Freitag, 19. April 2013

Brauchen wir Kreativität?

Gestern las ich Frau Mima ein Post, dessen Inhalt und Kommentare mich im Nachhinein sehr erstaunten. Es ging um Unbehagen und auch Beschämen im Umgang mit Kreativität und DIY, es wurden kritisch Materiallager und Konsum diskutiert, obwohl das Anfeuern von Gelüsten und die Überschreitung von Grenzen zwischen Privatem und Geschäft bei vielen Blogs im DIY-Bereich ganz normal ist. Sichtlich waren die Diskutierenden betroffen. Ich nicht. Ich hatte den Beitrag auf dem iPad gelesen, da er mich nicht berührte, habe ich ihn ähnlich schnell weggeblättert, wie ein Bild von einem Kleidungsstück, das mir nicht gefällt. Ach, dachte ich, als ich das las. Achja. Und?

"Dieses Mal geht es um K R E A T i V i T Ä T und mein wachsendes Unbehagen an ihr. Bei aller Liebe wird sie mir nämlich langsam suspekt. Mitschuld daran tragen vor allem zwei Bücher: Die Erfindung der Kreativität von Matthias Reckwitz und Don´t do it yourself von Lisa Anne Auerbach. Beide Autor/innen setzen sich – aus verschiedenen Richtungen kommend – mit den gegenwärtigen Phänomenen der Kreativität auseinander und kommen zu einem Schluss: Kreativität als Idee für ein selbstbestimmtes, schöpferisches Leben und Gegenmodell zur Konsumgesellschaft sei gescheitert. Eine These, die mich als 'Kreativitätsgläubige' ziemlich verunsichert und die ich darum hier zur Diskussion stellen möchte. "
(Zitat aus dem Beitrag von Frau Mima "Don't do it yourself - oder das Unbehagen an der Kreativität)


Meine Näh-und-Weltversteh-Kränzchen diskutierte gestern abend noch über diesen Post. Also las ich ihn noch einmal Vielleicht hatte mich die Art und Weise, wie das an sich interessante Thema aufbereitet wurde nicht berührt, weil ich die Kreativität und das, was ich anstelle, nicht so hype. Klar, ich fotografiere meine genähten Werke und zeige sie und natürlich bin ich auch stolz darauf, aber ich habe eher das Gefühl, etwas Notwendiges für mich zu tun, als besonders kreativ zu sein. Wenn ich etwas handwerklich gut gemacht habe, dann lerne ich dadurch das Handwerk zu schätzen. Das unterstützt mich darin, immer wieder Geld für gut Gemachtes auszugeben und darauf zu sparen, wenn das Geld gerade nicht herumliegt. Ich nähe oder stricke, wenn ich ein Bedürfnis auf das Tun oder das Produkt habe habe, aber ich habe nicht den Anspruch, nun in allen möglichen textilen oder nicht textilen Techniken aktiv oder sogar kreativ zu werden. Mich interessiert das, was das Selbst gemachte mit mir macht. Und ich habe noch ein Leben neben dem Blog.

Früher habe ich Kreativitätstrainings gegeben, das passte schön in mein Erwachsenbilduns-Portefolio und war amüsanter als immer nur Projektmanagement. Ich machte hübsche Spielchen mit den Erwachsenen und wir hatten Spaß. Manch einer hatte nen Aha-Effekt, wenn er oder sie erfuhr, dass der Blickwinkel oft beschränkt ist und wie spannend es ist, mal über die vorher nicht wahrgenommenen Grenzen zu schauen. Mir war jedoch immer klar, dass ein Tag Kreativitätstraining das Leben und das Arbeiten nicht verändern würde. Es war Teil der Personal-Entwicklungsmaßnahmen fürs Image - aber davon sollte möglichst wenig in den Arbeitsalltag übernommen werden, um ja nichts durcheinander zu bringen. So weit und gut mit der Kreativität. Ich nahm und nehme sie nicht besonders ernst.

Damals hatte ich noch kein Hobby und sah etwas abschätzig auf Menschen, denen ihre Arbeit anscheinend so wenig Spaß bringt, dass sie zum Ausgleich ein Hobby brauchen. Das war natürlich dumm von mir. Heute habe ich ein Hobby, weil ich etwas, was nicht direkt zu meiner Arbeit gehört in meiner Freizeit mache und schätze den damit verbundenen Austausch mit Menschen, die ähnliche Dinge egal ob während der Freizeit oder beruflich machen. Das ist schön. Ob das, was ich mache, kreativ ist? Für mich unwichtig. Was ist eigentlich Kreativität? Ob jetzt aber das, was wir hier tun etwas mit der Arbeitswelt zu tun hat? Ob das, was ich früher unter dem Thema Kreativität unterrichtete und das, was ich in meiner Freizeit tue zusammenhängt? Ob wir das, was wir im Hobby lernen und ausprobieren in anderen Themenbereichen einsetzen? Keine Ahnung.

Es ist mir herzlich egal, ob das Bekleben der Lebenswelt mit Masking Tape, Papiergirlanden auf selbst gebackenen Muffins oder umhäkelte Laternenpfähle nun kreativ sind oder nicht. Vielleicht ist es das Gleiche wie "machen wir doch mal nen Brainstorming". Manchmal kommt etwas Ungewöhnliches dabei heraus und verändert diejenigen, die damit zu tun haben, manchmal nicht. Mir ist das aber egal und ich muß es schon gar nicht mit dem Label "Kreativität" behängen, nur um es wertvoller zu machen. Wollte ich wirklich etwas Neues schaffen, würde ich Schnittmuster wegwerfen und meinen RSS-Reader mit den Blogs löschen. Will ich aber nicht.

Ich glaube, dass die inflationäre Verwendung des Wortes Kreativität, sei es von denen, die sie ausüben und die Ergebnisse zeigen, von denen die ihre Produkte unter dem Label Kreativität verkaufen oder von denen die sie kritisch betrachten, letztlich völlig unnötig aber im kapitalistischen Wirtschaftssystem logisch ist, dann da, wo Beteiligung ist, ist ein Markt. Was unsere, in vielen Bereichen verkorkste, Welt braucht, ist Menschen, die die gewohnten Denkbahnen verlassen und den Mut haben, etwas Neues zu wagen, etwas anderes zu tun, auszusprechen, was sie denken und diejenige zu sein, die sie sein möchten. Brauchen wir dafür Kreativität?

Kommentare:

  1. Das inflationäre Benutzen des Begriffs "kreativ" finde ich kulturhistorisch gesehen schon sehr interessant, insofern sollte ich das Buch von Andreas Reckwitz wohl wirklich mal lesen - ich finde es schon lange absurd, dass sich jede Fliesenverlegefirma selbst als "kreativ" (oder womöglich gar "creativ") bezeichnet. Genauso wie sich ja so wahnsinnig viele Leute selbst als "unkonventionell" und als "Querdenker" bezeichnen. Aus der Lameng heraus würde ich vermuten, dass es einen Kreativitätskult seit gut 200 Jahren gibt - es ist schon interessant, dass sich der Begriff in den letzten 20, 30 Jahren so verbreitet hat, und dass "kreativ sein" so erstrebenswert geworden ist. Worauf Reckwitz das zurückführt, würde mich schon sehr interessieren. Wohin das führen kann, zeigt ganz prima diese PM von Kress: Burda Creative Group. Der Text ist Dadaismus. Es kommen 13mal die Wörter "kreativ" oder "creative" vor. Und es geht natürlich ums Verkaufen!

    Das Erstaunen in Mimas Artikel und in den Kommentaren, dass es sich bei dem ganzen Propagieren von Kreativität etwa nur um eine neue Verkaufsmasche handeln könnte, das hatte mich wiederum ziemlich erstaunt. Es scheint da einen großen blinden Fleck gegenüber dem eigenen Handeln und gegenüber der eigenen Position in diesem Spiel zu geben - und letztlich auch gegenüber den Funktionsweisen des Kapitalismus. Das hätte ich aus der Perspektive meiner Soziologen-und-Politikwissenschaftler-Filterblase nicht gedacht, insofern habe ich wirklich was gelernt gerade.

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    1. Ich wollte den Post von Mima auch nicht schlecht machen - schließlich hat er mich ja auch bewegt, auch wenn ich das zuerst nicht vermutete. Sonst hätte ich schließlich dazu nichts geschrieben.

      Das bei Mima zitierte Buch von Andreas Reckwitz finde ich auch sehr interessant, fürchte aber, das mit meiner derzeitigen mangelnden Übung im konzentriertem Lesen, möglicherweise nur in Konsum ausarten würde, wenn ich es kaufen würde, statt in Bewegung. Also mußt du es wohl lesen :-)

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    2. Danke für den Post, Lucy. Ob Frau Zumsteg mit ihren 34 Jahren und DIESEM CV wohl in ihrer Freizeit noch KREATIVEN Hobbys nachgeht...?!?

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  2. Hallo Meike, du hast mir aus der Seele gesprochen ..... dein Kommentar gefällt mir sehr gut! ohne weiter die angegebenen Links zu verfolgen, verstehe ich gerade nicht Ob? und Warum? man über dieses Thema diskutieren muß/sollte. Kann nicht jeder einfach das machen was ihm Spaß macht? Was einem etwas Ruhe gibt, nach einem stressigen Arbeitstag/Familientag! Was einem immer wieder neu herausfordert .... mal dieses oder jenes auszuprobieren ..... festzustellen, das es für einen persönlich vielleicht nicht das ist ... was andere einem erzählen. Bin ich kreativ? Jaein würde ioh mal sagen, ich arbeite nach Mustervorlagen ohne oder nur mit wenigen eigenen Änderungen. Ich finde toll das es Männer/Frauen gibt, die uns an ihrer Kreativität teilhaben lassen ... indem sie uns Ideen, Anleitungen usw. zur Verfügung stellen. Leben und leben lassen! Zuschauen - mitmachen - Inspiration - Respekt - nachmachen -teilen - jeder so wie er/sie mag! Oder?

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  3. Brauchen wir Kreativität? Aber natürlich, so viel wie möglich! Kreativität heißt vor allem Lösungen finden. Schöne Dinge herzustellen kann eine Teilmenge davon sein, muss es aber nicht, egal, ob handwerklich perfekt oder improvisiert.

    Nicht sonderlich kreativ ist es allerdings, tüpfelesgenau irgendwelchen Anleitungen zu folgen, die sich Andere ausgedacht haben. Das kann zwar sinnvoll sein, um eine Technik zu erlernen, oder auch, um mit wenig Aufwand ein tolles Ergebnis zu erzielen, gerade dann, wenn das Selbermachen dazu dient, einen funktionalen Bedarf zu befriedigen. Wer schlecht sitzende Mäntel leid ist, aber nicht das Geld hat, sich einen maßschneidern zu lassen, kann dem Missstand mit handwerklichem Geschick und einer guten Portion Lernen abhelfen. Da geht es nicht vordringlich um Kreativität - auch wenn das Auswählen des individuell passenden Stoffes und Schnittes schon viel im besten Sinne Kreatives hat.

    So richtig pseudokreativ wird es aber gerne bei "künstlerischen" Basteleien. Gefäße mit Serviettentechnik zu beziehen kann kreativ sein - im allerbesten Falle sogar Kunst! - aber ganz bestimmt nicht, wenn die Zutaten samt Anleitung im Set gekauft werden. Malen nach Zahlen für Erwachsene. Das ist allenfalls eine nette Beschäftigung zum Entspannen.

    Die kapitalistische Wirtschaft kapert irgendwann jeden Trend, indem sie Illusionen nährt, um ihre Produkte zu verkaufen. Insofern ist auch die Blogosphäre ein Teil der Unterhaltungsindustrie, auch wenn viele Blogger gerade nicht kommerziell denken. Jede Mode, jeder Hype entsteht im Kollektiven, jeder, der mitmacht, trägt dazu bei. Was erst mal nichts Schlimmes ist, sondern Spaß macht und auch machen darf, schließlich sind wir soziale Wesen.

    Worin liegt also das Problem? Wer aus Gründen der Nachhaltigkeit übermäßigen Konsum ablehnt, aber sich von dem überbordenden Angebot zu oft verführen lässt, empfindet das als Widerspruch. Klar. Dagegen hilft aber nur der innere Zensor. Halt nicht jedes Mal dem Impuls nachgeben, sondern gezielt kaufen. Und statt dessen öfter mit dem arbeiten, was schon da ist - wirkliche Kreativität wächst an Einschränkungen. Letztlich macht "die Industrie" nur Angebote, man darf sich auch abkoppeln und die Fülle nur dann nutzen, wenn man wirklich Bedarf hat.

    Viele Grüße
    Ursula

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    1. Hallo Ursula,
      Du sprichst mir mit deinem Beitrag aus der Seele!
      Ganz besonders gefällt mir "Und statt dessen öfters mit dem arbeiten, was schon da ist - wirkliche Kreativität wächst an Einschränkungen".
      Liebe Grüsse, Ly.

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    2. Zum Glück hat Ursula das so schön geschrieben, sonst hätte ich ganz schön viel tippen müssen. :)

      Kreativität entsteht nur, wenn man einfach mal anfängt was zu machen. Dem Tun einfach mal ´ne Chance gibt. Der Rest gibt sich dann oft von ganz allein.

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  4. Erstmal ist es doch so, dass ich (ich rede jetzt mal nur von mir, aber wahrscheinlichvfühlen einige schneiderlein ebenso) mich nicht als 'kreativ' in meinem Tun bezeichnen würde, jedenfalls nicht in erster Linie, sondern als handwerkend. Mag sein, dass das verschönern von paperlampen mit masking Tape eher das erstere ist, aber wie gesagt, ich rede hier für mich.
    Dieser ganze selbermachkram ist ja ein nicht zu übersehender Trend und ein solcher Artikel ist wohl die nicht zu vermeidende Konsequenz, wenn der Trend auch bei den Leuten angekommen ist, die im Gründe ihres Herzens vielleicht garkeibe Handwerker sind (dem Trend auf den Leim gegangen sozusagen...)
    Aber der Punkt ist ja, ich (und bestimmt einige Bloggerinnen mehr) haben schon genäht um mal bei uns zu bleiben, als da noch kein Hahn danach krähte. Ich hab mich als Teenager nicht drum geschert, was die anderen dazu sagen, ich hab es als Studentin nicht und ich tue es heute nicht. Ich genieße es total, dass ich heute viel besser an die Materialien komme, (die mir dann die Schränke verstopfen...) als früher, Trend sei dank, aber alles andere würde ich sonst auch so machen.
    Wer sich so von äußerlichen Erscheinungen beeinflussen lässt, sollte vielleicht mal darüber nachdenken, was ihm wirklich Spass macht...
    Ich geh dann mal nähen, oder stricken, oder so ;-)
    LG, Katharina

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  5. Ich sehe das ganz ähnlich. Ohne den besagten post gelesen zu haben oder die Bücher. Ob kreativ oder nicht, Hauptsache es macht Spaß! Aber ich muss auch zugeben, dass der Begriff kreativ bei mir irgendwie negativ besetzt ist. Fragt mich jetzt bloß nicht warum. Lg Lotti

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  6. Ich würde das DIY in meinem Fall auch nicht unter dem Label "kreativ" sehen, höchstens in dem Sinne, dass ich etwas herstelle. Eher wie Katharina verstehe ich es als selbstangeeignetes Handwerken. ir geht eine sog. kreative Ader in Sachen designen oder dekorieren vollkommen ab, dazu bin ich doch zu sehr Kopfmensch scheint mir. Ich fand es ja schon immer ein bisschen strange, wenn Leute ihre Kreativität ausleben, indem sie sich lauter Sets kaufen, sei es Seidenmalerei oder Serviettentechnik. Bei mir geht es eher um den funktionalen Bedarf, wie Ursula es nennt. Ich mache mir das, was ich immer schon haben wollte und was ich nicht kaufen kann. Aber das ist in meinem Fall sicherlich nicht nachhaltig, allerdings halte ich mich trotzdem für kritisch - aber eher in Bezug auf Themen wie Mode und Bodyimage und Selbstermächtigung.

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    1. - selbstangegeignetes Handwerken
      - funktionaler Bedarf

      Ich glaube das sind die Vokabeln, die ich in der Tat hilfreicher auch für das, was ich tue, finde, als Kreativität. Abgesehen von der Modevokabel, habe ich auch immer das Gefühl, dass das "Schöngeistige", bei dem es ums Schmücken geht, mir auch ziemlich abgeht. Das sieht vielleicht nicht so aus, wenn ich nähe, aber z.B. mit Deko habe ich es ganz und gar nicht und bin immer hilflos, wenn ich da ran muß.

      Und was Bodyimage und Selbstermächtigung betrifft, bin ich natürlich bei dir. Wie legen eben einen anderen Fokus. Vielleicht ist das der Grund, wieso ich mich bei Kreativität nicht angesprochen fühlte.

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  7. Statt talentfreischoen hätte ich mein blog auch kreativfreischoen nennen können. Im ernst: Ich bin nicht kreativ, ich bin kein kreativer Mensch. Ich hab's überhaupt nicht mit arrangieren und die Wohnung hübsch machen, meine Basteleien mit den Kindern sind sehr begrenzt und ich hab kein Händchen für Deko. Bei uns ist auch nicht so aufgeräumt dafür :)
    Das Nähen ist eher eine niederschwellige Form der Kreativität, man hat einen relativ stabilen Rahmen (den eigenen Körper und das ausgewählte Schnittmuster), den man ein wenig variieren kann (Rock kürzer oder länger) und lässt dann - mit der Auswahl der Stoffe - "der Kreativität freien Lauf", haha. Ich sehe das auch eher als handwerkliches Tun, das aber einer anderen Motivation entspringt als "kreativ" sein.
    Es gibt ja auch seit geraumer Zeit diesen Koch-Trend, befeuert durch Kochshows, blogs, Bücher etc. Keine Ahnung, ob es wirklich Leute gibt, die vorher nie gekocht haben und sich jetzt kreativ in ihrer Küche austoben? Ich seh das wie Katharina: hab schon immer gekocht und werde es auch machen, wenn das wieder völlig out ist.
    Bei dem Link von Lucy musste ich dran denken, dass es im businesstalk neben dem Imperativ der Kreativität auch den der Innovation gibt. Wir sind ja so innovativ...

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    1. Ach, Wenn wir erstmal mit Bullshit-Bingo anfangen, dann gibts da noch unzählige Begriffe, an denen wir uns reiben können.

      http://de.wikipedia.org/wiki/Buzzword-Bingo

      Mir wird aber an euren Antworten auf einmal klar, dass neben den Inhalten, sich reine Nähblogs auch genau über dieses Keativitätsding von anderen DIY-Blogs unterscheiden. Das ist nur ne gedachte Linie, denn es wird schwierig sein, Blogs klar zuzuteilen (ist auch gar nicht nötig), aber es hilft mir die Unterschiede zu benennen bzw zu verstehen. Spannend!

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  8. Haha, wie wäre es mit Badeanzüge selbst entwerfen?http://www.funnylegs.de/home.php?inc=eigendesign4

    Dann will ich aber auch mit euch Synchronschwimmen!

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  9. Eine interessante Diskussion, die losgetreten wurde. Doch irgendwie verbinde ich die wenigsten Punkte mit Kreativität. Kreativität existiert aus meiner Sicht um ihrer selbst Willen, unabhängig davon ob künstlerisch oder eher als handwerkliches kreieren. Sie ist von sich aus weder konsumkritisch noch konsumwütig oder sonst irgendetwas.

    Die Gründe, um sich kreativ im weitesten Sinne auszuprovieren oder auszuleben, können mannigfaltig sein. Einer von vielen ist sicherlich, sich von dem derzeitigen Trend anstecken zu lassen.
    Wenn mit DIY oder Kreativität jedoch eine Lebenseinstellung wie Konsumkritik verbunden werden soll, gehört dazu zwangsweise wie bei jeder anderen Umstellung der Lebensweise eine bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen (Konsum)verhalten. Auch eine gesündere Lebensweise erreiche ich nicht dadurch, dass ich manchmal einen Apfel esse, den Rest aber wie gewohnt beibehalte.

    Als überspitzt formulierter Denkansatz ohne irgendjemanden auf die Füsse treten zu wollen: "Einfach mal etwas selber zu machen ist nicht immer gleichzusetzen mit einer bewussten Konsumhaltung und bedeutet auch nicht zwangsweise eine Abkehr von einer Wegwerfgesellschaft. Die Anschaffung von Material (gesammelt oder gekauft), um im weitesten Sinne kreativ zu sein, ist nicht immer gleich Konsumwut."

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  10. So, und weil wordpress oder blogger oder das Spaghettimonster mich ärgern wollten, wurde mittlerweile alles schon gesagt, was ich vor Stunden aufgeschrieben habe und dann ins Nirvana geschickt wurde.
    @Lucy: Auch ohne Soziologinnen- und Politikwissenschaftlerinnen-Filterbubble kann dieser "große blinde Fleck gegenüber dem eigenen Handeln und gegenüber der eigenen Position in diesem Spiel" irritieren. Ich frage mich ernsthaft, wie das sein kann, dass den Kommentatorinnen beim verlinkten Blogpost noch nie aufgefallen ist, wie sehr konsumorientiert dieser DIY-Trend ist.
    Aber ich begrüße die Professionalisierung auch, weil ich mir schon vor 25 Jahren bedrucktes Papier, Motivlocher u.ä. gewünscht hätte. Denn natürlich sieht eine selbstgebastelte Schachtel aus bedrucktem Papier weniger selbstgebastelt aus als eine Schachtel aus Tonkarton, die dann mit Geschenkpapier beklebt wurde. Aber wenn die selbstgebastelten Sachen haargenauso aussehen wie die im Nachbarblog, dann muss eine doch merken, was da los ist, oder? Dafür brauchts doch keine schlauen Bücher...

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  11. Ein gutes Thema, danke fürs Teilen der Links!

    Zitat Frau Crafteln: ´Was unsere, in vielen Bereichen verkorkste, Welt braucht, ist Menschen, die die gewohnten Denkbahnen verlassen und den Mut haben, etwas Neues zu wagen, etwas anderes zu tun, auszusprechen, was sie denken und diejenige zu sein, die sie sein möchten. Brauchen wir dafür Kreativität?´

    Ich bin der unmaßgeblichen Ansicht, daß die gewohnten Denkbahnen zu verlassen, etwas neues zu wagen, schon die eigentliche Kreativität, das eigentlich Schöpferische, IST.
    Wenn gefragt wurde, ob wir dafür vorgefertigen Design-Schnickschnack brauchen, dann sage ich dazu ein ganz klares Nein.
    Das brauchen wir nicht. Wirklich nicht. Allenfalls als Anstoß, unsere eigenes durch Konventionen, verschultes Lernen, Langeweile, ein enges gesellschaftliches Korsett und ausufernden Konsum verschüttetes Schöpfertum wiederzuentdecken.

    * * * * *
    Gute, interessante Beiträge und Denkanstöße, Danke!
    Liebe Grüße, Sathiya

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  12. Eine interessante Diskussion!
    Ich würde das meiste, was ich so werkle, auch nicht kreativ nennen. Ich bin sehr gut im Aufnehmen vielfältigster Eindrücke & Ideen, aber selten kommt beim Umsetzen etwas Kreatives, Eigenständiges heraus. Aber es macht mir Spaß, bringt mir Erholung, Abschalten u.ä. und Produkte, die man auch noch verwenden kann.
    Dem Begriff ist offensichtlich das widerfahren, was so vielen Begriffen in der Jetztzeit passiert: Sie werden aufgeplustert, ausgehölt und missbraucht, um etwas ganz anderes an Frau & Mann zu bringen. Das sollte man sich klar machen, ändert doch aber nichts an der Freude beim produktiven eigenen Tun, oder?

    Liebe Grüße
    Astrid

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  13. "Was unsere, in vielen Bereichen verkorkste, Welt braucht, ist Menschen, die die gewohnten Denkbahnen verlassen und den Mut haben, etwas Neues zu wagen, etwas anderes zu tun, auszusprechen, was sie denken und diejenige zu sein, die sie sein möchten. "

    Für mich hat das nicht einmal etwas mit Mut zu tun. Es ist mir einfach ein Bedürfnis, mit meinen eigenen Händen etwas zu erschaffen und dabei alle Grenzen zu sprengen. Ich will mich weder von einem Schnitt- oder Strickmuster mit Materialvorgabe noch von der Mode einschränken lassen. Ich habe in den frühen 90ern Röcke und Kleider getragen, als es fast niemand tat. Ich habe in den letzten 30 Jahren immer gestrickt, egal ob es gerade modern war oder nicht. Vor mir ist kein Vorhang, keine Tischdecke und keine Plastiktüte sicher. Dabei entsteht viel Murks, aber es macht mir Spaß und ich mag dieses Abenteuer. Ich kann aber genauso verstehen, wenn jemand (wie z.B. meine eine Schwester) gar keine Handarbeiten macht und alles von der Stange kauft. Oder wenn jemand eine Zeit lang strickt, weil es gerade Mode ist. Ich sehe da auf niemanden herab.

    Für manche ist es schon gewagt, Kleidung verschiedener Designer miteinander zu kombinieren oder einen Schal als Gürtel zu tragen. Andere stricken Socken, aber nur streng nach Anleitung. Und wieder andere kaufen IKEA-Bettwäsche, um daraus ein Kleid nach eigenem Entwurf zu nähen. Soll doch jede_r machen, was Spaß macht. Wir müssen das nicht vergleichen, benennen und skalieren.

    Solche "Das ist so!"-Bücher sind doch der letzte Mist. Egal ob mir nun erklärt wird, dass Bio auch nicht gesünder ist oder das Klima sich gar nicht erwärmt, ich lasse mir meine Einstellung weder vorschreiben noch demontieren. Und Begriffe wie "Kreativität" oder "Nachhaltigkeit" brauche ich auch nicht. Das sind Schubladen, in die ich nicht passe, weil ich mich im Laufe des Lebens und manchmal auch im Laufe eines einzigen Tages verändere. Vormittags Bio-Müsli, abends Aldi-Tütensuppe.

    Liebe Grüße,
    Henriette

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  14. Moin moin, hier kommen ja einige Denkanstöße zusammen. Was mir aber wirklich deutlich im Gedächtnis hängengeblieben ist, ist diesetr Satz: "Und statt dessen öfters mit dem arbeiten, was schon da ist - wirkliche Kreativität wächst an Einschränkungen". Das trifft bei mir nämlich genau den Punkt, dass ich mich oft bremsen muss, nicht noch einen Stoff zu kaufen, wenn ich etwas aus meiner Schnittbogensammlung nachnähen möchte.

    Denn ich finde, genau das macht für mich "Kreativität" aus: Das Vorhandene nehmen und etwas daraus machen. Haargenau den z.b. in der burda abgebildeten Stoff beim Hersteller zu bestellen, kommt dem in meinen Augen nicht nahe. Mit einer kleinen Abwandlung in Material und Farbe wird da dann etwas völlig anderes draus. Vielleicht ist es auch dies, das mich daran hindert, allwöchentlich dem besten Schnäppchen hinterherzujagen. Lieber weniger oft und dafür aber geschaut, ob nicht schon ähnliches Material wie das benötigte im Hause ist.

    Liebe Grüße
    Ulrike

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Ich freu mich sehr über Kommentare! Sie sind kleine Geschenke für mich! Vielen, vielen Dank im Voraus.