Montag, 9. September 2013

Das Durchhaltedilemma



Eigentlich war es eine gute Idee, im Mai-Sale bei Lanade schon mal etwas Material für Weihnachtsgeschenke zu bestellen. Eigentlich. Optimistisch bestellte ich drei Stränge "Drops Lace", die häufig gehört und gelesenen Kommentare ignorierend, die feststellten, dass "Lacestricken so gar nichts für sie sei". Pah, dachte ich, ich bin doch eine geübte Strickerin und überhaupt habe ich so was schon mal in der Art gemacht und außerdem fühlt sich Seide toll an. Am Wochenende hatte ich etwas Ruhe und Muse, ein Laceprojekt zu beginnen.

Vor dem Vergnügen stand die Arbeit, den Strang zu einem Knäul zu wickeln. 800 m können verdammt lang sein. Ich war schon mittelmäßig genervt bevor ich überhaupt angefangen hatte, zu stricken. Nachdem ich ungefähr 30 Reihen gestrickt hatte, mußte ich mir eingestehen, dass die Nadelstärke wohl zu dick gewählt sei. Aufribbeln ging nur schlecht. Schlecht gelaunt warf ich den Fetzen in den Müll. Ich mag einfach nicht mehr mit Metallnadeln stricken, sondern bevorzuge mittlerweile die Holznadeln von Knit Pro, aber die richtige Nadelstärke hatte ich trotz mittlerweile reichhaltiger Auswahl leider nicht. Ich entschied mich für eine wesentlich kleinere Nadelstärke, eine weise Entscheidung, nun kann man einigermaßen erkennen, was ich strickte. Aber schön ist etwas anders und Spaß macht es auch nicht.

Beim Musterstricken warte ich immer auf den Moment, wo ich nicht mehr auf die Anleitung schauen muß, weil mir das Muster in Fleisch und Blut übergangen ist. Die Frage ist stets, wie schnell geht das bei einem neuen Muster geht. Wann schmeiße ich das Muster in die Ecke und entscheide mich für ein Anderes, weil mir der Rapport einfach nicht logisch ins Hirn eingebrannt ist. Bei glatter Wolle, die relativ fest verstrickt wird, geht es schnell: habe ich das Muster ein oder zweimal gestrickt, brauche ich die Anleitung nicht mehr (für das Muster). Bei Lace ist es etwas anderes. Diese Lockerstrickerei hat zur Folge, dass vor dem Spannen noch nicht wirklich viel vom Muster zu sehen ist. Ganz abgesehen davon, dass eine Reihe bzw. eine Reihe von Reihen schon ihre Zeit braucht, bei dem dünnen Garn, das eben nicht selbstverständlich von den Nadeln gleitet.

Jetzt sitze ich hier, schaue auf das kleine Dreieck und zweifele, ob ich daran weiter mache. Recht bald, noch weit vor Weihnachten brauche ich ein Geschenk - ob es wirklich ein Lacetuch sein muß? Wäre es nicht besser für meine Nerven, würde ich etwas wohlgehütetes Alpaca-Silk aus dem Lager holen und das Tuch noch einmal häkeln, dass ich letzte Weihnachten einer Freundin machte? Alpaka-Silk fühlt sich auch schön an und das Häkeln verschafft mir sicherlich ein schnelleres Erfolgserlebnis. Crafteln soll doch Spaß machen! Aber kaum denke ich das, sitzt das "Lenorgewissen" auf meiner Schulter und ermahnt mich, noch ein bißchen durchzuhalten. Vielleicht bin ich ja kurz vor dem Durchbruch, erkenne nach ein paar Reihen mehr schone etwas von dem Muster und habe die Logik des Musters intellektuell durchdrungen und auswendig im Kopf? Das Erfolgserlebnis, eine neue Herausforderung gemeistert zu haben, wäre doch eigentlich noch schöner, als nur ein schnell fertiges Tuch zu haben. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Was bleibt zu tun? Durchbeißen? Ein UFO riskieren, weil das Lustprinzip das Häkeln wählt? Es bleibt spannend.

Kommentare:

  1. hahahahaah ! ich lach mich schlapp ! denn genauso hab ich gestern angefangen zu stricken...ein lace schal...allderdings aus festerem garn..weil diese öde mohairstrickerei verursacht mir tennisarm...nu ja , das muster das irgendwann mal erscheint ( in reihe 18 ??) ist ganz hübsch. aber halt ohne löcher, wegen garn und so...hab heute mittag schon herumgeschaut was es sonst noch so gäbe : aber ich bin :
    eine verdammt schlechte strickerin..wegen tatsächlich mangelnder geduld .

    halte durch ! es wird ganz bestimmt toll dein ergebnis .

    liebe grüße
    stella

    kann ich mir auch mal dein lenorgewissen aussleihen ??

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  2. Kannst du nicht einfach das Tuch mit dem Lacegarn häkeln?
    LG,
    Claudia

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    1. Mmmmh, dann müsste ich aber wahrscheinlich zweifädig häkeln, ansonsten bräuchte ich eine sehr kleine Häkelnadel. Ob es das bringt? Ich stricke schon auch gerne.

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  3. Genauso ging mir das auch. Lacegarn stricken ließ mich verzweifeln, aber häkeln ging wirklich gut und flott von der Hand.
    Vielleicht ist ein half-granny-square Dreieckstuch was für Dich ?

    LG, Katja

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    1. half-granny-square-Dreieckstuch? Also ein Tuch, das in Stücken gehäkelt wird?

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    2. Hast du das Lace-Garn verhäkelt?

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    3. Nee, ein halbes Granny...ein gehäkeltes Dreieck. Google mal "half granny square", da kommen viele schöne Beispiele. So : http://www.barjolaine.com/albums/barjo_crochet/photos/69811781-dsc_0183.html oder so : http://bettina-w.blogspot.de/2012/01/half-granny-squares.html Hier ist eine Anleitung : http://strickliese-kreativ.blogspot.de/2013/06/anleitung-halbe-grannys.html
      Ja, ich hab das Lace-Garn verhäkelt ... schön sind da auch diese Farbverlaufsknäule.

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    4. *hmpf*...warum gehen jetzt die Links nicht anzuklicken ?

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  4. Ui ui, ich bin ja schon für simples glatt rechts stricken zu ungeduldig, da würde mich sowas echt fertig machen...
    Was mir einfiel, als ich KnitProNadeln las: Den Wollladen am Alma-Wartenberg-Platz in Ottensen kennst du?

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    1. Na klar, kenne ich den. Da gibts aber nur doofe Bambus-Nadeln.

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    2. Da hab ich zum ersten mal die KnitPro Nadeln empfohlen bekommen (und will seither, wenn ich schon stricke, auch mit nix anderem mehr stricken...).

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  5. Es ist beruhigend zu wissen, dassea anderen genauso geht. ich stricke gern und finde das entspannend, aber dieser Faktor kommt da bei mir nicht auf. habe auch ein Tuch angefangen und zieh das jetzt durch, wenigstens einmal.So mein Vorhaben. danach kann ich immer noch sagen nie wieder. Vielleicht bist du dann auch besonders stolz? Vielleicht kommt der Effekt, des Selbstläufers als Muster bei Lace eben erst nach 100 Reihen? Vg kaze

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  6. Ich habe auch ein Lace-UFO im Schrank, ein eigentlich simples und noch rel. Festes Muster, aber dennoch. Die Wolle fühlt sich doof an, man erkennt nicht wo man dran ist und kann nicht abschätzen ob es was wird. Schrecklich. Ich werde das Muster nochmal aus dickerer Wolle antesten, wer sagt denn, dass es nicht einen Mittelweg zwischen nichts und Wolldecke gibt ...

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.