erhofft, aus dem Probedings Erkenntnisse zu erzielen, die ich dann auf den Schnitt übertrage, um dann ratzfatz ein zweites, besser sitzendes Kostüm zu nähen. Das ist mir nur zum Teil gelungen und ich kann sicher sagen: nach diesem Schnitt nähe ich kein zweites Kostüm. Eines ist klar: Abnäher sind zwar wichtig, aber besser für meine Figur sind Teilungsnähte. Wie schon beim "Dreckskleid" McCalls 4769 erreichte ich die beste Passform im Vorderteil, wenn sich Taillenabnäher und Brustabnäer fast berühren. Da sich aber in diesem Fall - aufgrund meiner mangelnden Konstruktionskünste - beide nicht treffen, sieht das gewollt und nicht gekonnt aus. Entweder nehme ich also beim nächsten Mal mein Konstruktionsbuch in die Hand und konstruiere aus dem Schnitt, den ich jetzt habe einen Schnitt mit einer Prinzessnaht oder aber ich gehe auf die Suche nach einem besserem Jackenschnitt mit Prinzessnähten und entscheide mich vielleicht, den Suit Jackett Kragen daran zu basteln.



Der Rock

Ein Vorteil, das Jäckchen als Probeding zu bezeichnen ist, dass ich am Ende quasi Narrenfreiheit hatte. Erst wollte ich einen vernünftigen, stoffsparenden engen Rock nähen. Aber irgendwann merkte ich, dass ich eigentlich etwas ganz anderes erträumte. Meine LeserInnen rieten zum schlichten, weiten (Teller-)Rock, also nahm ich allen Mut zusammen, nahm mir die Stoffknausertechniken von Frau Kreuzberger Nähte zum Vorbild und zauberte aus der Stoffmenge für den engen Rock sowie den Resten einen Tellerrock. Ich vermute, es ist ein 3/4 Teller. Vermutung deshalb, weil ich ihn nicht selbst berechnet, sondern nach einer Anleitung aus der Knips Mode vom September 2011 genäht habe.


Die Details

Mit den Details habe ich mir Mühe gegeben. Vielleicht ist das vergebene Liebesmüh bei der Passform des Jacketts, vielleicht ist es aber dann genau der Grund, wieso ich es dann doch trage und über die Passformmängel hinwegsehen kann, weil ich mich an den Paspelknopflöchern, den bezogenen Knöpfen und dem blauen Saumband freue.





Fazit:

Es war wichtig, den Tellerrock aus dem Kopfkleiderschrank in die echte Welt heraus zu lassen und zu probieren, wie es mit uns beiden geht. Bevor ich ihn mit dem neuen Rockabrunder (für 3 Euro ersteigert) kürzte, sah ich aus wie eine dicke Matrone. Jetzt sehe ich aus, wie eine glückliche Frau. Wer hätte das gedacht, dass wir, der Tellerrock, der Gürtel und ich,  mal verliebt sein würden? Ich nicht.

Das Jäckchen war als Sommer-Jacke geplant und in sofern werde ich es ihm auch nicht übel nehmen, falls ich im Winter eher zögerlich das Kostüm anziehe - wir werden sehen, manchmal kommt es doch ganz anders, als frau denkt. Aber es ist ein Probeding und wenn ich wieder Zeit und Lust habe, kommt noch ein Kostüm. Auf jeden Fall!


Dank

Ganz herzlichen Dank, liebe Catherine, für die Inspiration ein Kostüm zu nähen und in den Alltag zu integrieren und natürlich fürs Händchenhalten während des Sew Alongs! Du kannst mich immer wieder begeistern und voran bringen. Das ist toll. Ich bin sehr froh, dich zu kennen!

Vielen Dank auch an meine LeserInnen, die mit mir fiebern, mit Tipps helfen und mich motivieren, nicht aufzugeben. Und danke an die zahlreichen Teilnehmerinnen des Kostüm Sew Alongs, die mich sehr inspirier(t)en.



Nähfragezeichen: Nadelchaos vermeiden



Na, kennt ihr noch das Nähfragezeichen? Vor einiger Zeit stellte das Nähfragezeichen immer Dienstags eine Frage rund ums das Nähen. Alle LeserInnen waren eingeladen, diese Frage zu beantworten, so dass wir nach und nach eine schöne Wissenssammlung zusammengetragen haben. Irgendwann gingen uns die Fragen aus, aber wenn mich eine Frage einer LeserIn erreicht, übergebe ich sie gerne an das Nähfragezeichen; so wie die Frage von Anne (ohne Blog):

Nadelchaos vermeiden
Wie merkt ihr euch, was für eine Nadel gerade in der Maschine steckt, also Jeans oder Jersey, 70er oder 120er?

Antworten könnt ihr hier in den Kommentaren oder bei euch im Blog. Antwortet ihr bei euch im Blog, dann hinterlasst uns bitte in den Kommentaren einen Hinweis (URL) zu eurer Antwort.

Mehr Nähfragezeichen findet ihr unter dem Label "Näh-Fragezeichen" oder auf der (nicht komplett gepflegten) extra Seite hier im Blog. 

Freitag, 1. November 2013

Live vom Tatort - KSA-Jäckchen in den letzten Zügen zipfelig



20.56 Uhr
Hier ist der spontane Live-vom-Tatort, obwohl ich mich heute beim Nähen konzentrieren wollte. Das #KSA-Jäckchen soll heute fertig werden, damit ich am Sonntag, beim Finale des Kostüm Sew Alongs wenigstens das Obenrum zeigen kann. Aber nun habe ich ein Problem!

Ich hatte Hoffnung, den Rock heute Abend noch zu beginnen, bis es eben zipfelte. Das Futter ist im Jackett drin, aber an den Ärmeln noch nicht angenäht und jetzt zipfelt es am Po. Ich vermute, dass das Futter an dieser Stelle zu kurz ist? Nähnerds online? Was meint ihr?



Wenn ich schon die Kamera aufbaue, konnte ich es nicht lassen, ein ordentliches Kleid mit weitem Rock und Gerät darunter zu ziehen, um die Silhouette anzuschauen. Über der Rumlümmelhose sieht das Jäckchen nur halb so schick aus. Allerdings die große Liebe zwischen mir und dem Jäckchen ist es immer noch nicht. Der Schnitt ist einfach doof. Und der Stoff auch!

21.40 Uhr
Hypothese: wenn ich mich recht an den Zuschnitt des Futters vor Wochen erinnere, dann vergaß ich zunächst die Bewegungsfalte. Ich hatte schon unten begonnen zu schneiden, da fiel sie mir ein und ich rollte ein wenig schräg mit dem Rollschneider, um wenigstens oben für die Schultern ordentlich Weite zum in Falten legen reinzubringen.

2. Hypthese: das Futter ist zu kurz und zappelt den Beleg nach oben.

Plan: die hintere Mitte des Futters bis zur Hälfte öffnen und näher an der Nahtzugabe neu zusammen zu nähen, um eine Bewegungsfalte zu erzeugen. Außerdem das Futter mit weniger Nahtzugabe unten an den Beleg nähen.

Im Zuge dessen kann ich auch gleich noch die Seiten etwas mehr taillieren.



22.15 Uhr
Gesagt getan. Es ist ein bißchen besser, aber ich habe noch immer einen zipfeligen Bürzel hinten. So, jetzt kennt ihr auch meinen Po in Rumlümmelhose. Die Jacke ist vorne nur zugehalten. Die Weite kann noch reguliert werden.

Neuer Plan. Die untere Rundung des Jäckchens an der hinteren Unterkante einen Tick begradigen.



22.31 Uhr
Der neue Plan hat absolut gar nix gebracht. Habe immer noch einen Bürzel. Für Frau Sewing Addicted ein Foto andersrum. Habe nicht ganz verstanden, was andersrum heißt, jetzt ist es ganz anders rum. Das sieht vielleicht aus!

Letzte Idee: Jetzt wird ein Stück Futter reibgebastelt. Wenn das nicht hilft, gebe ich auf für heute.


23.19 Uhr
Ich glaube, es hat sich ausgebürzelt! Ein zaghaftes Juchhe!


00.11 Uhr
So quasi fertig: Ärmel und Ärmelfutter auch verbunden, aber zu müde, zum Bügeln. Also bis auf finales Bügeln und Knöpfe annähen fertig. Ich hätte nicht gedacht, dass das den ganzen Abend dauert! Natürlich hatte ich noch den Plan, den Rock zumindest zu beginnen. Naja egal, so isses eben. Immerhin ist der Bürzel weg und die finale Panik, dass die Ärmel irgendwie verdreht sind und ich "die Wurst" nicht mehr auseinander bekomme, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt.

Am Sonntag gibts dann Fotos. Und dann sage ich noch, warum ich den Schnitt doof finde und wies so weitergeht. Jetzt erstmal "Danke, danke, danke fürs Mitfiebern und Mitdenken und Händchenhalten!" und "Gute Nacht".


Nähkrimi: Paspelknopflöcher



Am Sonntag ist #KSA Kostüm Sew Along Finale. Da heißt es langsam sputen, nachdem meine kleine "mimimi-Bitte" bei der Chefin nach einem Finale der Herzen abgelehnt wurde, um die Motivation nicht auszubremsen. Hat funktioniert. Bin ja ne Brave.

Eine üble Ausbremsmasche bei Jäckchen sind ja gerne die Knopflöcher. Ich hatte geübt und war gerade deswegen immer noch unentschieden: Schicke Paspelknopflöcher oder die quick-and-dirty-Lösung, die Löcher mit der Nähmaschine zu nähen. Jetzt ist es so, dass ich von meinem Stoff etwas enttäuscht bin. Das Schöne an dem Stoff ist, dass er dank Viskose sehr weich ist. Das weniger Schöne ist, dass er sehr locker gewebt ist und sich leicht verzieht. Der Stoff und ich sind in den letzten Wochen keine Freunde geworden. Ich war nicht sicher, ob er die Mühe von Paspelknopflöchern verdient, hatte ich das Jäckchen, in Vorfreude auf ein kariertes Kostüm, doch ohnehin gedanklich zum Probejäckchen degradiert. Doch glücklicherweise gibt es den Sew Along und dieses gemeinsame Nähen, hilft mir ungemein, meinen Ehrgeiz zu entwickeln und mir doch noch Mühe zu geben, auch wenn die intrinsische Motivation abhanden gekommen ist.




Als ich gestern eine ruhige Minute fand, beschloss ich es doch mit den Paspelknopflöchern zu wagen. So schwer kann das doch nicht sein, dachte ich und als ich die Paspel nähte, ahnte ich auch, warum meine Probelöcher so doof geworden waren. Wer die Paspel nicht gleichmäßig schneidet (siehe oben), kann nicht erwarten, dass die zwei Paspelstücke später ordentlich aufeinander passen. Also versuchte ich ordentlicher zu schneiden, was die offene Seite der Paspel ordentlich verkleinerte. Nicht schlecht, dachte ich, dann klafft das Loch wenigstens nicht auf, vergaß aber, dass der Stoff, auch mit aufgebügelter Einlage, zum Fransen neigt.

Tja und dann kam das Bild ganz oben raus. 10 Minuten bevor mein Zeitfenster endete. Ich knallte es in die Ecke und twitterte meinen Frust, wohlwissend, dass 10 Minuten in Verbindung mit Ärger nicht die Ressourcen darstellen, die der notwendigen Operation am offenen Herzen zu Erfolg verhelfen würden. Allerdings ist es nicht leicht auszuhalten, stundenlang das Jäckchen im Flur hängend mit solchen Knopflöchern zu ignorieren, ohne dauernd vor Frust mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen.



Glücklicherweise hatte ich am frühen Abend die Wohnung erneut 45 Minuten für mich alleine. Obwohl ich für Operationen Tageslicht bevorzuge, konnte ich nicht warten. Ich schnitt beherzt weiter gen Ecken und schubste mit einem Holzstäbchen unter dem Licht der Legomanntaschenlampe die Ecken der Knopflöcher dorthin, wo sie einigermaßen sein sollten und nähte endlich die kleinen Dreiecke an. Wenn der Stoff sowieso dauernd in Bewegung ist, dann kann er sich auch mal dorthin bewegen, wo ich ihn haben will. Zwischendurch bügelte ich immer wieder mit ordentlich Dampf, um dem Stoff zu zeigen, wer hier der Chef ist. Und siehe da, mit dem Ergebnis, wenn auch nicht wirklich perfekt, kann ich Leben. Meine Güte, was nen Krimi!