Dienstag, 25. Juni 2013

Schnell nähen

Neben "hast du nicht schon zu viele Kleider" ist die nächst häufigste Bemerkung zu meinem Tun "du nähst aber schnell" (also sowas wie "woher nimmst du die Zeit", "wie machst du das"). Auch diese Bemerkungen erinnern mich an Catherine, die vor langer Zeit mal einen Post zu "schnell nähen" schrieb, den ich aber leider nicht mehr finde. Sieht aus, als wäre ich jetzt auch in dieser Phase.

Auch zu dieser Frage habe ich zwei Antworten:

Die Zeit nehme ich mir 

Da ich abends oft so müde bin, nähe ich mittlerweile sehr häufig zwischendurch, wenn sich ein kleines Zeitfenster von ungefähr 20 Minuten ergibt. Früher dachte ich, ohne Nähzimmer und liegen-lassen-können würde das nicht gehen. Geht aber doch. Ich bin mittlerweile sehr schnell, im Auf- und Abbauen der Maschinen und Materialien. Dazu gehört aber auch, sinnvoll Arbeitsschritte zu planen. Nur ganz selten habe ich beide Maschinen aufgebaut. Ich versuche, immer so weit vorzuarbeiten, dass ich ganz viel nacheinander an der Overlock mache, damit ich nicht dauernd beide Maschinen aufbauen muß. Außerdem versuche ich Sachen, die nicht so viel Konzentration erfordern, ganz bewußt irgendwo zwischenzuschieben und nebenher zu machen wie Pausen, Zuschneiden, Ärmel stecken - aber natürlich nur das, was einfach geht. Projekte, bei denen es etwas zu denken gibt, bleiben bei mir oft ganz lange liegen, weil es nicht so einfach ist, einen guten Zeitpunkt zum konzentrierten Denken zu finden.

Schlampereien sind erlaubt

Viele Arbeitsschritte, die ich mache, sind nicht ganz korrekt; ich finde sie aber für eine Hobbynäherin ok. Nicht bei jedem Nähwerk arbeite ich so unpräzise, aber oft.


  • Ich schneide die Nahtzugabe freihand nach Augenmaß (bei Schnitten ohne Nahtzugabe) und zeichne bei Schnitten mit Nahtzugabe die Nahtlinie nur dort ein, wo es schwierig ist (z.B. beim Kragen). 
  • Ich bügele nur sehr wenig - obwohl ich weiß, dass es besser wäre, es zu tun. 
  • Ich schneide zu 90 % mit dem Rollschneider zu. 
  • Passzeichen mache ich durch kleine Einschnitte mit der Schere in die Nahtzugabe, statt sie ordentlich anzuzeichnen. 
  • Ich reihe nichts
  • Ich stecke sehr wenig (seit dem ich mir mal das Messer der Overlock kaputt machte, weil ich über eine Stecknadel drüber nähte.
  • Ich versäubere sehr oft beide Nahtzugaben zusammen
  • Ich wechsele meist nur den ganz linken Faden bei der Overlock und versäubere im Sommer mit weiß und im Winter mit schwarz. 
  • Ich nähe Knöpfe mit der Nähmaschine an. 
  • Ich kümmere mich nicht darum, ob der Saum bei Jerseykleidern gerade ist, weil sowieso alles ständig verrutscht.
  • Ich säume Jerseysachen mit Zickzack, statt mit ner Zwillingsnadel. 
  • Ich hebe mittlerweile nicht mehr jeden Restzipfel eines Stoffes auf, damit es im Lager nicht zu kompliziert wird. 

Das einzige, was ich als aufwendige Zusatzarbeit bei Webstoffen mache, ist ein Probe(ober)teil zu nähen, denn das erspart mir viel Ärger. Am Anfang dachte ich noch, dass das dann Probekleider werden, aber mittlerweile schmeiße ich die Dinger weg, wenn ich die Änderungen auf den Schnitt übertragen habe. Das baut das Lager ab. 

Und ihr so? Habt ihr auch Methoden, wie ihr trotz knapper, kostbarer Zeit beim Nähen zu Ergebnissen kommt?



Kommentare:

  1. In einigen Dingen erkenne ich mich wieder!! Vor allem, wenn ich für meine Tochter nähe.. Sie passt meist eh nicht lange rein.. Hihi!
    Viele Grüsse Dana

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  2. Ohgott, ich erkenne mich nicht nur in einem oder zwei Punkten wieder. Ich nenn die Methode immer ganz charmant "quick&dirty" :D
    So richtig viel Zeit für astreine Nahtzugaben und Passzeichen nehme ich mir nur, wenn das Ergebnis wirklich perfekt sein soll...

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  3. das mit dem 'zwischenschieben' kenne ich nur zu gut :D
    sachen die nicht viel konzentration brauchen, oder die ich wirklich oft mache, schaffe ich auch nach feierabend locker.
    für größere auftragsarbeiten (abendkleider,hosen ect) nehme ich mir immer einen wochenendtag. da kann ich nach belieben auch pausen einbauen in denen ich über die nächsten arbeitsschritte nachdenke :)

    nur das stecken würde ich niemals nie vernachlässigen :D allerdings prüfe ich auch pedantisch vor der ovi ob alle nadeln draußen sind. mir ist auchmal das messer abgebrochen ;)

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  4. Ohh, vielleicht hat es etwas mit meinem Alter oder mit meiner langjährigen Näherfahrung zu tun, aber so könnte ich nicht arbeiten.

    Nahtzugaben werden von mir akribisch mit dem Geodreieck angezeichnet (erleichtert mir das Stecken der Nähnadeln), Kreuzungspunkte vom Kragen oder Ärmel oder vordere Mitte werden entweder mit Kreide markiert oder mit Heftfaden durchgeschlagen, gebügelt wird nach jedem Nähschritt etc, etc.

    Bei mir ist allerdings nicht das Ergebnis das Ziel, sondern der Weg dorthin. Mir macht es unendlich viel Spaß handwerklich zu arbeiten (meditatives Nähen). Dass dort am Ende (teilweise) etwas Produktives herauskommt, ist eine feine Nebensache.

    Ich möchte dir für deine Offenheit danken. Denn oftmals bin ich am Grübeln, wieso es bei mir ewig dauert bis ich etwas vorweisen kann. Durch deinen Post kann ich es jetzt verstehen. Vielen Dank!

    LG Martina

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  5. Lustig, genau solche Fragen, die Du beantwortest, liegen mir oft auf den Lippen.... Danke!

    Schade, ein Zwischenzeitfenster hab ich nicht, so komme ich halt hin und wieder dazu abends einen Schritt nach dem anderen zu machen...

    Vielen Dank für die Erklärung.
    Jacky

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  6. Wie beruhigend!! Danke!!
    GLG
    SImone

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  7. Offen gestanden finde ich es ganz normal so zu nähen wie du nähst, alles andere würde mir keinen Spaß (hat es auch nicht, als meine Mutter es mir früher zeigen wollte, reihen, bügeln, einzeln versäubern, Säume per Hand umnähen - schreckliche Erinnerungen werden da wach). LG Anja

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  8. Genial - das mit dem linken Faden der Ovi muss ich mir merken!
    Was die Nahtzugabe angeht: Es gibt einen Rollschneider von Prym (grün-lila), der hat so einen Abstandshalter dran, mit dem man relativ genau verschiedene Nahtzugaben einstellen und dann einfach schneiden kann...

    Liebe Grüße aus Paderborn

    Daniela

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  9. Oh da bin ich aber auch beruhigt weil ich auch eher "auf krawitschko" nähe. Manchmal denke ich mir hinterher, dass die 10 Minuten doch schon etwas gebracht hätten, aber 10 Minuten haben oder nicht haben liegt nicht immer in meinem Machtbereich :-D
    Und füher mal hatte ich ein schlechtes Gewissen und dachte dass das so ja gar nicht geht. Bis ich dann das ein oder andere Kaufteil aufgetrennt habe um den Schnitt zu übernehmen und gesehen habe, dass die das auch nicht besser machen und ich dafür noch richig Geld gezahlt habe. Von daher alles erlaubt hauptsache es macht Spaß :-D

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  10. Hallo Meike,
    ich gehe ähnlich vor wie du, und kann daher wenig Neues beitragen. Im Unterschied zu dir schneide ich die NZ allerdings nicht freihand, sondern zeichen sie mir vormm Ausschneiden des Schnittmuster an, und schneide das Schnittmuster dann direkt mit NZ aus. So kann ich ohne jegliches Nachdenken einfach mit dem Rollschneider drumrumrollen.
    Ähnlich wie du mach eich auch viel in kurzen Etappen - Mal schnell einen Saum, hier eine Naht, etc.
    Da ich meine Maschinen nicht wirklich aufbauen, sondern nur auf dem Tisch hin- un herschieben muß, lohnt sich das auch wenn ich wirklich nur 10 Minuten habe. Ich bekomme so deutlich mehr geschafft, als wenn ich mir alle Jubeljahre mal einen Abend dafür 'freinehme'.
    Stecken mach ich seeeehr wenig (meine Nähfreundin lästert schon darüber) und gebügelt hab ich bis vor Kurzem garnicht, mache es jetzt aber vermehrt, weil es das Ergebnis doch sehr verbessert.
    Ebenfalls hilfreich finde ich es, das Zuschneiden in einer Großaktion zu machen - sprich alle Teile die ich brauche auf einmal, gerne auch für mehrere Kleidungsstücke gleichzeitig.
    So hab ich immer zugeshcnittene Projekte, an denen ich, wenn sich ein Zeitfenster ergibt, mal eben kurz eine Naht nähen kann.
    Machbar ist das Alles so allerdings nur, weil ich ausschließlich simple Schnite nähe, bei denen ich nicht viel denken muß. Ich bin anscheinend eine Nähschlampe ;-)

    Grüße,
    naehfreundin

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