Mittwoch, 26. Juni 2013

MMM - heute mal wieder drüben als Gastgeberin




Die eher mäßigen Temperaturen, diese Woche, kommen mir ganz gelegen, um meinen Petticoat, der wahrlich nichts für heiße Tage ist, mal wieder auszuführen. Dafür brauchte ich natürlich ein neues Kleid!

In den letzten Tagen habe ich viel darüber nachgedacht, wie viele Kleider ich eigentlich "brauche" und wie es bei mir mit dem Nähen weiter geht. "Brauchen" ist sowieso relativ, das kennt ihr alle, aber ich schwanke in meiner Näh-Begeisterung zwischen alltagstauglichen, bequemen und vor allen Dingen auch schnell genähten Jerseykleidern und aufwendigeren Kleidern bzw. Kleidungsstücken mit Kragen, Einlage aufbügeln, Knopflöchern und Pi Pa Po. Schnelle Erfolgserlebnisse sind toll, aber ein bißchen "Zähne ausbeißen" und hinterher stolz darauf sein, gehört für mich als Nähnerd irgendwie auch dazu. (Schon den ultimativen Nähnerd-Test bei Frau Nahtzugabe gemacht?)






Mein aktueller Lieblings-Feind meine aktuelle Näh-Herausforderung ist seit ein paar Wochen das Hemdblusenkleid von McCalls 4769. Während ich nonchalant bei Jerseykleidern dazu übergegangen bin, Anleitungen nicht zu lesen (weil sie sowieso meist auf holländisch, aus der Knip Mode sind), mußte ich bei dem Hemdblusenkleid feststellen, dass es doch sinnvoller wäre, mich ein wenig tiefer in die Materie einzulesen - sei es die ach so kleinen Bildchen auf der Anleitung genauer zu betrachten und mir mit dem englischen Text Mühe zu geben oder mal zu googlen, was ich unter "McCalls 4769 Kragen" oder "McCalls collar" so finde oder aber auch allgemein, mich mal theoretisch mit dem Thema Reverskragen zu beschäftigen. Natürlich war ich nicht die erste, die Probleme mit dem Kragen hat. Hier fand ich (via Mema) ein gutes englisches Tutorial und auch Frau Paspel herself, Lotti, schrieb netterweise auch noch eine hübsche Foto-Love-Story dazu. Ich mache jetzt so lange Reverskragen, bis ich irgendwann mal ein zufriedenstellendes Ergebnis produziere. Ha! Irgendwann schaffe ich das!




Mein zweites Hemdblusenkleid nach dem Schnitt ist besser geworden, als mein Erstes - es ist aber noch weit davon entfernt, dass ich es als gut genäht und auf Maß geschneidert bezeichnen würde. Der Kragen brauchte einige korrigierende Hand- und Hilfsstiche, um inklusive Beleg einigermaßen so zu sitzen, wie er er soll (von den kleinen Fältchen ganz zu schweigen) und mit den Ärmeln bin ich auch noch nicht glücklich, da ich nur einigermaßen die Arme heben kann und die Schultern nicht schön sitzen. Auch die Abnäher im vorderen Oberteil, die ich selbst konstruiert habe, um noch mehr Platz für den Busen zu schaffen sind zwar schon besser, als beim ersten Versuch, aber noch weit davon entfernt, perfekt und korrekt auf dem Schnitt übertragen zu sein. Hinten sitzt es ganz gut.



Aber so ist das mit dem Me Made Nähen. Es könnte immer noch besser sein.

Doch eigentlich finde ich ganz wunderbar! Die sprichwörtliche Latte hängt sozusagen bis in den Himmel, ich kann bis zu meinem Lebensende noch mehr lernen immer besser zu nähen und produziere trotzdem zwischendurch schon tragbare Ergebnisse.




Mein neues Hemdblusenkleid ist dank schönem Stoff, roter Paspel, die ich ganz liebreizend finde und Petticoat ein schönes Kleid geworden, auch wenn ich hier und dort etwas zu mäkeln habe. Die Jerseykleider sind für jeden Tag - das hier, das Kleid aus Webware, in dem wochenlange Arbeit und Gehirnschmalz steckt, ist schon etwas Besonderes für mich.

Schnitt: McCalls 4769
Stoff: feine Baumwolle vom Maybachufermarkt - angeblich was Japanisches
Änderungen: FBA und neuer senkrechter Abnäher von der Schulter aus und auch im Rücken und an den Rockteilen Weite zugegeben.
Passform: ok - Arm heben könnte besser sein.
Werde ich noch mal machen: So nicht! Vielleicht nähe ich den Kragen, den ich irgendwann mal gut meistern will und das schwingende Rockteil, das ich sehr schön finde, mal an einen anderen Kleid-Oberteilschnitt, der besser passt, statt weiter an dem Ding rumzuändern, denn das nächste Hemdblusenkleid mit weitem Rock, hätte ich gerne mit 3/4 Ärmeln.


Mehr selbstgemachte Outfits an echten Menschen findet ihr wie immer Mittwochs auf dem Me Made Mittwoch Blog.

Dienstag, 25. Juni 2013

Schnell nähen

Neben "hast du nicht schon zu viele Kleider" ist die nächst häufigste Bemerkung zu meinem Tun "du nähst aber schnell" (also sowas wie "woher nimmst du die Zeit", "wie machst du das"). Auch diese Bemerkungen erinnern mich an Catherine, die vor langer Zeit mal einen Post zu "schnell nähen" schrieb, den ich aber leider nicht mehr finde. Sieht aus, als wäre ich jetzt auch in dieser Phase.

Auch zu dieser Frage habe ich zwei Antworten:

Die Zeit nehme ich mir 

Da ich abends oft so müde bin, nähe ich mittlerweile sehr häufig zwischendurch, wenn sich ein kleines Zeitfenster von ungefähr 20 Minuten ergibt. Früher dachte ich, ohne Nähzimmer und liegen-lassen-können würde das nicht gehen. Geht aber doch. Ich bin mittlerweile sehr schnell, im Auf- und Abbauen der Maschinen und Materialien. Dazu gehört aber auch, sinnvoll Arbeitsschritte zu planen. Nur ganz selten habe ich beide Maschinen aufgebaut. Ich versuche, immer so weit vorzuarbeiten, dass ich ganz viel nacheinander an der Overlock mache, damit ich nicht dauernd beide Maschinen aufbauen muß. Außerdem versuche ich Sachen, die nicht so viel Konzentration erfordern, ganz bewußt irgendwo zwischenzuschieben und nebenher zu machen wie Pausen, Zuschneiden, Ärmel stecken - aber natürlich nur das, was einfach geht. Projekte, bei denen es etwas zu denken gibt, bleiben bei mir oft ganz lange liegen, weil es nicht so einfach ist, einen guten Zeitpunkt zum konzentrierten Denken zu finden.

Schlampereien sind erlaubt

Viele Arbeitsschritte, die ich mache, sind nicht ganz korrekt; ich finde sie aber für eine Hobbynäherin ok. Nicht bei jedem Nähwerk arbeite ich so unpräzise, aber oft.


  • Ich schneide die Nahtzugabe freihand nach Augenmaß (bei Schnitten ohne Nahtzugabe) und zeichne bei Schnitten mit Nahtzugabe die Nahtlinie nur dort ein, wo es schwierig ist (z.B. beim Kragen). 
  • Ich bügele nur sehr wenig - obwohl ich weiß, dass es besser wäre, es zu tun. 
  • Ich schneide zu 90 % mit dem Rollschneider zu. 
  • Passzeichen mache ich durch kleine Einschnitte mit der Schere in die Nahtzugabe, statt sie ordentlich anzuzeichnen. 
  • Ich reihe nichts
  • Ich stecke sehr wenig (seit dem ich mir mal das Messer der Overlock kaputt machte, weil ich über eine Stecknadel drüber nähte.
  • Ich versäubere sehr oft beide Nahtzugaben zusammen
  • Ich wechsele meist nur den ganz linken Faden bei der Overlock und versäubere im Sommer mit weiß und im Winter mit schwarz. 
  • Ich nähe Knöpfe mit der Nähmaschine an. 
  • Ich kümmere mich nicht darum, ob der Saum bei Jerseykleidern gerade ist, weil sowieso alles ständig verrutscht.
  • Ich säume Jerseysachen mit Zickzack, statt mit ner Zwillingsnadel. 
  • Ich hebe mittlerweile nicht mehr jeden Restzipfel eines Stoffes auf, damit es im Lager nicht zu kompliziert wird. 

Das einzige, was ich als aufwendige Zusatzarbeit bei Webstoffen mache, ist ein Probe(ober)teil zu nähen, denn das erspart mir viel Ärger. Am Anfang dachte ich noch, dass das dann Probekleider werden, aber mittlerweile schmeiße ich die Dinger weg, wenn ich die Änderungen auf den Schnitt übertragen habe. Das baut das Lager ab. 

Und ihr so? Habt ihr auch Methoden, wie ihr trotz knapper, kostbarer Zeit beim Nähen zu Ergebnissen kommt?



Montag, 24. Juni 2013

Zu viele Kleider?

Immer öfter werde ich gefragt, ob ich nicht langsam genug Kleider hätte oder sogar zuviel. Ich weiß gar nicht recht, was ich antworten soll, fühle mich aber daran erinnert, wie ich vor gut zwei Jahren Catherines Blog entdeckte und ähnlich dachte. Catherine antwortet auf diese Frage, dass sie gerne für jeden Tag im Jahr ein Kleid hätte. Und wie antworte ich?

Also ich sehe da zwei Punkte:

1. Ein Kleid ist so ähnlich wie ein T-Shirt.

Nach einem Tag tragen ist es in der Regel verschwitzt und muß in die Wäsche. Röcke und Hosen sind in dieser Hinsicht etwas praktischer, denn dann kann obenrum einfach ein neues Oberteil kombiniert werden; Kleider müssen in die Wäsche. Insofern braucht frau tatsächlich mehr Kleider bzw. genauso viel Kleider wie T-Shirts.

Kleider haben aber den Vorteil, dass ich nicht groß überlegen muß, was zueinander passt. Einfach ein Kleid überstülpen, fertig. Jetzt, wo ich auch mehrere Kleider in verschiedenen Farben nach einem Schnitt habe, kann ich einfach nach der jeweiligen Laune die entsprechende Farbe bzw. die Wildheit des Musters bzw. die Wärmeeigenschaft des Stoffes raussuchen und fertig.

2. Bei (fast) jedem Kleid lerne ich etwas

Ich gestehe, ich habe nicht alle Kleider gleich lieb. Das geht euch wahrscheinlich auch so. Es geht ja nicht nur um das Ergebnis, überhaupt ein Kleid zu haben, sondern auch darum, immer besser Kleider zu haben. Dabei entwickelt sich bei mir immer noch und immer wieder:

  • die Passform bzw. die genaue Passung
  • die Genauigkeit meines Nähens
  • die Kenntnis darüber, welche Sachen mir stehen
  • die Kenntnis dafür, welche Stoffe sich für welche Schnitte eignen. 
Es gibt nur wenig Schnitte, die bei mir "auf Nummer sicher" gehen, die ich sozusagen blind nähen kann und das Ergebnis genau vorhersehen kann. Wenn ich an meine drei Texel-Kleider aus dem Winter denke, dann ist jedes dieser drei Kleider anders, weil sich der Stoff bezüglich der Dicke und Qualität unterscheidet und weil die Farben unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Dieses Jahr bin ich bereits mit Vichy und Ajaccio "in Serie" gegangen und auch bei diesen Schnitten sind die Kleider für mich total unterschiedlich, obwohl sie den gleichen Schnitt zur Grundlage haben. Ich assoziiere ganz bestimmte Situationen mit den jeweiligen Kleidern und da mein Leben auch ganz unterschiedliche Situationen bringt, ist es gut und richtig, so viele unterschiedliche Kleider zu haben. 

Bis jetzt bin ich noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem ich mich von selbstgenähten Kleidern verabschieden kann. Zu sehr hängt mein Herz noch an den ersten Versuchen. Ich trage auch die ersten Versuche noch und es gibt auch bei den neueren Modellen welche, bei denen ich überlege, ob sie bald mal aussortiert werden können. Daran merke ich, dass die Lernkurve nicht steil nach oben verläuft, sondern ich auch noch einige "Fehlgriffe" produziere. Ist das schlimm? Ich finde nicht, denn es geht doch darum, schöne Kleider zu haben und immer weiter zu lernen! 

Ich bin gespannt, wie sich das bei mir weiterentwickelt. Auf der einen Seite denke ich, dass ich mal wieder etwas Kompliziertes nähen sollte, an dem ich ein paar Wochen sitze, wie zum Beispiel einen Blazer oder eine Winterjacke. Aber ich merke, dass ich einfach gerne Jerseykleider nähe und trage. Als schnelles Erfolgserlebnis, dass eine neue "Farbe" in mein Leben bringt, sind sie wirklich unschlagbar. Ein wenig Sättigung ist da, das stimmt, aber wenn ich einen schönen Stoff in der Hand halte, mag ich einfach ein Kleid daraus besitzen. Vor dem Kleid ist nach dem Kleid.

Und dann fiel mir vorhin, die neue Knip Mode in die Hände.... Was soll ich machen, ich bin einfach ein #Nähnerd.



Und wieviel #Nähnerd steckt in dir? Mach bei Frau Nahzugabe den Test!


Blümchen-Monat-Mai: das vierte Treffen



Hallo und herzlich Willkommen zum vierten Treffen der Blümchen-Fans.

Wie ist es euch ergangen, in den letzten Wochen mit den Blümchen? Wie tragen sich die neuen Kleidungsstücke? Habt ihr noch Neues zu zeigen?

Ich freue mich immer noch sehr, dass ihr die undogmatische Verlängerung unseres Blümchen-Monats-Mai genauso gut fandet, wie ich - und schlage sogar noch ein Finale der Herzen vor. Wie schauts aus: hätten noch ein paar von Euch Lust auf einen Termin Ende Juli ( genauer gesagt am 29.7.)? 



Bei mir erwies sich wieder mal die Vermutung als war, dass ich eher so der unkomplizierte Jersey-Typ bin, denn mein wunderschönes Blümchen-McCalls ist immer noch nicht fertig - obwohl jetzt nur noch die Kopflöcher (die mit Knopflochautomatik auf Baumwolle kein Problem sind), die Knöpfe und der Saum fehlen. Da ich am Mittwoch beim MMM drüben Gastgeberin bin, sollte ich mich da noch mal sputen.

Mein Problem war, dass ich den Wetterbericht ernst nahm und statt brav ab der schicken Robe weiter zu nähen, zwei dünne Jerseyfummel dazwischen schob. Das war zwar gut für die heißen Sommertage, die tatsächlich kamen, aber schlecht für den Fortschritt meiner Blümchenkleiderproduktion. (Zum Thema "schnelles Nähen" schreibe ich die Tage noch mal was.)



Der von Anne geschenkte tolle Blümchenstoff bereitete mir immer noch Schwierigkeiten, als sich herausstellte, dass der bereits abgepauste Schnitt nicht auf den Stoff passte. Mmmmhhh da muß ich also weiter suchen und überlegen, was aus dem Stoff werden soll. Ich finde den Stoff immer noch gut, aber ein Blüschen? Achjeee!



Damit ich euch zur vierten Blümchengala aber nicht buchstäblich nackt begrüßen muß, habe ich mir gestern noch ein Herz gefasst und aus dem rotgeblümten Baumwolljersey ein Kleid genäht. Ein Ajaccio, was sonst. Der Schnitt ist dieses Jahr einfach mein Lieblings-Jersey-Schnitt. Bilder vom Kleid an der Frau mache ich nachher - das Posting kommt zu nachtschlafender Zeit für die frühen Vögel, zum Fotografieren komme ich aber wohl erst gegen Mittag. Und soll ich euch was sagen? Ich liebe das Kleid schon jetzt. Durch die kleinen türkisen Einsprengsel auf dem Muster, kann ich es gut mit meinen petrolfarbenen Sachen (Handtasche, Schuhe, Strickjacke) ergänzen und an einem kühlen Tag wie heute, trägt sich der Baumwolljersey ganz herrlich. Ich finde das Kleid erwachsen, ohne dass es spießig ist.



Dass ich ansonsten fast jede freie Minute dazu nutzte, um Blümchen zu häkeln, zählt leider nicht für den Blümchenmonat, gefällt mir aber trotzdem.

Aber jetzt zu euch - Tusch! - ich freue mich schon darauf, Eure Werke zu sehen und von Euren Erkenntnissen zu lesen!



Mittwoch, 19. Juni 2013

MMM im Mittagspausenkleidchen



Herrlich! Endlich Sommer. Und endlich die passenden Kleidungsstücke dafür. Als ich am Montag morgen im Wetterbericht hörte, dass es diese Woche noch richtig heiß werden soll, ließ ich Blümchen-Monat Blümchenmonat sein (obwohl am nächsten Montag, den 24.6. das nächste Treffen ist!) und vernähte spontan und weitesgehend in zwei Mittagspausen, diese flutschigen, hauchdünnen Viscosejerseys mit den Punkten zu den dafür vorgesehen Ajaccios mit kurzen Ärmeln.


Nachdem ich diesen Schnitt schon zweimal mit selbstgebastelten 3/4-langen Ärmeln genäht habe (dieses und jenes) und weil ich diese beiden Kleider sehr liebe und oft trage, war es logisch, den Schnitt auch noch mal mit den vorgesehen Ärmelchen für heiße Sommertage zu nähen. Auf dem Maybachufer-Markt fand ich dazu hübsche Punkte- und Pünktchenjerseys. Leider dämpfte Wiebke meine Vorfreude, als sie sagte, dass sich diese Jerseys durch Waschen unschön verändern würden und zeigte mir ein abgeliebtes schwarzes Shirt mit weißem Flaum und weißen Pünktchen. Von allen meinen Schätzen, die ich von Berlin nach Hamburg schleppte, waren die Punkte-Jerseys nun die ungeliebtesten Schätze.






Aber dann kam die Wettervorhersage und ich beschloss am Montag zwei Kleider parallel zuzuschneiden und zu nähen, denn wenn es warm ist, braucht frau was zum Wechseln und wenn es viel Sommer wird, werden sie eben abgeliebt. Zwei Kleider in der montäglichen Mittagspause zuzuschneiden war kein Problem und dank der wenigen Schnittteile (im Vergleich zum McCalls Dreckskleid) hatte ich auch erstaunlicherweise kein "Rücken". Das motivierte mich, noch eben schnell die Bändchen für die Raffung einzunähen. Am Montag fand sich überraschend noch ein Zeitfenster, so dass ich die Kleider nachmittags schnell mit der Overlock zusammentackerte. In dienstäglichen Mittagspause schnitt ich ein paar Zentimeter Saum ab, nähte ein Verstärkungsbändchen auf die Schulternähte und den rückwärtigen Ausschnitt und säumte die Kleider. Für die Verstärkungsbändchen gegen das Ausleiern, nehme ich immer die rausgeschnittenen Bändchen aus den Kauf-T-Shirts mit den großen Ausschnitten - ein wertvoller Tipp von Wiebke.




Jetzt habe ich morgen (den Beitrag schreibe ich schon am Dienstag Abend mit einem Sauergespritztem aus Hamburg namens "elbler" auf dem Balkon) die Qual der Wahl, ob es ein Tag wird, an dem ich mich mehr nach "Paprika mit Mini-Pünktchen" oder "grau mit soliden Punkten" fühle. Am heutigen Dienstag trug ich schon mal das Graue, weil ich die Paprika-Version (in echt, aber nicht auf den Bildern) viel schöner finde. Herrlich! Ein Hauch von nichts! Ist dieser flutschige dünne Viskosejersey auch fürchterlich zu nähen, ist doch das Tragegefühl an heißen Tagen einmalig.

Ich freue mich sehr, über diese doppelte Bereicherung meines Kleiderschrankes, besaß ich zwar schon drei gekaufte Kleider für heiße Tage, aber zwei davon, sind nicht "stadtfein" und das dritte ist irgendwie komisch, obwohl ich es bereits geändert habe und irgendwie auch nicht zu meinem Leben passend. Die beiden schnell genähten "Mittagspausenkleidchen" sind aber dank der Ärmelchen "angezogen" und gleichzeitig einfach super flatterig, um auch bei hohen Temperaturen schick zu sein. Wunderbar!

Schnitt: Ajaccio Schnittquelle
Stoff: dünner, flutschiger Viscosejersey vom Maybachufer-Markt
Kosten: 7,50 pro Kleid, Garn hatte ich noch.
Passform: nach einer Vergrößerung des Oberteils gut. Ich werde das Oberteil aber noch mal einen Tick wieder verkleindern, denn es könnte noch einen Tick besser sein.
Schwierigkeitsgrad: sehr einfach. Es gibt dazu auch ein bebildertes Tutorial.
werde ich noch mal machen: mit 3/4 Ärmeln sind schon 2 weitere Kleider geplant und wenn die beiden Mittagspausenkleidchen abgeliebt sind, werde ich sie sicherlich durch 2 weitere Kurzämelchen-Ajaccios aus gutem Jersey ersetzen.

Mehr wunderbare selbstgemachte Kleidung für heiße Tage an echten Menschen findet ihr wie immer auf dem Me Made Mittwoch Blog - heute mit der wunderbaren Melleni als Gastgeberin im wunderschönen sommerlichen frischgenähten Multifunktionskleid. (In mir wächst die Überzeugung, dass sich Kleider ohnehin als Multifunktionsding  erweisen, aber dazu ein anderes Mal mehr.)

Sonntag, 16. Juni 2013

Häkelverrückt

Häkeldecke16613

Die in unserer Familie heißgeliebte, dezente und eher winterliche von meiner Mutter gestrickte anthrazite Sofadecke (siehe unten) braucht unbedingt Verstärkung. Bevor meine Mutter sich heldinnenhaft an dieses Geschenk machte, hätte ich mich niemals getraut, so ein Mammut-Projekt in Angriff zu nehmen. Als ich dann, als Ergänzung, an eine bunte, eher frühlingshafte Decke dachte, graute mir vor den Fäden. Erst, nachdem ich den Trick mit den Fäden entdeckte, traute ich mich an das Muster von rosa p. Hexagon-Decke. Da ich zuvor eine andere Decke im Kopf hatte (Wellenmuster in 4 Farben), mußte ich die im Sale bei Lanade gekaufte Wolle erst einmal umtauschen. Deswegen häkelte ich in den letzten beiden Wochen lauter bunte Kreise, bis endlich gestern das ersehnte Paket mit den anderen Farben und viel grauer Wolle kam.


Strickdecke

Ich häkelte gestern schnell von jeder neuen Farbe zwei Kreise und fing an, endlich zusammen zu häkeln, um einen ersten Eindruck davon zu bekommen, wie die neue Decke wirken wird. Gestern abend grübelte ich noch furchtbar vor mich hin, nachdem ich die erste Reihe aus allen Farben verbunden hatte - heute morgen machte ich einfach weiter und war den Tag über nicht zu stoppen. Das, und ein paar weitere bunte Kreise, ist der Stand nach zwei Wochen. Zuerst fand ich es ein wenig zu bunt, jetzt bin ich aber entzückt und freue mich. Mir gefällt es, dass die beiden Decken so unterschiedlich sind und doch zusammen passen. Wie in einer guten Ehe.

Freitag, 14. Juni 2013

Auch ein #waagnis: Kleidung nähen und Welt verändern, statt an dick-fühlen zu leiden

In den letzten beiden Tagen rauschte das Thema "Dick-sein und wiegen" mit dem Hashtag  #waagnis durch twitter und die Blogosphäre, aber ich war gestern den ganzen Tag unterwegs und mußte die verbleibenden freien zwei Stunden dazu nutzen, den Dreckskragen an die zweite Version meines Kleides nach dem Schnitt McCalls 4769 anzunähen. Also erst heute mein Beitrag dazu. Der Hashtag #waagnis steht für eine Aktion, angeregt durch einen Artikel auf kleinerdrei, sich nicht mehr zu wiegen und die eigene Waage symbolisch auszusetzen. Als ich den Artikel las, nickte ich stumm mit dem Kopf, hatte aber das Gefühl, dass mir ein bloßer "Aufschrei", ein Bekennen á la "ja, so gehts mir auch und das muß mal gesagt werden" für mich nicht ausreicht, denn ich bin in dieser Hinsicht weiter und wir "Me Made Näherinnen" beschäftigen uns schon länger mit dem Thema (vgl. unseren Beitrag für die re:publica). Eine funktionierende Waage nutze ich nur noch zum Kochen und Briefe wiegen - aber die Aktion, mit Bildern zu sprechen, gefällt mir!

Ich lebe in einer Gesellschaft, in der grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass jedeR alles ändern kann, so lange sie oder er sich nur genügend dafür anstrengt. Bei vielen Dingen würde ich in der Tat sagen, "ja, bekomme doch mal den Hintern hoch und habe Mut zur Veränderung", bei anderen Themen weiß ich, dass kein persönliches Fehlversagen vorliegt, sondern das strukturelle Bedingungen Grund für den Mangel-an-was-auch-immer sind. Probleme mit "dick-fühlen" gehören dazu. Veränderung haben ihren Preis: harte Arbeit und viel Mut kostet manche Veränderung. Das mag zwar in unser immer noch tief verwurzeltes protestantisches Arbeitsideal passen, widerspricht aber meiner Beobachtung, dass Dinge sehr viel leichter von der Hand gehen, wenn sie mit Lust und Liebe gemacht werden.

Zurück zum Thema. Sich dauerhaft von dick auf dünn zu verändern kostet einen hohen Preis, denn es geht nur mit Verzicht. In meinem konkreten Fall (keine Ahnung, ob das auf alle anderen übertragbar ist), geht es nur mit mindestens 3x die Woche Sport, wenig bis keine Süßigkeiten (also Fett und Zucker) bzw. Alkohol. Und das ein Leben lang, denn immer dann, wenn ich kurzzeitig dieses Leben führe, das durch Selbstkasteiung geprägt ist, nehme ich zwar ab, aber immer dann, wenn ich bei einem Punkt dieser Aufzählung lockerer werde, nehme ich wieder zu, bis ich mehr auf den Rippen habe, als vorher. Dieser Verzicht bedeutet nicht nur Leid ("oh, ich hätte jetzt Lust auf eine Kugel Eis, aber ich verzichte lieber") sondern vor allen Dingen auch Nicht-Teilnahme an Gesellschaft. Bei gesellschaftlichen Zusammenkünften, bei denen in der Regel Fett, Zucker und Alkohol gereicht werden, muß ich mich zurücknehmen oder nehme erst gar nicht mehr daran teil, um mich nicht zurücknehmen zu müssen. Wenn ich mindestens dreimal die Woche zum Sport gehe, muß ich auf Zeit mit meiner Familie, Zeit mit mir oder Zeit zum Arbeiten verzichten. Ich kümmere mich um die Veränderung meines Körpers und zahle den Preis des Verzichts auf Lust und Teilnahme an der Gesellschaft. Wozu?

Die großartige Denkerin Antje Schrupp hatte die Idee, dass ein generelles Gefühl der Unzulänglichkeit existieren könnte und die Beschäftigung mit dem Dick-sein nur eine Übertragung auf dieses Thema ist. Ich übersetze das für mich als ein Gefühl der Machtlosigkeit ("ich kann an den Verhältnissen sowieso nichts ändern") und ein Gefühl des Überlebenskampfes ("wenn ich nicht aufpasse, komme ich unter die Räder und dann wird es wirklich schlimm"), das so bedrohlich ist, dass frau (und vielleicht auch immer mehr auch man) sich lieber mit dem Thema "zu-Dick-sein" beschäftigt, statt sich diesen Gefühlen auszusetzen und an den konkreten Punkten - der Veränderung der Welt, die diese Gefühle auslöst - etwas zu verändern. Das finde ich eine gute These, kenne ich es doch von mir, dass ich oftmals mich mit irgendeinem Kram beschäftige, um irgendwelchen schwierigen Dingen auszuweichen, sei es die Steuererklärung, eine Schnittanpassung oder aber die tatsächliche Veränderung meiner Lebenssituation oder der Gesellschaft.

Jetzt ist es nicht so, dass wir alle einfach so, ganz zufällig, auf die Idee kommen, diese Beschäftigung mit dem "zu-dick-sein" als Ausweichthema zu wählen. So ein Zufall! Statt sich um die Lösung des Atom-Endlagerproblems oder die Abschaffung der FDP  des Hungers in der Welt zu kümmern, regen wir uns lieber mal darüber auf, dass uns keine Klamotten passen. Alle! Ganz zufällig! Es ist sicherlich ein Zufall, dass die Frauenzeitschriften, jedes Frühjahr wieder Diäten starten und dass sie nur so strotzten von Themen, die Frauen auf ihrer Unzulänglichkeiten hinweisen. Glaubten wir jetzt, an böse Verschwörungen, so würden wir auf die Idee kommen, dass eine Macht des Bösen den Frauen diese Themen immer wieder einflüstert, um sie davon abzuhalten, sich mit den wirklich wichtigen Themen auseinander zu setzen. Diese Macht des Bösen lässt die Frauen sich einfach selbst und gegenseitig lähmen. Dann braucht sie gar nichts mehr zu tun. Wir kommen gar nicht mehr auf die Idee, einfach glücklich zu sein und die Welt nach unseren Werten zu verändern, wenn wir dauernd damit beschäftig sind, uns selbst abzuwerten, uns mit anderen und den scheinbaren Idealen zu vergleichen.

Journelle weist darauf hin, dass es auf unsere Töchter wirkt, wenn wir jeden Tag auf die Waage steigen und aufgrund des Ergebnis den Tag in einen guten oder schlechten Tag einteilen. Auf unsere Söhne auch. Insofern, finde ich die Idee, das Wiegen sein zu lassen, einen guten Anfang. Als ich aus medizinischen Gründen gewogen werden mußte, ging ich lange Jahre rückwärts auf die Waage und bat die Arzthelferin mir nur die relativen Veränderungen zu nennen und nicht den absoluten Wert. Die relativen Veränderungen hatten medizinische Aussagekraft - der absolute Wert hätte mich kategorisiert: rein in die Schublade "dick" mit allen ihren bösen Wertungen und unsinnigen Zuschreibungen.

Statt auf die Idee zu kommen, dass etwas mit unsere Welt nicht stimmt, gehen wir meist davon aus, dass etwas mit uns nicht stimmt. Wir passen nicht in die Kaufkleidung? Also sind wir nicht gut genug für diese Welt. Von allen meinen Posts, ist "Nicht mehr dick" einer der meistgeklicktesten Beiträge auf meinem Blog - dabei schreibe ich die ganze Zeit, in jedem Beitrag darüber, wie ich das dort Beschriebene weiter überwinde, wie ich aktiv die Welt gestalte und wie ich immer wieder lerne, um besser, stärker und mächtiger zu werden. Denn meine Lebenswelt mit Selbstgemachtem und vor allen Dingen für-mich-selbstgemachter-Kleidung zu gestalten, verändert meine Welt und macht mich stark.

Ich nähe mir die Kleidung, die mir gefällt und die richtig für mich ist - denn ich bin richtig! Und ich bin mächtig, mich nicht klein kriegen zu lassen und mich schwach zu fühlen, weil ich "dick" bin. Ich bin mächtig, mich schön und sichtbar zu machen und damit zu zeigen, dass ich da bin und dass ich durchaus gewillt bin, noch mehr zu verändern. Durchhaltevermögen und Gestaltungsideen habe ich durch das Nähen gelernt und gewonnen. Hey du Dreckskragen McCalls 4769, ich beiße mich auch weiter durch, so oft, bis ich es geschmeidig kann und lerne nicht nur Kragen-Nähen, sondern dass ich mich durchbeißen kann und mächtiger bin, als ich zunächst vermutete.

Mir geht es darum, mir selbst und anderen zu vermitteln, dass es lohnt, etwas an den Umständen zu verändern, statt sich selbst zu lähmen, in dem frau sich selbst als nicht gut genug bezeichnet. Ich möchte aktiv sein und mir meine Welt so machen, wie sie mir gefällt. Das Nähen von Kleidung, in der ich selbstbewußt durchs Leben gehe, mich zeige, so wie ich bin ist ein Anfang, der vieles andere möglich macht; zum Beispiel auch die Zivilcourage, Menschen anzusprechen, wenn sie andere, bezüglich ihres Körperformats oder ihrer Hautfarbe o.Ä. dissen. Unterschiedlichkeiten sind fruchtbar und wir in unserer Verschiedenheit alle richtig und wunderbar. Wenn ich mich entzückt in einem neuen Kleid vor dem Spiegel drehe und mein Sohn mein Glück beobachtet, dann wird er bewußt oder unbewußt ganz viel darüber lernen, wie es möglich ist, sich wunderbar, ganz besonders und stark zu fühlen, weil frau es selbst in der Hand hat, ihren Kleiderschrank und ihr Leben zu gestalten.

Außer den verlinkten Artikeln schrieben zu dem Thema auch noch aus meiner Blog-Role (to be continued):




Mittwoch, 12. Juni 2013

MMM - wieder mit Petticoat und Schirmchen



Ich kann mit großer Bestimmtheit sagen, dass ich ihn liebe, meinen Petticoat! Vielen Dank für Eure tollen Kommentare letzte Woche zu meinem Kleid mit Petticoat. Ich trage ihn nun fast täglich. Nicht immer den ganzen Tag, aber einen Teil des Tages, gehe ich mit ihm, beschwingt durch die Welt. Er hat mich meinem Kopfkleiderschrank, meinem Bild, das ich von mir habe und das ich gerne mehr und mehr tatsächlich verwirklichen möchte, ein ganzes Stück näher gebracht. Und dank Eures Feedbacks, traue ich mich auch, diesen Wunsch zu leben und zu genießen.

Ich liebe den Petticoat so sehr, dass ich tatsächlich das zweite Mccalls 4769 fast fertig habe, obwohl ich den Revers-Kragen nach wie vor zu nähen hasse. Da ich aber am Sonntag mit dem Kleid nicht fertig wurde frustriert aufgab und die letzten zwei Tage spontan auf Sylt lustweilte, muß ich heute eben ein anderes Kleid mit Petticoat tragen. Das Schirmchenkleid ist ein ganz guter Kandidat dafür.




Doch wenn ich mir die Fotos so ansehe, dann werde ich wohl gleich noch mal innehalten und dem Kleid unten noch einen weiteren Knopf spendieren, denn dass das so aufklafft, gefällt mir gar nicht und jetzt, wo ich die Gefahr erkannt habe, vermeide ich es, sonst die ganze Zeit nach unten schauen und zuppeln. Das macht es ja auch nicht schöner.

Anziehen werde ich das Kleid heute abend bei einer Lesung "in gemütlicher Umgebung" - das klingt verdammt nach auf-dem-Boden-sitzen und trotzdem finde ich es Anlass genug, den Petticoat zu tragen - vielleicht verschafft mir mein Prinzessingehabe ja einen der wenigen Stühle. Ich liebe es ohnehin, mich mit dem Ding hinzusetzen und vorher ordentlich den Rock glatt zu streichen. Eine Geste, die vorher nicht in mein Leben gehörte.


Stoff: "Tante Ema Schirmchen- Chacha 6" von Mahler-Stoffe in Hamburg (dort, wenn ich es richtig in Erinnerung habe,  5 Euro/m günstiger als bei stoffe.de)
Schnitt: von Frau STOKX, unverkäuflich
Passform: sehr angenehm.
werde ich noch mal machen? Bestimmt.
Petticoat: "Soft Lace" von Petticoats des



Am Saum habe ich - nach euren Kommentaren - noch 2,5 cm rausgelassen. Das sah ganz gut aus, mit Petticoat finde ich es aber nun wieder etwas zu kurz. Mehr Saumzugabe ist allerdings nicht drin. Jetzt könnte ich nur noch mit einem Saumband tricksen. 

Bilder vom Kleid aber ohne Petticoat findet ihr hier, in meinem MMM-Beitrag vom 17.4. Entgegen meiner Befürchtungen, trage ich das Kleid sehr gerne und mit Petticoat noch viel lieber als ohne, weil ich den weiten Rock untenrum ohne etwas "zugig" finde im Kontrast zu dem relativ dicken Baumwollstoff und den mittellangen Ärmeln. Mit dem schwingenden Unterrock darunter fühlt es sich genau richtig an. 





Mehr selbstgemachte Outfits an echten Frauen findet ihr, wie immer Mittwochs, auf dem MMM-Blog; heute mit der wunderbaren Lucy alias Frau Nahtzugabe als Gastgeberin, deren Rock, bzw. dessen Entstehung und saubere Verarbeitung, ich schon beim berliner Nähkränzchen bewunderte. Sie sieht auch ohne Petticoat ganz wunderbar toll darin aus! 

Montag, 10. Juni 2013

Blümchenmonat Mai 2013 - das dritte Treffen



Hallo und herzlich willkommen zum dritten Treffen unseres Blümchenmonats-Mai!

Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass ihr euch so über die Verlängerung gefreut habt! So eine undogmatische Vorgehensweise finde ich herrlich pragmatisch. Gut Ding will eben Weile haben.

Als ich am Sonntag Nachmittag diesen Blogbeitrag schrieb, war ich noch voller Hoffnung, mein Blümchen-McCalls 4769 fertig zu bekommen, um es bei der 3. Blümchen-Gala 2012 zu zeigen. Tja, es sollte nicht sein. Der Kragen, der Kragen, dieses Drecksding, und irgendwann war es zu spät, um weiter zu machen und ich hatte Angst, das schöne Kleid zu ruinieren. Also beim nächsten Mal. Hier seht ihr zumindest schon mal einen, mittlerweile eingenähten Ärmel.




Meine derzeitige Blümchenerkenntnis ist, dass es den Unterschied zwischen "Erwachsenenblümchen" und "Kinderblümchen" gibt - wobei es natürlich in der Hand der Erwachsenen liegt, sich auch mal für einen geblümten "Kinderstoff" zu entscheiden. Je kunstvoller die Blumen gemalt sind, je abstrakter, je mehr Ton-in-Ton würde ich es den Erwachsenenstoffen zuordnen. Wobei, so ganz stimmt das mit dem abstrakt nicht, auch Kinder-Blümchen sind oft stilisiert - allerdings wird dann zum Beispiel trotzdem auf eine gewissen biologische Genauigkeit geachtet, dass z.B. dass innere der Blüte eine andere Farbe als die Blätter hat. Bei der Stoffsuche der letzten Wochen habe ich deshalb einen besonderen Fokus auf "erwachsene Blümchen" gehabt.

Meinen blauen Blümchenstoff vom obigen Ärmel würde ich eindeutig der Erwachsenenkategorie zuordnen. Ich hatte sogar zunächst die Befürchtung, dass der Stoff zu "fraulich"-  zu erwachsen - für mich ist; deswegen die rote Paspel (in die ich ganz verliebt bin).





Die Definition, was nun ein"Blümchen" ist, muß auch gar nicht so eng gesehen werden, finde ich. Der Jersey meines blau-weiß-gelben Kleides ziert zum Beispiel Ginsterblüten. Das zählt! Und sehr erwachsen finde ich es auch.




Bei dem folgenden, unglaublich reizendem Stoff bin ich mir nicht so sicher, ob er in die Kategorie der Erwachsenblümchen gehört. Liegt es an den Farben? Einen Kleidchen-Schnitt habe ich schon abgepaust, ich hoffe, der Stoff reicht, sonst wird es ein wie-auch-immer-Blüschen. Aber da ist schon der Haken. Passen diese Streublümchen zu mir? Passen Blüschen in mein Leben? Das sollte ich dringend ausprobieren!



Der nächste Stoff ruft sozusagen "Urlaub!" Wild! Und vor allen Dingen auch ziemlich durchsichtig. Ich überlege noch, ob ich ihn mit einem dünnen schwarzen Jersey unterlege. Diese Überlegung könnte aber dazu führen, dass es ein Lager-Stoff wird, weil eben so ein schwarzer Jersey hier nicht rumliegt. Also doch das Risiko wagen und ein Hauch-von-Nichts-produzieren.




Das letzte Projekt wird wohl dieser dicke Baumwolljersey mit den roten Blumen, denn er ist ziemlich warm. Eigentlich ein richtiger Frühlingsstoff. Warm, aber von den Farben und dem Muster her frühlingshaft - aber ich will jetzt Sommer! Trotzdem soll das Kleid unbedingt recht bald genäht werden, denn da es weißgrundig ist, werde ich es wohl eher nicht im Herbst tragen und es ist ja durchaus zu befürchten, dass es auch kühlere Sommertage gibt.



Ihr seht, die Verlängerung war für mich dringend nötig und ich freue mich, dass wir uns am 24. Juni noch mal zur Blümchenparade treffen.

Jetzt bin ich erstmal gespannt auf Eure Blümchenwerke!



Donnerstag, 6. Juni 2013

Umhäkeln statt vernähen - sonst wäre es doch Wahnsinn!



Sind sie nicht reizend, meine kleinen Blümchen für die Hexagondecke nach der Anleitung von rosa p.? Nachdem ich wochenlang davon überzeugt war, Zickzack zu häkeln und dies in allen Variationen ausprobierte, bin ich nun doch froh, mich für die Blümchendecke entschieden zu haben. Ehrlich gesagt, war ich um diese schon seit Monaten "virtuell herumgeschlichen". Allerdings hielt mich das Vernähen der unzähligen Fäden von so einem Projekt ab. Auch das war für mich ein Argument für breite Zickzackstreifen. Allerdings hatte ich bei den gezackten Streifen die Befürchtung, dass es nicht nur total langweilig wird, einen 1,80 m langen Streifen zu häkeln, sondern, da die Streifen ja aneinander gehäkelt werden, das Häkelzeug mit der Zeit auch immens schwer werden würde. Da fiel mir ein, dass ich schon mal etwas vom "verhäkeln" gelesen hatte.

Als ich vor einiger Zeit Häkel-Schneeflocken-süchtig war, verriet mir Doris von Mamas Kram schon den Trick, den Anfangsfaden einzuhäkeln, so dass nur der Endfaden zu vernähen ist. Das war schon mal 50% Ersparnis! Aber ich erinnerte mich, dass ich schon mal gehört oder gelesen hatte, dass dies auch bei Farbwechseln möglich wäre. Wie das gehen sollte, konnte ich mir nicht recht vorstellen, also schnappte ich mir mein Häkelbuch und fand, was ich suchte. Als ich dann kapiert hatte, wie es geht, fand ich auch in rosa p. FAQs zur Decke ihren Hinweis, dass sie es wohl genauso gemacht hat. Statt die Fäden alle heraushängen zu lassen, um sie anschließend monatelang zu vernähen, werden sie gleich eingehäkelt und abgeschnitten.

Dann dachte ich mir, dass diese Technik vielleicht nicht allen bekannt ist, machte ein paar Fotos und teile sie mit euch. Ich finde es großartig - oder genauer gesagt, ich hätte mich sonst nie getraut, so etwas wahnwitziges in Angriff zu nehmen, wie eine bunt gemusterte Häkeldecke.

Den Anfangsfaden verhäkele ich bei den Anfangsmaschen gleich mit, in dem ich dort den Faden einfach doppelt nehme. Bei dem Kreis mache ich es so, dass ich ganz normal mit den Luftmaschen beginne, sie mit einer Kettmasche zum Kreis schließe, das erste Stäbchen mit einfachem Faden häkele und das 2. bis 5. Stäbchen mit doppeltem Faden (also dem Arbeitsfaden und dem Restfaden zusammen) häkele, allerdings nur bis zum "Durchziehen", das mache ich wieder mit einfachem Faden, so dass ich oben eine ordentliche Masche erhalte.



Beim Farbwechsel habe ich den gehäkelten grünen Kreis umgedreht, so dass die schöne Vorderseite unten liegt und den neuen und den alten Faden mit einem Doppelknoten verknotet. Das habe ich aber erst gemacht, als ich bereits 3 Luftmaschen in weiß gehäkelt hatte, denn so konnte ich die letzte grüne Masche, in der die erste weiße Luftmasche steckte, schön festziehen, ohne dass mir der neue Faden beim Verknoten rausrutscht. Das Bild scheint nur spiegelverkehrt. Die Häkelnadel liegt links, weil ich euch die Rückseite mit dem Knoten zeige.



Anschließend lege ich die zwei Fäden an die weiter zu behäkelnde Kante und immer, wenn ich mit der Nadel durch eine Masche steche, um hinten den Faden zu holen, wickelt sich so dieser nach vorne geholte Faden um die "Restfäden". Ich hoffe, das kann man auf dem Foto erkennen!



Beim nächsten Farbwechsel dann genau so: mit dem neuen Faden 3 Luftmaschen häkeln, umdrehen, alten Faden festziehen, Endfäden verknoten und dann die Fäden über die nächsten Maschen, in die eingestochen wird, legen, so dass diese umwickelt werden können.


Nachdem die Fäden erst verknotet und dann ein paar cm mitgeführt wurden, können sie einfach abgeschnitten werden!



Natürlich sieht man das ein bißchen! Vielleicht bei mir auch noch mehr, als bei anderen, die mehr Übung darin haben, aber ich finde das nicht schlimm. Vorder- und Rückseite sehen ohnehin nicht genau gleich aus und die Knoten sind hauptsächlich auf der Rückseite. Auf dem Bild sehr ihr links die Vorderseite und rechts die Rückseite. Wird die Decke dekorativ über das Sofa gelegt, dann natürlich mit der Vorderseite. Ich glaube aber, dass das zu den Dingen gehört, die später nur mir auffallen.

Es macht großen Spaß, diese Blümchenkreise zu häkeln, ich bin mal gespannt, wie es dann beim Zusammenhäkeln wird. Die nächste Reihe, mit der aus dem Kreis dann das Hexagon entsteht, wird nämlich, wenn ich das richtig verstanden habe, beim Zusammenhäkeln gehäkelt, so dass dann die jetzt noch raushängenden grauen Fäden verhäkelt werden und nicht so viel neue Enden entstehen.

Da ich dünneres Garn (Baby Merino von drops mit Nadel 3,5) nutze als rosa p. werde ich wohl auch weit mehr als ihre 250 Blümchen häkeln müssen. Aber egal, ist ja ne meditative Übung und deswegen bin ich jetzt erstmal bei dem hübschen knallgrün und überlege, welche Farben ich noch nachbestelle/umtausche.

Mittwoch, 5. Juni 2013

MMM - McCalls 4769, der Petticoat und ich



Zur Entstehung des grünen McCalls Probekleides hatte ich gestern schon etwas geschrieben. Seit vier Tagen trage ich es (mit einer kurzen Wasch-und-Bügel-Unterbrechung) quasi ununterbrochen. Wer hätte das gedacht, als ich beim Nähen so fluchte. Und woran liegt's? Am Petticoat!

Meinen Geburtstag konnte ich dieses Jahr gar nicht erwarten. Das ist mir schon lange nicht passiert! Ich hatte nämlich einen ganz verrückten Wunsch: einen Petticoat. Schon länger hatte ich Petticoats bei Cat, bei Wiebke oder Frau Kirsche bewundert. Ich hatte die Vermutung, die vage Hoffnung, dass ein Petticoat eigentlich genau das ist, wonach ich mich sehne. Der Petticoat als Wunderdings, als Zaubermittel für die ersehnte Sand-Uhr- Silhouette meines Mary-Poppins-Looks, meines Kopfkleiderschrankes. Theoretisch, dachte ich, theoretisch müsste das doch funktionieren, dass ich in der Mitte schmaler aussehe, wenn es unten weiter wird. Und theoretisch dachte ich eine ganze Weile zweifelnd darüber nach.



Dann hatte ich nur schnöde Wünsche wie z.B. ein ordentliches Fahrradschloß, für meinen Geburtstag. Es fehlte noch ein besonderer Wunsch. Etwas, dass Vorfreude macht und kribbelt. Etwas, was ich mir vielleicht selbst nicht gönnen würde, weil es zu teuer, zu speziell oder auch zu verrückt wäre. Na klar, ein Petticoat! Ich kam mir ein bißchen albern dabei vor, mir einen Petticoat zu wünschen. Zum 45.! Und ich war so aufgeregt, dass ich es allen Freundinnen wochenlang erzählte und der Gatte war so toll, dass er ihn mir tatsächlich schenkte, auch wenn er sicherlich mit den Augen rollte.

Wochenlang war ich freudig erregt, aber auch skeptisch. Wie wird das Ding wohl an mir aussehen? Ist es nicht furchtbar albern, wenn eine dicke Frau wie ich sich so nen Mädchending wünscht? Darf ich das in meinem Alter? Ich schob die skeptischen Gedanken immer wieder zu Seite und betete mir vor, dass es manche Dinge gibt, die ich einfach nur besitzen will, um sie hin und wieder zu streicheln. Schließlich habe ich auch unzählige paar Schuhe im Schrank stehen, die weder an meine Füße, noch zu meinem Leben passen.



Was soll ich euch sagen: er ist wunderbar. Es ist wunderbar! Das Leben ist wunderbar mit einem Petticoat! Gut, in Hamburg haben wir gerade das Glück, das perfekte Wetter für Kleid, Strickjäckchen und Petticoat zu haben: Sonnenschein, ein laues Lüftchen und nicht zu warm. Es ist perfekt, wie der Petticoat zart um die Beine raschelt, es fühlt sich wunderbar an, bei jedem Schritt ein wenig zu schwingen.

Zurück zum Selbstgenähtem: das McCalls-Hemdblusenkleid mit dem weiten Rock (ein halber Teller?) ist perfekt für den Petticoat. Auch wenn es obenrum alles andere als perfekt sitz, so trage ich es doch sehr sehr gerne, um meinen Petticoat auszuführen und freue mich schon, zwei weitere Kleider nach diesem - dann hoffentlich für mich noch besser angepasstem - Schnitt zu nähen.

Schnitt: McCalls 4769
Stoff: grüne Baumwolle mit weißen Punkten von Mahler Stoffe/Hamburg
Knöpfe: weiße Kugelknöpfe aus Plastik (original alt?!) vom Nähkontor in Berlin
Passform: kann noch optimiert werden, weil ich das Oberteil zu sehr vergrößert hatte. Aber die Arme gehen so weit hoch, dass ich bequem lenken kann.
Schnittänderungen: ich habe den Schnitt, trotz größter Größe sehr vergrößern müssen. Siehe Bericht von gestern.
werde ich noch mal machen: zwei weitere sind schon geplant und werden vielleicht noch heute begonnen.
Petticoat: "Soft Lace" von petticoats.de

Und damit ihr den Unterschied seht: hier noch mal das Kleid (genauso ungebügelt wie vorher aber) OHNE Petticoat. Traurig, oder?


An der "Gürtel-Legasthenie" (danke Frau Nahtzugabe für das schöne Wort) arbeite ich noch. Am liebsten trage ich das Kleid derzeit ohne Gürtel aber mit Petticoat. Beim nächsten Kleid hoffe ich auf genügend Stoffreste für einen passenden Stoffgürtel.

Mehr selbstgemachte Outfits an echten Menschen seht ihr wie immer auf dem Me Made Mittwoch Blog, heute mit Frau ebenJulia als Gastgeberin, die auch ohne Petticoat bezaubernd aussieht und glücklicherweise im Hochwasser nicht untergegangen ist.

Dienstag, 4. Juni 2013

McCalls 4769 - genannt "das Drecksding" oder liebevoller "das Berlin-Kleid"

McCalls4769deckblatt

McCalls 4769 wollte ich schon lange nähen, nachdem ich es immer wieder bei Catherine, PrimaveraTina und Julia bewunderte und dann auch noch öfters auf anderen Blogs sah. Ich mag Kragen, aber ich mag keine Blusen - was liegt näher, als ein Hemdblusenkleid zu nähen. Allerdings hatte ich (berechtigte) Zweifel, ob ich selbst in die größte Größe herein passen würde.

Das ist ja so ne Sache mit den Kauf-Schnittmustern. Einerseits bewundere ich sie und kaum sehe ich irgendwo eines oder geistert wieder das magische Wort "Sale" durch die Online-Welt, setzt dieser Kaufreflex ein. Andererseits denke ich nun schon seit Ewigkeiten, dass es eigentlich vernünftiger wäre, endlich mal einen ordentlichen Grundschnitt zu machen und dann die gewünschten Kragen etc, einfach dort anzubauen. Da mein Vertrauen in meine Fähigkeiten, einen wirklich guten Grundschnitt zu basteln begrenzt sind, wohlwissen, dass es ja mit einem Grundschnitt noch nicht getan ist, werde ich doch immer wieder schwach und versuche es mit Schnittmustern, die ich dann mühevoll vergrößere.




Gut gefallen und gut getan hat mir letztens ein Kompliment von Catherine, dass ich "beim Denken keine Schranken kenne" (ich hoffe, ich habe es richtig erinnert). Das deute ich unter Anderem so, dass ich mutig bin, einfach von ihr bzw. Frauen in kleinen Kleidergrößen von mir zu schließen und einfach ausprobiere, ob das was für mich ist. Ja, so mache ich das. Wie soll ich auch sonst herausfinden, ob da für mich was dabei sein könnte? Es ist zwar ein mühsamer Weg, aber ich finde, er lohnt sich. Letzte Woche habe ich das Probekleid schon mal am Bügel gezeigt und etwas darüber geschrieben, heute noch mal ausführlicher.

Also habe ich McCalls 4769 vergrößert. Ich habe (wie immer nach der Anleitung bei Sew'n Sushi) eine FBA gemacht, also mehr Platz für die Brust geschaffen. Das war schon mal nicht schlecht und das Probeoberteil, das ich danach nähte, saß seitlich am Busen sehr gut. Leider schloß es nur gerade so über der Brust. Jetzt finde ich zwar die Anleitung für den Schnitt sehr ausführlich und reich bebildert, aber eben auch mit sehr kleinen Bildern und auf englisch. Ich nahm immer wieder Anläufe, sie zu lesen und brach aus Faulheit ab. So richtig warm wurden die Anleitung und ich nicht. Deswegen fragte ich mich auch immer wieder, ohne eine Antwort zu finden, ob die Knopfleiste nun zusätzlich angenäht wird oder nicht. Das ist nicht ganz unwesentlich, wenn frau ein Oberteil mit Knöpfen vor der Brust auch schließen will. Beim Nähkränzchen in Berlin wollte ich zwar die Frage stellen, aber vor lauter Plaudern und singen, hatte ich es vergessen.


McCalls_Anleitung


Da ich nicht merkte, dass ich den Knopfleistenbeleg vergessen hatte abzupausen und zuzuschneiden, ging ich irgendwann davon aus, dass die Knopfleiste angefügt ist und damit mein Oberteil zu eng. Also vergrößerte ich es noch einmal - dieses Mal mit einer Weitenzugabe, die ich mittels eines senkrechten Abnähers von der Schulternaht bis kurz über die Brustspitze wieder relativierte. Tja, und dann war das Oberteil zu weit und der senkrechte Taillenabnäher saß zu sehr seitlich. In dem ich am fast fertigen Kleid an den Abnähern noch etwas korrigierte, wurde es etwas weniger "blusig", aber perfekt ist was anderes. Egal, da ich in Berlin wunderschönen günstigen Stoff für weitere Hemdblusenkleider gekauft hatte, deklarierte ich kurzer Hand das grüne Baumwollkleid mit den weißen Pünktchen zum Probekleid und trage es einfach trotzdem, obwohl es bei Weitem nicht perfekt ist - schließlich hat es die herrlichen Kugelknöpfe vom Nähkontor! (Bilder gibts morgen zum MMM)


Kugelknöpfe


Der Vorteil der zusätzlichen Oberteilweite ist, dass ich auch dem Rockteil im Bruch die entsprechende Weite zugegeben habe, was genau richtig war. Wenn ich also jetzt den Oberteilschnitt noch einmal überarbeite, muß ich genau überlegen, wie ich meine Abnäher verteile, setze und wie breit ich sie mache, um am unteren Ende des Oberteils, genau das passende Unterteil zu treffen. Die Änderungen bezüglich der Taillenhöhe, die meine Nähfreundinnen auf dem Kleid einzeichneten, habe ich schon auf den Schnitt übertragen.

Na, und was wäre McCalls 4769 ohne den Kragen. Ich habe mich 8 Stunden mit dem Kragen herumgequält und ihn zig mal angenäht und wieder abgetrennt. Danke eines Links von Mema zu einer englischen Fotoanleitung habe ich kapiert, wo das Problem liegt: das Problem sind die Einschnitte und die Lösung die Stütznähte!

Schon während des Abpausens gab es Markierungen in Kreisform (rot eingekringelt auf dem Foto unten) auf dem Schnitt, die ich mir einfach nicht erklären konnte, wozu sie dienlich sein sollten. Ich malte sie halbherzig ab, nutzte sie aber nicht. Um den Kragen aber ordentlich einnähen zu können, ist es es wichtig, nicht nur exakt auf der vorgegebenen Nahtlinie zu nähen, sondern auch Einschnitte zu machen, um Rundungen ordentlich zu arbeiten. Das war mir zwar klar, aber immer dann, wenn ich meine Naht kontrollierte, fand ich sie noch nicht gut genug, um die Einschnitte zu wagen. Hätte ich eine Stütznaht gemacht, hätte ich einschneiden können, ohne etwas zu risikieren und hätte den Kragen nicht 10000 mal auftrennen müssen!


McCalls_Oberteil


Mittlerweile hat Lotti eine ganz wunderbare Foto-Lovestory für den Kragen gemacht - sogar mit Paspeln! 1000 Dank dafür, liebe Lotti! Das motiviert mich, meine veränderten Schnittteile noch mal zu überarbeiten, zwei weitere Kleider nach dem Schnitt zuzuschneiden und dieses Mal an den relevanten Stellen die Nahtlinie einzuzeichnen und ganz ordentlich zu arbeiten. Bilder an der Frau mit Pünktchenkleid gibt's morgen, denn dazu gibts dann auch noch Einiges zu sagen, was einen eigenen Blogpost wert ist!

Häkeldecke

Hexagon vs zickzack

Seit Wochen häkele ich Zickzack in allen Farben und Farbwechseln als Probeding für eine große Sofadecke. Aber: wenn ich links und rechts vergleiche, neige ich dazu, den Plan mit der Wellendecke über den Haufen zu werfen und doch die Hexagondecke von rosa p. zu häkeln. Egal, wie ich die Farben kombiniere, wie dick ich die Wellen häkele und auch jetzt, wo ich die richtige Wolle endlich geschenkt bekam, um loszulegen. Es wird einfach nicht schön.

Also werde ich jetzt ein paar Knäul umtauschen und Hexagone häkeln. Ist ja auch spielplatztechnisch viel praktischer, denn so kann ich unterwegs "Blümchen-Kreise" häkeln, die dann anschließend zuhause mit dem hellen grau zusammengehäkelt werden. Und da ich jetzt auch noch mal in einem Häkelbuch nachgelesen habe, wie das mit dem Faden einhäkeln bei Farbwechseln geht, brauche ich auch nicht mehr so viel Angst vor zu viel Fäden vernähen haben. Entschieden! Endlich! Ich freu mich drauf!

P.S. der Hexagon-Rand ist nur so wellig, weil ich da ne andere Wolle zum Ausprobieren nutzte.#
PPS. Der Gatte wird vermutlich erleichtert sein, denn er ringt seit Tagen mit Worten, um mir zu sagen, dass meine Probestücke hässlich sind.