Montag, 30. September 2013

Nähbloggerinen nähen zusammen - AnNÄHerung



Ich weiß, ich weiß, es ist sehr ruhig hier, zur Zeit. Warum das so ist, kann ich auch nicht genau sagen. Irgendwie fehlt der Impuls. In letzter Zeit verspürte ich bei keinem Thema so richtig den Impuls, was zu sagen. Da ist es doch auch mal nett, einfach den Mund zu halten. Und wie immer, seid gewiss: Auch wenn ich nichts schreibe oder kommentiere, ich lese euch!

Wenn es schon aus dem Hause Crafteln nichts zu vermelden gibt, will ich euch sehr gerne auf eine schöne Aktion hinweisen: Ein Nähwochenende, Nähnerds unter sich, gleich zu Beginn des neuen Jahres organisiert von Frau drehumdiebolzeningenieur, Frau Mamamachtsachen und Frau AllesWünscheWerdenWahr (ins Orgateam durften nur Frauen mit langen Blognamen). In den drei verlinkten Blogs findet ihr mehr Informationen zu dem Nähbloggerinnenwochenendtreff, einschließlich einer Doodle-Umfrage welcher Ort bzw. welches Setting favorisiert wird.

Obwohl ich im Moment noch nicht sicher sagen kann, ob ich kommen kann, habe ich für Bielefeld gestimmt, denn ich würde schon sehr gerne kommen. Ab gesehen von 1000 Gründen, die ich klären muß, bevor ich zustimme, bin ich gerade voller Vorfreude auf eine kleine Nähnerd-Reise nach Franken mit einem Teil der MMM-Crew. Vielleicht habe ich das Gefühl, dass erst eines nach dem anderen kommen muß. Doch zu lange zögern sollte ich nicht, denn der Anmeldung für die "anNÄHerhung" beginnt schon am 5.10 und ich vermute, da sollte frau sich sputen, um einen Platz zu ergattern.

Mittwoch, 25. September 2013

Me Made Mittwoch



Eigentlich dachte ich, heute beim #MMM, dem Me Made Mittwoch, auszusetzen, ist mir doch gar nicht nach posen, fotografieren und das ganze Drumherum. Aber nachdem ich noch vor dem Anziehen das Jahrhundertereignis sah - Frau Nahtzugabe im Jerseykleid! und das sieht auch noch sehr gut aus! - dachte ich, ich ziehe mal, so als Gegenstück, wieder Webware an, nachdem ich euch wochenlang mit Jersey-Kleidern desselben Schnitts gelangweilt habe.

Außerdem gehe ich heute mal aus dem Haus. Nachdem mich die erste Blasenentzündung meines Lebens seit Sonntag nur zwischen Sofa und Toilette pendeln lässt (ich hätte nicht geahnt, wie schmerzhaft es ist und dachte, wenn ich das bisher in meinem hohen Alter noch nicht hatte, werde ich davon verschont), werde ich heute doch mal zum Arzt gehen.

Und wie ihr vielleicht seht, bin ich schwach geworden. Ich trage Strumpfhosen! Und wie ihr nicht seht, ich trage auch noch ein Bermesenzer, eine wollene Unterhose über der Strumpfhose. Vernünftig, oder?! Vernünftig und zum Ahninnen-Gedenktag, denn meine sehr von mir geliebte Großmutter, von der das Wort "Bermesenzer" überliefert wurde, hat heute ihren Todestag. Sie behauptete, dass eine Tante aus Pirmasenz diese Hosen für die Mädchen der Familie gestrickt hat und das eben auf frankfurterisch zu Bermesenzer wird. Wers glaubt wird seelig. Aber egal, die Bermesenzer hält meinen gequälten Unterleib warm und das Gedenken rührt mich.




Das Strickjäckchen habe ich vor zwei Wochen in Dänemark gekauft. Natürlich hätte ich es, dank Globalisierung haha, auch in einem deutschen Einkaufszentrum finden können, aber das wäre halb so romantisch, denn nun habe ich ein dänisches Jäckchen, das eben so vorne klafft, wie die, die ich in deutschen Einkaufszentren finden kann. Ich verstehe das einfach nicht. Warum müssen Strickjacken in größeren Größen immer solche riesigen Wollmonster sein? Beim besten Willen, kann ich so einen Sack nicht mehr kaufen und begnüge mich dann mit der Hoffnung, dass das knappe XL-Jäckchen aus normaler Kollektion noch ein bißchen ausleiert. Ich suche seit Jahren Strickjäckchen, die obenrum passen und trotzdem kurz sind. Eine Marktlücke! Leider bin ich zur Zeit sehr strickfaul.

Und zu guter letzt noch die Erklärung, was ich eigentlich "me made" anhabe, aber ihr ahnt es sicher schon. Das Schirmchenkleid. Genäht im Frühjahr nach Inspiration von Frau Strichfaden und einem unverkäuflichen Schnitt von Frau STOKX. Mehr Informationen dazu findet ihr hier.

Und mehr selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer auf dem Me Made Mittwoch Blog, mit der uns immer wieder überraschenden Frau Nahtzugabe als charmante Gastgeberin.

Sonntag, 22. September 2013

Kostüm Sew Along Teil 2 - FBA Tutorial - Abnäher sind Freundinnen!




Es stand schlimm um mich und dem #KSA in den letzten Tagen! Obwohl eigentlich alles für das Jackett besorgt ist und obwohl ich bereits heiße Träume von mir und dem Tweed-Jäckchen hatte, wollte das Loslegen nicht recht funktionieren. Schuld daran, war mein Respekt, genauer gesagt meine Angst, vor den bevorstehenden Schnittveränderungen, die mich lähmten und mir schlaflose Nächte bereiteten. Es ist so furchtbar, wenn vor dem Loslegen das Denken und Grübeln steht und der Schnitt nicht nur kopiert und der Stoff zugeschnitten, sonder erst einmal der Schnitt passend gemacht werden muß!



Vorgestern Abend schließlich, fasste ich mir ein Herz, prüfte Maßtabelle und die seit Tagen fertig kopierten Schnittteile und machte eine FBA, um mehr Platz für meinen Busen zu schaffen, da Gerties Schnitte für ein B-Körbchen gemacht sind und ich etwas mehr mit mir herumschleppe. Und siehe da, das Ergebnis ist nicht perfekt, aber daran lässt sich arbeiten. Im nächsten Schritt, setze ich in das Probeteil noch Ärmel ein, hefte die Abnäher noch etwas anders und übertrage diese Änderungen auf den Schnitt. Und dann geht es endlich an das eigentliche Jäckchen aus Tweed. Ich hinke dem Zeitplan hinterher, aber ich bin stolz, meine Angst überwunden und doch endlich angefangen zu haben!



FBA (Full Bust Adjustment) mit anschließender Verlegung des Abnähers


Früher, als ich zu Nähen begann, hätte ich die Differenz zwischen meinem Brustumfang und dem Maß in der Tabelle, auf alle senkrechten Nähte (in diesem Fall, Rücken und Seitennähte) verteilt und ein nur mäßig passendes Kleidungsstück mit zu weiten Schultern oder/und zu weitem Rücken erhalten. Das ist der Anfang aller Nähkünste und auch ok, wenn es sich nicht um eine zweistellige Differenz handelt. Mittlerweile weiß ich, dass eine FBA der Trick ist, um mehr Platz für den Busen zu schaffen, ohne die Passform an anderen Teilen zu verändern. Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber ich habe die Aussage "Abnäher sind Freunde" nie vergessen - wie wahr! Vielleicht sind Abnäher ein bißchen altmodisch, ein bißchen "altes-Englischlehrerinnen-Fräulein", ein bißchen ungewohnt für "die Generation T-Shirt", aber Abnäher sind Freundinnen: sie schaffen die Dreidimensionalität, die dreidimensionale Frauenkörper brauchen!

Damit ich in Zukunft nicht immer so nen Schißhase bin, so ein unglaublichen Bohai mache und unzählige Verdrängungsstrategien entwickele, um mich vor den ungeliebten Schnittänderungen zu drücken und, um vielleicht die eine oder andere Frau mit viel Busen ermuntert wird, sich auch an eigentlich zu kleine Schnittmuster zu wagen, habe ich eine kleine FBA-Fotolovestory für euch zusammengestellt.




Da ich den Schnitt auf Folie kopiert und auch mit Folie verändert habe, sieht man auf den Fotos, die ich von dem Prozess gemacht habe nicht viel. Wäre ich ein Computergenie, hätte ich ein tolles, bebildertes, professionelles Tutorial erstellt - so blieb mir nur der hemdsärmelige Weg: ich bastelte einen kleinen Papierdummie des Schnittteils für das Vorderteil und machte an diesem eine FBA und Schnittanpassung analog zu meinem gestrigen Vorgehen.

Das Schnittteil sieht so komisch aus - also nicht, wie ein typisches normales, gerades Vorderteil - da rechts der Kragen schon angeschnitten ist und die rechte untere Ecke gerundet ist. Links ist das Armloch und die Seitennaht. Vielleicht wäre es leichter, sich die FBA an einem "konventionellem, einfachem Schnittteil" anzusehen, aber solche Bilder gibt es schon im Netz. Ich zeige euch die FBA für Gerties Suit Jackett, damit ihr seht, dass das auch bei komplizierteren Schnitten möglich ist.





Zuerst habe ich mir das Folien-Vorderteil so angehalten, dass die Schulternaht auf der Schulter sitzt und das Armloch ungefähr dort, wo es hingehört. Dann habe ich mit einem Folienstift den Brustpunkt, markiert. Das ist die dickste Stelle, dort, wo die Brust am meisten Platz braucht. Allerdings nicht genau dort in der Mitte, sondern ca. 1-2 cm Richtung Seitennaht versetzt, damit der Abnäher nicht dort, sondern etwas mehr seitlich endet. Das ist das rote Kreuz auf dem Bild.




Den vorderen Armausschnitt habe ich vermessen und gedrittelt. Die Markierung am Armausschnitt liegt zwischen dem ersten und zweiten Drittel. Von dieser Markierung male ich eine Verbindungslinie zum Brustpunkt.



Vom Brustpunkt aus habe ich eine blaue senkrechte Linie nach unten gezeichnet und eine waagrechte grüne Linie Richtung Seitennaht (das ist dann die Höhe, auf der der Brustabnäher sitzt).



Anschließend habe ich entlang der blauen und der roten Linie das Schnitteil eingeschnitten - allerdings nicht komplett bis zur Armrundung. Meist sichere ich das mit einem kleinen Stück Tesafilm, damit es mir dort nicht auseinander reißt. Die grüne Linie habe ich von der Seitennaht bis kurz vor den Brustpunkt eingeschnitten (auch dieser Stelle spendiere ich überlicherweise einen Tesafilm). Anschließend habe ich das eingeschnittene Teil so auseinander gezogen, dass der lange senkrechte Schlitz parallel liegt - so weit, wie ich eben die Verbreiterung brauche (Differenz meiner Brustweite zu Brustweite im Schnitt geteilt durch 2). Beim Auseinanderziehen öffnet sich der "Abnäher" in der Seitennaht.



Diesen auseinander gezogenen Schnitt klebe ich auf ein neues Papier bzw. fülle die Lücken mit Folie. Die Lücken habe ich auf dem Papiermodell grün gemalt. Ihr seht auch, dass die linke Seite nun etwas länger geworden ist, deswegen mußte ich die rechte Seite freihändig auch verlängern und die Rundung selbst neu einzeichnen.



Das wäre nun die FBA. Da das Design des Suit Jackets aber auf den senkrechten Abnähern beruht, hätte ich es doof gefunden, diesen zusätzlichen seitlichen Abnäher zu haben. Ich erinnerte mich daran, dass ich schon mal in dem Buch "Sewing for Plus Sizes" von Barbara Deckert gelesen hatte, dass man Abnäher auch verlegen kann. Davor hatte ich natürlich auch wieder Bammel.

Diese Angst war allerdings unnötig, denn das war, wie ich beim Nachlesen und Ausprobieren herausfand, sehr einfach: frau schneidet einfach die eine Linie des Brustabnähers ein und macht einen weiteren Schnitt dorthin, wo der neue Abnäher hin soll - in meinem Fall von der Taille senkrecht Richtung Brustpunkt. Wenn dann der Abnäher zusammen geschoben wird, öffnet sich unten der neue Abnäher. Zauberei? Nö! Das neu auseinander gezogene Schnittteil habe ich auf gelbes Papier geklebt, damit ihr sehen könnt, was neu dazu gekommen ist.



Anschließend maß ich die Breite meines neuen Abnähers auf der Höhe der maximalen Breiten der alten Abnäher aus, addierte diese neue Breite zu den alten maximalen Breiten und teilte durch 2 (da ich ja nur zwei senkrechte Abnäher haben wollte, um beim Original-Design zu bleiben) und um auf die ungefähre Breite der Abnäher zu kommen. Diese neuen zwei Abnäher malte ich freihändig ein. Ich tat dies ziemlich ungenau, weil ich sicher war, dass die optimale Menge, die abgenäht werden muß, sich sicherlich am Besten am Modell selbst abstecken lassen wird. Wichtig war mir die Position der Abnäher, die ich mir auf dem Foto genau anschaute.





Und dann nähte ich spätabends das Probeteil, bibbernd! Die twitter #Nähnerds fieberten live mit und unterstützten mich virtuell. Ich schlich mich ins Badezimmer und probierte es zitternd über. Hossa! Ich war und bin sehr glücklich, dass das Rückenteil gut passt und ich nur noch minimale Änderungen vornehmen muß: den Rücken minimal breiter, damit ich was unter das Jackett ziehen kann, die Abnäher ein kleines bißchen verlegen und die vordere Rundung noch etwas verschönern. Das sind aber Details, denn das große Ganze scheint zu funktionieren und überhaupt verhält sich der richtige Stoff dann sowieso wieder ganz anders, als das Probeteil. Diese weiteren Änderungen mache ich auch "freihändig", das lernte ich im Praktikum, mit etwas Mut und gesundem Menschenverstand freihändig (aber natürlich mit Lineal) Schnittänderungen zu zeichnen. Ich kann es kaum erwarten, mit dem Originalstoff zu beginnen!

Neugierig, was es sich mit dem Kostüm Sew Along auf sich hat? Mehr Informationen über Plan und Zeitplan finden sich hier. Die aktuelle Linkliste für Teil 2 gibt es auf dem Me Made Mittwoch Blog und mein KSA-Post-Teil 1 ist nun auch hier verlinkt. Danke, liebe Catherine, für Inspiration und Organisation!




Mittwoch, 18. September 2013

MMM - als Stoffzwilling



Na, kommt euch was bekannt vor? Stimmt, schon wieder ein Ajaccio von der Schnittquelle. Ich weiß, ich wiederhole mich - gerne. Aber ich kann auch "in Baumwolle". Die anderen Ajaccios waren alle aus Viscosejersey; dieses ist etwas muckeliger.

Auch der Stoff kommt euch sicherlich bekannt vor. Ihr habt ihn sicherlich schon bei Frau Sachenmacherin,  Frau Rieger , Frau Herzenssachen, Frau WollixundStoffix entdeckt und Frau talentfreischön hat ihn auch gerade noch mal erstanden, nachdem sie ein Kleid daraus nähte, dass sie nicht mag. Er ist vom Maybachufer und diverse reizende #Nähnerds haben ihn gekauft - ich bin sicher, er schlummert noch in weiteren Lagern oder ist schon vernäht. Wie wäre es mit einem Kaffeekränzchen als Stoffzwillinge?


Beute vom Berlinbesuch im Mai


Noch ein paar Details?

  • Schnitt Ajaccio von Schnittquelle
  • Säume wie immer nur gezickzackt. 
  • Ärmel von einem anderen Schnittquelle Jerseykleidschnitt übernommen. Die Armlöcher habe ich dann dementsprechend auch leicht korrigiert. 

Zuerst mit roten Schuhen, dann aber doch die petrolfarbenen Waldviertlerschuhe (Modell Balla) gewählt, weil sie so schön zur Handtasche und den kleinen türkisen Details auf dem Stoff passen. 



Ich leide, trotz muckeligem Kleid, gerade etwas, draußen ohne Strümpfe und gestehe, ein paar hautfarbene Strumpfhosen in der Tasche herumzutragen. Da ich aber draußen darüber einen langen Mantel trage, versuche ich den Start in die Strumpfhosensaison noch so lange wie es geht herauszuzögern. Zuhause habe ich natürlich Kuschelsocken an; die sind zwar wenig kleidsam, aber wieder Name sagt kuschelig. 

Mehr wunderbare selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr heute, wie immer Mittwochs, auf dem Me Made Mittwoch Blog heute mit der vereinsamten Frau eben-Julia als Gastgeberin, die ein rattenscharfes Kostüm anhat. Ich bin sowas von verliebt in die Karos und nun auch wieder sehr motiviert, meinen Beitrag für den #KSA, den Kostüm Sew Along endlich anzugehen..... obwohl, ich hätte da noch einen neuen hübschen Jersey, der gerade in der Waschmaschine dreht......

Dienstag, 17. September 2013

So geht's einigermaßen mit dem verflixten Lace



Ob wir wirklich dicke Freundinnen werden, das Lace Garn und ich, steht noch in den Sternen. Es fühlt sich zwar schön an, aber es ist schon verdammt dünn.

Nach dem Reinfall mit dem klassischen Lace-Tuch versuchte ich nun die Strickanleitung für den bewährten Rüschenschal. So könnten wir zusammen finden, denn es gibt genügend Strecke, die einfach kraus gestrickt wird und trotzdem noch feines Loch-Muster am Rand.





Doof ist nur, dass ich schon einen blauen Rüschenschal habe und jetzt unzählige Leute "hier" rufen werden, dass sie einen blauen Rüschenschal gebrauchen könnten. Aber ob ich so selbstlos bin mit einer Handarbeit, die nur mäßig Spaß macht?


Montag, 16. September 2013

Service-Post



Da mein Mailprogramm gerade Probleme macht, ein Service Post für Friedel:

Das Tuch, das ich zur Zeit häkele ist nach einem Gratismuster von Drops. Ich habe es schon mal gehäkelt, allerdings ohne die Bordüre. Diese hatte ich, schon fertig, wieder aufgeribbelt, weil die eher zarte Bordüre nicht zu dem eher rustikalen Tuch passte. Leider habe ich aus meinem Fehler vom ersten Tuch nicht gelernt und habe schon wieder zu wenig Wolle dafür.

Das Lace-Stricken habe ich, nach dem dritten Anlauf, aufgegeben - siehe oben. In meinem Leben ist wenig Zeit und Muße, in der ich konzentriert Handarbeiten kann. Als nächstes werde ich probieren, ob ich vielleicht den Rüschenschal in Lace stricken kann - das käme meiner derzeitigen geistigen Kapazität entgegen.

Wie viel Wolle ich für die Hexagondecke bisher verbraucht habe und ob meine bestellte Menge reicht, kann ich derzeit gar nicht sagen, weil ich hier unendlich viele fertige Blumen habe, die ich noch nicht zusammen gehäkelt habe. Irgendwann muß ich dann auch noch die halben Hexagone für den Rand häkeln. Die Mengenangaben von rosa.p. habe ich auf die andere Lauflänge für Baby Merino umgerechnet, in dem ich die Anzahl der Knäul mit der Lauflänge multiplizierte und dann durch die Lauflänge des Baby Merino teilte und auf die entsprechende Anzahl Baby Merino zu kommen. Meinen Schmierzettel zum Ausrechnen finde ich nicht mehr und da ich die Wolle zum Geburtstag geschenkt bekam, habe ich auch keine Bestellbestätigung. Du mußt also selbst noch mal rechnen. Im Moment gehe ich davon aus, dass das Ausrechnen irgendwie hinkommt und dass ich nur eventuell eine kleine Menge in hell und/oder dunkelgrau nachbestellen muß, wenn ich die grüne Baby-Alpaca für das Häkeltuch nachbestelle.

Samstag, 14. September 2013

Nähnerd Prokrastination



Um mich vor den Schnittänderungen für das Suit Jacket für den #KSA, den Kostüm Sew Along, zu drücken, entschied ich mich dazu, endlich mal einen der 60er Jahre Schnitte aus den Heften abzupausen, die ich vor Monaten von Swinging Cat kaufte. Für den Sommer schien mir so ein Kleid wenig geeignet, also verschob ich, trotz Ungeduld und Neugierde, das Vorhaben auf den Herbst.

Obwohl in den 60ern bestimmt nicht mit Romanit-Jersey gearbeitet wurde und dieses Kleid eine Stoffempfehlung für Wollstoff hat, habe ich vor, das Kleid aus blauem, schon vor längerem gekauftem Romanit zu nähen. Letztlich ist das Nähen mit Romanit auch nicht so passformsensibel, so kann ich "ein wenig drauf losnähen" und muß nicht allzu verängstig sein, dass es nicht passen könnte, obwohl ich noch nie vorher mit einem Originalschnittmuster von vor 50 Jahren genäht habe.




Vor dem Vergnügen stand aber auch bei meinem ersten Retrokleid die Mühe. Das Pausen war wahrlich kein Vergnügen, obwohl es sich bereits um einen zweifarbigen Schnittbogen handelte - für die Linien mußte ich mich tatsächlich strecken! Es dauerte eine Weile, bis ich das System verstand und eine weitere Weile, bis ich die vier Schnittteile für das Kleid abgezeichnet hatte. Glücklicherweise war ich aber anschließend soweit motiviert, mich dem wesentlich müheloserem Pausen der Schnittteile für den KSA zu widmen. Daran sieht man mal wieder, wie wunderbar Prokrastination funktioniert.

Mittwoch, 11. September 2013

MMM - schlecht getarnt ist halb gewonnen



Ok, ok, es ist wieder ein Ajaccio - aber ihr könnt ja auch bei den anderen unzähligen hübsch gekleideten MMM-Teilnehmerinnen schauen, wenn es euch hier zu langweilig wird. Ich mag sie, meine Lieblingskleider und bin so glücklich, einen Schnitt gefunden zu haben, der zu mir und meinem Körper passt.

Heute ein Ajaccio in einem Viscosejersey, der mir auf dem Ballen vorkam, als wäre es ein Retromuster - als Kleid wirkt es allerdings eher wie ein Tarnmuster. Angeblich ist so etwas derzeit in - nun ja. Ich mag die Farben und hatte mich, als ich im Winter diesen Stoff kaufte, schon sehr darauf gefreut, ihn im Spätsommer zu nähen und zu tragen; doch mein Lieblings-Ajaccio ist es nicht. Aber das muß es ja auch nicht, schließlich habe ich derzeit ja noch 6 andere und sie werden getragen und getragen und getragen. So ein (dünner) Jersey ist ja auch so praktisch, einfach in die Waschmaschine, aufhängen und wieder anziehen.




Angeregt durch meine Gedanken zum Thema und die Diskussion zu meinem Blogbeitrag "Zu adrett oder zu kompliziert für die Welt", habe ich heute Mary Janes Crocs an, die eigentlich nicht optimal zu dem Kleid passen. Mein Kriterium nach alten Sehgewohnheiten: feiner Stoff, femininer Schnitt = zartere, elegantere Schuhe sind notwendig. Nach dem ich ja eine Weile über das Thema nachdachte, beschloß ich bewußt, Stilbrüche auszuprobieren und einfach mal herauszufinden, wie sich das anfühlt, wenn ich "richtig" oder "passend" einfach mal anders definiere.  Ich hätte auch noch andere Crocs, die etwas schicker, weil schmaler sind, aber heute habe ich längere Strecken vor mir und werde viel stehen, so dass Komfort vor Schönheit geht. Ich habe beschlossen, dass es ok ist, meine Sehgewohnheiten und die der anderen, mal ein wenig zu provozieren. Und sooo schlimm ist es auch nicht. Könntet ihr euch daran gewöhnen?

Die anderen MMM-Teilnehmerinenn tragen bestimmt schon Stiefel. Das finde ich, als frühherbstliche Kombination zu dünnen Sommerkleidern auch sehr schick, aber da ich eine begeisterte "Nacktfüßlerin" bin, trage ich stets so lang es irgendwie geht, luftiges Schuhwerk ohne Strümpfe. Die Stiefel werde ich den lieben langen Winter schon noch lange genug tragen. Da bin ich noch nicht heiß drauf - auch wenns natürlich sehr schick aussieht.

Mehr wunderbare selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit der lieben Frau Kirsche als Gastgeberin, wie gewohnt entzückend und diesmal wieder sommerherbstlich mit der allerliebsten Baisserwolken unterm Kleid.


Dienstag, 10. September 2013

Der Schweinehund schlich sich von hinten an und überholte



Ich weiß, ich weiß, das was rauskommt, ist völlig verschieden. Niemand behauptet, dass es sich, obwohl beides Dreieckstücher werden können, um austauschbare Produkte handelt. Das eine ist ein Hauch von nichts und das andere ist eben eine Häkeldecke zum umwickeln.

Doch ich bin schon beeindruckt, dass je ein Abend Lace-stricken und ein Abend häkeln, so unterschiedlich große Ergebnisse produziert. Damit meine ich nicht, dass Nadelstärke 4 und dickere Wolle (Drops Alpaca Silk) eben etwas anderes ist, als Nadelstärke 3 und Lace-Garn (Drops Lace Garn). Und sicherlich hat meine ausdauernde Häkelei der letzten Wochen auch eine gewisse Routine und Schnelligkeit erzeugt. Vermutlich tat auch das langweilige Fernsehprogramm noch seinen Beitrag dazu.

Ich bin gespannt, ob ich das Lace-Ding bei Gelegenheit noch mal in die Hand nehme, aber erst einmal häkele ich das zartolivgrüne Tuch fertig.

Montag, 9. September 2013

Das Durchhaltedilemma



Eigentlich war es eine gute Idee, im Mai-Sale bei Lanade schon mal etwas Material für Weihnachtsgeschenke zu bestellen. Eigentlich. Optimistisch bestellte ich drei Stränge "Drops Lace", die häufig gehört und gelesenen Kommentare ignorierend, die feststellten, dass "Lacestricken so gar nichts für sie sei". Pah, dachte ich, ich bin doch eine geübte Strickerin und überhaupt habe ich so was schon mal in der Art gemacht und außerdem fühlt sich Seide toll an. Am Wochenende hatte ich etwas Ruhe und Muse, ein Laceprojekt zu beginnen.

Vor dem Vergnügen stand die Arbeit, den Strang zu einem Knäul zu wickeln. 800 m können verdammt lang sein. Ich war schon mittelmäßig genervt bevor ich überhaupt angefangen hatte, zu stricken. Nachdem ich ungefähr 30 Reihen gestrickt hatte, mußte ich mir eingestehen, dass die Nadelstärke wohl zu dick gewählt sei. Aufribbeln ging nur schlecht. Schlecht gelaunt warf ich den Fetzen in den Müll. Ich mag einfach nicht mehr mit Metallnadeln stricken, sondern bevorzuge mittlerweile die Holznadeln von Knit Pro, aber die richtige Nadelstärke hatte ich trotz mittlerweile reichhaltiger Auswahl leider nicht. Ich entschied mich für eine wesentlich kleinere Nadelstärke, eine weise Entscheidung, nun kann man einigermaßen erkennen, was ich strickte. Aber schön ist etwas anders und Spaß macht es auch nicht.

Beim Musterstricken warte ich immer auf den Moment, wo ich nicht mehr auf die Anleitung schauen muß, weil mir das Muster in Fleisch und Blut übergangen ist. Die Frage ist stets, wie schnell geht das bei einem neuen Muster geht. Wann schmeiße ich das Muster in die Ecke und entscheide mich für ein Anderes, weil mir der Rapport einfach nicht logisch ins Hirn eingebrannt ist. Bei glatter Wolle, die relativ fest verstrickt wird, geht es schnell: habe ich das Muster ein oder zweimal gestrickt, brauche ich die Anleitung nicht mehr (für das Muster). Bei Lace ist es etwas anderes. Diese Lockerstrickerei hat zur Folge, dass vor dem Spannen noch nicht wirklich viel vom Muster zu sehen ist. Ganz abgesehen davon, dass eine Reihe bzw. eine Reihe von Reihen schon ihre Zeit braucht, bei dem dünnen Garn, das eben nicht selbstverständlich von den Nadeln gleitet.

Jetzt sitze ich hier, schaue auf das kleine Dreieck und zweifele, ob ich daran weiter mache. Recht bald, noch weit vor Weihnachten brauche ich ein Geschenk - ob es wirklich ein Lacetuch sein muß? Wäre es nicht besser für meine Nerven, würde ich etwas wohlgehütetes Alpaca-Silk aus dem Lager holen und das Tuch noch einmal häkeln, dass ich letzte Weihnachten einer Freundin machte? Alpaka-Silk fühlt sich auch schön an und das Häkeln verschafft mir sicherlich ein schnelleres Erfolgserlebnis. Crafteln soll doch Spaß machen! Aber kaum denke ich das, sitzt das "Lenorgewissen" auf meiner Schulter und ermahnt mich, noch ein bißchen durchzuhalten. Vielleicht bin ich ja kurz vor dem Durchbruch, erkenne nach ein paar Reihen mehr schone etwas von dem Muster und habe die Logik des Musters intellektuell durchdrungen und auswendig im Kopf? Das Erfolgserlebnis, eine neue Herausforderung gemeistert zu haben, wäre doch eigentlich noch schöner, als nur ein schnell fertiges Tuch zu haben. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Was bleibt zu tun? Durchbeißen? Ein UFO riskieren, weil das Lustprinzip das Häkeln wählt? Es bleibt spannend.

Sonntag, 8. September 2013

Kostüm Sew Along Teil 1: Schnitt und Stoff





Eigentlich ist mit dem Bild schon alles gesagt: ich nähe eine Kostümjacke, ein Jackett oder wie auch immer das Ding dann heißen mag und dann schaue ich weiter.

Das da oben ist der Stoff. Es ist ein braun/schwarz/grau gesprenkelter Tweed, eher braun, aus einem Viskose-Gemisch und ein dezentes beige/gräuliches Acetatfutter. Der geplante Schnitt ist - wie bei vermutlich vielen Teilnehmerinnen des Kostüm Sew Alongs, kurz KSA - der Jacken Schnitt aus Gertie's New Book for Better Sewing. Haha, voll streberinnenmäßig, ist das doch genau der Schnitt, der auf dem Bild-zum-Mitnehmen, für den Sew Along abgebildet ist.




Den Schnitt habe ich ausgesucht, da er mich ein wenig an mein gestricktes Frühlingsjäckchen erinnert. Eine taillierte Form mit Schößchen empfinde ich für mich als sehr vorteilhaft. Außerdem hoffe ich, dass durch die Abnäher eine gute und einfache Passformanpassung möglich ist. Einziger Nachteil: ich brauche eine FBA (eine Vergrößerung der Brustweite). Das heißt, vor dem Vergnügen steht die Vergrößerung des Schnittes und ein Probeteil.

Aufgrund dieses Mehraufwandes, ist mein Plan für den KSA auch erst einmal nur ein Jäckchen zu nähen und dann weiter zu sehen. Ist das Jäckchen toll und relativ problemlos zu nähen, dann nähe ich noch ein richtiges Kostüm aus einem eher farbenfrohen Stoff (oder zumindest mit richtig knalligem Futter), dann auch am liebsten gleich mit Rock und Kleid zum kombinieren. Das habe ich schon immer so gehandhabt, wenn mir Kaufkleidung diesen Wunsch erfüllte: mehrere passende Unterteile zu einem Jackett schaffen mehr Kombinationsmöglichkeiten, vor allen Dingen, wenn frau auf Reisen ist.

Sollte das Jäckchen nur so lálá werden, dann habe ich eben ein einigermaßen nettes Alltagsjäckchen, dass aufgrund seiner Farbgebung die Eigenschaften einer Jeansjacke hat und doch viel schicker ist. Sollte das Probeteil oder das Jackett gar nichts werden, dann schaue ich, ob die Mühe auf mich nehme und noch mal nach einem anderen Schnitt (in der richtigen Größe!) forsche. Vielleicht werde ich ja durch den KSA auf einen tollen Schnitt aufmerksam gemacht.

Fragen!

Eigentlich habe ich alles Material zusammen: Oberstoff, verschiedene Sorten Einlage, Schulterpolster und beziehbare Knöpfe. Aber..... Aber mir ist immer noch nicht klar, ob das, welche Sorte Einlage für den weichen, etwas elastischen Stoff geeignet ist und wohin überall Einlage gehört. Catherine riet mir, das Jäckchen "einfach so" zu nähen und mich nicht an Gerties Anleitung zu halten, das beantwortet aber nicht meine Frage, ob ich vielleicht irgendwo so eine Zwischenstofflage brauche und wohin Bügeleinlage kommt.

Habt ihr Ideen dazu? Das wäre toll!

Ich bin sehr gespannt, was ihr für Schnitte und Stoffe ausgewählt habt, welche Probleme und Fragen auftauchen, aus denen wir lernen können - kurz, ich freue mich sehr auf unsere gemeinsame Zeit beim Kostüm Sew Along. Danke fürs Organisieren, Catherine!


Freitag, 6. September 2013

Millionen von Omas können sich nicht irren




Gestern hatte ich Lust, das Ming-Vasen-Kleid anzuziehen, denn die versprochenen sommerlichen Temperaturen könnten womöglich zu den letzten Sommertage für dieses Jahr gehören und damit zur letzten Gelegenheit für lange Zeit, das neue, schöne Kleid noch einmal zu tragen. Dafür opferte ich sogar ein paar Minuten Morgenhektik, um das Kleid zu bügeln. 

Die versprochenen Temperaturen und meine Bedenken bezüglich des Gürtels, ließen mich auf Gürtel und Petticoat verzichten. Ich warf das Kleid über Körper mit Unterwäsche, kombinierte es auch noch rustikal mit silbernen Birkenstocks und..... und.... war glücklich. Ich war glücklich, denn was ich trug war bequem, luftig und trotzdem besonders. 

Da das Kleid zweiteilig zusammengenäht und tailliert ist, hatte ich nicht das Gefühl, einen Sack zu tragen, nur weil ich Petticoat und Gürtel wegließ; die Menschen um mich herum, starrten ohnehin auf das verrückte Muster und bewunderten die Paspeln. Und dann fiel mir ein, dass es wenigstens obenrum "ein STOKX" ist und dass STOKX für Bewegungsfreiheit, Eleganz für den Alltag und über das moderne Frauenleben im urbanen Dschungel steht. Und fühlte es sich genau so, genau richtig an. 

Natürlich kamen mir dann noch ein paar Gedanken, wie ich das nächste dieser Art noch optimieren könnte, um es noch "stokxiger" werden zu lassen, wie wäre es z.B. mit noch größeren Taschen, mit einer noch akzentuierteren Taillierung im Vorderteil und einer Paspel in der Taillennaht. Aber darüber spreche ich bei Gelegenheit mit "Frau STOKX", meine Freundin und Praktikumschefin und jetzt genieße ich es heute auch noch einmal, mein herrliches Kleid noch einmal zu tragen. 

Das heißt jetzt nicht, dass Gürtel und Petticoat entsorgt werden. Im Gegenteil! Ich werde dieses Kleid und andere Kleider ganz bestimmt auch wieder mit Gürtel und Petticoat tragen und diesbezüglich weiter experimentieren! Aber alles zu seiner Zeit! Ich finde es ganz hervorragend, wenn ein Kleidungsstück in schick und aber auch im Alltag funktioniert, denn dann kann ich nach dem Lustprinzip entscheiden, was ich genau an diesem Tag, in dieser Stimmung für diese Gelegenheit daraus mache. Und wenn die Assoziation "Kittel" aufkommt, tröste ich mich mit Frau Stokx Worten: "Millionen von Omas können sich nicht irren!" und erfreue mich weiter an meinem neuen Kleid. 

Mittwoch, 4. September 2013

MMM - im Lieblingskleid



Heute soll der Sommer noch mal zurück kommen. So recht kann ich das nicht glauben, denn das Wetter der letzten Tage war uzzelig herbstlich. Aber egal, ich will es einfach glauben, denn sommerliches Wetter ist eine gute Möglichkeit, mein Lieblingskleid der letzten Wochen noch mal anzuziehen. Außerdem muß ich heute extern arbeiten und da geht es erfahrungsgemäß heiß her. Morgens ziehe ich einfach nen Regenmantel etwas drüber.

Ich weiß, ihr könnt es schon nicht mehr hören, aber für alle, die es noch nicht wissen, dies ist ein Kleid nach dem Schnittmuster Ajaccio von der Schnittquelle und ich habe in den letzten Monaten davon 7 (in Worten "sieben") Kleider genäht. Warum? Weil es ein schnelles und sicheres Erfolgserlebnis ist, weil ich sie gerne mag und weil ich denke, dass sie mir gut stehen. Und ich werde noch mehr Jerseykleider in gedeckten Farben mit längeren Ärmeln für die dunkle Jahreszeit davon nähen, darauf könnt ihr euch schon mal gefasst machen.



Falls ich euch überzeugt haben sollte und ihr wollt es mir nachtun, so verrate ich euch noch ein paar Details.

  • ich habe das Brustteil etwas vergrößert. Einfach den unteren Bogen und die vordere Mitte etwas großzügiger gemalt, als ich das Schnitteil auf ein Bogen Packpapier legte. Original passte es zwar schon recht gut, war aber etwas zuppelig. 
  • auf die Schulternähte und in den hinteren Ausschnitt nähe ich entweder nicht dehnbare Bänder (die ich aus neuen Kauf-T-Shirts rausschneide) oder ich bügele darauf Nahtband, damit sich das Kleid nicht unendlich dehnt und sich selbständig macht. 
  • die Bändchen, die die vordere Raffung erzeugen, nehme ich aus dem Vorrat - meist Webbänder, die ich hässlich finde und die aus unerklärlichen Gründen irgendwann Einzug in mein Lager nahmen. 
  • Säume und Ausschnitt nähe ich "schnell schnell", in dem ich den unversäuberten Saum einmal umklappe und dann mit einem dreifachen Zickzack oder einem normalen Zickzack festnähe. Seit dem ich mich von dem "Zwang zur Zwillingsnadel" sprich  dem "Zwang, ein Saum möge so aussehen wie bei einem Kaufshirt" freigemacht habe, werden meine Projekte viel schneller fertig. 
Gehüpft und getanzt habe ich für das Shooting natürlich auch:


Ich trage übrigens Rücken-und-Fuß-freundliche Crocs. Ein Vorgänger dieses Modells. Mit Glitzerstein auf der Seite. 

Mehr selbstgemachte Outfits an echten Frauen findet ihr wie jeden Mittwoch auf dem Me Made Mittwoch Blog - heute mit der neuen Kollegin mit den kurzen Haaren der wunderbaren Catherine als Gastgeberin, die allerdings in einer anderen Zeitzone zu leben scheint, mit Kostümchen und Stiefeln. Ich nehme das einfach als Vorbild und freue mich schon mit ihr auf den Kostüm Sew Along (#KSA). 

Montag, 2. September 2013

Zu adrett oder zu kompliziert für diese Welt?

Ich versprach euch letzten Mittwoch, euch an meine aktuellen Gedanken teilhaben zu lassen. Hier sind sie, wie immer noch nicht bis ans Ende gedacht und bin gespannt, was ihr dazu sagt.Ausgangspunkt meiner Überlegungen war ein Satz bei Frau Nahtzugabe, der mich schwer beschäftigte.

"Das Naheliegendste, nämlich einen roten Gürtel oder gar noch rote Schuhe zum Kleid zu tragen, ist mir aus Abneigung gegen Komplettlooks nicht möglich. Ich fühle mich in diesem Kleid ohnehin schon übermäßig adrett."

Zuerst wollte ich kommentieren "aber nein, es macht doch so unglaublichen Spaß, Schuhe und passende Taschen in allen Farben zu haben und ist es nicht unendlich schick?", doch dann hielt mich das ipad mal wieder vom Kommentieren ab und ich hatte Gelegenheit, meine spontane Aussage noch mal zu überlegen. In den darauf folgenden Tagen merkte ich, dass etwas viel Spannenderes mit meinen Gedanken passierte, wenn ich die spontane Reaktion beiseite schob und das, was Frau Nahtzugabe schrieb ernst nahm.

Vielleicht war das genau die Begründung für mein Unbehagen bezüglich der Gürtel, nach der ich suchte? Ich habe mich zwar mit meiner Taille versöhnt, ich habe Gürtel gekauft und genäht, aber ich trage sie sehr ungerne. Zwei Dinge fallen mir offensichtlich mit mir und den Gürteln auf: 1. ich weiß nicht so recht wohin mit dem Ding und 2. egal, wie dehnbar sie sind, oder wie weit ich sie einstelle, sie drücken ungewohnt. An Punkt 2 kann ich mich sicherlich gewöhnen, aber Punkt 1 bereitete mir Sorgen. Da ich wenig Taille, aber dafür zwei Bäuche habe (einen normalen unterhalb der Taille und einen zweiten, den ich seit der Schwangerschaft unter dem Busen entdeckte), weiß der Gürtel nicht so recht, wo er hin gehört. Oft rutscht er mir direkt unter den Busen, was positiv formuliert zu einer Empiretaille führt. Negativ formuliert, erinnert mich diese Form von Taillierung an ältere Damen, die den Hosen- oder Rockbund auch dort so hoch tragen und deswegen einen merkwürdig verkürzten Oberkörper haben. Will ich so aussehen? Eher nicht.

Jetzt ist es auf Fotos so, dass "Kleid mit Gürtel" - frontal fotografiert - immer angezogener aussieht. Statt einem langen Kittel, wird es mit Gürtel ein adrettes Kleid. Fotos von der Seite mag ich weniger, die werden gelöscht und zwanghaft vergessen. Es bleiben also die adretten Fotos, für die ich Lob bekomme. Aber will ich adrett aussehen? Ist adrett nicht ein bißchen zu brav für mich? Der Gatte meint ja, er findet mich etwas weniger adrett etwas mehr Meike. Vielleicht ist es das, was Frau Nahtzugabe meinte?

Zweiter Punkt zum Thema: schicke Schuhe zum Kleid. Natürlich sehen schicke Schühchen immer hübsch aus. Keine Frage. Aber das Leben ist nicht jeden Tag für schicke Schühchen gemacht. Ab gesehen davon, drücken viele Kilos auch auf die Füße, so dass schicke Schühchen schon mal zur Qual werden können. Rustikales, bequemes Schuhwerk sieht aber nur bei zarten Elfchen gut aus (ihr wisst schon, die, die sich immer die zu langen Pulliärmel über die Handgelenke ziehen und im Boyfriendpullover ganz reizend hilflos aussehen), da ist es dann Stilbruch und unheimlich aufregend. Bei gestandenen Frauen, vor allen Dingen bei denen, mit unpopulärem Format, sieht es eben nach Bequemschuh aus.

Es sieht so aus, wenn ich meine Sehgewohnheiten nicht hinterfrage! Meine Sehgewohnheiten werden davon beeinflusst, dass es im Fernsehen, außer in den Reality-Soaps, keine Frauen mehr ohne Absatzschuhe in schwindelerregender Höhe gibt. Meine Sehgewohnheiten werden davon geprägt, dass es allgemein als richtig gilt, Röcke und Kleider mit Absatzschuhen zu kombinieren und viele Frauen eben mehr oder schmerzhaft durchs Leben stöckeln. Meine Sehgewohnheiten werden dadurch geprägt, dass Turnschuhe oder Dock Martins irgendwie in eine bestimme Lebensphase und Gruppe gehören. Und meine Sehgewohnheiten werden dadurch geprägt, dass die, die gar nicht mehr anders können, als auf Hackenschuhe zu verzichten, nämlich die Alten und Dicken, eben Bequemschuhe tragen - aber natürlich will ich lieber zu der Gruppe der anderen gehören und quäle mich entweder in unbequeme Schuhe oder mit einem schlechten Gewissen.

Die Frauenbiografien, die mich umgeben, sind geprägt von Brüchen. Ich kenne eigentlich keine Frau, die einen glatten, idealen Lebenslauf vorweisen kann, die stringent ihre Karriere, geschweige denn ihr Leben geplant und gelebt hat. Zahlreiche Umwege führten und führen zu schillernden Persönlichkeiten. Und zu Körpern, die das Leben zeichnete. Zu Körpern, die nicht so aussehen wie das, was die Medien uns zeigen. Wieso sollten wir also nicht Mut haben, diese Brüchen auch Ausdruck zu geben, sie zu zeigen, auf die Vielfältigkeit unsere Erfahrungen und Persönlichkeitsanteilen stolz zu sein. Vielleicht sollten wir den zarten Elfen die bequemen Schuhe nicht überlassen, sondern sie mit Stolz tragen, um damit stark auf beiden Beinen zu stehen. Das tun wir doch sowieso! (Wir könnten den Elfen ja dafür die Gürtel lassen...)

Das Fragezeichen in meinem Kopf entstand mit den Hemdblusenkleidern, die ich wunderschön finde, aber ungern anziehe, wegen des Gürtels und der Schuhe, und der damit verbundenen Frage, ob ich nicht einfach aufhören sollte, Hemdblusenkleider zu nähen, obwohl ich sie schön finde und meinen Petticoat liebe. Das liegt nicht nur am Bügeln! Trotzdem ich schon so viele Kleider genäht und Übergangsjahreszeiten überlebt habe, habe ich noch so viele Fragezeichen in meinem Kopf, welche Art von Outfit sich für mich richtig anfühlt. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht wirklich ein bißchen zu kompliziert für diese Welt bin. Das Leben war etwas einfacher, als ich Sommers wie Winters Jeans trug. Aber nur halb so spannend!