Montag, 29. Juli 2013

Das Wichtigste zum Schluß!




Zum ersten Mal wieder am richtigen Rechner nach gefühlten Monaten. So sehr, wie ich das iPadchen liebe, ist doch eine richtige Tastatur etwas ganz anderes. Die Häkeldecke geht voran, wenn auch gefühlt wenig systematisch. Das zweite Teilstück ist ein wenig gewachsen, hinzugekommen sind aber vor allen Dingen neue Blümchenkreise, denn nach wie vor ist mir nur selten danach, "ein Schaf auf dem Schoß liegen zu haben", um Kreise anzuhäkeln. Egal, nach dem Lustprinzip schnappe ich mir manchmal die Häkelnadel und habe ich mal keine Lust, lasse ich es einfach bleiben. Lustigerweise kommt langsam auch die Stricklust wieder, allerdings weniger Lust auf Fertigstellung von Strickjäckchen und Pullover, sondern eher so etwas wie "mal eben schnell ein Lacetuch dazwischenschieben". Mal schaun.

Und natürlich ist der Bombshell-Sew-Along nicht spurlos an mir vorüber gegangen. Natürlich will ich jetzt auch so ne Bombe! Aber da es wieder mal ums Vergrößern geht und ich nicht so recht weiß, wie ich das mit den Körbchen, die ich schon gerne reinnähen würde (aber nicht weiß, woher ich sowas bekomme und überhaupt), machen soll, drängelt sich das Projekt nicht so recht in mein Leben. Mal schaun. Erst mal die Nähmaschine aus der Inspektion abholen, das zugeschnittene Kleid nähen und dann sehe ich weiter.

Apropos Bombe!

Am Samstag waren wir en famille auf der hamburger #StopWatchingUs-Demo und ich war sehr enttäuscht davon, wie wenig Menschen ich dort sah und kannte. Das kann doch nicht sein, dass sich (fast) nur Programmierer und Admins dafür interessieren, dass nun noch nicht mal mehr klammheimlich mehr und mehr unsere Grundrechte beschnitten werden. Wo sind denn nur die Frauen! Ich weiß, das ist alles sehr komplex und wir alle, die unser Internet und unsere Smartphones lieben, würden uns lieber den Arm abhacken lassen, als auf Emails, Online-Shoppen, Suchmaschinen und das Smarthphone zu verzichten, ABER! ABER! Aber wir können es einfach nicht zulassen, stillschweigend hinzunehmen, als wäre nichts passiert und dass unsere Regierung so tut, als wisse sie nichts und wäre dafür nicht verantwortlich!

Ich bin, wie viele Frauen in meinem Bekanntenkreis, sehr politikverdrossen. Mich nervt das Stammtischgeschwafel der Männer im Bekanntenkreis, im Fernsehen und online, mich nervt es mehr und mehr Nachrichtensendungen zu sehen oder Zeitung zu lesen, geschweige denn Talkshows zu vertrauen. Ich habe das Gefühl, nichts ändern zu können und befürchte, dass die Würfel zur Wiederwahl von Frau Merkel ohnehin schon gefallen sind. Aber in den letzten Wochen fragte ich mich, wann ich merken soll, dass das jetzt der letzte Tropfen war, der das Fass zum überlaufen bringen könnte. Werde ich einen schleichenden Übergang von Politikverdrossenheit zu einem Überwachungsstaat und abgeschaffte Demokratie wirklich bemerken? Ich kann diese Frage wirklich nicht beantworten. Aber ich kann mich nur wundern, dass ich genau diese Verunsicherung in Gesprächen wenig spüre und höre. Zynisch höre ich aller Orten "ich habe nichts zu verbergen" - ja und?  Bei Felix Schwenzel findet sich ein guter Erklärungsversuch dazu, wieso sich so wenig Leute für Prism, Tempora und Konsorten interessieren - vial Vorspeisenplatte, aber noch gelungener finde ich das unten eingebundene Video von manniac!

In mir regt sich mehr und mehr das Gefühl, dass irgendwann mein Kind uns Eltern fragen wird, warum wir damals verdammt noch mal nichts bemerkt und unternommen haben. Und auch wenn ich nicht alles en Detail verstehe, kann ich doch fühlen, dass eine Bedrohung da ist und dass ich die Verantwortung habe, zumindest "Stopp" zu rufen und Erklärungen zu verlangen. Sascha Lobo hat dieses Gefühlschaos gut in Worte gefasst. Lesen! Geht es euch nicht auch so?

Ob Demonstrationen etwas bringen? Zumindest etwas Beachtung. Und mehr Demonstrationen bringen mehr Beachtung. Ich würde mich sehr freuen, wenn mehr Menschen ihrem Gefühl des Unwohlseins folgen würden und diesem Gefühl Ausdruck geben würden. In Worten und in Taten, in ihren Blogs, in Gesprächen und ja, auch auf der Straße.


Blümchen-Monat-Mai - Finale der Herzen

Huch! Da hätte ich doch  vor lauter Ferienstimmung und Hitze glatt das Finale der Herzen des Blümchen-Monats vergessen, hätte ich mich Frau Linkshänderin nicht daran erinnert. Danke!

Mein Foto ist noch nicht gemacht - vielleicht geht es euch ebenso, irgendwie ist ja zur Zeit Ausnahmezustand. Aus diesem Grund lasse ich die Linkliste ausnahmsweise mal eine ganze Woche offen und schreibe nächsten Montag noch mal einen Post zum Blümchenmonat, in dem die dann geschlossene Linkliste noch mal zu sehen ist. Ich vermute, das ist technisch möglich. Ihr habt also eine ganze Woche lang die Gelegenheit, einmal frisch geduscht in ein neues Blümchenoutfit zu steigen, dass ihr uns zeigen wollt.

Here we go!


Freitag, 19. Juli 2013

Mich gibts noch




Mich gibts noch, allerdings bin ich im Ferienmodus, weit weg von technischem Gerät und dem gefühltem Zwang, immer auf dem Laufenden sein zu müssen. Natürlich mache ich meine Leserinnen gerne glücklich, aber am Besten funktioniere ich nach dem Lustprinzip und dank Ferien mit Sommerwetter bin ich eben etwas "Off".

Gehäkelt habe ich aber trotzdem. Das ist der zweite Teil der Decke, die bei kühleren Temperaturen mit Teil 1 zusammengehäkelt wird. Als die Decke größer und größer wurde, war es kein Vergnügen mehr,Abends  mit einem halben Schaf auf den Beinen zu sitzen - also arbeite ich sozusagen am Zweitschaf.

Zugeschnitten habe ich heute erstaunlicherweise auch etwas: ein Hemdblusenkleid oben STOKX, unten McCalls und natürlich der McCalls-Kragen, den ich hoffe beim 3. Versuch noch ein bisschen besser zu Meistern. Schaun wir mal, noch ist die Maschiene in der Inspektion und ich im Ferienmodus. Ich hoffe, ihr habt auch die Gelegenheit, dieses herrliche Sommerwetter zu genießen. Wir lesen uns!

Donnerstag, 11. Juli 2013

3 Wochen harter Entzug



Ich habs getan, statt weiter hier über Nähdepression auf Luxusniveau herumzujammern, habe ich die Nähmaschine zur Inspektion gebracht. 2-3 Wochen Wartezeit. Schock! Aber so muß das sein, nur der harte Entzug kann richtig heilen.

Bevor ich sie wegbrachte, nähte ich noch schnell und dirty einen dringend benötigten Stoffbüdel, wie man in meiner norddeutschen Exilheimat sagt, oder wie man in meiner alten Heimat sagen würde "ne Dasch, die man in die Dasch stecke kann". Schnittmuster von hier (via Cat), Aufbügler, der mich den letzten Nerv kostete, weil er nicht halten wollte von der frischinfizierten Freundin und Stoffe aus dem Lager. Endlich findet der karierte Blümchenstoff mal Verwendung, denn ich konnte ihn an mir, obwohl ich ihn schön finde, irgendwie nie vorstellen. Taschen nähen finde ich furchtbar, auch wenn das nur die Light-Version einer Tasche ist, dennoch könnte ich mir bei bestandenem Praxistest vorstellen, den Büdel noch mal aus Kunstleder zu nähen. Geräumig ist er ja.

Die nächste Zeit bin ich also "ohne" und hoffe, anschließend wieder nählustig zu sein. Der Plan ist, in der Zwischenzeit möglichst viel in einem schattigen Garten zu sitzen, die Füße ins Planschbecken zu halten, zu lesen, zu klönen, zu häkeln und höchstens mal aufzustehen, um ein Eis zu holen. Alternativ wären auch lustige Tagesausflüge an die Ostsee oder in ein kühles Museum denkbar. Urlaub zuhause eben. Falls ihr in den nächsten Tagen nichts von mir lesen solltet, dann hängen wohl gerade die Füße im Planschbecken; falls ich es denn schaffe, mal ein paar Tage die Klappe zu halten.

Mittwoch, 10. Juli 2013

Häkelfortschritt


Einmal die Woche gibts die Häkelneuigkeiten. Den Fortschritt kann man, im Vergleich zu letzter Woche auf dem Foto kaum erkennen. Letzte Woche waren es 104 zusammengehäkelte Blümchen; Stand heute: 149 Blümchen.

Und ich habe vorgesorgt. Da ich nächste Woche viel unterwegs sein werde und keine Lust habe, stets ein weißes, zwei graue und 11 bunte Knäul Wolle mit mir herumzutragen, habe ich vorsorglich von jeder der 11 Farben 10 kleine Kreise gehäkelt. Sieht wirr aus, hat aber System. Der Vorteil: bei dem derzeit warmen Wetter ist das Zusammenhäkeln mit der mittlerweile schon recht wärmenden Decke nicht wirklich ein Vergnügen. Also wird jetzt erstmal wieder Blümchennachschub produziert und vielleicht an einem neuen Deckenstück, das anschließend angefügt wird, weitergearbeitet.







Die Anleitung zur Decke findet ihr hier bei rosa p.
Wie Fäden verhäkelt statt vernäht werden, zeige ich hier.
Wolle Drops Baby Merino gehäkelt mit Nadel 3,5 mm.

Dienstag, 9. Juli 2013

Nähdepression auf dem Weg der Besserung


Das Gefühl, nur, weil der Wetterbericht gut ist, mal eben schnell ein weiteres Sommerkleidchen nähen zu können, ist schon schön. Ein schnelles Erfolgserlebnis ist ein gutes Heilmittel für Nähdepression.
Die Heilung - wenn auch noch nicht vollständig eingetreten - geht sogar soweit, dass ich überlege, den obigen Stapel nächste Woche zu der frischinfizierten Freundin mitzunehmen, um statt nur zu klönen, gemeinsam etwas zu crafteln. Dabei hatte ich als Depressionsauslöser McCalls 4769, die mit dem Schnitt verbundenen Mühen in Verdacht, die in keinem Verhältnis dazu stehen, dass ich Kleider aus Webware gar nicht so gerne trage.

Das allerbeste Heilmittel gegen Nähdepression sind aber meine LeserInnen. Aufmunternde Worte, mir keinen Druck zu machen, gingen runter wie Butter, aber nur einer konnte mich retten: Prince Charming Herr Stoff-Charming sagte, dass die Ärmelchen meine Sanduhr-Silhouette unterstützten. Hach! Großes Hach! Da konnte ich gestern gar nicht anders, als das Kleid zu nähen und wie bereits oben erwähnt, sind schnelle Erfolgserlebnisse ganz hilfreich.... ich ziehe sogar in Erwägung, zur weiteren Heilung noch eine Tasche (via Cat) für den obigen Stapel zu nähen. Ich! Eine Tasche! Merkwürdige Auswüchse hat diese Nähdepression-auf-dem-Weg-zur-Heilung. Stoppt mich, wenn ich anfange für andere zu nähen!

Montag, 8. Juli 2013

Hachja ....

Es ist warm. Endlich Sommer. Ich trage ständig die Mittagspausenkleider. Es wäre also durchaus sinnvoll, die Nähdepression mal auszuknipsen und das dritte, bereits zugeschnittene Blümchen-Mittagspausenkleid anzugehen. Hachjaaaa, aber ich habe irgendwie keine Lust. Doof! Aber ich glaube, ich raffe mich jetzt doch auf, obwohl ich überhaupt keine Lust habe, nach einem Bändchen für die Raffung zu suchen und die Overlock auf schwarz umzufädeln. Boooah, bin ich unlustig.

Für das nächste Hemdblusenkleidprojekt liegt alles hier rum: toller Stoff, Schrägband und Kordel für Paspel, Knöpfe, Einlage, zwei Schnitte, die zusammengeführt werden sollen. Aber ich habe sowas von keine Lust. Schlimm ist das! Dabei wäre das auch ein herzallerliebstes Sommerkleidchen.


edit: Zwei Stunden später.

Ich hab's getan und es war gar nicht schlimm. Leidenschaft ist was anderes, aber es ist irgendwie schon klasse, mal schnell eben ein neues Kleid zu nähen, weil die Wettervorhersage gutes Wetter prophezeit. Also habe ich die Mittagspause etwas gedehnt und das bereits vor einiger Zeit zugeschnittene Ajaccio genäht. Witzigerweise sieht es viel eleganter aus, als ich es mir vorgestellt hatte, weil der Stoff - ein Beifang - sich etwas schäbig und hauchdünn anfühlt. Interessant. Jetzt wird es Probegetragen und Ende Juli, zum letzten Blümchentreffen, werde ich berichten und ein besseres Bild machen.


Freitag, 5. Juli 2013

Mit oder ohne Ärmel? Was erlaube ich mir?



Der Sommer soll nach kurzem Gastspiel demnächst ja wieder kommen. Zeit, um mir noch mal Gedanken über Kleidung für heiße Tage zu machen. Ausgangspunkt war die Frage, wieso ich eigentlich dieses Kleid vom letzten Jahr - siehe oben - so selten an heißen Tagen trage. Eigentlich ist es ein gutes Kleid für heiße Tage. Der Rock ist weit und luftig, obenrum lässt es viel Luft an die Haut. Der Jeansstoff ist ganz leicht, so dass es auch am Oberteil nicht schwitzig wird.  Es sitzt gut und sitzt damit auch gut auf den BH-Trägern. Ein schönes Kleid. Und trotzdem ist es nicht erste Wahl an sonnigen Tagen. Ich ziehe es eigentlich nur so an, wie auf dem Foto und das eigentlich viel zu selten, dafür, dass ich es wirklich mag. Eine zweite Version dieses Kleides, für die seit einem Jahr ein türkiser dünner Jeans mit einem ganz entzückenden gemustertem Schrägband hier herumliegt, will einfach nicht genäht werden.

Nachdem ich mir im Juni im Schnelldurchgang zwei Viskosekleider für heiße Tage genäht habe, weiß ich nun, wieso ich das Blümchenkleid so wenig trage: Ich fühle mich nackig, wenn ich es ohne Shirt darunter trage. Auch wenn die Ärmelchen an den Viscosekleidern, nach dem Schnitt Ajaccio, wirklich nur minimal sind, sie sind da und fühlen sich "angezogen" an. Sie sind so geschnitten, dass nur sehr wenig Stoff unter den Achseln ist und der dünne Stoff tut sein übriges dazu, den Körper bei heißen Temperaturen nicht unnötig zu belasten.




Nachdem ich gestern auf Fotos von 1992 entdeckte, dass wir damals nicht alle rasierte Achseln hatten, machte ich mir meine Gedanken über Achselhaare. In den letzten Jahren war ich nicht mehr so pedantisch beim Rasieren. Das lag vielleicht auch an der Tatsache, dass ich nicht mehr als Single durch die Welt streifte und mit Aufzucht und Pflege beschäftigt war, aber sicherlich auch daran, dass ich als Frau mittleren Alters mehr Selbstbewußtsein habe, und mich nicht auf rasierte oder nicht rasierte Achseln oder Beine reduzieren lassen will. Erst, seit dem ich seit wenigen Monaten ein Deo ohne Aluminium benutze (weil dieses in Verdacht steht, krebserregend zu sein), rasiere ich wieder etwas gründlicher, weil meine neuen Deomarken, nicht so gut funktionieren, wie das über Jahren Liebgewonnene. Im Zuge der Gedanken über Achselhaare und einiger Beiträge, die ich dazu im Netz fand (hier und hier zum Beispiel) , fragte ich mich, ob meine Vorliebe für Ärmel etwas damit zu tun hat, dass ich das Gefühl habe, schief angeschaut zu werden, wenn ich meine Oberarme und Achseln zeige, oder ob das vielleicht sogar tatsächlich geschieht.

Bin ich vielleicht in einem Alter - von der unpopulären Figur einmal ganz zu schweigen - in dem es nicht mehr "erlaubt" ist, "nur Träger" zu tragen? Menschen und Medien haben ja ganz furchtbare Ausdrücke dafür, wie Körper angeblich auszusehen haben, die jenseits der medialen Vorbilder sind. Ich denke da an Ausdrücke wie "Winkfleisch", die ich wirklich grässlich finde. In der Artikelserie von Frau Ohmmmm in der es um "Ent-Schwabbeln" geht finden sich einige dieser Art und obwohl ich die Beiträge lese, frage ich mich immer wieder dabei, warum ich das eigentlich mache, denn auch wenn es sich für diese Frau richtig anfühlt, fühlt es sich doch für mich falsch, falsch, falsch an.

Dass Kleider wie "Lorelady" nichts für mich sind, noch nicht mal für einen Strandurlaub, ist mir schon klar. Seit dem ich mehr Brüste hatte, die leider die A- und B-Körbchen schnell hinter sich ließen, war mir klar, dass ohne BH nicht geht und es gehört schon etwas Mut dazu, breitere BH-Träger zu zeigen. Ich denke dann mit großem Bedauern an die Zeit, als mir die Brüste wuchsen und ich nicht mehr das tragen konnte, was ich am allerliebsten hatte: rückenfreie T-Shirts. Als Kind der 70er waren diese rückenfreie T-Shirts für mich der Inbegriff von Attraktivität. Ich habe sie geliebt. Was habe ich geweint, als ich am letzten Tag, an dem ich sie trug, begafft wurde und mehrere Bemerkungen darüber hören mußte, dass mir nun Brüste wachsen. Fortan trug ich BH und "ordentliche" T-Shirts.

Vor ein paar Jahren (wann war das noch mal, Anfang des Jahrtausends?) sah ich überall auf einmal BH-Träger. Vorher gab es diese Bändchen, die in Trägerkleider genäht wurden, damit der Träger auch ja über dem BH-Träger saß und Spaghettiträger waren tabu für BH-Trägerinnen. Plötzlich war das anders. Plötzlich schien es andere BH-Träger zu geben und ich sah überall BH-Träger unter knappen Tops als das Normalste der Welt. Aber natürlich dünne Träger. Breite Träger wurden nach wie vor versteckt.




Im Zuge meiner Selbstermächtigung durch selbstgenähte Kleidung, fragte ich mich natürlich, ob es nicht auch ok ist, breite Träger zu zeigen. Ich finde ja, das ist ok. Wenn ich meine Vichy-Kleider trage, sieht man die Träger, das ist nicht zu vermeiden. Da ich die Kleider nur so "mittel" mag, ist es auch ok für mich, dass es so aussieht. Aber richtig gut finde ich es nicht. Es fühlt sich falsch an. Wie steht es dann mit der Selbstermächtigung? Gescheitert? Lüge ich mir etwas in die Tasche? Bin ich noch immer so geprägt von dem, was angeblich erlaubt oder verboten ist, dass ich mich schlecht fühle, wenn man meine breiten BH-Träger sieht?

Gleiches gilt für meine Arme. Während bei dicken Frauen gerne betont wird, dass sie doch ihre Vorteile herausstellen und die Nachteile kaschieren sollen, ist ein schönes Decoltée erlaubt, aber das zur Schau stellen von Oberarmen verboten. Ich habe den Eindruck, dass das der Grund ist, wieso ich meine Kleider mit den kurzen Ärmelchen dem Blümchenkleid vorziehe. Ich bin geprägt von der herrschenden Meinung und denke, dass ich hübscher beurteilt werde, wenn ich Ärmelchen trage. Dabei wollte ich doch nicht mehr kaschieren! Ich stehe doch immer auf den buchstäblichen Barrikaden und postuliere, das Kaschieren etwas Böses ist. Und trotzdem bin ich nicht frei davon, selbst, wenn es sich nur um ein paar Zentimeter Ärmelchen handelt.




Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich mir weniger Gedanken über so nen Kram machen würde, denn dann hätte ich mehr Zeit, mir so kluge Gedanken wie Antje Schrupp zu machen, welche heute ganz wunderbar darüber schrieb, die das Vergleichen sein zu lassen und in Anderen das Besondere zu würdigen: "Garbo statt Klum. Ein paar Gedanken zur Mittelmäßigkeit." Lesen!


Montag, 1. Juli 2013

Näh-Depression



Graue Wolken am Näh-Himmel von Frau Crafteln. Seit ein paar Tagen bin ich komplett in eine Nähdepression gefallen. Totale Lähmung. Sinnfragen. Was soll das Ganze? Warum nähe ich? Ich habe keine Lust mehr. Auf gar nix. Ich war sogar im Laden der Glücksmarie und habe nichts gekauft. Bin ich krank? MMM-Müde war ich schon länger, aber Lust auf neue Projekte hatte ich eigentlich stets: Stoffe, Schnitte und Fotos von interessanten Kleidungsstücken konnten mich immer wieder in Entzücken versetzen. Derzeit lässt mich das mehr als kalt. Ich habe hier schöne Stoffe und schöne Schnitte liegen und zucke nur mit den Achseln. So what? Keine Lust. Auf gar nix.

Also häkele ich seufzend vor mich hin. Da es sich schon ein wenig eingebürgert hat, zeige ich nach einer Woche den Fortschritt. Mittlerweile muß ich schon einfallsreich werden, um das Zwischenergebnis so zu fotografieren, dass etwas erkennbar ist. 104 Blümchen sind nun aneinander gehäkelt, ein paar habe ich noch auf Vorrat. Demnächst bin ich für ein paar Tage unterwegs. Was mache ich dann nur? Alle Farben mitnehmen, um Blümchen auf Vorrat zu häkeln? In den nächsten Tagen lauter bunte Kreise machen und nur weiß und grau mitnehmen? Ein kleines Stückchen Decke produzieren und diese dann Anhäkeln? Bisher habe ich reihenweise gearbeitet und in jeder Reihe alle 11 Farben untergebracht, aber ohne System so variiert, dass nicht zu eng Gleiche nebeneinander liegen. Wird das auch funktionieren, wenn ich zwei größere Stücke aneinander häkele?

Also jetzt mal ein bißchen Herbst-Pause nun ja, nenne wir es Sommerpause vom Nähen. Vielleicht bringe ich mal die Maschinen zur Inspektion, das würde denen sicherlich gut tun. Auf Stricken habe ich auch keine Lust, denn bei den drei halbfertigen Projekten (zwei Strickjacken und Pullover) fehlen nur noch die Vorderteile, an denen ich denken muß, um weiter zu stricken : verkürzte Reihen, Brustabnäher und so. Leider kann ich meine Kritzeleien zum Frühlingsjäckchen nicht mehr entziffern und muß es mir alles neu ausdenken. Achjeee, alles schlimm. Wie gut, dass ich wenigstens die Häkelblümchen habe. Seufz.