Montag, 19. August 2013

Was Nähkrisen mit dem Leben zu tun haben

Was mache ich nur mit dieser Näh-Krise? Dass ich immer noch mittendrin stecke, merkte ich gestern dank eines Kommentars auf twitter, der mich daran erinnerte, dass ich früher - ach früher! - immer Sonntag abends genäht hatte. Auch gestern hatte ich das Wohnzimmer für mich und dann einer Extratasse Kaffee war ich auch nicht müde - aber Lust zum nähen hatte ich nicht. "Nähen geht immer" schrieb Frau Strich und Faden, letztens auf twitter, selbst mit Migräne und ich fragte mich, wo eigentlich mein "immer" geblieben ist. 

Heute morgen schlich ich dann schlecht gelaunt durch die Gegend und schaffte es, Schritt für Schritt meine Nähkrise in eine Lebenskrise umzuwandeln. Schuld ist nicht das Nähen, schuld ist das Leben. Ich habe einfach kein Leben für meine Kleider. Ich weiß nicht, was ich nähen will, weil ich einfach nicht weiß, wie ich leben will. Wechseljahre ohne Ziel. Übergangsmoratorium der feinsten Art. 

Dreh- und Angelpunkt ist natürlich das Leben, sprich die Rollen, die ich tagtäglich bzw. im Laufe des Jahres einnehme. Für diese verschiedenen Rollen brauche ich etwas zum anziehen, in dem ich mich wohl fühle. Sind die Rollen durcheinander, ist möglicherweise auch der Kopfkleiderschrank überfordert. Nach wie vor habe ich das Problem, dass ich als Freiberuflerin-und-Muddi viel zu wenig Gelegenheiten habe, etwas Schickes anzuziehen. Wozu also die schönen Kleider? Wozu also Kleider, die ich bügeln muß? Ich nähe nun am vierten Hemdblusenkleid aus Baumwolle der Saison und ziehe die anderen drei überhaupt nicht an. Wozu also an den Ming-Vasen weiternähen? Kein Wunder, wenn ich dazu keine Lust habe. 

Es gibt in Berlin am Maybachufermarkt diesen Stand mit den hübschen Baumwollstoffen. Nennt man so etwas Patchworkstoffe? Schöne Farben, reizende Muster, schöne Qualität. Letzte Woche dachte ich, ich könnte nicht leben, ohne diese Pagodenstoff auch zu haben, aus dem erst Frau Nahtzugabe "das 400-Euro-Kleid" und dann Frau sewing addicted den Traum in Rot nähten. Das ist ein Stoff mit Potential. Ein Stoff, wie ich ihn mag. Einfach ein bißchen anders. Ich finde ihn großartig. Genau wie die verrückten Ming-Vasen und die Schwalben. Ach ja, die Schwalben. Die unvernähten Schwalben. Ich finde, diese Stoffe passen zu mir. Ich mag das Besondere, ich mag Farben, ich mag das ungewöhnliche; aber ich habe keine Ahnung, was ich daraus nähen könnte, denn baumwollene Kleider mag ich nicht. Zumindest zur Zeit nicht, wohlwissend, dass ich hier noch einen wunderbaren Schnitt herumliegen habe, den mir dankenswerter Weise Frau Kleines Haus vermacht hat und den ich eigentlich auch noch unbedingt vernähen wollte. Und dann gab es noch diesen wunderschönen Blümchenstoff von Frau Anneblog , der auch noch hier herumliegt. Bin ich gierig? Warum will ich das Zeugs unbedingt haben, obwohl ich dann nichts daraus mache oder das, was ich daraus mache nicht anziehe? Ich fühle mich furchtbar mit diesen Projekt-Leichen. 

Mir fällt dazu nur das Wort "Jersey-Mädchen" ein. Natürlich bin ich kein Mädchen, sondern eine Frau, aber es erinnert mich an "Pony-Mädchen" und "Pony-Mädchen" sind in der Pubertertät und wissen nicht, wer sie sind und wohin mit sich. Genauso fühle ich mich, auch wenn meine Pubertertät wohl eher Menopause heißt. Die Freiberuflichkeit und das in großen Schritten selbständiger werdende Kind, zwingen mich, immer wieder und zur Zeit ganz besonders, mein Leben in Frage zu stellen, neu herauszufinden, was ich sein und machen will. Ich habe das Gefühl, mal wieder "auf Null zu stehen" und die Chance, aber auch die Aufgabe zu haben, alle Weichen neu zu stellen. Es bleibt die Frage, ob die Garderobe dann das Huhn oder das Ei ist. Finden sich die Aufgaben zu den Kleidern oder die Kleider zu den Aufgaben? 

Catherines Kostüm-Sew-Along wäre eine Möglichkeit, mich aus der Näh-Krise zu holen. Ein Kostüm ist eine feine Sache im doppelten Wortsinn. Feine Sachen braucht frau, um wichtige Gespräche zu führen, mit einem Kostüm ist frau immer gut angezogen und eine Jacke brauche ich sowieso bald wieder. Einen Blazer wollte ich schon lange nähen, denn ich mag es, wenn die Jacke Form gibt und trotzdem nicht so ein großes Ding ist, wie ein Mantel. Trotzdem kommt es mir wahnsinnig, sprich zu ambitioniert, vor, von einer Näh-Krise aus direkt in einen Kostüm-Sew-Along zu starten. 

Ich brauche etwas zum warm-nähen. Natürlich aus Jersey. Wie kann es anders sein. Heute morgen dachte ich, dass das einzig Positive am kommenden Herbst doch sei, dass ich das Anlass-Kleid und das Dodo-Kleid bald wieder anziehen kann und dann sah ich die Bluse bei Monika. Ab gesehen davon, dass meine Augen natürlich an dem Muster hängen blieben, finde ich die Idee, einer Jerseybluse ganz inspirierend. Vielleicht muß ich ja Hemdblusenkleider aus Jersey nähen! Vielleicht liegt es einfach nur am Baumwollstoff, der zwar schön ist, aber so wenig zu meinem Leben passt. Vielleicht sollte ich diesen hübschen Jersey, der darauf wartet, das nächste Ajaccio zu werden, doch lieber in ein Hemdblusenkleid verwandeln? Ich glaube, ich versuche es. Jetzt. 

Kommentare:

  1. Ich glaube, Du bist eher ein ganz vernünftiges Mädchen und kein Pony-Mädchen. Die vernünftigen kaufen nur Kleidung, die auch in die Waschmaschine können und wollen nur nähen, was sie auch tragen werden. Die vernünftigen Freiberufler-Mädels gehen morgens an ihren Schreibtisch und fangen an zu arbeiten und was sie da anhaben, ist ihnen erstmal egal. An guten Tagen ist es das auch wirklich. Aber es gibt eben nicht nur die guten Tage. Für alle anderen braucht man die Ming-Vasen genauso wie das 120er Papier, den guten Pelikanfüller, roten Lippenstift, etc. Vielleicht solltest Du genau an das gehen, wo Du den größten Widerstand spürst. Würde ich als Regisseurin jedenfalls der Schauspielerin raten. Nimm Dir Deine Musikikone vor und näh Dir ein Rockstar-Outfit. Das kann und darf gar nicht alltagstauglich sein, aber jedes Mal, wenn Du es anziehst, solltest Du Dich 20 Zentimeter größer fühlen. ;-)

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  2. Ich glaube zu wissen, was dich plagt, denn mir geht es ähnlich. Wenn auch das Nähen für mich etwas Wichtiges und Besonderes ist, so schwankt doch von Zeit zu Zeit seine Bedeutungswürdigkeit für mich. Und auch dieses Hin- und Herüberlegen was die berufliche Zukunft betrifft schafft mich. Ich glaube, nur weil ich den Luxus einer Wahl habe, entsteht eine Qual. Wie wäre es denn, wenn ich einfach MÜSSTE? Seufz... Wir Frauen sind eben zyklische Wesen und die Erfahrung lehrt mich, dass auf blöde Zeiten weniger blöde/schöne folgen.

    Verständnisvolle Grüße, Mascha.

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  3. Den Satz "Ich habe kein Leben für meine Kleider" kann ich blind unterschreiben. Wenn ich durch all die ganzen Blogs klicke, und all die tollen Kleider sehe, mit Tellerrock und Petticoat, aus tollen Stoffen, Farben und Mustern - ich möchte die alle nachnähen. Ich schleiche durchs Stoffgeschäft, tatsche sämtliche Stoffe an und denke: Das wäre ein tolles Kleid! oder: Das wäre eine super Jacke! und schlagartig kommt die Ernüchterung: Wann soll ich das tragen? Ich im süßen Pünktchenkleid, mit Schleifchen hier und Rüschen dort - und dann in der Mittagspause mit dem Hund durch die Bronx von Dortmund? Die fangen mich ein. Na ja gut, nicht ganz Bronx, aber einfangen würde man mich trotzdem, so verkehrt wäre ich.
    Was ich nähe, sollte auch in mein Leben passen, sonst landet es auf Nimmerwiedersehen im Kleiderschrank. Und dafür mache ich mir nicht die Arbeit. Ich nähe schon nach Burda, weil ich mich damit am ehesten identifizieren kann, aber es kommt halt auch vor, dass ich drei Ausgaben hintereinander in den Schrank lege und denke, es wäre doch besser, das Abo zu kündigen. Mir fehlt die Lust, die Inspiration, die passenden Schuhe und überhaupt.... Aber bis jetzt ist alles wiedergekommen.
    Und vielleicht ist der Sew-Along wirklich eine gute Möglichkeit für das Beenden Deiner Nähkrise. Warum auch nicht?
    LG, Sandra

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  4. Wenn ich mal keine Lust habe, dann lebe ich diese "Nichtlust" auch aus. Zu nichts gezwungen werden, vor allem was das Hobby betrifft. So liegen bei mir 4 angefangen Kleider, 2 Jersey, 2 Nichtjersey. 2 verschiedene Schnitte. Ich habe keine Lust auf diese Kleider. 1 ist sogar fertig. Es passt nicht zu mir. Der Schnitt passt nicht. Ich habe falsch geändert, der Figur angepasst, aber es ist der Schnitt. Ich lasse sie liegen.
    Mir helfen dann entweder Shirts nähen - ich nähe sehr sehr gerne Shirts. Oder Taschen nähen. Ich nähe auch sehr sehr gerne Taschen. Ich nähe dann etwas, was ich gerne nähe. Und meist ist es einfach eine Tasche, denn die muß ich nicht anpassen, anprobieren, abstecken, etc. Da kann ich in Stoffen suchen und mixen und mischen. Oder - ich stricke einfach nur.

    Und manchmal hilft ein neuer Schnitt. http://de.dawanda.com/product/43392250-ONION-2045-Retrokleid-mit-Kragen
    Ich wünsche dir viel Glück.

    Und nicht vergessen! Nichts ist Zwang. Es soll Freude machen.

    lg monika

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  5. Lustig, so einen ähnlichen Schnitt habe ich vorhin zugeschnitten. Mit Kragen, Schlitz statt Knopfleiste und sonst ganz schlicht. Nach diesem hatte ich im Winter das dunkelblaue "Anlasskleid" genäht. Jetzt bin ich gespannt, ob der auch in dünnem Jersey geht.

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  6. Ich habe ja gar kein Leben für Kleider und trage einfach trotzdem welche und am liebsten aus Jersey. Ich arbeite mit kleinen Kindern und die würden so ein Kleid mit " Gerät" zwar toll finden aber am Ende des Tages hängt dann sicher der halbe Sandkasten drin. Ich bin definitiv eine Jersey Frau und nähe auch Schnittmuster für Baumwollstoffe aus Jersey, weil Baumwollstoffe nicht zu mir passen. Sie sehen toll aus in ihren Kleidern in denen aus Jersey und in denen aus Baumwollstoff auch.
    Warum eigentlich Jersey Mädchen ? Frauen wollen doch auch bequeme Kleidung und ihre Kleider beweisen doch , dass bequem auch in schick geht.
    Vielen Dank für ihre Ehrlichkeit, uns Leser auch an Krisen teilhaben zu lassen. Ich drücke ihnen die Daumen, dass sie bald ein Kleidungsstück entdecken, welches sie so unbedingt haben müssen, dass die Krise vorbei geht.
    lg Sylvia











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  7. Du hast, so lese ich deine Beiträge zumindest, keine Näh-Krise. Du hortest nach wie vor Stoffe, wünschst dir weitere, du sinnierst über Schnitte und Möglichkeiten. Du bringst deine Maschinen zur Wartung. Du hast eher eine ... Umsetzungs-Blockade. So wie ich dich hier kennen gelernt habe, ist Nähen für dich Teil des Ausdrucks deiner selbst in dieser Welt. Die Umsetzungs-Blockade verhindert das Zeigen deiner selbst und du scheinst dich so etwas wie unsichtbar zu fühlen. Wo bin ich? Diese Frage lese ich aus jeder deiner Zeilen.
    Alexandra hat das schon ganz passend beschrieben oben weiter: ich würde mir nie einen roten Lippenstift kaufen, wozu sollte ich den tragen? Aber ich habe mir grüne Federohrringe gekauft und dann die Flamingobluse dazu genäht. Und an diesen Tagen, an denen alles Mist ist, sind sie mein Schutz und Schild. Und so ein Tag kann auch der Samstag mit den Patchworkkindern auf dem Spielplatz sein.

    Was ich sagen will: Der erste und einzige Mensch, der ein Ming-Vasenkleid braucht bist du selbst. Nicht die inexitenten Kollegen, nicht dein Kind, nicht die Passanten auf der Straße. Du brauchst es - weil es dich glücklich machen kann auf vielen Ebenen. Und ja, auch wenn es im Schrank hängt. Würde es da nicht hängen, könntest du nie darüber nachdenken, wann du es tragen könntest. Und würdest du nicht feststellen, dass die Gelgenehiten dir fehlen, dann würdest du nicht feststellen, dass du unzufrieden bist und könntest nichts ändern. So aber kannst du alles: Ming-Kleid nähen und besitzen, dein Leben ändern und Gelgeneheiten finden, es anzuziehen. Welch Lebensreichtum!

    (ist das ein bisschen wirr, was ich schreibe? Ich hoffe, du kannst es noch nachvollziehen ;))

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    1. ich find das schön geschrieben, und hab endlich die antwort für meine kleiderl, die ich nie anzieh weil der anlass fehlt. als mami plus viel arbeitenden mann kommt man da eher selten "anlässlich" unter leute, aber ich liebe die vorstellung von mir im stich detail ;) liebe meike, ich finde dich und deine jerseykleider toll! und in baumwollkleidern bist du auch toll. manchmal frage ich mich wozu ich überhaupt noch was und noch was neues nähe, mein schrank platzt aus allen nähten. erst würde ich einen schrank brauchen der mehr platz bietet ;)

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  8. Hm, LebensformundwieweiterKrise und Nähkrise.....das mit dem "wohin will ich" habe ich z.Z. auch teilweise, wobei ich nach längerer Quälerei letze Woche mal eine Entscheidung getroffen habe, tut erst mal gut, aber ob es gut wird......Vielleicht wäre der Versuch einer "Entkopplung" der beiden Krisen einen Versuch wert? Ich habe in den letzten Jahren beschlossen, auch bei der Arbeit z.B.sehr bunt und in "meinen" Sachen rumzulaufen. Vielleicht solltest Du Deine wunderbaren Nicht-Jersey-Kleider ganz bewußt im normalen Alltag anziehen? Notfalls auch mal ungebügelt?
    Und das Kostüm? Ist ja ein dehnbarer Begriff.....eigentlich doch nur Jacke und Rock??? Und sprachen wir nicht mal von einem Business-Outfit? Versuchen? Und wenn "nur" eine Jacke, ein Rock oder nix rauskommt - nackt muss Du nicht vors Haus....
    Liebe Grüße
    Sabine

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  9. Auf dem pad macht Lange tippen keinen Spaß, daher nur kurz:
    Ich verstehe das alles vollkommen.
    Und ich habe seit x Jahren (5? Mehr?) eine Jersey Bluse (von Boden uk

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  10. Ich habe massenweise schöne Stoffe und reichlich Schnitte, die mich anlachen. Trotzdem habe ich manchmal einfach keine Lust zu nähen - und dann tue ich es eben einfach nicht. Nach einer Weile ohne nähen kommt die Lust ganz von selbst wieder und ich kann umso motivierter an neue (und alte, liegengebliebene) Projekte herangehen.

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  11. Ich hab es ja schon öfter gesagt, ich bin völlig schmerzbefreit, was meinen Hang zu überschäumender Garderobe angeht, während alle anderen noch Jeans anhaben. Ich ziehe meine Kleider auch zuhause an und zum einkaufen. Ich geh im 40er Jahre Kostüm an einem freitag ins Büro und alle anderen tragen schon Freizeitlook, um schnell ins Wochenende zu gehen, Chefs inklusive. Mir ist es inzwischen egal. Ich bin auch als Grundschülerin mit Perlenkette und Hut zur Schule gegangen, na und?
    Ich glaube, was aber durchaus einen Unterschied macht: Ich wohne in einem Szenekiez und da ist sowieso immer große Bühne. Vielleicht ist das das Entscheidende? Für mich jedenfalls ein Grund, niemals an den Stadtrand zu ziehen!
    Mir tut das immer sehr leid wenn ich lese, dass die schönen Kleider nicht ins Leben passen, das ist so schade.

    Ich drück dich! Catherine

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  12. liebe maike,

    vielleicht ist deine nähunlust, die ich sehr gut verstehen kann auch aufgrund von "statik" ?
    bei mir ist es jedenfalls so.auch ich befinde mich im kleidermodus.
    warum weiß ich gar nicht soo genau.vielleicht weil ich auch gern mal hübsch flanieren möchte ? und immer gern das passende in passenden augenblick sagen möchte und niemals einen eisfleck, oder sossenfleck haben will ?
    prinzipiell läßt mein leben aber oft auch nicht anders durchgehen als sossenflecke.ich habe keinen ninetofive job im büro.ich arbeite in der psychatrie mit einer menge an aggressionen und einer menge an körperflüssgkeiten..ein kleid zu tagen wäre grob fahrlässig.in meiner freizeit bin ich fremdbestimmt durch haus und gartenarbeit, ein kleid wäre mir zu voluminös. natürlic ist das alles auch eine frage der gewöhnung. die frauen haben früher nur kleider getragen und trotzdem alles prima hingekriegt. eine errungenschaft der emanzipation ist ja auch die auswahlmöglichkeit der möglichkeiten. und ich glaube das muss man für sich partizipieren.
    wer bin ich und wie viele ? das ist doch genau die frage.
    ich bin eben nicht nur die die den ganzen tag im bequemlook rumlaufen will, sondern eben auch die mit lippenstift und rock.
    veilleicht müssen wir uns auch selbst gelegenheiten schaffen für uns selbst.so wie das hier schon von den anderen festgestellt worden ist.ich trag auch gerne mal lederjacke, und ja auch ich möchte einen tüllrock haben, weil ich wenn ich die möglichkeit htte würde ich mich vielleicht dafür entscheiden.
    das heißt aber eben auch das man das statische gebilde verläßt, das einen drumherum umgibt aus erwartung, selbst und fremdbild.

    erst gestern hatte ich auf meinem städtetrip solch eine interessante begenung in einem klammotenladen. ich probierte ein kleid in blockstreifen an, und es hat mir echt gut gefallen. nur der verkäuferin nicht. sie trällerte ungefragt ihre meinung heraus und stelle mich zu den großgrößen hin mit wirklich abartig schlechten teilen. das würde viel vorteilhafter für mich sein...
    schlußendlich hab ich mich drüber aufgeregt. ich mag streifen. und keinen wirren leolook in schlammbraunbeige.aber so sehen halt einen die anderen.
    wichtig ist was man selbst im spiegel sieht, und von sich sehen möchte. und selbstnähen macht viel mehr möglichkeiten, das ist doch der springende punkt. auch ich werde mir zu den kleidern die ich machen möchte auch hosen nähen.
    weil ich hosen einfach brauche.für mich.

    lass dich nicht zusehr verwirren, geh wohin dein herz dich trägt.

    herzliche grüße von
    stella
    die auch auf der suche nach paar guten jerseys ist...

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  13. Liebe Meike,
    wie immer sprichst Du mir aus der Seele! Ich kann gut nachvollziehen, wie Wunschkleider und Leben (scheinbar) nicht zueinanderfinden, wie das Leben einen Kleiderschrank diktieren möchte, wie die Bequemlichkeit einen Kleiderschrank diktieren möchte und wie der Jerseywille mit den Schnittmustern streitet.

    Aber anschließen kann ich mich direkt Catherines Kommentar, dass ich entscheide, was ich anziehen möchte und anziehen darf/kann. Das heißt aber auch, dass die neuen Kollegen mich nach einigen Wochen verwundert gefragt haben, ob ich überhaupt Hosen besitze. Ja, aber ich mag die gerade im Büro nicht anziehen. Ob das nicht unbequem ist. Nein, sonst würde ich es ja nicht anziehen. Ob das nicht zu overdressed ist. Nein, ich will das so. Punkt. Vielleicht seid ihr ja underdressed?! Will sagen: Ich mach mir hier für mich meine Stilrichtung.

    Mittags ziehe ich mich um, schlüpfe in Jeans und T-Shirt und gehe Wulfhild abholen, dann Richtung Spielplatz. Das ist ein anderes Leben, eine andere Cati, ein anderer Kleidungsstil. Denn da ist in der Tat nicht so gut Platz für Kleider, selbst Röcke sind schwierig, weil man ja viel auf dem Boden hockt und dann immer auf ungewollte "Einblicke" achtnehmen muss. Da bin ich selber noch gespannt, wo die Kleidungsreise hingeht.

    Und was liebe ich Jerseykleider! Und was hasse ich das Nähen von Jerseykleidern (meine Maschine, der Zickzackstich und ich. Ein Todeskampf). Die Lösung? Noch keine Ahnung.

    Und was liebe ich "richtige" Kleider! Mit Schwung und Zipp und Zapp. Und was hasse ich das Nähen von "richtigen" Kleidern (mein fehlender Nähplatz, das Aufbauen der Nähmaschine und ich. Ein Todeskampf). Die Lösung? Ein Haus mit einem festen Nähplatz kaufen. Auf die Schnelle.

    Aber ich setze mich gerne an die Nähmaschine. Mal ganz lange nicht, mal ganz oft hintereinander. Mal nähe ich was fertig, mal verbocke ich nur. Aber immer mal wieder wird was tolles fertig, was ich dann sogar anziehe. Mehrmals. Und mir nicht verkleidet vorkomme und mich bewegen kann. Mit Schwung und durchgedrücktem Rücken.

    Weiter oben steht was von einer Umsetzungskrise. Das trifft es, glaube ich. Und entweder das Kleid findet zur Aufgabe oder die Aufgabe findet zum Kleid, das wird sich je nachdem zeigen. Nur Mut! Und starte direkt in ein Sew-Along, denn warum nicht? Es ist ja nicht jeden Tag und erschießen wird Dich auch keiner, wenn es nicht hinhaut. Aber vielleicht helfen die richtige Zeitplanung, der Anreiz, die anderen Mitnäher ja, wieder "auf Track" zu kommen?

    Ich grüße ganz verwirrt von meinem eigenen Geschreibe und drücke die Daumen für den nächsten "Live vom Jerseytatort",
    Cati

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  14. Einfach anziehen was gefällt, ob praktisch oder passend oder auch nicht! Mir geht es immer gleich ein bisschen besser mit einem schönen Kleid! Egal ob Jersey, Seide, Baumwolle.... Ob das Hasenkind nervt, der Job oder ähnliches. Ich schließe mich da Catherine an. Ich gehe auch in hohen Schuhen und Kleidchen auf den Spielplatz oder einkaufen. Und ob ich nun ein praktische Jeans oder ein Kleid waschen muss, ist ja wohl egal. Außerdem entfällt die kombinationsqual am Morgen. Kleid, Schuhe, Tasche fertig! Nähe dir ruhig weiter Jerseykleider und erfreue dich daran. Du siehst immer toll aus!! Hihi und falls du den Schwalbenstoff nicht brauchst.. Kleiner Scherz! Auch dafür findest du den richtigen Schnitt!
    Liebe Grüsse Dana

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  15. Liebe Meike,

    Ich ertappe mich derzeit oft in Jeans, denn allein zuhause mit Säugling, wen interessiert es? Ich habe aber bemerkt, dass ich mich immer wenn ich aus dem haus gehe und sei es nur auf den Markt, mega aufbrezele. Ich fragte mich kurz warum und stellte fest, ich vermisse es. Egal ob es keiner sieht. Ich sehe mich im schicken Kleid. Punkt, so mag ich mich. Und mir hängen nach der Schwangerschaft auch die Jerseykleider zum Hals raus. Und auch wenn Webstoffkleider gerade mega unpraktisch sind, weil man sich ja mit Baby dann gern viermal am Tag komplett umziehen muss, hab ich jetzt angefangen, mich eifach so, nur für mich, schick anzuziehen. Und ich fühle mich dann besser. Viel weniger Hausfrauig. Und wenn ich mich dann vielleicht dreimal umziehen muss, ist doch auch egal. Ich halte es da auch mit Catherine - alles eine Frage der Gewohnheit. Ich kam mir in der Uni auch ne Zeitlang immer völlig overdressed vor (da ist man ja schon schick, wenn man überhaupr aus dem Jogginganzug raus ist) - aber ich bekomme ganz viel positive Rückmeldung, ich denke, weil man mir anmerkt, dass ich mich in meinen Kleidern wohlfühle.
    Also einfach mal zuhause am Schreibtisch die Mingvasen anziehen! Nur für dich und deinen Kopfkleiderschrank!

    Viele liebe Grüße
    Hannah

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    1. Mmh. Zu ver-jetlag-ed, um zu kommentieren, scheint es. Ich schreibe noch einmal!
      Mir geht es wie Hannah, das Home Office macht mich auch nachlässig, da trage ich auch gerne Jerseykleider. Ich finde aber auch, dass Jerseykleider per se überhaupt nicht unchic oder irgendwas mit UN sind! (meine sind zugegebenermaßen nicht der Knaller...)

      Ich freu mich immer sehr, meine Kleider mit Petticoat tragen zu können, egal ob mit Fahrrad, im Regen, zum Einkaufen, ich habe mich UND meine Umwelt daran gewöhnt. Ich mag das. Insofern passen meine Kleider 1a zu meinem Leben. Ich würde nur gerne noch öfter meine Hütchen tragen können!

      Ich hoffe sehr, dass du Leben und Kleidung wieder überein bekommst. Ich glaube aber auch fest daran! Denn du wirst sicher eine schön anzusehene und praktikable Alternative entwickeln, sollte der bisherige Weg nicht funktionieren. Vielleicht dauert es noch ein bisschen, aber dann bist du wieder da!

      Ich drücke dich! Und bald sehen wir uns noch mal, ja?
      Liebe Grüße, Juli

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  16. ok, hab fast alle Kommentare durch...

    nun meine Meinung dazu und wie es mir scheint, ist die ganz anders als bei den anderen...

    was mir auffällt, dass viele hobbynäherinen sich das nähen, was sie bei anderen toll fanden oder vielleicht sie irgendwo einen schönen schnitt gesehen haben, den sie unbedingt nachnähen möchten. aber das ist immer noch 10 oder 20te kleid oder Shirt.
    was die Menschheit antreibt ist die Neugierde, sonst hätten wir niemals die Flugzeuge gebaut oder ins Weltall geschafft.
    was ich damit sagen will?
    man braucht eine Herausforderung. denn wenn man die Hürde geschafft hat, ist man nicht nur glücklich,sondern auch stolz.
    für mich persönlich ist auch Herausforderung wichtig, bestimmte Problemstellungen die im Prozess entstehen, zu lösen. denn das fordert auch mein geist!
    wie kann ein geist gefordert werden, wenn man nur die simple Shirts näht.
    das ist wie mit fließband- von der Wiederholung wird es langweilig.
    vielleicht ist deine sinn Kriese ganz nützlich um grundliegende dinge zu hinterfragen:
    warum nähst du? was ist genau dein ziel?
    wenns darum ging, Schrank voll zu kriegen, dann bist du am ziel und Auftrag ist erledigt..

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  17. Ich bin noch mal an dem Satz hängen geblieben, daß Du als Freiberuflerin und Mutti zu wenig Gelegenheit hast, was Schickes anzuziehen.
    Was macht denn die Gelegenheit aus? Meine Erfahrung (als Freiberuflerin und Mutti) ist: der echt bequem-Look ist eine Falle. Zwar bequem, aber eben auch glanzlos. Und eine gute Portion Glanz braucht man ab und an. Und damit meine ich nun nicht das seidene Cocktail-Kleidchen, obwohl ich dafür auch gerne mehr Verwendung hätte, sondern dieses kleine Bißchen Flair, das einen durch die grauen Tage bringen kann. Denn: als Freiberufler ist man eben auch vollkommmen selbstmotiviert. Da muß man manchmal die Trickkiste aufmachen. Wenn Du Deine Arbeit liebst, dann gibt'S eigentlich keinen Grund, warum Du nicht was Schickes ins Home-Office anziehen könntest.
    Alternativ zur näherischen und stilistischen Herausforderung vielleicht mal was am Alltag ändern? Zum Schreiben in ein schickes Café gehen oder sich ner Bürogemeinschaft anschließen? Dann kommt man raus, wird gesehen und dieses nagende Gefühl, daß es völlig egal ist, wie mana ussieht und was man macht, verschwindet.

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  18. Liebe Meike ,
    als wir uns das letztemal trafen sahst Du wirklich so toll aus in Deinem Punkte Jersey Kleid ! Wenn Deine Liebe dem Jersey gehört , dann näh Dir einfach so viele Ajaccios wie Du magst ! Ansonsten : Es gibt im Leben der heutigen Frauen nicht mehr wirklich " Anlässe " um Kleider zu tragen ( meine Vorrednerin hat das vor längerer Zeit mal sehr schön beschrieben )- selbst in der Oper kannst Du mit Jeans und Blazer erscheinen ... Und ganz ehrlich : keine von uns ist ständig zu schicken Vernissage Dingens eingeladen . Ich bin ja auch ein zu Haus " Schreibtischtäter " , aber ich sitze dort gern auch mit Tellerrock und " Gerät " - einfach weil ich mich dann schöner fühle und durchaus auch kreativer bin . Ansonsten stimme ich Catherine voll und ganz zu : frau kann auch in Kleidern ganz prima putzen , kochen , einkaufen ...und die dummen Blicke der anderen ganz einfach ignorieren
    liebe Grüsse aus der viel kleineren und biederen Hansestadt Dodo

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    1. Danke, liebe Dodo, deinen lieben Kommentar, nahm ich heute gleich zum Anlass, zwei weitere Ajaccios zuzuschneiden.....

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  19. Liebe Meike, jetzt gebe ich auch noch meinen Senf dazu. Ich habe ich mich peu à peu durch alle Kommentare gelesen, auch bei Caherine, und wundere mich immer noch. Wichtig ist doch, dass ICH mich wohl fühle in meiner Kleidung, egal ob Kostüm oder Jogginghose, Pumps oder Gummistiefel. Wenn es so ist, dass ich aufgrund meiner Kleidung auffalle und mich deswegen unwohl fühle, liegt es an mir, dies zu ändern. Ich kann an meinem Selbstbewusstsein arbeiten oder an meiner Kleidung.

    Wie auch immer, es ist genial, die Freiheit zu haben, alles anziehen zu dürfen (auf dem Spielplatz und der Hundewiese darf man ALLES anziehen) und nicht den Erwartungen des Arbeitgebers entsprechen zu müssen (auch da habe ich natürlich die Freiheit, das Unternehmen wechseln, aber wenn der Beruf Spaß macht und im Übrigen in vielen Unternehmen ähnliche Kleidervorschriften herrschen (einschließlich des Themas Strumpfhosen im Sommer, rasierte Beine usw.) müsste ich schon den Job oder die Branche wechseln.

    Sei froh, dass du als Mutter und Freelancer anziehen kannst, was du willst. Es liegt an dir, zu dir zu stehen und das anzuziehen, was DU möchtest.

    Lieben Gruß, Anja

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  20. ...und mir fiel auch noch was ein- eine Frage- eine Vermutung
    Kann es auch sein ,dass die berufliche Tätigkeit nicht mehr passt?
    liebe Grüße,selberschön

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  21. Natürlich spielt das auch eine Rolle!

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  22. Jersey ist Klasse ! jersey ist bequem, nichts kneift und wenn man das entsprechende darunter trägt (und der Jersey nicht zu dünn ist ;-) ) zeichnet sich auch nichts ab. Ich liebe Jersey in allen Varianten (vor allem Romanit - aber das weiss sowieso jeder ...) Aber das Problem mit den nicht getragenen Kleidern kenne ich. Da will ich mal ausbrechen und sei es nur in der stoffwahl und schon hängt es ungetragen im Schrank. ich habe mir geschworen, das ich keine Baumwollkleider ohne Stretch mehr nähe. Ich mag die Knitterei einfach nicht und deshalb war der rote Leinenrock auch mein letztes Stück, was ich aus Leinen genäht habe. Guck Dir einfach genau an, nach was du im Moment im Kleiderschrank greifst - und wenn es eine Jeans und das T-Shirt sind ... so what, dann nähst du dir mal eine Jeans und T-Shirts :-)
    LG Eva

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.